Landwirtschaft und Kleingartenbau.
Grundzüge der künstlichen Düngung.
5km ISandwirischaftSrat 5>r. Schad, Landwirt- schaftltche Schule Dutzbo-ch.
Allgemeine-.
Wir düngen, um dem Boden die Nährstoffe, Vie die Pflanzen ihm entziehen und die durch die Srnten dem Arier verloren gehen, teilweise wieder zu ersehen, damit der Boden nicht an Nähr- ftoffen verarmt und die Erträge zurückgehen: wir düngen um die Erträge zu steigern, und um die oft njcht in genügender Menge im Boden tnr- handenen Nährfwffe zu ergänzen.
Wir düngen nur mit Stickstoff, Kali, PhvS- phorsäure und Kalk, alle übrigen von der Pflanze benötigten Nährstoffe sind gewöhnlich in genügender Menge im Boden vorhanden.
Alle/Nährstoffe müssen in genügender Menge und in ausnchmbarcr Form vorhanden sein, fehlt einer, so können alle übrigen, selbst wenn sie im Heber,lub vorhanden sind, nicht zur Geltung kommen; Düngung mit nur einem Nährstoff hat deshalb keinen Zweck. Es muh Dolldüngung gegeben, d. b mit Kali, Phosphorsäure, Stickstoff und Kalk gedüngt werden.
Allgemein gültige Düngerrezepte kennen nicht gegeben werden, der Nährstoffgehalt deS Bodens und daS Aährstvffbedürfnis der einzelnen Pslan- -en sind zu verschieden.
Die natürlichen oder Wirtschaftsdünger (ötcdlmlft, Kompost, Jauche, Gründung) sind die Grundlage der Düngung, sie enthalten alle Pflan- »ennährswffe, wirken bodenlockernd und reichern den Boden mit Humus an. aber ihr Nährstoffgehalt ist allein für die Kulturpflanzen nicht ausreichend, sie müssen durch Kunst- oder Deidünger ergänzt werden.
Kunstdünaer können einen (entweder Stickstoff, Kali, Phosphorsäure oder Kalk), zwei oder mehrere Nährstoffe enthalten.
Man kaufe und streue die Kunstdünger nie nach Menge und Gewicht, sondern stets nach Prozentgehalte, denn er gibt die Menge des wirksamen Pflanzermährstof',es an, den wir im Kunstdüngc' oezohten. Man lasse sich stets den Prozentgehart an wasser- und zitratlöslicher Phosphorsäure, den Gehalt an Kali, Stickstoff und Kalk garan ieren unb lasse zur Kontrolle bei der Dersuchsstalion untersuchen. Man beziehe nur von reellen Firmen. Sv übt z. B. ein Zentner 40zroz. Kalisalz dieselbe Wirkung aus wie zirke drei Zentner 13- prozentiges Kainit, weil 40pro§. Kalisalz 40 Pr,z. Kali, Kainit nur 13 Proz. Kali enthält. Ein Zentner 18proz. Thomasmehl übt dieselbe Wirkung aus wie drei Zentner 6proz. Eermaniaphisphat, weil Thomasmehl 18 Prvz., Germaniaph)sphcck 6Prvz. Phvsphorsüure enthält. Ein Beniner 16- prozentiger Natronsalpeter übt d.e'elbe Wirkung aus wie 78 Pfund schwcselsaures Ammoniak, weil ein ZenMer Natronsalpeter 16 Proz., ein Zentner schwefelsaures Ammoniak 20,5 Proz. Stickstoff enthält
Gute Bodenbearbeitung, llnfrautDertilgung und Schädlingsbekämpfung, Derwendung guten Saatgutes und zweckmäßige Fruchtfolge müssen
bet der Erzielung von Höchstrenten die Kunftdün- ge van Wendung unterstützen.
Die PhoSphorsäure-Dünger.
Die Phosphorsäure kommt in den Kunstdüngern in leichter, d. h. wasserlöslicher, unb in langsamer, d. h zitronensäurelöslicher Form dde.
Die bekanntesten Phosphorsäure-Dünger sind: SuperphoSphat 11 bis 18 Proz. < wasserlöslich), ThvmaSmehl 14 bis 16 Proz (zitronensäurelöslich) und 40prvz. Kalk. Nhrnan.aphosphat 12 biS 20 Proz. (zitronensäurelöslich), 25proz. Kalk, 2- pcvz. Kali, Germaniaphosphat 6 Proz. (zitronen- säurelöSlich), 6prvz. Kaki
3n den sog. No hp Hosp baten ist die PhoS- phorfaure meist in schwer löslicher Form vorhanden, sie sind deshalb zur Düngung ungeeignet, weil die Pflanzenwurzeln die Phospyorfäure nur schlecht aufnehmen können. Man kaufe deshalb die Phosphorsäuredünger stets nach wasser- oder zitronensäurelöslichem Prozenaehalt.
Superphosphat eignet sich am besten auf guten Boden und zu Pilanzen, die viel leichtlösliche Phosphorsäure benötigen, wie Rüben, besonders Zuckerrüben. Weizen und Gerste.
Superphosphat wird am besten vor der Saat gegeben, im Notfall auch als Kopfdünger, man vermische es stets mit dem "Beben.
Auswaschungsgefahr, wie besonders bei Salpeterslickstoff, besteht bei Phosphorfäuredüngern nicht, da die Phosphorsäure im Boden festgehalten wird unb, im Mcbcrmdft gegeben, den Boden anreichert.
Superphosphat darf nicht mit Kalk und kalkhaltigen Düngemitteln, wie Thomasmehl, Rhena- nia- und DcrmaniaphvSphat, mit Kalksalpeter und Kalkstickstcff, mit Rohphosphaten und Knochenmehl gemischt werden weil sonst die leicht- und wasserlösliche Phosphorsäure in schwerlösliche und -aufnehmbare Form übergebt.
3m Thcmasmehl und RheiraniaphoSphat wirkt die Phosphorsäure langsamer, aber nachhaltiger als im Superphosphat.
Thomasmehl enthält 40 bis 50 Proz. Kalk, Rhenaniaphosphat 25 Proz. Kalk und 2 Proz. Kali. Kalk unb Kali wirken also noch neben dem Phosphorsäuregehalt. Da aber Kalk Ammoniak austreibt, Lars Thomasmehl und Rhenaniaphos- phat nicht mit Ammoniak und arnmoniakhaltigen Düngern (auch Kaliammon- und Ammonsulfatsalpeter) gemischt werden. Mit Kalisalzen, Natronsalpeter, Kalkstickstoff milche man nur kurz vorm Streuen, weil sich die Masse fqnst verhärtet.
Thomasmehl und Rhenc.n.aphosphat müssen zeitig gestreut, mit dem Boden vermischt werden.
Tye-masmehl unb Rhenaniaphosvhat kann mit Erfrlg zu £.Uen Kulturpflanzen, besonders auch zu Wiesen, Weiden, mehrjährigen Futterschlägen angewandt werben, aber zeitig, damit es für bie Ernte noch in Erscheinung tritt. Als Kopfdün zer g?be man es mit Ausnahme von Wiesen, Weiden und mehriährigen Futterschlagen nur hn Notfall.
Phosphor äuredüt u -t t wieK^ ibm'ung äußerlich wenig in Erscheinung, sie wirkt besonders auf gesundes, fruftige^ -aXMvtain um) auf gute Kornentwicklung.
Alle Boden sind mehr ober weniger arm an Phosphorsäure, die meisten Pflanzen bedürfen
ihrer aber als wichtigen BflanzennShrstofs, deshalb führe man jedem Boden Phosphorsaur* zu.
(Fortsetzung folgt.)
Schrebergärtners Arbeiten im Februar.
Wenn auch m diesem Monat Feld unb ©arten zumeist noch in Sri unb Schnee erstarrt sind, gibt es doch mancherlei Arbeiten, sowohl im Obfi- als auch im ©emüfegarten. die sich letzt schon vornehmen lasten. Wan schiebe ja nichts auf. denn halb häufen sich die Arbeiten, unb bann ist Versäumtes zum eigenen Schaben oft nicht mehr nachzuholcn
3m Obstgarten wird das AuSputzen und Auslichien der älteren Bäume, sowir das Aus- schneiben der Beerensträucher fortgesetzt. Beini Schnitt der Obst bäume beginnt man mit i>:n Steinobstsorten, bam folgen Birnen unb zuletzt Aepsel. Bei den Pfirsichen unb Aprikosen warte man lieber noch etwas, schütze sie aber vor ber Sonne, um em zu frühes Austreiben zu verhindern. Von Stachel- unb Zohannesbeeren Brauen noch Stecklinge geschnitten werden, die man im Freien an schattiger Stelle in Sand ober lockere Erde einschlägt. Auf rascherem Wege kommt man zu bald tragend m Sträuchern, wenn inan Ableger macht, wozu jetzt die Zeit gekommen ist. Mm den abzulegendrn Strauch zieht man einen ©rohen von 15—20 Zentimeter Tiefe. Die Zweige, die man oblegen will, biegt man in Bogen quer durch d.n Graben und steckt sie mit aus Astgabeln grschnittcnm Haken fest. Den Graben füllt man bann wieder mit nahrhafter, lockerer Erde, die leicht angetreten wird. 3m nächsten Herbst können diese Ableger von der Mutterpflanze getrennt und an ihren Platz gepflanzt werden. Auch für den Weinstock ist ein möglichst zeitiger Schnitt geboten, weil er jetzt noch wenig Mutet. Mit dem Mm- unb Neuverebeln ist der Anfang zu machen. Die Srbbecrbeetc belegt man mit kurzem Dünger, beachtet dabei aber, bah die Herzblätter frei bleiben. Die Hagb auf Naupen- nefter, Schilbläuse unb sonstiges Mngeziefer ist eifrig fortzusehen.
Der Gemüsegarten bringt uns schon die ersten Aussaaten, weswegen die Saatbeete rechtzeitig herzurichten sind. Bei offenem ICptter kann in der zwecken Monatshälfte schon mit ber Aussaat von Mohren, Petersilie. Schwarzwurzeln. Spinat, Kresse unb sonstigen Küchenkräutern begonnen werben, denen Ende des Monats bann an geschützter Stelle bie ersten Erbsen unb Puffbohnen folgen. Bei Eintritt rauheren Wetters mit Frost sinb diese Aussaaten mit einer leichten Torfmullbecke zu schützen. Mit ber Anlage der ersten Frühbeete befasse man sich nicht zu zeitig, ba sie viel Arbeit unb Aufmerksamkeit ersorbern unb für ben Kleingärtner boch nur vor geringerer Bedeutung sind. Für ihn kommt es boch vor allem darauf an, die nötigen Setz pflanzen ber verschiedenen Kohlarten, Sellerie, Tomaten usw. heranzuziehen, und das gelingt ihm viel besser unb immer noch zeitig genug, wenn er mit der Herrichtung des Warmbeetes bis in den März wartet. Die Mieten und Gemüsekeller sind bei geeigneter Witterung auszudecken bzw. zu lüften und die Vorräte durchzusehen unb auszulesen.
Fragettasten.
Frage 4: Während des an-alt enden Frost- Wetters war mir Gelegenheit geboten, meines */< Hektar groben Obst- unb Gemüsegarten mit Klärveckenschlamm auf billige An unb Weise zu düngen. Welchen Wert besitzt dieser Dünger?
Antwort: Klärbeckenschtamm enthält neben 20 bis 25 Proz. organischer Stoffe, welche den Boden verbessern, etwa 1 Proz. Stickstoff, sowie geringe Mengen von Phosphorsäure, Kali und Spuren von Kalk. Es ist also ein einseitiger Stickstoffdünger, der durch ‘2lad)büngung mit Phosphaten, Kali und Kalk vollwertiger toitibi Trotzdem mochten wir von der Verwendung beS Klärbeckenschlamm-, sowie des Adortsdung« überhaupt in Obst- und Gemüsegärten abraten, und zwar aus folgenden Gründen.- 1. Es tritt leicht eine einseitige Meberbüngung deS Boden- ein, welche dazu führt, M Gemüse und Äat* löffeln wohl grobe BlLttermengen. aber wenig Köpfe und Knollen ameoen; 2. leidet die Halp. barfeit der Gemüse unb des Obstes in bedenklichem Mähe bei Anwendung dieser Düngemittel- Selbst fterilifiert halten sich die Erzeugnisse solcher Gürten nicht. Besonder- eingemachte Erbsen verderben leicht: 3. ber Geschmack aller Gemüse, Kartoffeln unb de- Obstes ist meist oauh und unangenehm: 4. und nicht zuletzt sollte*"man au- Gesundheitsrücksichten diesen Dünger niemals im Garten verwenden, am allerweni^ten In solchem, wo Erdbeeren, Salat, Nadieschen u. bgl. gezogen werben, also Erzeugnisse, welche ungekocht genossen werden. Die Gefahr ist zu grob, bah man sich selbst oder seinen Nebenmenschen du och jahrelanges Siechtum schädigt. Es sei daran erinnert, dah die Sier menschlicher Parasiten (Oryuren), welche millionenweise In ben Abwässern einer Stadt vorhanden sind, sich iahre- lang im Erdboden lebensfähig erhalten können und nur aiff die Gelegenheit zum Beginn Ihrer verderblichen Tätigkeit im menschlichen Organismus warten. Die Möglichkeiten der McbcrtTagung ber KrankheiiSkeime aus einem verseuchten Gar- tenboben durch Schmutz und Staub ist gröber, als man annimmt, unb der Schaden, ben man mit solchem Dünger anrichten kann, weit gröber, alber zweifelhafte Vorteil. Man.lasse die Hände von ihm. Er gehört auf da- freie Feld ber landwirtschaftlichen Betriebe, aber nicht in den Garten
Geschäftliches.
Äatmt i ft heute billiger al- vor beit Kriege. Daher sollte kem Landwirt um erlassen, ferne Wielen unb Weiden mit diesem so wertvollen unb nutzbringenden Kalidüngemittel reichlich zu versorgen. Viele Versuche haben bewiesen, dah Karnit auf Wiesen und Weiden in Verbindung mit Thomasmehl ganz bedeutende Ertragssteigerung herbeizuführen vermag. Ausier- bem wirb aber auch burch eine Kalidüngung bet Pflanzenbestand der Wiesen günstig beeinflubt dahingehend, bab bie Kleearten in ihrer Anzahl unb in ihrer Menge an Erntesubstanz zunehmen und somit nicht nur mehr, sondern auch ein gehaltreicheres Heu mit hohem Futrennen liefern. 2—3 Zentner Kainck unb 1 Zentner Thoma-mehl je Morgen werben in ber Regel eine empfehlenswerte Wiefenbüngung sein.
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Grosien-Linden, den 5. Februar 1924.
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