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Nr. 284 Erstes

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Blatt

V4- Jahrgang

Dienstag, 2. Dezember 1924

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

VruS und Verlag: vrühl'fche Univerfitälr-Vnch- und bteindruckerei R. Lange in Giehen. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: 5chu!straße T.

Benaboit von h fftr6ielagesnuinm<i oi» |um Nachmittag vorher ohne jedeVerdinvlichkett.

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wirtschaftliche Gleichberechtigung

Bli

Bolschewistenangriff auf Reval.

Der Aufstand von der estnischen Regierung unterdrückt

ES kennzeichnet allerdings besser als alles andere untere schwierige Stellung inmitten der Weltwirtschaftsvölker, toenn wir einem groben Land alle irgend denkbaren Vorteile einraumen müssen, um nur für uns das sichern, was selbst für den kleinsten und schwächsten Staat eine Selbstverständlichkeit ist: d.e formal gleiche Behandlung seiner Bürger und seiner Produkte. Dr. Vogler hat das jetzt feit einem Vierteljahr in Kraft befindliche Dawesprogramm ein grobesExperiment" genannt, von dem niemand sagen könnte, wie es ablaufen werde. Es zeigt sich schon jetzt, daß die von den internationalen Sachverständigen und dann auch von den Reparat onsmäch'en zugebilligte ein­jährige Schon fräst für die deutsche Wirtschaft und die Reichs.inanzen ungenügend ist. Dis dahin b h. bis zum 31. August 1925 -- wird es schwer­lich gelingen, alle übrigen Positionen derstillen Blonde" zu beseitigen. Das darf uns nalür* lich nicht abhallen, den Kamps mit zäher Energie

verständigen der eisenverarbeitenden Industrie, der Elektrotechnik und des Maschinenbaues zu einer zweistündigen Vol'sitzung zus mmengctreten. Greifbare Ergebnisse wurden nicht erzielt, doch schreitet die Angleichung der beiderseitigen Standpunkte auch weiterhin gün­stig fort, und die allgemeine Stimmung ist Atem- lich gehoben. Morgen findet eine neue Voll­sitzung unter Heranzi hung der Sachverständigen der Schwerindustrie statt. Zum Aachsolger des verstorbenen Ritter von Dalwig ist, wie bei der deutschen Wirtsch f.sdrl gation verlautet, Freiherr v. Echorlcmer-Lieser bestimmt. Er wird voraussichtlich heute oder morgen hier eintreften.

Die deutsch-englischen Wirtschaftsverhandlungen.

Berlin, 2 Dez. (SU) Dir .Zeit" meldet: DirZ itang n chrilftrn bat bie S-a des errgs- Verhandlungen mit Englaad abg sa^lo s.n s iea und die Unterzeichnung am Dienstag crfol: er sc lle gehen den Tat atzen voraus. Es ist richtig. ta!> übe: alle Streitfragen eine grundsätz­liche Einigung erzielt wurde, so das) man mit dem baldigen Qlbi^tuf) der Verhandlung n sicher rechnen kann Die schwierigste Streitw. ge, die Erhebung einer 26proze>.tigen Abgabe auf die deutlche Einfuhr nach Ei.gia d, ist durch eine vorläufige Einigung ge­löst worden. Es bleibrn noch eine Reihe von technischen Einzelheiten zu erledi^n, was noch einige Tage in Anspruch nehmen dürste.

fortzusehen.

Dr Vogler hat in seiner erwähnten Rede an­gedeutet. baf) die von ihm gewünschte inter­nationale Verständigung über die Handelsbe­ziehungen der Völker -durch em weitgehendes wirtschaftliches Zusammengehen be­nachbarter S t a a . e n erleichtert und be­schleunigt werden fön le. Richt ohne Absicht hat Dr. Vogler in diesem Z usammenhang den Ramen seines verstorbenen Freundes Hugo S t l n n e s genannt, der bekaimtlich - allen Anfeindungen zum Trotz unermüdlich an der Schaffung eines deutsch - französisch- belgi­schen Wirtschaftsau sglctche g arbeitet hat Ein handelspolitischer Weltkongretz hätte zunächst einmal das zu tun. was Dr. Böglerhandelspolitische Abrüstung nennt ~ie faktische Blockade, unter welcher der deutsche Handel auch heute noch leidet, ist von Dr. Bögler treffend alseinseitige han del s- politische A b r ü st u » g" gekennzeichnet worden. , , . c >

Wir müssen uns dessen bewuht cm, dast es wenn auch nur zu einem bescheidenen Seit - in unserer Macht steht, an der Beendigung ber stillen Blockade mitzuwirken. Dies kann durch eine Modernisierung des deutschen Droduktions- und Verkehrsa p p a - rats erreicht werden: Dorkämpfe', in auf buTcm Gebiete must die deutsche Technik sein. Dr. Vogler ist der Ansicht, dast A m e r i k a und die anderen kapttalstarken Länder der <$rbe erst Ann wieder bereit sein werden, ihr wahrend d^ Krieges aus Mitteleuropa herausgezogenes Geld aufs neue langfrist ig anzu legen, wenn fie bte Lieberzeugung von einer tatsächlichen und prattisch pftrAmen Zusammenarbeit der groben

um die

In den nächsten Wochen und Monaten wird bid davon die Rede sein müssen, wie wir die stille Blockade, die gegen unseren Austen- Handel verhängt worden ist, brechen können. Als erstes Land hat G r o st b r i t a n n i e n sich mit Deutschland über die künftige Gestaltung der gegenseitigen Handelsbeziehungen verstän­digt. Rachdem schon seit einigen Tagen opti­mistische Gerüchte umgingen, wird jetzt der A b- s ch l u st der Verhandlungen zwischen den bei­derseitigen Delegierten gemeldet. Ein unbedingt paritätischer Handelsvertrag liegt allerdings noch nicht vor, mit einem solchen ist die Beibe­haltung der26proz. Ausfuhrabgabe durch die britische Regierung unvereinbar. Wir haben auch den Engländern volle Meist­begünstigung zugestanden und darüber hin­aus eine toeitergebenhe Garantie für den britischen Warenabsatz tn Deutschland gegeben.

Die wichtigste G^enleistung Grostbritanniens ist der grundsätzliche Verzicht auf alle Dif­ferenzierungen, die im Versailler Vertrag gegen deutsche Menschen und deutsche Waren vor­gesehen sind. Die britische Regierung hat sich ver- pflichtet, dem Parlament alsbald Gesetzentwürfe über die volle Gleichstellung der Deut­schen mit anderen Ausländern vor^ulegen. Die grvste Parlamentsmehrheit, über btc das Kabinett Baldwin verfügt, läßt keinen Zweifel daran zu. Last diese Gesetze angenommen werden, zu­mal die britische Arbeiterpartei den Gesehen zweifellos aus grundsätzlichen Erwägungrn zustim­men wird.

Mil dieser Aussicht auf die Beseitigung von brüdenben Sonderbest nunungen ge c i Deutsche in einem besonders wichtigen Wirtschafislande ist natürlich nur ein er ft er Anfang gemacht worden. Dr. trefemann hat zweifellos auch die Beseitigung der stillen Blockade, die gegen den deutschen Ausfuhrhandel fortbesteht, im Auge gehabt, als er nach Abschlust des Londoner Ab- lammens im Reichstag erklärte, die Reparations­vereinbarung vom 30. August sei kein Ende, son­dern em Anfang. Denselben Gedanken hat der bekannte Generaldirektor Dr. V ö g l e r von der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks-A-G. auf ebner Sitzung deS Vereins Deutscher Eisenhütten- werke in Düsseldorf weiter gesponnen. Er er- Itäre, wie schon gestern kurz g-meldet. eine lnt?r- nawnale Verständigung über die künftigen Han- delsb?ziehungen der Völker untereinander für eine wichtige und notwendige Ergänzung des Lon­doner Abkommens. Er' forderte direkt einer han­delspolitischen Dawes-Bericht, an dessen Llbfassung selbvsterslänbilch deutsche Sachverständige teilnehmen müstten.

Das Schicksal der Kölner Zone. | Die Pariser Zusammenknnft zwischen I

Chamberlain und Herriot.

Paris, 2. Dez. (Sil.) Rach demTemps" werden bei der Zusammenkunft zwischen Chamber­lain und Herriot am Donnerstag folgende Der- Handlungsgegenstände zur Sprache gelangen:

1. Genfer Protokoll

2. Konferenz der interalliierten Finanzminister. 3. Räumung der Kölner Zone zum 10.1.25.

4. Orient fragen.

Das Blatt weist erneut mit grostem Rach­druck darauf bin, dast dieMöglichkeiteines englisch-französisch-belgischen De­fensivabkommens bestehe, das im Rahmen des Genfer Protokolls denkbar sei oder aber einen wirksamen Ersatz dafür bedeuten würde.

DerDaily Telegraph" schreib!: Ausführ­lich und bestimmt dürfte zwischen Chamberlain und Herriot

die Nänmung der Kölner Zone besprochen worden. Eine Entscheidung in dieser Angelegenheit fei aber fron verschiedenen Punk­ten abhängig. Einmal verweist der Korrespondent des Daily Telegraph" darauf, dast erst d a s E r° qebnis der deutschen Wahlen und der Bericht ber Militärkontrollkornmif- sivn ab gewartet werden sollte. Deutschland habe zwar, wie aus dem Bericht des Generalagenten hervörgeht, seine finanziellen Verpflich­tungen pünktlich erfüllt und es bleibe nur noch die Feststellung übrig, ob es auch den militärischen De psiichtungen nachgekommen sei Wenn dies der Fall fei, so müsse die Räu­mung der Kölner Zone unter einem außerhalb des Vertrags liegenden Gesichtspunkt betraget wer- t-en, nämlich unter demjenigen, der durch die Räumung für die bann in der Luft hängenden französischen Truppen geschaffen würde. Die Lösung dieses Problems bedinge ein mit Deutschland besonders zu schliehendes Kompro - mist, durch das z. D. das Datum der Räumung der Kölner Zone um einige Monate verscho­ben würde­

kontinental-europäischen Dölker ge­wonnen haben. Das beste Mittel, einen solchen Eindruck zu erwecken, ist dir gemeinsame Arbeit der früher verfeindeten Dölker an der Steigerung der wirtschaftlichen Produftivität. Bögler hat ge- wist Recht, wenn er feine Ansicht dahin aus- pricht, dast die einseitige handelpolitische Ab­rüstung Deutschlands dann aufhören wird, wenn ein gutes Funktionieren der deutschen Wirtschaft auch im Interesse der wichtigsten ande­ren Wirtschaftsländer liegt.

Induslrieverhandlungen zrvischenDrutschland,Frankreich, England und Belgien.

Frankfurt, 1. Dez. (Sil.) Wie dieFrank- urter Zeitung" aus Paris meldet, werden die chon vor langer Zeit eingeleiteten deutsch-fran­zösischen Verhandlungen über die Möglichkeit internationaler Vereinbarungen über Preis­gestaltung und Verkaufsbedingun- ge n gewisser schwerindustri l er Erzeugnisse am nächsten Mittwoch in Köln wieder ausgenommen werden, und zwar diesmal unter Beteiligung der interessierten Onbufl riefreife Englands und Belgiens.

Die deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen.

Paris, 2. Dez. (Sil.) Die deutsch-fran­zösische Wirtschaftskonferenz ist Montag nachmit­tag um 3 ilhr unter Heranziehung von Sach-

Die stille Blockade.

Gegen die einseitige handelspolitische Abrüstung. Deutschlands Kampf

der Gegend von Rarwa gelandet, ileber das zweite liegen keine Rachrichten vor. Drei Polizei­reviere wurden von den Aufrührern eingenom­men. Die Griängnisse blieben dagegen unberührt. Auch in Offizierswohnungen drangen die Aus­rührer ein. Der ilebersall wurde in änderst verwegener Weise ausgeführt. Als Waf­fen dienten Handgranaten, Gewehre und Bom­ben. Die Aufrührer waren zum Teil als M i litär Personen verkleidet. Außerhalb von Reval versuchten die Aufrührer, bie Eisen­bahn zu sprengen, wobei eine Drücke zwischen Kehra und Aegwiidu beschädigt wurde. Diese soll noch heute wieder instand gesetzt werden. Die Lage ist allgemein ruhig, wenn auch in manchen Kreisen eine erregte Stimmung herrscht. Die Feldgerichte sirrd bereits in Tätig­keit und haben eine Anzahl Schuldige verhört.

Auf Antrag des der Arbeiterpartei ange­hörigen Abg Anderkops sprach sich das Parla­ment einstimmig für bie Erteilung außerordentlicher 03 o II machten an die Regierung aus und hiest bie Proklamierung des Kriegszustandes sowie die Ernennung von General Leidner zum Oberkommandierenden gut

Reval, 1. Dez. (Estnische Telegraphenagen» tur.) Heute vormittag versuchten Kommuni­sten, sich der Regierungsgewalt zu bemächtigen. Zu diesem Zwecke hatten sie Banden von 5 bis 10 Mann organisiert, die sich, mit Gewehren und Handgranaten bewaffnet, zu gleicher Zeit der Bahnhöfe, der Regierungsgebäude, der Posten der Polizei und der Telephon­zentrale bemächtigten. Im Verfolg des Putschversuches wurde eine Reihe von Personen getötet. Die Truppen haben den Aufstand unterdrückt und stellten die Ordnung in zwei Stunden wieder her. Die Zahl der Opfer über, steigt wahrscheinlich 50; unter den Toten befindet sich auch der Der kehr sm! nister Karl. In ganz Estland ist der Kriegszustand prolla- miert. General Daidoner ist zum Oberlomman- dierenden mit austerordentlichen Dollmachten er­nannt worden. Die RegierungSgeschäste nehmen ihren normalen Fortgang. Die Stadt ist wieder ruhig. *

Heute nachmittag fanb eine austerordent­liche Sitzung des Parlaments statt. Staatspräsident Akel machte Mitteilun­gen von den austerordentlichen Mastnahmen der Regierung, bie zum Teil der Zustimmung des Parlaments bebürfen. Der Staatspräsident führte in feiner Rede aus: Banden der dritten Internationale haben einen bewaffneten Aufstand organisiert. Unter den Opfern befindet sich auch der 03erkehrsminister Kark. (Das Par­lament ehrte se n Gedächtnis durch Erheben von den Sitzen.) Kommunistische Banden sind im gan­zen Lande in Tätigkeit. Darauf wurde der Kriegs­zustand im ganzen Staate proklamiert und die ONilitärgewalt ist in die Hände einer einzigen Per­son gelegt toorben. Wenn die Regierung und das Parlament einmütig zusammenstehen, so schl'h der Präsident, können wir getrost der Zukunft ent­gegensehen.

Der neuernannte Oberkommandierende Gene­ral Leidener berichtete über b:e Lage und die beiderseitigen Opfer. Er teil e mit, dast u. a. das Gebäude des Kriegsministeriums überfallen wurde, wo drei starke Bomben geschleudert wur­den. Ein Soldat wurde dort verwundet. Auch der Stab des 10. Infanterieregiments wurde angegriffen und es wurden drei Offiziere im Schlafe ermordet. Ein größerer Ueberfall mit Handgranaten wurde auf die Kadetten­schule unternommen, wo der wachthabende Ka­dett getötet und ein zweiter schwer verletzt wurde. Dieser ist bereits seinen Wunden erlegen. Im D o n s ch l o h wurde der Befehlshaber dec Wache hinterrücks ermordet. In das Haus des Staatspräsidenten brani eine Bande ein. Auch gegen das Haus des früheren Ministers des Innern, Einbund, wurden Handgranaten geschleudert und Gewehrfeuer eröffnet Einbund entkam wie durch ein Wunder. Auf den Bahn­höfen wurden die wachthabenden Beamten er­mordet und auch der Derk:h sminister Kark fiel den Auiständ scheu bei einer Amtshandlung »um Opler. Eine G uvpe unbewaffneter O f ziere wurde auf dem Wege zu einem militärischen Kurse durch eine Bande festgehalten und

zum Erschießen auögekleidet.

Weiter wurden durch die Aufständischen ein­genommen die Hauptpost und das Gebäude der Fliegerdivision, wo zwei Flugzeuge zum Auf­stieg gezwungen tourben. Ernes von diesen ist tn

Die Aufwertungsfrage

Don Schulrat Deuermann, M b. R

Als Herr Dr. Düringer mit einigen feinet Freunde aus den verschiedensten Parteien vor mehr als eineinhalb Jahren seinen ersten Gesetzes- Antrag aber die Sperre der Löschung der Hypo­theken einbrachte und damit diese tief ci.it "hnci- dende Lebensfrage für den gesamten Mittelstand unseres Dolles Gegenstand deS parlamentarischen Streite- wurde, war sie schon jahrelang die Sorge von hunderten unserer besten Dolkswirtschastler gewesen. Auch im ersten Parlament des neuen Deutschen Reiches der Rationalversammlung - wies schon Herr Dr. Heim darauf hin, dast bei dem Sinken unseres Geltwertes Mittel und Wege gefunden werden müstten, um der damit verbun­denen Dolksverelendung Einhalt zu gebieten. Er glaubte auch, daS Rettungsmittel gegen diese Ge­fahr darin gefunden zu haben, dast er für Deutsch­land eine doppelte Währung empfahl. Eine Währung, die nur für das Inland Geltung haben sollte und eine zweite, die den Geldverlehr unseres Staatskörpers mit dem Auslande zu re­geln habe. Wenn wir heute rückschauend den Weg des Inflationselends überblicken, fo müssen wir gestehen, dast die Durchsetzung dieses Dr Heim- schon Dorschlag's, der gemacht wurde, als die Mark noch 62 Pfennig galt, ein wirkliches Ret­tungsmittel für Doll und Land hätte werden kön­nen. In den nachfolgenden Jahren ist eS Dutzen­den von ähnlichen Dorschlägen ähnlich ergangen, sie blieben unausgeführt In der herrschenden Parlamentsmehrheit war nicht genügend Kenntnis von den wirtschaftlichen Doraussetzungen der Ent­wicklung und war auch nicht der Wille da, dev Dolksverelendung entscheidend Einhalt zu tun. Man glaubte mit dem Gehenlassen und Au* reifen- lassen der wirtschaftlichen Ungeheuerlichkeiten am besten zu tun. Wie vorherrschend auch noch diese Ansicht vor eineinhalb Jahren im Parlament war, das beweist die Behandlung, welche der anfangs > erwähnte Düringersche Hypotheken- Sperrgesetzentwurf erfuhr. Er hatte in allen Parteien deS Reichstag« Freunde und Geg­ner, und da keine Partei von vornherein Stellung für oder gegen ihn nehmen wollte, so wurde der Antrag einem besonderen Ausschuß überwiesen und in diesem Ausschuh nach langen Verhandlun­gen begraben.

Es waren damals insbesondere die Juri­sten aller Fraktionen, welche in Gegnerschaft zu diesem Sperrgesetzentwurs standen. Sie behaup­teten, es sei unmöglich, ein kleines Stück aus dem grvsten Komplex des Gelben twertururSelendS her- auszunehinen Die Frage der Auswertung von Hypotheken ziehe diejenige dec Aufwertung der Staatsp.rptere, Sparkas e gutbaben, Obligationen. Pfandbriefe und anderes mehr nach sich. Sie waren damit im Recht: aber sie verrannen, dast das Anfassen dieser Aufwertungsfraqe an dieser Kernstelle eine mit der steigenden Geldentwertung immer Härter in den Dord.rgrund tretende Staatsnotwendigleit würde Wäre durch die Annahme des Hypothek n-Spcirg-setzantrages damals die Mrgttchk.it gesichert worden, dast die Hypothekenlöschung nur mit Einwilligung von Gläubiger und Schuldner vorgenomm-n werden sollte ein Mehr verlangt.' dieser 2tnlrog gar nicht so wären schon damals Hunderttau send« des verarmten Rentnerstandes davor bewahrt geblieben, Grldrnarkhhpotheken von 50000 Marl gegen Zusendung einer Briefmarke preisgeben I zu müssen.

Reben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung hatte die Frage der Aufwertung aber gllmäh ich eine staatsmoralische Bedeutung erhalten. Wenn man wieder Sparer im Lande sehen wollte, so mustte man das Zutrauen zu den öffent­lichen Kassen wieder Herstellen. Das war aber 1 nur möglich, wenn man die Darbringung des DertrauenS, nämlich eine vernünftige Auf­wertung vorausgehen l est. Es tauchten daher in bet Gnfyeit dos im vorigen Winter aufg lösten Reichstages schon Gesetzentwürfe übe. de Auf­wertung in fast allen Parteien auf. Sie hatten leider meist das Gesicht, weniger die Sach« selbil fördern zu wollen als für die kommenden Wahlen di« Parteien zu emps h'en. Dir Schritte, welche die Regierung selbst in der Zeit der höchsten ReichSnot durch die dritte Steuernotverordnung in der Frage bei Auswertung getan hatte, konnten in iheen Wir­kungen nur als verhängnisvoll bezeichne i werden. Das, waS diese Steuernotverordnung an wirklicherAuswertung" bot, war so gut wie nichts. Weder setzte damit eine vernünftige Der- zinsung ein, noch wurde eine genüg mbe Möglich­keit des Kapitalausgleichs geboten. Sir wirtte vielmehr praktisch und faktisch so erbitternd aus die Masse der Gefchädigien, als ob man Be­stohlenen verboten hätte, den D:eb zu fassen. Als Bestohlener betrachtet sich hier der Mittel­stand, dessen (S.gentumdreft man den Sachwett- brsitzern in bei Verordnung nahezu ganz über» wieS.

Der Reichstagswahlkampf im Frühjahr dieses Jahres wurde dann ein Zeichen dafür, wie fthr die Aufwertungsfrage alle Schichten des Dolles bewegte. Es war nicht nur Wahlangst, wcllchn alle Parteien nun schnell auf den Boden der For­derung einer Vernünftigeck Aufwertung geführt hatte. Selbst bie sonst mittelstandsfeindliche So- . zialdemokratie stellte sich in die Reihen dieser Auf- ' wertungsbejaher. Es war daher ganz natürlich, dast beim Reub ginn der ReichStagsarb.it sofort . auch diese Ausschuharbeiten in einem besonderen . Aufwertungsausschust einseyten. Man

glaubte damals unsere Wirtschaft noch so stark, - dast sie einen Rormallatz einer 40prozentigen Auf- t Wertung würde tragen können. Doch diese Aus- . sicht schwand mit der Lähmung unserer Wirt- schäft immer mehr, so dast heute der Drozentsahi