Vie Bantiger.
Lomcm tron <$frerrnum n 6tegenionn.
18 Fortsetzung. (Aachdruck verboten.)
Wort hab' ich ihr gegenüber über die Lrppen gebracht I Dor beim Baumeister Homme ich gar nicht dazu, an so etwas zu denken, aber bei ihr denk ich fett Monaten daran und kann es nickt. Es ist zum Tollwerden, sag' ich Ihnen, und ich komme mir vor, wie der schüchterne Liebhaber tu der Komödie, aber Ihnen, Lorenzo, mach' ich jetzt hier, mitten aus dem Weg, das Geständnis, daß ich Ihre Schwester liebe, verehre, anbete, ja anbete. Lächeln Sie nicht über den Tessiner, den Südländer! Geben Sie mir lieber Ihre Schwester zur Frau!"
Gr kochte, und dabei standen zwei gläserne Tropfen in seinen Augen.
„Aber, Pvmetta, Sie sind ja aus Ttanb und Band!" schalt Lenz.
Da umfaßte ihn Giovanni.
»Dein, carissimv, nur so furchtbar glücklich!" Lorenz machte sich sanft los und hielt seine Hände fest.
»Das müssen Sie mit Agnes ausmachen. Meinen Baler haben Sie ja schon eingefangen."
Gr sagte es mit großem Ernst und blickte Pvmetta wd> ernster, beinahe drohend an.
„Ba bene," murmelte Giovanni unwillkürlich in der Sprache seines Landes und wandte die Augen ab, als ob er sich schämte. Aber er drückte dabei Dantigers Hände mit seinen nervigen Fingern so stark, daß Lorenz sich mit einem Ausruf des Schmerzes freimachte.
Darm gingen sie stumm Wetter.
Sie erstiegen die PÜWVYe arti»'trögen ttr Den Pfad ein, der an der Scmnhalde der Querfurche nach Wolfenziel hinunterführte. Das Alpgras duftete, und die Wacholderbüsche standen- schwarz und starr wie Gnomen an der Halde zerstreut. Don der Fluh gestürztes Geröll bedeckte weithin die Senke die sich bis Wolfei^fel neigte und dort von klotzig aufstrebendem Hartgestein aafgefangen wurde. Wvlfenziel lag eingeklemmt und nur nach Süden in die Breite wachsend, zwischen der Geröll- senke und dem Riesenfels der Hvchfluh
„Es sieht doch wie Moränenschutt aus," sagte Bantiger und deutete auf einen Geschiebewulst, der sich quer über die Senke gelegt hatte und nur in der Mitte vom Wasser zernagt und ausgeschlossen toorben war. Pometta antwortete nicht. Er wäre am liebsten umgekehrt, aber Bantiger bestand darauf, bis zum Schnittpunkt der Senke und der Trümmer vorzudriirgen.
Hinter dem Geröllwall begann das Eibenmoos. Es lag zwischen der ersten Moräne und dem zweiten, achtzehn Meter tiefer gelagerten Geschiebe gebettet Der Wind strich über die weist büscheligen Wollblumen, die zu Tausenden aus der bräunlichen Grasnarbe aufgeschossen waren, und fetzte sie in flutende Bewegung. Wie silbernes Welleuspiel lief's über kxrs gvauflim- mernde Moor. Ein Dreieck wilder Enten lam pfeilgerade über den Wvlsenbevg geflogen und stürzte sich in das Dickicht gelbäftiger Weiden, die vom Wind geschüttelt, tief nach Osten gebückt, dickköpfig und krummbeinig mitten im Moor standen.
Lenz traf auf die Spuren seiner Arbeit Die Gräben waren sauber abgestochen, der Dorf lag aufgerüstet zu beiden Seiten, und in der Tiefe
HcyWe gcWwcllM ^chtmmerudeS <ZDaffer Kmgpim talwärts. Faschmenwälle fingen die einzelnen Gräben zu einem Becken ein, in dem sich das Wasser sammelte, um iw der groben, flachen Be- tlmschale über txte Scheitelhöhe des Tunnels zur zweiten Geröllfwfe zu ziehen und sich dort im Steingewirr in weihe Fäden aufzulösen und am Fiche der Hvchfluh zu versickern.
Soweit das Auge reichte, spann das Mdos seine Stille. Wäre nicht der Wind gewesen, der in den Weiden wühlte und im Eibenwild hoch über dem Abbruch der alten Gletscherschrunds brauste, so hätte fein forrrt die Einsamkeit gestört
Bantiger und Pvmetta standen auf dem Rost des Detvnschachtes, der über dem Schnittpunkt der Senke und des Tunnels angebracht worden war, und spähten hinab.
„Das Wasser flietzt ab,“ sagte Pvmetta, „man sieht die Luftblasen des Woorwassers deutlich vorüberziehen."
„Fünf Meter tief liegt die Betonfohle und darunter die Isolierschicht — es sollte genügen", erwiderte Lorenz und lichtete sich langsam wieder auf.
„3n acht Tagen sind wir darunter durch und stvtzen die Slmmenmg so rasch als möglich nach," versetzte Pvmetta, wähamü» er vom Rost herabsprang.
„Was tun Sie denn ba? "fragte Lenz erstaunt.
Der $etfiner war ins Moor hinausgegangen und ritz die silbernen Wvllblüten büschelweise ab.
„Für Fräulein Agnes," antwortete Giovanni mit befangenem Lächän.
Da lachte Lorenz Bantiger, denn er wusste, daß Pometta sich sonst ferner Blume zuliebe buckle.
„SS wird tixr Freude-*machen, aber üchgürUt^S dem Dater sind Ihve Sprengschüsse und Bcch-^ rangen lieber. Sind Sie im Frühling hindurch so können Sie vielleicht die Tochter be£ Bars- meisters -als Preis fordern, wie es im Märchen so oft geschieht."
„Rein, nein, Lorenzo, solange kann ichmicht warten," schrie der Tessiner, während er sich an den Weidenzweigen emporzvg.
Sie gingen den Weg zurück, den sie gekommen waren, und stiegen auf dem Richtweg, die spitzen, steilen Kehren der Straste schneidend, gen Egg hinunter.
„Es ist über die Mittagszeit. Hoffentlich chat man nicht auf uns gewartet," sagte Lenz und begann rasch die Rampe hinaufzusteigen.
„Hoffentlich doch!" erwiderte Pvmetta. „2Lb* müHer und ich sind ja zu Tisch geladen."
„Sv, davon wußte ich nichts, als) werde- ich wohl Aumüller nachher festnageln müssen, damit Sie Gelegenheit finden, sich meiner Schwester zu erklären."
„Ja. nein, ich weißmrchrt," entgegnete©troxmat
Gr war kleinlaut geworden und bemühte sich vergebens, seinen Blumenstrauß mit lässigem Ästi- stand zu tragen. Die italienischen Arbeiter, die auf der Mauer der Schlohrampe saßen und sich die Sonne auf den Rücken scheinen sieben, waren ihm im Wege. Sie grüßten. Gin Dvrarbeiter sprang auf, kam auf die Herren zu und sagte ihnen, daß der Monteur der großen Gefrier- maschäne eingetrvffen fei, die morgen, ausgestellt werden fvllte, um das nasse, lose Gesctzfebe zu härten, bannt die Bohrungen fortgesetzt werden kannten.
________________(Fortsetzung folgt)
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