Die Konstituierung des bayerischen Landtags. München. 3. Juni. (WB.) Bei ftati besetztem .&auie und überfüllten Tribüne» hat der neugewählte bayrische Landtag seine erste Sitzung abgel-altem Die Plätze der Minister waren leer. Znm Präsidenten wurde der Präsident des früheren Landtags, Abg. Königbauer, mit 95 von 125 abgegebenen Stimmen wiederge- wählt. König bauer übernahm das Präsidium und erklärte, daß er Kundgebungen im Hause unter allen LImsländen unterdrücken werde.
Zum ersten Vizepräsidenten wird in der Stichwahl der völkische Abg. Dr. D ö r f - ler mit 48 Stimmen.gewählt; auf den früheren Vizepräsidenten, den sozialistischen Abg. Auer, entfielen 44 Stimmen. Als zweiter Vizepräsident wird auf Vorschlag des Völkischen Blocks der Abg. P r i eger (Deukschnat.) gewählt. Nachdem Präsident Königbauer das Rücklritts- schreiben der bayerischen Regierung bekanntge- geben hat, fordert Abg. Dr. Luttmann (Völk. Block) erneut Verhandlung des Antrags auf Entlassung des Abg. Atz ne r aus dec Schutzhaft in Landsberg. Der Redner wird von den Kommunisten mit lärmenden Zwischenrufen un.er- b rochen, als er fest stellte, daß Kommunisten, die sich schwerer Straftaten schuldig gemacht hätten, freigelassen worden seien. Weiter verlangte der völkische Redner die sofortige Verhandlung der Anträge auf Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen Dr. Roth, den Nürnberger Haupt- lehcer Streicher, sowie auf Freilassung aller im Hitlerprvzeh Verurteilten. Diese Aenderung der Tagesordnung findet im Hause nicht die vorgeschriebene Llntecstützung. Die Anträge gehen an den zuständigen Ausschuß.
Die neue württembergische Regierung.
Stuttgart, 3. Juni. (WTD.) 3m Landtag wurde der Führer der Dürgerpartei Bazille mit 44 von 77 Stimmen zum Staatspräsidenten gewählt. Der neue Staatspräsident Bazille übernahm das ülnterrichtsminr- fterium sowie das Arbeits- und das Ernährungs- Ministerium und gleichzeitig als Finanzminister den Abg. Dr. M e h l i n g e r von der Bürger- Partei, als Innenminister den bisherigen Innenminister Bolz (Zentrum) und als Iustizminister den bisherigen Iustizminister D e h e r l e. Staatspräsident Bazille gab eine Regierungserklärung ab, in der er sagte, die württenrbergifche Regierung betrachte es als ihre Pflicht sich dafür einzusetzen, daß das deutsche Volk das ihm bisher vorenlhaltene Selb st bestimmungsrecht erhält und dieSchuldfrageamKriege einem internationalen Gerichtshof anvertraut wird. Die Regierungserklärung betont ferner die Notwendigkeit der Erhaltung der Verfassung und Sicherheit des Lan.es gegen gewaltsame Abänderungsversuche. Der Kreditnot mühte abgeholfen und die Bestimmungen der 3. Steuernotverordnung müßten abgeändert werden. Gesetzgebung und Verwaltung seien zu vereinfachen. Die Regierung hofft, die Grundlagen unserer Kultur zu erhalten. Nur ein einiges Volk könne der Not der Zeit ohne gefährliche Erschütterungen widerstehen.
Deutsche Kommunisten vor dem französischen Kriegsgericht.
Mainz, 3. Juni. (Priv.-Tel.) Im Konzert- Haus Liedertafel begann heute vormittag vor dem Kriegsgericht am Hauptquartier der Rh.in- armee der große Prozeß gegen 57 Kommunion, die wegen antimilitaristischer Propaganda, verbotenen Waffenbesitz s. Verbreitung von antimilitärischen Flugblättern. Venut- zung falscher Ausweispapiere uw angcklagt ind. Die Angeklagten stammen meistens aus Mainz. Wiesbaden, Griesheim a. M, Köln und dem Ruhrgebiet. Zum großen Teil handelt es sich dabei um jugendliche Bergarbeiter. Verteidigt werden die Angeklagten vv^ fünf französischen ^und zwei deutschen Rechksauwältcn. Dor der JBcrlefung der Anklageschrift protestierten die -^Rechtsanwälte gegen die Zustärld gleit des Ge- ^richts. Dieses erklärte sich nach kurzer Beratung doch für zuständig. Hievauf verliehen sämtliche Anwälteunter Protest denSaal. Die Verhandlung Mußte infolgedrs en ausgesetzt und bis zwei ülhr nachmittags vertagt werden.
Der Kamps um Millerand.
Paris, 4. Juni. (Durch Radio.) Dir -Petit Parisien" stellt ziffernmäßig dar, wie die Kammer und der Senat sich zur Frage der De- mrssion Millerands stellen Danach stimmen für dir Demission: die Sozialisten, die sozialistischen Republikaner, die sozialistisch Radikalen und einige Mitglieder der radikalen Linken. T'O.s sind nach der ain Sonntag in der fraktionellen Besprechung festgestellten Gesamtheit 307 Abgeordnet r. Gr-
Die Santiger.
Roman von Hermann Stegemann.
19 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Es ist gut, Capo, oben ist alles in Ordnung," erwiderte Lorenz.
Pvmetta nickte dem Manne, seinem tüchtigsten Mineuy, verlegen zu und verbarg unwillkürlich den weihglitzernden Strauh.
Als er Ens die Blumen überreichte, war seine Befangenheit geschwunden. Er sah ihre Augen ousleuchten und den Schein eines Lächelns über ihr Gesicht ziehen. Eine Dlutwelle särbte die blassen Wangen und verlor sich unter dein durchsichtigen Tüll, der den Ansatz ihrer Brust verhüllte.
Die Tafel stand unter den Linden im Frauengärtlein, wo früher die Schlohfrau ihre Heilkräuter gezogen hatte. Es roch immer noch nach verwilderter römischer Kamille, Salbei und Thymian, und das Hunderiguldenkraut wucherte im Schatten des Mauerrings.
Das Essen verlief rasch und ein wenig lustlos.
Aumüller, der Obe: Ingenieur, sehnte sich nrch einem Glas Bier und nippte nur an dem herben Seewekn, der aus des Baumeisters Keller stammte, Lorenz war zerstreut und Pvonne hatte Mühe, das Gespräch zu fristen, denn Ens und Pvmetta warfen kaum ein Wort in die ülnterhaltung.
Erst gegen Ende, als Lorenz sich aufraffte unb eine Flasche Rhnnwein kreisen lieh, wurde die Gesellschaft lebhafter und fröhlicher. Daan gingen Lenz und Aumüller ins Haus, um sich zu ihren Karten zu sehen, während Pvmetta mit vcn Damen aus dem Kcautgärtlein in den Daum-
g e n die Demission stimmen die demokratische Linke die Linksrepublikaner und ine republikanische demokratische Union. Im ganzen etwa 180 Mgeordnete. Im Senat handelt es sich um vier Gruppen: die demokratische Linke mit 165 Mitgliedern, die republikanische Union mit 99, die republikanische Linke mit 32 und die Rechte mit 10 Senatoren. 6 Senators sind bei keiner Fraktion eingeschrieben, auch sind zwei Sitze vakant. Die stärkste Gruppe, die demokratische Linke, hat sich gestern mit 122 gegen 5 Stimmen dec Resolution des Kartells dec Linken angeschlossen. Dagegen hat die r e p u bl i k a n i s ch e Union, der Porncarä angehört, und die republikanische Linke einstimmig gegen eine Beeinträchtigung dec Dauer des Mandats gestimmt, das die Nationalversammlung dem Präsidenten der Republik erteilt "hat.
Es dürften also 122 Senatoren gegen Millerand stimmen und 123 für ihn.
Die „Liberte" glaubt, auf Grund von Mitteilungen von zuverlässiger Seite erklären zu können, daß Präsident M i l l e r a n d immer noch entschlossen sei, seinen Rücktritt zu verweigern, solange er nicht durch ein Mißtrauensvotum von Kammer und Senat moralisch dazu gezwungen werde. Den Freunden des Präsidenten scheine jedoch sicher zu sein, daß es in der Kammer sogar den Sozialisten schwer fallen werde, eine Mehrheit zugunsten einer Resolution, in der das Staatsoberhaupt abberufen und die eine Verletzung der republikanischen Verfassung bar» stellen würde, in einer öffentlichen Sitzung zu vereinigen. Die Abstimmung in der interfraktionellen Sitzung des Linksblocks am Sonntag hätte nach Ansicht der Parteigänger Millerands weit weniger Stimmen vereinigt, als behauptet werde. Was den Senat anbelange, der als Hüter der Verfassung gelten könne, so würde er den gleichen Gewährsleuten zufolge eine sichere Mehrheit bringen, wenn auch nicht für Millerand, so doch für die Treue zur Verfassung, was im vorliegenden Falle auf dasselbe hinaus- laufe. Die Gegner Millerands in der Kammer seien also noch nicht Herren des Elysees, wie sie zu glauben schienen.
Das künftige Kabinett Herriot.
Paris, 4. Juni. (Durch Radio.) Wie das „Journal" berichtet, ist in den Wandelgängen der Kammer gestern als mögliche Mi- nisterliste, falls Herriot die Bildung des Kabinetts übernehme, die folgende verbreitet worden:
Ministerpräsident und Aeußeres: Herriot. Justiz: Senator Dinccnt Martin.
Finanzen: Senator Paul Doumer. Inneres: Senator Ehactemps.
Krieg: General Mollet.
Marine: Abgeordneter M i l h a u d. Handel: Senator Elementes.
Oeffentlichr Arbeiten: der rechtsstehende Sozialist D r u n e t.
Arbeitsminister: Justin ©obart
Die „Ere noudelle" und die „Oevre" veröffentlichen bereits heftige Arttkel gegen Doumer und wenden sich dagegen, dah Dou- mer, der in einer wichtigen Periode als Finanzminister versagt habe, npn- mehr ein neues Portefeuille übergeben werden soll.
Ausstand in Albanien.
2t om, 3. Juni. (Priv.-Tel.) Malissoren haben am Sonntag unter Führung zweier Abgeordneter S k u t a r i angegriffen und nach erbittertem Kampf genommen. Die Regierungsbeamten sind nach Süd- slawien geflüchtet. Die albanische Regierung von Tirana hat den auf Tirana im Dorrnarfch begriffenen Aufständischen Truppen entgegengeschickt die aber nur 4000 Mann betragen sollen gegen 12 000 Rebellen.
Aus Valona werden ebenfalls blutige Kämpfe der Nationalisten gegen die Regierungspartei gemeldet. Infolge des Vormarlches der Rebellen auf die Hauptstadt hat die albanische Nationalversammlung die
Demission des Kabinetts
angenommen und Brioni mit der Bildung der neuen Regierung beauftragt, dem die 53 anwesenden Abgeordneten der 103 Mitglieder zählenden Nationalversammlung einstimmig ihr Vertrauen bekundeten. Brioni verpflichtete sich, mit den me i» ternben Truppen Frieden zr schließen und die Grenzfrage mit Südslawien rasch zu regeln.
3n Sühflawien macht sich angesichts dieser Meldungen über die Fortschritte dec aufständi
garten hinüberging, in dem uralte Obstbäume ihre dichten Krönen über die Mauern hoben und rotfceeriger Holunder dicht umherstand.
Der Blick fing sich in dem Schattendunkel des Gartens und die Sonne streute zitternde Kringeln auf die vxihen Frauenkleider.
Pvmetta war heiß und unruhig geworden. Auf einmal merkte er, daß er mit Ens allein war. Vvonne war nicht mehr da. Sie hatte sie allein gelassen. Er warf einen überraschten Blick auf Ens, um zu erkunden, ob sie Vvonnens Zurückbleiben bemerkt oder gewünscht hake, aber er konnte die Zeichen ihrer Züge nicht leien.
Ens lehnte am niedrigen, weit ausschvingen- den Stamm eines wilden Apfelbaumes, dec dicht mit kleinen, gelben Aepfeln behängt war, und schaute über die zufammengelegten Arme, das Kinn auf die gefalteten Hände gestützt, in die zerfließende Ferne. Dec Wind war eingefchlafen. Die Grillen zirpten, aas dem Tal klang das Stimmengewirr der Arbeiter. Zuweilen trug der Luftzug verlorene Musik oder den Schrei eines Automobils ans Eggstetten herüber.
Pvmetta stand dicht neben Agnes.
Sie fühlte seine Nähe. Sie wußte, dah erste suchte, gab sich gar nicht Rechenschaft darüber, dah man sie allein gelassen hatte, spürte aber, dah er unruhiger war als sie und horte seinen raschen Atem gehen. Ein Gefühl der llebcrlegen- heil war in ihr, aber ein seltsames Flimmern ihrer Hautnerven jagte ihr kleine Schauer über den Leib, die sie bisher noch nicht gekannt hatte. Llnwillkürlich löste sie die Verschlingung ihrer Finger. Sie lieh nur die Linke unter ihrem Kinn ruhen und legte die Rechte nelen sich auf die raube, kühle Rinde deS Baumes.
schen Bewegung in Albanien und der Ankündigung eines angeblich bevorstehenden Wechsels desRegierungssYstems inRumänien starke Beunruhigung geltend. Die vppvsitt mellen Führer Da v i do w i t s ch und K o r o s che tz richteten an den zur Zeit zum Sommeraufenthalt in Veldes weilenden König das telegraphische Ersuchen, das Parlament ehestens zu einer außerordentlichen Session einzubecusen, damit eine aus der Majorität gebildete Regierung die zur Sicherung der vitalen Interessen des Staates erforderliche Dlaßnahmen treffen könne.
Die Außenpolitik der Schweiz.
Bern 3. Juni. (Wolff.) 3m Nationalrat führte anläßlich der Erstattung des Geschäftsberichtes Bundeska nzler Motta aus, daß die Schaffung von Gesandtschaften in H o ll and und in den noidischen Staaten der während des Krieges erhobenen Forderung eines engeren Zusammenschlusses der Nationen entspräche und im 3nteresse aller Länder liege. Mll allen Ländern, ausgenommen Ru ßl and, unterhalte die Schweiz ausgezeichnete Beziehungen. Die einmütige Billigung der Haltung des Bundesrates in dec Frage der Genfer Zone sei sehr er-freulich. Der Redner hofft, daß in dieser Frage eine annehmbare Lösung gefunden weroen könne. Motta erklärte sich dann als Anhänger des Mits prechercechts des Volkes in auswärtigen Angelegenheiten. Der Zwischenfall an der italienisch-schweizer Grenze, der aufgeklärt fei, habe die Beziehungen zu Italien nicht beeinträchtigt.
Auf Grund der Londoner Verhandlungen sei die Schweiz berechtigt, Truppen des Völkerbundes den Durchzug durch die Schweiz zu verweigern, und wenn die Neutralität der Schweiz irgendwie berührt würde, müsse diese Ablehnung unbedingt erfolgen.
Dec Redner will diese Frage später eingehend erörtern. Auf eine Interpellation des f vzialistt- schen Abgeordneten Graber wegen der Gründung italienischer Fascistengcuppen m der Schweiz antwortet Motta, er müsse es ablehnen, über die inneren Verhältnisse Italiens und des Fasctsmus zu diskutieren. Die beiderseitigen Verhandlungen hätten den aufrichtigen Wunsch nach Aufrechterhaltung dec herzlichen Beziehungen ergeben. Solange die Fascistengruppen in der Schweiz sich nicht in andere Verhältnisse ein» mischten müsse man sie gewähren lassen. Die Erhaltung der 3talianitäi des Tessins liege ebensosehr im 3ntereffe der Schweiz wie in dem Italiens
Kleine politische Nachrichten.
Der neugewählte Reichstagspräsident Wallraf besuchte gestern den Reichspräsidenten, der außerdem das neue Präsidium des Reichstages, bestehend aus dem Präsidenten Wallraf und den Vizepräsidenten Dnttmann, Dell und Riesser, empfing.
Im sächsischen Haushaltsausschuh wurde die Errichtung einer sächsischen Gesandtschaft in München beschlossen.
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Das Oberste Landesgericht in München hat auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft die B e» Währungsfrist des wegen Beihilfe zum Hochverrat zu einer Festungshaft von 1 Jahr 3 Monaten verurteilten Leutnant a. D. Heines, des Führers der nationalsozialistischen Rohbachgruppe, aufgehoben. Heines wurde in Haft genommen und in Landsberg eingeliefert. Wie Die Korrespondenz Hoffmann zu der Angelegenheit von unterrichteter Stelle erfährt, hat die Staatsanwaltschaft gegen eine Reihe weiterer Urteile, in denen Bewährungsfrist gewährt wurde, Beschwerde eingelegt. In mehreren Fällen wurde diesen Beschwerden stattgegeben. In einer Anzahl anderer Fälle wurde die Beschwerde der Staatsanwaltschaft abgelehnt.
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In der Nacht vom Sonntag zum Montag wurde von unbekannten Tätern ein Drahtseil, das die 300 Meter langen Masten der Funken- station Königswusterhausen verbindet, durchschnitten. Die Kriminalpolizei ist mit der Ermittlung darüber beschäftigt, ob es sich nur um einen einfachen Metalldiebstahl oder um einen Sabotageversuch aus politischen Gründen handelt.
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Die Vereinigung Kyffhäuserverband der Vereine deutscher Studenten ist von dec Desatzungsbehörde a u s g e l ö st worden, da sie eine Gefahr für die Sicherheit der Desatzungstruppen und die öffentliche Ordnung darstelle.
So standen sie lange und wechselten kein Wort.
Giovanni sah die Hand vor sich fest um den Stamm greifen. Das Muskelspiel lief den nackten Arm heraus und verlor sich in der sanften Schwellung des Oberarmes unter dem Tüll. Aber er verfolgte es, bis es am Kleidausschnitt in der stärkeren Aundung der Drust wieder sichtbar wurde. Er wollte sprechen, doch die Worte verloren Sinn und Zvxck, ehe sie über seine Lippen traten. Sv blieb er aus heftiger innerer Erregung stumm.
Auch Agnes schwieg. Aber- eine große Erwartung lief durch ihr Blut und lieh ihre Gedanken nicht mehr zur Ruhe kommen. Lind doch sagte sie sich immer wieder: Jetzt ist et bei mir, jetzt vergißt er alles über mir, jetzt fjab’ ich Gewalt über ihn, jetzt gehört er mir.
ilnb dann in wachsender', leidenschaftlich schwellender Erwartung die lauernde Frage: Wann beginnt er zu sprechen? Was wird er mir sagen? .Aber zugleich mit diesem grausamen Warten und Lauem lebte Gegensätzliches in ihr, weiches, hingehendes Verlangen, das sein erstes Liebeswört im voraus kostete und sich nach dem Aufgehen in der ersten .Umarmung sehnte.
2hc Gesicht war starr und blaß, eine Falte stand zwischen ihren Brauen, ein leidenschaftlicher Zug vertiefte die Winkel ihres Mundes.
Da neigte Giovanni Pvmetta sich plötzlich langsam, wie von fremder Gewalt vornüberge- buckt, auf die Hand, die vor ihm auf dem Baum- ftainm lag, und druckte die Lippen auf ihre kühle, flimmernde Haut. Cs war kein Kuß, war ein Daran haften mit geschlossenem Mund. Liebe, De- mut, Keckheit und knabenhafte Scheu tagen in biefer stummen, zärtlichen Gebärde verstrickt.
Aus Stabt unö Land.
Gießen, den 4. Juni 1924.
I/.II. VvnderLandes-Universi- tat Gießen. Der Oberarzt unserer Universitäts-Frauenklinik, Professor Dr. WilliSie- g e I, hat einen Ruf als Direktor der neuernd)* teten Hebammen-Lehranstalt und LandeS- Frauenklinik der Provinz Ostpreußen zu Insterburg erhalten und angenommen.
** Mißliche Zustände am Geldern» zahlungsschalter des Stadlpostamts werden in Zuschriften an uns aus den verschiedensten Dücgeckreisen gerügt. Die Beschwerden richten sich gegen die Art, wie an diesem Schalter nachmittags dec Dienst eingeteilt ist. Wer in vorgerückter Nachmittagsstunde eine Geldeinzahlung vornehmen will, kann sich da auf eine Wartezeit gefaßt machen, die oft mit einer halbem Stunde kurz bemessen ist, meist aber erheblich länger dauert. Dieser Uebelstand wird allgemein darauf zurückgeführt, daß von den drei Schaltern nur einer geöffnet ist, auch in der Hauptverkehrszeit. wo die Geschäftswelt ihre Einzahlungen erledigt und natürlich auch manche Privateinzahlungen vorgenommen werden sollen. Die Beschwerdeführer meinen, der Stein des Anstoßes könne doch glatt beseitigt werden wenn die Postverwaltung wenigstens in der Zeit des Haupt- andcangs alle drei Schalter, zum mindesten aber zwei öffnen würde. Wir finden dieses Verlangen nicht unbescheiden und meinen mit den Einsendern, daß es ohne besondere SchwieciglLjten erfüllt werden könnte, denn für den Geschäftsmann wie auch für jeden anderen Mitbürger gilt heute mehr denn je das Wort, daß Zeit Geld ist.
•* Völligen Geschäftsschluh am Pfingst sarnstag kündigen die hiesigen Geldinstitute im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes an.
< Von der Strecke Burg-Nieder» ® emün be n—Alsseld. Der Güterzug 8909 hat von Durg-Nieder°Gemünden bis Alsfeld Personenbeförderung erhalten; Burg-Nieder-Gemünden ab 6,25 älhr nachm., Alsfeld an 7,44 Llhr.
** Der Goldregen blüht! Man warne die Kinder, die gern die giftigen gelben Blüten in den Mund nehmen!
fpd. Ein böser Präge fehler. Del der Prägung der neuen Dreimarkstücke in der toürt- tembergischen Münzwerkstätte hat sich ein außerordentlich peinlicher Prägefehler herausgestellt. Bei den rings um den Rand sich hinziehenden Worten „Einigkeit und Recht und Freiheit" hat sich das erste „und" etwas verschoben. So kommt es, daß man auf einem Teil des neuen Geldes die Worte zu lesen bekommt: „Einigkeit älnrecht und Freiheit", oder, wenn die überdruckten Münzstellen ganz unleserlich sind: „Einigkeit unecht und Freiheit". Da die Werkstätten den Fehler nicht bemerkten, sind diese Stücke, die die Münzsammler naturgemäß ganz besonders interessieren, bereits zur Ausgabe gelangt In Frankfurt tauchte vor allem das Dreimarkstück mit der letzteren Inschrift auf. Sammler boten für das Stück bereits 100 Goldmark.
** 3m Kunstwissenschaftlichen Institut der Universität wird diesen/ Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 4 biss 7 älhr die Ausstellung zur EntwicklungS-»! geschichte der Lithographie gezeigt. Es handelt sich um eine kleine Anzahl ausgewählter Stücke, die in erster Linie Lehrzwecken dienen, aber darüber hinaus auch dem Kunstfreund und Sammler Anregung bieten. Die Blätter toerben durch Führungen erläutert. (Siehe Anzeigenteil.)
** Dec Ober hessische Kun st verein hält, tote bereits angezeigt, Freitag, 6. Juni, nachm. 6 Uhr, feine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung im Stadthause, Zimmer Nc. 6, ab. Die derzeitige Ausstellung graphischer Werke der Karlsruher Künstlerschaft bleibt noch während der beiden Psingstfeiertage geöffnet. Hiernach findet wieder ein Wechsel statt, bezüglich dessen weitere Bekanntmachung erfolgt.
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— Ta g eskalender für Mittwoch Wartburg-Verein: 8 älhr im Iohannessaal Konzertabend. — Kath. Pfarrkirche: 8 älhr Vortrag des Iesuitenpaters Erich Przywara über „Der Gei stdes Katholizismus". — D. H. V.: 8^/2 älhr im Kaufm. Vereinshaus Monatsversammlung.— (Siebener Schwimmverein: 8V2 älhr bei Boller Monatsversammlung. — Rundfunkhaus: 4 bis 6 älhc älnterhaltungsmusik, IV2 älhr Vortrag, 8V2 älhr Trio-Abend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Zwei Menschen."
Landkreis Gicfren.
w. L i ch, 3. Juni. Samstag konzertierten In der hiesigen Kirche vier Hanauer Künstler. Die
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Ein rasender Schauer stob unter der Berührung seiner Lippen den nackten Ann hinauf und überflutete ihren ganzen Leib, aber sie rührte kein Glied, starrte mit schwarzgewordenen, erweiterten Augen in die Ferne und fühlte, dah ihr alle Gedanken entglitten. Seine Hände umfaßten vorsichtig tastend den Ast, auf dem die Mädchenhand lastete. So stand er, ohne die Lippen von ihrem Ruheort zu lösen.
Da stieß Ens einen leisen Seufzer aus und hob den Kopf. Ein zärtliches Licht trat in ihre Augen. Sie wandte sich halb nach ihm um, blickte versonnen, mit einem undeutbaren Lächeln auf ihn nieder, lieh die Rechte unter seinen heißer werdenden Lippen ruhen und strich ihm mit der Linken vorsichtig über das dichte Haar.
Gleich darauf fühlte er, daß ihre Glieder sich strafften. Ec reckte sich, wollte sprechen, wollte sie umfangen, spürte, daß ihm jetzt die Worte, der Witte und dec Mut gehorchten und daß der Wunsch, sie zu besitzen, zum rüch'ichtslofen Begehren wurde, aber da war's zu spät. Sie hatte sich zurückgeworfen, sammelte die Glieder zur Abwehr und schritt, lief hastig an ihm vorbei dem S-chloh zu. Er atmete noch den Dust ihres Haares und den Wohlgeruch, der in ihren Kleidern nistete, als ihre Gestalt, von tausend Sonnenfringeln überspcüht, längst am Ausgang des Baumgartens verschwunden war.
Dieser stummen Erllärung folgte keine Aussprache.
Pometta wich Bantigers vorsichtigen Fragen aus und stürzte sich Äpfüber in die Arbeit, Ens begegnete Vvonnens neckenden Anspielun en mit beherrschtem Gesicht, und zog sich ganz 'in sich zurück. (Fortsetzruig fol-u/


