Einzelbild herunterladen

mir auf dem Papier. Der Pakt selbst sehe Sank­tionen vor und zwar auch militärische, und im Artikel 10 die Verpflichtung, die territoriale Un­versehrtheit und Unabhängigkeit der Mitglieder zu gewährleisten. Wenn Belgien seinen militd» irischen Schutz, der allein die Invasion aufhalte, verringern solle, so dürfe man nicht über die Eicherheitsgarantie mit ihm feilschen. Die Tragik der Geschichte der letzten Jahre zeige, daß nur die Gewißheit, daß jedem Angriff sofort das Bündnis der Kulturländer entgegen toste, den Frieden erhalten könne.

der tschechoslowakische Außenminister Bencsch

erinnerte an die Resolution der dritten Völker- bundsversammlung, die den Grundsatz der gegen­seitigen Abhängigkeit der Abrüstung von den Sicherheitsgarantien ausgestellt und a ich die Sonderabkommen zugelassen habe. Die vierte Dölkerburrdsversammlung habe dann den von ihrer dritten Kommission ausgearberteten, Gcwantiepaktenttourf den einzelnen Staaten zur Prüfung überwiesen, in der Absicht, zu einer endgültigen Fassung zu gelangen. Die Antworten der Regierungen hätten zahlreiche Einwände ge­bracht. Er erwähnte dabei besonders den Ein­gang, daß angesichts der chemischen Kriegsmittel auch die bloße Entwaffnung keine Sicherheit bietet. Die Abrüstung erfahre dabei eine Ergänzung durch die Garantien inb Sicher­heiten. Es sei aber der militärische Defensivplan des Garrmttepaktentwurfes durch ein Schieds­verfahren zu vervollständigen.

Benefch versicherte dann, daß auch er An­hänger des Schiedsverfahrens sei, daß aber der Weg schwierig unb heikel sei und einer sehr großen Vorbereitung bedürfe. Falls die großen Staaten das obligatorische Schiedsverfahren an­nehmen würden, würde das ein Glück für die kleinen Staaten fein. Die Svnderabkvmmen würden aber immer bestehen und man könne sie nicht abschaffen. Der beste Weg sei daher, sie durch den Völkerbund kontrollieren zu lassen. Nachdem Denesch nochmals ausdrücklich die Sank­tionen für den Fall eines Abbruchs des Schiedsabkvmmens als notwendig bezeichnet hatte, bedauerte er in seiner Eigenschaft als öjähriger ^Berichterstatter für den Gcrrantiepaktentwurf dessen Ablehnung durch so zahlveiche Staaten und ver­teidigte wchmals die Grundzüge des Entwurfs.

Die Generalinfpektion. Wiederaufnahme der Militärkoutrolle am 8. September.

D e r l i n. 6. Sept. (Dvahtmeldung.) Die Ver­handlungen der Reichsregierung mit der inter­alliierten Militärkontrollkommission haben jetzt zu einer Einigung geführt. Die französischen Ver­treter in der Kommission waren anfänglich nicht geneigt, sich den deutschen Wünschen in bezug «auf die Modalitäten der Ausführung zu fügen und es bedurfte erst verschiedener Vorstellungen bei der französischen Regierung in Paris, um eine Vereinbarung zu erzielen. Man hat sich nun dahin geeinigt, daß die Generalinfpektion in unauffälliger Weise borgen ommen wird. Much über die Termrnfrage ist eine Eini­gung zustande gekommen. Man rechnet jedenfalls damit, baß die GeneralinsPLktion noch in der ersten Oktoberhälfte b e e,n b e t sein wird, und daß dann sofort die weitere Austeilung der Abrüstungsfrage vor einer internationalen Kon­ferenz beginnen kann. Die Generalinspektion toirb am.8. September beginnen. Aus Dresden lie­gen Berichte vor, wonach verschiedene nattonal- fozialistische Organisationen damit gedroht haben, g e Ittätig gegen die ausführenden Mitglie­der der Kommission vorzugrhen. Es ist deshalb angeordnet worden, für die Sicherheit der kon- triälievenden Kommissionsmi1 g^eder in besonders umfassender Weise Vorsorge zu treffen.

7 In einer

amtlichen Verlautbarung heißt es darüber: Rach den bindenden Erklärun­gen der Gegenseite, insbesondere der Minister­präsidenten von England und Frankreich, kann damit gerechnet werden, haft das System der interalliierten Kontrolle mit seinen in zahlreichen Städten Deutschlands residierenden lleber- wachungskommissionen verschwindet, wenn die Generalinfpektion zufriedenstellend und rei­ch u n g s l o s verläuft. Die Reichsregierung er­wartet daher von der gesamten Bevölkerung, Last sie alles unterläßt, was irgendwie als Obstruktion oder als feindselige Handlung gegen­über den Kontrollkommissionen oder ihren Mit­gliedern gedeutet werden könnte. Jede Handlung Lieser Art beschtvört die Gefahr herauf, Last sich der jetzige Zustand mit all seinen demütigender, Begleiterscheinungen v e r e w l g t. jedermann must jetzt, wie er auch immer auf Vorgänge ge- fühlsmästig reagieren mag, fein Tun und Lassen ausschliestlich danach einrichten, dah das Ziel erreicht, d. h. dah die Generallnspektion wirklich zum Schlußakt der interalliierten Kontrolle wird.

Die Befugnisse des General­agenten. ,

Berlin, 5. Sept. (Wolff.) Der in Berlin in Begleitung des vorläufigen Generalagenten für die Reparationszahlungen Poung eingetroffene Bruder und Mitarbeiter des Generals Dawes Oberst Dawes äusterte einem Vertreter derD. Znichts sei falscher, als den Generalagenten für die Reparationszahlungen als Finanzdik- tator oder Schuldenbüttel Deutschlands zu bezeichnen. Vielmehr sei im Dawesplane jedes System der tatsächlichen Kontrolle der Ein­nahmen und Ausgaben Deutschlands a b ge­lehnt worden. Die Stellung des Generalagenten fei daher auch nicht mit der des Kommissars für Oesterreich, Zimmermann, vergleichbar. Die Tätigkeit des Generalagenten a>ectx? vorwiegend eine bankiermähige sein und ifyn fast aus- schließlich mit der neuen Rotenbank und dem Reichsbankpräsidenten in Verbindung bringen, nur hinsichtlich der Anlage der ange­sammelten Markbeträge zwecks Erwerb deutscher Dernrögensgegenstände wird der Generalagent auch mit der Reichs regierung zu verkch en haben. Aber auch dann sei er verpflichtet, die Verfügungsgewalt der Reichsregierung über' ihre eigene Wirtschaft zu achten.

Derneue Geist".

Speyer, 5. Sept. (WTD.) Die französische Besahrmgsbehörde hat von den Verwaltungen der Stadt Speyer und der Gemeinde Duden­hofen bei Speyer die Bereitstellung

eines umsangrercyen Bomvenavwurs- Platzes in den Waldungen bei Dudenhofen rnd Speyer verlangt. Es ist dazu die Rieder­legung eines grohen Waldbestandes erforderlich. Auch wäre eine sehr bedeutende Sicherheitszone notwendig. Ferner ver­lautet. Last die französische Desahungsbehörde beabsichtigt, ihren Schießplatz bet Speyer er­heblich zu erweitern. Mit der von Herriot ern- geleiteten Polittk der Befriedung sind diese neuesten Anforderungen der Besatz mgsbehörde durchaus nicht in EiMang zu bringen.

F" -- r.-zi

Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen. Amerikanische Rohstoffkredite. Die englische

Industrie und die Dawesgutachten.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 6. Sept. (Drahtmeldung.) 2m Laufe dieses.Monats werden voraussichtlich umfangreiche Verhandlungen zum Abschluß kommen, die von deutschen Wirtschaftskreisen mit der amerikanischen Finanzwelt geführt werden über die Gewährung nicht nur von baren Krediten, sondern vor allem auch von Handelskrediten zum Ankauf gro­ßer Mengen von Roh st offen. Die deutsche Industrie, die an diesen Verhand­lungen beteiligt ist, hofft durch diese Han­delskredite über die schlimmste Zeit Hinweg­zukommen und allmählich auf diesem Wege wieder konkurrenzfähig zu werden. Aus unterrichteten industriellen Kreisen wird den englischen Befürchtungen, als ob Deutschland bei einem Wiederaufschwung der deutschen Ausfuhr der englischen Industrie scharfe Konkurrenz machen könnte, in vielem entgegen- getreten. Die industriellen Kreise betonen, daß keine Rede davon sein könne, die englischen Waren durch eine deutsche Schmutzkonkurrenz zu unterbieten. Sie sind der Ansicht, der Feld­zug, der in England gegen das Sach- verständigen - Gutachten geführt werde, entspringe, im Grunde genommen, gar nicht wirtschaftlichen Erwägungen, sondern politischen Zielen und man bediene sich der englischen Industrie nur, um diese Absich­ten zu verschleiern. Gerade von den deutsch- amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen erhofft die deutsche Industrie die beste Widerlegung dieses englischen Feldzuges und glaubt, daß eine immer innigere Gestaltung des Waren­austausches und ein immer größeres Interesse amerikanischen Kapitals am Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft am besten geeignet sein werde, die Befürchtungen zu zerstreuen, die hier und da in der Welt gegenüber dem Wie­derausschwung der deutschen Wirtschaft noch geäußert werden. Man nimmt an, daß die Verhandlungen in zwei bis drei Wochen zum Abschluß kommen. Die endgültige Entschei­dung wird nicht zuletzt von den Berichten ab­hängen, welche die amerikanischen General­agenten Owen Vvung und Gilbert nach ihrer ersten Orientierung in Berlin nach Amerika erstatten werden.

Die Kämpfe in China.

R e u y o r k, 5. Sept. (WTB.) Wie dieAsso? ciated Preß" aus Schanghai meldet, wurde gestern, wie zuverlässig festgestellt ist, in den Kämpfen von keiner Seite ein wesent­licher Fortschritt erzielt. Die Stärke der Truppen wird auf 40 000 geschätzt. Die Kampf­front erstreckt sich.von der Eisenbahn Schanghai Ranking bis zum Iangtse-Fluß. Sie nähert sich Schanghai an einer Stelle auf 18 Meilen. Rach einem Bericht von Augenzeugen wurde von bei­den Parteien sicherlich viel Munition ver­schwendet, da wild drauf losgeschossen wurde. Heute Hai kein größerer Kampf ftattgefunden. Die Tschekiantruppen halten ihre Stellungen be­setzt, die sie zu Beginn der Feindseligkeiten inne hatten. Auf Anordnung der Behörden wurde der Eisenbahnverkehr SchanghaiWusung eingestellt, da man einen Angriff zu Lande gegen die Forts von Wusung befürchtet, für den Fall, daß die Truppen Kiangs bei Liuho, 15 Meilen von Wu­sung, durchbrechen sollten.

Aus aller Welt.

Attentat auf den polnischen Staatspräsidenten.

Lemberg, 5. Sept. (WTB.) Als heute der polnische Staatspräsident Wojcie­chowski nach der Eröffnung der Lemberger Ostmesse nach dem Gelände der Wojewod­schaft fuhr, wurde aus der Menschenmenge gegen das Auto des Präsidenten eine Pe­tarde geschleudert, die nur schwach ex­plodierte, da der Inhalt noch vor dem Aus­fallen verschüttet wurde. Weder der Präsident noch irgend jemand von dem Begleitpersonal sind verletzt worden. Der an dem Anschlag Beteiligte wurde verhaftet. Andere konn­ten flüchten. Der Verhaftete ist der in Wien studierende Hochschüler S teiger, Sohn eines Glasers in Lemberg. Der Staatspräsident be­gab sich nach dem mißglückten Attentat in das Gebäude der Wojewodschaft, an desien Eingang er von der Menschenmenge lebhaft begrüßt wurde.

Der Wiener MetaÜarbeiterftreik.

Die Mittagsblätter melden, dah sich die Lage in der Metallindustrie seit den Mvrgen- sttmden wesentlich verschärft hat. Die Ar­beiter der Siemens - Schuckertwerke, welche teilweise die Arbeit schon gestem ein­stellten, zogen im zweiten und zwanzigsten Be­zirk vor zahlreiche dortige Fabriken, zwangen teilweise unter Drohungen die Arbeitswilligen zum sofortigen Anschluß an den Tellstreik. Dieser ist ausgebrvchen, auch trotzdeSPro-

r e sie S der Betriebsräte, die die Wei­sungen der Gewerkschaften abwarten wollten. Soweit bisher Meldungen vorliegen, stehen etwa 10 große Fabriken der Metallbranche und der Maschrnentndustrie sttll. Auf den Straßen und Plätzen des Fabrikviertels herrscht Ruhe.

Schwere Anfälle bei einer Filmaufnahme.

Bei einer Filmaufnahme ereignete sich auf dem Tegeler See ein schwerer Anglücks­fall. Ein Motorboot sollte durch 200 Liter Benzin, die in das Wasser geschüttet und an- aezündet waren, fahren. Infolge Versagens des Motors konnte das Doot nicht schnell ge­nug fahren und geriet in Brand. Der Operateur erlitt schwere Brandwunden an Ge­sicht und Händen.

Brand in einem Kaliwerk.

Auf dem der Gewerkschaft Riedel gehörenden Kaliwerk Hänigsen bei Celle entstand in 650 Meter Tiefe ein Brand. Der Arbeiter Kehler aus Burgdorfs, der mit noch 5 anderen Arbeitern auf der Sohle beschäftigt war, fand den Tod. Der Brand wurde bald gelöscht.

f- Konferenz der studentischen Auslandämter.

Dudapest, 5. Sept. (WTB.) Die in­ternattonale Konferenz der studentischen Aus­landsämter, an der Vertreter aus Deutsch­land, Kanada, Estland, Finnland, Lettland, Schweden, Schweiz, Türkei, den Vereinigten Staaten, der Akraine, Bulgarien, Italien, Spanien, Luxemburg, Oesterreich und Deutsch­böhmen teilnehmen, ist durch AniversitätSpro- fessor Vanos sh eröffnet worden. Der Red­ner betonte die Rotwendigkeit der Mitarbeit aller Rattonen und sprach sein Bedauern dar­über aus, dah die Studierenden gewisser Län­der der Konferenz ferngeblieben seien.

. Die Mörder der Frau Evans ergriffen.

Hamburg, 5. Sept. (WD.) Rach einem bei dem mexikanischen Generalkonsul in Hamburg eingegangenen Telegramm HA di» mexikanische Regierung die Mörder der englischen Staatsan­gehörigen Frau Evans, die auch den deutschen Staatsangehörigen Hans Strauß leicht ver­letzten, in Puebla ergriffen und zum Tode verurteilt. Strauß besindet sich be­reits aus 'dem Wege vollständiger Wiederherstel­lung. Die englische Regierung hat der mexikani­schen Regierung ihre Genugtuung über die von den mexikanischen Behörde entfaltete Tätig­keit ausgesprochen.

Hochwasserkarustrophe in der Dobrudscha.

Bukarest, 5. Sept. (WTB.) In der ganzen Dobrudscha und in Rordbr^lgarien sind große Aeberschwemmungen. Die Do­brudscha ist infolge der durch die Aeberschwern- mungen hervorgerufenen Störungen im Tele­graphen- und Eisenbahnverkehr von dem übrigen Rumänien getrennt. Durch die starken Regengüsse wurde großer Schaden in Braila und Galatz angerichtet. Infolge der schweren Stürme, die auf dem Schwarzen Meere herrschen, erfuhr der Schiffsverkehr eine zeitwellige Anterbrechung, auch einige Schiffbrüche sind zu verzeichnen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 6. Sept. 1924.

Der Meifterfchütz.

Schneidiges Draufgängertum und ausgezeich­nete Schiehkunst sind sehr schätzenswerte Eigen­schaften eines Mannes. Auch einen Feld­schütz irgendwo um Gießen herum die Rennung des Ortsnamens verkneife ich mir zeichnen sie aus. Er ist in seinem Dorfe jetzt zu einer vielbesprochenen Lokalgröße geworden. Zwar verdankt er seine Berühmtheit einer graus­lichen Tat, aber das btnbert mich nicht, ihn mit diesen Zeilen in gebührender Hochachtung als Meist erschüh zu Preisen. Seine Glanztat sei den Zeitgenossen nicht vorenthatten.

Stand da eines Tages ein Mann draußen im Feld ganz dicht an einem Getreidehau­fen. Das Verhalten des Kerls war höchst ver­dächtig. Er fuchtelte mit den Armen immerfort an dem Haufen herum. Offenbar wollte er die Aehren mausen. Jeder ehrliche Christen­mensch hätte sich über diesen Frevel empört. And nun gar erst der Feldschühl Der hatte mit einem Begleiter in einem draußen an der offenen Landstraße gelegenen Wirtshaus einen heißen Wettstreit um die Lösung der Frage ausgefochten, wer die meisten Schoppen petzen könne. Beide hatten sich wohl gesagt, daß bei der ewigen Rässe im Freien zur Herstellung des Ausgleichs die innere Befeuchtung nicht vernachlässigt werden dürfe. Run war der Strauß beendet der Preisträger ist mir nicht bekannt geworden und man pendelte selbander von der Kneipe fort. DasAuge des Gesetzes" hatte den scham­losen Aebeltäter an dem Getreidehaufen erst gar nicht bemerkt, aber der Begleiter war helläugiger und machte dieFeldgewalt" auf den Sünder aufmerksam. Es folgte hinter einem Baumstamm ein kurzer Kriegsrat über die Frage, wie man den Frechdachs am besten festmachen könne.Ich lauf' hin," sagte der.Schütz.Damit er dir durch die Lappen geht", antwortete der eifrige Be­gleiter.Aber haben muh ich den Halunken!", trumpfte der Ordnungshüter auf.Wie willst du das anfangen?", war die lauernde Antwort des Zechkumpanen. Beiderseitiges kurzes Kopfzer­brechen, indessen der Spitzbube seine Arme weiter am Getreidehaufen spazierengehen lieh. Hatte der noch nicht Lunte gerochen? Endlich hatten die beiden hinter dem Baumstamm einen Ausweg. Du hast ja dein Gewehr!", sagte lockend der Begleiter der Ordnungsstühe,Soll ich s ch i e - h en?", war die Frage.Ratürlich", klang's zurück. Aber wenn ich ihn tref f e?, kam es schon klein­lauter.Paperlapapp," tonte es ihm entgegen. Ran an Bah! Der Schießprügel wurde vorsichtig angelegt.Halt!" sagte da leise der Begleiter, stehend schießt du nicht sicher genug, zum Liegend-Schuß ist es ja zu nah, du muht eben Jnieenb schießen, bann ist das Schrot nicht um­sonst verpufft!"Meinst du?" ..Ra natürlich": und schon kniete der eifrige Schütz im Sttaßen- dreck, schlug an und baaf! bullerte die Schrot- sprihe ihre Ladung auf den bösen Feind. Der sank zusammen Jetzt hatte ihn der Schütz

Itcyeri Lneser uwi miete weiter wie ver. st einer t ckn Morast der Sttahe. Herrgott, der furchtbare Schreck, jetzt hatte er ja ein Menschen­leben auf dem Gewissen! Sein Gesicht lieh erraten, dah er sich schon vor Gericht und womöglich hiMer schulischen Gardinen sah. Oder dachte er an das Gi eh euer Sanitätsauto, das den armen Teufel dort drüben schnell zur Klinik bringen könnte, wo er vielleicht noch zu retten wäre? Im Lauf­schritt hin zur Stätte des Schmerzenslagers! Der Begleiter folgte flott nebenbei, nur mit so merk­würdig vergnügtem Gesicht. And dann kam für den Schütz der grohe Moment, der ihn aus dem Banne des Amtseifers und der schrecklichen Gewissenspein mit brutaler Schnelligkeit in den Bereich ganz anderer, noch viel ärgerlicherer Emp­findungen warf. Da lag derniedergeschossene" Anglücksrabe, halb unter einet Garbe aber (der Schütz rieb sich die Augen!), was war denn das? Das war ja gar kein Mensch, und es war ja auch gar keine Schrotspur zu finden! Teufel nochmal, das war ja überhaupt nur eine mit Stroh und allem möglichen Krimskram ausgestopfte Pu ppe! Sie hatte sich doch aber bewegt! Da sprang fürchterlich lachend ein Rixnuher von Spahvogel aus dem dickgepolster­ten" Innern des Getreidehaufens heraus an die Seite des ebenso unverschämt feixenden Begleiters des Feldschützen. Jetzt kam's heraus! Der Kerl imAntersland" hatte demMairn" am Getreide­haufen an beidenArmen" Bindfäden ange­bunden und unermüdlich daran gezoppelt, so dah es ausfah, als hantiere die Gestatt an dem Ge­treide herum. Bei dem erwarteten Schuh hatte er die Puppe einfach mit einem Fußtritt zu Boden gestreckt. So wurde sieniedergeschossen". And dann kam die nächste Aeberraschung, bei welcher der Gesetzeswächter ein furchtbar langes und nicht gerade allzu geistreiches, schließlich aber doch ein verflixt wütendes Gesicht gemacht haben soll, als er aus einigen wenigen Worten der noch immer unbändig Lachenden entnehmen konnte, dah die beiden unter einer Decke gesteckt hatten, um ihm, dem bestallten Vertreter der Staatsge­walt, einen abgefeimten Schabernack zu spie­len und mit dessen Ergebnis so verschiedenes Stammtischen, in deren Mitte der Schütz Sitz und Stimme hatte, Stoff zumZapfen" zu geben. Miserable Bande!" fuhr es da so scharf wie ein Schwertstreich durch die Lust, und eiligst strebte einer von bannen, dem bei diesen Brüdern nich' mehr Wohl war.

Ob er mittlerweile den Weg zum Stammtisch, den er eine Zeitlang nicht betrat, schon wieder- gesunden hat, weih ich nicht, aber sein Amt hat er nun niedergelegt und grollend denkt er nur an seinenErfolg", der Meist erschüh von....... * Teddy.

Hessische Landeswanderbtthne.

Von der Zentralstelle für Volksbildung und Iugendpflege in Hessen wird uns geschrie­ben: Die Hessische Landeswanderbühne, die im vorigen Iahre infolge deS/ Ruhrkampfes ihre Arbeit einstellen muhte, hat sich in ihrer früheren Tätigkeit als ein sehr wirksames Werkzeug volkstümlicher Geistespflege erwie­sen. Cs ist daher verständlich, daß aus einer ganzen Reihe von Gemeinden die Wünsche nach Wiedereröffnung dieser Bühne laut wur­den. Das veranlaßte alle in Frage kommen­den Stellen des hessischen Staates, die Frage eingehend zu prüfen und mit den in Betracht kommenden Gemeinden unseres Landes zu ver­handeln, ob und in welchem Amfange das Bedürfnis nach guten Theatervorstellungen vorhanden ist und wie weit die einzelnen Ge­meinden und örtlichen Organisationen zur ide­ellen und materiellen Anterstühung und Mit­hilfe bereit sind. Das Ergebnis dieser Fest­stellungen zeigte allgemein ein starkes Inter­esse an dem Wiedererstehen der Landeswan­derbühne und die Bereitschaft, nach Kräften mitzuhelfen. Dem Wiedererstehen der Hessi­schen Landeswanderbühne in ihrer früheren ZDestalt stehen allerdings z. Zt. noch unüber­windliche Schwierigkeiten entgegen. Der hes­sische Staat hat daher das Anerbieten des Frankfurter Künstlertheaters, die hessischen Gebietsteile unter dem RamenHessische Lan­deswanderbühne" mit Vorstellungen zu ver­sehen, als eine besonders günsttge Lösung der an sich sehr schwierigen Frage zur Zeit gerne angenommen. Die Vorbereitungen deS Frank­furter Künstlertheaters alsHessische LandeS- wanderbühne" haben am 1. September bereits ihren Anfang genommen, noch im Laufe des Monats September werden in einzelnen hes­sischen Orten Vorstellungen stattfinden. Die Leitung liegt in den Händen des Herrn Direk­tors Hans Meißner.

*

Wettervoraussage.

für Sonntag.

Wolkig bis bedeckt, ansteigende Standeraturen, Winde aus südlicher Richtung, erneut Regenfälle.

Von Westen her rückt ein neues atlantisches Tiefdruckgebiet gegen den Kontinent vor und hat in Frankreich schon erheblichen Druckfall bewirkt. Die vorübergehend eingetretene Besserung der Wetterlage ist damit erneut gefährdet.

*

Bornotizen.

Tag es kalender für Samstag. Artillerieverein: 81/2 Ahr Monatsversammlung. Stenographenges. Gabelsberger und Damew abt.: Stadt Lich Vereinsabend. Elsaß-Lothriw ger: 8*4 Ahr Hotel Köhler Monatsversammlung. Ruderklub Hassia 1906 : 8 Ahr Mitgliederver« fanunlung. Rundfunkhaus Löberstraße: Ita­lienische Kammermusik der Reuzeit. Hessisch^ Bilderbühne:Der Berg des Schicksals". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Ich halt' einen Kame­raden". Astoria-Lichtspiele:Die Geschichte deS Grauen Hauses."

Tageskalender für Sonntag: Männerturnverein: IP/3 Ahr pünktlich auf dem Spielplatz Enthüllung des Ehrenmals. - - Steuer- Protestversammlung, 2 Ahr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten: ©inberufer: Handel, Hand­werk, Gewerbe, Haus- und Grundbesitz. Hessisch« Bilderbühne:Die Buddenbrooks". Lichtspiel­haus Bahnhofstraße und Astoria-Lichtspiele wie Samstag.

D i e Blachetta-Dolksspiele muß­ten verschoben werden. Siehe Anzeige.

4

4

mittelgut M. Mts. Anzeige.

tt j deutsch' nächst am feiern heu schreibe^ gärtnerinr rinnen-öd eröffnen c lung von1 des Kuns ftelhmg \\ täglich vi nachm. z tigenAn

"ta­ten, so 40 Jahn morgigen und Pvs<r diger, die 6t. 6M<£

Hessen eing atbcrtaiber daneben ai diensle mit

y'*tf5 % evang- Schule-

Ä r* tWfa®

B- Thema fP unsere Kn

- ßtö sind zu B und 3jd dem dteub

"Dtt ßenistdr lungen, n Mer uns sind beim crwerbslo über der betrachte fer Leute Wieder^ den jetz nicht ab

5^bt< Mu-