(für Zweyel? Kahr hat doch |tln®ort ge- a^ben. Bei den Plünderungen der „Münchener Post" und den Ruhestörungen im Davariaviertel haben wir wiederholt Schutzmannschaft und Lan- deSpolizei eingesetzt. Pöhner sprach auf mein Ersuchen mit Hitler, der erklärte, er verurteile diese Dinge, er werde sofort Abhilfe schaffen. GS wurde bann auch gesprochen von der jGnthaftung der in Schutzhaft Genommenen, namentlich des Polizeipräsidenten Mantel und des Regierungsrates Bernreuther. Die 'Herren Haden erklärt, es müsse hier sofort etwas geschehen, sie hatten aber zunächst viel andere, Arbeit. Gegen 8 Ahr fuhr ich nach Hause, wurde aber sofort von Kommissar Hermann angerufen, vd man eine Proklamation Ka hrs an- schlagen dürfe. Als Herrn«nn auf meine Frage erklärte, die Anterschrift Kahrs sei in la teini-i scheu Buchstaben geschrieben, mahnte ich zur Dorsicht, da ich Wichte, dah Kahr in deutschen Buchstaben M schreiben pflegt und verwies Hermann an Pöhner. Wenige Minuten darauf teilte mir Hermann mit, Pöhner habe gesagt, bie Proklamation müsse zunächst unterbleiben. Auf Ersuchen Pöhners ging ich bann wieder zur Po- kizeidirektion zurück. Hier wurde mir mitgeteilt, bah Pöhner und Frick verhaftet seien, was mich tief erschütterte. 3d) war zunächst zu weiteres Arbeit unfähig.
Staatsanwalt Ehart: Wie hat die Erklärung gelautet, die Hitler im Bürgerbräu abgab? Doch !wohl so ■ Die Leitung der Politik der provisorischen Rationairsgierung übernehme ich? — Zeuge: 3ch soeih, daß Hitler davon gesprochen hat, was er für eine politische Funktion ausüben wolle, wie, war mir nicht girrt Har, weil ich mich fragte: Will Hitler Reichskanzler werden oder was sonst? Man hat ja in den vaterländischen Kreisen immer davon gesprochen, es wär« gut, wenn Kahr den Hitlerals 5* rommler annehmen würde. 3ch habe gerächt, er werde eben die Werbetrommel rühren. Hierzu erklärt Hitler-: 3ch habe schon erklärt, dah ich eine Bescheidenheit in emer Seit, fvo ein Bremenser Hotelier deutscher Reichspräsident werden kann, für ganz verfehlt halte. 3ch habe CTfiart:
Die Leitung hn politischen Kampf übernehme ich. i
'3m übrigen hat Lossow selbst erklärt, dah mir bei der Bildung der neuen provisorischen Regierung das Amt des Propagandachrfs übertragen worden wäre. 3ch habe keinen Grund, persönlich bescheidener zu sein als meinetwegen ein Herr v. Losspw. Das lehne ich prinzipiell ab. Die Abrechnung mi tden Rovernberverbrechern, habe ich erklärt, übernehme ich: und das wird auch mein Reservatvecht sein, wenn nicht setzt, so doch zu einer kommenden Zeit, Herr Staatsanwalt! — Auf eine Anfrage der Verteidigung bemerkt der Zeuge: Wenn ich weih dah Kahr, Lossow und Seiher mittun, dann treffe ich keine Mahregel. Wen soll ich denn da schützen?
‘ Rechtsanwalt Kohl. Wäre es dem Stactts- rrnwalt ^icht möglich gewesen, Ehrhardts Adresse auf der Polizeibirektlon zu erfahren? — Zeuge: 3ch weih, nicht, wo Ehrhardt ist und wo er wohnt. — Rechtsanwalt Kohl: 3m Ringhotel, im 4. Stock. — 3ch weih es persönlich nicht. Wenn aber der Staatsanwalt gefragt hätte, dann hätte man wie in anderen Fällen nachforschen müssen, wo er wohnt. — Rechtsanwalt Kohl: 3st 3hnen bekannt, batz feit Beginn der Verhandlungen Kapitän Ehrhardt zu Schiff nach Frankreich ist? — Zeuge: Rein, das ist mir nicht bekannt.
Eine Frage des Rechtsanwalts Luetgebrune, ob es zur Vermeidung eines Blutbades notwendig gewesen wäre, dah Kahr Komödie gespielt hätte, verneint der Zeug? und fahrt fort: Als Hitler Here in stürmte, war Lähmen und Entsetzen über der Versammlung gelegen, «denn dann, nachdem die Sache aufgeklärt war, Aahr erklärt hätte: 3ch tue nicht mit, dann hätte inan ihn möglicherweise wie die anderen Minister abgeführt, aber passiert wäre ihm nichts.
Rechtsanwalt Holl: 3ft 3hnen bekamt, vor welcher Stelle ans der Vollzug der HasLbesehle gegen Ehrhardt, Roßbach und Heist inhibier- werden ist, vom GeneralstLatskommissariat, vom Ministerium rder von beiden zusammen? — Zeuge: 3ch möchte darüber die Auskunft ve rwe ige rn.
Zeuge Hoffmann, früher Polizeiwacht- meifter. jetzt kaufmännischer Vertreter, soll Auskunft Über das Stichwort „® lüdltd) entbun- d e n„“ geben, unter dem Kriebel durch einen „Meldekops Hofsmann" die ganzen 'Verschworenen von dem Gelingen des Putsches verständigte. Der Zeuge erklärt, er sei privat am 8. Rovember im Löwenbräukeller bei der Veranstaltung der .ReichSslagge" gewesen: irgendeinen Auftrag habe er nicht gehabt
Die Dekonntgabr der DvrgSagr hn Bürger- braukeller sei mit Jubel ausgenommen wsrderu Auf die direkte Frage des Dorsihendm, ob er der aus Kriebels Avtizblvck bezeichnete „Olt eldecopf Hoffmann" sei, erklärte der Zeuge, er sei Chff
Der Aachrichtenstelle Hitlers gewesen. Dieser habe ihm die pvlittsche Rachrichtenstelle gegeben, er habe sie unentgeltlich geführt.
Der Vorsitzende weist den Zeugen darauf hin, dah tatsächlich eine Mtttelsperson im Löwenbräukeller zur Empfangnahme eines Telephonats aus dem Bürgerbräukeller gesessen ist und er verweist ferner auf die Bebeuttmg der Worte „Glücklich entbunden!". — Zeuge Hoffmann: Wenn es in der Bezeichnung heißt „Glücklich entbunden!", muh kfy doch nicht die Hebamme vom Ganzen gewesen sein. (Allgemeine Heiterkeit.) — Der Vorsitzende hält dem Zeugen noch einmal die Verdachtsmomente vor. — Angeklagter Oberleutnant Kriebel erklärt: Dieser Herr ist nicht der „Meldekopf Hoffmann".
Zeuge Kriminalkommissar Werner bekundet: 3d), fast am 8. Rovember abends in der Versammlung im Bürgerbräukeller in der Rahe des Hauptmanns Röhm. Lieber die Meldung von dec Regierungsbildung im DürgewbräukellCT war sowohl Röhm wie sein Stab überrascht. Röhm schüttelte den Kops und sprach davon, man solle sich nochmals telephonisch erkundigen. Der Zeuge erzählt noch u. a., dast Hitler feinere Posten anjeflrebt, sondern lediglich Propaganda für die nationale Regieamg habe machen wollen. Hitler habe nach dem nationalsozialistischen Lieber- fall auf die israelitische Speiseanstalt den be- tcefsenden Gruppenführer, einen jungen Krirgs- leutnant, gerufen und ihn gefragt, und als der Leutnant «cklärt habe, er habe bei dem Lledersall sein Parteizeichea abgelegt, habe Hitler gesagt: Damit haben Sie bekannt, dast Sie sich nicht zur Partei rechneten, als Sie das machen. Sie smd nNt 3hrer Mannschaft aus der Partei ausgeschlossen und ich werde Sorge tragen, datz Sie bei feiner nationalen Partei mehr unter- kcnwnen. Zu einem Ausflug habe Hitler das nötige. Taschengeld sich von Hauptmann Göhring geben lassen müf .ett.
Das Gerücht beschliesst während der Vernehmung der Zeugen Str aber und Huber den Ausschluß der OeffentiidjMt
Frankreichs Repressalien in der Pfalz.
Pirmasens, 4. März. (WTB.) Pvli- zeikommissar Roth, PvlizcikomnrffsacWalter, Feuerwehrkvmmcmdeur Müller, AmtSgerichtSrat Müller, die beiden Verleger der „Pirmasenser Zeitung", Gebrüder Deil, und der Schmiedemeister Zapf sind gestern früh nach dem AmtSgerichtSgefäng- nis nach Mainz abtransportiert worden, um wegen ihrer energischen Beteiligung an der gewaltsamen Bertreibung der Separatisten vvreinKriegSgerichtge- st e l l t zu werden. Lrvy des Speyerer Abkommens vom 16. Februar 1924, das beiderseitige Represfalien ausschlvst, scheint sich doch das Llngeheuerliche zu bewahrheiten, daß ehrenhafte deutsche Bürger wegen ihrer deutschen Gesinnung von einem Kriegsgericht verurteilt
werden sollen, während heute noch separatistische Verbrecher unter dem Schutze der Franzosen frei in Pirmasens herumlaufen und die Bevölkerung weiterhin drangsalieren können. — Wegen Paßvergehens wird noch eine Reihe Persönlichkeiten des rechtsrheinischen Gebietes im Speyerer Gefängnis fest gehalten. Am die Bevölkerung vor weiterem Schaden zu bewahren, wird nochmals darauf hingewiesen, sich bei dec Einreise in das von den Franzosen besetzte Gebiet unbedingt das erforderliche Visum zu verschaffen.
Die Niederlage der mexikanische» Rebellen.
Paris, 5. DNrz. (WB.) Rach Rachrichten aus dem Hauptquartier der Regierungstruppen von Mexiko haben die Rebellen jetzt ganz Mexiko geräumt. Emer von den Rebellen- führern Hobe erklärt, der Aufstand sei gescheitert. Der Kriegsminister hat eine Erklärung veröffentlicht, aus d -T hecvvrgeht, dah der Widerstand der Rebellen auch in der Petroleumgegend nördlich von Veracruz sein Ende gefunden hat. — Die mexikanische Gesandtschaft in Berlin veröffentlicht hierzu folgende Mitteilung: Jalapa wurde von den Regierungstruppen beseht, die auf diese Weise den ganzen Staat Veracruz beherrschen. Der Präsident ernannte den bisherigen Llnterstaatssekretär Aarpn Saenz zum Staatssekretär des Aeuhern.
Der amerikanische Petroleumfkandal.
Paris, 4. März. (WTB.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Washington sollen die Enthüllungen über die Beteiligung deA
Ein Roman auS dem 21. Jahrhundert von HanS Dominik.
38. Fortsetzung. (Buchdruck verboten.)
Collin Corner m sch'vieg. Mit verächtlichem Lächeln beobachtete er einen der Raucher, der es noch einmal versuchte, die Pfeife an die Lippen zu fertigen. Die Kräfte des Mannes reichten nicht mehr aus. Seine Äugen, groh und glasig, starrten empfindungslos in den Raum. Hetzt liest er die Pfeife fallen und sank der Länge nach auf den Divan zurück. Die Augen schlossen sich, und ein glückliches Lächeln nistete sich in den ausgemer- gelf.cn Zügen des Rauchers ein.
Collin Larner?n wartete geduldig, bis auch dieser letzte Raucher sicher in dem Hafen der Bewußtlosigkeit gelandet war. Dann eröffnete er die Anterhaltung.
„Was ReueS?"
.Rein, Mr. Cameron. Sie haben die letzten Artikel in meinem Blatt gelesen. Waren sie nicht mitT*
„Sie traten gut Aber von nun ab muh ein anderer Ton angeschlagen werden."
.Roch schärfer? Vergessen Sie nicht, dah mein Blatt schon jetzt in Gefahr stand, unterdrückt zu werden."
„Die Wahl 3ofua Bordens ist verschoben k" „Verschoben! Warum? . . . Sin böses Zeichen , . . Vertat?"
„Eö farm nicht anders sein."
Ein schwerer Fluch kam aus dem Munde baß anderen. Danach feine Frag::
„WaS nun?"
,Das frage ich Sie."
„Dann muh eben alles andere auch verschoben werden."
„Mrsgeschlvssenk"
Der andere pfiff leife durch die Zähne und kniff die schmalen Schlitzaugen noch enger zusammen. Prüfend blickte er in das Gesicht Collin Camerons, in dem sich starke Erregung malte.
»3hre Wort« sind dunkel, Mr. Eameroir. Das eine fällt mit dem anderen."
„Rein! DaS darf es nicht!"
„Ah! . . . Weht der Wind daher? . . . Aber unsere Führer werden nicht mittnachen."
„Dann werden andere die Führer sein! . . . Einer davon Sie!"
Der andere sank in seinen Sessel zurück. Die kleine Figur verschwand fast in den Polstern, während er die Hand an die Stirn legte.
„Es wird nicht gehen, Mr. Lameton. Die Massen werden uns nicht folgen."
„Zugegeben! Die graste Masse der Schwarzen nicht . . . das heistt nicht sogleich . . . Aber sind Sie sich der Hafenarbeiter sicher? . . . Auf alle Fälle?"
Ein übles Grinsen lieh die Züge des schwarz- gelben Halbblutes noch abst astender als gewohn- üch erscheinen.
„Mit genügend ... so etwas . . seine Hande macht n die Bewegung des Geldzählens, „und dem nötigen WhiSky ... 3a!“
„Wie stehts mit den Mortoirwrrken?"
„Das kann ich nicht sagen. Aber ... der Führer ... ist empfängliche für . . Wieder vvllführten die Finger des Sprechenden die Bewegung des Geldzählens.
Geneoallmwalts Daugherty an dem Petrv- leumfEanbal von Dome sensationellerer Art sein, als alles, was bisher über die AngelCTenheib veröffentlicht wurde. Eine Gruppe von Potttikern, genannt die Bande von Ohio, habe den Präsidenten H a r d i n g umgeben und aus seinem politischen Eblsluh Kapital geschlagen. Hundert- tausende von Dollars hätte diese Bande erworben durch die Vermittlung erträglicher Posten, durch die Erzielung von Freisprüchen vor den Gerichten und durch Deckung der Machenschaften der Alkoholschmuggler.
Kleine politische Nachrichten.
Die drei deutschvölkischen Reichstagsabgeordneten v. Graefe, Wulle und Henning haben d?m volksparteilichen Abgeordneten Dr. Cremer ihre Kartellträger gesandt und ihn a u f Pistolen bis zur Kampfunfähigkeit gefordert, weil Cremer Graese während der letzten Reichstagsdebatte das Wort „Hochverräter" Mgerufen hatte. Wie das „Dsrl. Tageblatt" hört, wird Cremer zu Beginn der Mitt- wochsitzung des Reichstages dem Hause davon Mitteilung machen. *
Die die „Vosfische Zeitung" meldet, erklärte der fünfte Zivilsenat des Reichsgerichts die De- ftimrnimgcn der dritten Steuernotver- orbnung, welche die Auswertung betreffen, für rechtsgültig. Derselbe Senat hatte am 23. Rovember 1923 das bekannte .Urteil gefällt, durch dos die ganz« Aufwertumgsbewegung tn Fluh gekommen ist. *
3n Paris ist das Pfund Sterling DienSkog abend auf 106,30 gegen 103,50 am Vortage und der D v l l a r auf 24,80 gegen 24,04 am Vortage gestiegen.
Die Lage in Spanisch-Marokko ist angesichts des feindlichen Druckes von gewissem Ernst. 3n bestimmten Abschnitten haben die Spanier Teiloffensiven vorgenommen. 3ndessen ist das Oberlömmissariat der Ansicht, dast es notwendig ist, sofort eine Brigade einzuschiffen. Zwei weitere Brigaden sollen folgen. Dause den letzten Kampfe hatten die Spanier 5 Tote pnd 22 Verwundete.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 5. März 1924.
GrwerbslosensKrsorqe, Streik und Aussperrung.
WTB. 3n der Verordnung über die ® r» werbslosenfürsorge vom 1. Rovember 1921 heistt es, die Erwerbslosigkeit sei nicht als Kriegsfolge -anzusehen, toc-.u sie durch Au s- ftanb ober Aussperrung überwiegend verursacht ist. Frühestens vier Wochen nach Ab- schlustl des Ausstandes ober der Aussperrung können Me Gemeinden den Arbeitnehmern beim Dorliegen her allgemeinen Voraussetzungen Gr- wer^ösenunterstützung gewähre«. 3n der Praxis sind Zweifel bar über entstände«, ob in eine Prüfung darüber einzatreten ist, ob das von Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerseite angewandte Kampfmittel zu Recht verwendet ist. 3m Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsminister entschied jetzt der preustische Minister für Dolkswohl- sahrt dahin, dast eine derartige Rachprüfung nicht ftattzufinden hat. Zu prüfen ist lediglich, ob Erwerbslosigkeit überwiegend durch Ausstand ober durch Aussperrung verursacht worden ist.
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Neue Versichernnqspflichtqreuze in der Krankenversicherung.
Durch eine VerOrdirung des Reichsarbeitsministers vom 28. Februar wurde die Ver» sicherungspflichtgrenze in der Kran- kenversicherungab3. März aus 2400 Goldmark jährlich festgesetzt. Die 2!ieldefrift für die Reuvei sicherten erstreckt sich bis zum 15. März. Durch die gleiche Derord'.rung ist die Höchst- e in kommens grenze Mr den Beitritt zur freiwilligen Krankenversicherung auf 1800 Gvldmatck heraufgesetzt.
»
Gießener Wochenmarktpreise
am 4. März 1924 (Händlerpreise).
Es kosteten: Butter Pfd. 2 Mk., Käse 10 Stück 55 bis 60 Pf., Eier Stück 14 Pf., Wirsing Pfd. 35 Pf.. Weihkraut Pfd. 25 Pf., Rotkraut Pfd. 40 Pf., Gelbe Düben Pfd. 25 Pf., Blumenkohl Stück 1.20 bis 2 Mk., Endivien Psd. 1.50 Mk., Anter-Kohlrabi Pfd. 8 Pf., Grünkohl Pfd. 30 Pf., Rosenkohl Pfd. 1.03 bis 1.20 Mk., Tomaten Pfd. 1.50 Mk., Zwiebeln Pfd. 25 Pf., Meerrettich Pfd. 1.00 Mk., Sellerie Stück 0.60 bis 1.00 Mk., Aepfel Pfd. 25 Pf.
„3ch werde mit ihm reden. Wie steht's mit der schwarzen Universität? 3hve Organtfation ist die beste. 3hr Beispiel würde grobe Wirkung haben."
„Die jungen Hitzköpfe mühten sich bei zweckmäßiger D Handlung wohl geboauchen lasse« . . . Ein geschickt inszenierter Streit mit Len weihen Studenten . . . Gut auSgewalzt und kräfttg breit» getreten . . . Alles im richtigen Moment . . . Das dürfte genügen.“
„All right! Die Arbeit tn Frisko lege ich in 3hre Hände."
Der anbzre schwieg. Aber seine Augen blin- zellen begehrlich nach der Stalle, an der sich Collin Camerons Brusttaschi^ befand, und feine Mienen sprachen eine beredte Sprache. Collin Ccrmevrn rist ein Scheckbuch heraus und reichte eS seinem Gegenüber.
„Wie hoch?"
„3n jeder Hohe!"
D .s ©rtif nauf b*tt Zügen des anderen verbreitert« sich. Seine Finger umfiammerten das Buch, und firn Ru war es verschwunden.
„3ch fahre Heute nacht nach Louisiana, um dort w eiterzuarbeiten. Meine Adresse kennen Sie."
Ein Ricken idcs anderen. Roch einmal lieh Collin Cameron leinen Mick auf den Raum und feine ttumteuer vSnfaf,‘ert gleiten. Dann schritt er mit seinem Partner dem Ausgang zu. 3hre Schritte verklangen auf dem Flur.
Plötzlich blieb Collin Tameosn fielen und schlich leise wieder dem eben verlas'enen Gemache zu. Mit unLndlichr Vorsicht schob er den Vorhang um wenige Millimeter ^ur Seite, dah sein Auge eben -den Raum überbltdän konnte. Alles war noch genau fo, wie er eS verlassen hatte. Als
" Die (Siebener Sammlung für Pfalz und Rhein. Bei der Geldfammlung, die anlastlich des Gietzener Pfalz- und Rheintagä von 136 Schulkindern in allen Stadtteilen vor- genommen wurde, tarnen insgesamt 4402,84 Mk. ein. Davon sind 4000 Mk. an die Zentralsammel- stelle in Berlin abgeführt worden, 156,45 Mk waren für die Deckung der Unkosten notwendig, der Restbetrag besteht aus geringwertigem, ungültigem oder falschem Geld. Man will versuchen, diesen Rest auf dem Wege von freiwilligen Sttf° tungen aufzubringen, er soll bann einer hiesigen Wohlfahrtsstelle zugeführt werden. Alleir Helfern bei dem edlen Hilfswerk ist der öffentliche Dank gewib-
** Die Wählerlisten für die LandwirtschaftSkammerw ahle n liegen vom 6. bis 8. os. Mts. in der Stadt Gießen offen. Siehe heutige Bekanntmachung.
** Jacki e C oo gan, der erst 9 Zähre alte amerikanische Filmschauspieler, der den Kino- freunden schon so manche Probe seines bewan- dernswerien Talents gegeben hat, bereitet den Besuchern das Lichtspielhauses, Dahnhof- (trabe, in dem bis morgen abend laufenden Film „Zirkuskind" wieder einmal,einige Stunden besten Genusses. Wie bisher immer, ffv mub man auch hier wieder über dieses „Wunderkind" staunen, das sich mit seiner glänzenden Schauspielkunst, seiner drolligen Erscheinung, dem Liebreiz seines Mienenspiels und seiner Frische ht kurzer Zett zu einem der gesuchtesten „Stars" der amerikanischen Filmkunst aufgeschwungen hat. Der spannende Film stellt den lleinen Kerl in den Mittelpunkt der Handlung und bietet ihm dadurch eine Fülle von Gelegen H ei en zur vollen Entfaltung seiner vortrefflichen Darstellungskunst. 3n allen Situationen stellt ber famose Knirps voll und ganz seinen „Mann", und er läht es begreiflich erschei neu, bab dieser Film in Berlin und in anderen Grvbstädten sich wochenlang auf dem Spielplan halten konnte. Auch hier Ii>at der Film bei den bisherigen Vorführungen verdientermaben sehr guten Anklang gefunden, ilebrigenß ist er auch für Kinder gestattet, denen man Gelegenheit geben sollte, sich den niedlichen Dengel mal anza- sehen. Das Deiprogramm ist geeignet, auch das grübt« Hetterkeitsbedürfnis zu befriedigen.
BornoNzen.
— Tageskalender für Mittwoch Stadttheater: 7 Uhr „Das Krokodil". — Dov- tvags-Dereinigung: 81/* Uhr in ber Reuen Aula Lichtbildervvrtvag über Rothenburg o. b. Tauber. — Germania Radllub 8 Uhr au beroch. Hauptversammlung. — D. H. D. 8^/z Uhr im Kaufm. Vereinshaus Monats Versammlung. — Lichtspielhaus Dahnhofstraste: „Zackie Coogan". — Palast- Lichtspiele: „Fremdenlegionär Kirlch".
— Konzertverein. Man schreibt uns. Der Spielplan des Morgenkonzerts am 9. März bringt in der ersten Hälfte zwei selten zu Gehör gebva-chte Werke von Schubert. Di« Ouvertüre im italienischen Stil ist leichte Ware, hingeworfen als Einfall genialer Laune, um zu zeigen, bab die flüssige Art ber 3taliener, besonders Rossinis, auch dem Deutschen erreichbar sei. Erheblich schwerer wiegt die Sinfonie in C-Moll, die Schubert selbst nach Vollendung ber Partitur als „Tragische Sinfonie" bezeichnet hat. Sie ist neben ihren berrühmten Schwestern in C-Dur und bl-Moll leider vernachlässigt worden, enthält aber überraschende Schönheiten und zeigt den Roman- tifer Schubert in dem Farbenreichtum, der seine Eigenart gegenüber Haydn und Mozart, abei auch Deethoven beleuchtet, dessen C-Moll« Sinfonie ihm übrigens Leitstern war. Der grobe Meister selbst kommt tn dem Konzert zunächst mit der vierten der Ouvertüren zu Fidelio (E«5>ur op. 72b) zu Wort. Es ist bekannt, bab Beethoven, als er dies Musikstück (1814) schrieb, seiner Oper bereits innerlich fern stand. Wirklich kann man es kaum noch als Einführung in die Oper bezeichnen ; es ist ein völlig selbständig empfundenes Orchesterwerk voller Geist und Leben. Mit der achten Sinfonie (b-Dur op. 93) schliefst ba£ Konzert: sie ist unseren Musikfreunden so bekannt, bab die freudige Erwartung, sie endlich einmal wieder zu hören, allein genügen wirb, sie alle hevbeizulocken.
— Aus dem Stabttheaterburear wirb uns geschrieben: „Erfreullcherweise zeigt sich für das Gastspiel des Großrussischen Dalalaika- Orchesters am Donnerstag (morgen) lebhaftes 3nteress«. Dies ist um so mehr zu begrüben, ba die Vorführungen bei den beiden lehtjährigeq Gastspielen autzerordentlichen Beifall gefunden haben."
— Die Gietzener freiwillige und die Gatlfche freiwillige Feuerwehr halten morgen, Donnerstag, abend 8 Ahr btt Gewerbehaus, Kirchstratze, eine gemeinschaftliche Monatsversammlung ab, in der u. a. auch ein Bericht über den Deurschen Reichsfeuerwehrta^. in München zum Vortrag kommt (Siebe Anzeiae.)
— Ein Lilipuianer-G ast spie, wird in unserem heutigen Anzeigenteil für kommenden Sonntag und Montag angekündigt.
er sich umdrehte, stand ber gelbe Wirt katzen- buckelnd vor ihm.
„Alles in Ordnung, Mr. Cameron. Die Tote-, aus dem Kirchhof haben keine tauberen Ohren als meine Gäste."
Während Collin Cameron dem Ausgang zu- sch-itt, kehrte der Wirt in das Gemach zurück Sein Auge 'blieb cm e'.nem Weißen hängen, der rn tiefem Schlaf ‘der Wand zuxekehrt dalag.
„Du Sohn eines Schakals! . . . Deinethalben hat Tschung Fu eine böse Stunde gehabt. Du bist ja keiner von meinen Stammgästen ... für die ich mich verbürgt habe... Du sollst es mir bezahlen."
Anbörbar schlich *er auf seinen Filzsohlen auf den Schläfer zu. Prüfend glitten seine Händc über die Kleidung des Dalie^endün und tasteten nach der Gegend der Dtteftasche.
Von ein an Faustschlage getroffen, flog er bis tn die Mitte des Raumes zurück.
„Du Sohn eirocr gelben Hündin, bezahlt bist du schon im voraus!"
Es war Wellington Fvx, der bei diesen Worten rwn dem Diwan aussprang. Doch bevor der BerrHterstatter der Chikago-Preß den Ausgang err iHen konnte, hatte sich der Wirt schon wieder ausgerafft. Ein Tisch flog Wellington Fox empfindlich gegen das Schieirbe'rn. Schon war derWirt draufjen und ließ einen gellenden Pfiff ertönen.
Wellington Fvx stürmte ihm nah. Aber eS war nicht der Ga:rg nach der vorderen Teestube, sondern ein anderer, ein viel längerer und winkliger Gang, m den er geriet und durch den er bis auf den Hof gelangte. Hier sah er sich plötzlich von allen Seiten -umringt
(Fortsetzung folgt)


