ftbenten geschritt-m. 75tm foitdtbemytratrid)«: Sette tourbe bcr frühere JftnorcimhTtfter Heldt vvrgrichlagen. Die Vertreter dec Deutschen Vollspartei und der Demokraten stimmten diesem Vorschlag ml Der Abg. Schwartz erklärte im Vamen der so ialdemokratischen Minderheit, dah sie Gegner einer Koalition mit der 93 ? I f » - Partei sei und den Abgeordneten Heldt nicht Wahlen würde. Bei dem Wahlakt wurden 79 Stimmen abgegeben. 14 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. 05vn den abgegebenen Stimmen entsi?ten 52 auf Heldt (So;.), 17 auf Hoffmann (Drill.) und 10 auf Boettcher (Komm.). Heldt ist somit gewählt. Er erklärte sich bereit, die Wahl anzunehmen. Darauf erfolgte die Vereidigung des neugewählten Mir.isterpräsiderrteir. — Vach der 05erridiAung wurde der kommunistische Antrag auf Auflösung des Landtages gegen die Dnrtschnationalen, Kommunisten und wenige linksstehende Sv^.ialdemokraten abgelehnt. Der Landtag bleibt demnach zusammen. Die nächste Sitzung findet daher am 15. Oanuar statt. Aus der Tagesordnung steht die Regierungserklärung.
Das bayerische Ermächtigungsgesetz.
München. 4. 3an. (DB) Der DerfasfungS- auSschust gab mit den Stimmen der Bürgerlichen gegen die Glimmen der Linken seine Zustimmung zu dem Antrag dec Bayrischen DollSpartei, der die Regierung ermächtigt, Abgeltung des Staatshaushaltes und dec öifent- ltchen OZerbände möglichst schnell die erforderlichen Mäftnahmen zu treffen. Ferner erklärte sich der Ausschuß damit einverstanden, bah die Regierung gewisse Behörden oder Stellen ändert oder a u f- gibt, die Verfassung der Derneindeverbände än- vert und wirtschaftliche (Betriebe des Staate- in Gesellschaftsfv-m überführt. Ferner wurde ein Gr- gänzungsanrrag der Demo'ra eir angenommen, wonach die Regierung über die zum Zrmäch igungS- geseh angernxmmmm Anträge und Gntsch.iehun- gen nicht hillau-gehen barf Di^ der StaatSrcgie- nmg gegebene Ermächtigung ist bis zum 31. März befristet.
Der Berliner Metallarbeiter- streib.
Berlin, S. Ian. (Priv.-Tel.) Zu bet gestern nachmittag vom Schlichter Dissell anberaum- ten Sitzung des SchiebsgerichtS im Berliner Mc- tallarbriterstreik waren die Arbeitgeber Nicht erschienen. Dissell erklärte, er wolle noch einen letzten (versuch der Verständigung machen und setzte deshalb die nächste Sitzung deS SchiedSgerichtS auf Samstag vormittag 10 ilbr an. Aach der gestrigen Sitzung teilte einer der Arbeltgeberbeisiher den Vertretern dec Arbeitnehmer mit, die Unternehmer seien bereit, p e r s ö n» ltchmll ihnen zu verhandeln. GS wurde barauf- hin vereinbart, bah die Verhandlungen zwischen den (Bcriretern der Parteien heute vormittag 8 Mr ftatlfinbcn. Falls sich die Parteien in dieser Sitzung nicht einigen, tritt daS Schiedsgericht um 10 älhr wieder zusammen und wird, wenn die Unternehmer nicht erscheinen, einen Schiedsspruch fällen.
Aerzte und Krankenkassen.
Berlin, 4. Jan. (DTD.) Olm 4. Januar haben im ReichSarbeitsministerium neue Verhandlungen mit den Aerzten und Krankenkassen wegen der vertraglichen Regelung der ärztlichen Versorgung stattgefunden. Der Vorschlag der Aerzte, die gekündigten Aerzteveriräge ohne weitere- wiederherzusicllen, ist von den Kassenver» bänden abgelehnt worden. Darauf wies der Vertreter des ReichsarbeitsministeriumS auf die beiderseitigen Pflichten aus dem mit Gesetzeskraft'ausgestatteten Berliner Abkommen vom 23. Dezember 1913 hin. Danach dauern auch bei ^Beendigung deS Acrztevertcages die bisherigen Bedingungen solange fort, bis ein neuer Aerztevertrag geschlossen ist. Die Vertreter der Aerzte traten dieser Auffassung im allgemeinen bei. Die Kassenverbände b e st r i 11 e n die Verpflichtung der Krankenkassen, die Aerzte unter den früheren Bedingungen wieder zuzulasfen. Das ReichsarbeitSmimsterium wird seine Rech^s- auffaffung als allgemeine Richtlinien bei den Krankenkasfen durch die Aufsichtsbehörden zur Geltung bringen.
Kleine politische Nachrichten.
Die die Blatter auS Essen melden, haben die Besatzungsbehörden den Stadtverwaltungen mltgetcUl, bar? mit dem heutigen Tage die P a tz- abferttgungs st eilen im besetzten ©ebitet rhre Tätigkeit einftellen. Die Gin- und AuSrerfe aas dem besetzten Debret und zwar sowohl altbesetzte» wie auch neubesetztes Gebiet
wird somit von heute ab ohne Pad gefiottet. Lediglich der deutsche Personalausweis ist zur persönlichen Legitimation erforderlich
Die römischen Blätter bringen ein Londoner Telegramm, nach welchem Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der gegenwärtig in London wellt, höchstwahrscheinlich auch nach Rom kommen werde, um den italieni!ch«n Finanzminister und den Direktor der (Banca d'Italür kennen zu lernen.
t
Degen die Begründer der ovm Minister des Inneren Gevering verbotenen grostdeutschen Arbeiterpartei, den gegenwärtig in München wohnhaften Oberleutnant a, D. R o h b a ch und den deutschvölkischen Führer Fahr en - bsrst, ist daS Hauptveriahren wegen Begründung einer verbotenen Bereinigung eröffnet worden.
Aus Stadt und Land.
Diesten, den 5. Januar 1924.
Epiphanias.
In unseren Kalendern wird der 6. Januar als der Epiphanias oter Dreikönigstag mit roter Farbe angemerkt und somit als Feiertag gekenweichnet. Im DollSbewubtsein lebt dieser Feiertag taum noch weiter, auch auf kirchliche Kreise übt er keine besondere Anziehungskraft mehr aus. DaS mag damit zusammenhängcn. dah er unmittelbar aus Weihnachten und Aeujahr folgt, also in eine Zeit fallt, in der man der Festtage etwa- müde geworden ist, auch mag Mitwirken, dah am 6. Januar in dec Regel grobe Kälte herrscht, die nicht jedem den Aufenthalt in tti Kirche, zumal wenn diese ungeheizt ist, ermöglicht. Es ist schade, dah dieses Fest heute so wenig gewürdigt wird. Ginsr waren finnige Volks- bräucte mit ihm verbunden, junge Männer gingen alS die heiligen drei Könige verkleidet txn Hau- zu Haus und fangen alte Lieder. Hat doch die DolkSpoefie den Zug der drei Dei'en oder der drei Könige aus dem Morgenlamd sinnig ausgestaltet. Gehaltvoll sind auch die Kirchenlieder, die man in den Gesangbüchern unter d?r (Jfippe »Darstellung und Grschemung Zesu Christi" findet.
In der Gegenwart feiert man in den evangelischen Kirchen Deutschlands am Spiphanias- tagc das HeidrnmifsionSfest, indem man von der Feststellung ausgeht. baf> die drei Weisen aud dem Morgenland die ersten Heiden Warrn, die zu Jesus fernen. Die Heidenmissivn ist in Deutschland noch nicht recht populär geworden, im wesentlichen ist sie eine Sache der Kveife. die sich am kirchlichen Leben beteilig.m. Jahrzehntelang hat sie um Anerkennung kämpfen muffen. Als im Jahre 1900 in China Auf stände g:gen die Europäer erfolgt waren, hat man diese bei Mission ?,ur Last gelegt, die ungerufen in ein Land einbringe und die Einwohner durch unangebrachte Dekehiungsversuche erbittere. Die Gunst der im Kolonialwesen Führenden ist der Heidenmifsion niemals ungeteilt zugewcnd'ot worden, gelegentlich« Qlnetfennung lieh turchb licken, dah man immer noch ernste Bedenken gegen diese Sache habe. Auch an Spott hat eS nicht gefehlt, lächelnd sprach man von Fr-auen, die im MissionSkranze Strumpfe für Acgerkinder stricken. Es mag zugegeben werden, dast MissionSschriften nicht immer auf Leser mit selbständigem Urteile überzeugend ein gewirkt haben. Man darf einem Aeubekehcten, der kurz zuvor noch auf einer sehr primitiven Stufe der Gottes Verehrung gestanden hat mti> aller Kultur fern war, nicht Aarsterungen in den Mund legen, wie man sie von einem frommen Manne in Duri- temberg oder in Hessen hört, dem die Vorfahren doch ein wertvolles Erbe an christlicher Gleichung übermittelt haben.
Die Heidenmisfion ist eine notwendige Le- bensäuherung der Christenheit. Eine Christenheit, bte nicht mehr das Bestreben bekundet, sich aas- zubreiten, ist innerlich tot. Lebt der Christ der llek-erzeugang. dah ihm durch Jesus bas Heil also ba& einzig wahre und den Srdeniag über- bauernbe Gat, anvertraut ist. so darf er nicht davon ablassen, denen, die fern von diesem Heile sind, die Hand zu reichen, dah auch sie c8 erlangen. Heidenmission muh deshalb von emem gefunden Enthusiasmus und von unv^rtilgbarem Idealismus getragen sein. Dieser G.ist weht durch manches Lied hindurch, das auf Missionsfesten gefunden Wird, in klassischer Form ist das in dem Liede des frommen Dogatzky ausgeprägt, das mit den Dorten beginnt: „Dach auf. du Geist der ersten Zeugen!". Aber der Enthusiasmus muh mit nüchternem Urteile verbunden fein. Die Mis- sionsgesellschasten und Missionare dürfen nicht auf daS Geratewohl eine Arbeit in irgendeinem fremden Lande beginnen, sondern erst nach kluger Erwägung aller in Betracht tommencen Lim stände. Eie müssen das Organisieren verstehen und müssen. la die Mission grober Geldmittel bedarf, grüble Rechner fein. Der die Berichte liest, die
Der geweihte Mörder.
Reue Forschungen über die Familie Borgia.
Don Frank Thieh
1.
Dir Deutschen pflegen uns immer ein wenig zu wundern, wenn be^ .u e.ide wisienntzas.tiche nunacn wo anders als bei unS. dem klastischen Lande der eratten Forschung, vollbracht werden. DaS änbert nichts daran, datz vor kurzem in Italien ein Derk erschien, daS um feiner ronfeguenten Äaltung, mit dec es alten Ucber^eugungen an den Leib ging und um feiner Sicherhell willen, mit der es sogenannte erhärtete Wahrheiten umsticst, beträchtliches A fsehen erregte. Ich meine G. PortiglivttiS _ '5>f c Familie Borgia-, m deutscher iteberjdtung von Rina Knvdl ich bei Julius Hoffmann in S.uttgart erschienen. Ein Buch, trotz seiner 291 Seiten, von schwer überbietbarer Fülle der Beweise. Dabri spannend geschrieben wie ein Roman Dostojewskis.
Di?, wissenschaf liche Forsch mg übe" die Borgia stand seit dem rielbändigen Dmcke Pastors und den Arbeiten älterer italienischer Historiker auf dem Standpunkt, bah dem Spanier Rodrigo Boccia. fbäicrem Papste Aleeandec VI., von der ®e- sch-ichie Unrecht getan fei, indem man ihm und ebenso feinen Kindern Cäsar und Lukrezia viele Untaten ,)ugroben habe, an denen sie gar nicht ober nur un Zusammenhangs ml: den gewaltsamen Gcwvbnheiien ihrer Zeit schuldig gewesen seien.
Diese mehr oder treniger feststehenden Mei- ftungen Hai Portigliot'.i teils durch überzeugende, g ist reiche In e pretationen briarn c• Dokumente teils durch Entdeckung neuer umqeRcbcn. Das Bild, welches er von der Famllie Borgia entwirft, mutz als unantastbar angesehen werden.
2.
In einer Reihe von Kapiteln (ich nenne die interessantesten: „Statthalter Christi", „Der Erotiker", „Die privaten Verbrechen'. „Der Fa- mlliensanatiker", „Die OhnmachtSanfalle", „Ist Alexander VI. an Gift gestorben?") baut Porti- gliottt vorsichtig Stück für Stück das Standbild i dieseS ungeheuerlichen Menschen vor uns auf. Dir können uns Dem Eindruck nicht entziehen, dah ein Verbrecher gröhten Formats vor uns steht, der doch kein „großer" oder, wie man jetzt so gern wieder sagt, „dämonischer" Mensch gewesen ist. Alexander VI., der mll Bestechung und Betrug den Stuhl Petri usurpierte, blendete nur kurze Zeit durch die Schönheit und Ritterlichkeit seines Aeuhern. Bald muhte Rom, was für ein Scheusal die Tiara trug, bald touhtc cs die Dell. Doch weil feine Macht schon bis in die dunkelsten Dinkel deS Privatlebens drang und er mit Gift und Dolch und Bestechung wie ein brillanter Taschenspieler arbeitete, wagten nuc wenige Männer feiner Zeit, ihm Widerstand zu leisten. Wir sehen um 1500 den Siebzigjährigen durch eine Politik schrankenloser Gewalt und geschickter Bündnisse in seiner Macht gefestigt. gehabt, gefürchtet, aber unbesiegr ja, unbesiegbar. im Mittelpunkt eineS mablofcn und unsittlichen Lebens, die billigen Epigramme b r Welt, alle Predigten des Hasses (Savvnarv a^ t^eriachen. Sein? Hand reich: so n>?U alZ er wi l. Dec florentm sche Mönch wird ihm cire? TageS unbequem und er läfjt ih^ kurz:rhand t> r. r:N7ten.
®in Diploinai. der über ell Mittel ver- tüat. -äh. schlau, überleben >>-> c glä,rzende:t, ein fchm--ichrinden Gab n. Gr ist die w-abce Stütze der IT.’taten seines natürlich -n S'-b«A Cäsar, der nach dem Tod? deS Vaters HUtloS zufamnreirbricht. Alle Arbrit gilt nur einem Z.el: 'ich und feiner Familie höchsten Sinfluh und Reichtum zu ver-
cheute von Den deutschen Mtffionsgefetllchaften herauSgegoben werden, sieht, bah Die deutsche Mission immer noch von Enthusiasmus getragen, aber auch von gesundem Urteil geleitet wirb. Deutlich wirb auf die Schwierigkeiten hin gewiesen. die heute der Wiffwn erwachsen. Da die An- g härigen fremder Völker längst nicht mehr barm- lose, gutmütige Qlaturfinber, sondern mit den europäischen Zuständen wohl vertraut sind und von ben Europäern gekrr.t haben, wie man demonstriert und einen Widerstand organisiert. Durch den AuSgang des Krieges ist die deutsche Mission in ihrer Tätigkeit sehr gehemmt, weite Debiete, in denen sie früher erfolgreich gearbeüct hat. sind ih. heute verschlossen, und ihre E-eld- miitel find unzureichend. Unter solchen Umständen ist cS dir Aufgabe aller AUssionsfreunde, ben Missionsaröankät recht zu pflegen, ihn gewissermaßen über ten Drnter Hinwegzubringen, bis ein neuer Frühling zu regem Schaffen tust. H. D.
•* Saison- und Inventurausverkäufe. Dom Polizriamt Gieh.-i 'wird uns geschrieben: Rach bet Brian.itmachung des Kreis- amtS Gichen vom 2. Februar 1910 Dürfen Saison- und Inven^urauSveriäufe nur in der Zeit vom 2. Januar bis 15. Februar und ovm 1. Juli bis 15. August jeden Jahres, jedoch nur auf bk Dauer von je 14 Taget, ab^cbalten werden. AuS- tetiäufe, die auherhalb dieser Zrit ftattfinben sollen, finb unter genauer Argabe des Grundes und unter Einreichung eineS Verzeichnisses der aus'ur er laufen den Waren sieben Tage vor ter Ankündigung bei der HandelLkamm w Äehen an» zu'/igen 3m Zuwiderhandlu.tgSfalle mühten Strafanzeigen erhoben werken.
*• Diebstahk Vor einigen Tagen wurde einem hiesigen Geschäftsmann ein mittelschwerer Handletterw-agen, der im Hofe stand, entwendet. Dec Wagen war braun gestrichen, die Färb' ist schon zi mllch abg b.aht, ta' Quert an ter Deichsel ist durch ein gewöhnliches Stuck rauhes Holz ersetzt. Vor Ankauf -ritb gewarnt. SackÄienliche Mitteilungen erbittet die K>iminalvolizei.
** Zur Unterbringung der Ausgewi esen en hat das Ministerium für Arbrit und Wirtschaft (Zentralstelle für A'isgewieenenfür- sorge) eine neue Verordnung erlassen, in brr bestimmt wirb: Die Inanspruchnahme von Räumen und.gegebenenfalls von Verpflegung hat treuer bis zum 31. Marz 1924 zu erfolgen. ®int etwaige Verlängerung der Frist erfolgt durch die oberste Landesbehbrde.
Bornoti;cn.
— TageSkalender für Sonntag. (Siebener Konzertverein 5 llhr in drr Aula: Konzert von Anna Hegn>r. - VSPD.. 3 Uhr „Liebigshöhe". Oeffentlich. Dersamm.ung Vortrag des Rcichstagsorästdenten Lobe — St.rdt- theater, Z ^Ihr: „Sie Uein? Sünderin" — Lichtspielhaus Dahnhosstvahe: „Dec Leidensweg der Era GrunÄ-ald" und „Er u'ricr 'Zinbrochscn". — Palast-Lichtspiele: „Im Rausche der Mi.liarden- und „Fix un) Fax".
— Konzertverein Es sei daraus hin» gewiesen, bah für das Konzert Regner wieder aebrudte Programme ausg?geben toerben. Es ist dabei besonders berücksichtigt worden, bah die Sonaten aus den Mysterien von Biber, eine in ihrer Art originale Schöpfunz nähere Erläuterungen verlangen, die in den Händen der Hörer zu wissen wünschenswert ist.
— Die Deutsche VolkSpartei veranstaltet am nächsten Freitag (11. Ianarar,. abends 8 Uhr in der Turnhalle eine öffentliche Versammlung. Reichstagsabgeocdnetrr Dr. Luther, ein glän.«möer Redner, hat lange Zeit an der Spitze deS ReichS-Bürgerausschuises gestanden und ist feit Jahren be'onders in der nationalen Jugendbewegung bervoraetreten. Er wird die Fragen dec Reichspvlitik behandeln, während Landtaasabgevrdneter Pros. Dr. Schi an über „Hessische Fragen", zu benen insbrso-idere „Die hessische Frage" unb „Beamtetabbau" gehören, sprechen wirb. (Siehe Anzeige.)
— Stenographie. Der Öabel8berger- Stenographen-Verein von 1861 und der Damen- verein „Babelsberger" eröffnen am Montag den 14. d. M., abends 7 Ähr, in der Bezirksschule (Destanlage) einen Anfängerlehrgang für Damen und Herren. Der Fortbildungsunterricht beginnt am gleichen Tage um 8 il&r, während die Diktat- abenbe am Mittwoch, 16. d. M, ihren Anfang nehmen. AähereS siehe Anzeige in bcr heutigen Rümmer.
Henen»Nassau.
fpd. Frankfurt a. 4. Jan. Die Kriminalpolizei wurde im Monat Dz» zember in Anspruch genommen wegen Mordes in zwei Fällen, wegen Raubes zweimal und wegen Hehlerei vierzig- mal. Einfache Diebstähle wurden 261, und
schaffen. Zu diesem Zwecke erfindet er das berühmte Gift der Borgia, dessen Wirkung sich auf bestimmte Dmrcr bcnrri e r läyt. Zu diesem Zwecke raubt er, mordet er, verleumdet er, verrät er. betrügt er. vergiftet er mit unbekümmerter Routine. Kaum eine der sieben Todsünde'r, welche er nicht begangen hat. Freunde und Gegner gehen ihm gleichviel, lächelnd vergiftet er (ebte Gäste, sobald er sich Gewinn davon verspricht oder sein Säckel sich dadurch füllt.
DaS finsterste Kapitel stellt zweifellos die Gesct icht: fernes hemmungslosen Tr eb e cti"5 d-ir. Der Erotiker kennt trotz keines hohen A.'t:rs auf diesem ®•'biete to:b?r Scham noch Schranken. D.e Orgien im Vatikan, b-enen — man denk? an drS berüchtigte „Kastanienfestf — stet? sein Sohn und manchmal sogar sein? Tochter Lukrezia bri- wohnen, würden der Phantasie eines Aretino Ghre machen.
3.
Cäsar Borgia bleibt der Ruhm, br. Kriegführung seiner Zeit aus oi.vcr solchen der Tapferkeit in eine solche des Drirugs verwandelt zu baben. Macckiavriü vreist ibn alS rinen dec her- rcn.igrnbftcn Heerführer seines IahrhunderiS. Tatsache ist, dah er keine aniängllchen unleugbaren Stfolgc nir dieser neuen Methode einer Kriegführukm hinter dem Schachtflld ban'L Schstehlich hatte er es soweit gebracht, tah in Italien keiner mehr recht dem anb'trt traute, jeder jÄ>en für bestochen hielt, h:s di-ses trostlose strategische Mittel sich gewillermaß a durch sich selbst zersetzte.
DaS nun Cäsar» Privatleben angebt, so findet Pomigllotti keinen Aniah. hier irgend etwas zu beschönigen oder mll dem oielbenuatcn Mantel der „grohtn Renaissaneenatur" schamhaft zuzudecken. Man könnte sogar sagen, bah Cäkar
Unserer Leserschaft
zur gefl. Kenntnisnahme, daß die heutig« Hammer deS Giehener Anzeigers infolge von DetriebSfchwierigkeilen nicht rechtzeitig herauSgebracht werden konnte. Die Zustellung in der Stadt und in den umliegenden Ortschaften erfolgt am Sonntag früh, in den anderen Orten zusammen mit der Montags- nurnmer
Verlag des Giehener Anzeigers.
CinbruchSbiebstähle 335 gemeldet. An kleineren Elgentumsvergehen kamen nicht weniger als 521 Falle zur Anzeige. Betrugsfälle tonr- den bei der Polizei 150, und Unterschlagungen 93 zur Anzeige gebracht. Mit Mün,zvcr- gehen beschäftigte sich die Polizei in 20 Fchl- len. Die Wucherpolizei bearbeitete 1320 Fälle. AahrungSmittelfälschungen kamen 59 Fälle. Selbstmorde 15 vor. Hestgenommcn wurden 887 Personen. — DaS Maineis ist an den verschiedensten Stellen zum Stillstand gekommen und hat den Strom in seiner ganzen Breite überbrückt. Das seit Donnerstag cingetretene Tauwettcr »-bat ein Steigen des WasserstandeS noch nicht bewirkt.
Hessische landwirtschaftliche Woche.
• Darmstadt, 4. Ian. Bei girier Beteiligung sprach heute früh, am drillen Tag des Dvr- tragskuries der Landwirtschaftskammer, Pros. Dr. Münzinger-Smit art über.WirtschastS- lage uno Landwirtschaft". Dec Redner gab zunächst eine turws A.'bersichl über den Wohl stand des deutschen Dolles, ktibeftribcre über bk günstige Ernährungslage vor dem Kriege und im Änfchluh hieran e:ctwarf er ein Bild bcr heutigen trostlosen Wirischasts-, insbesondere bcr Sruah- rungskage des deutschen Volkes. Wollen wir daS beutschr Volk der Hungersnot nicht prriSgeben, ober auf die Mildtätigleit dpi Auslandes allein an gelt1 Men sein lassen, so gibt es mir ben Weg bcr landwirtschaftlichen Produkts o v S st e ig e r u n g, um bi.* ®r*äbrung des nach dem Krieg? tn f-.-bven beengten, aber
dichter bevölkerten Deutschen Reiches sicherzustellen. Der Redner gab alSbann eine Anzahl Fvrderurgsmahtzahm:' 'ur ©'.dgcrung der lanb- wirtschaftlichen Prrduktivn an, unter denen er b?sonderS die vermehrte 5>ü tgcranti-enbung her- vor hob. Der Staat soll nur durch d/te v-irnünftige Wirtschaftspolitik auf diesem ®cbic‘e fördernd eingreifen. Referent richtete an die Besucher die Crmahnung. die Srsahru rgen der Wissenschaft sich anzueignen und nutzbar zu machen und für Inienkivi.'rung ihrer Drir ebe besorgt zu sein. GS darf nicht rnrionunen, bah die Mehrproduktion einiger führender Landwirte durch die Minb^rprobuktion dec grohm Masse rütfftftnbiger bäuerlicher Wirtschaften aufgehoben wird.
3m Anschluh hieran sprach Geh. Hof rat Prof. Dr. GifeviuS über „Samenbeizc mit Beizmitteln zur Erhöhung der Bodenerträge und Zellstimulation in ihrer Bedeutung fürunserehessi sche Landwirtschaft". Der Vortrag behändste eine neue Forschung, die grobe? Aufsehen erregte und von verschiedenen wisfenschaftlichen Instituten zur Zeit einer Nachprüfung imterfegt Der Referent sprach eingehend über praktische Versuche, die von Prof. Bvpoff in Bulgarien mit verschiedenen Deizmitteln verschiedener Zusammensetzung an verschiedenen Kulturpflanzen mit grobem, ertragsteigerndem Erfolge durchge- führt wurden. Er empfahl den hessischen Landwirten, ebenfalls derartige Versuche mll diesen reiz- und wachstumbeschleunigenden DräparateTi, unter denen er besonders das Magnesium-Chlorid nannte, für die kommende Ernte an^uftdlen, nm festzustellen, ob die erprobten Beizmillel auch für die hiesigen Verhältnisse von dieser grober Bedeutung feien.
Beide Referenten ernteten für ihre lehrreichen Ausführungen groben Beifall. 3m An- schlub an diese Vorträge sand eine sehr rege Diskussion statt.
Am Aachmittag hielten der Reform- bu n b. her Gutsh 5 se - Bad-Aauheim unk der Verein zur M r d e r u n g b e r 0 r un- lanbwirtschaft in Hessen ihre Tagungen ab. Gö waren hierfür zwei Vorträge vorgesehen, Dr. Kranz über: „Die nächste Zukunft unseres staatlichen und wirtschaftlichen LebenS und die Landwirifchast", Pros. Dr. Bornemann über „Ergebnisse intensiver Weidewirtschaft-.
den Renaissancetypus grotesk barstellt, bah er in sich eine Obutrierung alter Eigenschaften ferner groben Zeitgenossen gibt, nur nicht der groben Künstler, denn von Kunst hat Weber sein Vater noch er jemals daS geringste verstanden. Dafür kochte in ihm um so wilder daS Blut der Lewen- schäft. Cäsar lebte im Schatten seines VaterS. Der grobe Schatten verschwindet, und Cäsar läbt sich, unsicher und ängstlich geworden, rasch von der feinen Diplomatie IulluS II. etnfangen.
Unb wie malt Poctiglivttl Suhcita? Er lässt ihren Zügen alle füben unb bestrickenden Rei^e die ihr zeitgenössisch« Mater gegeben haben, läßt ihr die -ilnfäulb des Blicks, die Anmut der Be- nxaungen, die Schönheit bcr E-este. Aber « spcick.t ihr — unb belegt dies Schrill für Schrill — jedes echte 0efübl ab. läbt fle als pathologischen Sprost des Borgiablute« aufwachsen: gc- wisseickos amoralisch, ein Serualgeschöps ohne Stolz und ohne Ziele. Meisterhaft ist ihr lächelnd- ruhiges Leben in Ferrara geschllderi. ante- dessen stiller Oberfläche die nach neuen Abenteuern lüsterne Frau ihre Beinen and groben Treulosigkeiten mit Desch.ck verbirgt. ®r zeigt sie al» Buge und gebilbete görberin der Künstler, al» liebenswürdige Mutier ja, als immer noch bien- benb schönes Modell Tizian. Pvctigliolli bt> schliebl ihr glän^enbe» historisches Porträt mll den Worten: „Hätte dec Vater nicht ben avostoli- schm Stuhl bestiegen, wäre ftc wabricheinlich ben nämlichen Weg gegangen wie Tullia von Aragonien. Die politisch? 7 Dlücksfälle bewahrten sie ir>t der QZottoenbfgfrit und der Qual, auf der Jagd nach Huldigungen, galanten 2ibav nern unb Reichtümern von Stadt zu Stadt vilgero f,u müllen. Ihr sicherte jtrabe die A^wrralltät ihrer Umgebung rin rahiaeroS Dateiu unb gleichzeitig ein für die Befriedigung ihrer Instinkte nicht weniger geeignetes Feld.


