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Blatt

1?4. Jahrgang

Donnerstag, g. Dezember 1921

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

dnttk Mid Verlag: VrLhl'sche UniverfttäkL-vnch- und Steinörudcrci R. Lange in Siehrn. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchlllstraße 7.

Lunatzme von . 4 für bie laqesnummet bi* zum NachmiNag vorher ohne jedeVerdindlichKeit.

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England im Orient.

CBfrn unserem »k.-5^orrespvnbenten

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Jerusalem, Ende November.

Die verschiedenen Methoden englischer Po­litik kann man nirgends besser studieren olS im neuen zionistischen Staat Palästina und in den Ländern unter arabischer Herr­schaft ringsherum. In Palästina hat England durch allzu weit S Entgegenkommen sich zwi­schen -Wei Stühle gesetzt. War eS schon ein gewagtes Unternehmen, im alten Heiligen Lande ein neues füdifcheS Reich zu gründen, weil dort heutzutage die Juden gegenüber den Musel­manen eine verschwindend geringe Minderheit sind, dann beraubte man sich auch der wenigen Vorteile, die diese Gründung bot, durch die in­konsequente Haltung den Jaden g genüber. Sir Herbert S a m u e 1S der britische Oberkom­missar bot. alS er 1920 nach dem von den Arabern veranstalteten Judenprvgrom sein Amt antrat, als Jude wohl die Garantie, dah er sein Amt aut Zufriedenheit dcS DolkcS führen würde, das den neuen Staat Palästina tragen sollte. Aber man hatte sich geirrt. Samuels wollte nicht in den Geruch kommen, alS Jude einseitig jü­dische Jnteresscnpolitik zu treiben. So war er päpstlicher als der Papst, er war englischer, alS das England selbst wollte. Was immer an iln- i uhen in Palästina losbrach die Juden be­kamen die Schuld, und nur Juden wurden ver­urteilt. All die Versprechungen, die England in bezug auf Vorrechte und auf Landverteilung den einwandernden Juden gegeben hatte, machte Sa­muels zunichte, indem er tn übertriebener Ob­jektivität die Araber bevorzugte. Ganze Klagelieder singt die jüdische Gemeinde, die sich jetzt, nach dem Versagen des englischen Beamten, seLbst zu einem staatsähnlichen Gemeinwesen zu» sannnengeschlossen hat. Nun ist eS so weit, dah Sir Herbert SamuelS tm Juni n. I. sein Amt niederlegt, unb dass al- Nachfolger wahr­scheinlich ein Christ bestimmt wird

Diese Bevorzugung der mohammedanischen Araber in Palästina konnte aber doch nicht die Vorurteile zerstreuen, die sich in der mohamme­danischen Welt gegen das neue StaatSwesen von Englands Gnaden gebildet hatten England hatte ja die Lösung deS Problems Palästina Hand in Hand mit der für England günstigen Lösung des arabischen Problems versucht. Das König­reich H e d s ch a s mit den beiden heiligen Städten Mekka und Medina bedeutet für die mo- harnmedantfche Welt an gewichtigem Ansehen viel mehr alS Palästina für die christliche Welt. Die englische Politik hatte deshalb schon immer auf diese« Herz des JslarnS Ginfluh zu gewinnen versucht, und nichts kam den Engländern gelege­ner, als die Absage des Königs Hussein an den Sultan und den Kalifen in Konstanttnvpel, der im Verlause deS Weltkrieges gegen England denHeiligen Krieg" erklärte. England hat Hus­sein bann weiter geschützt und benutzt. Seine beiden Söhne bekamen je ein Königreich TranSjordanien und Mesopotamien - und so war eS verständlich, dah Hussein seine Einwilligung zur Errichtung des jüdischen Staa­tes in Palästina gab.

DaS aber hat Hussein und seinem Ansehen bei den Moslims unendlich geschadet. Als dann im März d I. die türkische Angora-Regierung die Torheit beging, den schon abgesehten S u l - t a n in Konstantinopel auch noch seiner Würde als Kalis zu entkleiden und des Landes zu ver­weisen, da glaubte England die Stunde gekom­men. sich in Hussein, der als Herr von Mekka und Medina den flohen Titel eines »Drohen Scheriss von Mekka" führte, einen ihm ergebenen Oberherrn des Islams zu schaffen. Es ist noch in aller Erinnerung, wie König Hussein in seinem Lande und in den Reichen seiner Söhne zum Kalifen ausgerufen wurde, und wie diese Anmahung von weilen Teilen der mohammedani­schen IMt abgelehnt wurde. Nun beging Hussein selbst eine Torheit: Er rückte von England ab, weil er glaubte, sich so all­gemeine Anerkennung zu verschaffen, und Eng­land unterstützte, um ihn wieder gefügig zu machen, die Wahabiten, die alten Feinde des Hedschas, des Landes am Roten Meer. Wie­der kam es anders als England sich das dachte: Die Wahabiten überrannten Hussein und seine Söhne, sie besetzten Mekka und Medina, und nun bereiten sie die Einberufung einer islamitischen Weltkonferenz vor, die tm nächsten Jahre über das Schicksal der heiligen Städte ohne englische Einfluhnahme entscheiden soll.

Auch die Nachrichten aus Aegypten, die hier einlaufen, find symptomatisch für die "Beur­teilung der stets verschieden arbeitenden engli­schen Politik. Man weih hier genau, dah Eng­land im Land am N i l und am Suezkanal ganz anders vorgeht und vorgehen muh als in Syrien und Arabien. Der Suezkanal ist von so vitalem Interesse für England, dah dort ein Kompromih unmöglich ist. Im Som­mer d. I. glaubte man hier im 3ori>anlanb, dah ein gütlicher Ausgleich der englischen Interessen mit denen Aegyptens und damit auch denen des Islams möglich wäre. Man verfolgte hier sehr aufmerksam die Reise des ägyptischen Minister­präsidenten Zaglul Pascha nach Paris und vor allem Bonbon, wo er sich wohl sehr freund­schaftlich mit Macdonald unterhalten haben muh. Aber Macdonald stürzte, das Mihtrauen aus beiden Seiten wuchs, und dann kam durch das Attentat auf den Siröar die Bombe jum Platzen. Wir haben nicht einen Augenblick

daran gezweifelt, dah England mit Einsatz aller Machtmittel jeden ägyptischen Widzrstand.über­rennen würde, und dah England die Schasse auf feinen Beamten benutzen würde, um die feit 1919 ungeklärt schwelende Frage des Sudans end­lich zu regeln.

Kein Engländer zweifelt daran, dah der Su­dan historisch-politisch und wirtschaftlich zu Aegypten gehört, Hnb trotzdem ist die Frage einer gewissen Selbständigkeit für den Sudan jedem Engländer indiskutabel. Deshalb wird England auch jedes Mittel recht sein, diese an und für sich fo einfach liegende Frage von dem Völkerbund fernzuhalten. So sehr selbst die neue konservative englische Regierung zu Konzessionen an die Dominions und ihre Wünsche nach Mit- beteiligung an der Regierung sein mag, fo hoff­nungsvoll nach Ansicht ruhig denkender Moslims die Frage der langsamen Emanzipation Indiens auch ist, so wenig denkbar ist es, bah England dem Lande, das an den Suezkanal grenzt, eine Selbständigkeit g-währt, die frem­den, antienglischen Interessen Tür und Tor öff­nen mühte.

Diese Furcht vor der Politik der anderen ist es, die zumeist jeden gefunden Fortschritt verhindert. Die französische Herrschaft i n S y r i e n schafft den englischen Interessen dort einen unbequemen Nachbarn, b sonders weil diese französische Sch uh Herrschaft viel weniger aus wirtschaftlichen als aus politischen Gründen gestützt und erhalten wird. Als die Wahabiten soviel mehr fertig brachten, als England das lieb und wünschenswert war, da tauchte der begrün­dete Verdacht auf, dah Frankreich dort s seine Hände im Spiel hatte. Mit Aegyp­ten ist es ganz ähnlich. Zaglul Pascha war auf­fällig lange in Paris, und die ägyptische Ko­lonie an der Seine ist politisch bedeutsam.

Zunächst einmal wird England also wenig­stens in Aegypten seine Wünsche durch- seyen können, nicht zum wenigsten bank der Gunst des Attentats. Palästina aber, Sy­rien und Arabien werden der englischen j Politik noch manche Nuh zu knacken geben, weil ; man dort nichts mit Imperialismus, mit Schiffs- geschwabern, mit Flugzeugen und Kämmen allein ausrichten kann. In 21eggten kämpft man um bie Macht und um bie Herrschaft. Hier in Palästina unb hn Land der heiligen Städte kämpft man um das Herz des Islams. Unb bas ist nicht so leicht zu gewinnen, besonders wenn von brauten her immer neue verletzende An- stöhe erfolgen. Letzten Endes geht der Kampf gegen Aegypten auch gegen den Islam, ilnb die Kränkung Zagluls wird von allen an­deren Mohammedanern als eigene Kränkung empfunden. Noch ist man weit davon entfernt, an eine bevorstehende Einigung der vielgespaltenen islamitischen Bewegung glauben zu können. Aber man arbeitet doch schon an ihr, und so wirb es nur einer gewissen Zeit und einiger gleichlaufen­den Anslöhe von auhen bedürfen, um sie auch zu verwirklichen. Die für das nächste Jahr ein» berufene Weltkonferenz des Islams ist ganz sicher ein erster Schritt zu dieser kommen­den Einigung aller Mohammedaner, die nach dem festen Glauben aller Moslims noch einmal Wirklichkeit werben wird.

England in Aegypten.

Eine politische Rede Cszamberlaitts.

London, 4. Dez. (TU.) Der Staatssekretär des Auswärtigen, Chamberlain, hat wäh­rend einer von den Nonconfirmes Unionist Leage gegebenen Frühstück eine politische Rede gehal­ten. Er führte u. a. aus, dah die Entsendung eines Ministers zur Teilnahme an der "Bölter» bifnbdtagung beweise, welche Bedeutung die britische Regierung dem Völkerbund beimesse. Der Vertreter fei von der Regierung ermächtigt, dem Völkerbunbsrat die ägyptische Frage vor­zulegen und alle notwendigen Aufklärungen zu geben, obgleich der Völkerbund in dieser Sache eigentlich nicht zuständig sei. Chamberlain betonte, dah die Regierung durch die Lösung der ägyp­tischen Krise den Beweis ihrer Kraft und "Bcr-1 trauenswürdigkeit gerechtfertigt habe. Ihre Hal­tung entspreche den Ansichten aller Parteien. Das Vorgehen gegen Aegypten fei durch die Haltung der ägyptischen Regierung während der letzten Jahre zur unausbleiblichen Notwen­digkeit geworden. Man könne nicht sagen, dah England die Ermordung des Sirdars als will­kommenen Vorwand benutzt habe, um eine Reihe von Forderungen zu stellen. England hatte nicht die geringste 2lbsicht, die Unabhängigkeit der ägyptischen Regierung irgendwie anzutasren. Die friedfertige Haltung der neuen ägyptischen Re­gierung ermögliche die Wiederaufnahme der englisch-ägyptischen Verhält­nisse, die bisher an den übertriebenen Forde­rungen Zaglul Paschas gescheitert seien. Die bri­tische Regierung fei der Heberzeugung. dah mit der jetzigen ägyptischen Regierung der Ab­schluß eines Vertrages ermöglicht werde, durch den die englischen Interessen in Aegypten gewahrt bleiben, ohne daß die Selbständig­keit Aegyptens darunter zu leiden habe.

Die Wahabiten in Mekka.

Kairo, 4. Dez. (WTB. Funksvruch) Einer Blättermeldung zufolge ist der Sultan Ned- s ch e d mit einem Gefolge von 400 Personen und 1000 Mann bewaffneter Truppen in Mekka eingetroffen. Drei britische Flieger befinden sich auf dem Wege nach Jeddah, um in den

Dienst des Königs Ali zu treten. Drei Flugzeuge find bereits in Mekka cingetroffen. Die Agenten des Königs AU in Europa und Aegypten suchen eifrigst Kriegsmaterial zu kaufen. Einige Tanks wurden nach Hedschas gesandt. Grobbritannien lehnt eS ab, die Er­mächtigung für die Versendung von Maschinen­gewehren und anderem Material aus England zu gewähren.

Chamberlains Pariser Reise.

Parrs. 4. Dez. (WTB. Funkspruch.) Her- riot empfängt heute früh den englischen Bot­schafter Lord Crewe, um mit ihm die letzten Mabnahrnrn zum Empfang des englischen Auhen- ministers zu verabreden. Chamberlain wird heute abend 10 Uhr in Paris eintreffen. Seine Begeg­nung mit Herriot ist auf morgen Vormittag 11 Uhr festgesetzt. Chamberlain wird am Quai d'Orsay mit Herriot zu Mittag speisen. Am Nachmrttag wird er dem Präsidenten der Republik einen Besuch abstatten. Am Abend wird Cham­berlain seine Reise nach Rom fortsehen. »Times" schreibt tn einem Leitartikel zur Reise Chcunber- tains. er werde ohne Zweifel, jedoch nur in der allgemeinsten Weise, die Hauptprobleme des Augenblicks mit Herriot erörtern. Drese hingen zum größten Teil mit der Frage der interalliierten Schulden und dem Genfer Protokoll zusammen. Es bestehe aber nicht der geringste Grund zu der Annahme, dah der Versuch gemacht würde, in so wichtigen F.agen Urbere nftimnung zu crz e(ai Oh e Zwei­fel würden in R v in von den führenden Mitglie­dern des Völkerbundsrates die Gelegenheit zur Erörterung zahlreicher Fragen ergriffen werden. Chamberlain werde im Völkerbund ein gutes Werkzeug zur Regelung internationaler Fragen finden.

England öffnet seine Archive.

London, 3. Dez. (TU.) Das englische Aus­wärtige Amt will eine Sammlung von Dokumen­ten, welche die europäische Vorkriegslage beleuch- t«n. Herausgeber,. Als Herausgeber der Dokumente werden G. K. Go och und E. W. D. Temerlay bezeichnet.

In einem Dries des Staatssekre'ärs des Aus­wärtigem an Watson teilt Chamberlain mit, d.ch später auch die Archive des Auswärtigem Amtes bis zum Jahre 1878 der Oefsentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. G gemoärtig sind nur die Dokumente bis 1360 verfügbar. Diese Regelung wird in Kraft treten, sobald die Z u st i m m u n g der Dominions erteilt worden ist.

Die britische Lustrüstung.

London, 3. Dez. (WB.) Der Lustfahrt- miniffer Hoare erklärte in einem Interview über die Lustsohrtpolitik der Regierung, in einigen Jahren würden für die Landesverteidigung 52 Geschwader geb löst sein, von denen 18 Ende 1924 fertig feien.' Die Entwickelung des zivilen Luftverkehrs auf dem Kontinent durch die Rech'- fuftverkehrSgrsettschast mache befriedigende Fortschritte. Der Minister erklärte sich be­sonders interniert an ertem möglichen Mittel­punkt Europas. Das <i zig7 Hiader.cks fei die Bestimmung des Derailler Vertrage; bezüg­lich des Fliegens über Deutschland. Er hoffe, dah dieses Hindernis beseitigt we.de Ganz besonders sei er interessiert an der Ausdeh n.'.g des briti chen Luftv.rtchrs Weges nach Indien und später vielleicht auch nach Australien. Die Regierung toerbe ei en entsprechendei Plan der Nation im nächsten Jahre unterbreiten.

Der deutsch-englische Handelsvertrag.

Der Eindruck in London.

London, 4. Dez. (»Lokalanz.") Die deutsche Delegation ist gestern nach Berlin zurückgrkehrt. Dor der Abfahrt erklärte Ministerialdirek­tor Dr. Schubert, er habe die engli chen Delegierten in jeder Beziehung entgegenkom­mend gesunden unb wenn Schwierigkeiten ett- iduiun u c ua*g]£.Q 9103 ogtX)uoiaj usquvst sehr umsichtig eingegriffen. Er dankte für die zuvorkommende Art, mit der die deutschen De­legierten behandelt worden seien und sprach die Ueberzeugung aus, dah der Ha idelsv.wtrag g u t fei und alles in allem beiden Säubern zum Vorteil gereichen werde. Die Adend- p elfe stimmt dieser Ansicht zu, dah England ausgezeichnet abgeschnitten hibe. E re m-.hgebende erglstche Persönlichkeit sag c, En land ha « nie zuvor einen so günstigen Vertrag mit Deutschland gehabt.

Der Tally Telegraph" schreibt, der Vertrag könne als Muster für weitere Vorträge mit an­deren Ländern dienen. In der Frage der Han- deisbeziehungon zu Deutschland hän>e England in grohem Mähe von Deutschland ab, was man als Tatsache hinnehmen müsse. Ds^ilb sei die Erneuerung der Generalzusicherung der meist­begünstigten Nation sehr zu begrühen. In dem gegenwärtigen Vertrag habe man sich gute Vorteile gesichert. Dies fei der Tatsache zu ver­danken, dah die englischen Verhandlungsteilneh- mer an folgenden zwei Punkten fest gehalten hätten:

1. daran, dah England britische Anleihen und Kredite allen jenen vorenthÄten forme, die nicht gewillt wären, ein gültiges Abkommen

über die Einfuhr englischer Güter zu treffen, und

2. an der Sicherheit des britischen 3 n h u - pricge|et)c«.

Diese beiden Punkte seien im wesentlichen von Deutschland In einer Fvmni!i?'.-ung ange­nommen worden, die keine Auswezr lle'ie. gleich­gültig, ob es sich um Wolle oder andere Textilien um Sportartikel. Motorräder usw bandele.

England sicherte sich auherbem von Deutsch­land, was es vor dem Kriege nicht getan bat, die Freiheit deS Handelns bett, feiner kaufmännischen Unternehmun gen, wie der Schiffahrtsgesellschaften, Banken. Marine- unternebmungen. Deutschland wird nicht länger einen Unterschied machen können in Angelegen- (Jung gagjpxuo-iaQucajfcnfö-iijuDaj w deutsches Gebiet. Andererseits hat Deutschland von Grohbritannien die Zusicherung erhalten,, dah eine unterschiedliche Behandlung Deutscher als ehemalige feindliche Staats» angehörige nicht mehr gemacht werden wurde, ferner das Zugeständnis der Errichtung von Banken, die Möglichst' il, deutsche M a- tiefen und Stewards in der englischen Marine unterzubringen und ebenso Zugeständnisse in der Frage der nicht eisenhaltigen Metalle. Deutsch­land brachten diese Punkte sowohl moralisch wie auch materiell Vorteile.

DerReparationsagent gegen die Ausfuhrabgabe.

Berlin, 3. Dez. (Pr.-Tel.) Wie dieDosf. Ztg." erfährt, vertritt der Generalagent für die Reparationszahlungen, Gilbert, die Auffassung, selbst wenn eS zwischen Deutschland und Eng­land oder Deutschland und Frankreich zu irgendwelchen Vereinbarungen über die 26proz. ReparaiivnSabgnbe kommen sollte, brauche er die Zahlungen auf die Recoveryabgabe n i ch t z u er­seh e n und werde sie auch nicht ersehen. Das Festhalten dieses Standpunkte- betrachte Gilbert als den w i ch t i g st e n Punkt feine- augenblick­lichen Programm- und er betonte, dah nur zwei­erlei eintreten könnte, folange er sich weigere, die Summe zu ersetzen, die die Entente mit Hilfe deS Recvderh ActS gefammelt habe: Entweder konnte Deutschland seine Warenausfuhr nicht mehraufrechterhaltea, waSdas Ende deS BaweSPlaneS bedeuten würde, oder di« Ententemächte mühten da- System der Sonderbelastung der deutschen Aus­fuhr a u f g e b e n.

Die deutsch-französischen Indu?1r!ev:rhandlungen.

Paris, 3. Dez (WTB.) Heber die Ver­handlungen, die zwischen den deutschen und fran­zösischen Sachverständigen der Schwerindustrie ge­führt und die gestern bis zum 16. Dezember ver­tagt wurden, berichtet H a v a S . day eS gewih scheine, dah die Besprechungen zwischen den fran­zösischen und deutschen Vertretern der Schwer- eisenindustrie eine neue Richtung genom­men haben und dah eine Aufteilung der Märkte unter die verschiedenen Produzenten jetzt ins Auge gefaßt werde. Diese Frage gebe aber über den Rahmen der wirtschaftlichen Ver­handlungen zwischm den beiden Ländern hinaus und es sei wahrscheinlich, dah, soweit endgültige Ergebnisse erzielt werden, die verschiedenen eifen- produzierenden Länder, wie England. Bel­gien, die Tschechoslowakei und Polen über den Gang der Hnterhandlungen unter­richtet und dahin sondiert werden sollen, ob sie sich an dieser neuen Organisation eventuell beteiligen würden.

Der Beginn der deutsch-italienischen Handels- vertragsverhandlungen.

Rom, 4. Dez. (TH.) Die deutsche Kom­mission für die dettsch-ttalienischen HandelS- vertragsverhandlungen ist gestern morgen t n Rom eingetroffen und hat im Edenhotel Wohnung genommen Heute vormittag 11 Hhr findet im Palast Ch gi die erste Sitzung statt. Da- ronNeurath. der deutsche BKjchafter in Rom, wird die Herren der Kommission Mussolini vorstellen. Die deutsche Handelsdelegation besteht aus den Herren Geheimrat Köpke, Schmidt und H 1 r i ch.

Die neue italienische Heeres- ordnung.

Rom. 4. Dez. (TH.) Nach der dem Senat vorgelegten neuen Heeresordnung seht sich das stehende italienische Heer aus 10 Ar­meekorps mit 30 Divisionen zusammen Die Füh­rung haben folgende Offiziere mit Generalsrang: 2 Feldmarschälle, 6 Heerrsgeneräle, 7 Armee­korps kvmmandcrnten, 40 Divisivnsgeneräle und 104 Drigadegeneräle. General Cadorna ist als Armeekorpskommandant in den aktiven Dienst zurückberufen worden.

Unruhen in Spanien.

Paris, 3. Dez. (WB) DieInformation" veröffentlicht über Bord auf ei e Meldung aus <5an Sebastian, derzufvl^e in g'wi sen Ze tret von Sparien lokale Kundge^u gen fiatt- nfinden. die sich nicht nur geg n das D rek orium, sondern auch gegen bie Krone richten Es handele sich um vereinzelte Kundgebungen, ab r nach gewi len Gr-üchten beanruhiz e s e die~- renden Per önlik/k.tten des Direi:r ri ms Fir Liefe Nayricht muh der3nf:rmation bi: V r° enttoortung überlassen werden. Das cbe -fte Kriegsgericht ha: brei Anarchisten aus Ve a zzum Tobe verurteilt, ein v.erter toucCe sreiaefv rochen.