vollere Gmxmttsn für Ne Aufrechterhaltung des Friedens xu schaffen, ttxnen totr bemüht, den Kontakt mit allen Rottonsn ausrecht zu erhalten, die ein Interesse an der loyalen Erfüllung der Verträge haben, dve das tnare Statut Europas ausmachen.
Hier gibt eS nichts, was England schädigen kann: derrn seit vier Jahren haben wir nicht auf- oehört. zu erklären, baß wir eine Zustimmung Au dieser Freundschastsgrmppierung als di« beste Friedensgarantie annehmen würden. Indem wir den alliierten Staaten Mitteleuropas die notigen Mittel zu ihrer Verteidigung geben, haben wir übrigens nichts getan, was uns hindern konnte, unsere eigenen Schulden zu bezahlen. Die Vorschüsse, die wir geleistet haben, sind übrigens nur gegen Sicherheitspfänder erfolgt. In allen diesen Punkten bin ich der Heberzeugung. baß freimütige Aufklärungen ohne jede Heimlichkeit in unseren beiden Ländern unzutreffenden Auslegungen ein Ende machen und Vorurteile zerstören werden, die durch Irrtum und falsche Informationen eingegeben find. Um mit größerer Sicherheit die öffentlich? Meinung unserer Länder zu einer gerechten Beurteilung der Dinge zurückzuführen, glaube ich wie Sie, daß wir uns über die Fragen zweiten Ranges erheben, und vor allem die Zukunft unserer Länder und die Befriedigung der Einmütigkeit im Auge haben müssen.
Wir haben da- Ruhrgebiet besetzt, um Deutsch« land dazu zu bestimmen, daß es seine Schuld gegenüber Frankreich begleicht, und um den hartnäckigen Widerstand der Magnaten der deutschen Industrie zu überwinden. Diese- Druckmittel wird, wie wir angekündigt haben, außer Tätigkeit treten, sobald Deutschland sich seiner Verpflichtungen entledigt hat. Ferner wird auch die Besetzung der Ahrinlande ein Ende haben, wenn die vom Friedensvertrag ausgestellten Bedingungen erfüllt sind und unsere Sicherheit garantiert ist.
Die Sachverständigen werden sehr bald ihren Bericht einbringen. Die Reparationskommission und die alliierten Regierungen werden entsprechend ihren jeweiligen Kompetenzen die von den Sachverständigen erstatteten Gutachten prüfen. Dann tonnen wir, hoff« ich, rasch zu einer Gesamt- r e a e l u n g gelangen unb durchsetzen, daßDeutsch- lano sie zur Ausführung bringt. Ich danke Ihnen dafür daß Sie mir erklären. Sie betrachteten die Frage der alliierten Schulden als zusammenhängend mit der Reparativ n s f r a g e. Es ist unendlich wünschenswert, daß sie zu gleicher Zeit geregelt werden könne. Die Regierung der französischen Republik hat, wie das englische Kabinett, die fest« Absicht, den Völkerbund zu stärken und seine Aufgabe auszugestalten.
Wenn es nur von uns abhängig gewesen wäre, würde der Völkerbund von Anfang an über stärkere Aktivnsmittel verfügt haben, als sie ihm zugeflanden wurden. Wir sprechen den Wunsch aus, daß der Bund in dem wachsenden Vertrauen der ihm angehövenden Staaten die ganze Autorität finde, deren er bedarf, um seine Million! wirksam erfüllen zu können. Möchten die Fort» schritte, die er macht, und die Entwicklung d«S internattonalen Schi^sgerichtSverfahrens eS den assoziierten Rationen ermöglichen, eine systematische Einschränkung der Rüstungen vorzunehmen, durch die nicht die friedlichsten unter ihnen den Unternehmungen der kriegerischsten auSgesetzt sind. Ob es sich übrigens um bie Steigerung des Prestiges des Völkerbundes, um die Beschleunigung der Wiedergutmachung der Kriegsschäden oder um die Ausrichtung des Weltfriedens handelt, ich-habe gleich Ihnen die lleberzeugung, daß die Resultate sich um so sicherer und in um so günstigerer Gestalt sich einstellen werden, je enger
Ein vernehme« zwischen unseren beiden Ländern
ist. Ich hin Ihnen dankbar dafür, daß Sie das selbst mit so grober Klarheit festgestellt haben. Ich Cann mir ebensowenig wie Die eine Trennung Frankreichs und Englands voneinander oder ein gleichgültiges Verhallen des einen gegenüber dem anderen Lande vorstellen. 'Den Preis für diese älnflimmigkeiten würde nicht Frankreich, nicht England allein, den Preis wurde ganz Europa. würde die ganze Menschheit zu zahlen haben. Wir sind es der Zivilisation fdyulßtg, einig zu bleiben. Da unsere beiden Regierungen sich dieser Pflicht bewußt sind, ist es nicht benfbar, daß wir uns nicht verständigen, um sie erfüllen zu kennen.
Rehmen Vie, mein lieber Premierminister, die Versicherung einer höchst aufrichtigen Ergebenheit Entgegen. P oincarH.
Für die Freiheit der Pfalz und des Rheins.
Mannheim, 1. März. (WB.) 3m Ribe- lungenfaal des Mannheimer Rosengartens. Deutschlands größtem und schönstem Festraum, in dem sich g^en düüO Personen versammelt batten, fand heute abend der feierliche Festakt desM ann» Heimer Pressetages statt, der sich zu einer machtvollen Kundgebung für die
Freiheit der deutsche« Rheinlande und besonders der Pfalz
gestaltete. Bold nach 8 Uhr erschien der Reichs- Präsident E be r t mit dem Reichswehrminister Dr Gehler, dem Reichsminister für die besetzten Gebiet«. Dr. H o e f l e. dem Reichswirtschaftsmrnv ster Dr. H a m m, ferner dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. v. K n i l l i n g, dem badischen Staatspräsidenten Dr. Köhler und dem hessischen Staatspräsidenten Ulrich, sowie zahlreiche andere führende Staatsmänner und namhafte Vertreter von Wirtschaft, Kunst und Wirtschaft. Besonders zahlreich hatten sich die hartbedrängten Pfälzer Volksgenossen eingefunden. Rach einleitenden Orgelvorträgen des Kirchenmnstkdirektors Arno Landmann und des Mannheimer Ra- ttonaltheatervrchesters unter Leitung des Generalmusikdirektors fiert, sowie einem Vorspiel zu einem Drama von Franz Schrecker unter Leitung des Komponisten ergriff als Vertreter der Ortsgruppe Mannheim des Verbandes der südwest- dnitfchen Presse Haupt sch riftleiter Schoel daS Wort zu seiner Ansprache.
_ Hierauf hielt der badisch« Staatspräsident Dr. Kohler eine Ansprache, auf die der Reichs- ^sident Ebert erwiderte. Dann sprachen der boherpche Ministerpräsident Dr. v. Knillina und der Minister für die besetzten Gebiete, Dr Hvefle.
A ,'^um betonte Reichstagsabgeordneter Hof f man n - Ludwigshafen den Eharakter der Umgebung US eines überwältigenden Zeichens
der deutschen Einheit. Wenn die Rheinbrücken auch vom Gegner gesperrt seien, so seien dafür tausende von Brücken inner halb Deutschlands und in die weite Welt hineinaeibaut worden. Der Schlüssel zur Separatistenherrschaft in der Pfalz sei die lOOOjährigeAnnejrions- politik Frankreichs, der die Ruinen in der Pfalz and in Heidelberg ihre Entstehung verdankten. Wenn es ein Menschenrecht gebe, dann erhebt sich die Frage, ob neben dem 21«* sprach auf Sicherheit der BesatzungStruppen auch eine solche auf
Sicherheit der einheimischen Bevölkerung bestehe. Hab« das französische Volk kein Gefühl dafür, dast am Rhein ein ohnmächtiges Volk in Sklavenketten geschmiedet sei, dessen Erwachen eines Tages für seinen Peiniger schrecklich sein könne. Rach zehn Jahren Krieg müsse Europa endlich berfricbet werde und zwar durch die
Rückgabe der Menschenrechte.
Die irtncic Geschlossenheit sei dir Waffe des wehrlosen pfälzischen Volkes gewesen. Der Redner gedachte zum Schlüsse auch der Folter, der die Pfälzer Presse unterworsen gewesen sei und der zahlreichen Kundgebungen, die im Reiche die deutsche Einheit förderten und liest seine Rede in ein Lied auf di« Pfalz und ein Hoch aus Deutschland ausllingen.
Die Begeisterung, die sich bei jeder Rede in lebhaften Beifallsbezeugungen geäußert hatte, fand ihren Riederschlag in den feierlichen Gesang der Rationalhymne, womit der politische Teil des Abends fein Ende erreichte.
Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der zur Feier nicht erscheinen konnte, hatte zur Kundgebung ein Begrüstungstelegramm gesandt.
Die belgische Kabinettskrise.
Paris, 2. März. sWTB.) Rach einer Meldung au- Brüssel wird die Ministerkrife nicht vor Montag abend gelöst werden. In untev» richteten Kreisen glaubt man, dast die Sozialisten außerhalb jeder Kombination bleiben müßten. Man nimmt an, baß der Abgeordnete Van de Dyvere, der ziemlich england- freundlich und der französischen Politik nicht feindlich gesinnt sei, ernste Aussichten habe, mit der Kabinettsbildung betraut zu werden.
Der Brüsseler Korrespondent des „TempS" berichtet, daß der geschästsführende Ausschuß der liberalen Partei einsttmmig beschlossen habe, daß die Liberalen ihre Zustimmung zur Zusammenarbeit mit dem katholischen Staacksminister R c n k i n geben werden. Der Ausschuß habe sich auf den Standpunkt gestellt, daß überhaupt das Zusammengehen von Katholiken und Liberalen unter dem Vorsitze eines katholischen Politikers sehr schwer zu verwirklichenr, wenn nicht unmöglich sei. Gr sei der Auffassung, baß Theunis das Kabinett neu bilden und in den Stand gesetzt werden müsse, die belgische Reparationspolttik zum Ziele zu führen und dann Reuwahlen vorzunehmen.
Dr. Schacht in Paris.
Paris. L März. (WTB.) Reichsbank- Präsident Dr. Schacht wird wahrscheinlich am nächsten Montag wieder vor den Sachverständigen erscheinen.
Aufhebung von Ausnahme- mahregeln.
Berlin, 1. März. (Wolfs.) DerReichS- Präsident hob durch eine Verordnung verschiedene noch in Kraft befindliche Verordnungen, die früher auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung erlasen waren, auf. Es handelt sich u. a. um die Verordnung vorn 26. Juni 1922, wonach Regimentsfeiern und ähnliche Veranstaltungen verboten wer.^en könnten, und um die Verordnung vom 10. August 1923 über das Verbot p -riodischer Druckschriften D'efe Verord- nungm sind durch die Verordnung über die Auf- Hebung W militäri'ch--n Ausnahme.ustarrdes und der Abw hr staatsf -indlicher Bestrebungen vom 28. Februar inhaltlich überholt.
Wie die Berliner Blätter mttte’.Ien, hat der pveu^iche Minister ks? Innen Vevering an die Ober» und RegferunasprafOenten, die Land- räte und OrtSp^lrz ibehör'en eine Terfügnng zu der Aufhebung des militärischen Ausnahmezustandes erlassen In her Beifügung heißt es: Durch daS Außerkrafttreten der Lkrordnungen des MilitärbefchlsHabers ist tauch das vorn Chef der Heeresleitung era-nngnrr V erb ot der Kommunistischen Parteihinfällig geworden. Dagegen sind dir vom Minister Srver' ng schon vor Verhängung deS Ausnahmezustandes verfügten Verbote der v'-o'etari'chen Hundertschaften, des ReichSausschu's S der ke ttschen Betriebsräte und deS Zentralausschusses Ter Grost-Be-liner Dr- t- i bsräw in Gell'mg geblieben. Das Verbot der Deutschvölkischen Fre i he i t s Pa r tei wird nur insoweit aufrecht erhalten, als es sich auf die ialS militärische Kampforgantsation zu betrachtenden drutschvölkischen Hundertschaften bezieht.
Sturm in der Berliner Sozialdemokratie.
Berlin. 2. März. (Priv.-Tel) Heute fand in Berlin der Dezi rksp arteit ag der Sozialdemokraten von Berlin und Teltow-Deeskow statt, um die Aufstellung der- Kandidaten für die R eick. stag s wa h l vorzunehmen. Die radikale Richtung forderte alS Spitzenkandidaten Crispien und Zubeil, während die Richtung des Parteivorstandes bzw. der Reichstagsfrallion für Heil mann und Eduard Bernstein als Spitzenkandidaten «in» trat Crispien und Zubeil wurden schließlich g e w ä h l t. Im Anschluß hieran kam es. wie die „Montagspost" meldet, zu heftigen Auseinandersetzungen. die damit endeten daß Heilmann, Bernstein u. a. ihre Kandidatur niederlegten. Dereinzelt soll von einer ganz sicher bevorstehenden Spaltung gesprochen worden sein. Der Parteivorfitzende D i t t- mann, der zur Einigung mahnte, wurde niedergeschrien.
(Ein unruhiger Tag in Jena.
Jena. 2 März. (WTB.) Hm den vom nO u n g ß u r m“ für Sonntag geplanten Deutschen Tag zu stören, hatten die Kommunisten erhebliche Kräfte nach Jena zufammen- gezogen. Die Landespolizei mußte vielfach tm Laufe des Tages gegen starke kommunistische Demonstrativnen und Hmzüge einschreiten. CS
। wurden über 200 Personen aus dem kommunistischen Lager wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt verhaftet, darunter ! auch zwei kommunistische Landtagsabgeordnete.
Der Festtag des „Iungsturms" konnte programmmäßig durchgeführt werden. Hm Mitternacht war die Ruhe überall wieder hergestellt.
Der Hitlerprozetz.
München, 1. März. (Wolff.) Der Ange- llagte Hauptmann a. D. R ö y m sagt aus, an den entscheidenden Besprechungen mit Hitler undKrle- bel habe er nie teügenommen. Der Angeklagte schildert dann die Vorgänge vom 8. Aovember, wobei et bemerkt, bei der Veranstaltung der Reichs-Kriegsflagge im Löwenbräukeller habe er die Mitteilung von der Ausrufung der nationalen Regierung cchalien. Daraufhin sei er mit den Verbänden vom Löwenbräukeller abmarschiert und zum Wehrkreiskommando gezogen. Die Versuche, eine Verbindung ml tfiossow zu erhalten, waren aber vergeblich. Die Rachricht, daß die Reichswehr Im Anmarsch sei, habe er erst zu einem viel späteren Termin bekommen. Die Verteidigung des Wehrkreiskommandos sei von ihm angevrdnet wor- !den, als das Anrücken von Tanks gemeldet toor» k>en sei. Dir weiteren Schilderungen des Ange- llagten beziehen sich auf die schließliche Kapitulation des Wehrkreiskommandos vor den Reichswehrtruppen.
Auf eine Anfrage des Gerichtsvorsihenden erklärt der Angeklagte, daß er an den vorbereitenden Besprechungen wegen der Ausrufung der nationalen Regierung am 7. Rovember nicht teilgenommen hätte. Weiter stellt der Angeklagte fest, daß er Befehl gegeben habe, daß auf die Reichswehr nicht geschossen werden dürfe. Auf eine Frage des Vorsitzenden führt der Angeklagte aus, er hätte aus den Verhandlungen den Eindruck gehabt, dah zwischen Hitler und Lossow vollständige Hebereinstimmung be- stehe. Als am 9 .Rovember vormittags gesagt wurde, Lossow und die Reichswehr seien gegen und, habe er erklärt, daß er zu Ludendorff stehe und bai Wehrkreiskommando bis zum Tode, verteidigen werde. Es entwickelt sich darauf ein großes Frage- und Antwortsplel zwischen dem Ersten Staatsanwalt, der Verteidigung und dem Angcllagten. Dabei greift auch Hitler ein, der erklärt, er habe die politische Leitung deS Kampfbundes nur unter der Bedingung übernommen, daß, wenn einmal ein Weg festgelegt worden war, nicht dagegen opponiert werden dürfe. Röhm stellt ferner fest, daß die AbzugSbedingungen nicht so, wie sie für die Besatzung des Wehrkreiskommandos vereinbart worden waren, erfüllt wurden. Man habe weder ihn noch den anderen ehrenvoll behandelt.
Der Angeklagte Oberleutnant der Reserve und Studierender der Staatswissenschaft Wilhelm Brückner legte die Gründe für feine nationale Einstellung dar, die durch den AuSbruch der Revolution veranlaßt wurde. Ramentlich habe daS Verhalten Eisners in ihm einen fanatischen Haß wachgerusen. Rach der Befreiung Münchens, an der er mitgewirkt habe, habe er die lieber- zeugung gewonnen, baß nur Hitler mit seiner anttmarxistischen Einstellung der Mann sein würde, der Deutschland 'befreien könne. Von den Besprechungen vor dem 8. Rovember hatte der Angeklagte als militärischer Führer keine Kenntnis. 2lls am 8. Rovember vormittags der Befehl kam, nach dem Löwenbräukeller zu marschieren, habe keiner seiner Hnterfüßcer von dem Plane Kenntnis gehabt. Di« Begeisterung und der unbeschreibliche Jubel sagten ihm, daß die Ausrufung der nationalen Regierung unbebingt der Volkswille sei. Der Angeklagte komnrt dann auf die bereits bekannten Vorgänge zu sprechen und betont, er habe keinen Augenblick den Eindruck gehabt, daß Kahr, Lossow oder Seiher das Wort gebrochen hatten. Wenn in der Anklageschrift behauptet werde, baß über die Stellung der fiandespvlizei kein Zweifel bestehen tonnte, so müsse er das absolut bestreiten. Für ihn sei bie Teilnahme an dem Zug in die Stabt selbstverstänblich gewesen. Der Angeklagte glaubt nicht, daß bie Schießerei an der Feldherrnhalle durch den Schuß eines seiner Leute ausgelöst wurde. Hitler übergab Brückner eine Photographie der Schußeinschläge an der Residenzmauer und begründet darauf seine Vermutung, daß die gefallenen Sipoleute in ba6 Feuer der eigenen Leute hineingelaufen sind. Er sei stolz darauf, daß er den 8. und 9. Rovember mitgemacht habe und er würde heute genau wieder das gleiche zu tun bereit sein.
Die Sitzung wirb darauf um 1/81 Hhr abgebrochen und die nächste Verhandlung auf Montag vormittag anberaumt.
Die Leipziger Messe.
Leipzig, 2. März. (WTB.) Am heutigen M'-sß-sonntag schief hon in bei ersten Dormittags- ftunber? gleichknach der Eröffnung der Messe- verkehr und das Geschäft außer- gewöhnli ch stark Sein, die alles in den letzten Jahren gewohnte k ei weitem übertrafen. Es zeigt fick» deutlich. f*aß die Entwicklung der deutschen Wirtschaft wieder «auswärts geht und der öeifc- zlier Messe hierbei eine führende Roll« zutommt. Bereits in bon Mickagsstunden betrug die Zahl dr Geschällske ucher auf Grund der ausgegebenen Einkaufsab^lchen und Ausstellerkarten über 120000, bie ein bisher auf keiner Messe erreichter Rekord ist. Aus der T e r t i l m e s s e, wo am Vormittag das Groß- Textil-Messehaus eröffnet wurde, war bei deutlich wahrnehmbarem Preisabbau das Geschäft lebhaft. Aus der Schuhleber messe hei-rschte rege Tätigkeit, insoweit die Fabrikation berechttg- ten Wünschen des Handels en'gegenkommen tonnte. Auch auf der Ra hrungs» und Genuß- ml 11 c l m e s s e zeigte bei reger Beschickung das Geschäft lebhafte Beteiligung des Auslandes. Auf der- Papier- und Dugra-Messe diente der erste Tag hauvtsächlich Orientierungen. In Anbetracht des vorliegenden Bedarfs dürfte auf ein starkes Geschäft zu rechnen sein. Die Edelmetall-, Hhren- und Schmuck- messe zeigte ein lebhaftes Geschäft, sowohl nach dem Inlande. als auch nach dem Auslande, welches für die deutschen Qualitätswaren sich sehr interessiert zeigt. Die Meßstände in der inneren Stadt für Glas, Keramik. Spielwaren, für das Kunst gewerbe. für Haus- und Küchengeräte, zeigte ebenfalls eine hohe Besucherzahl, die auf ein starkes Geschäft schließen läßt. Auf Grund des Eindrucks des ersten MeßtageS herrscht bei den Ausstellern und den Einkäufern eine zuversichtliche S t i m m u n g. Die technischeMesse weist ausgezeichnete Leistungen der deutschen Maschrnenindustrie auf. Sie
steht tm Zeichen der Qualitätsarbeit und feinsWk Konstruktionsausarbeitung aller Einzelheiten. Der Andrang war schon in d?n ersten Vormittagsstunden so stark, bah zeitweilig der Zugang zu ber Halle gesperrt werben mußte. Die Braun- kohlenfachmesse war bereits auf ben ersten Wurf gelungen. Die Motorenmesfe unb bie Daumefse sinb absolut einwanbsrei. Die Textll- maschinenmesse weist die beste Fabrikation Deutschlands auf diesem Gebiete aus. Die Transportmittel und Kleinfahrzeuge sind erstklassig vertreten.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 3. März 1924.
Die Tollwut.
3n der letzten Zeit sind in Frankfurt a .M. und Hmgegend, Darmstadt unb im Kreise Groß- Gerau zaKretche Fälle von Hunde-Toll- wut festgestellt worben. Da noch tollwutkranke Hunbe umherstreifen, muß mit einem vermehrten Auftreten ber Seuche gerechnet werden. Zum Schuhe des Publikums, dem die umßeriaufenben tollwutkranken Tier« bekanntlich sehr gefährlich werden können, werden von amtlicher Seite folgende Merksätze über die Tollwut bekÄkntgegeben, mit denen sich jedermann vertraut machen sollte. Wesen und Verbreitung der Tollwut.
Die Tollwut ist eine ansteckende, schnell verlaufende Krankheit. Sie kommt am häufigsten beim Hunde vor, kann aber auch auf alle übrigen warmblütigen Tiere und auf den Menschen übertragen werden. Die Krankheit wird hauptsächlich durch den Biß toutfranfer Hunde verbreitet.
K ennz eichen der Tollwut der Hunde
Die Hunde zeigen zuerst eine Veränderung in ihrem gewohnten Denehmen, indem manche von ihnen still, traurig, verdrießlich werden, mehr als sonst sich an dunkle Orte legen, andere dagegen sich unruhig, reizbar und zum Deißen oder Fortlcrufen geneigt zeigen.
Viele wutkranke Hunde verlassen in den ersten Tagen der Krankheit das Haus und ihren Herrn und laufen mehr oder weniger weit davon.
Die meisten dieser Hunde verlieren schon in den ersten zwei Tagen der Krankheit den Appetit nach gewöhnlichem Futter, aber sie verschlucken von Zeit zu Zeit andere Dinge, die nicht als Rührung dienen, wie zum Deisptel Erde, Stroh. Holzstückchen. Lappen u. dgl.
Tolle Hunde zeigen eine andere Art deS Dellens, sie geben nämlich nicht mehrere voneinander getrennte Laute oder Schläge der Stimme, sondern nur einen Anschlag und ziehen den Ton etwas lang in die Höhe Diese Art des DellenS ist ein Hauptkennzeichen der Krankheit.
Manche Hunde bellen viel, andere sehr wenig. Bei den ersteren wird nach und nach die Stimme heiser. Fast alle tollen Hunde äußern eine größere Beißfucht als in gesundem Zu- stände
Bei manchen tollen Hunden tritt bald beim Eintritt der Krankheit, bald in deren weiterem Verlaufe eine lähmungsartige Erschlaffung der Kaumuskeln ein. infolge deren der Hnterftcfer etwas herabhängt und das Maul etwas offen steht.
Alle tollen Hunde magern in kurzer Zeit f e h r a b, sie bekommen trübe Augen und struppige Haare, sie werden nach etwa fünf bis sechs Tagen allmählich schwächer tm Kreuze, zuletzt im Hinterteile gelähmt, und spätestens nach acht bis neun Tagen erfolgt der Tod. Schuhmaßregeln gegen die Tollwut.
Zur wirksamen Bekämpfung der Tollwut ist es unerläßlich, daß die Vorschriften des Reichs- viehfeuchengesetzes und seiner Llusführungsbestim- mungen genau beobachtet werden. Es ist daher vor allem notwendig, daß jedermann, der davon Kenntnis erhält, daß ein Hund an Tollwut erkrankt ober ber Tollwut verbächtig ist. namentlich wenn er andere Tiere oder Menschen gebissen hat, der Ortspvlfteibehörde sofort Anzeige erstattet, damit diese ben zuständigen beamteten Tierarzt zuziehen kann.
Hunde unb Katzen, die von der Tollwut befallen oder der Seuche verdächtig sind, müssen von dem Besitzer sofort getötet oder bis zu polizeilichem Einschreiten in einem sicheren Behältnis, wenn möglich unter fester Ankettung, eingesperrt werden.
Bei der Gefährlichkeit der Tollwuterkrankung des Menschen unb ben außerorbenHldj günstigen Ergebnissen der Tollwutschuhimpfungen muß dringend geraten werden, daß jeder, der von einem tollwütigen oder tollwutverdächtigen Hund gebiffen toorben ist, so rasch als irgenb möglich sich der Schutzimpfung unterzieht unb zu diesem Zweck nach vorheriger 2lnzeige bei der OrtspoIizei- behörde des Wohnorts und dem zuständigen Kreisgesundheitsamt, das die Llnmeldung bei dem Institut für Infettionskrankheiten besorgt, sich nach Beriln begibt. Hm weiteres Hnheil zu verhüten, ist es außerdem dringend notwendig, den Hund, der gebiffen hat. sofort zu ermitteln unh durch das zuständige Kreisveterinäramt untersuchen zu lassen.
Gießener Wochenmarktpreise
am 1. März. (Händlerpreise.)
Es kosteten: Butter bas Pfund 1,80, Matte 0,18. Wirsing 0,40 bis 0,45, Weißkraut 0,25 bis 0,30, Rotkraut 0,40, Gelbe Rüben 0,20 bis 0,25, Rote Rüben 0,25 bis 0,30, Endivien 1,50. Unter*’ Kohlrabi 0,08, Grünkohl 0,40, Rosenkohl 1,20 bis 2,00, Feldsalat 3,00, Tomaten 2,50, Zwiebeln 0.25 bis 0,30, Meerrettich 0,40 bis 1,00, Schwarzwurzeln 0,80 bis 1.00, Aepfel 0,20 bis 0,25, Birnen 0,25, Käse 10 St 0,50 bis 0,70, Eier das Stück 0,14, Blumenkohl 0,60 bis 3,00, Salat, ausl. 0,70 Lauch 0,20 bis 0,50, Sellerie 0,20 bis 1,00 Mark'
*
Vornotizen,
— Lageskalender für MvntaM Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Jackie Coogan^. — Palast-Lich tspiele: „ Fremden!, gionär Kirsch".
— Aus Dem S ta d 11 h ea t e r b u rea u wird geschrieben: Rochmals sei darauf hingewiefen. daß bei der morgigen Aufführung der Operette „Katia, d i e T ä n z e r i n" ht? außer Abonnement stattfindet. Gutscheine Gültigkeit haben. Die 'Ausführung tit die des Werckes
— Vom Konzertverein wirb uns getrieben: Rach längerer, durch die wirtschaftlichen Verhältnisse erzwungener Pause gedenkt der Kon- zertverein die früher von Ihm gepflegten Sinfonie- konzerte wieder in seinen Spielplan aufzunehmen. Günstige Llbmachungen mit der Rauhelmer staatlichen Kurtovelle, die auch in früheren Jahren ihre Kräfte zur Verfügung stellte, lassen das finanzielle Wagnis ckls nicht mehr so bedenllich wie früher er»
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