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Samstag, 5° Juli (924

Erstes Blatt

Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrvck mtd Verlag: vrShl^che UntverfitSts°V»ch- und Stehtärntferei B. Lange in Gießen. Schriftleitung und Gefchastrstelle: Schulftratze 7.

e. m. 11*6.

Annahme von Lnzeigrn für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerdinditchkeit.

Preis für l mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite ö7t!ich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/. Auf­schlag. Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Hange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein, für d« Anzeigenteil: Hans Vock, sämtlich in Dietzen.

Monats-Bepigsprrii: B Goldmark n. 20 ®ofb» Pfennig für Triigeriohn, auch bei Richterfcheinen »on «injelnen Nummern infolge höherer GewaN. Ferufvrech,Anfchlülfe t für die Schriftlrittmg 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51.

m. 156 .

Erscheint täglich. Bonn» und Feiertags,

an

französische Regierung betrachte sich nicht als gebunden durch die Anregungen, di« die englische Regierung gleichzeitig mit den Einladungen zur Londoner Konferenz an Mg alliierten Regierungen geben zu müssep glaubte.

Der Zweck des Lärms r Sabotage der Konferenz.

Paris, 5. Juli. (WTD.) Rach dem Echo de Paris" soll sofort nach den ErNarun. gen Herriots in den Vereinigten Kammeraus« schüssen gestern die Frage aufgetaucht sein, ol die Londoner Konferenz Überhauptstatt« finden könne. Die Ansichten seien ge« teilt. Diele sagten bereitsnein" Die Entscheidung werde in einigen Tagen en folgen.

Ueberraschung in England.

London, 5. Juli. (WTD.) Reuter zufolge herrscht in hiesigen diplomatischen Kreisen l e b - haste Aeberraschung über die Haltung der französischen Presse gegenüber den franjon- schen Besprechungen von Chequers. Man betrachtet es als schwierig, die an den Tag gelegte Erregung zu verstehen, und weilst darauf hin, daß die bri­tische Regierung nichts getan habe, was der be­stehenden Uebereinsttrnmung mit der französischen Regierung zuwtderlaufe. Was die Proteste dec französischen Regierung gegen die den Einigun­gen gegebene Form betrifft, so wird hier erllärt, daß in Chequers leine Entscheidungen getroffen

ürStiel Handgranaten und einer Mau- er Pistole mit Munition, umfangreiches christliches Material gefunden. Das be-- chlagnahmte Material besteht hauptsächlich aus Briefen, von teilweise sehr erheb­licher Länge, die anscheinend bestimmte Be­richte aus den verschiedenen Bezir­ken und Antworten aus die Anweisungen der

gehen und Verbrechen gegen dis öffent nung und die Sicherheit der Staatsburt beutet werden könnte. Es genügt Heu , Enthüllungen des fozialdern. Abg. Löbe zu er-, Innern, die er am 3. Juli im Reichstag als Be­richterstatter über das Strafverfahren gegen kom­munistische Abgeordnete machte, um die Rotwen­digkeit des scharfen Eingreifens zu versieben. Rach dem Bericht Löbes werden folgende Anschuldiaun-, gen gegen die Mitglieder der Zentrale der K. P., D. erhoben: I

Die Bildung proletarischer Hundertschaften In1 allen Teilen des Reiches zur Durchführung de- bewaffneten Umsturzes, Sicherstellung von Was- fen Sprengstoffen und Handgranaten, Vorbrrst- tun'g von Sprcngstoffattentaten, Einrichtung von Entgleisungskolonnen. Zersetzung von Reichswehr und Polizei, Bildung von Terrorgruppen, Ein- richtung einer bereits in Tätigkeit getretenen! Mordorganisation Tscheka zwecks Beseitigung von Parteivertretern und prominenten Gegnern.

Die Rachrichten vom scharfen Zugreifen Btt berufenen Stellen gegen die Söldlinge Moskaus in Deutschland werden von der überwältigenden! Mehrheit des deutschen Volkes mit lebhafter Be­friedigung aufgeiwmmen werden. Der Staat, die Regierung würden sich selbst aufgeben, wenn sie nicht mit allen Mitteln die Grundlagen der ßfferct» lichen Ordnung schützen wollten. Lind das Parla­ment würde sich zum Zerrbild seiner selbst er­niedrigen, wenn es gestattete, daß die ihm z-u gestandene Unvcrlehlichleit zum Schuhe von Ber­auben und Verbrechen gegen die öffentliche Ord-

Derlin, 4. Yuli. (Wolff.) In dem Ver­fahren, das gegen die Mitglieder der Zentrale der Kommunistischen Partei wegen Hochverrats, insbesondere wegen Bildung be­sonderer Mord Organisationen zur Durch­führung des Hochverrats anhängig ist, fand in den Räumen des Reichstags und des P r e u h i - schen Landtags eine Durchsuchung statt. Dem Untersuchungsrichter waren in der letzten Zeit wiederholt glaubhafte Rachrichten zugegan­gen, daß sich in den Räumen des Landtags und des Reichstags wichtiges Geheimmaterial der Zen­trale der Kommunistischen Partei befinde. Dec Untersuchungsrichter wandte sich darauf an die Präsidenten des Reichstages und des Preußischen Landtages mit der Ditte, die nach Artikel 38 der Reichsverfassung erforderliche Zustimmung zu einer Durchsuchung und Beschlagnahme zu erteilen. Die Präsidenten erteilten ihre Zustimmung zur Durchsuchung der Räume und zur Deschlagnahme der auf den Mordverdacht bezüglichen Gegen­stände. Bei der Durchsuchung wurde, abgesehen von einer gröberen Anzahl Sprengkapseln

i Ungelöste Fragen.

,-'1 Die Seeschlange und andere DerlegenheitS-- prvdukte einer kühnen und ausschweifenden Re- pvrterphantasie werden in diesem gewitter­schwülen Sommer des Mißvergnügens dem p. t. ZeitungSleser nicht in den Spalten seines^ Leib- dlattes erscheinen. Die politische Atmosphäre ist so voller Spannungen, die elektrischen Entladun­gen am Himmel der europäischen Staatskunst stellen sich als so viele mehr oder minder gefahr­bringende Drillantfeuerwerke den erstaunten Zett- aenoffen dar, daß kaum ein Tag ohne eine all- Seefchlangemnärchen in den Schatten stellende Sensation ist und sein wird. Probleme über Pro­bleme tauchen auf, persönliche, beruflich^ kom­munale, staatliche, europäische Sorgen beschweren da« Gemüt des friedlichen Bürgers. Don Mord-, DeleidigungS- und Korrupttons-Prozessen über Ministerreden zu weltumwälzenden Plänen und kühn konstruierten Konferenzen der Mächtigen der Erde müssen die gepeinigten Sinne und Ge­danken deS Zeitungslesers einen Weg suchen.

Und daS Aergste: Soviel Reues soviel un­gelöste Fragen! .Was ist Wahrheit?" »Wo ist die Rettung auö dem brodelnden Chaos? »Wer zeigt den Weg aus dem Irrgarten des wahnwitzigen Geschehens?" Roch nie wurden flache und ähnliche Fragen mit mehr Derechtt- gung und mit mehr Inbrunst gestellt als in diesen Lagen, da die Führenden vergessen haben, dah sie Hüter der Moral, Kultur, Gerechtigkeit und anderer die "Würde des Menschseins und der Menschheit verkörpernden Begriffe fein sollen, und da die Ge- oder Verführten mit Entsehsn gewahren, dah Völkerversöhnuna, Dölkersrieden, Dölkerfreiheit um so mehr in der Praxis das Gegenteil für sie bedeuten, je lauter sich die Gegner als Träger, Verkünder und Erftilter dieser Sehnfuchtsziele bezeichnen.

Dölkerfrieden! Der Völkerbund soll ihn der Welt bescheren, nachdem die Staatsmänner und die Militärs als Engel mit dem Palmen- zweige auSgesPielt haben. -Unb Deutschland wird plötzlich von allen Seiten in schier beäng­stigender Weise um feinen Eintritt ersucht. 11. a. fand in diesen Lagen in Lyon eine Tagung alter Vereinigungen für den Völkerbund statt, bei der selbst die französischen und belgischen Vertreter nach einer Rede des demokratischen Grafen B e r n st o r f f . die Rotwendigkeit der Aufnahme Deutschlands in den Bund und den Völkerbunds rat betonten. Die mit dem Völler- bund für uns verbundene ungelöste Frage haben jedoch weder der deutsche Graf, der im übrigen sehr gute Worte sprach, noch die fremd­ländischen Redner berührt, geschweige zu lösen versucht 'Die 26 Arttkel der Völkerbunds­akte sind bekanntlich die Einleitung und Grund­lage desselben Versailler Diktats, in dem die ungeheuerlichen Lügen von der deutschen Schuld am und im Kriege, von der Unfähig­keit und Ilnwürdigkeit, Kolonien zu verwalten usw, zur Ursache infamster Beleidigungen und irrsinniger Reparationsforderungen wer­den. Es wäre begreiflich, wenn die Döl- kerbündler als Träger desUnfriedens- bittats erklären würden, dah sie mit dem offiziell also degradierten Deutschland keine Gemeinschaft haben wollen. Umso unverständlicher ist es, nach­dem inzwischen das Rechtswidrige dieses beispiel­losen verlogenen Ehrabschneidungsversuchs allge­mein erkannt wurde, dah die am Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund interessierten Kreise nicht mit allen Kräften und Mitteln die Rehabili­tierung des deutschen Volkes und damit die Revision des Diktates betreiben. Wieviel leichter Wären dann die übrigen, von den Machern des Diktats verursachten Fragen aus der Welt zu schaffen, die heute nicht nur unlösbar scheinen, sondern deren noch so sachliche Behandlung das Erscheinen immer neuer unlösbarer Probleme be­wirkt. Schulbeispiel die geplante Londoner Re- parattonskonferenz alias Besprechung zwecks An­nahme deS Sachverständigenberichts. Sie soll wieder einmal die Wiedergutmachuimsfrage lösen, tote zahlreiche Konferenzen vor ihr. Den Urhebern Les Sachverständigenberichts war es klar, daß auch ihr Mühen vergeblich und nichts als eine schöne Willensäußerung sein wird, wenn nicht irgend em als normal und vernunftgemäß zu bezeichnender Zustand die Zeit der mit Spannungen überfüll­ten politischen Atmosphäre ablösen wird. Selbst­verständlich haben sie als Partei nicht das ethisch, moralisch kulturell und rechtlich ein sanktioniertes Verbrechen darstellende Versailler Diktat als die Ursache der Unlösbarkeit aller großen Fragen der Gegenwart bezeichnet aber sie haben immerhin von der Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit und der verwaltungstechnischen Souveräni­tät Deutschlands als einer Notwendigkeit gesprochen, und sie wissen ebensogut wie wir, daß der Begriffwirtschaftliche Einheit eine un­gelöste Frage bedeutet, solange nicht die dmrtsche Regierung vollkommen Herr in ihrem Hause ist. Aber da traten und treten die Hüter des verbre­cherischen Unrechts von Versailles auf den Plan und klammern sich an die mit Absicht nach alten französischenVertragS"-Vorlagen zweideutig ge­stalteten Sähe des Diktats.Um Gottes Willen keinen R e ch t s zustand!" ist die Parole, und mit welcher Erbitterung die franko-belgischenSieger um die Aufrechterhaltung ihrer Gewalt- undWill- kür-Herrfchast hinter den Kulissen des Rcpara- tionStheaters kämpfen, beweisen in der letzten Woche die Meldungen von der belgischen Hetze gegen die Besserung der Lage im Ruhrgebiet und dis gestrigen Rachrichten von der Abwehr ver­nünftiger, aber das Versailler Diktat verbessern­der Absichten Macdonalds durch die so leicht auf Befehl empörte Pariser Presse, Rur An- gesagte, die schwerstes Urteil erwarten, kämpfen

Berliner ZentraleundderMvskau er Instanzen enthalten. Das ganze Material wurde nach dem Polizeipräsidium geschafft, wo dem Untersuchungsrichter des Staatsgerichtshofes Räume zur Verfügung stehen. Die Prüfung der zahlreichen Schriftstücke durch Landgerichtsdirektor Vogt dürste geraume Zeit in Anspruch nehmen. Im Anschluß an die Haussuchung in den Parla­menten hatte der Untersuchungsrichter eine Kon­ferenz mit dem Reichsjust izminister, die sich auf diese Maßnahme bezog.

Der Protest der K. P. D.

Berlin, 4. Juli. (WB.) Die kommu- nistischeReichstagsfraktivn hat an den Präsidenten des Reichstages einen Protest gegen die von ihm zugelassene Haus­suchung in deii Räumen der kommunistischen Frak­tion und insbesondere auch dagegen gerich ei, dah der Präsident es nicht für nötig befunden hat, selbst bei dem Erbrechen der Schränke und der F-vitnahme der Schriftstücke anwesend zu fein und die kommunistische Fraktion von den Haus­suchungen zu unterrichten. Allerschärfsten Pro­test aber erhebe die Fraktion dagegen, dah der Präsident in seinem Schreiben an Landgerichts- direktor Vogt eS für möglich erklärt hat, dah in den Räumen, die von der kommunistischen Partei benutzt werden, sich Materialien finden, von denen die Aufklärung und Verhütung vollen­deter oder versuchter Verbrechen des Mordes zu erwarten seien. Die kommunistische Fraktion beantragt die sofortige Einberufung des Aeltestenrats des Reichstags und die Beschaffung eines Verzeichnisses der entwendeten Schriftstücke, sowie die Aushändigung derselben dem Fraktionsvorstand der kommunistischen Par­tei. Der Präsident soll ferner die sofortige Rückgabe des Materials an die kommunisti­schen Abgeordneten veranlassen und der Geschäfts- vrdnungsausschuh soll das Material darauhm prüfen ob der Verdacht deS Präsidenten, dah sich in den Räumen der kommunistischen Partei mit solcher Hartnäckigkeit um die behauptete Recht­mäßigkeit ihres Raubes! ..

Jedenfalls steht fest, dah infolge der Un­ehrlichkeit und Zweideutigkeit der Halttmg ge> wisser, immer noch mächtiger französischer und belgischer Kreise die Atmosphäre um die Lon­doner Konferenz mit einem Uebermah von elek­trischer Spannung geladen ist. Ein Rattenkrieg von vorläufig unlösbar erscheinenden Fragen ist zu beseitigen, wenn der Sachverständigenplan mehr als ein theoretischer Beweis guten Willens sein fD[[ Alle Friedensfragen sind unlösbar, solange nicht die Macht des französischen Militarismus gebrochen ist. Das sieht man auch in England ein was die an anderer Stelle abgedruckten Äußerungen deS Abg. Morel beweisen, die dem Märchen von den deutschen Rüstungen die Tatsache der französischen Militarisierung Eu­ropas gegen Deutschland und England gegen» überstellen.

Es ist selbstverständlich, dah der seit Jahren ouf Deutschland mit der Absicht seiner allmäh­lichen Zerstörung ausgeübte Druck von außen eine Unzahl ungllöster. rein deut!cher Fra­gen zur Folge hat. Alle die tröst, losen Erscheinungen der Gegenwart stehen in engstem Zusammenhang mit dem Vernich­tungskriege Frankreichs und ferner ©itrapm aeaen das deutsche Doll. Unmittelbar die säst vollkommene Zerrüttung unseres Wirtschafts, lebens, die tti der letzten Woche Gegenstand verschiedener Betrachtungen imGießener An­zeiger" war, mittelbar die umstrittenen Fragen der Stellung der Länder im Reich und deS Staatss orm schlechthin. Die neue b a Ye r i ich e Regierung hat ihr Programm verkündet. Ml- msterprässident Held hat manches gute de-.it, che Wort gesprochen, aber auch manches, das trotz aller Vorsicht des Ausdrucks vinen Einblick in

Der Kampf gegen die K. P. D.

Haussuchung bei den Kommunisten im Reichs- und Landtag. Umfangreiche Funde von Spreng Kapseln und Dokumenten.

wendig, das Material zu beschlagnahmen, au« Vern sich vielleicht ergibt,

daß nicht nur der Mord an einzelnen Staats­bürgern, sondern am ganzen Staate geplant ist. (Lärm bei den Kommunisten.) Die kommunistische Partei propagiert täglich den Bürgerkrieg, und doch haben die Kommunisten nie den Mut, sich zu denen zu bekennen, die wegen Vorbereitung des Bürgerkrieges verhaftet werden. DaS Trei­ben der Kommunisten schädigt am meisten bte Arbeiterschaft. (Abg. Pieck (K.): Die Arbeiter* schäft wird Ihnen das Genick umdrehenI Prä­sident Öetnert; Herr Abg. Pieck, daS ist etraj unerhörte Aufforderung zur GewalttÜttgkett, wenn sie wiederholt wird, muh entschieden wer­den, ob jemanb, der so etwas sagt, noch in dieses Haus gehört. Gelächter bei den Kommunisten.) . ___L

Abg. Dr. v. Campe (D. Dp.) bezeichnet die Rede des Abg. Dr. Meyer wegen ifrveg merkwürdig sanften Tonart als einen recht schwa­chen Aufguß von dem, waS eigentlich in diesem Moment erwartet werden müßte. Der Präsident würde auch dann im Rechte bleiben, wenn sich Herausstellen sollte, daß das beschlagnahmte Ma­terial den Verdacht nicht bestätige. Im Auf­trage aller anderen Parteien erflärte der Redner, die Annahme der kommunistischen Anträge sei ganz unmöglich. Der Antrag, der die Rückgabe des den Abgeordneten für ihre par­lamentarische Tätigkeit unentbehrlichen Materials verlangt, könne allerdings dem GeschäftSord- nungsausschuh überwiesen werden.

Der kommunistische Anttag, der gegen Me Durchsuchung protestiert, wird gegen die An­tragsteller und die Unabhängigen abgelrhrtt. Der »Welte kommunistische Antrag, der die Rückgabe des den Abgeordneten für ihre parlamentarische Tätigkeit unentbehrlichen Materials fordert, wird auf Antrag Heilmann (Soz.) dem ®ef chäftS- vrdn ungSa-uSschuh überall esen

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Material befinde, durch dessen Beschlagnahme Verbrechen des Mordes verhütet werden können, begründet ist. Schließlich wird verlangt, dah der Präsident der kommunistischen Fraktion sofort öffentlich Genugtuung gebe.

Severing gegen die K. 1>. D.

Die Haussuchung bei der Fraktion der K. P. D. im Preußischen Landtag beherrschte den Beginn der gesttigen Landtagssihung. Wir er­halten weiter folgenden Bericht:

Berlin, 4. Juli.

AlS Präsident Le inert seinen Platz ein­nimmt, wird er von den Kommunisten mit stür­mischen Pfuirufen empfangen. Dor Ein­tritt in die Tagesordnung gibt

Abg. Dr. Meyer-Ostpreußen (Komm.) eine Erklärung ab, deren Schluß lautet:

Wir wollen eine sofortige objektive Prüfung deS beschlagnahmten, für keinen von unS be- lastenden Materials, weil sonst die Gefahr be­steht, daß die Spitzel des Herrn Severing noch Material hinzufügen. daS ihnen in den Kram paßt.

Präsident Leinert erllärt, der Unter- suchangsiichtei des Staatsgerichlshofes zum Schuh der Republik habe bei ihm die Zusttmmung zu der Durchsuchung schriftlich geholt. Gr, Leinert, habe nach Rücksprache mit dem Reichstagspräsi­denten die Zustimmung erteilt, weil ihm mitgetedt worden sei, es sei in den Fraktionsräumen Ge­heimmaterial der Zentrale der deutschen Tscheka der K. P. D., was wichtig fei für das Verfahren wegen Hochverrats, zweier vollendeter und mehre­rer versuchter Morde. (Rufe der Kommunisten: Gemeiner Schwindel! Verleumdung!) Präsident Leinert schlieht unter lebhaften Pfuirufen der Kommunisten: Die Immunität ist immer zu wah­ren, wenn nicht das Wohl der Gesamtheit dadurch verletzt wird. Weil ich Mörder aber nicht decken will, darum habe ich die Zusttmmung erteilt. (Lärm- und Protestkundgebungen der Kommu­nisten.)

Abg. Meyer (Komm.) begründet dann den Anttag seiner Fraktion. Del der Durchsuchung handele eS sich gar nicht um den von der Polizei angegebenen Zweck, sondern um ein Komplott Se­vering Leinert und anderer, zur Störung der Ar­beit Der K. P. D. Die Spitzel des Herrn Seve­ring (Präsident Leinert rügt diesen Ausdruck.) 'hätten Material beschlagnahmt, das mit dem Ver­fahren gegen die Zentrale gar nichts zu tun lhahe. Frecher Diebstahl wurde verübt, am un­sere Arbeit zu stören.

Minister deS Innern Severing

(von den Kommunisten mit dem RufeAnge- llagter" empfangen) erllärt, er wolle heute kein Material vorbringen, sondern behalte sich den passenden Zeitpunkt dafür vor. (Ruf eines Kom­munisten: Trage nur die Rase nicht zu hoch!) Wenn Dr. Meyer die Schuh- und Kriminalbeam­ten als Achtgroschenjungen bezeichnet hat, so muh ich angesichts der ausgezeichneten Haltung der Polizei diese Beschimpfung pflichtgetreuer Be­amten mit allem Rachdruck zurückweifen. (Lärm bei den Kommunisten.) Auf die vom Unter* suchungsrichter angeordneten Maßnahmen habe ich nicht Den geringsten Einfluß. Wenn Dem Untersuchungsrichter von anderer Seite, vielleicht sogar von kommunistischen Parteimitgliedern, die noch ein Funken Devantwortungsgefühl haben, Mitteilungen zugegangen sind, bann ist es not- die noch immer Nicht völlig überbrückte Kluft zwischen Bayern und dem neuen Reich tun ließ. Fast gleichzeitig hat die zum Schuhe der Republik ins Leben gerufene OrganisationReichsbanner Schwarzrotgold" einen zum Kampf gegen rechts und gegen die angeblichen Feinde der Republik auffordernden Ausruf veröffentlicht. Aach hier: Soviel Geschehnisse soviel ungelöste Fragen! Hie Welf hie Walbling das alte Lied, das alte deutsche Leid! Statt Zusammenarbeit für das eine große Ziel der Befreiung Deutschlands von entehrender und vernichtender Devormundang, Streit um Anschauungen! Was ist zur Zeit nebensächlicher als die Frage der Staatsf orm was sinnloser als ein Kampf um die Flaggenfarbe?! Wo nicht nur der Feind Im Lande steht, sondern, wie der Erfolg der gestrigen Durchsuchung der kommunisti­schen Deratungsräame im Reichs- und Landtag bewiesen hat, Deutsche im Auftrag und zugunsten einer fremden Macht die Staatsordnung za zer­stören suchen! Muß es angefichts dieser Tatsachen ungelöste, aber lösbare deutsche Fra­gen geben?

Herriot gegen Macdonald

Paris lehnt die Macdonaldschen Anregungen ad.

P a r i s, 4. Juli. (WTD.) Ministerpräsi­dent Herriot hat drn Vereinigten Kammeraus- schüfsen fiit auswärtige Angelegenheiten und Finanzen heute nachmittag erklärt, dah er bei Schluß des heute vormittag ab gehalten en M i - n i st e r r a t s e'nr N o 1 e an die englische Re­gierung gerichtet habe, in der erklärt wird, die