Dienstag, 4- März $24
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhefsen)
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Für die Frau
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ilnb die Interessen Serb iens an Fiume? Damit berührt man einen der Heilelsten Punkte dec serbischen Politil Auch in Serbiens Interesse liegt es, wenn Fiume ein bedeutungslose Stadt bleibt. Daher auch die sinnwidrige Teilung des Hafens. Wer Daros nicht hat, dem fehlt der Li^tgste Teil, und ohne Lea S.a Ölhafen wiederum ist Baros wertlos. Jugoslawien hat durch die Ausdehnung seiner Grenzen die Dalmatiner in seinen Staat ausgenommen. Sie sind der intelligenteste Stamm der Südslawen und dank des österreichischen Regime Selbständigkeit gewöhnt wie auch ihren Stammesbrüdern an Kultur überlegen. Die Belgrader Regierung nimmt nun mit Recht an, daß im Falle der Einverleibung Fiumes in den serbischen Staat und seine Belebung als Hasen sie den Freiheits- und Llnabhängigteitsge- lüsten d.r Dalmatiner größten Vorschub leistet. Die Dalmatiner und Fortschrittler in der Skuptschina drängen ihrerseits aus das offene Meer und in dieser Zustimmung liegen auch zum Teil btc Kabinettskrisen begründet, die auf einen Sturz des alten P a s i t s ch hinzielen, der nicht groh-serbisch, sondern binnenländisch wenn ich mich so ausdrücken darf, orientiert ist. Sollte die neue Situation dennoch wirklich Segen für Fiume bringen oder sollte man sich nicht vielmehr aus Gründen hoher Staatsraison dahin geeinigt haben, dah es für alle Beteiligte das Beste sei. wenn das Gras in den Hauptstraßen Fiumes wüchse und sein Hafen völlig versandete. Arm« Stadt!
fest, dah, sie sich in jähem Erstarren in allerhaich verzauberte Gebilde, Blumen, Arabesken, in Spitzgewänder verwandeln Manchmal steht man ganz im Dunkeln, wie eingeschlossen in der tiefen Rächt des Berges, und Hände und Arme stoßen sich an dem glatten, tröpfeln en Gestein. Oder aber man tritt ganz unvermittelt in irgend eine märchenhafte, von zarten Geheimnissen umwobene Kemenate. Dec graue Fels ist verschwunden. Lieber uns, um uns wallt es herab — als befände man sich unter einer Kristallglocke, durch deren feine Wände das Licht sich in den zartesten Tönen, ins Dläulich-Grüne-Selbe bricht. Llnaushörlich, leise tropft das Wasser, wie von einer fernen, fast vergessenen Melodie. Hier und da öffnet sich an einer kleinen Stelle die dichte Eiskruste, als habe irgendeine verzauberte Prinzessin neugierig einen Vorhang zurückschieben wollen, und der Blick schweift wieder hinauf in die schwindelnde Höhe und hinab in die grausige Tiefe. An einer der wildesten, ausgesetzten Stellen hat menschliche Frömmigkeit in einer durch das Gestein gebildeten Rische eine Mutter Gottes in blauem Himmelsgewand an-ze- bracht, wie ein Dom schließt sich das in allen Farben schillernde Eis um die jungfräuliche Gestalt, die unendlich rein und friedlich in den ruhelosen Kampf der Raturgewalten blickt. Dolle Dreiviertelstunden dauert das Wandern durch die Klamm. Traumbefangen, weltentrückt tritt man heraus — aber da liegt schon wieder die Sonne in breiten Di n ern auf allen Hängen. Schulbuben stieren und rodeln jauchzeird den Berg herunter — das frohe, warme, bejahende Leben ist wieder da. . . ,
Ur. 54 Zweiter Blatt
zwischen Karwendel und Wetterstein durchbricht, um später ihre Wasser nach München zu tragen, rauscht und plätschert durch das Tal, in dem HauS an Haus sich staffelförmig vorschiebt, so, als dürfe nur immer eines nach dem anderen betrachtet werden. Hinter jedem Garten zaun und jedem verschlafenen Winkel steigt schroff, drohend fast in den wachsendeit Schatten der nahenden Rächt die Ge- birgswand auf, als mühte jeden Augenblick irgendein Felsblock sich aus der starren Wand lösen und die winzigen Häuser zermalmen. Lind doch> tont in den Strahen ein nie verstummendes Singen und Klingen. Dielleicht sind es die vielen Schlitten, oder sind es nicht doch die Geigen von Meister Klotz, die ihm das Lied der Linsterblich keit gesungen haben, und die in den vielen kleinen Werkstätten der weidberühmten Geigenmacher, an den Tischen, wo nach alten Modellen aus Ur* grvhvaterszeit mit stiller Andacht gesägt, geleimt, gearbeitet wird, weiterklingen? Entzückende Schilder hängen an der Giebelseite dec Gasthöfe von anno dazumal — und alles sieht so traut unb freundlich aus und ladet zu wohligem Ausruhen. Auf den Gipfeln ist jetzt der letzte Strahl erloschen — in schweren, schwarzen Umrissen beben die Berge sich ab, in allen Häusern aber erwachen die Lichter — viele goldene Sterne, vom hochgewölbten Himmel leuchten in den frommen Ort. Die letzten Winterspvrtgäste sind längst heimgegangen, der strahlende Wintertag hat sich schlafen gelegt, und über dem verschneiten Mittenwald senkt sich der tiefe Friede der Rachr.
III. Abendscha 11en über Mittenwald.
Man darf Garmisch-Partenkirchen nicht ver° taffen, ohne vorher mit der elektrischen Bahn das nahe und so malerische Mittenwald besucht zu haben. So ganz verschieden ist es von den Zwillingsorten, ursprünglicher, unberührter, den höchsten Alpgipfeln noch viel näher geruckt, buchstäblich hineingezwängt zwischen die kerzengrade aufsteigen.e Wand des Karwcndelgebirges und das zweizackige Wettersteinmassiv. Das ist am späten Rachmittag in dem kleinen Barockdorf, hart an der österreichischen Grenze ein Zauber, wie das Leben ihn nur in seinen Feierstunden schenkt. Die Dämmerung wirft ihre ersten blauen Schatten in das enge Dal; sie klettern an den weihen Hängen hoch und legen sich unhörbar leise um die Schultern ter weihen Riesen, deren Scheitel noch ganz im goldenen Licht der Sonne daden. Der Ort ist ganz in Tiroler Barock gehalten, die Häuser bunt bemalt, oft bis in den Giebel mit Bildern aus dec heiligen Schrift bedeckt, dramatische Szenen aus dem alten Testament, Heilige in wallenden Gewändern, zwischen den niedrigen, oft wie die Torbogen gewölbten Fenstern die Mutter Gottes, die ihr Knäblein hält — alles so fromm und rein, als könne kein böser Gedanke durch die alten Mauern dring n. Es ist auch wirklich, als habe hier das Schlagwerk der Zeit auf ein Weilchen ausgeruht, als sei alles noch genau so wie damals, als Meister Klotz, dessen Bronzedenkmal auf dem Marktplatz steht, hier feine ersten Geigen schuf und Goethe, vom Walchensee kommend, in einem der alten trauten Häuser übernachtete. Sicher hat sich seither kaum viel veräirdert. Oie Isar, die
waren die Schwarzhemden in der Stadt. Ganze < Schiffsladungen von ihnen kamen hinüber. Mit ! reichlichem (Selbe versehen, nisteten sie sich in die Hafenviertel ein und begannen langsam, aber icher ihr unheimliches Werk. Früher hätte sich das wohl sehr märchenhaft angehört. Heute muhten wir im Rheinland den gleichen Vorgang erleben, als dort in unseren sauberen Städten das Separatistengesindel wie aus der Hölle gespien, plötzlich auftauchte.
Ein zugkräftiger Kriegsgrund mußte ge- unden werden, nachdem man in kleinem Dor- gepläntel die Fühler vorgestreckt hatte. Er war gor bald gegeben. Räch lens wurde in einsamer Gasse ein Faszist erschlagen, wie die 3taltener be- b<mpten, von einem Zanellapolizist, wie dagegen viele Fiumanec beschwören, von seinen Kameraden selbst. Diese Armahme, ob wahr oder falsch, zeigt jedenfalls, zu welch gräßlichen Handlungen man dort die Faszisten fähig hielt. Genug, der entsetzlich verstümmelte Faszist wurde mit der nur dem Romanen eigenen Freude am blutig grausamen Schauspiele durch die Straßen getragen, um das Dolk zu Ausschreitungen ckufzu- peitschen (Roch vor einem Jahre war die Photographie des entstellten Kopfes des Erjchlagenen an allen Strah.necken käuflich.) Die Wirkung war befri.digend Linker Anführung derSchwarzhemden zog der plötzlich bewaffnete Pöbel zum Sturm auf den Regierungssitz. — Hoch über der Stadt ragt der schöne Palazzo des früheren ungarischen Statthalters. In steiler Senkung führt von ihm die gerade Straße zum Hafen herab. Die freie Lage und die hohen Steinterasfen taffen ihn leicht verteidigen und geben dem Ganzen ein kartell- artiges Aussehen. — Schüsse zerfetzten die Marmorfassade von außen und Schüsse drangen aus dem verbarrikadierten Innern und lichteten die Reihen der An stürmenden. Selbst in das benachbarte deutsche Konsulat drangen einige Kugeln, zerschmetterten die Scheiben und blleben schließlich in den dicken Gefehesbänden stecken, vhw> weiteren Schaden anzurichten. Zanella wehrte sich gut und beherrschte die Lage. Das Spiel schien übel auszugehen. Da kam die Wendung? Ein „zufällig" aus der Reede siezendes italienisches Kanonenboot wurde getürmt, die Besatzung weigerte sich, auf ihre Brüder zu sch.eßen und ergab sich, ein ..zufällig" anwesender ehemaliger österr.ichischer A ti.lerieofsiz e übe am die De- dierumg der Gelchütze Aus enr Entfernung von nicht mchr als ,003011 t rn wurde der Reg erungs- sitz mit einigen Volltreffern der 7,5=3e.Uimeter= Geschütze belegt. Die weiße Fahne ging hoch Zanella mußte LIrfehde schwöen und ging mit seinem Senat, der ihm in altrömischer Art Gefolgschaft leistete, n ach Portofe in die Verbannung. Da dieser Ort in Serbien liegt, bekam das Ganze noch einen besonderen diplvmatifchen Reiz. Der italienische Legat, Signor Castelli, war an diesem Tage in Rom zu einer wichtigen Mi nister- besprechung. Die Haltung des um Hilfe ange- rufentm italienischen Militärs war streng neutral. Welchem Rheinländer fielen da nicht genugsam schmerzliche Vergleiche und Parallelen ein!
Eigentlich war damit der Freistaat zu Ende, ober er lebte, wie das öfters vorkommen soll, juristisch noch weiter. 3m Oktober 1922 kmn es noch zu einem Zusatzabkommen von St. Margherita, itz dem verwaltungstechnische „ und Grenz fragen einer paritätischen Kommission über- wiesen wurden. Die Fiumanec nannten sie respekt- Ivs die .paralytische Kommission". Lind das war sie letzten Endes auch, da sie bei dem absichtlichen Fernbliben des Serben an chronischer Deschluh- unfähigkeit krankte. Was nun folgte, war eine Ochlokratie von reinstem Wasser. 2lls ob alle Dämonen der Hölle losgelasfen wären, tobten die Zanellistenbe leger durch die Straßon der Stadt. Es gab keine Verwaltung, sie war restlos verbannt (bei uns heißt es ausgewiefen), die Polizei wurde in wohlwollender Weise durch Carabinieri ausgeübt, die erst bann einzuspringen pflegten, wann der Verprügelte in den letzten Zügen lag. Es gab feine Justiz, sie sah in Posto- Re. Es gab aber einen herrlichen Ersatz für alles, und das war das Faszio, das Dereins- lokal der Schwarzhemden, auf der Piazza Dante. Dort wurden die unglücklichen Opfer hingeschleppt, deren Vrebrechen hauptsächlich darin bestand, Anhänger der heimatlichen Zanellapartei zu fein. Beliebt war es, sie zu scheren und ihnen mit Oelfarbe die grün-weiß-rote i Farben aufs Haupt zu malen und sie somit wenigstens äußerlich in , glühende italienische Patrioten zu verwandeln. Auch die Fiumaner HundefLnger sah man einst derartig angestrichen in feinem Kasten eiigesperrt vurch die Straßen fahren, sehr zum Gaudium aller — Hunde. Weit beliebter noch aber war das Oeltrinken. Auf hohem Balkon«, umbraust von dem ä basso Zanella-Geschrei dec freudig er reiten Menge, wurde dem Llnglücklichen ein halber Liter Rizimrsöh eingeflöht, worauf dann ein feierliches Geleit im offenen Wagen auf dem Corso statt - fand. Wer möchte die Wirksamkeit dieses bisher unbekannten politischen Kampfmittels bezweifeln?
Das Ende einesFreistaats
Von Karl Ohle, Prenzlau.
Der Freistaat Fiume hat aufgehört zu (eben — sofern man sein Dasein überhaupt ein Leben nennen konnte. Mit dem Abschluh des serbisch-ttalienischen Freundschaftsvertrages ist der Vorhang über, eine der größten Komödien der Dachkriegszeit gefallen, und die Zuschauer verlassen nachdenklich das Haus. Manche vielleicht lächeln über die grotesken Szenen, die sie gesehen hatten und manche erschüttert über die menschliche Grausamkeit und Tücke, die sie als versteckten Kem buntschillernder Bilder ahnten. '
• Erinnern wir uns, wie es bei Rach rufen Üblich ist, kurz des Lebenslaufs des Verstorbenen. Geboren in Paris im Jahre des Versailler Friedens, umschlang ihn schon in der Wiege das zänkische Geschrei feiner Paten, wobei der engere Familienzwist der italienischen Verwandten, S 0 n- n in o und Orlando, Aufsehen erregte. Dann mußte der Serbe die Stadt räumen. Er hinterließ außer heute im Kurswerte schwindelnd hochstehenden Aufdruckmar'en nur ungünstige Erinnerungen. Sie hätten nie die Raben gestohlen und die Strahen unter Feuer gehalten, um die Schiffe tm Hafen ungestört ausplündern zu können — so sagen die Bürger. Der Freistaat sollte die ersten sewständigen Schritte wagen. Allein ein ungebetener Vormund in Gestatt des Freischärlers D'Annunzio machte diesen Verswchen ein jähes Ende. Vom Dezember 1919 ab begann ein Schreckensregiment in des Wortes wahrster Bedeutung. Mißhandlungen der dalmatinischen Kaufmannschaft, Blockierung des Hafens, den bald als Piratennest verschrien, kein Dampfer mehr anlief, wilde (Ausschreitungen der Soldateska, pathetische Ansprachen in kitschigem Cäsarenstil rissen den „Freistaat" in einen Trubel völliger politischer und wirtschaftlicher Llnordnung.
D'Annunzio muhte weichen. Die unter ferner Tyrannis verschleierten Annexionsversuche 3ta- liens, die heftigen Vorstellungen Jugoslawiens, der Rachdruck der englischen Stimme bewogen im Februar 1920 den Obersten Rat zum Einschreiten. Der Erfolg war der Novembervertrag von Rapallo (1920). Die gequälte Stadt atmete auf, als die Bedrücker auf ihren Schiffen heimwärts fuhren. D'Annunzio sprach damals das bedeutende 'Dort, dah er es für die tiefste Schmach feines Lebens hielte, 3 teil teuer zu fein. Eine pompöse Geste, die selbst feinen ergebenen Landsleuten zu stark war. Heute erinnern an ihn nur noch Briefmarken mit feinem schönen Kopfe und der frechen Aufschrift: .,Hic maiebimus optimr" (Hier werden wir am besten bleiben), Gipsfigurrn in allen Größen, weiß oder mit bronzenem Anstrich, und Postkarten, die ihn in seinen edelsten Posen zeigen, bald als Danditengeneral in vollem Kriegsschmuck, bald vor den Gräbern der beim Putsche gefallenen Legionäre kniend mit aufge= druckten Versen von ihm usw. Prosaischer, aber eindrucksvoller sind feine sonstigen Spuren, die sich kurz darin zusammenfassein lassen, was mir gegenüber ein hochangesehener Fiumaner Kaufmann äußerte: „®r hat unsere Stadt ruiniert“. Daß dies Wort bitter wahr ist, beweisen die Eck- taden in der Hauptstraße mit der Aufschrift „zu vermieten" und der fast leere Hafen. Lind das in einer der blühendsten Hafenstädte der ehemaligen österreichischen Monarchie I
Run sollte die einzige Freizeit dieses absonderlichen Staates kommen. Dec umsichtige und realdenkende Dalmatiner Z a ne Ha übernahm die Regierung. Mit starker Hand griff er zu, ordnete die Verwaltung und schuf sich was das wichtigste war, unter manchen diplomatischen Fährlichkeiten eine zuverlässige bewaffnete Polizei. Mit Staunen sah Station den Freistaat sich rnt- wickeln, sah, wie dieser Homunculus danach strebte, ein ordentlicher Mann zu werden. Man beschloß, ihn zerschellen zu lassen und ihn in feine Elemente aufzulösen. Die Art aber, wie man vorging, hat etwas Satanisches an sich und macht den 3talie- nem als Schüler Machiavellis alle Ehre.
Gin lebensfähiger Freistaat Fiume war ein Stachel im Fleische 3taliens, das unablässig danach strebt, durch Belebung von Triest und Venedig die Adria zu. einem italienischen Gewässer, dem „nostvo mare" zu machen. Heute ist das erwiesen, damals gab es noch Ungläubige. Wie ging man vor? Ein erneuter Handstreich durch D'Annunzio oder irgend einen anderen Abenteurer war nicht möglich. Dazu waren die Großmächte zu mißtrauisch und die Haltung der Serben, zu gefährlich geworden. Es mußte unauffälliger und politisch unfaßbarer gemacht werden. Lind wie man sich nun mit dem aufkeimenden Faszis- mus verband, liest sich wie etn Kapitel aus der Dorgiazeit. Die Bevölkerung gegen die Zanrlla- regterung aufzuhetzen, war aussichtslos. Die Dalmatiner wie Kroaten hassen die 3taliener mit zäher 3nbrunft. Der italienische Pöbel in der Hafenstadt war zu gering, um eine nennenswerte Macht darzustellen. Man muhte ihn also auf - füllen. Ein grandioser Gedanke! Plötzlich
frischen Kabeljau garmachen und 750 Gramm Kartoffeln mit der Schale kochen, woraus man den Fisch aus Haut und Gräten löst und die Kartoffeln abschält und in Scheiben schneidet. Man fettet eine Backform gut ein, füllt die Hälfte der Kartofselschttben, die man mit kleingeriebener Zwiebel mischt, sowie mit etwas Salz und Pfeffer durchmischt, in die Form und gibt darauf abwechselnd Sauerkraut und Fischstückchen hinein, worauf man die zweite Hälfte dec Kartosfel- fchnben den Abschluh bilden läßt. Obenauf legt man kleine Margarineflöckchen und streut Semmel- Erumen darüber, nachdem man ein Glas Apfelwein mit 15 Gramm Mondamin und ein Eigelb gut verrührt und über die Speise gegoffen hat. Sie muß im Ofen eme halbe Stunde baden, man serviert sie in der Form.
Falsche Setzeier. Man nehme 1 Tasse Mehl, 1 Ei und so viel Milch, dah es ein dünner Pfannkuchenteig wird; dann gebe man in eine Setzeierpfanne Fett, lasse es hnh werden, bringe in jede Vertiefung einen Eh löffel voll Teig, decke die Pfanne zu und backe den Teig bei gutem Feuer auf einer Seite. Run wende man die Küchlein um, welche dann innen hohl sein müssen und auf beiden Seiten schön braun sein sollen. Da die Küchlein sehr schnell zusammenfallen, ist es gut, dieselbe in eine dazu passende Suppe (z. D. aus Kalbsknochen oder Helle Drennsuppe) zu geben. Als Beilage zu Gemüse, z. B. auf eine Schüssel Spinat gelegt, schmecken sie gleichfalls vorzüglich; ebenso farm man sie, mit Marmelade gefüllt oder in Fruchtsauce, als Mehlspeise verwenden.
Apfelsinenmarmelade sollten die Hausmütter nicht herbe und mit bitterem Nachgeschmack bereiten, unsere Kinder mögen sie dann nicht und manchem erwachsenen Familienmitglied besagt sie auf die Dauer auch nicht. 3ch möchte deshalb nachstehend eine Vorschrift für Apfelsinenmarmelade geben, die einen feinen und lieblichen Geschmack hat. Man muh zu Marmelade ganz sühe und feinschalige Früchte nehmen, von denen man die Schale ganz dünn abschälen muß, worauf man auch die an den Früchten hastende weihe Haut aufs sorgfältigste entfernt. Die Schalen kocht man auf, gießt das Wasser ab, legt sie dann in kaltes Wasser über Nacht, läßt sie abtropfen und hackt sie gröblich, während man die Apfelsinen in Scheiben schneidet und dabei die Kerne entfernt. Die Fruchtscheiben und die gehackten Schalen muß man zur Hälfte mit Wasser bedecken und so lange kochwi, bis sich alles durch ein feines Haarsieb streichen läßt. Auf den Drei von einem Dutzend Apfelsinen rechnet man 1 Kilogramm Zucker, den man in Wasser taucht und kocht, bis er breit vom Schaumlöffel läuft, erst dann gibt man das flüssige Fruchtmus hinein und kocht es unter ständigem Rühren etwa eine Viertelstunde. Diese köstliche Apfelsinenmarme« lade wird in Reine Steingutkruken und Gläser getan, sie hat sich jahrelang bei mir unverändert
Winlerbilder aus Oberbayern.
Don Fritz Bergmann.
II. Schneekönigs Eispalast.
Der eisgraue Schneekönig, an dessen lang- wallendem Bart die Jahrtausende wie schwere Llhrpendel hängen, hat unweit des heiteren Par- tenkirchens in den finsteren Felsenklüften der Partnachklamm seine Behausung aufgeschlagen. Ein sorgsam gebahnter Weg führt in die Stille der tief verschneiten Berghänge, an denen wie schwankende Nester kleine Hütten und Heuschober hängen. Alles vermummt und nach oben abgerundet wie Katzenbuckel in der Sonne. Zur Rechten und Linken der ausgestochene Schnee — weih und ebenmäßig, wie ausgeschätteter Würfelzucker für die Mahlzeit eines Riesen. Alles ist totenstill. Nur die Partnach zwängt sich tosend aus der engen Schlucht. Schwarz gähnt im Felsen der Eingang in die Klamm. Der Steg folgt an der linken Felswand dem brausenden Wasser, hart über dem Abgrund, von dem nur vereiste Schollen oder ein Drahtseil den Wanderer trennen. Dort unten zischt und brodelt es in nie ruhendem Groll über schwere, wie von kämpfenden Llrmenschen hingeschleuderte Blöcke und durch Blitz und Sturm gefällte Bäume. Aus vielen Seiten türmen in schwindelnder Höhe die zerllüfteten Felsmassen sich auf, über die gerade noch ein schmaler Fetzen Himmelsbläue strahlt. 3m Sommer stürzt hier in unzähligen Fällen das Wasser herunter. Je,t hat das Donnern von den Mauern des Eispalastes aufgehört. Mit eisernem Griff hält cfe allmächä.,e Hand des wchneekönigs die herabtosenden Fälle
Was ist das beste Frühstück für die Kinder?
Schon bald nach dem Frühstück fangen unsere Kleinsten an zu betteln: „Mutter mich hungert", und die Schulkinder können es kaum erwarten, bis es läutet und das 10-Llhrbrot an die Reihe kommt. Das hält wieder nicht lange nach, und in den letzten Stunden sind viele schon nicht mehr so aufnahmefähig wie sie nach genügendem Frühstück sein müßten. Da waren unsere Vorfahren viel klüger. Durchs ganze Mittelalten und noch tief ins 19. Jahrhundert herein gab es morgens eine dicke Brenn- oder Hafersuppe; das hielt vor. Gesalzene Suppen munden den Kindern aber nicht so wie fuße. 3n allen englisch sprechenden Ländern gibt es darum in jedem Hause für groß und klein am Morgen Porridge. Das ist ein wohlschmeckender süßer Haferbrei. Die Zubereitung ist einfach genug. 25 Gramm Haferflocken (ein gehäufter Eßlöffel) am besten in der Kaffeemühle gemahlen und über Nacht in Vi Liter lÄcht gesalzenem Wasser eingeweicht, werden nach stetem LImrühren auf nicht zu starkem Feuer zu einem steifen Brei gekocht. Das dauert auf kleiner Gasflamme höchstens 10 Minuten. Erst auf dem Teller wird Milch und Zucker, noch besser Honig, daran gerührt. Hafer in dieser Form zubereitet ist anderen; Hülsenfrüchten, namenllich wegen des hohen Eiweiß- und Fettgehaltes, vorzu ziehen. Dabei kommt ein solcher Brei so billig, daß man den Kindern gerne noch Malztaffee und bestrichenes Brot geben kann.
Für die Küche.
Gedünsteter Fisch in der Form, ein appetttliches Sonntagsgericht. Etwa IV2 Kilo frischen vorgerichteten Schellfisch löst man aus Haut und Gräten, zerteilt das Fleisch in ziemlich große, gleichmäßige Schnitten, die man vor dem Einschichten in die Form mit etwas erwärmtem Salz einreibt. Außerdem bereitet man auf bekannte Weise kleine Semmelklößchen und stellt den Inhalt einer kleinen Dose.Drechspargel und ebensoviel eingemachte Pilze, die feinsche big geschnitten werden, bereit. Eine helfe Mehlschwitze wird mit aufgelöster Trockenmilch Brühwürfelbrühe, dem Spargel- und dem Pilzwasser zu einer gut gebundenen Tunte gekocht, die man mit Pfeffer und Muskat, sowie etwas gehackter Petersilie würzt, auch wenn man will, noch mit einem Eigelb abzieht. Eine Backform wird gut eingefetfet und schichtweise mit Fischstücken, Klößchen, Spargelstücken und Pilz^cheiben gefüllt, wobei man über jede Schicht etwas von der Tunke füllt. Aus di> Oberfläche streut man eine Schicht mit geriebenem Käse vermischte Semmel- kvumen, fegt Eki :e Fettflöckchen dazwischen und bäckt die Fischspeife 30 Minuten im heißen Ofen. Sie wird in der Form zu Tisch gegeben, Salz- kartoffeln reicht man daneben.
gif dj. auflauf mit Sauerkraut. 750 Gramm ©auerfraut kocht man mit einigen Apfel- fcheiben, etwas Zw.ebel, Schmalz, einigen Kümmelkörnern und wenig Wasser etwa 15 Minuten an und stellt es dann drei Stunden in die Kochkiste. Inzwischen muh man 500 Gramm
Eine Fiumaner Spezialität kann es übrigens nicht sein, denn den Altmeister Mussolini konnte man damals in jedem politischen Witzblatt mit einer Flasche olio di ricino bewaffnet sehen.
Man mag darüber lachen. Aber wenn man bedenkt, daß der Fluch der Lächerlichkeit die hvchangesehensten Kaufleute der Stadt traf, mit denen der Pöbel ungestraft feine Possen treiben konnte, so wird einem die furchtbare Wirkung klar. Handel und Wandel stockte, der anständige Kaufmann zog sich zurück. Ohnmacht bemächtigte sich des ganzen Lebens. Der Freistaat lag in der Agonie. Ende November 1922 faß Mussolini fest im Sattel. Er verbot jeden weiteren faszisti- schen Llnfug und drohte sogar mit Waffengewalt. Nur durch den Fas-ismus selbst konnte der Faszis- mus beiirgt werden!
Der Freistaat ist tot! Italien hat ihn annektiert. DAmunzio wurde zum Grafen von Fiume gekürt. Wird die Stadt als italienischer Hafen wieder auf leben? Die Antwort muß man verneinen, wenn man die ist rische Küste, jetzt Prvvinzia Giulia, gesehen hat. Der Italiener will die andere Sette der Adria t 01 rn a ch e n, um das ersterbende Venedig konkurrenzlos wieder auferstehen zu lassen. Daher Kahlschlag soweit das Lluge reicht. Die herrlichen Buchenwälder am Monte Maggiore werden abgeholzt. An den hervorragenden Kunststraßen, dte unter der österreichischen Verwaltung gebaut wurden und die in ihrer technischen Anlage unerreicht dastehen, wird nichts ausgebofsert. Abbazia, einst der vornehmste Badeort, zerfällt.


