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Mittwoch, Mi 1924

Ür«(f vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitüts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Ziehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: SchuMatze 7.

1

zu

leugnen?

Die Arbeiter in Oesterreich haben sich auch damit abgefunden, daß Seipel von Hause aus Monarchist war. Denn er hat durch seine staatsmännische Anpassungsfähigkeit bewiesen, daß er es nicht zum «Schaden der weiteren «Entwicklung der Dinge ist. Er ging vom letz­ten kaiserlichen Kabinett L a r m a s ch s, dessen Minister er war, ohne Scheu zur Republik Aber durchdrungen von der Ueberzeugung, daß ^nan'seinen politischen Zielen am besten dient, wenn man nicht zürnend und tatenlos abseits bleibt, sondern sich unter die neuen Manner gesellt. Vieles, was man innerlich ablehnt, kann dabei verhindert oder abgeschwächt wer­den. Prälat Seipel hatte ja schon drei Jahre lang vor seiner Kanzlerschaft die Zügel der Regierung heimlich in der Hand. Er lieh mit den Sozialdemokraten regieren, mit den Groh- deutschen und auch schon, ganz wie im alten Oesterreich, mit den Beamten. Der stolze Prie­ster, mit dem scharf geschnittenen, etwas asketi­schen Profil älter aussehend als seine 48 Jahre rechtfertigen, war stets der eifrigste Parlamen­tarier, hielt mit allen Fraktionen Fühlung und leitete die Beratungen seiner Partei, der Christlichsvzialen, die er wieder zur zahlen­stärksten im Parlament machte. Er lenkte mit leichtem Wink die jeweiligen Minister. Bier «Kabinette regierten sozusagen unter ihm, ehe er selbst ans Ruder ging. Sein Organ, die Reichspvst", hat verschiedentlich mit Stolz vermerkt, dah seit 300 Jahren, seit dem be­rühmten Kardinal K l e s e l, dem unter Kaiser Matthias allmächtig gewordenen Sohne eines Wiener Bäckers, kein Priester mehr in Oester­reich Kanzler war. Ganz unsichtbar oder doch nur wenig sichtbar segnete bisher die römische Kurie Seipels Glück. Sein geistlicher Be­ruf brachte ihm vollkommene Unabhängigkeit von den Sorgen, die sonst den Menschen be­drücken. Nichts zog ihn von der Erfüllung sei­ner Pflicht ab. Keinerlei Cinfluh, welcher Art immer, störte ihn in seiner rastlosen Arbeit. Sein ernstes Wesen verband sich im Laufe der politischen Arbeit mit großer Geschmeidigkeit. Die Kirche war ja immer eine ausgezeichnete Schule für die Diplomatie. Die drei bedeu­tendsten Staatsmänner, die z. B. Frankreich kannte, Richelieu, Mazarin und Tallehrand,

deut hielt eine vom Hans stehend an gehörte Rede, in der er namens des Haases den tiefen 2lbsch"u über das Verbrechen sowie dem aufrich­tigen, herzlichen Mitgefühl Ausdruck verlieh, wel­ches das ganze Volk ohne Unterschied des Stan­des o'.nd der Parteimeinung dem selbstlosen er- folgre rchen Staatsmann zuwende.

ONzekanzlerDr. Frank gab dann eme Darstellung des Anschlages, wobei er u. a. ftst- stellti^, dah greifbare Anhaltspunkte dafür, daß der Attentäter Jaworek Mitschuldige oder Mit­wisser gehabt habe, durch die bisherigen Erhebun­gen nicht gefunden werden konnten. Der Vize- kanzler erinnerte an die wichtigen, der Entschei­dung harrenden politischen Aufgaben, insbesondere an die Verhandlungen, die Anfang der nächsten Wrx he vor dem Völkerbundsrat in Genf beginnen werden und fügte hinzu, die Regierung, die in einer so wichtigen Etappe ihrer Politik ihrem Führer nicht entbehren könne, fei sich der Schwierigkeiten ihrer Aufgabe voll bewußi. Die Bundesregierung betrachte es nach wie vor als ihrre Pflicht, die bisherige Sanierungs- p o ^l i t i k f o r t z u s e h e n. Don dem eingeschlage- nen Weg dürfe nicht ein Schritt breit abgewickien werden. Dr. Frank richtete alsdann einen Apvell an glle Parteien des Parlaments zur Mitarbeit. Der Präsident schloß hierauf die Sitzung.

«Berlin, 4. Juni. (Durch Radio.) Amt­lich Der Reichspräsident hat denbis- herigen Reichskanzler Marx in die- em Amte, und auf Vorschlag des Reichs­kanzlers auch die bisherigen Reichs- Minister in ihren Aemtern neu bestä-

Ingenieur Rauch wegen Verrats von Mord» Plänen am 7. Januar ermordet worden. Weitere Mordpläne, auch gegen den würtem- bergischen Minister Volz, waren vorbereitet und sind durch die Verhaftung der Tscheka vereitelt worden. (Zurufe und Lärm.) Die Tscheka verfügt über Waffen, Dumdumgeschosse und Eholera- und Typhusbazilben. (Pfuirufe.) Die verhafteten Ab­geordneten P.feiffer, Schlecht und Lindau gehören der Zentrale an und sie müssen nach den Unter­suchungen dies Reichsanwalts von diesem Plan wissen.

Der Antrag, die verhafteten Kommt nisten m Freiheit zu setzen, sei abgelehnt wordc« obwohl vcn den Kommunisten bestritten wird, daß die drei Verhafteten etwas von den Plänen wüßten. Cs fehle nach Llnsicht der Kommunisten jeder Beweis dafür, daß sie oder die Zentral; von dem Plane Kenntnis gehabt hätten.

Abg. K o en en (Komm.) bezeichnet den Aus- schußantr-ag als einen Teil der Kommunistenhehe, ine jetzt üblich sei. Das Material des Reichs- anwalis sei in der Hauptsache Spihelmate- rral. (Widerspruch rechts.) Während der Rede des Abg. Koenen kommt es zu einem lebhaften ZwischenfaLls Präsident Wallraf fordert den kommunistischen Abg. Remmele auf, sich za sehen Ter Abg. Remmele schlägt erregt auf den Tisch and ruft: Llnethört! Das ist ja mein Platz! (Lärmende Zurufe kommen von rechts and lenks.)

Präsident Wallraf ruft den Abg. Rem» mele zur Ordnung mit der Begründung, Remmele 'habe wiederholt die Ordnung gestört. Dre Komwmnisten rufen dem Präsidenten zu: Sie 'haben die Ordnung gestört! Der Abg. Remmele schlägt wieder auf den Tisch und rast laut: Un­erhört! Der Präfident fordert Remmele darauf nochmals auf, fe inen Platz einzun eh men und verfügt dann schließliche unter allgemeinem Lärm den AusschlußdesAbg. Remmele und hebt inzwischen die Sitzung auf. Während der kurzen Panse rufen die Kommunisten Remmele za:

2tunaiime von für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm «Breite cr"ich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re« Klame-An?,eigen v 70n ni Breite 35 Goldpfennig, Plahvorschrist 20" Auf­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Will) Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein; für den Anzeigenteil . Hans Beck, sämtlich in Gießen.

suchungshaft. w .

Abg. Löbe (Soz.) erstattet den Ausschuh­bericht. Zu den Ausschußverhandlungen war auch Reichsanwalt Naumann aus Leipzig zugezo­gen der die Aufrechterhaltung der Unter- suchungshaft für notwendig erklärte, weil Flucht­verdacht dringender Tatverdacht und Verdunkelungsgefahr vorliege. Die drei Verhafteten seien Mitglieder der Zentrale der KPD. gewesen. Diese Zentrale habe aber feit dem Herbst 1923 nachweislich planmäßig den bewaffneten Aus stand vorbereitet. 3n großen Mengen seien Waffen beschafft worden. 3n Berlin habe man bei einem Kommu­nisten allein 1100 neue Pistolen und acht Zentner Munition beschlagnahmt. Sn Württemberg wur­den von den Kommunisten Handgranaten fabrik­mäßig hergestellt. (Gelächter bei den Kommu­nisten ) äleber 10 000 Handgranaten wurden dort beschlagnahmt. Ein Mitglied der K. P. D. trug die BezeichnungWumbo" (Waffen- und Munitions- beschaffungsorganisation). Die kommunistischen Or­ganisationen sind von der Zentrale militärisch organisiert worden.

Die Mitglieder wurden von der Zenttale be­auftragt, Zersetzung in die Reihen der Schupo und Reichswehr zu tragen.

3n mehreren Organisationen haben Reichswehr- angehörige Waffen und Munition auf Anstif­tung der KPD. gestohlen und an die Kommu­nisten verkauft. 3n Potsdam wurde ein Atten­tatsplan von einem Kommunisten verraten. Der Verräter wurde von einer kommunistischen Mordkommission erschossen. Die Täter haben gestanden, dah sie nach dem Schuh riefen: Du 2lasl Von der Zentrale sind Anweisungen aus­gegeben worden zurBildungvonSp ren g° und Entgleisungskolonnen, die Eifen­bahnzüge durch Sprengstoff vernichten oder zur Entgleisung bringen sollten. 3n einer beschlag­nahmten Anweisung wird gesagt, Attentate auf führende Kapitalisten seien durch­aus geboten. 3n Berlin find die Mitglieder einer Tschekagruppe verhaftet worden. Diese Tscheka hatte genaue Mordpläne aufgestellt, die teil­weise auch ausgeführt worden sind. (Hört, hört.) Die Ermordung des Generals v. Seeckt war vorbereitet, unterblieb aber, weil der Verrat des Planes befürchtet wurde. Ferner ist der

1 i g t. Die Mitglieder des Reichskabinetts tra­ten noch gestein abend zu einer Besprechung zusammen, die der Formulierung der Regierungserklärung galt. Die Blät­ter rechnen damit, daß die Regiert ng heute nachmittag 5 Ahr mit dieser Erklärung vor den Reichstag treten kann. An die vom Reichskanzler abgegebene Regierungserklä­rung werde sich eine Debatte anMiehen, in der die drei Regie rungsp ar leien en; gemeinsame kurze Erklärung abgeben dürften.

Wie auS parlamentarischen Kreisen ver­lautet, sind die Verhandlungen zur Schaf­fung eines großen Bürgerblocks schließlich fruchtlos geblieben, weil die Deutschnationalen es für untragbar er­klärten, wen« sie nicht nach ihrer Frak- tionsstärke bei der Besetzung der Mi­nisterposten berücksichtigt würden und wenn nicht zugleich Sicherungen für die ent­sprechende Umstellung der Koalition in Preußen gegeben würden. Schließlich ka­men die Demokraten und das Zentrum überein, daß ein weiteres Verhandeln mit den Deutschnatioualen als a u s s i ch t s l o s er­scheinen müsse. Die Fraktion der Deutschen D o l k s p a r t e i entschied sich ebenfalls in die­sem Sinne und entschloß sich, mit Rücksicht auf die durch die polittsche und wirtschaftliche Lage gebotene Dringlichkeit, die bisherige Koalition wieder mitzmnachen. Die Baye­rische DolkSpartei wird sich an der Re­gierungsbildung auf der Grundlage der klei­nen Koalition nicht beteiligen.

Eine Erklärung der Deutschnationalen.

Berlin, 4. Juni. (Durch Radio.) Sn einer in später Nachtstunde veröffentlichten Erklärung nimmt die deutschnationale Frattion zum Schei­tern der gestrigen Verhandlungen Stellung. Es wird darin betont, dah die Fraktion alles ver- sucht habe, um durch weitestes Entgegenkommen eine dem Wahlergebnis einigermaßen entspre­chende Umbildung der Regierungs­verhältnisse zu ermöglichen. Sie habe ein Kompromiß im Wege einer Einigung über den weiter einzuschlagenden Kurs gesucht. Selbst­verständlich sei dabei eine Aenderung des bisherigen Kabinetts nicht zu umgehen gewesen. Nach dem Scheitern der Bemühungen habe die Deutschnationale Volkspartei ihre volle Handlungsfreiheit wieder und sie sei ent­schlossen. von dieser Gebrauch zu machen.

Ein Warnungsrus!

Berlin, 3. Juni. (Wolff.) Der Oberpräft- dent der Rheinprovinz, Reichsminister a. D. Fuchs, richtete nachstehendes Telegramm an den Reichspräsidenten:

Millionen Deutsche können zur Zeit ange­sichts der furchtbaren Geldnot nicht leben und nicht sterben; lediglich die Hoffnung auf baldigste Lösung des Reparations­problems hält den gänzlichen Zusammenfall der Wirtschaft auf. Mit sehnsüchtigem Vertrauen erwartet die Bevölkerung des besetzten Gebietes das umgehende Zustandekommen einer Regierung, die auf der Grundlage des Pro-

fiugen die Soutane.

Seipel hat sich auch eine imposante in­ternationale Stellung zu erringen ge­wußt. Ein österreichischer Finanzmann, der vor kurzem aus Amerika gurückkehrte, berichtet uns, wie erstaunt er war, zu entdecken, dah al!4 maßgebenden Persönlichkeiten drüben, ob sie nun Bankiers, Industrielle oder Politiker waren, den Namen Seipel kannten und ihn mit der größten Achtung nannten.

Das Attentat gegen Bundeskanzler Dr. Seipel.

M.130

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tionen eintreten, die Genesung zu er­hoffen sei, doch sei die Krise noch nicht über­wunden. Bisher konnte eine R ö n t g e n u n t er­such u n g der Brust nicht vorgenommen werden, weil eine derartige Untersuchung mit einem Lage­wechsel verbunden wäre, der man letzt den Pa­tienten wegen der Gefahr und inneren Blutung nicht unterziehen will. Das Revolverpro­jektil befindet sich entweder im Lungengewebe oder, was wahrscheinlicher ist, an der Ru ck- feite des Brustkorbes entweder in dem Wirbelkörper oder in der Rippe. An eine Op e- ration ist vorläufig nicht zu denken. Eine ernste Komplikation bildet hauptsächlich der 1m- stand, daß der Bundeskanzler feit Jahren in mäßigem Grade zuckerkrank ist. Eine zweite gefahrvolle Komplikation ist die Blutanfamm- lung im rechten Brustfellraum, lieber das Be­finden Dr. Seipels wurde um 7i/2 Uhr folgendes Bulletin ausgegeben: Wundverhältniffe an­dauernd günstig, keine Zunahme des Blutergusses. Temperatur 37,1, Puls 100, Respiration 28, Nah­rungsaufnahme befriedigend. Der Patient ist nach gut verbrachter Nacht frisch.

Der Täter Jaworek wurde wieder einem Ver­hör unterzogen.

Nach den Blättern ist er hinterhältig und spielt Komödie. Wenn er sich in Widersprüche ver-

Seipel.

Seipel,dem die Arbeiter ihr Elend ver­danken!", so schrieb der Attentäter Jawv- rek in seinem letzten Brief. Nichts ist fal­scher und verwerflicher, als dieser Gedanken- gang eines Irregeleiteten. Bundeskanzler Dr. Seipel, der allerdings nicht als Schmeichler der Menge emporgekommen ist, der alle de­magogischen Künste vermied und tue scheute, die Wahrheit, und sei sie noch so unangenehm, zu sagen, hat sich durch ftme politische Führertätigkeit nicht nur beim Bur- aertum, sondern auch bei der Arbeitermasse eine unerhörte Popularität erworben. Der Prälat Ignaz Seipel, Pronotar des Pcchstes, Wiener Universitätsprvfessor der Moraltheo­logie, der überragende Kopf der katholischen Partei, wurde vor genau zwei Jahren, An­fang Juni 1922, als Nachfolger Schobers zum Bundeskanzler gewählt. Jede Bischofs­mütze wäre ihm leicht erreichbar gewesen. Er setzte aber seinen Ehrgeiz in die Rettung Oesterreichs. Es war zur Zeit der gefährlich­sten Katasttvphenatmosphäre, der Staats­karren von den Sozialisten vollständig ver­fahren. Seipel leitete die große Sanie­rungsaktion ein. Er hielt den Sturz der österreichischen Währung auf und bewahrte das Land vor dem endgültigen Zusammen­bruch. Welcher denkende Arbeiter könnte das

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Bei Wiedereröffnung der Sitzung er­klärt Präsident Wallraf: Sch sehe, daß der Abg. Rsinmele den Saal nicht verlassen hat. 3ch stelle fest, daß er sich wiederholt weigerte, den Anweisungen des Präsidenten zu folge», und daß dadurch sein Ausschluß von zwanzig Sitzungen eingetreten ist. 3ch bätte den Aeltestenausschuß, sofort zusam- mensutreten (Der Abg. Thälmann ruft: Und den unfähigen Präsidenten abzusetzenI) und hebe die heutige Sitzung auf.

Der Aeltestenrat des Reichstags ist sofort nach der Plenarsitzung zur Besprechung des Zwischenfalles in der Sitzung zusammengetce- ten. Die. kommunistischen Vertreter nahmen das Verhalten des Abg. Remmele in Schuh. Der Ael- testenauGschuß billigte aber das Verfahren des Präsideiicken Wallraf, besonders mit Rücfticht auf die grolxn Beschimpfungen, die dem Präsidenten aus den kommunistischen Reihen zugerufen wurden. Die nächste Sitzung wurde auf Mittwoch vormittag 11 Uhr festgesetzt.

Die Kampfpläne der Kommunisten.

Breslau, 3. Juni. (WB.) Hier wurde ein von aiustvärts gekommener militärischerLei- t e r de r K. P. D. für Schlesien ve r h a f t e t, der die militärische Organisation der Partei durchfüh­ren und den bewaffneten ilmstürz vor­bereiten, sollte. Sn seinem Geheimbureau wurde umfangreiches Material beschlagnahmt. Der Fest- genomimme lebte unter falschem Namen und mit falschem Papieren als Handelsagent. Es hat sich herausgestellt, dah er wegen Hochverrats vorn Oberreichsanwalt steckbrieflich ge­sucht wird. Ein zweiter kommunistischer- Führer der sich ebenfalls längere Zeit hier verborgen hielt, versuchte bei der Festnahme zu entfliehen. Sem Fluchtversuch wurde jedoch vereitelt.___________

wickelt was öfter geschieht, tauscht er Ohn­machtsanfälle vor, trotzdem die Aerzte ihn für vollkommen vernehmungsfähig erklärt haben. Neue positive Ergebnisse haben sich bisher nicht ergeben, doch erscheint sein Aufenthalt in Graz, wohin er am Samstag, nachdem et Geld bei der Bezirkskrankenkasse m Baden abgehoben hatte, gefahren war. verdäch­tig. Heber Mitschuldige oder Mitwisser des Anschlags hat Jaworek bisher nichts gestän­de n. 3n W i e n e r - N e u st a d t ist man bemüht, jenen Eisenbahner zu ermitteln, von dsn Jaworek seiner Angabe nach erfahren haben will, daß der Bundeskanzler zur Rückfahrt nach Wen den Plattensee-Expreß benutzen we de. Man nimmt an, dah Jaworek schon in Wiener-Neustadt das Attentat versuchen wollte, dah er aber dott die richtige Gelegenheit nicht gefunden hat und deshalb in dem Zuge, in dem der Bundeskanzler nach Wien reifte, mitfuhr.

Der Nationalrat

hielt heute mittag eine außerordentliche Sitzung ab die sich zu einer feierlichen eindrucksvollen Kundgebung der ganzen Volksvertretung gegen den auf den Bundeskanzler verübte^ Aiischlag ge­staltete Der Saal und die Galerie waren voll beseht. Der deutsche Gesandte Dr. P f e i f f e r be­fand sich in der Diplomatenloge. Der P r a s i -

Die Lösung der Regierungskrise.

5cheitern der Verhandlungen mit den Deutschnationalen. - Rückkehr 3ur Klemen Koalition - Das zweite Kabinett Marx.

grammes der Parteien der Mitte die bevor­stehenden, für Deutschlands Zukunft entscheidenden Verhandlungen führen soll.

Die Bevölkerung des Rheinlandes würde es unverständlich sinken, wenn parteipolitische Erwägungen die Lös ng der entsetzlichen Krise auch nur um einen weiteren Tag verschieben würden.

Zustände wie im Jahre 1923 würden die Rhein­lande nicht nochmal siegreich überwinden. Die Erbitterung ist um so größer, weil man auf der anderen Seite ein merkliches Einlenken sieht, das man nicht durch parteipolitische Hals­starrigkeit von Volksvertretern, die Rheinlands Bedeutung und Not offenbar nicht richtig wür­digen, zerschlagen wissen möchte.

Als Leiter der bedrängten Rheinprovinz mit sieben Millionen Menschen erhebe ich warnend und beschwörend in letzter Stunde meine Stimme. Wir haben bisher alle Leiden fürs Vaterland gerne ertragen, aber man soll mit unserer Liebe zum Vaterland keine Experi­mente machen."

gez.: Fuchs Oberpräsident der Rheinprovinz.

Der Ausfchlutz des ersten Kommunisten im Reichstag.

Berit n, 3 Juni. (Priv.-Tel.)Auf der Tages­ordnung steht der Antrag auf Aufhebung der gegen die kommunistischen Abgg. Pfeiffer, Schlecht und Lindau verhängten Unter-

Erstes Blatt (74- Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Wien, 3. Juni. (WTB.) Die Aerzte, Lenen jetzt auch der Vorstand der zweiten medi­zinischen Klinik Prof. Ofner zugezogen wor­den ist, gewannen auf Grund einer gestern spät abends erfolgten Untersuchung des Bundeskanz- "ws den Eindruck, dah. falls keine Komplika-

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