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iSine Anzayl Dut)d)natton<iler ManoesDer» bänbe, u. a. die LandesverbändeBerlin. Ham­burg, TDeflfaleii unb Pommern, hat zu der Ab- slimmung über die Londoner Abmachung Stellung genommen. 3n Enrschliehungea wurde das Ver­halten der Abgeordneten, die dem Abkommen zustimmten, kritisiert, aber betont, daß die ge­schlossene Haltung der Partei unter allen Umftänben gewahrt bleiben müsse. Zentrum und Bürgerblock

Das politische Ergebnis des Katholikentags: Reichsschulgesetz und Zollvorlage.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 4. Sept. (Drahtmeldung.) Bei der Orientierung des Zentrums in der künf­tigen Reichstagstagung wird die Frage des Reichsschulgefeyess eine beträchtliche Rolle spielen. Man rechnet damit, daß das Reichs­schulgesetz in absehbarer Zeit nach den Aus­schuhberatungen vor das Plenum gelangen wird und sucht sich in den Fraktionen über seine Haltung bereits jetzt schlüssig zu werden. Eine große Rolle hat diese Frage bei den Verhandlungen hinter den Kulissen des deut­schen Katholikentages in Hannover ge­spielt. Dort war es besonders der Führer der Bayerischen Volkspartei der Prälat Leicht, der die Führer des Zentrums zu bewegen suchte, ihre Stellung zu den Rechts- und Linksparteien wesentlich davon abhängig zu machen, inwieweit man geneigt wäre, die Wünsche des Zentrums in bezug auf die Zollfrage zu erfüllen. Die Bayerische Volkspartei hat durch den Prälaten Leicht ihre Vermittlung angeboten, zwischen dem Zentrum und den Deutschnationalen und un­ter den Rechtsparteien ein gemeinsames Vorgehen in der Zollfrage zustande zu bringen. Der linke Zentrumsflügel, unter der Führung von Dr. Wirth und Ivos steht diesen Bestrebungen sehr mißtrauisch gegenüber, da er nicht mit Anrecht vermutet, daß das Einvernehmen in der Zollfrage nach der Absicht der Bayerischen Volkspartei sehr leicht zur Bildung eines Bürger­blockes führen könnte. Dr. Wirth beabsich­tigt deshalb, sofort nach Beginn der Reichs- tagStagung mit den Demokraten Stellung zu nehmen, um sie ihrerseits zu einem Ent­gegenkommen gegen die Zentrumswünsche zu veranlassen und dadurch zur Vermeidung des DürgerblockS beizutragen.

Dr. Wirth und die Regierungsumbildung.

Herr Wirth macht wieder von sich reden. Er erklärt in einer Korrespondenz, daß noch viel Wasser den Rhein hinabfließen müsse, bis sich die Stellungnafnne eines Teils der Deutschnatio­nalen zum Sachversländigen-Gutachtenzu poli­tischen Kombinationen" ausreift. Die Rational- liberale Korrespondenz bemerkt hierzu: Herr Wirth ist noch nicht die Zentrums Partei, die sich durch die Zusagen ihrer Anter Händler zweifellos bis zu einem gewissen Grade den Deutschnationalen gegenüber f e st g e l e g t hat. Der Reichsparteivorstand des Zentrums hat übri­gens in einer Sitzung in Hannover (anläßlich des Katholikentages) feslgestellt: Das Ziel der Partei hleibt nach wie vor die Schaffung einer wahren Volksgemeinschaft, in der alle Kräfte des deutschen Volkes zur fruchtbaren Auswirkung gelangen können.

Die Umbildung der preußischen Regierung. (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 4. Sept. (Drahtmeldung.) Die Parteien des Preußischen Landtages werden kurz nach dem Zusammentritt des Landtages am 23. September Verhandlungen einleiten über die Umbildung der preußischen Regie­rung. Die Deutschnationalen stehen auf dem Standpunkt, daß noch vor der Beratung des Etats die Verhandlungen abgeschlossen werden sollen. Die Deutsche Volks­partei ist zur Zeit noch nicht einheitlich in ihrer Auffassung. Bei den Verhandlungen der ReichStagSfraktivnen hat die Reichstagsfrak­tion der Deutschen Volkspartei darauf hinge­wiesen, daß sie von sich aus der Landtags­fraktion keine Weisungen erteilen können, und daß daher bindende Zusagen an die Deutsch­nationalen nicht gemacht werden könnten. Es besteht aber in einem großen Teil der Deutschen Volkspartei die Neigung, zu Ver­handlungen mit den Deutschnatio­nalen zu kommen. Ebenso ist man auch in der Zentrumsfraktion zu solchen Ver­handlungen geneigt. Jedoch wird vielfach dar­auf hingewiesen, daß der Preußische Land­tag im Februar nächsten Jahres neu zu wählen sei, und daß es sich daher nicht mehr lohne, eine Umbildung der Regierung vor­zunehmen. Auch in Preußen besteht deshalb die größte Wahrscheinlichkeit, daß der schließ­liche Ausgang dieser Verhandlungen von der künftigen Haltung der Sozialdemokra­tie in der Zollfrage und in den anderen aktuellen politischen Fragen abhängt. Die demokratische Fraktion des Landtages erklärt jetzt schon mit aller Bestimmtbeit, daß sie bei einer Hinzuziehung der Deutschnatio­nalen zur Regierung in scharfe Opposi­tion gehen werde.

Adalbert Düringer f.

Kurz nach Vollendung seines 69. Lebensjahres lsl in her letzten Rächt der bekannte Volkspartei- liche Reichstagsabg^ordnete. frühere badich- Iu- stizminister, Exzellenz Dr. Adalbert Düringer an einem Herzleiden gestorben. Mit ihm vertiert der Reichstag eines feiner kenntnisreichsten Mitglie­der, bei dem stets über dem Parteiinteresse die Arbeit am deutschen Vaterlande stand. Düringer war in den verschiedensten Stellungen des Justiz- dienstes seiner badischen Heimat und des Re ches tätig, u. a. als Reichsgerichtsra-t, Oberlandes- gerichtsprasident und Iustizminister. Er war Mit-- fllieO der Rationalversammlung und seit 1920

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ves Rercysrags. arriprungirch Neutschnationaler trat er 1922 zur Deutschen Volkspartei über. Rühmlichst bekannt ist sein unermüdlicher Kampf für die Interessen der Meinen Sparer, der Rent­ner und Hhpvthelengläubiger. Sein 'Olachsvlger im Reichstag wird der Vorsitzende des Reichs- verbandes der deutschen Industrie, Dr.-Ing. Kurt Sorge, Vorstandsmitglied der Firma Krupp.

Der Reichskanzler

hat ar. die Witwe Düringers folgendes Schrei­ben gesandt: Zu dem schweren Verluste, der Sie durch das Hinscheiden Ihres von mir hochver­ehrten Gemahls betroffen hat, spreche ich Ihnen, sehr verehrte gnädige Frau namens der Reichsregierung aufrichtige T eil­nah nre aus. Der Tod dieses ausgezeichnet^ Menschen und hervorragenden Juristen und Poli­tikers wird nicht nur von feinen Angehörigen und in den weiten Kreisen seiner Freunde und Bekannten aufs tiefste betrauert werden, viel­mehr bedeutet fein Heimgang zugleich einen un­ersetzlichen Verlust für das öffent­liche Leben Deutschlands und für die deutsche Rechtswissenschaft. Sie Ar­beiten Düringers auf dem Gebiete der Rechts­philosophie sowie des Handels- und Hypotheken­rechts sichern ihm einen dauernden Ehrenplatz unter den hervorragenden Forschern und För­derern des deutschen Rechtslebens. Das gleiche gilt von seiner langjährigen verdienstvollen Tätig­keit in der Justizverwaltung, die ihn za dem höchsten Amte seines Landes auf diesem Gebiete gelangen ließ. Richt zum mindesten jedoch ge­bührt dem Parlamentarier Düringer, der in der schweren Kriegs- und Rachkriegszeit seine ganze reiche Persönlichkeit der politischen Be­tätigung gewidmet hat, der Dank des deutschen Volkes. Wir alle werden sein Andenken in hohen Ehren wahren.

Die Herabsetzung der Güter­tarife.

- (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 4. Sept. (Drahtmeldung.) Das Reichskabinett hat sich am Dienstag abend in einer längeren Sitzung mit der Herabsetzung der Gütertarife beschäftigt. Die Herabsetzung soll zu den vorgeschlagenen Sähen erfolgen, und zwar mit größter Beschleunigung. Die ein­zelnen Sätze werden bereits in den nächsten La­gen bekanntgegeben werden. Man hofft in den Kreisen der Reichsregierung, durch diese Maß­nahme eine baldige Belebung von Handel und Derkehr herbeizuführen und insbesondere der In­dustrie die Möglichkeit zu verschaffen, den in­ländischen Markt wieder zu erobern und ihre Preise der veränderten Wirtschaftslage an­zupassen.

Schwierige Lage in Marokko.

Gibraltar, 3. Sept, (Reuter.) Aus spani­scher Quelle verlautet, daß während der letzten 14 Tage 50 000 Mann nach MarvLo gesandt wor­den seien. Von den Höhen von Gibraltar aus sieht man an der afrikanischen Küste platzende Schrappnells. An dem Aufftand der Stämme der Andjerra unb Wvadjas, die bisher spanienfreund­lich gesinnt waren, ist kaum zu zweifeln. In Spa­nien herrscht einige Besorgnis wegen des heran­nahenden Jahrestages der Errichtung der Regie­rung Primo de Riveras: man befürchtet für diesen Tag Versuche, das Direktorium zu stür­zen: es werden aber Gegenmaßnahmen getroffen, um solche Pläne zu vereiteln: zu diesem Zweck sott auch eine Kundgebung der Anhänger des Direktoriums veranstaltet werden. Aus Tanger eingetroffene Berichte besagen, daß die Anhänger Raisulis sich Ab-del-Krim angeschlossen hätten. Rach einer Havasmeldung aus Madrid ist Gene­ral Grund, der den Befehl in der Gegend von Tetuan führte, zur Dispositio n gestellt worden. Er wird durch den General de Q[am erseht.

Der Bürgerkrieg in China.

London, 3. Sept. Wie aus Schanghai ge­kabelt wird, sind nunmehr die Truppen der bei­den rivalisierenden Militärgouverneure der Pro­vinzen Ki angsu und Ehekiang 20 englische Meilen nordwestlich Schanghai an der Bahnlinie SchanghaiRanking miteinander in Berührung gekommen und haben bereits die Feindselig­keiten eröffnet. Ganz China befürchtet, daß sich aus diesen Feindseligkeiten ein allgemei­ner Bürgerkrieg entwickeln wird, sobald der Generalgouverneur der Mandschurei, Marschall Chang-tso-lin, seine Truppen in Marsch setzen wird, um dem Gouverneur von Ehekiang zu Hilfe zu kommen.

Zum Schuh der europäischen Kolonie sind alle Vorsichtsmaßregeln getroffen.

Im Hafen von Schanghai befinden sich sechs Kreu­zer, vier Kanonenboote unb neun Zerstörer der englischen, amerikanischen, französischen und japa­nischen Flotte.

Das französische PanzerschiffJulien Rene" hat bereits eine Abteilung Marinefüsiliere aus­geschifft. Außerdem halten sich 1500 Freiwillige für alle Eventualitäten bereit. Aus Tokio ist fer­ner der KreuzerTatsuta" mit Landungstruppen auf dem Wege nach Schanghai.

Aufstand in Georgien.

Genf, 3. Sept. (WTB) Der hiesige Dele­gierte der früheren nationalen Regierung von Georgien hat der Pveffe mitgeteilt, daß seit fünf Tagen Georgien unb Asserbeidschan sich im Aufstanbe befinben. Die Hälfte des georgi­schen Gebietes sei von den Aufftänbischen bereits erobert. Die blutigen Kämpfe bauerten weiter an. In Bakum sei es zu einem Straßenkampfe gekommen. Die Telegraphen- und Eisenbahnlinien seien unterbrochen.

Kleine politische Nachrichten.

Rach einer Havasmeldung aus Ranch hat das dortige Kriegsgericht den Heidelberger Uni- verfttätsprosessor Dr. Vu lpius in contumaciam zu 20 Jahren Zuchthaus und 20 Jahren Auf en t ha ltsve rbot verurteilt, weil er angeblich während des Krieges als Arzt fvanzösischeii Der- teun beten Uhren und Brieftaschen stahl bzw. die Ausplünderung französischer Verwundeter durch seine Leute duldete.Der alte Geist lebt noch."

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Der Verbandstag der Deutschen Buchdrucker hat gegen eine Stimme eine

Entlchneyung angenommen, in Der Ote geteert» schaftsHerstörenden Bestrebungen der Kommu­nistischen Parker denen alle Funktionäre den größten Widerstand entgegensetzen sollen, aufs schärfste verurteill werden.

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Die bereinigten vaterländifchen Verbände haben für Sonntag eine Sitzung ihres erweiterten Präsidiums nach Berlin ein­berufen. um sich mit der durch die Annahme des Londoner Paktes geschaffenen innen- und außenpolitischen Lage zu beschäftigen.

Der König von Spanien hak dem tschecho­slowakischen Präsidenten Masarhk und dem Minister des Aeußern Denes ch das Großkreiz des Ordens Karls III. verliehen.

' Aus aller Welt.

Der Weg zur deutsche» Einheits­kurzschrift.

Auf Veranlassung des Reichsministers des Innern, der seine Bemühungen zur Schaffung einer neuen deutschen Einheitskurzschrift nicht auf­gegeben hat, befaßte sich das preußische Staatsministerium erneut mit dieser Ma­terie und hat beschlossen, dem Entwurf vom Mo­nat Juli 1920, dem damals das Reich unb alle Länder außer Preußen zugestimmt haben, nun­mehr seine Zustimmung zu erteilen. Das ge­schieht unter der Voraussetzung, bah auch alle an­deren Länder bei ihrer, Zustimmung bleiben und daß ferner spätestens bis zum 20. September dieser Entwurf als eine' in allen Ländern anerkannte Einheitkurzschrift in Kraft tritt.

Das gerichtliche Nachspiel zur Jüterboger Minenexplosiou.

Im beschleunigten Gerichtsverfahren wurden vor dem Amtsgericht Jüterbog gegen die an der Minenexplosion im Lager bei Jüterbog schuldigen Unteroffiziere Krause und Winkel verhandelt. Entgegen dem Befehl des Kompagnieführers hatte Krause dem Winkel eine Mine gegeben, die dieser ineinemGeschäfts- wagen versteckte. Eine andere Mine steckte Krause einem Rekruten in den Tor- n i st e r. Abends legten die Angellagten die Ge­schosse unter ihr Bett. Als die Rekruten die Mine fanden, erfolgte die Explosion, die zwei Mann tötete und eine Anzahl verletzte. Krause wurde wegen Ungehorsams in Tateinheit mit unvorsich­tiger Behandlung von Munition, wodurch der Tod zweier Menschen herbeigeführt wurde, zu einem Jahr Gefängnis, Degradation und Dienst­entlassung verurteilt. Winkel, ein tüchtiger Unter­offizier, erhielt wegen Ungehorsam 14TageMittel- arrest.

Ein Familiendrama.

Rach einem Bericht desDerl. Lokalanz." aus München hat sich dort in der vergangenen Rächt ein Familiendrama abgespielt. Gegen 2 Uhr nachts horten Hausbewohner plötzlich Schüsse fallen. Am Morgen fand man in der Wohnung des Polstermöbelgeschäftsinhabers Vogt diesen unb seine zehnjährige Tochter mit Kopfschußverlehungen bewußtlos auf. 3n einer anschließenden Kammer lag der elfjährige Sohn auf dem Diwan, ebenfalls mit einem Kopfschuß. Tie Ehefrau kniete tot vor dem Knaben mit dem Revolver in der Hand, während der sechzehn­jährige Sohn neben der Mutter lag;, auch er hatte einen Revolver in der Hand. Man nimmt an, daß die Frau, die sich wegen-Famiften- streitigkeiten scheiben lassen wollte, auf ihren schlafenden Ehemann geschossen hat, während der ältere Sohn mit ihrem Einverständnis die Mutter, die Geschwister und sich selbst tötete oder hatte töten wollen. Der schwerverletzte Mann starb im Krankenhaus, während das Mädchen noch in Lebensgefahr schwebt.

Hochwasser Im Ruhrgebiet.

Essen. 3. Sept. Die Ruhr ist an vielen Stellen über die User getreten und hat weite Flächen überschwemmt. Mehrere Bauern­gehöfte bei Ueberruhr sind bereits von den Wassermengen umspült. Die Kartoffel- und Ge­treideernte ist gefährdet.

Beraubung eines Güterzuges.

Hagen, 3. Sept. (WTB.) Zwischen Run- n e n o h l und Dahlernbrück ist der letzte Wagen des von Baden kommenden Güterzuges beraubt worden. Der Wagen enthielt Pa­ke t p o st. Die Räuber warfen einen ansehnlichen Teil der Pakete heraus: die Täter find mit der Deute unerkannt entkommen.

Ein Neubaueinsturz in London.

In dem Londoner Stadtteil Westminster brach ein im Dau befindliches Gebäude zusammen und begrub 13 Arbeiter unter seinen Trümmern. Acht von ihnen wurden schwer, die übrigen leicht verletzt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. Sept. 1924.

Herbftesahnen.

Wenn sich die Sonne anschickt, Abschied von uns zu nehmen, steigt in der Welt das große Ahnen des HerbOrs herauf, des Meisters der melancholischen Farben, des Reisers der Früchte, des Vorboten des Winters. Langsam, kaum merk­lich. färben sich die Dlätter der Kastanien, Buchen und Eichen gelb und braun; von den Obstbäumen wirft der Sturm die halbreifen Früchte ins ra­schelnde Gras: Pilzsucher durchstreifen mit Kör­ben und Deuteln die Wälder in der Umgebung der Städte. Eine der ersten Pflanzen, die den Beginn des Herbstes ahnen lassen, ist das Farren- traut. Schwärzlich-braun schmückt es schon jetzt die Waldwege, schaut traurig und müde zwischen Felsen und Steinen hervor unb zittert fröstelnd, wenn ein leiser Luftzug über die Erde streicht. Herbstesahnen künden uns die Schwalben, die uns verlassen wollen.Maria" Geburt (8. Sep­tember) sind Schwalben und Gewitter furt sagt eine alte Bauernregel. Seltener ist das Gezwit­scher der Schwalbe geworden, seltener sieht man sie jetzt spätnachmittags eilig durch die Lüfte schwirren. In geschützten Winkeln sitzen sie bei­sammen, Rat haltend über die bevorstehende Reise.

Detlev von Liliencrvn, der Sänger des Le­bens, hat uns in vielen herrlichen Gedichten die Stimmungen des Herbstesahnen vermittelt. Er singt vonBlumen, die den Tod erwarten durch des Frostes Henkersbell", läßt seine Verse er­zählen von der Heide, die längst brauner dunkelt, unb von ben Blättern, die durch die Luft zittern. Pftrsich an der Gartenmauer, Kranich auf der Winterflucht; Herbstes Freuden. Herbstes Trauer,

welke Rosen, reife Frucht", so malt er uns das Herbstesahnen. Das Schlafengehen der Ratur im Herbst erfüllt ihn ganz mit seiner stillen, tiefen Wehmut, lenkt seine empsindsame Seele von der sterbenden Dlumenpracht hinweg auf das menschliche Leben, das wie jenes der Blüten und Blumen feinen Sommer und Herbst hat.

Schon nascht der Star die erste Vogelbeere, Zum Crnt^ranze juchheien die Geigen.

Und warte nur, bald! nimmt der Herbst die Schenck -Und schneidet sich die Blätter von den Zweigen. Dami ängstet in den Wäldern eine Leere: Durch kahle Aeste wird ein Fluß sich zeigen. Der schläfrig an mein Ufer trieb die Fähre« Die mich hinüberhvlt ins kahle Schweigen." -

So singt der Meister Liliencron in seinem GedichtAcherontisches Frösteln" den Menschen, die, wie er, die ewige Gleichheit des irdischen Menschendaseins mit dem Werden und Gehen in der Ratur fanden.

Wenn sich draußen in den Wäldern die Bäume herbstlich färben, zieht auch in die Seelen ber Menschen ein Ahnen des Herbstes. Die frohen Lieder des Frühlings sind verstummt, verrauscht sind die lauten Freuden des Sommers. Stille Wehmut und Rachdenklichkeit ziehen in die Her­zen. Langsam geht das Geben, gud) in ihnen schlafen, sich auf den Winter vorbereitend, der bald, auch zu bald dem Herbste auf den Fersen ; folgt, bis bann ber Frühling aufs neue ins 2anb zieht mit warmen Lüsten, frischem, zartem ; ©rün unb erstem Blütenduft, bis das Geben draußen in der weiten Ratur übet Schlaf und Tod in fröhlichen Farben und herzlichem Singen und Klingen triumphiert. Dann weicht auch von unserer Seele die Stimmung der Wehmut. Tau­fend Harfen singen in ihr von ber Freube am Leben, von dem Geborgensein im ewigen Willen der Ratur zum Dasein zu neuem Geben, zum Sieg über ben Tod . . .

Herbstesahnen zieht durch die Welt. Laßt auch uns an ihm teilnehmen: denn es will uns lehren, daß Schlaf und Tod keinen Bestand haben, daß Geben und Freude starker sind als sie. Mögen Herbst und Winter kommen, mögen sie alle Blu­men- und Farbenpracht in der Ratur zerstören hoch über ihnen thront die Sonne am Himmel, die alle Frost es starre zersprengen wird wie ein Federspiel und die nach Stunde und Tag neues blühendes Geben in ber Ratur zeugen wird.

Herbstesahnen auch du bist ja nur ein Uebergang I

Wettervoraussage.

Zeitweise aufklärend, nördliche Winde, kühl, höchstens ganz geringe Riederschläge.

Heber den britischen Inseln und den Rord- meerländern hat sich hoher Druck festgesetzt, ber den atlantischen Depressionen das Vordringen nach dem Kontinent erschwert. Jedoch hat sich im Sü­den lagernder tiefer Druck nach Rorden hin er­weitert, unter dessen Einfluß unsere Wetterlage heute und morgen steht.

Bornotizen.

Tageskalende rfürDonnerstag. Hessische Dilderbühne: DergsportsilmDer Berg des Schicksals". Gichtspielhaus Dahnhofstrrße: Jackie Coogan. Rundfunkhaus Göbcrftra&el Italienischer Gesang und gesellige Musik.

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* * Die letzte Dekade der Lohnsteuer kann morgen noch fristgerecht gezahlt werden. Es besteht keine Schonfrist.

* * Viehmarkt in Gießen findet am 9. und 10. September statt. Räheres siehe An­zeigenteil.

RDV. Einführung des W i n t e r s ahr- planes. Die für den Winter vorgesehenen Abänderungen des Iahresfahrplanes werden nicht, wie bisher angenommen wurde, zum 1. Ok­tober, sondern erst zum 5. Oktober zur Durch­führung kommen. Es dürfte dies, wie früher, aus dem Grunde geschehen, weil Frankreich und Bel­gien an diesem Tage von der Sommerzeit zur regelmäßigen Zeit zurückkehren und zweimalige* Aenderungen im Fahrplan für die Grenzstationen am 1. unb 5. Oktober vermieben werben sotten. Die neuen Fahrpläne treten baher erst am 5. Ok­tober in Kraft unb auch bas neue Reichskursbuch wird erst von diesem Tage an Gültigkeit haben.

* * Die Deutsche Volkspartei Hes­sens hält ihren diesjährigen Landesparreitag am 11. unb 12. Oktober in Darmstadt ab.

** Die Taggebühren ber Bauschäher in Brandversicherungsangelegenhriten sind mit Wirkung vom 1. September 1924 ab bis auf weiteres auf den Betrag von 8 Goldmanck, wenn das Dienstgeschäft einen Zeitaufwand von minde­stens 8 Stunden erfordert, und auf den Betrag von 4 Goldmark bei einem geringeren Zeitauf­wand festgesetzt worden.

'* Umstellung des Aktienkapitals auf Goldmark. Wir empfehlen den Aktien­besitzern, das heutige Inserat der Gießener Dan­ken zu beachten, um die für die Umstellung bzw. Abstempelung vorgesehenen Fristen nicht zu ver­säumen, was Verluste mit sich bringen würde.

' Markusgemeinde. Am Dienstag abend hatten sich zahlreiche Männer aus der Ge­meinde im Gemeindehaus zusammengefunden, um über die Gründung eines Evangelischen Männer-Vereins der Markusge- m e i n d e zu beraten. Der von einer früheren Ver­sammlung vorgeschlagene provisorische Vdrstanb wurde einstimmig gewählt; somit gehören dem Vorstand an als Vorsitzender Schulrat Fischer und als weitere Mitglieder Buchdruckermeister Fischer, Kaufmann Horst, Bandagistmeister I u g h a r d, Prokurist M o o tz', Hutmachermei­ster Richter. Der Vorstand soll noch durch Zu­wahl ergänzt werden. In Vertretung des Vor­sitzenden Schulrat Fischer, der durch dienstliche Reise am Erscheinen verhindert war, sprach Kir­chenvorsteher Horst eingehend über Wesen und Aufgabe des Männer-Vereins, sowie über die Arbeitsgestaltung in den nächsten Monaten. In der anschließenden Aussprache wurde die Rotwen­digkeit eines Männer-Vereins anerkannt und den Ausführungen des Vortragenden zugestimmt. Ernster und freudiger Wille zu gemeinsamer kirchlicher Arbeit kam allgemein zum Ausdruck. Alle Anwesenden traten dem Verein bei, und der Wunsch, der mehrfach geäußert wurde, fei nun auch hier weitergegeben, daß immer mehr Män­ner unserer Markusgemeinde als Mitglieder sich anmelden und so der Markus-Männer-Verein mit der Zeit eine die ganze Gemeinde umfassende kirchliche Arbeitsgemeinschaft werde.

** Oef fentliche Bücher halle. Im August wurden 1452 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Giteratur 955, Zeitschrif­ten 82, Iugenbschriften 123, Literaturgeschichte 4, Gedichte und Dramen 13, Länder- und Völler«

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