Einzelbild herunterladen

belügt tft; in diesem Falle betragt die rLtah-n- gebühr nicht 4, sondern 5 Pro;. Mus) die Steuer­behörde gar pfänden, dann kostet dies 6 Proz. des strittigen Betrags, und müssen die Pfandobjekte versteigert werden, so sind dafür 8 Proz. des Erlöses, soweit er die Forderung des Fiskus nicht übersteigt, zu bezahlen.

Zunächst ergibt sich aus dem Gesagten, daß es unbedingt erforderlich ist, mit der Einlegung eines Rechtsmittels ein Gesuch um Stundung des bestrittenen Betrages bis zu dessen Durchfechtung an das Finanzamt zu richten. Lehnt dieses den Antrag ab, dann ist Beschwerde dagegen beim Landesfinanzamt zulässig. Lehnt auch dieses ab, dann ist der Betrag zu bezahlen ohne Rücksicht auf den Weitergang des Verfahrens.

Ferner geht aus diesen Darlegungen hervor, daß die Einlegung eines Rechtsmittels gegen eine Steuerveranlagung Kosten in einer Höhe vurursachen kann, die in keinem Verhältnis zum Objekt stehen. Das ist um so bedenklicher, als bei der heutigen ücberlaftung der Steuerbehörden von ihren Beamten nicht die sorgfältige Arbeit wie sonst verlangt werden und dem Steuer­pflichtigen bei der Anübersichtlichkeit der Steuer­gesetzgebung ein Irrtum nicht zum Vorwurf ge­macht werden kann. Die hohen Gebühren, die der Steuerbehörde Avecklos Arbeit ersparen sollen, würden also letztere Endes auf eine Denachteilö- gung des minderbemittelten Steuerzahlers hinaus­laufen, wenn nicht der Rechtsmittelbehörde die Befugnis verliehen worden wäre, sie bis auf die Hälfte zu ermäßigen. Davon soll besonders dann Gebrauch gemacht werden, wenn der Antrag zu­rückgezogen wird, bevor der Behörde erhebliche Arbeit entstanden ist. Dies ist insofern beachtlich, als die Zahlung der Gebühren bereits damit ver­wirkt wird, daß das Verfahren anhängig gemacht ist, und zwar ohne Rücksicht auf die dadurch ent­standene Arbeit.

Das Gesamturteil muß aber doch dahin gehen, daß die Gebühren für die Steuerrechtsstreitigkeiten in keiner Weise der Verarmung unseres Volkes angepaßt sind und dadurch einerseits ausge­sprochen unsozial wirken, andererseits aber wie­der als ein Mittel zu ungerechtfertigter Bereiche­rung der Behörden erscheinen, wenigstens im Mahnverfahren. Wie ist es z. D. mit dem Be­griff der Gebühren als Entgelt für eine im Inter­esse des Zahlungspflichtigen bewirkte Leistung einer öffentlichen Behörde zu vereinbaren, daß die Mahngebühr bei einem Betrage von 10 Mk. 0,40 Mk., bei einem von 100 Mk. 4 Mk. und bei einem von 1000 Mk. 40 Mk. ausmacht, obwohl in allen drei Fällen die Leistung der Behörde die gleiche ist? Hier bestehen ohne Zweifel keine an­gemessenen Beziehungen zwischen Leistung und Gegenleistung. Zur Bestrafung des Steuerpflich­tigen für verzögerte Zahlungen sind nicht die Mahngebühren das richtige Mittel, sondern die Verzugszuschläge, die für diesen Zweck aber auch reichlich hoch sind.

Turnen, Sport und Spiel.

Aus dem Jahresbericht des Deutschen Fuhball-Bundes.

Der Deutsche Fuhball-Dund hielt am Samstag und gestern in Berlin seine dies­jährige Tagung. Der Vorstand legte der Ver­sammlung einen eingehenden Jahresbericht 1923/24 vor, der ein abgerundetes Bild von ber Entwicklung, den Vorgängen innerhalb dieser Millionenkörperschaft sowie den Fragen gibt, Tubballsport Zur Zeit be-

, Mit dem Ende des Jahres 1924 schließt das erste Vierteljahrhundert der Bun­de s t a t i g f e i t. Erne gewaltige, nimmer­müde aber segensreiche Arbeit liegt in diesen 25 vergangenen Jahren. Ist auch nicht alles er­reicht worden, was man sich als Ziel gesetzt hatte, so wurden doch Jahr für Jahr neue Steine ge­schichtet zum machtvollen Bau des D.F.D. Das schwerste Jahre war das vergangene, das In­flationsjahr. Erst die Stabilisierung der Mark hat den Weg zum Schaffen toieber frei gemacht.

Die Mitgliederzahl bewegt sich jetzt wieder in aufsteigender Linie und beträgt rund eine Million. Am 31. Dezember 1924 findet eine neue Zählung statt.

Die Unfallstatistik ergibt den gleichen Prozentsatz wie im Vorjahr: auf 1000 an den Wettspielen beteiligten Spieler entfallen 0,1 llrt= fälle. Auch dieser an sich geringe Prozentsatz soll noch weiter zu verringern versucht werden. Die Ans allfürsorge ist innerhalb des Bundesgebietes leider nicht einheitlich geregelt. Einzelne Verbände sind zur Selbstversicherung übergegangen und haben damit gute Erfahrungen gemacht, andere schlossen (Berträge mit Gesell­schaften ab.

Der Rechtsschutz wurde durch Rechts­auskunftsstellen der einzelnen Landesverbände be­

sorgt, so daß sich die Einrichtung einer bw sonderen Bundes-Rechtsauskunftsstelle erübrigte.

Die Bez iehungen zu den Behörden undden anoeren Leibesübungen trei­benden Verbänden sind normal, zur D S. D. und zum D. S. V. sogar außerordentlich freund­schaftlich. In der Berichterstattung über bas Ver­hältnis zur Deutschen Turnerschast berühren d.e Mitteilungen des Jahresberichtes rurch ih e sach­liche Weise wohlluend. Es wird festgestellt, daß sich durch den Kampf mit der D. T. die Lage für den D. F. D. wenig beränberi habe. Der Verkehr mit den Führern der D. T. wickele sich ttoh des sachlichen Streites persönlich durchaus korrekt ab. Von den Auslandverbänden sei d.e Belgische Union der einzige, mit dem die Be­ziehungen auch im verflossenen Jahr noch nicht aufgenommen wurden.

Von den Ausgaben des D. F. B. wer­den der Förderung der Spielplatzfrage durch gesetzliche Lösung, der Verbilligung der Sportgeräte und Len <5 teuerf rag en be­sondere Abschnitte gewidmet.

Die Derufsspielerfrage ist in den- letzten Jahren immer drängender geworden: sie ist international und ihre glückliche Lösung auster- ordentlich schwierig. Der Jahresbericht Les Bun­desvorstandes widmet ihr deshalb auch eingehe..de Darlegungen. Der Vorstand erflärt unzweb eu ig, Last der D. F. D. Las Berufschiele tum aus e.hi- schen Gründen bekämpfe, denn er sehe in unseren Fußballveranstaltungen etwas anderes als bloße Schaustellungen, die der Unterhaltung dienen Es wäre ein Frevel an unserer deutschen Jugend, wenn wir das Derufsspielertum in Deutschland auch nur im geringsten begünstigen wollten, liniere groß angelegte Jugendbewegung würde damit an ihrem Lebensnerv getroffen. Derussspieler- tum und Jugendpflege rerir. gen sich nicht. Da­rum sei die Jugendpflege ein Dollwert gegen das Berufsspieler tum, das zweite sei de Steuer­freiheit der Amateurveranstaittungrn, das dritte wären billige Sportplätze. Der D. F. B. wen,de sich auch gegen jeden Schein-Anraten rismus unb unterdrücke ihn. wo er gefaßt werden fenre Der Bericht gibt dann dem Leser ausführliches Ma­terial über die Entwicklung des Berufssports in Oesterreich an die Hand.

Der Bericht des Spielausschuss es, der die Ereignisse vom Oktober 1923 bis Oktober 1924 umfaßt, enthält u a. den interessanten Hin­weis. Laß die Mehrzahl der irtteiua'ionalen Früh­jahrsspiele von fina'steilem Mißerfolg b: gleitet gewesen sei. In übertriebener Unternehmungs­lust hätten sich die Vereine auf solche Sp e le förmlich gestürzt und zu unsinnig hohen Entschä- higungsgeldern verleiten lassen, trotzdem ihren Pies von der Bundeslcüung nicht gestattet war. Der D. F. B. werde Wohl zu strengen Maßnah­men schreiten müssen, wenn seine Weisungen und wohlTneinenden Ratschläge, an denen er es nicht habe fehlen lassen, bei den Spielabschlüssen künfttg in den Wind geschlagen werden

Reichsheer-Marathonlauf in Langensalza.

Bei dem diesjährigen Marathonlauf, an dem Mannschaften des gesamten Reichsheeres teil- mrhmen, konnte der Gefr. Gerstenhauer vom Stabe des 15. I n f. - R g t s. den 5. Preis bei einer Bewerberzahl von 135 Läufern erringen. Ebenso wurde Gefr. Krieg der 4. Maschinen- gewehr-Kompagnie 15. Inf.-Rogts. 2 6. am Ziel. Gerstenhauer: Zeit: 3 Std. 5 Min. Krieg, der an einer leichten Fustverlehung litt, durch­lief die 42 Km. trotzdem in der guten Zeit ton) 3 Stunden 20 Min. Hervorgehoben werden muh noch, daß zur Zeit des Laufens feuchtkalte Witte­rung und starker Rebel herrschte.

Führertag des Iung-D. H. C.

(Eigener Bericht desGieß. Anz.".)

Der Jung-Vogelsberger Höhen- C l u b hatte am Samstag unb Sonntag [eine Füh­rer zu einem Vertreter tag nach Frankfurt geschickt, wo sie in den gastlichen Räumen der LogeEinigkeit" unter der Leitung des Ob­mannes, des V.H. C.-Bruders Georg Den­der - Frankfurt, in langstündigen Beratungen wichtige und für den Gesamcklub bedeutungsvolle Beschlüsse faßten. Rach dem Geschäftsbericht um­faßt der V. H. C. nunmehr 69 Zweigoereine mit 20 Iugendgruppen. In allen Vereinen, vor allem aber in den Iunggruppen, blüht nunmehr, nach­dem die ganzen Verhältnisse wieder stabileres Gepräge angenommen haben, reges Leben und frischer Schaffensmut. Um den Heimalgedanken, den der Club in allererster Linie pflegt, noch mehr zu vertiefen, beschloß die Tagung, die be­reits eing. leitete Dezirkseinteilung noch mehr auszubauen und bis Berlin, wo schon ein D. H. C.Heimattreue" besteht, Lurchzusüh en. Zwanzig solcher Dezirksstellen arbeiten schon mit

Rücken zukehrte, hießen ihn auch noch weiter aus­zuharren. Einmal mußte der Doktor ja doch fertig werden. Dieser nahm umständlich ein Handtuch nach dem andern und wickelte seinem Patienten einen Turban um den Kopf, um den ihn ein Großvezier hätte beneiden können. Run galt es, das umfangreiche Ding festzumachen, aber nie­mand batte Sicherheitsnadeln. Da wußte Grün Rat. Er brachte eine alte Waschleine und nun begann von den beiden ein Wickeln, welches kein Ende nehmen wollte. Dagegen nahm die er­zwungene Ruhe der Lügentischler ein Ende. Erst platzte einer heraus, dann die ganze Gesell­schaft. Sie lachte, krähte und heulte. Es fehlte nur noch, daß sie einen Indianertanz aufführte. Einen Augenblick war der Student verdutzt. Dann riß er den Turban vom Kopf und schleuderte ihn auf den Boden.Da bin ich ja aus dem Regen in die Traufe geraten I" rief er, wußte aber offensicht­lich nicht, sollte er schimpfen ober mitlachen. Er­wählte klugerweise das letztere und als der lange Müller auf ihn zuging, ihm die Hand bot und ihn amLügentisch" willkommen hieß, schlug er ein und nahm untermKasper" (Bild), das ist der Ehrenfih, Platz.

Der junge Mann war ein famoser Kerl. Er brachte Leben in die Bude, trotzdem er so naß war wie ein begossener Pudel. Das Anerbieten, an­dere Kleider, die man ihm zur Ver-fügung stellte, anzuziehen, schlug er anfänglich ab, gab aber schließlich nach

Er zog sich in das Rebenzimmer, denMan- darinentasten", zurück und kam nach 10 Minu­ten in einem verwachsenen Anzug des Wirtes Grün wieder zum Vorschein. Es war ein grün­gelbes Habit, viel zu eng unb zu kurz. Bei jeder Bewegung drohten die Rähte aufzuplahen Mit einem'03011: es saß wie angegossen und bot einen wunderbaren Anblick, um so mehr, als das Hemd

ganz fehlte. Die ganze ehrenwerte Gesellschaft lachte krampfhaft und es regnete Randglossen und faule Bemerkungen. Am meisten aber freute sich der hilfsbereite und menschenfreundliche ®rün hinter seinem Büfett, in dem er herumtorkelte, wie wenn ihn die Tarantel gestochen hätte.

Allmählich beruhigte man sich, trank einen Schoppen nach dem anderen, bis man diedif- feraltus lecti" hatte und trug bann seinen Leich­nam zwischen 2 und 3 Uhr heim.

Als am anderen Morgen der Herr Student mit schwerem ^opfe aufwachte und in seinem Er­innerungsvermögen nachlramte, brachte ihm der ihn wie eine Zwangsjacke umspannende grün­gelbe Anzug, in welchem er gestiefelt und gespornt im Bette lag, das Erlebte zum traumhaften Be­wußtsein. Das Blut stockte ihm einen Augen­blick, als ihm sein ausgezogener nasser Anzug ein­fiel. Der aber hing fein säuberlich auf einem Stück der in seiner Bude ausgespannten Turban- leine zum Trocknen und verbreitete einen lieb­lichen Loheduft.

Da legte sich der Herr Studiosus mit zufriede­nem Lächeln auf die andere Seite, kehrte der Ver­gangenheit den Rücken zu und schlummerte der vollständigen Klärung seines verworrenen Q3er= standskastens entgegen.

Giehener Stadttheater.

03or leider nur mäßig besuchtem Hause ging am Sonntagabend Meyer- FörstersAlt- Heidelberg" in teilweise neuer Besetzung in ügene. Die Kat hi, dies goldige Wiener Maderl, dem man immer wieder gut sein muß, trotz aller Trivialiwten und falschen Sentiments des gu en Vieler-Hörster, spielte Ria Andre wo in mtb hingebungsvoll Herrn Baums Erbprinz lieh vor allem die tragischen Untertöne des einsamen,

nxutflcnoem Erfolge unb sammeln die in Der 'Ferne wohnenden Landsleute.

Von weittragender Bedeutung sind folgende vom Fuhrertag gefaßten Beschlüsse: Der lang» gehegte Plan, im Vogelsberg ein eigenes Wanderheim zu b.sitzen, wirb nunm:hr ver­wirklicht. Auf malerisch gelegener Höhe bei Her - ch e n h a i n soll ein schlichtes und doch an­sprechendes Heim errichtet to^rben, dessen Ein­weh ung bereits im August nächsten Jahres er­folgen soll. Das Wander heim, dessen Kosten auf etwa 11 000 Marl veranschlagt sind, wird em einstöckiger Dau. Das Erdgeschoß, zu dem eine breite Terrasse hinführt, birgt einen großen Auf- enthaltsraum mit einerSchnatterecke" und einer ..Zupsgeigcnccke", eine Kochgelegenheit und sodann getrennte Schlafräume für Buben und Madel, om Obergeschoß ist ein Raum für Massenquartiere vorgesehen, außerdem eine Wohnung für den Heimvater. Das Massenquartier hat Raum für 60 bis 70 Gäste. Die Bauausführung liegt in den Händen der F rma Hoffmann- Herchen- hain. Die hessische Regierung steuerte zu Len Bau­kosten 2000 Mark bei. Die Übrige Dausumme soll durch die Ausgabe vonBausteinen", eine Lotterie, durch entsprechende Veranstaltungen in allen Vogelsbcr gorten und durch Spenden von der Provinz, den Kreisen den Gemeinden und auch der Industrie und aller sonstigen Freunde der deutschen Jugend aufgebracht werden.

Sodann beschloß der Führertag die Errich­tung eines Ehren males für die gefalle­nen V. H. C. - D r ü b e r. Das Denkmal wirb voraussichtlich gemeinsam mit der Gemeinde Her- chenhain errichtet und erhält seinen Platz gleich­falls auf der H e r ch e n h a i n e r Höhe an weit­hin sichtbarer Stelle. Die Arbeiten sollen, wenn irgend möglich, derart beschleunigt werden, daß Hausweihe und Denkmalsweihe miteinander ver­bunden werden können.

Die Berichte der Führer aus den einzelnen Ortsgruppen liehen ausnahmslos rege, für die Heimatsache begeisterte Arbeit erkennen. Für das Jahr 1925 sind u. a. folgende Veranstaltungen vorgesehen: im Januar: Wanderung auf den Hoherodskopf, März: Frühlingswanderung, Juni: Sonnwendfeier, Juli: Hoherodskopffest, August: Der Iugendtag in Lauterbach.

Am Schluß des ersten Deratungstages fan­den sich die Gäste mit einer großen Zahl i der Frankfurter D. H. C.-Brüder unb -Schwestern zu einem geselligen Beisammensein in ben Räumen derEinigkeit" zusammen. Hier wurde neben manchem ernsten Wort aber vor allem heiterem Scherz und Spiel Raum gewährt. Gar mancher junge Bruder entpuppte sich als wackerer Dichter und Sänger in heimischer Mundart und erntete mit seinen Darbietungen wohlverdienten Dank unb Beifall. R. H.

Kleine Strafkammer.

Gießen, 31. Okt. Angeklagt waren 6 Metz­germeister aus Büdingen, weil sie im Dezember v. Is. Fleisch, das sie zu 3640 Pf. pro Pfund eingekauft, für 1 Mk. pro Pfund verkauft haben sollten. Das Schöffengericht hatte sie f. Z. freigesprochen, da nach der Beweisauf­nahme nicht festgestellt werden könne, daß sie das Fleisch über 80 Pf. verkauft hatten, dieser Preis aber nicht als übermäßig bezeichnet werden könne. Die durch Berufung der Staatsanwaltschaft ver­anlaßte Strafkammerverhandlung, in der eine Reihe von Sachverständigen vernommen wurde, führte zu dem Ergebnis, daß e i n Metzgermeister wegen Vergehens gegen das Preistreibereigeseh verurteilt, die übrigen definitiv freige­sprochen wurden.

Die Ferdinand K r i s p e n s Ehefrau von Lindheim hatte entrahmte Milch einer Kanne mit Vollmilch zugesetzt und war daher wegen vor­sätzlicher Milchfälschung zu 200 Mk. Geld­strafe verurteilt worden: außerdem war die Veröffentlichung des Urteils angeordnet worden. Auf ihre Berufung hin wurde sie lediglich der fahrlässigen Milchfälschung für überführt erachtet unb zu 15 0 Goldmark verurteilt: die Ver­öffentlichung fällt weg.

Aus Anlaß des Ausbruchs der Maul- unb Klauenseuche hatte das Kreisamt Büdingen seu­chenpolizeiliche Vorschriften erlassen und unter an­derem angeordnet, daß alles von auswärts ein­geführte Vieh in besonderen Räumen einzustellen sei. Der Viehhändler Jakob Rosenthal von Büdingen stellte aber, angeblich weil er keine an­dere Möglichkeit fand, eine aus preußischem Ge­biet eingeführte Kuh in seinen Viehstall, in dem sich noch anderes Vieh befand, und meldete auch letzteres zur Quarantäne an. Gegen einen deshalb ergangenen Strafbefehl über 30 Mk. wendete er ein, daß er berechtigt sei, eingeführtes Vieh zu seinem eigenen zu stellen, wenn er letzteres eben­falls zur Quarantäne anmelde. Das Schöfsenge- richb schloß sich dieser Auffassung an unb sprach ihn frei. Auf ^Berufung ber Staatsanwaltschaft wurde bas Urteil des Schöffengerichts ausgehoben

um seine Jugend betrogenen Fürstensohnes an­klingen. Felix R o rf o l k war ein prachtvoll sym­pathischer Asterberg, Max Hofs man n dagegen leiber keine Verbesserung gegen Herrn Dechstem, besten Wirt vom Reckarstrand stets eine famose Leistung war.e.

*

Moissi in Frankfurt.

. TasReueTheater, das unter Helmers Leitung vor nun schon dreizehn Jahren Tol­stois RachlaßdramaDer lebende Leich­nam" der deutschen Bühne schenkte, hatte in diesen Tagen den Mann zu Gaste, ber, wie gewiß fein zweiter, den Fed ja, denlebenden Leichnam", zu spielen weiß: Alexander Moissi. Er lebt btefenlebenden Leichnam", ohne Pose, ohne theatralische Mittel, einfach und schlicht, ganz Mensch, dieser Willensschwäche, pastive Fedja, der mit einemich kann nicht" sich treiben läßt, der hinabsinkt in ben Schmutz, immer tiefer, aber doch ber gütige, verstehende Fedja bleibt, der uns er= FrSr 0^ ins innerste Mark als ein Stück unseres felbft, unb ber uns beschämt in braunem Dettler- getoanb, Vers osten unb verkommen, durch den Q3er= oid)t auf die Rückkehr ins Leben. Die Tragik einer ganzen Generation seines Volkes legte Tol­stoi in seinen Fedja. Cs sind die, die nicht mik- machen können ben Tanz um bas goldene Kalb, um die Staatskrippe, die nicht au^ufangen und SU plündern verstehen, die aber nicht Held genug und, den Kamps gegen die Korruption aufzu­nehmen, die Vergessen suchen, sich wegwischen. Moifsis Fedja ist ganz Musik. Wie Fedja die Wei- seu der Zigeuner locken unb fest halten, so umschmer- ä-elt und barmt Moifsis Stimme, diese unendlich im Ohr haften bleibt, ganz Passivität und Verzicht.e.

uno '^i. zu 3 0 M k. © e I b ft r a f e verurteilt. Dis Strafkammer vertrat den Standpunkt, daß R. dem klaren Wortlaut der kreisamtlichen Verordnung zuwidergehandelt habe, und ein Notstand bei ihm nicht vorliege.

Der Händler Johann Schneider aus Schlitz ist wegen Diebstahls eines Fahrrads zu d r e i Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die heutige Berufungsverhandlung, in der er wieder­holt seine Unschuld beteuerte, mußte zwecks Bei­ladung weiterer Zeugen vertagt werden.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Dienstag, 4. Rov.: Madame Butterfly. Mittwoch, 5.: Ariadne auf Naxos. Donnerstag. 6.: Aida. Freitag, 7.: Mignon. Samstag, 8.: Sakahoa. Sonntag, 9.: Tristan unb Slolbe. Sch au sp iel hau s. Dienstag, den 4. Rov.: Sechs Personen suchen einen Autor. Mittwoch, 5.: Medea bes Euripides. Donirers- tag, 6.: Die Cenci. Freitag, 7.: Die Hermanns­schlacht. Samstag, 8.: Das Ekel. (Donntag, 9 Sechs Personen suchen einen Autor.

Wirtschaft.

Die Umschichtung der Weltwirtschaft und diedentschen Ausfuhrmöglichkeiten (Von unserem Mitarbeiter

im rheinisch-westfälischen Industriegebiet.)

Die Aussichten für die deutsche Ausfuhr sind sehr schlecht, nicht nur wegen des allgmwinen Kapitalmangels, wegen ber Echutzzollschranken und wegen ber mangelhaften Aufnahmefähigteit Les Weltmarktes, sondern auch vor al km wegen Lev seit Kriegsbeginn zu verzeichnender völligen Um­schichtung der Weltmarttverhältni se Der Grund dafür liegt darin, daß schon seit Jähren in allen Ländern bje Tendenz dahin geht, die im eigenen Land gewonnenen Rohstoffe auch im Lamde selbst zu verarbeiten unb die Fertigerzeugnisfe anderer Länder möglichst fernzu halten. Darüber hinaus läßt sich seit einiger Zeit auch dir Reigu.rg fest­stellen, die Ausfuhr nach Kräften zu steigern, unb als Ziel vor allem Mittel- unb Osteuropa zu wählen. Anstatt daß wir mit unseren Fertig­erzeugnissen auf Len Weltmarkt kommen können, wirb man uns im eigenen Land mit Ausland- fabrifalen Konkurrenz b. reiten. Daraus ergibt sich ganz von selbst, daß das Auslano für uni ere Fertigfabrikate von eini .en wenigen Ausua> men abgesehen gar feinen Bedarf hat: wo dieser Bedarf besteht, ist seine Defriedigu ig durch Deutschland 'sehr schwierig, weil uns für sehr wichtige Fertigerzeugnisse die Rohstoff rundlaoe weitgehend be|dinitten worden ist. 2lus diesem Grunde ist Deutschland auch in sehr stör em Maß- auf die Einfuhr ausländischer Rohstoffe ange­wiesen. Daraus folgt zwangsläufig, Laß D.ustch« land auf ausländische Roch t off? für ben priva en Verkehr (z. B. Getteide und Viehi, sowie für den gewerblichen Verbrauch (y B. Metalle. Baumwolle) angewiesen ist. Während die deut­sche Ausfuhr verhältnismäßig gering bleiben mutz, wird älsv die von Deutschland benötigte Einfuhr ausländischer Waren immer ve hältnismähig hoch sein.

Von Sachlieferungen ist für die erste Zeit errte Belebung des deutschen Marktes nicht zu erwarten. Für Las erste Lie'erungsjahr sind z. D. Eachlieferungen nur in Höhe von 1 Milliarde Mark vorgesehen: davon entfallen aber allein rund 500 Millionen Mark auf Brennstoff liefe rungen; außerdem gehen von diesem Betrage noch> ab die Rückvergütung für die 26prvzentige Reparationsabgabe, die älnkosten für die Besat­zung, für die verschiedenen Reparationskommik fronen usw. Für eigentliche Sachlststru-gm w,rd deshalb kaum etwas übrig bleiben. Mich von einer günstigen Gestaltung der Handelsverträge ist nicht viel zu hoffen. Die günrttgften Verträge können uns nichts helfen, wenn keine Rachfrage vorhanden ist: in diesem Falle wird auch die Gewährung der Meistbegünst gung an uns ohne Wirkung bleiben, während andererseits die von uns zu gewährende Meistbegünstigung einfuhr- steigernd, für die Handelsbilanz also ungünstig wirkt. Schließlich kommt nod) in Betracht die Aufteilung der Weltabsatzg:biete durch Kartelle, die zwischen den entsprechenden Gewerben ber einzelnen Länder abgeschlossen werden können. Diese haben den Zweck, die ungleiche Verteilu ig der Produktions- und Verarbeitungsstätten der Welt künstlich zu fomgteren. Wie alle künst­lichen Verbesserungen, so können auch in diesem Falle durch Kartelle wohl die schlimmsten Schwie­rigkeiten beseitigt werden, an der nun einmal für uns vorhandenen günstigen Grundtendenz ist jedoch nicht viel zu ändern.

Alles in allem werden die vielfach stark hochgeschraubten Hoffnungen auf günstige Ab­satzmöglichkeiten für deutsche Fertigfabristtte sich weitgehende Einschränkungen gefallen lassen müssen.

Der neue Leiter der Physikalisch- techuifcheu Reichsanstalt.

Berlin. 1. Rov. (WB) In der Physikalisch- technischen Reichsanstalt hat die Einführung des neuen Präsidenten, des bisherigen Tübinger Phy­sikers Prof. Paschen, durch ben Vertreter ber Reichsregierung, Staatssekretär Schulz, statt- gesunden. Der Staatssekretär dankte dem anwesen­den ehemaligen Präsidenten, Geheimrat War­burg, für die langjährige aufopfernde Tätigkett, die er nur infolge seines hohen Altors aust geben nrußte. Der Redner bedauerte es, daß benn Rachfolger- Warburgs, Geheimrat R ernst, nur kurze Zeit möglich war, die Anstalt zu leiten. Trotz ihrer Kürze war die Amtsführung Rernsts jedoch von größter Bedeutung, da es ihm gelun­gen ist, die Anstalt, die unter ber Ro- ber In­flation besonders zu leiben hatte, ungefährdet durch die schwere Zeit zu bringen. R e r n st wies aus die gegcntoärHge Lage der Physik bin, die gerade ber Anstalt, welche die experimentelle Forschung pfle­gen soll, besondere Aufgaben zuweist. Der unge­heure Aufschwung der Physik in ben letzten Jahren wäre vorwiegend ihrem theoretischen Ausbau zu danken. Trotz aller Erfolge berge die Theorie nicht bei ben großen Geistern, die sie schufen, wohl aber bet ihren Mitarbeitern, die Gefahr in sich, ihr zu begegnen. Die Physik immer an den festen Grund der experimentellen Forschung zu veran­kern fei die Aufgabe der Anstalt, deren Leitung Paschen setzt übernehme.

Der Oberreichsanwalt medizinischer Ehrendoktor.

Die Medizinische Fakultät der älniöcrfi!ät Leipzig hat einer Blatterm.ldmig zufolg> dem Obcrreichsanwalt Dr. Ebormaye, m An­erkennung seiner Arbeiten in der ärztlichen recht­lichen Maiene den Doktort i tel ehren­halber verliehen.