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Worum es geht.

Don Dr. Frhr. Hehl zu Herrnsheim.

Der Wahlkampf geht seinem Ende entgegen, und das ist gut so. denn er nimmt allmählich Formen an. die bedenklich sind. Ein richtig geführ­ter Wahlkampf Eonrrte eine politische Volkshoch- fchule ersten Ranges sein: unserem leider so un­politischen Volke sehr zu gönnen! Es wäre dabei sehr zu begruben, wenn die Dinge von den ver­schiedensten Gesichtspunkten aus betrachtet würden. Leider wird aber aus politischen Gewinnrücksich- len mit Verdrehungen und irreführenden Schlag- Worten gearbeitet: der wünschenswerte Fortschritt in der politischen Bildung unseres Volkes unter­bleibt. im Gegenteil, sein gesunder Instinkt wird ihm noch genommen.

Der Deutschnationalen Partei wird nachgesagt, sie sei die Nachfolgerin ter ehemaligen Konservativen Partei. Nachdem die ftlnrichiigk.it dieser Behauptung oft genug nachgewiesen wor­den ist, Eontn man sich des Gedankens nicht er­wehren, dah es sich hierbei darum handelt, dem süddeutschen Wähler eine Partei als Vachs lre in einer früher rein preubischen Partei verdächtig fru machen. Man spelül.ert auf die immer noch heute Übrigens mit mehr Recht vorhandene IReunrna, daß es da drüben im Preubischen we­niger schon sei clls bei uns: Was kann also aus Preußen Gutes kommen?

Mit den preubischen Konservativen gleich­gestellt zu werden, ist sirr den historisch gebildeten Politiker im übrigen schmeichelhaft, wenn er be­denkt, datz Bismarck den Ausspruch getan hat: »Die Einigung Deutschlands ist eine konservative Tat!" Vimmt man dann noch Drockhaus' Kmver- sationslexikon und lieft nach, wask)nservativ" heißt, so ftndet man:tu politischer Beziehung die Bezeichnung für diejenige Partei.ichtung, deren Prinzip die Weiterbildung des Bestehen- den unter prinzipieller Fest Haltung des historisch Bewahrten ist". Konservativ ist also ein Schmuck­wort für jede Partei. Auch trenn Stresemann in seiner Wormser Rede vom '20. Vovember sagt: Hni> wenn jemand gerade im altkonservativon Sinn«, im Sinne von Bismarck, dem großen Lehrmeister aller Politik, an diese Fragen heran- tritt, dann soll er von diesem das eine gelernt haben, die Dinge real und wirklich anzusehen, wie sie sind, und sich nicht in Träumen be$ Illusion wiegen, so schon diese auch sein mögen!" Wird also vom Konservativismus der Deutsch- «rtionalen gesprochen, so können diese darauf Nur stolz sein.

Aber irreführend und falsch ist es, zu be­haupten, daß die Deutschnationale Partei eine Fortsetzung der Konservativen Partei sei. In der Deutschnationalen Partei fanden sich nach der Revolution zusammen: Die Konservative Partei, die Aeichspartei, zahlreiche Vationall-berale und die Christlich-Sozialen. Die Christlich-Sozialen hatten sich seinerzeit unter Stöcker von der Kon­servativen Partei getrennt, weil sie glaubten, im Rahmen dieser Partei ihre sozialen Ziele nicht verfolgen zu können. Heute sind die Führer, wie Behrens, D. Mumm, Rippe! und andere, in der obersten Leitung der Deutschnationalen Par­tei tätig. Wo sollen die zahlreichen Deutsch­nationalen Herkommen südlich der Mainlinie, wenn nicht aus dem ehemalig nationalliberalen Lager?

Die die religiösen und sittlichen Mächte des Volkslebens betreffenden Richtlinien aus dem vor­läufigen Programm der Deutschnationalen Partei des Jahres 1918 sind folgendermaßen bezeichnet: £>k starke Lebenskraft des Christentums muh un­serem Staats- und Volksleben erhalten blechen und es durchdringen!" Hier wird mehr gefordert ass in dem entsprechenden Grundsatz der Deut­schen Dolkspartei, welcher lautet:Die geschichtlich überkommene Verbindung von Staat und Kirche darf nicht aufgelöst werden."

Die Deutschnationale Partei wird, wenn sie es mit ihrem Programmpunkt, daß das Christentum das Staatsleben durch­dringen soll, ernst meint, dies nur mit über­zeugten Christen vertreten wollen, also eine rein christliche Dolkspurt.i sein, so wie es das Zentrum ist, nur mit dem ftl.ft rschi.'de, daß di« Zentrums- Partei dabei das Christentum iir der lache tischen Ausprägung im Auge hat, und, trotz der Uebere «instimmung in di.sem wichtigen Punkte, wenig- stens in Hessen, Kampf gegen Rechts führ' und Schonung der Sozialdemokratie übt. Zu den Absur­ditäten des Wahlkampfes gehört es dann, daß die Sozialdemokratie bjre.i Vertre.ee im Pnrla^e.ck sich fast ausschließlich als Religionslose oder 5)iiib denten boze chnen, gerade der Deutschnationalen Partei D l.hrungen g.ben zu müs en glaubt, wie das Chr:stentum crnfi und richtig zu vectre en sei.

Unsere politischen Derh ltnisse in Deutsch- fcwtb könnten dadurch gefördert werden, dah zu­nächst einmal völ ige Klarheit darüber Verb ei et wird, welche Parteien der Rechten, welche der Witte oder der Linken angehören. Wir er­leben aber seit Bestehen der neuen Parteien immer wieder, vor allem natürlich in Wahlz ilen, daß sich Parteien zu gleicher Zeit Rech.sparei und Mittelpartei nennen lassen, oder von einem Teile ihrer Mitglieder als R.chts-, von einem anderen als Mrtttlpurt i bezeichnet werden, odee daßeire Partei, deren Linrörtcht^ng aus.er al en Zwe.fel steht, plötzlich als Mittelpartei behandelt werden möchte.

Bei den diesmaligen Wahlen geht es doch um die Frage, welcher Kurs im Deutschen Reiche in den nächsten Jahren gesteuert werden soll. Die Engländer haben nach dem mißglückten Ex­periment der Arbeiterregierung für ihr Land mit erdrückender Mehrheit für einen Rechtskurs ge­stimmt und infolge ihres klaren Votums und der daraus folgenden Majorität in kürzester Frist ; eine aktionsfähige Regierung gebildet. Ob die Politik der Mitte" in so gespannten und ent-N scheidenden Zeiten wie den unsrigen ein Segen sein kann, erscheint vor allem nach dem entsetz­lichen Schauspiel, welches Reichstag und Regie­rungsbildung in der jüngsten Vergangenheit bot, zum mindesten zweifelhaft.

Eine wahre Politik der Mitte, die keine Politik der Linken ist, kann nur gemacht werden bei einer starken Rechten. In den letzten Kämpfen um oie Regierungsbildung erklärte die Deutsche Volks- Partei, daß die Sozialdemokratie, da sie den Be­fähigungsnachweis nicht erbracht hcile. für sie bei einer Regierungsbill>ung nicht in Betracht komme. Leider liest man es jetzt wieder anders: Wir hören tn Wahlversammluugen von Kandidaten, d,e sich den Wählern empfehlen, nach außen hin sei die Einheitsfront erforderlich, nach innen müsse sich 1*ä Front von Fall zu Fall bilden. Daren aber liegt ein völliger Verzicht auf klare Entscheidung. Auf diese Welle werden ton von dem Unwesen dos Marxismus und den Re- pDlutimtoianncrn und ihrem Anhang nicht fvei.

Ehe totr mapt diese Auseinandersetzung vurchge- führt haben, kommen wir nicht hoch.

Das Dawesgutachten, die nicht erfolgte Räumung der Ruhr und die Anleihe als einen Erfolg zu buchen, ist für den Kenner der Ver­hältnisse nicht möglich. Von unserer Innen- p o i t i t gar nicht zu reden. Auch eine ver­nünftige Wirtschaftspolitik ist erst nach dieser Auseinandersetzung möglich. Erfreulicher­weise sagen heute industrielle Führer unseres wirtschaftlichen Lebens mehr wie je, daß aus­reichender Schuh der Landwirtschaft für unser gesamtes Wirtschaftsleben Vorbedingung ist. Der Innenmarkt wird für die nächste Zu­kunst von größtem Interesse für uns fein. Die Deutschnationale Partei in Hessen, deren jahre­lange enge Verbindung mit dem Hessischen Bauernbunde sie in den Augen vieler zu einer rein agrarischen Partei gemacht hat, hat sich da­bei an die Lehre Bismarcks gehalten, daß für Deutschland ausreichender Schuh der Landwirt­schaft gleichbedeutend mit Erhaltung seiner nationalen Selbständigkeit ist.

Eines der offiziellen Motive bei den geführten Verhandlung n über die Reg ie r un g s e r wei- terung im verflossenen Reichstage war der Ge­danke, daß in der Deutschnationalen Partei unsere deutsche Landwirtschaft im weite tgehenden Um­fange vertreten sei und dieser Der.ifsstand nicht ausgeschlossen werden dürfe. An d esen offizie lcn Gedank ngang bei dem Versuche einer Regie- rungsb ldung vor der R ichst gsauflösung wird hier nicht etwa seiner inne en B rehtig ng we^en erinnert, denn bei unserem he.ltir.en p Hamenta i- schen System gebot d e Rücksicht auf den Volks- Willen eine s lche Reg erungserwe terrmg. sondern um nachzuwe s m, daß kein Zweifel bestehet kann, dah die Deutschnationale Partei die unbestrittene Vertreterin dec Interessen dec Landwirtschaft ist.

Diese agrarische Politik ist ebenso D i s - marcksche Politik, wie der Kampf gegen die Sozialdemokratie. Bismarck sagt:Wer die Sozialdemokratie erkannt hat, der hat keine Mög­lichkeit mehr, mit ihr zusammen zu gehen." Unbe­dingter Kampf gegen die Irrlehre der Sozial­demokratie war auch die Politik der früheren hessischen rechtsnationallibevr.Lm Reichstagsabze- ordneten: den Großblock lehnten diese Politiker ab, sie würden heute auch di« große Koalition ablehnen. Die Deutschnatirnale Partei setzt also die Tradition einer Politik fort, die gerade i n Hessen prominent und wirksam ver­treten war.

Die Entstehungsgeschichte und de Kräfte, die heute in ihr wftcken. ermöglihen i >r. die große Linie unter prinzipieller Fesfta ung deZ hi i - risch Bewähren und Weit.rbildung des Be­stehenden einzuhalten. Man mag mit Konjek.ural- politik Augenblickserfolge erzielen: dauernder Er­folg und bleibeirber Scgen Eönr.icn iyr nicht be- schieden fein. Wir halten es mit Ernst Moritz Arndt, der in einer Zeit, die gevafte so ernst und schwer war wie die unsrige, wenn auch in vielen wtücken ganz anders, gesungen hat:

Denn Treue steht zuerst, zuletzt Im Himmel und auf Erden: Wer ganz die Seele drein gesetzt, Dem soll die Krone werden.

Drum mutig drein und nimmer bleich Denn Gott ist allenthalben: Die Freiheit und das Himmelreich Gewinnen keine Halben."

Der Zerfall der völkischen Bewegung.

Die seit dem Aovernber vorigen Jahres an­haltenden Zwistigkeiten im völkischen Lager haben allmählich zu einer starken Schwächung der nationalsozialistischen Frei­heitsbewegung geführt, so dah zahlreiche Mitglieder, darunter auch viele Abgeordnete die­ser Partei, es vorzogen, der Hiilerpartei den Rücken zu kehren und bei anderen großen nationalen Parteien aufs neue Anschluß zu suchen. In den meisten Fällen ist ihnen das geglückt, häufig aber wollen die alten Parieren von den Ueberläufern nichts mehr wissen. Be­sonders heftig sind rn den letzten Monaten die Zersetzungserscheinungen in Bayern zutage ge­treten.

Jetzt hat auch der völkische Landtagsabge­ordnete P o e h n e r mit mehreren anderen Frak- tionsgenossen den Austritt aus der Partei und seinen Uebertritt zu den Deutschnationalen erflärt. Auch hier taucht die Unzufriedenheit mit der Füh­rung und der Ziellosigkeit der Partei auf? di- selbst so hervorragenden Mitgliedern wie Poeh- ner den Glauben an die Zukunft der national­sozialistischen Bewegung genommen hat. Hitler hält sich ebenfalls sehr stark zurück, auch er scheint allmählich die Zwecklosigkeit der ganzen Bewe­gung einzusehen.

Es ist zu begrüßen, dah Vernunft und Einsicht im völkischen Lager Einkehr zu halten beginnen und die völkischen Kreise den Rückmarsch zu den großen Brille. Parteien antreten. Zu bedauern ist allerdings, daß der Klärungsprozeß so spät ein» setzt, denn dadurch entsteht die Gefahr, daß am 7. Dezember viele taisend Stimmen für die schon zerbröckelnde Rattonalsozialistisch: Freiheitspanei abgegeben werden und somit verloren gehen.

Bemerkenswert ist die Begründung, die der Abg. P ö h n c r in einem Schreiben an die Leitung des Völkischen Blocks seinem Uebertritt gibt. Es heißt dann: Rach meiner Ansicht ist die Pflicht zur politischen Selb st Verant­wortlichkeit Gewissenssache jedes Einzelnen und läßt sich unmöglich durch militärischen Ge­horsam ersetzen, namentlich dann nicht, weirn man nach der bisherigen Tätigkeit der national­sozialistischen Reichsführerfchaft Zweifel an deren politischer Führerqualität hat. Ich halte das Finanz- und Wirtschaftsprogramm Feders für utopisch. Es werden darin An­schauungen vertreten, die in ihrer Konsequenz letzten Ende zu einer Art Rational­marxismus führen können

Deutschland und Mexiko.

Der Dank des Präsidenten Calles.

Berlin. 3. Dez. (WB.) Der hiesige mexikoni che Gesandte überreichte heute Reichs- a u he n m i n i st e r D r. Streiemann folge, de Rote: CS ist mir eine angenehme PfliHi. mch folgenden Auftrag.s meiner Reglung enb lebigen. Dieselbe beet bei der in die,en Tagen erfolgten Rückkehr des ncucrttxjfylten Präsi -

führlichen müntl chen Berichten über fei e 2u- ropareife einen lebhaften uns tiefen Eindruck von der so überaus ehrenvoll«, und herzlichen Auf.

nayrne empfangen, die PrSftvenr eenes ton feiten der deutschen Regierung wie auch seitens des deutschen Dolles zuteil geworden ist. Sie erblickt darin zugleich eine Ehrung des ganzen mexikanischen Volkes, welches sich glücklich schätzt, mit der großen deutschen Ration in aufrichtiger Freundschaft verbunden zu sein. Die mexikanische Regie­rung legt größten Wert darauf, der deutschen Regierung als Vertreterin des deutschen V lk s Empfindungen wärm st er Dankoar- te i t zum Ausdruck zu bringen, die nicht nur sie selbst, sondern das ganze mexikanische Volk angesichts der zahlreichen Chrungei und Aus- merkfamkeiten beseelen, durch die ihr künftiger Präsident in Deutschland in so reichem Maße ausgezeichnet worden ist. Indem ich auf die,em Wege der Weisung meiner Regierung, ihren Dank zu übermitteln, Nachkomme, und daran die ergebene Dit.e schließe, denselben fe ner Exzellenz, dem Re ich s p r ä s i den t e n ,. igst zur Ken t nis bringen zu wollen, habe ich die Eh.e, Ew. Exzellenz erneut meiner ausgezeichnetsten Hoch­achtung und persönlichen Wertschätzung zu ver­sichern.

Polnischs Verleumdungen.

Berlin, 3. Dez. (TU.) Der polnische Kriegs­minister. ©eneral Sikorski, nahm gestern im Landtage das Wort, um das Rachtrags- E> u ö g e t für das Heer zu rechts rügen. Einlei.'e rd bem.-rtte er, es sei heute angesichts der wachsen, en Friedensbewegung nicht leicht, Mehrausgaben für das Heer zu verte.digen. Doch wie könnte man abtüften, wenn der Rachbar vom Kopf bis zu den Füßen bewaffnet sei. Die Deutschen, die doch zu den entwaffne­ten Rationen gehörten, hätten in diesem Jahre Manöver abgehalten, wie sie die Welt nach dem Kriege nicht gesehen habe. dB etter habe Deutschland während der Be­ratungen in Genf in der Oiifee ein demonftra- tives Manöver seiner ganzen Flotte gemeinsam mit der bolschewistischen arrangiert. Gegenüber diesen phantastischen Behauptungen wrd von zuständiger Stelle f e st g e st e l l t. daß die fogenann en Manöver, die durch das Fehlen von Tanks und großem Kriegsmatertal auch dem ßaien den Stand der Abrüstung Deutschllrnds flar zeigte, in Hebungen kleinerer Verbände außer­halb der Truppenübungsplätze bestanden haben. Die Meldungen über russisch-deutsche Flottenmanöver, die von Po en aus in die Welt gesetzt wurden, kurz bevor der Kriegs­minister Sikorsky sich in Pans die französische Unterstützung zum Ausbau Gd ngms als 11= Bootbasis und Flottenstützpunkt gesichert hat, sind bereits zu oft a l s Märchen gekenn­zeichnet worden, daß sie guten Glaubens schwerlich mehr vorgebracht werden könnten.

Amerika

und seine Gläubiger.

Die Regelung der französischen Kriegsschulden.

Paris, 4. Dez. (TU.) Eine halbamtliche Mitteilung der Ratnoagentur stellt gegenüber den Qllelbungcn aus amerikani cher Quelle ausdrück­lich fest, dah die französische Regierung nicht in der Lage sei. den Verernagten Staaten einen Plan zur Regelung der franzö ischen Schul­den zu unterbreiten, solange sie ftch kein Bild von der Auswirkung des Dawesgut­achtens gemacht habe. Die Be prechungeii zur Regelung der Schulden hätten überbaupt raxf) nicht begannen und der Meinungs<nustausch zwi­schen Schaftekretär Mellon und dem franzö­sischen Botschafter I u s s e r a n d Härten durch­aus unverbindlichen Charaker.

In London ist man übereinst immend der Meinung, dah der Meinungsaustausch zwischen Iusserand und Mellon trotz allem letzten Endes eine Erörterung der finanziellen Lage Europas und der amerikanischen ftnam- zisllen Beziehungen zu Europa in sich schließen werde. In amtlichen englischen Kreisen weiß man noch nichts über dem Charakter der sran- zösisch-amerikanischen Verhandlungen. In gut unterrichteten amerikanischen Kreisen in London betrachtet man einzelne der von der französischen Bresse wiedergegebenen Vorschläge als reine haiftasie. Derartige Vorschläge lägen offenbar außerhalb der Befugnisse der ameri­kanischen Schuldenkommission, deren Vollmachten überdies in kurzer Zell erneuert werden müß­ten. Außerdem widersprächen sie den Beschlüssen des Kongresses über die Schuldenregelung. Wenn aber die englisch-amerikanischen Ver­einbarungen über die Rückzahlung letzten Endes nicht die Grundlage $u den Vereinbarungen zwi­schen Amerika und feinen Alliierten abgeben soll­ten, sondern den Alliierten bessere Bedin­gungen gewährt werden würden, würde dies eine Ae n de rung des gegenwärtigen Abkommens zwischen Amerika und England notwendig machen. Bekanntlich find die englisch-amerikanischen Vereinbarungen über die Kriegsschuldenregelung als Muster zur Fun­dierung der tschechischen und Polnischen Schulden genommen worden.

Aus aller Welt-

Amundfen und seine Gläubiger.

b r s st i a n i a, 3. Dez. (WB.) .Oslo Assen Avis teilt aus Reuyork mit, daß Amundsens amerikanischen Kreditoren damit drohen, ihm in Amerika den K o n k u rs er klären zu lassen, da die norwegische Konkurserklärung für Amerika nicht genüge. Amundfen erwäge daher, in Reu- hork den Konkurs anzumelden. Der Rechtsanwalt Amundsens erklärte dem Blatte, datz eine Vor- tragßreife durch Amerika unternommen wurde, um Gelder für die teilweise unbezahlte Heuer für die Besatzung der .Maud" zu be­schaffen. Amundfen hat große Beträge nach Hause gesandt. Er teilte mit, ein evtl. Konkurs würde den bevorstehenden P o l f l u g nicht berühren, der durch den norwegischen Luftfahrt- verein veranstaltet werde und daher eine selb­ständige Angelegenheit sei.

Eine Fordfabrik in Rumänien.

, Dularest, 4. Dez. (TU.) Henry Ford vravs chtg in einem rumänischen Hasen eine Faocit für Personenwagen. Trekker und landwirtschaftliche Maschinen zu errichten.

Wegen Mordes zum Tode verurteilt.

Fran ken t bal, Z. Dez. (WTB.) Das hie­sige Schwurgericht verurteilte Frau Elilabetb

Drunv aus Meckenheim irrt» ihren Lieoyaver, den Konditor Pankratius Göbbels aus Aachen, die angeflagt waren, den Taglöhner Hermann Grund in Meckenheim am 13. Oktober 1921 ermordet zu haben, zum Tode. Ein dritter an dem Morde Beteiligter, Hermann Grund jun., war inzwischen verstorben.

Vergiftung durch Kohlenoxyd.

Auf dem Gute K r i tz k 0 w bei Schwerin tour* den in einer Scheune sieben Schnitter be­sinnungslos und ein achtjähriges Mädchen tot aufgefunden. Wahrscheinlich handelt es sich um Vergiftung durch Kohlenoxydgas, das dem von den Schnittern selbst hergestellten Ofen ent­strömt ist. Vier der vergifteten Schnitter muhten ins Krankenhaus gebracht werden.

Don der Dampfwalze zermalmt.

In den Rungewerken in Spandau wurde ein 35jähriger Schlosser von der Dampfwalze, an der er Reparaturen ausführte, und die sich plötzlich in Bewegung setzte, zermalmt. Der Ver­unglückte hinterläßt Frau und drei Minder.

Schweres Autounglück.

Münster, 4. Dez. (TU.) Beim Ueberqueren der Zechenbahn in Feifang bei Solm in West­falen wurde gestern das Auto eines Drenrerei- bef tz rs von einem aus der Richtung Bahnhof Dorn kommenden Personenzug erfaßt und etwa 20 Mrter fortgeschleift. D e Insassen und der Chauffeur wurden bis zur Unkennt­lichkeit verstümmelt.

Berliner Falschmünzer.

Fünf Polizisten beobachteten am Dienstag abend, wie sich auf dem Tegeler Schieh- p l a tz zwei Männer in verdächftger Weise be­schäftigten. Sie nahmen die zwei Männer fest. Beim Rach graben fanden die Polizisten Werk­zeuge, die zur Herstellung von falschen 5V-Pfennig stücken dienten. Es stellte ftch heraus, daß es sich um die Werkzeuge zweier Münzfälscher handelt, die vor einiger Zeit ver­haftet worden sind und die falsche 50-Pfennigstücke in großen Mengen herstellten und über 5000 Stück allein auf der Berliner Straßenbahn aus- gegeben haben. Di^ beiden Verhafteten wollten mit dem Werkzeug die Fälschungen fortsetzen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. Dezember 1924.

Gießener Wochenmarktpreise

am 4. Dezember 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt'. Butter 230, Matte 40, Käse 70, W rsing 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 15, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 40, Unterkohlrabi 6, Grünkohl 20, Rosenkohl 50, F ldsalat 100, Zwie­beln 12 bis 15, Meerrettich 40 bis 100, Schwarz­wurzeln 50, Kartoffeln 5, Aepfel 12 b:s 20, D.rnen 10 bis 15. Gänse 95 bis 100, Rüsse 50 bis 80 Pf. das Pfund, Eier 18 bis 22, Blumen­kohl 120 bis 180, Endivien 10 bis 20, Lauch 10 bis 15, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück.

Geschäftsöffnung an den näch­sten drei Sonntagen. Dom Pvlizeramt wird uns mitgeteitt: An den drei letzten SomD- tagen vor W ahn achten (7 14. und 21 Dezember) ist für alle Geschäftszweige des HandelLgewerb s der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen und die Beschäftigung von Gehilfen, Ley-rlingen und Arbeitern hierbei wie folgt zugola sen: am 7. De­zember von 16 Uhr nachmittags, soweit nicht durch das Ministerium eine anderweitige An­ordnung getroffen werden sollte, am 14. und 21. Dezember von 126 Uhr nachmittags.

D 0 m H a.u p t z 0 l la m t. De setzt an das Hcruptzollamt Main; wurde der seilher.ge Leiter des Hcruptzollamts Gietzen, Regierungsrat Schnupp, unter Beförderung zum Obere regierungsrat.

* Eine Frau als Wohnungsein­brecherin. Dor einigen Tag n wurden tn einem Hause im Scltersweg, Teufelslustgärtchen, sow e in der Löwcng iffe nachmittags zwischen 3/2 bis 4V1 Uhr drei W. hnungs ftnb.üche ausgeführt" Als Täter kommt in allen Fillen eine Frauens­person in Brtracht, welche als die angebliche Em Cie Deucker, geb. am 3. 9. 99 zu Botrop, ermittelt wurde. Sie ist noch flüchtig. In einem Falle konnte die dreiste Person eine Geldkassette entwendm, welche sie bei einem Schlos.ermeister unter dem Dorgeben, sie habe ihren Schlüssel ver­loren. öffnen l. und entnahm das darin befind­liche Geld. Die Kassette ließ sie zurück mit dem Bemerken, am andern Tage wolle s.e d ese wieder abholen. Im zweiten Falle entwendete sie ein Portemonnaie und hatte aLe Schräncke und Schub­kasten geöffnet. Hier wurde sie durch das Hinzu- kommen der Wohnungs.nhi.iberin gestört: sie ge­brauchte daraufhin als Ausrede die Frage, ob hier ein Fcl. Schneider wohne, und entfernte sich dann. Erst später bnnerften de Bewohner, daß sie es mit einer Diebin zu tun gehabt hatten. Im dr.tten Falle wurde sie bettofien, crls sie im Begr ff war, das Dertikow aufzumachen: auch hier verstand sie es, die Bewohner durch allerlei Ausreden und Fragenstellung za verblüffen anb bann schnell zu verschwinden.

** Diebstahl Fundunter schlagung. Gestohlen wurde in der Rächt zum 2. Dezember im Schisfenberger Weg von einem Balkon ein größeres Schaukelpferd. Ebenfalls gestohlen bzw. vo.n dem Finder unterschlagein wurde am 25. Rovomker ein braunledeines, innen mit Krokodilleder besetztes Geldtäschchen mit einem Zwanzig-Dillionenschein. In dem Täschchm war eine 10-Psg.° Freimarke als Kennzeichen einge- klebt. Am 28. Rovernber verlor ein hiesiger kleiner Geschäftsmann auf dem Wege vom Kir- chenplah zur Walltorstraße seine Brieftasche mit 287 Mark. Diese ist aus braunem Leder und innen schwarz gefüttert. Der Verlierer ist Vater einer großen Familie und durch den Verlust schwer ge­schädigt. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.

* Ueberfüllung i m Dankberufe. Der Deutsche Bankbeamten-Verein teilt uns mit. daß der Abdou im Bankgewerbe leider noch nicht beendet ist, und daß bereits heute schon weit über tausend qualifizierte Bankbeamte in Frank- hirt a. M. stellenlos sind. Do die 'Banf bet riebe durchweg bisher nach dem höheren Bestand an Beamten Lehrlinge eingestellt haben, so besitzt dos V.'uikgewerbe zur Zeit eine Ueberzahl an Lehrlingen, die zum größten Teil mit Ablaus iqrer Lehrzeit, denn vorher kann der Lehrvertrag nuLt gelöst werden, aus den Betrieben auS»

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