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Das bayerische Negterungsprogramm.

Für die Staatsautorität und gegen Nebenregierungen. Bekenntnis zum Reißh.

Wie wir in einem Teil der Auflage unseres Blattes bereits gestern eingehend melden konnten, entwickelte der neue bayerische Ministerpräsident Geheimrat Held gestern vormittag vor dem Landtag das Programm seines Kabinetts. Boran stellte ec seinen Ausführungen die Sorge um die bedrohte deutsche W est mark. Er sagte u. a.:

Damit Deutschland wieder zum Leben kommt, bedarf es der Freiheit am deutschen Rhein. Das ist notwendig um der deutschen Wirtschaft willen, ebensosehr aber notwendig um der deutschen Ehre willen. Eine Lösung der Rhein- 'frage, die dem Frieden dienen soll, f a y. n nu r deutsch sein, denn deutsch ist der Rhein.

Ministerpräsident Held würdigte dann aus- iführlich die Leiden und Kämpfe der Pfalz. Die Pfalz sagt er in ihrem Abwehr'ampf inner­lich und äußerlich stark zu erhalten, gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben einer guten deutschen und guten bayrischen Staaispvlitik.

Held wies dann auf die Verwirrung im Poll- , tischen Leben und die Wirtschafts not hin.

Doraussetzung und Garantie jeder Freiheit sei inir der Staat, der getrag n sei von einer ein­heitlichen Gewalt und Autorität.

Die Hauptursache der unseligen, dm Staat in seinen Grundfesten bedrohenden Entwicklung liege zweifellos in der Revolution von 1918, die das schwerste Verhängnis für die Staatsbestimmung des Dockes und s ine Wohl­fahrt gewesen sei. Was sich inzwischen alles an falscher Einstellung zum Staat ausgewirkt.° rungen. Putschversuche usw., finde seine Erklä­rung. wenn auch nicht seine Entschul­digung. als Fvlgewirkung des gewaltsamen Llmsturz^ vom Rovember 1918. Das rberste Ziel der Regierungen unserer Tage muh le n, je e Revvlutionsgesinnung zu überwinden durch Er­ziehung zum Staat und für den Staat. Die ver» ckassungsmähige Regierung allein kann die Träge­rin der Staatsgewalt sein.

Tine bewaffnete Macht außerhalb und neben der Staatsgewalt darf eS in e'nem geordnete»

Staat nicht geben.

Jede Rebenregierung führt auf die Dauer zum ,'Auin. Alle vaterländischen Dewegun- gen und Organisationen, deren Ziel die Gröhe. .Wohlfahrt und Gemeinschaft ist, sind aufrichtig zu begrüben. Engherzige parteipolitische und macht- politische Ziele einzelner dürfen in solchen Bewe­gungen keine Rolle spielen. Revolutions­beamte sind in einem Rechts st aat in jeder Fassung unmöglich. Ihrer muh sich die Staatsregierung durch eine strenge Anwendung ihrer disziplinären Gewalt erwehren. Die Füh­rung der bayerischen Regierung müsse und werde unter allen Umständen die absolute ülnabhänig- feit und Freiheit der nur dem Gesetz und ihrem eigenen Gewissen unterworfenen Richter schützen und die Justizhoheit des bayerischen Staates als eine wesentliche Voraussetzung wirklicher Eigen­staatlichkeit zu erhalten trachten. Held betonte wei­ter. daß

die Anzufriedeuheit mit unserer Staatsform es der Staatsregierung zur gebieterischen Pflicht mache, auf eine vernünftige Ausgestal­tung und Reform derDerfassung Be­dacht zu nehmen, die sich nur in legalen Formen vollziehen dürfe. Die nationale Jugendbewegung müsse sich bewuht blei­ben, dah nurineinergesetzmähiggeord- ßetenGemeinschaft das Freiheitsziel zu er­reichen sei.

Lieber das VerhältniSDayernSzum Reich führte der Ministerpräsident sodann auS:

Freudig bekenne ich mich -um Reich,

M seiner Einheit, Geschlossenheit und Gröhe, vor allem zu einem Programm der Reichspolitik, das die Weltgeltung des Reiches und seinen Einfluh in der äußeren Politik wieder neu fundiert, ziel- bewuht aufbaut und dauernd sichert. Für den inneren Aufbau des Reiches sehe ick die Voraus­setzung seiner Gesundung und Wiedererstarkung nicht in einer schablonenhaften Lini- tarisierung. Kraftvolle, in ihren eigenen Ver­hältnissen möglichst freie Einzel st aalen in eigener Hoheitsslellung sind ein besseres Fun­dament für die Reichsgröße und Reichseinhrit piä sie in der zwangsmähigen Vereinheitlichung nach der Weimarer Verfassung gegeben ist. 44 Jahre deutschen Reichs- und Staatslcbens sollten uns eine andere Staatserkenntnis v-ermittelt haben. Ich stehe, was die Reuregelung des Verhältnisses zwischen den einzelnen Staaten und dem Reich bzw.

die Umgestaltung der Weimarer Verfassung betrifft, auf dem Boden der bekannten Denkschrift, die von der Dorgängerm der gegenwärtigen bayerischen Regierung an bie Reichsregierung gerichtet wurde. Insbesondere be­tone ich, dah in irgendeiner Form wieder eine höhere Verselbständigung unserer Eisenbahn und Po st erreicht werden muh, dah vor allem auch die Finanzhoheit des bayerischen Staates und feine eigene Finanzverwaltung, soweit es sich irgendwie rmt den Bedürfnissen drs Reiches und einer gesunden Entwicklung verträgt, wieder zurückgewonnen wer­den müssen. Wenn ich mich zu einem föderativen Aufbau des Deutschen Reiches, und zwar eines großdeutschen Reiches bekenne, bin ich mir durchaus bewußt, dah nicht in allem and jedem, was Inhalt und Form betrifft, alles wieder so ?estaltet werden kann, wie es vor dem Jahre

914 im Reich Bismarckschec Prägung der Fall gewesen ist. Konflikte zwischen den einzelnen Staaten und dem Reich sind für beide vorn Liebel. Da aber, wo die Lebens Notwendigkeiten der eigenen Staatlichkeit Bayerns es verlangen, ohne dah dadurch das Reich selbst in seinem ge­schlossenen Bestand und in seiner Machtstellung nach außen gefährdet wird.

s gehe ich auch einem Konflikt nicht aus dem Wege.

Besteht in Berlin, was ich annehmen möchte, der gute Wille zur Verständigung und , um Aus­gleich, wie er bei mir und unS besteht, dann wird es zu unangenehmen Auseinandecse^ungen nicht kommen.

Der Ministerpräsident gedacht» dann der Auf­gaben, die sich aus der seelischen Rot unseres Softes .ergeben, und betonte weiter. Die durch

die Revolution im Verhältnis des Staates Bayern zur katho.ischen Kirche geschaffenen Ruinen gelte cs möglichst schnell durch ein neues Kon­kordat zu beseitigen. Auch für die prote­stantische Kirche müsse Zugleich eine ähn­liche Reuordnung der Dinge h rbeigefüfcrt we - den. Jeder Störung des konfts io neben Frie e..s werde die Reglern:g unnachsichtlich en ge^entre- ten. Seine Kol legen von der Presse möchten mit ihm das große Ziel verfoigrn, dem Staate wieder seine alben Grundlagen ou ge?en, ihm neue Freunde zu werben und ihn in der Erfüllung seiner Aufgaben Ltr das Volk und die Voltsgemeinschaft zu unterftüyen.

Zum Schl h betonte Der Ministerpräsident, dem moskowi i chen Kommunismus fette ein edler, menschenwürdiger, gottgewollter

Kommunismus der Arbeit und der Pflicht gegenübergestellt w:rden. Vertrauen und Llnier- stüyung eebitte er nicht nur vom Landt g s.n ern von allen staa.sgeftnnlea Bürgern im Land..

WLrtschafLskaLastrophe in Polnisch-Obecschrefien.

Kattowih, 2. Juli (WTB) Der Arbeit­geberverband von Polnisch-Oberfchl-sien hat an seine sämtlichen Werke em Rundschreiben ge­sandt. tu dem es heißt, daß infolge der schwierigen Sage der Werke Ende des Monats höchstens 50 Prozent des Gehalts ausgezahlt werden könnten. Das Restgehalt soll ge ,ah-lt wer­den, sobald die Werke dazu in der Lage seien.

Königs Hütte, 2. Juli. (WTB.) Infolge der schwierigen Wirtschaftslage in der polnisch­oberschlesischen Industrie hat die Gintrachtshütte sämtlichen Angestellten und Beam­ten gekündigt.

Hessischer Landtag.

D a r m st a d t, 2 Juli.

Präsident Adelung eröffnet di» Si)ung um 91« Llhr. Arn Regierungstisch: Staatspräsi­dent LI l r i * , sowie die Minister von Bren­tano und Raab.

Vor Eintritttn die Tagesordnung werden einige

Kleine Anfragen.

an die Regierung gerichtet.

Frau Abg. Roth (Komm.) bitet um Aus­kunft wegen der Wahrung der Anst llungsver- hältnisse der Staatsbahnangestellten, insbew 'dere der Ausgewiesenen.

Ministerialrat Balser erwidert, daß bi den Verhandlungen über die Beft.^verhaltnis e der Reichsbahn die Anstellungsrechie auch Die der Ausgewiesenen im Auge behalten würden.

Abg. Kindt fragt an, mit welchem R.chte ein pensionierter Beamter eine Zuwendung zu seiner Pension erhalte.

Ministerialrat Balser ecklärt hierauf b ß es eine ganze Anzahl von Räten im Ruh stan.e gebe, die für vorüberg.ch.'nde Beschäftigungen eine Zuwendung erhielten.

2Ibg. Kindt fragt sodann, auf Grund wel­cher ^gesetzlichen Destimmuagen die e Zahlungen erfolgen?

Geh. Obeickorstral Josef teilt einige Be­stimmungen mit, wonach in der Forstadteilung solche besondere Zah.uagen geschehen.

Die Spezialdeöatte deS Voranschlag« fiir 1924 wird hierauf bei Kap 20 (Staa'sverlagsfvn^s) aufgenommen. Der Ausschuß beantragt 6,2 0 Mark in Einnahme und ebensoviel in Ausgabe zu bewilligen.

Abg Kindt (D-R.) hat einen Antrag hierzu eingebracht, 30 000 Mk. zu streichen. Dio Darmstädter Zeitung" habe eine grahe Zahl von Zwangabonnenten, von denen er das Blatt befreien wolle: er bitte deshalb, 30 000 Ml. Ein­nahme zu streichen.

Auf Antrag deS Abg. Reiber (Dem.) wud die Abstimmung über dieses Kapitel z-u- rückgestellt.

Ohne Debatte werden die Kapitel 2126 Auswärtige und Reichsverchältnisse usw.. Ober- rcchnunaskammer, Staats-Archiv. Rhein schiff- fahrt. Postgebühren, bewilligt.

Bei Kapitel 21 (Ministerium des Innern) entspinnt sich eine längere Debatte.

3Ibg. Kindt (D.-R.) verlangt, daß Maß­nahmen zugunsten drr Kleinrentner getroffen wer­den, denn diese könnten geradezu verhungern. Abg. Kindt unterbreitet dem Hause mehrere An­träge: so soll die Regierung die Handhabung der städtischen Wohlfahrtsfürsorge einmal eilige "'end Prüfen. Ferner soll sie eine Erhöhung der unzu­reichenden Llnterstühungssäye veranlaisen. Außer- dem soll die Regierung dem Landtag Richtlinien vorlegen, nach denen die Llnterstühungen ge­währt werden sollen. Der Redner irltisiert ins- bcff.nbcrc das Verfahren der Stadtverwaltung von Darmstadt bei Gewährung von Llnter- stützungcn.

Minister v. Brentano weist darauf hin, daß diese Angelegenheit dem Arbeits- und Wirt­schaftsministerium untersteht.

Abg. Kindt widerspricht dein, das Mim- sterium des Innern sei Aufsichtsbehörde über die Städte.

Abg. Frl Birnbaum (D. Bp) und Abi, Dr. Osann (D. Dp.) schließen sich den Ausf. h- .rungen des Vorredners an und verlangen, dah den Kleinrentnern in erh h em Mah^ geholfen wird. Rach weiterer Debatte wird beschlossen, die Kleinrentnersürsvrge bei Kap. 88 zu lehan- dein. Darauf wird der Ausschußantrag ange­nommen.

Eine Reihe von Kapiteln wird sodann lohne Debatte angenommen, et.ige werter auch für eine spätere Abstimmung zurückg stellt.

Im Kap. 39 (Ae'.ztllcher Dienst) liegt ein Antrag Sturmfels (Soz.) und Genos en vor. daß Eltern, die wiederholt ihre Kinder nicht impfen ließen, und die deshalb bestraft worden sind, nicht mehr gezwungen werden können, die Impfung vornehmen zu lassen, wenn sie erklären. LieL mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren zu können. Abg Sturmfels bzfüttoortet in längeren Ausführungen feinen Antrag.

Minister von Brentano verliest eine Er­klärung, in der auf die Folgen dieses Antrages hingewiesen wird: es würbe bann jeder sich durch die Zahlung einer Geldstrafe von der Impfung loSkaufen.

Für den Impfzwang spricht, cn'gegen dm Ausführungen einiger Redner, A.g Kinot. Dec Antrag Sturmfels wird gegen dte Stimmen der Rechten des Hauses angenommen.

Ohne wesentliche D batte we.d-N verschiedene weitere Kapitel verabschiedet.

Staatspräsident Lllrich gibt bann zu den gestrigen Ausführungen des Abg. Osann eine Erklärung ab, wonach er den AusdruckHalber Engländer" scherzhaft gemeint habe: es habe Ihm ferngelegen, damit einem Mitglied der Deutschen Volkspartei die nationale Gesinnung abstreiten oder ihn beleidigen zu wollen.

Hierauf wird über den Antrag Kindt zu Kap. 20 (Staatsverlag), 30 000 Mk. zu streichen, abgestimmt: der Antrag wird von der Mehrheit des Hauses gegen die Stimmen der Rechten ab- gelehnt.

Bei Kap. 52 (Kunststraßenverwaltung) werden von dem Abg. Glaser (Dntl.) Beschwerden über den Zustand der Landstraßen vorgebracht, nament­lich durch die Automobile wurden die Straßen ruiniert In den Badeorten würden Automobil­straben geschaffen, aber für die Straßen, auf denen die Landwirte die notwendigen Lebens­mittel befördern, geschehe viel zu wenig. Ein Antrag des Redners geht dahin, für die Kunst­straßenverwaltung 1 Million bereitzustellen.

Abg. Kindt (Dntl.) stellt eine Reihe von Forderungen zur RLorga.nsation der staatlichen Dauämter, die eine Vereinfachung der Arbeiten und eine Ersparung des Personals herbeifühven sollen.

Ministerialrat Spanier stimmt den Ausfüh­rungen des Abg. Glaser über die Zustände der Landstraßen infolge des starken Automvbtlverkehrs zu. Anträge für dte Herstellung von Straßen sollten aber bei den Kreistagen vorgebracht wer­den. dann würde der Bedarf an Mitteln bereit- gestellt.

Abg. Schott (D. Bp.) beantragt, 2 Mil- lünen für die Straßenherstellung berützustellen.

Abg. Schaub (Soz.) tritt ebenfalls für eine Erhöhung der im Etat vorgesehenen Summe von 793 425 Mk. ein. aber die Kreise müßten dis Mehrforderungen ausb ingen nicht der Staat.

Abg. Delp (Soz.) fordert die Reorganisation der Bauverwaltung und zwar möglichst bald.

Ministerialrat Spanier teilt rmt. daß zcvet Gesetzentwürfe in Vorbereitung seien und bald dem Hause zugehen würden, der eine beziehe sich auf die Straßenverwaltung, der andere auf die Baubehörden.

Abg. Diehl (D.-R.) und Abg. Dr. Mül­ler befürworten die Annähme des Antrages Glaser. Die von den Kreistagen geforderten Sum­men -feien zwar bezahlt, inzwischen seien aber die Straßen viel stärker als früher beschädigt worden.

Abg. Fenchel (D.-R) macht darauf auf­merksam. daß von den Baubehörden auf die Kreise immer eingewirlt worden sei, die Voranschläge für die Kunststraßen nicht zu hoch anzusehen.

Rach weiterer Debatte wendet sich der Fi­nanzminister gegen die Anträge auf Er­höhung des Im Staatshaushalt eingesetzten Be­trages für die Kunststraßen: er schlägt vor, die Angelegenheit dem Finanzausschuß zur weiteren Behandlung zu überweisen.

Ein dahingehender Antrag des Abg. Brauer wird angenommen und die Sitzung auf morgen vormittag 9 Llhr vertagt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3. Juli 1924.

Neue Patzbeftimmunqcn.

Am 1. Juli sind neue Bestimmungen über das Pas) wesen in Kraft g'treten, AuS Urem Inhalt ist als Neuerung hervorzuhcDm, daß die Pässe in der Regel auf zwei Jahre und mit Geltung fürdaSJn-und Ausland ausgestellt werden sollen, die Behörden bei Er- teilung deS Sichtvermerks auf das persönliche Erscheinen des Bewerbers verzichten können, die Geltungsdauer der Sichtvermerk künftig nicht mehr vom Tage der Erteilung läuft, sondern Be­ginn und Ende der Geltungsdauer nach dem tat­sächlichen Bedürfnis des Reisenden festgesetzt wer­den kann und darüber hinaus ftir Rückreise-Sicht­vermerke mit einer Höchstdauer von einer Woche vorgesehen ist. daß ihre Geltungsdauer innerhalb einer längeren Rutzungsfrist erst mit dem ersten Grenzübertritt beginnt.

3m Zusammenhänge mit der neuen Pnßbe- kanntmachung werden auch die Gebühre n fürdieAusfertigungvvn Pässen,son­stigen Reisepapieren und Sichtvermerken vom gleichen Tage an neu festgesetzt. An Gebühren werden fortan erhoben:

1. für Ausstellung eines Passes 5 Mk., eines Personalausweises als Paherjatz 10 Mk., eines Kinderausweises 2 Mk.;

2. für Verlängerung eines Passes 3 Mk. und eines Personalausweises 6 Mk.;

3. für sonstige Abänderungen ober Ergän­zungen eines Passes oder Persvnalauswe'ses 2M.

Die Sätze gelten für Ginzel- und für Familien­pässe. Für Ausstellung eineß Einzelpa'ses an den Inhaber eines Familienpasses wird ruv die Hälf e der Gebühr erhoben, Wenn die Geltungsdauer des EinzelpasseS auf die Geltungsdauer des Fa° milienpasseS beschränkt bleibt. Bei Sammellisten als Paßersatz werden für die Person 50 Pf., mindestens 10 Mk. erhoven.

Gebühren wer den nichterhoben für die Ausstellung von Ausweisen zum Verkehr a) zwischen Ostpreußen und dem übrigen Reichsgebiet, b) mit dem besetzten Gebiet.

Die Gcbüh en für die S i ch t ve r mer l e sind wie folgt bemessen:

1. Für die Erteilung eines Sichtvermerks ai gur einmaligen Ein- ober Ausreise 5 Mark, b) zur einmaligen Ein- und Wie'?erausr?ise, AuS- und Wiedereinreise oder Durchreise bei einer Gel­tungsdauer von drei Tagen 2 Mk., einer Woche 5 Mk., einem Monat 10 Mk., drei Monaten 15 M k. darüber hinaus 20 Mk., c) zur einmaligen Durchreise und zurück die Summe der Gebühren, die sich n-vch b je nach der Geltungsdauer des Sichtvermerks für jede der beiden Durchreisen ergeben, d) zur beliebig häufigen Ein- und Wie­derausreise, Aus- und Wiedereinreise o'cer Durch­reise bei einer Geltungsdauer von drei Monaten 25 Mk., sechs Monaten 40 Mk., zwölf Monaten 60 Mk., e) zur beliebig häufigen Ausreise die Hälfte lder Sätze zu d. f) zur Wiedereinreise nach erfolgter Ausreise oder zur Wiederaus reise nach erfolgter Einreise die Hälfte der Sähe unter b bis (L

2. Für die Erteilung eine» Ausnahme» Sichtvermerks a) zur einmaligen Einreise und zur einmaligen Ein- und WiederauSrelse oder DuvH- reise neben der Reichsgebühr ein Zuschlag von 50 v. H. (Landesgebühr), b) zur einmaligen Aus­reise 7,50 (Landesgebühr).

3. Für Erteilung eines Seeschiffersichtvermerks die Hälfte der Gebühr für einen entsprechenden ordentlichen Sichtvermerk.

4. Für Erteilung eines Sichtvermerks auf Fa­milienpässen die GÄühr für den entsprechenden Einzelperson-Sichtvermerk.

5. Für Erteilung von Sammelsichtvermerken 10 v. H des Betrags für die entsprechenden Einzelsichtvermerke der Teilnehmer, mindestens 10 Mk. Für die Verlängerung eines Sichtver­merks ist die Gebühr zu erheben, die für Ertei­lung eines entsprechenden Sichtvermerks durch die für den Wohnsitz oder den Ort des dauernden Aufenthalts des Sichtvermercklnhabers zuständige Behörden zu erheben wäre. Für Llmwandlung eines Durchgangssichtvermerks in einen Sichtver­merk zur Wiederaus reise nach dem Ausgangs­lande sowie für sonstige Abänderung eines Sicht­vermerks wird 1 Mk. erhoben.

Die Festsetzung der Gebühren für Ausstel­lung von Grenzscheinen und sonstigen im kleinen Grenzverkehr eingeführten Ausweispapieren ist den Landesregierungen und den von ihnen ermäch­tigten Behörden überlassen. Die Gebühren sollen 1 Mk. und bet einer Geltungsdauer von mehr als drei Monaten 3 Mk. nicht übersteigen. Bei nach» gewiesener BedürftigrM der gebührenpflichtigen Perpn köimen die Sichivermerkgebühven ermäßigt oder erlassen werden.

Gietzener Wochenmarktpreise

am 3. Juli 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem Heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 1.60 Mk., Matte Pfd. 30 Pf., Äafe Pfd. 60 Pf.. Eier Stück 12V? Pf-, Wirsingj Psd. 50 Pf. gelbe Rüben Pfd. 15 Pf., rote Rüben Pfd. 10 Pf. RömischkM Pfd. 15 Pf., Dohnen Pfd. 1 Mk. Blumenkohl Stück 70 Pf., Salat Stück 5 Pf. Salatgurken 80 Pf., Obcr- Krhlrabi Pfd. 25 Pf.' Erbsen Pfd. 30 Pf., Misch. gemüfe Pfd. 20 Pf.. Tomaten Psd. 80 Pf., Zlvie. veln Pfd. 20 Pf. Rettich Bund 40 Ps., Pftze Pfd. 50 Pf., Kartoffslll, neue Pfd. 20 Pf,, Dörr- obst Pfd. 40 Pf., Kirschen Pfd. 4050 Pf., Heidelbeeren Pfd. 50 Pf.. Stachelbeeren Pfd. 25 Pf. Johannisbeeren Pfd. 40 Pf., Erdbeeren Pfd. 1.20 Mk., junge Hahnen Stuck 1 ML

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* Der Prvvinzialdirektvr der Provinz Starkenburg Geh. Rat Best ist von seinem Amt zurückgetrelen, weil er die Altersgrenze erreicht bat. Während seiner erfolg» reichen, mehr als 40jährigen Beamtenlaufoahn war er Rat der Provinz S arfenburg, Vortragen­der Rat bei der Schulabteilung, Ministerialrat im Ministerium des Innern, Provbizialdirektvr von Rheinhessen und Landeskommissar für das besetzte hessische Gebiet.

**DeränderungenimKreiStag. An Stelle des ausgeschiedenen Kreistagzmitgliede- Willy Schilling von Lollar ist der Sekretär der Kriegsbeschädigten Albert Denner zu Heuchel­heim in den Kreistag des Kreises Gießen berufen worden.

* Aenderung der Ferns p recho rd- nung. Am 1. Juli ist eine neue Fernsprech- ordnnng in Kraft getreten, deren Bestimmungen für die darin festgesetzten einmaligen Gebühren sofort, für die laufenden vom 1. Oktober am gelten. Die Gesprächsgebühren sind im allge­meinen unverändert geblieben. Die normale Höchstdauer der dringenden Ferngespräche wird rron 12 auf 15 Minuten verlängert. Für Blitz­gespräche ist die Gebühr vom 100fachen auf den 30fachm Betrag der gewöhnlichen Gebühr her­abgesetzt worden. Laufende Gebühren für dauernd ober regelmäßig wiederkehrende Leistungen sind im voraus fällig, ebenso vor der Ausführung der Leistung feststellbare einmalige Gebühren.

** Abschuß von Eichhörnchen, Ei­chelhähern und rabenartigen Vögeln. Da sich diese Schädlinge In letzter Zeit stark ver­mehrt haben, hat die obere Forstbehörde in den Domanialwaldungen die Förster mit dem Ab­schuß beauftragt und ein Schußgeld von 25 Pf. je Kreatur bewilligt. Das Kreisamt Gießen be­zeichnet es als erwünscht, daß in den Gemeinde- Waldungen den mit dem Abschuß betrauten För­stern die gleiche Vergütung gewahrt wird.

** Der 24. hessische Landesfeuer- wehrtckg findet am 5 6. und 7. Juli In Vilbel statt. Gleichzeitig feiert die dortige Frei­willige Feuerwehr ihr 50jähriges Bestehen.

* Tüchtige Gießener Schützen. Bei dem 26. Gauverbands^chießen in Alsfeld vom 29. Juni bis 1. Juli h.ll der Gießener Schützen- Verein bei starkem Wettbewrrb fogenbe Preise errungen: Auf 100 Meter Festschckbs erzielen den 1. Ehrenpreis Aug. Balzer, den 6. Preis Hch. Appel, den 21. Pr'eis H. Sauer. Auf 175 Meter Festscheibe H. Sauer den 6. Preis. Außerdem einige Preise auf 100 Meter, 175 Meter und 300 Meter Meisterscheiben: Fr. Gros, Gg. G ü m b l e i n , Ad M ö h l, HanS Mangels- d v r s, H. S a u e r : auf Wildschelbe: Ph. R i c <o- laus und Fr. Pascoe.

** D t e Justizsekretärprüfung be­standen 'baben Kanzlelassistent Wagner beim Amtsgencht Gießen und Kanzleiasststent Fleck beim Amtsanwalt Gießen.

Vornotizen.

TageskalenderfürDonnerstag. Liebigshöhe 8 Llhr: 4. Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle. Haus und Schulet: 8 Llhr im) Jc'hanneSsaal Familienabend. Rundfunkbaus Löberstraße: 81/- Uhr Klassische Musik. Licht­spielhaus Bahnhofstraße: Colibri.

Aus demStadtt Heater-Bureau wird uns geschrieben: Die nächste Vorstellung im Stadttheater am Dienstag, 8. Juli, bringt ein eigenartiges neues Werk:Der Lam­pe n s ch i r m. Der Verfasser Curt G ö tz hat vor zwei Jahren mit seinem prächtigen Gin-, akterzyklusMenagerie" hier wie anderswo großen Erfolg gehabt, und auch derLam­penschirm" zeigt alle Vorzüge des Verfas­sers. Das Stück in seiner flotten Darstellung durch unser Personal hat jüngst bei der Erst­aufführung am Vad°Nauheimer Kurtheater das Publikum auf das allerbeste unterhalten. Vielfach ist der Wunsch geäußert worden, Fie schöße, im Rahmen der Goethewoche hrrauSgebrachte Aufführung desElavigo"