Ausgabe 
6.10.1924
 
Einzelbild herunterladen

Polen und Rußland.

Polnische Annäherungsversuche ans Kosten Deutschlands.

(Eigener Informationsdienst.)

i Berlin. 6. Ott. (Drahtmeldung.) Die pol­nische Regierung bermht die Zwistigkeiten, bve fich wegen der zahlreichen russischen Dan- denein fälle in Polen ergeben haben, zu ferner diplomatischen Fühlungnahme mit der Sow- .)etregieuinß, die einerseits da^v. dienen soll, an [her polnischen Ostgrenze lmedei. erträgliche Zu- ^ände herzu stellen, aus der anderen Seite aber *^r*> Annäherung zwischen Polen und *3 u f? f r i bc :i -u>»bren. die auf Kosten

Amerika

und der Völkerbund.

Die republikanische Presse gegen Amerikas Eintritt.

, Reuhork. 5. Ott. (VLB.) Die Beschlüsse 'des Völkerbundes in Genf ertoeden in den Ber­einigten Staaten allgemeines Interesse uni) werden in der gesamten Presse redaktionell besprochen.Rew Bork World" spricht begeistert ;t»n dem Fortschritt, den die Sache des Friedens gemacht habe. DieRew York Limes" erklärt es fiir lächerlich und unwürdig, daß der Friedens- gekumke, der aus Amerika stamme, jetzt ver­wirklicht werde, während die Regierung der DeIeinigten Staaten kühl abseits stehe. Rach der Präsidentenwahl müsse dieser Zustand geän­dert werden. Das ReuhorkerJournal of Som­merer" hält eine längere Ignorierung des Völkerbundes nicht mehr mög­lich. Einmal müsse die Vogelstrauhpolltik gegen­über dem Völlerbunde aufgegeben werden. Der Eintritt der Vereinigten Staaten sei vielleicht nicht nötig, wahrscheinlich würde ihre Mitar­beit apf bestimmten Gebieten genügen.

Ganz ablehnend urteilen die r e p u b l i - kanischenDlätter. DieChicago Daily Tri­büne" warnt unter der HeberschriftDer Völker- bund gegen Amerika" vor dem Eintritt in den Völkerbund, wo Fremde über ameri­kanische Lebensfragen entscheiden würden. DieWashington Post" betont, es sei unmöglich, einer fremden Organisation Be­fugnisse über amerikanische Belange zu übertragen. Das stehe in Widerspruch mit der Verfassung. Die Rew Port Tribüne" bezeichnet das Genfer Pro­tokoll als eine Drohung gegen Amerika. ^Philadelphia Public Ledger" ist empört, daß der Völkerbund sich amnahe, über das amerikanische Einwanderungsgeseh und andere für Amerika vi­tale Fragen zu entscheiden. Das Blatt bezeichnet die von dem französischen Wortführer ausgespro­chene Hoffnung, daß Amerika am Völkerbund als Mitglied teilpehmen werde, als eine Frechheit.

Auch Prä s ident Cvvlidge hat in einer Denkmals rede in Washington zur Dölkerkmds- svage Stellung genommen. Er erklärte, in den auswärtigen Beziehungen müsse der Friedens­gedanke zur Geltung gebracht werden. Er wies ruf das Verlangen Lbnerikas hin, Mitglied des Deltgerichtshofes zu werden und die Abrüstung weiterzufördern, erklärte jedoch, daß Amerika nicht beabsichtige, eine andere Macht oder eine Gruppe von Mächten mit der Vollmacht ruszustatten, für Amerika Entschlüsse zu fassen. Davis, der demokratische Präsidentschaftskandidat, verpflichtete sich dagegen, falls er zum Präsidenten gewählt weiden würde, die Vereinigten Staaten offiziell aus jeder Abrüstungskonferenz bertruten gu lassen. Er wünsche ferner, die Vereinigten Staaten als Mitglied des Völker­bundes zu sehen.

König Husseins Ende.

Englands Orientsorgen sind um eine neue vermehrt worden: der Aufruhr der Waha- b i t e n in Arabien hat zu einem Erfolge ge­führt, König Hussein vom Hedschas hat seine Hauptstadt fluchtartig verlassen muffen, in Mekka aber, wo er vor den heranrückenden WaHabiten Schuh zu finden glaubte, unter dem Druck der Be­völkerung seine Abdankung vollzogen. Da es sich bei dem Ausstand der Wahabiten gegen König Hussein in der Hauptsache um eine reit3 giöse Angelegenheit handelt, und die Wahabiten eine mohammedanische Sette, die über ganz Ara­bien verstreut ist, in König Hussein ihr religiöses Oberhaupt nicht anerkennen wollten, dürfte diese Bewegung nicht allein auf Hedschas beschränkt bleiben, sondern sich auch auf die übrigen Kleinstaaten, die England in Arabien ge- schafsen und unter seine Kontrolle gebracht hat, aus dehn en.

Daß dadurch die Situation Englands aus 6er arabischen Halbinsel und angesichts des Sttxi- tes mit Angora um Mossul und ter Aus- ernandersetzungen mit Kairo toer.en des Su­dans in allerstärkste Mitleidenschaft gezogen rom), liegt aus der Hand, zumal die religiösen Kämpfe sehr leicht einen antienglischen Chart er annehmen tönnten. Immerhin, auch be: Fünrer der Wahabiten, Iben Saud, war während des Weltkrieges ein Parteigänger der Engländer, dürfte also auch in Zukunft englischen Ernslüffen sehr leicht zugänglich sein, zumal dse Engländer es in Arabien bisher -so gehalten haben,der eingeborenen Bevölkerung wei estgehende Selb­ständigkeit zu gewähren. Dennoch ist die Ab­dankung des von der englischen Tte-jienmg ein­gesetzten König Husseins, d.e nicht freiwillig, son­dern unter dem Zwang der Aufständischen er- | folgte, ein schwerer Schlag für Großbritannien.

Die britisch-ägyptischen Verhandlungen.

London, 5. Ott. (WTB.) Reuter er­fährt aus ägyptischer Quelle, daß Mac- donald die Zurückziehung der bri­tischen Truppen aus Aegypten wegen des Schutzes des Suez-Kanals ad­le h n t e. Zaghlul Pascha habe dann vor­geschlagen, diesen Schutz dem Völkerbund zu übertragen, was aber Macdonald abge- lehnt habe , der seinerseits ein englisch­ägyptisches Bündnis vorschlug. Zagh­lul Pascha nahm das an, erttärte aber, em solches Bündnis sei unmöglich, solange bri- E tische Truppen in Aegypten ständen.

Deutschlands zu erfolgen hätte. Polen glaubt den gegenwärtigen Augenblick benutzen zu müssen, in dem sich bei der Sowjetregierung wegen der Dölkerbundfrage eine gewisse Mißstim­mung gegen Deutschland herausgebildet hat, um seinerseits eine Annäherung mit Rußland zu vollziehen und Deutschland aus der Rolle des begünstigten Freundes in Moskau zu verdrängen. In Polen ist man besorgt, auf Frankreich nicht mehr in jedem Falle sicher zählen zu können. Man will sich daher gegenüber Rußland zu Zugeständ­nissen bequemen, die Polen noch vor kurzer Zeit mit Entrüstung von sich gewiesen hätte.

Die Kämpfe in Georgien.

Paris, 5. Ott. (£it) Die georgische Legatton veröffentlicht ein Kommunique, daß die Kampftätigkeit im Kaukasus wieder zu­genommen habe. Zusammenstöße zwischen den Aufständischen und den Sowjettruppen neh­men immer mehr die Form eines regel­rechten Krieges an. Die Georgier Haden wleder die Offensive ergriffen, so daß die Sowjettruppen sich zurückziehest mußten, nachdem der Kampf lange unentschie­den hin und her gewogt hatte. Sie liehen zahlreiche Tote und Verwundete auf dem Schlachtfelde zurück. Außerdem wurden 500 Gefangene gemacht. Es gelang den Aufstän­dischen, in die Stadt Ozourzunthi einzudrin­gen, wo sie die Gefangenen befreiten. Aus Papieren, die bei gefangenen Sowjetsoldaten vorgefunden wurden, geht hervor, daß die Moskauet Tscheka Befehl erteilt hat, die Namen der in Georgien erschossenen Personen nicht mitzuteilen.

Ein Mörder Mateottis in MarseiUe verhaftet.

Paris, 5. Ott. (Tel.-Hn.) Schon vor einigen Monaten batte der italienische Generalkonsul in Marseille der Polizeibehörde mitgeteilt, daß eener der Mörder des sozialistischen Abgeordneten Mate- otti, namens Panzeri, sich mit einem Mitschul­digen nach Marseille geflüchtet habe. Trotz aller Nachforschungen konnte er aber noch nicht gefunden werden, aber sein Komplize, Augusto M a l g r i a, 38 Iahve alt, wurde in Marseille verhaftet zusammen mit seiner Geliebten Anto­nella D e s e r i a. Ein Freund von ihm, namens S a n g e r i, konnte sich durch die Flucht d e r D e r- Haftung entziehen. Man glaubt, daß er sich nach Paris begeben hat. Malagria gab in sei­nem Verhör zu, daß er der Direktor des Faszistendienstes in Rom war. Gr lebte in Marseille unter dem falschen Namen George Lobert. Er erttärte. den Zufluchtsort seines Freun­des zu kennen, lehnte aber jede Angabe darüber ab. Er wurde bis zur Erledigung des Ausliefe­rungsverfahrens in Haft genommen, feine Geliebte aber auf freien Fuß gesetzt. Malagria ist ein in­timer Freund der beiden Hauptschuldigen Rossi und Domini.

Der Kampf Tschang Tso Lins gegen die Pekinger Regierung.

London, 6. Ott. (TA.) Die Lage inChma ist nach wie vor ungeklärt. Die Kämpfe haben nachgelassen. Es macht sogar den Eindruck, als seien sie vollständig eingestellt. Tschang Tso Lin, der Kriegsherr der mandschurischen Trup­pen, hat, wie englische Blätter melden, dem diplo­matischen Korps in Peking telegraphisch ange- droht, er werde die ma n d schurischenWeg- Solleinnahmen m H Beschl ag be­legen, bis die Pekinger (Regierung 4 Millionen Mexikanische Dollars Schahanweifungen ausgegeben hätte. Als Sicherheit für diese Schatzanweisungen dient angeblich die Pfundsiche- rung für den deutschen Anteil an der Boxer- entschädigung. Zur Sicherheit des Zinsen­dienstes ist hje 3. und 4. innere Anleihe verwertet worden, wovon die 3. gegenwärtig vollständig und die 4.-beinahe amortisiert ist. Die Regierung beabsichtigt deshalb, eine neue Anleihe auf Grund derselben Sicherung auszugeben. Tschang Tso Lin ist nur der Meinung, daß die diplo­matischen Vertreter in Peking teilweise für die Verwendung der Zolleinnahme verant­wortlich sind, da in dem Abkommen zwischen China unb den auswärtigen Gesandten im Iahre 1912 die chinesische Regierung nur den Heber» schuh der Einnahmen aus der Wegzollverwil- tung nach Abzug der auswärtigen Zinsverpflich­tung erhält. Es bandelt sich offenbar in diesem Falle um Einnahmen, die aus den Heberschüssen stammen, und die der Gerichtsbarkeit des diplo­matischen Korps in Peking unterstehen.

Aus aller Wett.

Vor der Ausreise des Z. R. III.

Paris, 6. Ott. (T.H.) Der Reuhorker Herald erfährt aus Washington, daß der Kapitän George W. Steel, der sich zur Zeit in Friedrichs­hafen befindet, zum Kommandanten der Luftschiff st ation Lakehurst ernannt wurde. Kapitän Steel wird außerdem zum K a p i- t ä n d e s Z. III ernannt werden. Iakob- Klein, der zur Zeit an der Spitze von Lakehurst steht ist zum ersten Offizier der Station und des Luft­schiffes auserschen. Nach den letzten Meldungen, die das Washingtoner Marinedepartement aus­gegeben hat, totrb Z. R. III am Mittwoch seinen Flug an treten.

*

Der britische Luftschiff sachver-- ständige, Parlamentsmitglied Bulneh, ist nach Friedrichshafen geflogen, um den Z. R. III vor seiner Abfahrt nach Amerika zu be­sichtigen. Der Berliner- Berichterstatter des Ob­server schreibt, wenig Schiffe hätten je ihren Ha­fen mit so vielen Hoffnungen verlassen, wie dieser Luftriese, dessen letzter Anblick einen epoche - machenden Zeitpunkt in der Geschichte eines langsamen aber sicheren Schrittes Deutsch­lands in Der Richtung auf seinen Wiederauf­bau bedeute.

Der Berliner Weltfriedenskongreß.

Evnntagvormittag fand in dem mit Lorb.er und Blumen geschmückten Plenar Sitzungssaal? de-; Reichstage bi: feierliche Eröffnungssitzung des 23. Weltfriedenskongresses statt. Ee ator La Fontaine-Belgien bezeichnete die Tats che, iah die diesjährige Tagung in Berlin flatifrnbe, tiüs

ein Zeichen der Ermuttgung unt> Hoffnung. Gegenwärtig bewege ein unendlich starker Wunsch nach Beruhigung, Verständigung und Stieben die Welt. Die Aufgabe des Kongreffes sei zp prüfen, ob die von den Diplomaten in Genf ausgeac- beiteten Vorschläge, die diesen Zielen dienen sollen, wirklich geeignet seien, zukünftige Kriege zu ver­hindern. Die versprochene teiltoeife Abrüstung sei nur ein bescheidener erster Schritt und müsse von der wirtschaftlichen Abrüstung be­gleitet sein, denn die Zollschranken bildeten eine beständige .Ursache von Konflikten. Eine e i n-- heitliche Zollunion der Welt müfe ange­regt werden. Es gelte ferner die Er.iehung der Massen und die Führer zrt beeinif.u sen, damit der Friedensgedanke die Oberhand behalte.

Sodann begrüßte der Vorsitzende den an­wesenden Frithjof Raufen. Die Versam­melten erhoben sich ihm zu Ehren von den Plätzen. Nansen dankte für den herzlichen Empfang. Schwer sei die Zeit der letzten Iahte für Deutschlands Bewohnet gewesen, vielleicht noch schwerer als für die anderen Länder. Ietzt sehe man jedoch die Morgendämmerung. Er glaube, daß die Sonne auch wieder einmal über dem Abendlande empor- fteigen werde.

Der frühere Reichstagspräsident L o e b e ge­dachte der verstorbenen Vorkämpfer der Friedens­idee. Die Veteranen her Friedensbewegung könn­ten jetzt mit Stolz erkennen, daß ihre Saat auf­gehe.

, Die Düsseldorfer Dilderdiebe in Amsterdam verhaftet.

Die beiden Diebe, die vor einigen Tagen in dem Düsseldorfer Kunstpalast mehrere wertvolle Gemälde aus dem Rahmen schnitten, sind in einem Amsterdamer Hotel er­mittelt worden. Sie leugneten zwar den Dieb­stahl, wurden aber von zwei Museumswärtern, die mtt deutschen Kriminalbeamten nach Amster­dam gefahren waren, als die beiden der Tat ver­dächtigen Besucher des Museums toi ober» erkanpt. Gegen beide wurde ein Ausliefe- rungsverfahren eingeleitet.

3n 17 Tagen 21 Straßendahnzusammenstöhe in Berlin.

Nach einer von bet Montagspost veröffent­lichten Statistik haben sich btt der Berliner Straßenbahn in der Zeit vom 16. Sept, bis 4. Oktober, also in 17 Tagen, 21 Zusammen­stöße ereignet, bei denen 77 Personen verletzt wurden.

Dootsunglück auf der Anterelbe.

Auf der Hntevelbe stieß bet Ochs enwär- der das Segelboot eines Hamburger Kaufmanns mit einem Schleppdampfer zusammen und ken­terte. Alle drei Insassen fielen ins Waffer. Es gelang nur, den 12jährigeu Sohn des Kauf- mannS zu retten, während dieser und seine Frau den Tod in den Wellen fanden.

Kampf mit Wilderern.

In dem Forst von H oh e nbä r n ekp w btt Grimmen (Pymmern) kam es zu einem Zu­sammen stoß zwischen Forst beamten und Wilderern, wobei der Arbeiten Lüssow durch einen Schuß so schwer verletzt wurde, daß er bald nach seiner Einlieferung in die Greifswalder Klinik starb. Der zweite Wil­derer wurde if e ft g e n d m m e n.

Der Alkoholschmuggel im Reuhorker Hafen.

In den Neuyorker Hafen wurde ein e n g- lischerDampfer eingeschleppt, dessen Be­satzung, 28 Mann und zwei Frauen unter bewaffneter Bedeckung stand. Es wird behauptet,' daß das Schiff Alkohol im Wert von einer halben Million Dollar an Bord hatte. Die Pohibittons- behörden glauben einem riesigen englisch--ame-> kanischen Alkoh.lschmuggtt-Hnternchmen, da-S mit einem Kapital von 10 Millionen Dollar arbeite, auf Die Spur gekommen zu sein.

Die Schäden des Erzerumer Erdbebens.

Rach einer Havasmeldung aus Konstantinopel sind im Bezirk Erzerum während des letzten Erd­bebens 200 Personen getötet worden. Fer­ner sind 500 Stück Vieh umgefommen. 3872 Wohnungen wurden vollständig zerstört 2500 beschädigt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 6. Ott. 1924.

Unsitten im Radfahrverkehr.

Von einemsoliden" Radfahrer geht uns die nachstehende Zuschrift zu, in der dem Publi­kum in der Gesamtheit einiges zum Nachdenken gesagt wird.

In der Donnerstag-Nummer desGießener Anzeiger" verlangt ein Einsender. . . seitens der Polizeiverwaltung durchgreifende Maßnahmen zur Regelung des Derkchrs mit Fahrrädern . . .. damit diese (die Radfahrer) wissen, wie sie sich den Fußgängern gegenüber verhalten sollen."

Ohne hier den Hnfitten und Roheiten ein­zelner Radfahrer das Wort veben zu wollen und ohne irgendwie von dem dargestellten Falle auszugehen, möchte doch einer vond e n Radfahrern", die ja in ihrer Gesamtheit von dem Einsender der Gefährdung der öffentlichen Eicherhttt bezichtigt werden, einiges vom Rad­fahrerstandpunkte" aus hinzuzufügen.

Lieber Fußgänger," so möchte er vor allem rufen,sei du bitte auch nur ein ganz klein wenig rücksichtsvoll und, wenn das zu viel verlangt ist, ein wenig vorsichtig. Stolziere nicht über den Fahrdamm als Hans-guck-in-die-Luft und postiere dich nicht gerade (womöglich mit einigen Freunden eifrig ins Gespräch vertieft) an Stellen mit lebhaftem Verkehr. Tue bitte nicht so, als fei der Fahrdamm nur für dich da und duallein auf weiter Flur". Ziehe vielmehr dann und wann einmal in wohlwollende Betrachtung, daß die Straße auch anderen dient, daß es Autos und es ist Tatsache Radfahrer gibt, die sie gelegentlich auch mal benützen möchten. Horch auch ein wenig auf deren Klingelzeichen: laß' den armen Radfahrer sich nicht die Hände wund llingeln (und.dir die Ohren taub) und behandle ihn nicht ganzals Luft". Andernfalls tonnte es dir Vorkommen, daß du plötzlich unltebfam überrascht wirst: denn nicht jeder Radfahrer ist so geschickt, sein Fahrzeug dahin zu lenken, wo du ihm gerade nicht hmebrrermst ober vorher

abzusteigen. Dazu gehört oft viel, sehr viel Ge­schick.

Affv bitte, lieber Fußgänger jedem das Seine. Der Radfahrer soll in der notwendige!: vorsichtigen Weise fahren und fahren können. Du aber mach' bitte, wenn du auf dem Fahr dämm ICytß'iteft, die Augen etwas weiter auf als ge­wöhnlich und fei ebenfalls ein wenig rücksichts- roll. Wir soliden Radfahrer nehmen ja als unverbesserliche Optimisten an, daß du. lieber Fußgänger, auch unseren Wünschen etwas ent­gegenkommen wirst, und daß wir nicht die hoh^ Polizei anzurufen brauchen, d^mit sie dich lebie. "wie du dich auf der Fahrslr.rhe einem Rad fahre, gegenüber zu verhalten hast".

Einer vonden Radfahrern".

£ 1

Obstpreise in Stadt mib Laad.

Die Landwirtschaftskammer für Hessen bittet uns um die Ausnahme der nach­stehenden Mitteilung:

Eine außergewöhnlich reiche Obsternte in Pfirsichen liegt hinter uns. Wochenlang er­hielt der Landwirt für mittlere Ware 4 bis 8 All pro Zentner. Wie waren hingegen die Preise au> öen Märkten und in den Ladengeschäften?

Heberaus reich ist die derzeitige Ernte in Virn e n. Feine Herbstbirnen, wie Gellerts Butterbirne, Amanlis usw. kann man draußen auf dem Lande überall zu 3 bis 5 Mark per Zentner kaufen: und der Preis in den Städtt-i = 15 bis 20 Mark. Für Tomaten erhält be Anbauer draußen auf dem Lande durchschnitt lich 4 bis 8 Mark per Zentner der Preis in den Städten 15 bis 25 Mark.

Heberall begegnen wir einer ganz ur gesunden Spannung zwischen Erzen ger- und Kleinverkaufspreis, die er? mit sich bringt, daß der obst hungrige Städte.- von diesem Obstsegen nicht viel hat, weil das Obst ihm allzusehr durch Handelsaufschläge ver­teuert wird. Die Steuern und Frachten machen einen kleinen Teil Mehraufschlag gegen früher nötig, aber keine 100 bis 300 Proz. Ändererseits verfaulen unendliche Mengen Obst draußen auf dem Lande, weil der Zentnerpreis von 4 bis 7 Mark dem Handelsmann oder Aufkäufer ein­fach zu hoch erscheint. Die Löhne auf dem Lande sind aber nicht derart gesunken, um für 3 bis 5 Mark per Zentner gepflücktes, besseres Obst liefern zu können. Es ist ein Iammer, wenn man den Gottessegen draußen sieht und die Mengen betrachtet, welche infolge der hohen Preise in so spärlichem Hmfange in her Stadt konsumiert werden können. Hierin müßte unbedingt Abhilfe geschaffen werden.

Wettervoraussage,

für Dienstag.

Hnbeständig, zeittveise aufllärend, südliche bis westliche Winde mit Regenfällen, wenig veränderte Temperaturen.

Hnser Bezirk steht unter der Einwir­kung der südöstlichen Ausläufer eines mit seinem Kern über Schottland liegenden Fall­gebiets, das fetf gestern besonders auf seiner Ostseite an Raum gewonnen hat.

*

** Für Iäger. Das Hessische Ministe­rium des Innern hat besttmmt: Die Schuß- zeit für weibliches Wild wird im laufenden Iahr auf die Zeit vom 1. bis 30. September beschränkt. Die Hegezeit für männliches Reh- weld beginnt in diesem Iahr mit dem 1. De­zember.

** Die Amnestie nach dem Londoner Abkommen. Die von dem französischen Mili­tärgericht in Abwesenheit verurteilten Personen, die die Amnestie des Londoner Abkommens für sich beanspruchen, können sich schriftlich an die deutsche Abordnung in Koblenz^Castor, Pfaffen­straße 26, wenden. In der Eingabe ist die Hrsache der Bestrafung, das in Frage kommende Militär­gericht und der Tag des Hrteils anzugeben. Die deutsche Abordnung wird dem Antragsteller über die Stellungnahme der französischen Militär­behörde Nachricht zukommen lassen. Personen, die das besetzte Gebiet verlassen haben, weil sie bei den genannten Behörden im Verdacht einer straf­baren Handlung stehen und im ungewissen sind, ob ein Strafverfahren der Besatzung gegen sie schwebt, oder ob sie sich im Falle der Rückkehr eines solchen aussehen, können gleichfalls die Ver­mittlung der Abordnung beanspruchen. Der gleiche Weg steht natürlich auch Personen offen, die sich in gleicher Hngewißheit befinden, jedoch im be­setzten Gebiet verblieben sind.

Kr. Konzert des Potsdamer Ma­drigalchors. Auf einer Ferienfahrt durch Dill- und Lahntal besuchte uns am Freitag der Potsdamer Madrigalchor unter Leitung von Karl Landgrebe: frische, fröhliche Zun­gen mit Hellen, gut geschulten Stimmen. Es war eine Freude, zu beobachten, mit welcher Auf­merksamkeit sie dem Laktstvck folgten, wie un­befangen und sicher sie ihre Töne setzten, und wie sie im Zusammenklang der Stimmen es auch an dynamischer Wirkung nicht fehlen liehen. An­genehm berührte, daß nirgends bloßer Drill her­vortrat, was auch durch die Wahl der Vortrags- stücke, die über das geistige Können und seelische Empfinden der jugendlichen Sänger nirgends hin- ausgingen, erleichtert wurde. Kräftig unterstützt wurden Sopran und Alt durch einige Tenor- und Baßstimmen, die nur in wenigen Fällen etwas unvermittelt hervordrängten. Die Vortragsfolge war mit Geschmack gewählt. Fein und zart emang dasAve verum", von einigen der musikalischen Leutchen auf ihren Instrumenten begleitet. Als besonders wirkungsvoll empfanden die Hörer den schönen Mendelssohn schen Psalm, den ernsten Ehor des Berliner Domchordirigenten Albert Becker, auch die von 0N e n d e i s s o h n so lieb­lich vertonteNachtigall" Goethes. Ob nicht Sachs-W a g n e r s Wittenberg.sch? Nachtigall an das Intonationsvermögen der Keiner Sänger et­was zu hohe Anforderungen stellte, mag uner­örtert bleiben. Herr Landgrebe trug zum Er­folg des Abends nicht wenig bei durch den ge­lungenen Vortrag einiger Klavierstücke von B r n h m s, Schumann-Liszt und Chopin. Die Zuhörerschaft, die, zuiyal angesichts des wohl­tätigen Zwecks, noch zahlreicher hätte fein dürfen, erwärmte sich erst allmählich, spendete dann aber reichen, bei den netten musikalischen Späßen, denen der Abend beschlossen wurde, sogar stürmi­schen Beifall.

Staat und Notargebühren. Heber den Anteil des Staates an den Ge­bühren der Notare hat das Hessische