gefunden «jaden die besonders die Fragen des Wiederaufbaues von Oe st erreich und Ungarn enthält sowie den Bericht über die Kommission für internationale geistige -Zusammenarbeit. Zu letzterer Fxage bat ter frühere französische Minister L o u ch e u r kurz das Wort genommen, um darum 51 ersuchen, daß birie Frage noch diese Woche behandelt werden möge, um dev? hier weilenden französischen Unterrichtsminister Foanyois Albert Gelegenheit zur Mitarbeit zu geben.
Der amerikanische Garantie- paktentwurs.
Paris, 3. Sept. (WTD.) Dem Genfer Sonderberichterstatter des „Petit Parrsien" erklärte der Amerikaner Shotwell, einer der Derfasser des amerikanischen Entwurfs emes Unter st ühungspaktes auf Gegen - seitigkelt. der von Lyon nach Genf zurückgekehrt ist, er sei sehr befriedigt von dem Meinungsaustausch, den er mit dem französischen Ministerpräsidenten hatte und der sich aus die vorgeschlagene Abänderung an dem ursprünglichen amerikanischen Plane bezogen habe. Durch diese Abänderungen erhielten die Hauptbestimmun gen des Vertrages, ohne daß diese sachlich ' geändert würden, die Form von Resolutionen, die von der Dölkerbundsversammlung unmittelbar angenommen werden könnten. Der amerikanische Entwurf umfasse in feiner neuen Gestalt statt der in fünf Abschnitte eingeteilten 31 Artikel vier verschiedene Texte und eine Erklärung zu dem Zweck, den Angriffskrieg außer Gesetz zu stellen, der ein Resolutionsentwurf zur Abstimmung in der Versammlung beigefügt sei, ferner drei andere Resolutionsentwürfe, die gleichzeitig der Versammlung unterbreitet würden und sich auf die Abrüstung bezögen. Was das Unter» 1 uchungs - und Rüstangskvntrvll- r e ch t anlange, so seien die diesbezüglichen Resolutionen nach Vorschlägen bestimmt, die Frankreich im Versailler Vertrag vorgebracht habe und in denen das System der Sonder-Defensivabmachungen zur Geltung komme, wie sie bereits im Rahmen des Völkerbundes ständen.
Wegen die Derwelschung des Saargebiets.
Protestnoten der Reichsregierung an den Völkerbund.
Genf, 2. Sept. (WTV.) Der Völkerbundsrat wird sich in diesen Tagen mit verschiedenen Roten der deutschen Regierung über Saarge - bietsfragenzu befassen haben.
An erster Stelle steht die Frage des fr an- zösischenMilitärsim Saargebiet. Hier verlangt die Reichsregierung unter Hinweis auf die jahrelange, fast erfolglose Diskussion dieser Frage und die bisher nicht ausgeführten Beschlüsse des Rates die Vestimmungeines fest en Terrains und Zusicherungen für die Zurückführung der französischen Truppen aus dem Saargebiet und die endgültige Errichtung der örtlichen Gendarmerie.
Eine andere wichtige Frage ist die der f r a n - zösischen Schulen im Saargebiet.
Die Reichsregierung hat in einer eingehenden Rote nachgewiefen, daß die französischen Schulen, die tatsächlich reine Propagandaanstalten darstellten und nur dank der Unterstützung der Regie- rurigskommisfion des Saargebiets zu ihrer gegenwärtigen Ausdehnung gelangen konnten, im Widerspruch zu dem Versailler Vertrag stehen. Sie beantragt, daß entsprechend dem Versailler Vertrag französische Schulen im Saargebiet nur für französische Kinder unterhalten werden dürfen. Die Rote der Reichsregierung wird ergänzt durch ein Rechtsgutachten des Berliner Llni- versitätsprofessors P a r t s ch, in dem insbesondere nachgewiefen wird, daß durch die Errichtung dec französischen Schulen nicht nur verschiedene B.>- dingungen des Versailler Vertrags, sondern auch wichtige Grundbegriffe des im Saargebiet fort- geltenden preußischen Schulrechts, so de gesetzliche Schulpflicht und die Bestimmungen^ über die Konfessionsschule verletzt werden.
Endlich liegt eine Beschwerde der Reichsregierung gegen zvllp oliNsche Maßnahmen der Regierungskommission vor. Währmd der Versailler Vertrag Deutschlands Erz-eugni sen bis zum 15. 3anuar 1925 zollfreie Einfuhr im Saargebiet zusicherte, hat die Regie- rungskommission die deutsche Einfuhr im deut-
Nach Hersfeld Iaht uns wandern
Zum 3 3. Deutschen Wandertag vom 5. bis 8. September.
Der regnerische Sommer geht zur Reize. Das Grün der Bäume und Sträucher beginnt sich zu färben. Die Sonne geht schon später auf und früher unter. Im Scheine ihrer matter gewordenen Strahlen sammelt der Landmann tränenden Blicks die letzten Aehren seines schwarz gewordenen Getreides. Zu dieser Zeit schnürt Deutschlands wandernde Iugend ihre Ranzen und ergreift den Wanderstab, um an dem vom 5. bis 8. September in Hersfeld stattfindenden 33. Deutschen Wandertag teilzunehmen.
Es ist ein bald 1200jähriges Städtchen, das zum diesjährigen Tagungsort gewählt worden ist. Sein Äame ist mit goldenen Lettern in bla deutsche Geschichte eingetragen, und Gustav Fr eh tag und Wildenbruch haben ihm neben anderen in ihren Werken „Rest der Zaunkönige" und „Hexenlied" Denkmäler gesetzt. Luthers Lehre ist von Hersfeld aus in Hessen bis nach Thüringen und Sachsen verbreitet worden, Und nicht gering ist die Zahl derienigen, die auf dem über 350 Iahre bestehenden Carolinum Hersfeldense ihre deutsche Bildung genossen hab«i und von dort auf die Universitäten Marburg, Gießen, Göttingen, Frankfurt und Jena gezogen sind. Bei ihnen allen wird der 33. Deutsche Wandertag Erinnerungen aus der einstigen Pennälerzeit wachrufen. Und die anderen, die weder Pennäler waren, noch zum Deutschen Wandertag kommen können, werden wenn sie vielleicht einmal im O-Zug an den Mauern der alten Lullusfladt vorbeisausen, im Geiste ein Stück deutscher Geschichte erleben,'das sich würdig an die Annalen anderer deutscher Stätten reiht. Mögen hierbei diese, den deutschen Wanderern gewidmeten Zeilen Wegweiser sein Kloster und Stift.
Da, wo die Geis in die Fulda fließt, gründete Lullus, ein Gefährte des Bonifatius, ein Kloster. Kaiser und Könige gingen in diesem ein und aus und förderten sein Aufblühen. Bei den unter Leitung von Prof. Donderau stattgefundenen Ausgrabungen wurden die Grundrisse von drei kleinen
schon Saargeoiet in enge Grenzen kontingentiert und hierdurch die Wirtschaft, insbesondere die Maschinenindustrie, erheblich geschädigt. Die Reichsregierung verlangt, daß die Regierungs- kommission, wenn sie gewissen befürchteten Auswüchsen vorbeugen zu sollen glaubt, nur solche Methoden anwendet, die die vertraglichen Garantien unangetastet lassen.
Intervention der Mächte in China.
Washington, 2. Sept. (WTV.) Wie ein Funkspruch meldet, hat der amerikanische Geschäftsträger Bell in Peking an das Staatsdepartement berichtet, daß die diplomattschen Vertreter der Vereinigten Staaten, Englands, Japans und Frankreichs in Peking wegen des in der Umgebung von Schanz- h a i bevorstehenden Kampfes zwischen chinesischen See- und Landstreitkräften dem Auswär- tigen Amt mitgeteilt hatten, daß derartige mili- tärische Zusammenstöße nicht geduldet werden könnten. — Die Seestreitkräfte der Mächte werden bereits vor Schanghai tontentriert. Auch Italien scheint sich an der Flotterchemonstration zu beteiligen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 3. Sept. 1924.
Wolkenzug.
Hoch über der Straße steht ein Wollenzug. Es ist eine Karawane aus Blau und Silber; sie haben sich gelagert und sind unbeweglich.
Weil ich stehen bleibe, bleibt auch noch ein anderer stehen, ein Dritter und Vierter und zuletzt ein paar Dutzend; sie blicken von mir zu den Wolken, von den Wolken zu mir, sehen sich gegenseitig an und wissen nicht, was es gibt, denn daß einer tn der Stadt um ein paar Wolken stehen bleibt, das ist doch wohl nicht möglich; sie schütteln mit dem, Kops und zehen weiter.
Ich schüttle auch mit dem Kops und bleibe stehen: Wie ist es nur möglich, daß man sich ein solches Schauspiel entgehen läßt! Es ist eine malerische Gruppierung sondergleichen, die sie auf einer fertigen Posttarte oder auf einem Oel- zemälde sehr bewundern würden, aber hier ist es ja „bloß" Statur, und das zieht nicht. Wenn es Geld kostete, würde der ^Inorang sicher kaum zu bewältigen sein, denn alles, was Geld kostet, muß schon deshalb interessant sein; und die nicht gegluckte Mondfinsternis letzthin würde sicher doppelt reizvoll gewesen sein, wenn sie sich vor geladenen Zuschauern vollzogen hätte.
So sind wir Städter! Wir suchen die Abenteuer da, wo keine sind und erst notdürftig für uns gemacht werden müssen damit einer sich die Taschen durch unsere Rarrheit füllt. Wir haben nur Zeit, wenn es etwas zu sehen gibt, das ans Rervenkitzel bereitet. Vor einem gestürzten Gaul bleibt die ganze Straße stehen, verfolgt jede Bewegung des Tieres mit sportlicher Gewissenhaftigkeit und nimmt dann beruhigt Rotiz davon, daß die Sache harmloser war, als man erst gedacht hatte; bei diesem wundersamen Anblick ruhender Wollen hat keiner Zeit; was soll es da zu sehen geben! Das sind eben Wollen, und daß es die gibt, das weiß man schon von den Jahren her, wo es der Lehrer in der Schule besprach. Pflichtmäßig fällt den meisten vielleicht noch ein: Haufenw>lke, Feder wölke, Lämmerwolle und was es mehr schöne Ramen gibt; aber daß es eine Sache ist, über die man sich herzlich freuen und an der man das Aage weiden kann, das will den wenigsten in den* Sinn. So stehe ich und blicke empor. Majestätisch ruht der Wolkenzug über der Straße, erdfern und in seliger, selbstvergessener Schönheit!
** Vom Tabak. Im Iahre 1923 wurden, den ..Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landes slatistik" zufolge, im unbesehte-t Hessen 300 000 Stück Zigarren von 5 Zentimeter Länge und einem durchschnittlichen Gewicht von 1,300 Kilo auf. 1000 Stück, ferner etwa 50 000 Stück Zigarren im Einzelgewicht von über 10 Gramm das Stück hergestellt. Die früher vereinzelt fest- gestellte Selbsth.rstcllung von Zigaretten hat dadurch, daß seit Einführung der Aenienmark wieder billigere Zigaretten auf den Markt kommen, fast ganz cmfgehört. Tabakersatzstoffe fanden keine Verwendung. Tabakerzeugnisse wurden nur in ganz geringer Menge, die nicht in Betracht zu ziehen ist, eingeführt. Die Herstellung von Pfeifen- Kirchen freigelegt, auf denen dann von 831 bis 850 der sogenannte karolingische Dau errichtet worden ist, der 1037 aus unbekannter Tlrsache ab= brannte. Aber schon 1144 wurde eine romanische Basilika eingeweiht, die in ihren Ausmaßen den Kölner Dom übertrifft. Tage höchsten Glanzes sah das Kloster, bis der 30jährize Krieg seine Brandfackel auch durch Hessen und Thüringen trug. 1521 predigte noch Luther in den heiligen Hallen, dann wurde es langsam füll. Im 7jährigen Kriege' richteten die Franzosen m dem verlassenen Gotteshaus ein Magazin ein, das sie bei ihrem Abzüge in Brand steckten. Heute flehen nur noch die Ruinen. In ihrer gewaltigen Erhabenheit stumme Zeugen vergangener Jahrhunderte.
Die Stadt.
älm das Kloster entstand ein aufblühendes Gemeinwesen, das 1170 urkundlich als Stadt erwähnt wird. Die mächtige gotische Stadtkirche wurde 1323 eingeweiht. Von der Plattform des 50 Meter' hohen Turmes ertönt noch heute all- sonntäglich ein Choral. An die siegreiche Abwehr eines hinterlistischen äkederfalles des Abtes Berthold 1373 erinnert das Vitaliskreuz. Das Rathaus, ein herrliches Erzeugnis der Renaissance, wurde 1612 erbaut. Während der Franzosenzeit, 1806 07, wurde Hersfeld durch den badischen Oberstleutnant Stagg vor dem Derbranntwerden bewahrt.
Die Stadt hat, trotzdem sie eine ziemliche Industrie beherbergt und vor den Toren ein aufstrebendes Bad besitzt, ihr mittelalterliches Gepräge gut bewahrt. Die alte Feflungsmauex mit ihren Türmen ist fast vollständig erhalten. Auf dem großen viereckigen Marktplatz, der von behäbigen Patrizierhäusern umgeben ist, fanden früher die Exerzierübungen des hier stationiert gewesenen Bataillons be£ Jnf.-Rzts 32 Meiningen statt. Reizvolle Straßenbildm: mit giebelgekrönten Fachwerkbauten, zwischen die viele kleine Bäche romanttsche Plätzchen zaubern, vervvllstän- taaen das stimmungsvolle Bild. An der alten Klosterschule hat auch Konrad Duden, der Der- tafser des bekannten Wörterbuches, gewirkt. Seine Gebeine sind euf dem hiesigen Friedhof beigesetzt.
taba£ hat auf Kosten der Zigarrenherstellung zugenommen, was auf den geringeren Preis des Pfeifentabaks zurückzusühren ist. In Hessen sind 398 Betriebe zur Herstellung von Zigarren, Zigaretten usw. vorhanden, davon arbeiten 126 ohne Gehilfen und 142 mit nicht mehr als 10 Gehilfen. 1 Betrieb hat mehr als 500 Gehilfen. Die Zahl der Tabat-Kleinpflanzungen zum Hausgebrauch hat etwas zugenommen; hingegen ist der Anbau auf größeren Flächen zurückgegcmgen, da die Tabakpflanzer wegen der schlechten Erfahrungen im letzten Emtejahc sich dem Anbau anderer Früchte, wie Brotgetreide, Zuckerrüben und dergleichen zur Erzielung besserer Erträgnisse zu- wandten.
** Die Zahl der Kraftfahrzeuge in Hessen betrug nach einer Zählung am 1. iIuli ds. Js.: 1853 Krafträder (ohne Kleinkrafträder), 2179 Personenkraftwagen und 1130 Lastkraftwagen. Für den gleichen Zeitpunkt im Vorjahre tauten die entsprechenden Ziffern: 1296, 1639, 954. Für Starkenburg tauten am 1. Juli 1924 die entsprechenden Ziffern: 957, 774, 399; für Oberhessen: 325, 329, 137; für Rheinhessen: 571, 1076, 594; für die Kreise Darmstadt: 359, 260, 151; für Offenbach: 295, 285, 95; für Gießen: 129, 136, 55; für Mainz: 285, 542, 334; für Worms: 140, 284, 138; für Alsfeld: 45, 17, 6; für Büdingen: 36, 29, 7; für Friedberg: 60, 100, 54; für Lauterbach: 42, 33, 11; für Schotten: 13, 14, 4.
*♦ Die Lage im hessischen Zündwarengewerbe hat sich nach den statistischen Erhebungen, im Iahre 1923 zusehends verschlechtert. Die Mehrzahl der Betriebe mußte infolge Absatzmangels zeitweise den Betrieb schließen, zeitweise ihre Erzeugnisse unter dem Herstellungspreis absetzen. Der Rückgang in der Erzeugung von Zündwaren ist mit auf die Erschwerung der Einfuhr in die besetzten rheinischen Gebiete, die jeher Hauptabnehmer für die hessische Zündwarenindustrie waren, zurückzuführen. Die Zahl der Betriebe beträgt '6. Für das Inland wurden hergestellt 5 277 433 Zündhölzer, für das Ausland 4 166 763, je in tausend Stück, unversteuert für das Ausland 27 000 in tausend Stück.
** Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Stad t. Die neuen Beitragssätze, die ab 1. September gelten, werden im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
Vorrrotizen.
— Tages kalender für Mittwoch. D. H V.: 8'/2 Uhr im Kausm Vereinshaus Mitgliederversammlung. — Rundfunkhaus, Löberstr.: Buntes Pvogramm. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Iackie Coogan". — Astoria-Lichtspiele: „Frauen auf schiefer Dahn".
— Dlachetta-Volksspiele veranstaltet der Iugendring Gießen in der nächsten Woche im Kath. Dereinshaus. Räheres im Anzeigen! eil.
LScrrcrvvrttussage
Zeitweise aufheiternd, Winde aus nördlicher Richtung, Temperaturen wenig geändert ohne Riederschläge von Bedeutung.
Landkreis Gic^-cn.
t Grünberg, 1. Sept. Aus der heutigen Sitzung des Gemeinderats ist folgendes zu berichten: Herr Iung-Dillingen hat das Fichtenbauholz zu dem festgesetzten Preis gekauft. Der Gemetaderat genehmigt den Verkauf, jedoch mit dem Zusatz, daß von der Gemeind. Villingen für den Käufer die Bürgschaft verlangt wird. Die Zahlung erfolgt in drei Terminen. — Das Gesuch des Friedrich Wilhelm Müller wird zurückgestellt. Die Baukommission hat mit den Herren Schmidt III. und Schäfer über die Verteilung der Bauplätze am Farbgraben eine Einigung zu erzielen. — Es liegen zwei Qlnträge der Herrn Levi und S chwarz für die Errichtung von Karussells, Schiffschaukeln usw. zum Gal'lusmarkt vor. Das Gesuch des Herrn Levi, der für den Platz ohne jede Konkurrenz 300 Mk. bezahlen will, wird angenommen. Es muh jedoch eine vorherige Anzahlung geleistet werden. — Die Instandsetzung des Kirchendaches wird mit 3700 Mark veranschlagt. Die eine Dachseite soll vollkommen neu gedeckt, die andere mit den noch verwendungsfähigen Schiefern wiederhergestellt werden. Da Herr Oberbausekretär Seim zur Erläuterung be£ Voranschlags nicht anwesend ist, wird die Angelegenheit auf die nächste Sitzung vertagt und Oberbausekretär Seim dazu geladen. — Laut Verfügung des Kreisamts soll das Wartegeld für eine Hebamme 50 bis
Das Lullusfefl.
Alljährlich, wenn der 16. Oktober, der Todestag des Gründers des Klosters, hevanrückt, schallt durch die Sttahen des Städtchens der uralte Ruf: „Iner, zwoo, brät, Bruder Lolls!" Auf dem Marktplatz wird ein Feuer angezündet, das drei Tage und drei Rächte sorgsam gehütet, seine Flammen gen Himmel lodern läßt. Von der Stiftskirche ertönt die Lullusglocke, wahrscheinlich die älteste von ganz Deutschland und von weither kommen die Menschen zum Lullusmarkt. Acht Tage hindurch herrscht fröhliches und sorgloses Treiben in der Stadt.
So ist Hersfeld ein altes deutsches Städtchen voll Romantik und Eigenart, in dem sich Deutschlands wandernde Iugend wvhlfühlen und ihren alten Idealismus neu stärken toirb. K.
*
Diagnose aus der Handschrift.
Die Quacksalber, die „brieflich" behandeln, flehen mit Recht in üblem Ruf. Aber so verfehlt es ist, aus der schriftlichen Mitteilung von Krankheitserscheinungen ein richtiges Bild des Leidens sich machen zu wollen, so wichtig kann doch die Handschrift sein, um einzelne Krankheitszüge daraus zu erkennen. In der Geschichte der Hanb- schriftenbeurtellung haben sich von ftüh an Aerzte hervorgetan, und ein Arzt aus Bologna Camillo Daldo war es, der 1622 die erste wissenschaftliche Studie über den Wert der Graphologie veröffentlichte. In unseren Tagen beschäftigt fi<fj> die medizinische Wissenschaft mehr und mehr mit den Erkenntnissen, die sie aus der Handschrift gewinnen kann. Darüber unterrichtet ein Aufsatz von Prof. Georg Schneidemühl in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift". Da die Eigenart jeder Handschrift in erster Linie vom Gehirn aus bestimmt wird, so ist die medizinische Ausdeutung aus der Physiologie des Zentralnervensystems im Verein mit psychologischen Erwägungen zu gewinnen. Besonders in Betracht kommen alle eigenartigen Häkchen, Striche, Lage und Richtung der Schrift usw., fotoert sie regelmäßig wiederkehren. Daraus läßt sich auf Charaktereigenschaften und Gemütszustände zur Zeit das Schreibens schließen,
70 M. betragen. Dieses beträgt in Grünberg 60 Mk., so daß es mit der Verfügung des Kreisamts übereinfl immt. — Es wird der Antrag gestellt, .in Grünberg eine Jugendherberge 5U errichten. Für diesen Zweck sind die Räume der alten Realschule in dec Pfarrgasse in Aussicht genommen. Erforderlich sind 3 Räume. Die Baukommission soll die Räume besichtigen und in der nächsten Sitzung darüber Bericht erstatten. — Das Gesuch des Konrad Schom- 6 er, seine beschlagnahmten Räume zwecks Unterbringung von Frucht frei zu bekommen, wird der Wohnungskommission überwiesen. Ein lleines Stück Land von zirka 100 Quadratmeter an der Dahn soll bei der nächsten Pferg < Versteigerung mitverpachtet werden. — Da? Gesuch des Herrn Stock zwecks Abgabe vor Besenreisig wird, da die Zeit dazu unpassend ist, bis auf weiteres zurückgestellt. — Das Gesuch des Herrn Otto Frank zwecks Reinigung des Reumühlenbachs, für den 80 Pf. pro Meter verlangt werden, wird auf die nächste Sitzung vertagt. Der Bürgermeister soll bis dahir Rücksprache mit den Beteiligten genommen haben. — Das Gesuch des Herrn Otto Frank zwecks Preisherabsetzung des seinerseits übernommenen Holzes wird nicht genehmigt. — Das Gesuch des Gerichtsvollziehers König zwecks äleberlassung eines Bauplatzes neben Herrn Dürky wird an die Baukommission überwiesen.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 2. Sept. „Was will der I u ngdeu tscheO rden", so lautete das Thema, unter dem die hiesige Bruderschaft des Ordens zu einer öffentlichen Versammlung in das Hotel Trapp einlud. Lehrer Dickler, der Vorsitzende der hiesigen Gruppe, eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen; dann ergriff der Redner des Abends, Pfarrer Schreibe r-Offen- bach, das Wort zu einem P/oftündigen Vortrage. Er betonte, daß der Orden, trotz aller Anfeindungen von allen Seiten, trotz Verbote der Regierungen und Vorurteile fortwährend in Zunahme begriffen sei und sich auf alle Gebiete, selbst im Auslande, erstrecke. Er übte eine scharfe Kritik an den jetzt bestehenden politischen Zuständen, der Orden wolle in keiner Weise an die früheren Verhältnisse anknüpfen, sondern ganz neu aufbauen, indem er eine lebendige Volksgemeinschaft errichte, in welcher alle Stände und Berufsarten vertreten seien. Der christliche Standpunkt müsse gewahrt werden, der Bund treibe keine antisemitische Politik, jedoch müsse der jüdische Einfluß auf das richtige Maß beschränkt werden. Er hoffe, daß das Dundeszeichen, das schwarze Kreuz im weißen Felde, sein Siegeszeichen durch alle deutschen Lande trage und daß bald ein freiesVolk im freien Vaterlande wohne. Der Vortrag fand reichen Beifall, Lehrer Dickler dankte dem Redner in einem Schlußworte, in welchem er auch nochmals auf die gegen den Orden bestehenden Vorurteile der „reaktionären Bestrebungen" entging und der Hoffnung Ausdruck gab, daß demnächst hier in Friedberg eine größere Veranstaltung, bei der viele auswärtige Gruppen vertreten feien, stattftadeu könne.
Kreis Büdingen.
)( Bergheim, 2. Sept. In 14 Tagen, am Sonntag, 14. September, wird das 200jährige Bestehen unserer Kirche feierlich begangen werden. Gleichzeitig kann die Einweihung unsererneuenOrgel, eines zweimanuallgen Werkes der bekannten oberhessischen Orgelbaufirma Rikotaus u. Förster, stattfinden. Rachmittags findet ein Festgottesdienst statt, in dem Pfarrer Lic. Stumpf aus Eschenrod die Festpredigt halten wird. Rach einer Kaffeepause wird dann ein liturgischer Gottesdienst gehalten, in dem Pfarrer Werner die Festansprache hält und in verschiedenen Vorträgen Pfarrer S t u m p f das neue Werk in ferner ganzen Schönheit der Festgemeinde und ihren Gästen zu Gehör bringen söll.
)( Liß berg, 2. Sept. Am 14. September soll in unserer Gemeinde ein Vvlksmissions- fest ftattftaden. Am Vormittag findet ein Fest- gvttesdienst statt, für den Rachmittag ist ein Waldfefl vorgesehen, für das bereits der Ober- Mockflädter Posaunenchor fern Erscheinen zugesagt hat. Auch andere Chore werden mitwirken, verschiedene Ansprachen sind zugesagt.
Kreis Schotten.
tag. Gedern, 1. Sept. Unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Eltern und Freunde der Privat- (Hofkaplanei-) Schule fand am Samstag abend das Iugendfest dieser Schule
nicht aber auf rein geistige Eigenschaften und Fähigkeiten. Erhebliche Erschütterungen des Gemütszustandes sind in der Handschrift sofort erkennbar. Feste, gerade und ltaksschräge Schriftzüge werden schwächer, dünner, ferner und mehr nach rechts geneigt, entsprechend der geringeren Widerstandsfähigkeit und der Willensschwäche, die durch solche Gemütserregungen hervorgerufen werden. Sehr stark tritt die Richtung der Zeilen nach abwärts hervor. Bei Menschen mit ausgesprochen heiterem Wesen beobachtet man lange Anstriche bei Beginn der Worte und auch an den Buchstaben inmitten eines Wortes. Infotae schwerer seelischer Leiden werden diese Anstriche kleiner und verschwinden schließlich ganz. Bei früher ordentlichen Menschen, deren Buchstaben, Worte und Zellen gleichmäßigen Abstand zeigten, werden die Buchstaben ungleichmäßig, die Abstände wechselnd. Bei Menschen, die viel auf Äußerlichkeiten hielten und daher Verzierungen an den Großbuchstaben anbrachten, verschwinden die Schnörkel plötzlich, die Schrift wird schmucklos und einfach. Außerordentlich charakteristisch bei allen seelisch leidenden Menschen ist die Wellen so cm in der Zeilenführung. Diese Veränderungen der Schristeigenheiten finden sich vielfach bei der Heranwachsenden Iugend in der Zeit vom 13. bis 18. Lebensjahr, in der große seelische Veränderungen vor sich gehen. Ebenso ist für den Gerichtsarzt die Handschrift des Verbrechers von großer Wichtigkeit, beim er kann aus ihr auf den Gemütszustand schließen, in dem ein bestimmtes Schriftstück versaßt wurde. So konnte 5. D. Schneidemühl in dem bekannten Doppelmordprozeh gegen den ArchilEen Peter Grupen in Hirschberg nachweisen, daß ein bei der einen Erschossenen, einem 12y2jäbrigen Mädchen gefundener Brief an „Großmutti", in dem das Kind sich beschuldigte, Mörderin und Selbstmörderin zu fern, in voller Ruhe geschrieben war. Der Brief muhtt allo dem Kinde diktiert worden sein, ohne daß ihm der Inhalt recht zum Bewußtsein gekommen war, und tatsächlich ergab sich auch, daß der Täter dem Kinde den Brief bittiert und dabei ein geredet hatte, es handle sich um eine Ileberraschung „Großmutti'>


