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5.6.1924
 
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ur. IN Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstag, 5. Mi (924

Unsere Fortbildungsschule und ihr Ausbau.

Don Fr. Oft.

I

Der alte 3munter unseres Volkes ist seine innere Zerklüftung. Früher waren es die Stämme, die sich immer wieder feindlich gegenüberstanden. Heute sind es die Klassen und Schichten des Volkes. Früher waren es die Schlagbäume an den zahllosen Landesgrenzen, die das Volk zer­spalteten, heute sind es die Schlagworte der Parteien. Und es ist leider wahr: Der Klassen­hast und Klassenkampf ist nie erbitterter gewesen, als jetzt nach dem verlorenen Kriege. So zer­klüftet unser Volk durch das Parteiwesen auch sein mag, darüber müssen sich alle Kreise einig fern, daß die Zukunftsfrage des deutschen Volkes, seine leibliche und geistige Wieder­gesundung, und damit auch der Wiederauf­bau, eine Erziehungsfrage ist. Der Wiederaufbau muh mit dem Fundament beginnen. Alles andere ist Stückarbeit. Das Fundament aber ist die Jugenderziehung: denn unsere Jugend ist der Träger der Zukunft unseres Vaterlandes. Sie wird diese Zukunft gestalten, und sie wird das in dem Sinne tun, der dem Geist der Erziehung entspricht, die wir ihr angedeihen lassen.

Die Aufgabe, Menschen zu erziehen, Persön­lichkeiten zu bilden, fällt einmal der Volksschule, in höherem Maste aber der Fortbildungsschule zu. Für die weitaus überwiegende Mehrzahl unserer Volksgenossen bildet nach der Volks­schule die Fortbildungsschule die ausschliestliche Bildungsstätte. 93 vom 100 unserer Arbeiter, Dauern, Kleinhandwerker, Kaufleute, unteren Beamten und nicht zu vergessen die Hausfrauen, erhalten in ihr die geistige Ausrüstung, die sie £u Persönlichkeiten machen und zur Ausübung ihres Lebensberufes befähigen sollen. Für die Erhaltung und Stärkung unserer Volkskraft und die gedeihliche Entwicklung unseres Staatskörpers fällt darum die Arbeit der Fortbildungsschule mindestens ebenso schwer ins Gewicht, wie die Tätigkeit, die unsere höheren Schulen für die Heranbildung unserer führenden Stände entfalten.

Der Bedeutung der Fortbildungsschule als der Schule der Maste müssen die Ziele entsprechen, die sie sich für ihre Arbeit steckt. Vicht im Sinne einer.Herunterdrückung und Beschränkung auf das Mast des Allerunentbehrlichsten, wie es so manch­mal verlangt wird. Im Gegenteil, sie kann sich ihrer Vatur nach nicht damit begnügen, nur Wiederholungsschule zu sein, sondern sie soll Bil­dungsgüter höherer Art vermitteln, die den Schü­ler als bleibender Besitz und geistiges Kapital durchs Leben begleiten. Das Kind des Volkes (Junge und Mädchen) nach Geist und Charakter, in Wissen, Wollen und Können so zu gestalten, Last es erwachsen den Platz, auf den es als Mensch und Bürger gestellt wird, auch ausfüllt, das ist die eigentliche Aufgabe, deren Verwirklichung ihre Arbeit. So klar dieses Ziel ist, so unklar war man sich lange über die nach ihm einzu­schlagenden Wege. Man hat der Fortbildungs­schule die Aufgabe zugewiesen, den llnterrichts- stost der Volksschule noch einmal, nur gegebenen­falls etwas gründlicher durchzuarbeiten. Dem­entsprechend war der ülnterrichtsbetrieb nach In­halt und Form, nach Stimmung und Ton dem der Volksschule gleich. Bald fragte man sich, ob denn die im Durchschnitt recht kümmerlichen Er­gebnisse eines dreijährigen llnterrichts die ge­machten Anstrengungen und gebrachten Opfer auch nur annähernd lohnten. Ünd man merkte, als blohe Wiederholungsschule verrichtet sie eine undankbare Arbeit. Die Fortbildungsschule hat es eben nicht mehr mit Schulkindern zu tun, son­dern mit jungen Menschen, die in den Anfängen ihres Lebensberufes stehen. Diese Tatsache muh die Eigenart der Schule bestimmen, wenn sie wirklich leistungsfähig sein will. Ihre eigene Le­benskraft hängt davon ab, wie sie ihre Arbeit in Beziehung zu dem Lebensberufe ihres Schüler­kreises seht.

Schon psychologische Gründe legen diesen Ge­danken nahe. Der Blick des der Schulstube ent­wachsenen Knaben oder Mädchens ist nicht hinter­wärts, sondern vorwärts gerichtet. Die Weisheit des Katheders ist ihnen ein überwundenerStand- punkt, wie gering auch die Portion sein mag, die sie davon mitgenommen haben. DieWirklich- f eit en des Lebens" bilden statt dessen die At­mosphäre, die sie umgibt: der Beruf, der sie von morgens bis abends in Anspruch nimmt, füllt den Kreis ihrer Gedanken. Soll darum ein Unter­richt sie innerlich erfassen, muh er sie an der Stelle packen, die den Mittelpunkt ihres 3nter» esses bildet. Diesen, subjektiven Erwägungen treten schwerwiegende Gründe objektiver Vatur an die Seite, um den Charakter des Unterrichts in der Fortbildungsschule zu bestimmen. Die Leistungsfähigkeit der Hunderttausende, die all­jährlich aus der Volksschule in die Erwerbswelt treten, hängt nicht zum geringsten Teil von dem Mähe ab, in dem die allgemeine Bildung, die

Wasser- und Wärmespeicher für Windkraftanlagen.

Von Dr. Bruno Thierbach.

An der Vervollkommnung Eer Windkraftan- Sagen wird mit großem Eifer und auch mit einigem Erfolg gearbeitet, seitdem man erkannt hat, wel­che Bedeutung die Ausnutzung einer überall kostenlos und cibgabef.ei zur Verfügung stehenden Detriebskraft gerade heute für das deutsche Wirt­schaftsleben hat. Kann man doch damit rechnen, daß, in Deutschland die Windkraftanlagen durchs schnittlich etwa viertausend Stunden iin Jahr be­trieben werden können: das bedeutet, daß man mit einer für eine mittlere Leistung von fünf Kilowatt gebauten Anlage an günstig gelegenen Stollen etwa zwanzigtausend Kilowattstunden im Jahre erzeugen kann. Zwanzigtausend Kilowatt­stunden, von 1 einer elektrischen ileberlandzentvale bezogen, erfordern aber bei einem Kraftstrom­preise von dreißig Pfennig für eine Kilowatt­stunde eine Iahresausgabe von sechstausend Mark.

Diese Berechnung gilt aber leider nur für den Fall, daß es gelingt, die erzeugbaren zwanzig­tausend Kilowattstunden auch doll zu verwerten. Infolge der starlen Unregelmäßigkeit der Wind­kraft ist dies aber kaum je möglich: nur bei Wind­anlagen zur Wasserfordeeung ist es annähernd er­reichbar, da sich die Leistung der- Pumpen den schrvankenden Antriebskraft und den wechselnden Ämdrehungsgeschwindig'e'.ten der Windräder ver­hältnismäßig ent anpaßt. Es liegt daher der Ge-

ihnen zuteil geworden ist, nun ihre besondere Berufsarbeit durchdringt. Dildungsstand und Arbeitsgualität stehen in enger Verbindung. An der Tüchtigkeit der Arbeitsleistung ist aber nicht bloß der, der sie vollbringt, interessiert, sie ist eine Angelegenheit von allgemeiner, na­tionaler Bedeutung. And das um so mehp, je großer wieder der Anteil Deutschlands an der Weltproduktion, je stärker fein zur Zeit ziemlich ganz ausgeschalteter Wettbewerb auf dem Weltmarkt werden soll. Um so weniger kann es dem bloßen Zufall überlassen bleiben, ob und wie weit sich bei unserer werktätigen Bevölkerung die genossene Schulbildung in berufliche Tüchtig­keit umsetzt. Die Verschmelzung von Bildung und Arbeit ist eben nicht ein natürlicher, mecha­nischer Prozeß, sie vollzieht sich verläßlich nur dann, wenn sie das Ergebnis bewußter erziehe­rischer Einwirkung ist. Diesen gesunden Ge­danken, dem die kaufmännischen und die gewerb­lichen ülnterrichtsanstalten sowie die Mädchen­sortbildungsschulen ihr Dasein verdanken, hat nun auch die allgemeine Fortbildungsschule ausge­nommen. Sie streift jetzt endlich den Charakter einer Wiederholungsschule ab und erfüllt sich mit einer auf die Gegenwartsverhältnisse der Schüler bezüglichen Tendenz. Aus einer allgemein bil­denden wandelt sie sich in eine beruflich gerichtete und gegliederte Bildungsstätte um.

2nd heute stehen wir vor der Erscheinung, daß beide Anstalten, die gewerbliche, wie die allgemeine Fortbildungsschule, am selben Punkte angelangt sind, obwohl sie die Weiterbildung der aus der Vollsschule entlassenen Jugend am ent­gegengesetzten Ende in Angriff genommen haben.

Die richtige Stellung der Fortbildungsschule befindet sich also in der Mitte zwischen allge­meiner Bildungsanstalt und Fachschule. Weder das eine noch das andere soll sie sein, und doch von beiden etwas an sich tragen. Sie kann es nicht von sich weifen, den Schatz von Kenntnissen, die der Knabe aus der Volksschule mitgebracht hat, zu hüten und zu mehren, aber sie muß es auf einem anderen Wege tun, als er dort begangen

worden ist. Sie hat ihren Schüler als das zu nehmen, was er ist, als angehenden Handwerker, Bauer oder Industriearbeiter, und auf diesen Gesichtspunkt muß sie ihre ganze Tätigkeit ein­stellen. Trotzdem ist sie etwas anderes als eine Lehrlingsschule, und ihre Arbeit etwas Höheres, Geistigeres, allgemeiner Bildendes als etwa eine theoretische Anleitung in den Handgriffen des Berufs. Durch ihre Tätigkeit soll es gerade ver­hütet werden,daß der Mensch im Lehrling und der Staatsbürger im Arbeiter untergehe".Men­schenbildung in Berufsbildung zu kleiden, Berufs­bildung mit Menschenbildung zu durchdringen", dieses Zweifache ist es, worin die Fortbildungs­schule das Ziel ihrer Arbeit zu sehen hat.

Dieses Ziel sucht man, theoretisch genommen, dadurch zu erreichen, daß man dem Unterricht die Berufsarbeit des Schülers zur Unterlage gibt und sie für ihn aus einer mechanischen, gleichgülti­gen äußeren Hantierung zum lebendigen Mittel­punkt seiner Persönlichkeit macht. Man sucht den­kende Praktiker aus den Schülern der Fortbil­dungsschule zu machen. Die beste und wirk­samste Art, die berufliche Tätigkeit der Schüler mit dem Unterricht in Verbindung zu bringen, wird also darin bestehen, daß man ihren Beruf selbst zum Gegenstand des Unterrichts macht. Und zwar soll er dessen Mittelpunkt bilden, der seine Vadien in alle übrigen Lehrgegenstände sendet und ihnen den Stoff liefert, den sie nun wieder von ihren besonderen Gesichtspunkten aus behandeln. Das bedeutet die Forderung der Berufs- oder Gewerbekunde als des Zentrums unb Konzentrationspunktes des Unter­richts in der Forllüldungsschule.

Die Gewerbekunde besteht wieder aus zwei verschiedenen Einzelgebieten. Auf dem einen bildet die Tätigkeit des Gewerbetreiben­den, auf dem anderen seine Person den Gegen­stand, auf den sich der Unterricht bezieht. Dort wird der Verlauf des Produktionsprozesses in seinen einzelnen Phasen verfolgt, hier Der Ent­wicklungsgang des Erwerbstätigen an dem Auge des Schülers vorübergeführt.

Das Stadtparlament über den Haushaltsvoranschlag für 1924.

Gießen, 4. Juni 1924.

Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Keller unD in Anwe.enh.it des Bürgermeisters K r e n 11 e n, der Beigeordneten Dr. S e i b, Dr. Frey Iustrzrat Dr. Rosenberg und von 32 Mitgliedern le: Hauses nafy.n die Stadtver- ordnetente.sammlung heute in etwa dreistündiger Generaldebatte zum Haushalts-Voranschlag für 1924

Stellung. Die Aussprache stand durchweg auf guter Höhe, die verschiedentlich erwar.eten Reden zum F.nster huraus ante.blieb en, kurz gesagt, es wurde sehr beachtenswerte sachliche Arbeit ge­leistet, die den Beratungen des F.nanzausschus es förderlich sein wird. Man kann mit den Verlauf der Aussprache durchaus zufrieden fein.

Als erster Redner, entsprechend der Frak- tionsstärke, sprach der Führer der Deutschen D o 1 k s p a r t e i. Er dankte zunächst den Ober­bürgermeister für die sehr au Schluß .eiche Vorar­beit zur Haushaltsberatung, wie sie in der Dor­anschlagsrede enthalten fei, unterstrich dann die oberbürgermersterlichen Bedenken hinsichtlich der staatlichen Eingriffe in die (Steuergebiete der Ge­meinden, z. D. bei der Gewerbesteuer, und rückte in den Vordergrund daß de. Uebemaßme von Gemeindelasten auf Den Staat doch auch wieder große Belastungen der Gemeinden durch das Reich und den Staat mit Aufgabe i, die diese zu erfüllen hätten gegenüberstehen. Der Redner be­grüßte den festen Willen der Stadtverwallung zur Sparsamkeit und wünschte, daß diese Tugend auch anderswo z. D. vom Staate, streng geübt werde. Hierauf nahm er zu dem Inhalt des Haushaltsplanes selbst Steilung. Er trat für die baldmöglichste Verwirklichung des Krematorium- baues ein, dem man schon aus Rücksicht auf die Frage der Geländebeschaffung zu Friedhofs­zwecken nähertreten müsse, und regte an, evtl, ein Zusammengehen der Stadt mit den Interessenten der Feuerbestattung zwecks gemeinsamer Er­bauung und gemeinsamen Betriebs herbeizufüh- ren. Eine befürwortende Stellungnahme gab er zur Frage der Wiederaufnahme des (Straßen- Bahnbetriebs zu erkennen, die man nicht mehr so weit hinausschieben dürfe. Die Zeit, in der durch die sommerlichen Veranstaltungen aller Art auch Einnahmen für den Straßenbahnbetrieb zu er­warten seien, müsse ausgenuht werden, und zu diesem Zwecke sei es vielleicht ratsam, in Zukunft größere öffentliche Veranstaltungen auf den Trieb zu verlegen, um dabei auch gleichzeitig die städti­schen Liegenschaften dort oben (Liebigshöhe, Phi- losohhenwatd) zu fordern. In finanzieller ijin- sicht unterstrich der Redner die Ansicht, die wir in unserer Vr. 124 vertreten haben. In der Auf­wertungsfrage steht der Redner auf dem Stand­

punkt, daß die Stadt hier als leitenden Gesichts­punkt ihrer Politik die Wiedergewinnung des vollen Dertcaue is der Sparer una sonstigen Geld­geber betrachten müsse. Den Anleihegläubigern der Stadt müsse so weit wie nur irjenö möglich entgege igefommen werden, hier dürfe man keine fallche Sparsamkeit treiben, Die sich sonst später rächm werde. Sodann ging der Redner eine ganze Reihe von Etattiteln durch, bei denen nach seiner Ansicht die Einnahmen zu meD-ig, die Aus­gaben etwas zu hoch ange eßt seien Das Ergeb­nis dieser Bet.achting wir Die Schlußfolgerung, daß aus Dm verschiedensten Titeln mehr lieber- schasse herauskommen Dürften, so Daß man Die Steuerschraube wohl etwas weniger hart anza- ziehen brauche. Im Interesse des schwer kämp­fenden Gewerbes sei diese Sachlage zu begrüßen. Zur Finanzierung Der Verwaltung sei aber zu prüfen ob man gewisse Steuerbeträge nicht halb hereinrelommen könne.

Der Vertreter der sozialdemokrati­schen Fraktion beschäftigte sich zunächst mit dem allgemeinen Teil der Voranschlags re ?e des Oberbürgermeisters In verschiedenen Punk en übte er Kritik an Den dort kunDgewordenen An­sichten, in manchen anderen Punkten gab er be­achtenswerte gute Ratschläge. Er betonte weiter, daß es ihm völlig fern gelegen habe, durch seine Aeußerung in Der vorigen Sitzung (Provokation des Hauses") den Oberbürgermeister o ec de Stadtverwallung verletzen zu wollen. Bei der Besprechung des Etats brachte Der Redner pb ich- falls zum Ausdruck, daß man aus manchen Titeln zweifellvs höhere Einnahmen erwarten kann. Er vermißte auch Mittel für Den Tau eines Krema­toriums, für die Vorbereitung eines neuen Volks« schulbaues zwecks Beseitigung der Baracken und sonstiger Schwierigkeiten: für die Instandsetzung der (Straßen sollten größere Auswendungen ge­macht werden. Die Fremdensteuer solle man be­seitigen, denn ihr Aufkommen von nur 10 000 Mark sei zu gering im Verhältnis zu den Rach- teUen, die sie zeitige. Eventl. könne auch die Getränkesteuer fallen. Für die Mietzinssteuer' werde er nicht stimmen, wenn aus ihr nicht viel höhere Beträge, als jetzt vorgesehen, für den Reu bau von Wohnungen verwendet würden. Die Wohlfahrtspflege müsse bis zu einem bestimm en Teil produktiv gestaltet werden, wie in Mainz. Zum Schluß regte der Redner an, die Stadtver­ordnetenversammlung möge in einer einmütigen Entschließung Der Reichsregierung erklären, daß die jetzige Regelung Der Deamtenbesv'dung un­sozial und ungerecht sei und schleunigst geändert werden müsse.

Das Zentrum ließ durch seinen Vertreter erklären, daß eine Vereinfachung und Ersparnis unbedingt notwendig fei, weil der Bürger Die

Steuerlasten nicht mehr tragen könne. Tatkräftig« Förderung des Schulwesens sei nötig, heute werde schon viel mehr an Zuschuß für die höheren Schu­len geleistet, als für die Volksschule. Viel wich­tiger als der Krematoriumbau sei die Schaffung von gesunden Wohnungen. Die Straßenbahn solle bald wieder in Betrieb gesetzt werden, dadurch werde sich die ohnehin vorgesehene Ausgabe nicht wesentlich erhöhen. Im Hinblick auf die Tatsac^, daß die veranschlagten Einnahmen zweifellos an= sehmlich hoher sein werden, solle man nicht zu viel neue Steuern bewilligen

Die Kommunisten ließen eine kurze Er­klärung verlesen, in Der zum Ausdruck gebracht wurde, Daß mehr Zuschüsse vom Reich verlangt werden müßten, daß die Straßenbahn wieder fah­ren solle, für die Wohlfahrtspflege mehr unb für die Volksküche überhaupt Mittel vorzusehen seien. Die Miets- und die Gewerbesteuer wurde abgelehnt, dagegen die Desteuerurrg derjenigen verlangt,die während und nach dem Kriege ungeheure Gewinne gemacht haben.

Der Sprecher der Demokraten begrüßte die Sparsamkeit der Verwaltung und erklärte, seine Fraktion trete mit Vertrauen dem Voranschlag bei, womit natürlich nicht gesagt fein solle, daß jie ihn vom ersten bis zum letzten Satz unterschreibe. Zur Straßenbahnfrage wünschte der Redner eine Aufklärung über Die in Anscch gebrachten Ruhe­löhne: was habe man Darunter zu verstehen?: im übrigen meinte er, es sei richtig, Daß die Verwal­tung mit der Inbetriebnahme noch warte, denn Der Mittelstand, Der die Bahn doch hauptsächlrch benutzt habe, sei heute kaum mehr so zahlungs­kräftig daß er Straßenbahn fahre. Der zufrieden­stellenden Losung der Aufwertungsfrage sagte er seine Unterstützung zu. Die Frage des Äremi- torium-Barres dürfe nicht mehr ruhen, die Demo­kraten würden ihre ünterftüßung geben, aber die Mittel könne man erst bewilligen, wenn die Sache zur Entscheidung stehe. Die Frage der Volksküche müsse weiterhin beachtet werden, es sei untragbar. Daß die Mittel für diese Einrichtung in der Haupt­sache aus privater Hand kämen. Dem Derkehrs- verein und dem Verschönerungsverein stellte er anheim, sich zwecks Unterstützung ihrer Bestrebun­gen doch an die (Stat t zu wenien . Zur Wohnungs­zwangswirtschaft, die er als eines Der umstritten­sten und verhängnisvollsten Kapitel bezeichnete, bemerkte er, mit deren Aufhebung als Ziel könne man einverstanden fein, das Tempo dürfe aber nicht schneller sein als Die Fortschritte in Der Ent­spannung auf Dem Wohnungsmarkt. (In unserem Artikel in Rr. 126 hatten wir deutlich zu erkennen gegeben, daß auch unsere Stellungnahme Dem Ziel galt unD daß wir bis zu dessen Erreichung selbstverständlich eine gewisse Uebergangszeit mit Der weiteren Bindung der Wohnungswirtschaft für notwendig halten D. Red.) Der Redner trat wei- ter Dafür ein, daß man bat Hausbesitzer von der Einziehung von Steuern und Abgaben, die von Den Mietern zu bezahlen seien, befreien solle. Denn diese Steuereinzieherrolle belaste das Verhältnis zwischen Den Hausbesitzern unD Den Mietern nur noch mehr. Der Aufhebung Der Fremdensteuer stimmte er zu, denn hier stehe der Ertrag in feinem Verhältnis zu den Erheb unasar beiten. Mit einem Protest des Hauses gegen die neue Regelung der Deamtenbesoldung erklärte Der Redner sich ein­verstanden. i

Damit war die RÄmerliste erschöpft. Ober­bürgermeister Keller erklärte, die Verwaltung werde zu den vielfachen Wünschen und Anregun­gen nun Stellung nehmen.

Der Haushalts-Voranschlag wurde Dem Fi­nanzausschuß überwiesen. Der mit der Durchbera­tung alsbald beginnen soll. Dazu soll auch ein Vertreter Der Kommunisten. Deren Stärke im Hause bekanntlich nicht zur F.aktionsbildung ausrercht, mit hinzugezogen werden, Damit sie Gelegenheit haben, positiv mitzuarbeiten.

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danke nahe.die Windkraft zürn Wasserheben zu benutzen, dieses Wasser in einem Hochbehälter aufzuspeichern und die Kraft des fallenden Was­sers alsdann in Wasserturbinen zur Arbeits­leistung, vor allem zur elektrischen Licht- und Kiafterzeugung zu verwenden. Diese Anlagen sind Dann von den Schwankungen dec Windkraft völlig unabhängig und können mit den üblichen bewährten Maschinen ausgerüstet werden.

Wo Wind, Wasser, Höhenunterschiede und billiges Gelände zur Anlage kleiner Stauweiher ^vrAnden sind, wird sich ein solches Wrw^- Wasser-Kraftwerk als recht wirtschaftlich erwei­sen. Diese vier Vorbedingungen sind aber an Den deutschen Steilküsten, z. B. auf Rügen oder im Eamlande, auch an allen Seen im Hügelge­lände, beispielsweise in Masuren, vorhanden, und diese Zeilen mögen die Anregung geben, solchen Entwürfen, die bisher noch nicht in die Wirk­lichkeit umgeseht worden sind, ernstlich näher zu treten. Es wird sich empfehlen, zunächst solche Orte zu wählen, die aus irgendeinem Grunde keinen Anschluß an eine elektrische lieber land- zentrale erhalten können. Die herrliche Insel Hiddensee, deren Badeorte noch immer das elek­trische Licht entbehren, wäre ein solcher Platz.

Die neuzeitliche Technik hat aber noch eine weitere Speichermöglichkeit für die Windkvaft ge­schaffen, die an jedem beliebigen Orte, an dem die Windverhältnisse nur einigermaßen günstig sind, angetocnDet werden kann, nämlich Die Wind- kraft-Elektrowärmespeicherung'').

Die Elektrowärmewirtschaft hat mit dem nun

endlich mit Energie in Angriff genommenen Aus­bau der deutschen Wasserkräfte eine so große Bedeutung erlangt, unb die für sie in Betracht kommenDen .Einrichtungen und Geräte sind in den letzten Jahren so vervollkommnet worden, daß man mit Fug und Recht behaupten kann, Die Elektrotechnik schicke sich heute an, eine weitere die dritte Stufe ihrer Entwicklung zu betreten; neben Der Licht- unD Kvafterzcugung auch einen großen Teil des Wärmebedarfs zu decken. Roch wichtiger aber, als für Die Wasserkräfte, verspricht Die Elektrowärmewirtschaft für Die Verbreitung Der Windkraftanlagen zu werden: Denn in Den neuzeitlichen Clektro-Warmwasser- und Dampf­speichern, Die ohne jeden besonderen Heizkörper arbeiten Das Wasser selbst bildet Den elektri­schen Widerstand, in Dem Der elektrische Strom in Wärme umgeseht wird ist es möglich jede Windminute voll auszunutzen und als Elektro­wärme zu speichern. Die Dann zu beliebiger Zeit verwertet werden kann.

Richtet sich Der Besitzer eines von Den Lei­tungen des lleberlandwerkes schwer erreichbaren Gehöftes oder Landhauses für seine elektrische Lichterzeugung eine kleine Windkraftanlage ein, so wird er mit einer solchen für eine Leistung von einer Kilowattstunde gut auskommen, Da er, um gleichmäßiges Licht zu haben und auch bei Windstille mcht im Dunkeln zu bleiben, eine' kleine Sammlerbatterie aufstellen muß. Bei vier­tausend brauchbaren Windstunden im Jahre würde dieses kleine Wrndkraftelektrizitätswerk viertausend Kilowattstunden jährlich leisten kön­

nen. Zur Beleuchtung allein würde ein solches Besitztum sicherlich nicht mehr als vierhundert Kilowattstunden brauchen. Die Anlage wird also nur mit einem Zehntel ihrer tatsächlichen Lei­stungsfähigkeit ausgenutzt: Dreitausendsechshundert Kilowattstunden gehen verloren. Die'e, in Elrk- trowärmespeichem aufgefangen, würden aber nicht nur ausreichen, um den gesamten Wärmebedarf Der Küche sicher zu Decken, sondern cs würden noch zweitausendeinhundert Kilowattstunden im Jahre übrig bleiben, Da Der Küchenbedarf einer fünfköpfigen Familie nach Den eingehende i Unter- suchungen von Professor Dr. Dettmar in Han­nover nur .fünfzehnhundert Kilowattstunden im Jahre beträgt Die übrigen zwertausend.inhunDert Kilowattstunden können zum Betriebe von zahl­reichen Elektrowärmegeräten und Kleinmotoren, wie Bügeleisen, Föhn, Brennschere, Kocher zum Rachwärmen des aufgespeicherten Warmwassers, Rähmaschinenantrieb, Staubsauger, Dlitzbohrer, Geschirrspüler und vieler anderer Geräte ver­wendet werden, durch deren Anwendung gerade das Leben auf dem Lande so wesentlich an An­nehmlichkeit und Gemütlichkeit gewinnt, und das alles, oßny Daß hierdurch auch nur die geringste Erhöhung Der Betriebskosten der für die Beleuch­tung angeschasften Windkraftanlage entstehen.

) Rahe re Ausfühi-uraen über die Wind- kraftwärme hat Der Verfasser in Der Zeitschrift Die Technik" am 4. April 1920 veröffentlicht. Svirderabdrucke stellt er auf Anfrage zu richten nach Sellin, Rügen, gern zur Verfügung.