Ausgabe 
5.3.1924
 
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Erstes Blatt

Mittwoch, 5. März 192$

174. Jahrgang

Jahre nach dem gelungenen Raub. noch. Hart­näckiger fast noch als fein französischer Lehrer weigert sich der polnische Schüler auch heute noch, in dem zu Frieden und nachbarlicher Ver- ständigung bereiten Deutschland etwas an­deres als einen Feind zu sehen. Er darf sich dann freilich auch nicht wundern, wenn ihm Gleiches mit Gleichem vergolten wird.

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Das Ende des Kalifats.

Die Verbannung des Hauses Osman. Deutschland und die türkische Republik.

Frankreich und England.

2 o n b o n, 4- März. (WTD.) Rcuter berichtet, die allgemeine Ansicht in verantwortlichen Lon-. teuer Kreisen fei, daß die englisch-französischen Beziehungen durch den neuen Briesaustausch zwi­schen Macdonald und Poincars in ein neues Stadium gebracht worden seien. Es verlaute, daß diese Mftteilungen durch keine besonderen Er­eignisse hervorgerufen seren und nur bie Fort­setzung der freundschaftlichen Roten bedeuteten, die ausgetauscht werden, seit Macdonald seinen Dosten übernommen habe; ihr Zweck >ei zweifellos gewesen, einen gewissen Argwohn und einige Zweifel zu beseitigen, die auf beidm Seiten teÄ Kanals in der letzten Zeit entstanden find.

Es handle sich, was England angrhe, um die Vermutung annexionisttscher Ideale Frank­reichs und, was Frankreich betreffe, um die Ungewißheit über die Haltung der britischen ..Arbeiterregierung" gerenüber Frankreich und ihre Stellungnahme zur Reparattonsfrage rm allgemeinen.

In diesen Punkten werde die Offenheit ficherdie gewünschte Wirkung haben Das beabsichtigte Ente ziel des Meinungsaustausches sei voraussichtlich eine Zusammenkunft zwischen dem brrtr- schen und dem französischen Premierminister. Jede endgültige Zusammenkunft aber werde, w e man annehme, weit größere Aussichten auf erfolg haben, wenn eine gründliche Klä rung der Atmosphäre vorausgegangen sei. Im übrigen sei jedoch alles Gerede über eine derartige Kon­ferenz verfrüht, bevor die Sachverständigen- b e richte eingegangen und erwogen worden feien.

-sU Labourblatt »Daily Heralv crweUert die Anteutung in dem Drie,eMactenalds ü^ durch die im Leitartikel gegebene Erklärung, oatz

einem Ministerpvsten in der neuen Regierung zufrieden gegeben." Man rechnete damals m der internationalen Diplomatie mit der Möglichkeit, daß E n g l a n d das Recht der türkischen Ratto- nalversammlung zur Wahl des religiösen Chefs der Mohammedaner bestreiten und die Gelegen- heit benutzen werde, um das Kalifat für den Kon g des Hedschas zu beanspruchen. Aber nichts dergleichen geschah.

Umso unerklärlicher erscheint der Schritt, den die politi'chen Machthaber von A.dgora nun be­schlossen haben. Dadurch nimmt das wenig freute volle Dasein des letzten Kalifen Abdul Mrdschrd abermals eine tragische Wendung. Der Prinz, ein Sohn des 18Z6 verstorbenen Sultans Abdul A z i s hat viele Jahre seines Lebe nsin der ©in» samkcit seines Palastgesängnis.es am Bosporus zugebracht. Auch er war ein Opfer Abdul Hamids, der sich dadurch vor dem Stui^ zu schützen suchte, daß er alle möglichen Anwärter auf den Thron hinter die eisernen Gitter eines vergoldeten Käfigs setzte. In jener Gefangenschaft bildete sich Abdul Medschid tteit über den Di­lettantismus hinaus -um Maler und Kompo­nisten aus, eignete sich die deutsch? Sprache an und sammelte eine stattliche Bibliothek /deutscher Literatur. Sein einziger Sohn Omar Faruk hat während des Krieges die militärische Aus­bildung in Berlin genossen und beherrscht die deutsch? Sprache wie die Muttersprache. Mit einem Töchterchen abgebildet, ging Abdul Med- schids Photographie vor einiger Zeit durch die illustrierte Presse.

Der deutsch-türkische Vertrag.

Berlin, 4. März. (WTB.) Die Ver­handlungen des deutschen Gesandten in Bu­karest, Dr. F r e y t a g. der von der deutschen Regierung zu Verhandlungen mit der tür­kischen Regierung über den Abschluß eines Freundschaftsvertrages zwischen Deutschland und der Türkei nach Angora entsandt worden war, sind, wie schon kurz gemeldet, zu einem erfolgreichen Abschluß gelangt. Am 3. März wurde der Vertrag gezeichnet. Er lehnt sich in der Form eng an den türkisch-ungarischen Ver­trag an und umfaßt wie dieser nur wenige Artikel. In der Einleitung wird zunächst fest­gestellt, daß zwischen Deutschland und der Tür­kei und ihren Bürgern Friede und Freundschaft herrschen. In den übrigen Artikeln wird die Wiederaufnahme der diplomatischen und konsularischen Beziehungen gemäß den Gepflogenheiten des internationalen Rechts angekündigt und ferner der Abschluß von Verträgen über die Regelung der Konsularverhälmisse und der Handelsbeziehungen sowie die Ge­währung von Rechtshilfe in Aussicht gestellt. Fünfzehn Tage nach dem Austausch der Rati­fikationsurkunden, welcher in Konstantinopel erfolgen soll, wird der Vertrag in Kraft treten.

Annahme von Anzeigen für die lagtsnummtr bis zum Nachmittag vorher ohne jedeNerbindlichkeit. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Drelle örtlid)8, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne- Klame-Anzeigen v 70mm Dreile 35 Goldpfennig, Pwtzvorfchrift 20°/ Auf- chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: R.Friedr.Wilh Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Dlumfchein;für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Pari«. 4. März. (Priv.-Tel.) Aus Kon­stantinopel wird gemeldet, daß die Verbannung aus der Türkei ten Kalifen und feine Familie, sowie 32 Prinzen und ?? Prinzessinnen betrifft Die Rativnalversammlung will dem Kalifen eine Summe von 100 000 türk. Pfunden und den Prin­zen zusammen 200 000 türk. Pfund zubilligen. Es ist ihnen aber untersagt, ihre Depots bei den Danken abzuheben. Iedvch würde ihnen die Re­gierung die Ruhniehung aus den persönlich mitgenommenen Sachen und Edelsteinen zugestehen und ihnen innerhalb eines Jahves den Erlös aus den Immobilien nach Bezahlung der Steuern zuführen. Rach einer Havas-Meldung aus Kon­stantinopel ist der Kalif heute nach der Schweiz a b g e r e i st.

Trotz der politischen Aufregungen, die diese Woche ter deutschen Ocffenllichfeit bringt, darf em Ereignis nicht übersehen werden, das aus der einstmals verbünte.en Türkei gemeldet wird: Die Rationalversammlung von Angora hat das Ka­lifatabgeschafft ! Der Kalif Abdul Med° schid und sämtliche Mitglieder der Familie Os­man sind für alle Zeiten aus der Türkei ver­bannt. Ihr Vermögen wird beschlagnahmt. Da­mit trennt sich die Republik Türkei, die schon längst ihren poli Ischen Schwerpunkt von Konstan­tinopel nach ter östlichen Bergstadt Angora ver­legt hat, mit einem neuen scharfen Linksruck von ihrer patriarchalischen Dergangenheit.

Es sind erst ein Jahr und vier Monate her, da beschloß am 1. Rovember 1922 das Par­lament in Angora nach einer Rede des neuen Staatspräsidenten Mastapha Kemal Pascha (angeblich einstimmig) das Ende des Osmanischen Kaisertums und seine Ersetzung durch dieRe­gierung der großen Rationalversammlung der Türkei". Das Gesetz über den Regierungswechsel lautete In seinem Artikel 2:Das Kalifenamt wird auch fernerhin durch die Familie Osman ausgeübt werden, aber die Rationalversammlung wird einen Prinzen wählen, ter durch seine tüch­tigen Eigenschaften, fein Talent und sein Verhal­ten dieser Wahl würdig ist." ilnf> so geschah es. Gewählt wurde Prinz Abdul M e d s ch i d. Er ist nicht etwa der älteste Sohn des letzten Sul­tans, des flüchtig gegangenen Mohamed VI., son­dern ter Familienälteste der Dynastie.

Diese Erbfolge ist nebenbei gesagt im Koran festgelegt, und man nahm bei ter Einrichtung des ges gefonterten Kalifats offenbar aus reli­giösen Gründen darauf Rücksicht. Äußerten hatte sich Abdul Medschid, der heute im 56. Lebens­jahre steht, als ein sehr gebildeter Herr mit weitreichenden internationalen Beziehungen er­wiesen, dessen Beweglichkeit und Energie von dem sonst oft so passiven Durchschnittstürken vorteil­haft abstach. Als man ihn mit dem Mantel des Propheten, nicht mit dem Schwerte gürtete, das als Zeichen der weltlichen Macht gilt, erklärte der neue Kalif:Ich bin ein türkischer Patriot, und als solcher ist es meine Pflicht, jede Stellung anzunehmen, in der ich tem Glück des türkischen Volkes dienen körmte. Wenn ich nicht zum Kalifen erwählt worden wäre, so hätte ich mich auch mit

Das feindselige Polen.

In seiner letzten großen Reichstagsrede hat Minister Dr. Stresemann auch der deutsch-polnischen Beziehungen gedacht. Er hat dabei bewußt die freundschaftliche Form der letzten Verhandlungen mit England über die Herabsetzung der Reparationsabgabe dem wenig loyalen Verhalten der polnischen Re­gierung wegen der noch immer schwebenden deutsch-polnischen Verhandlungen über die Minderheitenfrage gegenübergestellt. In wei­ten Kreisen Polens, so erklärte Dr. Strese­mann, herrsche noch immer eine feindliche Stimmung gegenüber Deutschland.

Der deutsche Außenminister hat den wah­ren Sachverhalt richtig erkannt. Polen be­nimmt sich noch immer als Feind Deutsch­lands, als erbitterter Gegner und Verfolge? des Deutschtums. Es führt offiziell einen Ver­folgungskampf, dessen Hauptschwere die un­glücklichen Deutschen in Polen trifft. Dafür nur wieder einmal einige Beispiele.

Das Verfahren zurSäuberung" der In­dustrie Ost-Oberschlesiens von deutschen In­genieuren und Bergbeamten, das bisher durch Hetze in der Presse und durch Winke und An­regungen bei den Werksverwaltungen betrie­ben wurde, ist kürzlich vom polnischen Mini­sterium in aller Form übernommen und ver­schärft worden. Der Industrie- und Handels­minister Kiedron hat an den durch An­stellung des bisherigen Deuthener polnischen Vizekonsuls Dombrowski als Geschäftsführer und anderer polnischer Beamter schon halb polonisierten Berg- und Hüttenmännischen Verein in Kattowitz ein Schreiben gerichtet, in dem gefordert wird, die oberschlesische In­dustrie möge endlich damit beginnen, pol­nische Fachleute in ihren Betrieben an­zustellen. Der Minister weist in seinem Brief auf dasgewisse Wohlwollen" hin, mit dem die polnischen Behörden die Industrie behan­delt hätten und erklärt, dah sie bisher nichts getan habe, dieses Wohlwollen zu verdienen. Vermutlich rechnet der Herr Minister zu den Aeußerungen dieses behördlichen Wohlwol­lens auch die Tatsache, dah den noch in deut­schen Händen befindlichen Betrieben die Kre­dite der Landesdarlehnskasse gesperrt werden und dah solche Werke, die nicht Halb- vder Ganz-Polen in die leitenden Stellungen berufen, auf alle mögliche Weise schikaniert werden.

Außerordentlich bezeichnend für die aus­gesprochen deutschfeindlich eingestellte Politik Polens ist auch ein vor einigen Tagen tim Sejm eingebrachter Dringlichkeitsantrag der Defreiungspartei", der auf nichts weniger als die vollständige Vernichtung des Deutsch- tums in Polen ausgeht. Der Antrag verlangt die Enteignung der 'Landwirtschafts- und In­dustriegüter, wenn die Eigentümer als Perso­nen deutscher Herkunft irgend einmal von der preußischen Regierung Unterstützung erhal­ten hätten. Da hier im Osten das oftmals ge­schehen ist, keineswegs aus aermanisatorischen 'Gründen, sondern zur Besserung der allge­meinen Wirtschaftslage, so würden etwa 25 000 deutsche Familien mit ihrem Personal, etwa 100- bis 200 000 Personen davon be­troffen werden. Dieser unerhörte Anttag wurde von allen polnischen Parteien mit geringfügigen Einschränkungen ange­nommen!

In erster Linie richtet sich die polnische EntdeutschungSpolitik natürlich gegen die deut­schen Schulen. Die Fälle von Auflösungen ganzer deutscher Schulen oder Schulklassen gehen in die Hunderte, und wenn man jetzt weniger von solchen Auflösungen hört, so kommt das einfach daher, weil es in Polen kaum noch deutsche Schulen gibt. Immerhin mußte sich die deutsche Sejmfraktion erst vor einigen Tagen wieder in einer Interpellation darüber beschweren, daß im Kreise Schwetz elf evangelische Kinder seit einem Jahre kei­nen Religionsunterricht erhalten und als un­tätige Zuhörer während des katholischen Un­terrichts dabeisitzen. Diese evangel.schen Kin­der sind natürlich Deutsche; wären sie Polen evangelischer Religion, dann würde man sie selbstverständlich nicht ohne Religionsunter­richt lassen. ,

Diese drei Beispiele mögen genügen. Mit einem Fanatismus sondergleichen führt Polen, das offizielle und das nichtoffizielle, seit Jah­ren einen Vernichtungskrieg gegen alles Deutsche. Als undankbarster aller Sukzessar- ftaaten des Weltkrieges denn ohne die beut* schen Siege über Rußland wäre Polen noch heute zaristische Provinz hat der kaum neu­geschaffene polnische Staat nichts Eiligeres zu tun gehabt, als sich auf Kosten desjenigen Volkes, das ihn von der Knute der Kosacken befreite, zu bereichern. Mit einer Unverschämt­heit ohnegleichen hat der polnische Größen­wahn rein deutsches Land gestohlen, hat pol­nischer Uebermut dies gestohlene Land ziel- hewußt entdeutscht und tut dies heute, vier

Der Hitlerprozeß.

München, 4. März. (WTB.) Bei Gröss- nung der heutigen Sitzung wurden zunächst bin Zeugen aufgerufen, soweit sie Offiziere ter ehe­maligen Infanterieschule waren, an ihrer Spitze Oberst Leupold. Bevor der Vorsiheirte bie Vernehmung der Zeugen beginnt, protestiert Rechtsantvalt Roder, der Verteibiger Hitlers, im Ramen der Gesamtverteidigung dagegen, dah in diesem Prozeß In außerordentlicher Weise Zeugenbeeinflussungen nach verschie­dener Richtung vvrgenommen worden sind. Auf der einen Seite sei das Wort geknebelt worden, und auf ter anderen Seite wurde positiv die Un­wahrheit in das Volk getragen durch amt­liche -falsche Darstellungen Über den Prozeß. Insbesondere habe General v. Lossow sogenannte amtliche Darstellunaen über den Prozeß in etwa 400 Exemplaren herstellen und an die höheren Offiziere versenden lassen. Auch in einemWechblauen Büchlein" sei auf den Prozeß eingewrrkt worden, und zwar könnten hier nur Seiher oder seine Hintermänner in Frage kommen. In dieser Schrift ist jede gegenteilige Acuherung Hitlers über die Vorgänge unterteudt worden. Wäre die Schrift nicht von der Gegen­seite versaht worden, so hätte man sie fchml längst beschlagnahmt. Aber nicht nur die Zeugen seien beeinflußt worden, sondern

die beteiligten Herren Kahr, Lossow und Seiher Hütten ihre Aussagen vor dem Er­mittlungsrichter offenbar gemeinsam gemacht, statt einzeln vernommen zu werden. Jeder der Genannten habe so, ehe er seine Aussagen machte, die Aussagen der anderen Beteiligten studieren und sich dann darauf einsteNen

können.

In vielen Dingen bestehe in den Aussagen ter drei Herren eine wörtliche Uebereinstimmung, wenn sie auch falsch und unwahr seien.

In geheimer Sitzung wurden tetniuf die elf Zeugen aus der Infanterieschule vernommen.

Zu Beginn ter Rachmittagsfitzung wurde alS erster Zeuge Obervegierungsrat Tenner, ter Stellvertreter des Münchenerr Polizeipräsidenten, aufgerufert, der u. a. erklärt, dah Frick durchaus rechts eingestellt war und mit den führenden Persönlichkeiten ter teutschvölkifchen Bewegung Dez lehmigen unterhalten habe. Er habe niemals den Eindruck gehabt, daß sich Frick einer Be­wegung anschlirhen würde, die auf einen gewalt­samen Sturz ter Verfassung hinarberte. Er habe auch keine Anhaltspunkte dafür, dah Frick Kenntnis davon hatte, daß für den 8. Rovember ein Putsch beabsichtigt war. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Frick verpflichtet getteen wäre, ihn zu verständigen, bejahte ter Zeuge. Er seh? in ter Tatsache, dah Frick ihn nicht ver­ständigt habe, aber terchaus keii en Beweis dafür, dah er ihn nicht habe verständigen wollen. Ter nächste Zeuge Regierungsrat Dern- reuther von ter Polizeid-irektion bemerkt, er sei im Bürgerbräukeller unmittelbar nach ter Verhaftung der Minister sestge:vommen worden. Wenn ct.i Polizeibeamter eia? b-zrartig? Mel­dung bekomme, bann sei es seines Erachtens seine Pflicht, alles i n D e r e i ts cha s t KU feten. Er hätte in diesem Falle die grüne Poli ei alarmiert, aber zunächst nicht eingesetzt. Ob Frick von den Vorgängen Kenntnis hatte, könne er nicht ohne weiteres sagen. Auf die Frage des Iustizrats Kehl, ob die Staatsanwaltschaft bei der Polizev direktion den

Aufenthalt ErhardtS

hätte erfahren können, antwortet ter Zeuge ver­neinend. Er wisse, dah Schreiben aus ter Zeit von Mitte Dezember existierten, die auf umsturz- ähnliche Ding? abzielten. Auf die Frage H 11« lers, warum das General st aatskvmmis» s a r i a t gegründet wurde, erwidert Cßemreutter, daß es wegen einer Befürchtung gebildet wurde, daß bereits hn September von rechts ein Um­sturz erfolgen solle. Der nächste Zeuge Regie- rungsvat Werberger von ter Polizeiterektion bestätigte die Frage des Staatsanwalts, daß in ter Rächt vom 8. zum 9. Rovember Frick die Beamten entlassen habe, wozu er berechtigt ge- wesen sei. Hierauf wurde Regierungsvat Ba l ß vernommen, ter der Ansicht ist, daß Frick f e in e Freude über die Amtsantragung als Letter des Polizeipräsidiums auSgedrückt habe. Mick habe sich weder am Abend noch m den frühen Morgenstunden als Polizeiprasrtent gefühlt und sich als solcher anreten taffen. Auf Fragen von verschiedenen Derteidgem äußerte stch ter Zeuge zusammenfassend dahin, er halte es für ver­dienstvoll, daß Oberamtmann Frick nicht den stellvertretenden Polizeipräsidenten zuerst ver­ständigte, sondern den diensthabenden Po- lizeioffizier im Polizeipräsidium.

Böhner ober Frick Über trugen mir die Geltung tet LÄbteilung 6, die ich auch ohne Auftrag übev? nommen hätte Während Pöhner und tfrkf bei Kahr waren, hatte ich einen Anruf von der Polizcidirektion Rürnberg. Ich habe tem dortigen Kollegen die ganze Siche erzählt. Er sagte darauf: Das ist aber sonderbar, weil

unsere Reichswehr nach München in Marsch gesetzt

wird. Ich habe dann das Generalstaatskommissa» riat angerufen und die Sache dem Major D ö h- l e r mitgeteilt Döhler gab mir eine ausweichende Antwort und meinte: Das ist von Passau. Ich habe auch Pöhner und Frick davon berftän- blgt Erst Im Zusammenhang mit der ergebnislosen Suche nach Lossow und Seiher habe ich gesagt: Mir kommt die Geschichte sonde'chatt vor. Pöhner sagte hierauf: WaS haben Sie

fast sicher zu den französischen Bedingungen bie Streichung der Schuld an England gehören werbe, axrS terDaily He alb" für ak-eptabel erklärt, wenn bie Lösung im üb rügen befrrie'Digenb sei. Es sei ein genügend gutes Geschäft, wenn England dadurch die Wiedergesunbung Europas erkaufen könne. DerDaily Heralte fügt hinzu, die Garantie, welche Frankreich gegen cinv'N Angriff Deutschlands rerlange, fei dagegen ein viel schvieric.erer Gegenstand, welcher sorg­fältiger Ueherlcgung bedürfe. Dieser lakonische Schlußsatz spiegstt die gemischten Gefühle wich­tiger ßabourt reife über Macdonalds Umfall in der Sicherheitsfrage wider, welcher selbst dir intimsten Mitarte'ter völlig überrasche. Don anderer Seite wird hierzu erklärt, daß weder ter Premierminister persönlich noch vollends das Kabinett sich bisher irgendwelche konkrete Vorstellungen über die Art ter Lösung des Problems £er Sicherheit gemacht hätten, viel­mehr sei altes in ter Schwebe und müsse offen bleiben, solange das Ergebnis ter Expertenkom­mission nicht eine neue Grundlage für eine Lösung ter gesamten miteinander verknipsten Probleme geschaffen habe. Iedvch sei bekannt, welch fun­damentale Bedeutung

der Völkerbund

für die englische Politik einnehme, was auch für die Frage ter Sicherheit wichtig sei. Schließlich wird betont, dah ter Begriff ,.Re u t ra l i s ie -- r u n g" in diesem Zusammenhang auf englischer Seite überhaupt nicht politisch, sondern stets militärisch gemeint sei. Für die Labour- Rcgierung komme keinesfalls in Betracht, Deutsch­land irgendwelche Lösung aufzuzwingen, sondern alles, was fortan geschieht, müsse auf gegenseitiger freier De rei n ba r ang be­ruhen. In Anbetracht ter auch diesseits des Kanals verursachten Beunruhigung infolge Mac- borualte unverhoffter und mindestens mihver» ständlicher Redewendung des genannten Briefes ist diese Interpretation sicherlich von bete at entern Wert and ein Protest offensichtlich nicht nutz­los Andererseits bleibt abzuwarten, in welchem Maße die englisch? Politik künftig den Völker- Hund mit tem Problem ter Sicherheit zu belasten geneigt sein wird.

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General-Anzeiger für Oberhessen

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