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Montag, 5. Novemoer J92^

Sietzener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gverhessen)

Hr. 259 Sweiter Blatt

Deutsche Leiden in Böhmen

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von Ostpreußen war.

>n wurde, als man sich schon gröltet

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die

trotz

Bedrücktheit immer wieder das schon mit

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Tine dort, wo

oder im Theater entrüsten möchte, bcfonurrt:Die Tschechen sind fromme wollen nicht, daß wir Perlen vor werfen."

In solchen Steuerungen kommt

unserem Sch -Sonderber i chtersdatter.

Rachdruck verboten.

Dresden, Ende Oktober, halbe Stunde vor der deutschen Grenze, die Sächsische Schweiz ihr buntes Spiel

tschechischer Beamten in die deutschen Gebete ergossen, die unter Anwendung der Prager Me­thoden in vollkommen deutsche Städte wenigstens einen Hauch von Tschecheirttim hireinbrachien.

Aber dieser Staat ist cme Unmöglichkeit in sich, und trotz aller Brutalität hätte er schon längst als Döhmenstaot zerfallen müssen, wenn ihm nicht ganz neueGebiete reinen Slawentums undvollkommensterÄulturlo ig feit vom Osten h?r einverleibt wor.en wären So ist dieser ganze S.aat eine künstliche Konstruktion: Der Rumpf als solcher ist kein Ds che he'staat; die einverleibten slawischen Gebete ha m »n desh'.lb als Stammland gewertet, und mit die en Scheine des Rechtes hat man unter französischer Fäh- rung eine Gewaltherrschaft eingerichtet. Wenn das Britische Wel.reich sich plötzlich Grvß-Ind en nennen und Alt-England als erne Kolonie Groh- Indiens bezeichnen würde, so würde das unge­fähr der Sinnlosigkeit glcichkommen, die nun zum permanenten Bestandteil der Struktur des Tschechenstaates geworden ist Bewohnen doch in ihm allein die Sudetendeutschen mit ihren 3^/z Millionen ein rein deutsches Gebiet, das noch etwas gröher ist als Dänemark

Hier sollte sich der Völkerbund einmal umtun, hier sollte er endlich einmal auf die steig neuen, verzweifelten Klagen eine Antwort fin­den! Im tschechischen Parlament hat man eine Geschäftsordnung zusammengebraut, durch die die nicht weniger als 72 deutschen Abgeord- neben so gut wie mu nd t o t gemacht werden. Deutsche Männer werden nach dem Osten in die rein slawischen Gegenden ins Heer verteilt und stehen unter französischer Führung. Grausam sind die Strafen gegen die Vlän er und ihre Familien, wenn h.er einer die Schande nicht ertragen will. . v

Aützen wird ihnen auf bic Dauer das all nichts. Mögen sie auch alle Sttahennamen um­taufen, mögen sie lächerlich hohe Strafen dar­auf sehen, wenn Konzertprogramme und oi>eife= karten nicht tschechisch geschrieben sind, es b.eibt doch dabei: Ein Staat, der nur leben kann im fielen Kampfe gegen eine fast 40 Proz. betragenoe Schicht seiner Gesamtbevölkerung (ernschlreyttch der künstlich einverleibten), eine Schicht dazu, die gerade die größten Fähigkeiten in neb tragt, ein solcher Staat kann nicht bestehen bleiben.

Diese geknechteten Deutschen aber werden um so efcer von all diesen Unerträglichkeiten befreit wer­den, je eher sich in Deutschland eine Regierung und ein Parlament findet, die den Mut haben, anderen gegenüber deutsches Lebensrecht zu vertreten.

Verfolgt- und Dehorchtseins erweckt. Endlose Vorkommnisse, die hierüber erzählt werden, zeigen aber vor allem, von welch gemeinster und hinter* haltigster Dorsteliungskunst der Tscheche ist. Es sind nicht besonders krasse Fälle, sondern es ist Regel und liegt im System jener Organisationen, das) sich der tschechische Beamte feinem deutschen Kollegen in der l iebenswürdigsten und vertrau­licheren Form offenbart, um in demselben Augen­blick, da er irgendeine gefährliche Aeuherung von ihm erfahren Hal, hinzugehen und ein D i s z i- plinarverfahren zu veranlassen, das wohl bisher noch in keinem einzigen Falte anders als mit der pensionslosen Entlass ung des Deutschen endete. Ob der Mairn Frau und Kinder hat, darum kümmert sich kein Mensch und der Staat am allerwenigsten.

Rkan hat ja ein Interesse daran, den Deutschen verarmen und verproletari- fieren zu lassen. Denn die Deutschen sind nicht nur überall die Führer in Handel und Kultur, sondern die Deutschen machen ja abgesehen davon, das) sie allenthalben Schöpfer und Führer sind nicht weniger als mehr als ein Drittel, nämlich 37 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. So etwas nennt sich dann Ra t i o na l staa t", und so etwas muhte aus­gerechnet auf dem Boden des freienSelbst- bestimmung?rechtes" der Bölter erwach­sen! Die Hauptstadt Prag, in der so rücdich.s- los tschechisiert worden ist, dah man fart an Petersburger Methoden denken möchte, ist zu einem Fünftel von Deutschen bewohit Alle an­deren größeren Städte wie Eger, Komoiau, Ga­blonz, Kaplitz, Reichenberg, Leipa. Brüx, Tepliy, Ohrfeig, Warnsdorf. Saaz Haber über 90 Prozent, Dux, Leilmeritz. Mies, Trautenau über SO Proz rein deutsche Bevölkerung Dabei sind alte diese Zahlen festgestellt auf Grund ei.er tschechischen Statistik, die erst jetzt her­

lange Pfeife aus dem Mund nehmen müssen, und das tat er nicht gerne. Schließlich bequemte er sich doch dazu, in dem Augenblick, als Grün dem neuen Gast den zweitenDopp" vvrstellte. Offenbar hatte das Renko.ntre demselben Durst gemacht.SefenSe." bemerkte Müller,jetzt schmeckt ihne der Trank noch cmal so gut. Iwwerhaupt braucht mer von der gute Luft feier hin nur epolar Züg einzuschnaufe, dg is aach gleich de Dorscht do! Awwer Se blute ja am Kopp, mein Herr! Herr Dokter, wolle Se net cmal ncvchseh'? Der also AngerÄtete war alles, nur kein Arzt. Er verstand aber als altes ein- gearbeitetes Lügentischmitglied den Wink and antwortete:Gewrfe, Wenns dem Herrn recht ist?"Ja. bitte," sagte dieser, obgleich er durch Tupfen und Wischen mit dem Taschentuch auf dem Kopf herum vergeblich festzustellen suchte, ob und wo sich eine Verletzung befand. Aber die ehrwür­digen Gesichter der meist älteren Herren und auch das des Herrn Doktors mit der goldenen 'Brüte liehen ihn eine diesbezügliche Bemerkung unter­drücken. Der Herr Doktor stand auf. ging in würdevoller Haltung zu demPatienten", unter- suchte emgefecnb dessen Kopf und fühlte ihm auch den Puls wobei er eine sehr ernste Miene auf- setzie und mehrmals leise den Kopf schüttelte Der Patient tat das auch, beim ihm kam die ganze Sache beängstigend merkwürdig vor.

Es war ein Glück, dah der Student dem Lügentisch den Rücken zukehrte, denn da bekamen schon einige blaue Gesichter vor unterdrücktem Lachen Grün hinter seinem Büfett platzte bald vor Vergnügen und verschwand schleunigst als der Herr Doktor ihn bat, eine Schüssel voll Wasser,

phantastisch geformter Sandsteinselsen anhebt und den ganzen Elblaus hinaus toeilertrcibt, wo Jahr­tausende alte Muschelverte»lkuugen an das Meer erinnern, das sich hier einst ausgedehnt hat, da erhebt sich rechts der Elbe der K ö n i g st e i n , links der L i l i e n st e i n , beides ehemals Festun­gen, deren Kasematten in den letzten Jahrzehn­ten jedem Besucher offenstanden. Denn man war ja nicht mehr Grenzland, und gegen den Bundes­genossen bedurfte es keiner Verteidigung. Heute wissen wir, dah im Falte einer kriegerischen Aus­einandersetzung hier ein Einfallstor des französischen Militarismus wäre; heute sehen wir mit Unwillen und Entrüstung über jene Grenze, von der stets von neuem die Klagen un­terdrückter Dollsgenossen zu uns betuberbringen, denen wir unsere Herzen mehr erschließen sollten als angetoiften Völkerbundschalmeien.

Ein geradezu teuflisch meisterhaftes System liegt dem Verhalten der tschechischen Regierung und der mit ihr Hand in Hand arbeitenden le­galen und illegalen Organisationen dem Deutsch­tum gegenüber zugrunde. Wer als Deutscher ge­boren wird oder noch im Alter der Vorbereitung fürs Leben steht, wird, je jünger er noch an Jah­ren ift um so fester ganz einfach der Fähig­keit beraubt, sich seiner deutschenArt gemäß zu betätigen. Das erste, was in der Schule gelernt werden muß, ist die t s ch e ch i s ch e Sprache; die deutsche wird systematisch unter­drückt, und eine ewige, nie abreibende Kette von plötzlich eintreffendenInspektoren" sorgt dafür, daß kein deutscher Lehrer hier andere Bahnen gehl. Hochbetagte und hochverdiente Pädagogen hat man rücksichtslos a u f die Straße ge­setzt, um Exempel zu statuieren. Es ist ganz zweifellos: Ein Mensch, der seiner Muttersprache nicht mächtig ist, der muß sich schließlich auch sei­nem Kulturkreis entfremdet fühlen, und der Staat und all jene Organi­sationen, hinter denen sich auch wieder nur der Staat verbirgt, sorgen schon dafür, Daß ein seelisch so geknebelter Mensch schließlich, um nicht betteln gehen zu rnüss-en, auch den fetzten Schritt zumBoden, der nun einmal ge­gebenen Tatsachen" fertigbringt. Kaufleute und Männer in freienBerufen, die irgendwie groß- -deutscher' Gesinnung verdächtig sind, werden im Ertr-erbsleben systematisch boykottiert, und der Boykott setzt sich fort gegen diejenigen tschechischen Firmen, die mit solchen deutschen Kaufleuten kontrahieren, und erscheint rn gleich /niebriger Gehässigkeit als gesellschaftlicher Boykott, nur dah er da immer Anlaß zum Lächeln gib; beim wenn ein Tscheche einen Deut­schen gesellschaftlich boykottiert, so hat man srch in deutschböhmischen Kreisen eine recht fimrfäÜige

Erklärung zurechtgelegt, die man überall, wo man sich über irgendeine tschechische Flegelei vn Cafe zu hören

Tsckicchisierungserfolge sicher zu sein glaubte. Zur Aufnahme dieser Statistik hatte sich ein Heer

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold stellt gegenüber den Behauptungen von August Win- nig in einem Artikel in Rr. 249 des Gießener An­zeigers fest, daß es sich bei dem Eingreifen des Reichsbanners bei der pazifistischen Versammlung in Potsdam, wo der französische Professor Basch sprach, um nichts anderes als um Schuh der Versammlungsfreiheit handelte. Daß dort ein Franzose sprach, tut nichts zur Sache^ Es hätte ebensogut ein anderer In- oder Ausländer sein können. Politischer Anstand verlangt, auch wenn er nur rudimentär vorhanden ist, festzustellen, daß Basch höchste Achtung verdient; daß er ein aus­gesprochener Deutschenfreund ist, der von den französischen Militaristen, Chauvinisten und Mon­archisten, vor allem von Daudet (fou du roi-Hof- narren und seinen Camelots) aufs Blut gehetzt und verfolgt wird. Basch in Frankreich oder Dr. Gaumbel in Deutschland, General Derr au? in Frankreich ober General Deimling in Deutschland vertreten die Gedanken der Völkerverständigung und werden, weil sie wie Christus dem brutalen Egoismus die friedliche Menschenliebe gegenüber» stellen, von den französischen wie deutschen Chau­vinisten ans Kreuz geschlagen.

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ist mit der pazifistischen Bewegung nicht zu identifizieren. Als Beweis muh die Tatsache gelten, dah die Teilnahme an denR e toi der-Krieg-Kundgebun­gen" für alle Kameradschaften verboten war. (Siehe Bundeszeitung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Rr. 8.)

In einem hat Winnig recht: Wir lehnen Potsdam ab, nicht weil in seiner Rähe ein Hohenzvllenrkönig sich mit einem französischen Philosophen in französischer Sprache verächtlichde la litterature alle- mcrnde" unterhielt!, sondern weil es uns eine Versündigung am Geiste des deutschen Volles er­scheint, wenn man Potsdam, die Kaserne, als Symbol neben das Pantheon oder die Westmin­ster Abchey stellt. Wir stellen neben und über das Pantheon oder die Westminster Abbey Weimar. Uns zieht der Drelllang aus Goethes Iphigenie, dem Evangelium der reinen Menschenliebe, aus Lessings Rathan, dem Bekenntnis zur religiösen Toleranz, aus Schillers Don Carlos, dem Hohe­lied der Gedankenfreiheit, getoaltig und be­geisternd durch die Seele.

Wir vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bekämpfen das Klein-Deutschland, das schwarzweihrote Groh-Preuhen des zweiten deutschen Reiches. Wir kennen nichts vaterlandsloseres als die deutschen Für­sten, die die tausendjährige Gemeinschaft des ersten Deutschen Reiches, die des Hei­ligen Römischen Reiches Deutscher Ration schnö­desten Eigennutzes wegen verliehen und zu den Franzosen überliefen. Wir, die wir das dritte

verirrt und keine Ahnung von dem Wind hatte, der hier wehte, irgenbemen Schluppstrerch aus­zuführen. , . ,,

Es mochte gegen 10 Ufer gewesen fein als plötzlich von der Straße feer durch die offenen Fenster Laute hereindrangen, welche man bei Rempeleien zu Höven Pflegt; Scharren und Schimpfen, Balgen und Stoßen. Am Lugenttfch spitzen sie die Ohren. Im Ru toaren ernrge. Grün voran, draußen, um ja nichts von dem Intermezzo zu verlieren. Man horte sie, an­scheinend mit Erfolg, intervenieren, und nach cmer Heinen Welle kamen sie wieder feerem, einen sehr aufgeregten Herrn, einen etubemen mit- bringend, der sich knurrend und brummenb dar­über beklagte, baß man ihn auf der Strafte in roher Weise an gerempelt und zurechtgestofen habe, was er sich natürlich nicht habe gefallen testen unb er infolgedessen mit feinem Gegner in eine Rauferei gekommen fei. ,

Am Lügentisch zw.nkerie man sich zu besprach, ohne sich mit dem Herrn in eine Unterhaltung einÄulaffen bas Vorkommnis, bezeichnete es als Flegele' unb gab ihm auf btese Weite za Per- itelten bafe er sich feier bei Leuten befände, die derartige Behelligungen Fremder nicht billigten.

-rier Student setzte sich an den teeren Zwölf- aposteltisch unb wischte sich mit dem Taschentuch das erhitzte Gesicht ab. toaferenb Hm Grün oh re lang zu fragen, ein Glas Bier vorletzte. Das wac hier so üblich. . s____

Der lange Müller, weiland Senior ber Lugen- tischler hätte sich gerne einmal nach bem An­kömmling feerumgedreht, aber da fyatic er ferne

Am Lügentisch imLotz".

Von Louis Frech.

1. Der Student.

Es war im Sommer, art einem Santetagabtnb. Am Lügcntisch saß etwa ein Dutzend Stamm­gäste, regelrechte, die dahin gehörten. Der Teu­tonen-, Eteffen und ber vor den Büfett stehende Zwöltepostcltisch waren verwaist, denn die Stu­denten saßen auf ihren Kneipen und die zwölf Apostel alte Gießer Spieß?r tagten heute einmal anderswo. DieFr ibank", das ist der Tisch neben dem Lügentisch, zierten einigeRicht­ladenreine", d. h. solche, die Lin Anrecht an einem der erwähnten Tische hatten

Man unterhielt sich von allem Möglichen, nur nicht von Dingen, die nach der Woche Mühe und Last das Hirn hätten anstrengen und da­durch eine Störung dos Allg :me in befindens inö der patriarchalischen Gemütlichkeit hätte ver- ursächen können. Manchmal war s sogar mäus­chenstill im Lokal, em Beweis dafür, daß jeder seinen eigenen Gedanken nachfemg. oder, was noch wahrscheinlicher war, überfea.rpt nichts dachte. Also ein durch einen guten Trank gewürztes Lotze dolce far mente. Der damalige Wirt Grün mit feinem fahlgelben, etwas dürftigen Haarwuchs, seinen listigen Ar-uglein and seinem verschmitzten Gesichte stand hinter dem Büfett und äugte mrufeig umher, denn er war kein Freund von solchen Siesten, ec liebte mehr die Unterhaltung, auch wenn sie, wie das öfters Por­tern, keinen Schuß Pulver weit war unb nur darauf hinauslief, an einem, der sich in das Lokal

cher nach der Revolution Oberpräfident D. Red.

QB>?r Wiener Blut gewürzte Temperament dieser Deutschen zum Ausdruck. Freilich, sie sind hart geworden in diesem Kampfe und durch die tausenderlei Schllanen, und wenngleich die Deutschböhmen auch in diesem Jahre wieder auf der Leipziger Messe mit ihren mannigfaltigen Bijouterien und Spielwaren vertreten waren, bann kann man das heute doch nicht mehr, wie es früher wohl mit Recht unb Humor geschah, eben als symbolisch fürDaitschbehmen" nehmen.

Ein Kapitel für sich bildet die Beamten­frage. Wie im Geschäftsleben, so ist auch hier vor allem das Tummelgebiet all jener freien Organisationen. Daß von Regierungsseite den deutschblüligen Beamten das Leben schwer ge­macht wird durch zum Teil ganz sinnlose Verord­nungen, das versteht sich von selbst. Aber ge­radezu unerträglich ist gerade hier ein Spitzel- wesen in Funktion, das das Gefühl ewigen

einen Schwamm und einige Handtücher zu brin­gen. Mit ihm sah man einen nebenan wohnen­den Sattlermeister zur Türe hinausschlüpfen, beim dieser holte in seinem Laden einen mächtigen Pferdeschwamm und reichte denselben durchs den Dierfchalter vom Hausgang aus in das Büfett, woselbst ihn Grün in die bis oben ungeteilte mittlerweile herbeigeschaffte Waschschüssel warf und diese auf den Tisch neben den Studenten stellte Ebenso setzte er einen fußhohen Sah Hand­tücher daneben.Run, dann kann es ja losgehen!" meinte der Herr Doktor, nahm den fast die ganze Waschschüssel aussü le iden vollgesogenen Schwamm, schwippte ihn ein paarmal ab unb legte ihn mit einem Klatsch auf das Haupt desBlessierten", dem natürlich das Wasser ringsum nur so am Kopf herunterschofe. Rachdem in gleicher Weise die Auflage noch ein paarmal wiederholt wor­den war, wagte der also Getaufte die Bemer­kung, daß die Wunde doch nun wohl hinreichend ausgewaschen sei, denn er säße auf dem Stuhl bereits in einer Pfütze.Ja, wissen Sie," ertoi- berte der Herr Doktor,lieber in solchen Fällen etwas zu viel, wie zu wenig. Aber ich hätte ja auch so wie so jetzt aufgefeort, denn es ist keiii Wasser mehr da." Dem Studenten, das sah man ihm an, kam die Sache kurios vor; er schien sich nicht darüber einig zu fein, ob er sich zu Be­such bei Poseidon oder tatsächlich imLoh" befände Aber die blutigernfle Miene des Doktors, die ge­schäftige Bereitwilligkeit des Wirtes, der jetzt mit dem Schwamm den Tisch abwusch und ihn dann samt ber Waschschüssel toegtrug, das ruhige Verhalten der Gäste, denen er allerdings den

Deutsche Reich zufammengebalten haben, das zu unserem Schm er c noch nicht das GrvßdQttsche ist, baß es aber wer den wird, wo die Hauptselnde des großen deutschen Einheitsstaates, die Fürsten, in ber Stunde ber Gefahr nicht Führer, sondern Flüchtlinge wurden, wir, die wir wissen, dah am Ansang der deutschen Geschichte die Republik stand, die Gauversassung dasThing", wir wer­den durch unsere gewaltige Bewegung, die schon jetzt die d r i 11 e M i l l i o n Anhänger über­steigt, wir werden all die morschen Grenz- pfähle im deutschen Lande ausreißen und die durch Fürstenschuld verlorenen Brüder deutscher Zunge an uns ziehen, wenn alle Deutschen die Zeichen der Zeit verstehen und sich um das Reichs­banner Schwarz-Rot-Gold sammeln, wie es Ge­neral von Deimling vom Balkon des Rational- Theaters als Losung ausgab.

Jeder, auch der innerlich infolge Milieu Bindungen Widerstrebende, muß zugeben, daß Schwär-weiferot durch Rückkehr der Fürsten horizontal gefefeen die Schaffung des großen Einheitsstaates aller Deutschen unendlich er­schwert, daß. vertikal gesehen, höchstens bürger­lich Denkende, und die lange nicht restlos, sich zufammensinden, damit ist aber bei einem In­dustrievolke kein Problem gelöst; vielmehr die Fragestellung ungeheuer verschärft und bramati- fiert. Schwarz-Rvl-Gote aber schafft ben Ein- heitsstaat unb führt größte, von Schwarzweißrot vergeblich unnrobene Volksteile zu bem Staats- gebanken, natürlich zu ihrem Slaatsgedanken. dem des sozialen Volks st aates. Das Zeichen des Reichsbanners ist das Einigende, vielleicht das letzte in der Geschichte des deutschen Volkes, wenn dieGebildeten unter seinen Verächtern" umlernend es be­greifen wollen.

Schoen, Kreisvorsitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold.

Steuerrschtsstreitigkeiten und ihre Kosten.

Von Dr. P. Ruprecht, Dresden.

Die Kosten eines Steuerrechlsstreites regeln sich nach r, 8 des deutschen Gerich:skoste:ige;e^tes und sind "bekanntlich, wenn und soweit bi? En:- scheidung zu Ungunftcn des Sleue pflichtigen lautet, von ihm zu tragen Da- d n mci len von ihnen unbekannt fein wird, welche hohen Ver­bindlichkeiten ihnen daraus erwachse' können, so sei dies an einem Beispiel barg stellt

Cs sei dafür angenommen, ba} ein Steuer­pflichtiger auf Grund einer bei ifem vorgeam« menen Buchprüfung mit 1000 Mk. für Cink m- menfleucr nacht? ran lagt w rden fei Gege i die c Entscheidung erfe.bt er Einspruch, der abjclefent wird. Dagegen legt er Berufung beim Finanz­gericht ein, die ebenfalls ersolgws ist Ee wendet liefe nunmehr mit einer Rechtsbeschw.rde an den Reichsfinanzfeof, mit der er auch abgewiesen wird. Im Vertrauen auf fein gutes Rech' feit er nicht nur von einem Stundungsrntrag abgefzfeen, son­dern auch trotz einer Mafe:rung die verlangte Summe nicht bezahlt und ist mit ihr 5 Monate bis zur Entschcibung des Reichsfrnanzfe fcä im Verzug g?blieben. Er hat bann folgende Beträte bei dem angenommenen Objekt von 1000 Mk. zu erlegen:

Für das Einspruchs verfahr en 60 Mk. Gebühren unb 15 Proz. = 9 Mk. Pauschsah für Schreib­gebühren ufto, für das Derutengsverfahren 90 Mark Gebühren unb 15 Droz. 13,50 Mk. Pauschsatz für Schre bgebühren ufto., für bas Rechtsbcschtoerbeversah. en 120 Ml. ©ebüfe.en unb 15Pioz : 18 Mk. Pauschsah für Schre bgebühren ufto, zusammen 310.50 Mk. Dazu kommen noch an Duchprüfungsgebühren 20 Proz. des Objekts = 200 Mk., die jedoch bei Vorliegen eines ent­schuldbaren Irrtums nicht erhoben werden. Die Zuschläge für die 5 Monate zu spät erfolgte Zah­lung, die 2 Proz. für je ' Monat betragen, machen ebenfalls 200 Mk. aus- Dazu tritt noch eine Mahngebühr von 4 Proz., also 40 Mk In bem vorliegenden Fall entstehen also auf einen Streitgegenstand von 1000 Mk 750 50 Ml. Kosten. Sie können sogar noch etwas höher werden, wenn z.B. ber Mahnzettel von einem Beamten über­geben wirb, der zur Empfangnahme bes Betrages

Schwarzrotgold.

Zu bem Artikel August Winnigs in Rr. 249 des G. A. bittet uns der Kreisvorfihende des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Herr 6tubtenc>i. ter Echoen, um Ausnahme einer ..Er­klärung", der wir in dem uns am 31. v. Mts. übermittelten Wortlaut Raum geben in der Erwägung, bafe auch diesen Kreisen unserer Bürger­schaft Gelegenheit zur Meinungs­äußerung gegeben werben muß. Untere eigene Stellungnahme toirb durch diese Auslassungen natürlich nicht berührt. Da über die Persönlichkeit August W i n- nigs offenbar in Teilen unserer Leser- fchaft, sogar innerhalb der Kreisleitung des Reich^bcsnners, Unklarheiten bestehen, sei feier nur noch bemerkt, daß August Winnig von Beruf Maurer, einer der hervorragendsten Führer in der sozial­demokratischen Bewegung und als sol-

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