Ausgabe 
2.10.1924
 
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1fr. 2 2 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien)Donnerstag. 2. Oktober (924

Die Schuldlüge eine französischeSicherheit".

Don Geheimvat Prof. Dr. Hermann O n cf c n, München.

Die feindselige, ja drohende Unbelehrbar- teit, mit der sich gegenwärtig in Frantrerch Re­gierung wie öffentliche Meinung gegen jedes deutsche Dorgehen in der Schuldfrage wenden, beweist auf das schärfste, daß die Franzosen auf den Schern, den sie mit § 231 des Friedens- Diktats in Händen zu halten glauben, unter leinen Llmständen verzichten wollen, vielmehr sich greif- baren politischen Dützen von seiner weiteren Der- wendung versprechen. Allerdings erscheint bei der engen Derbindung, in die man in Paris die Dlchatte über die Abrüstungsidee mit der Frage derSicherheit Frankreichs gegen einen deutschen Angriff" zu bringen versteht, gerade die deutsche Schuld als ein hieb- und stichfestes Argument von magischer Wirkungskraft. Da nun einmal im fran- Msischen SinneSicherheit" nur auf Kosten des deutschen Volkes, d. h. auf Kosten ferner Einheit und Männlichkeit, seiner politi­schen und wirtschaftlichen Gesundheit wahrhaft verwirklicht werden kann, so ist es von der höchsten Bedeutung, daß die Schildbelastung des deutschen Dolkes als eine res judicata me- mals aus dem Denken der Menschen verschwindet: die Welt wird sich dann leichter mit jener nicht zu umgehenden B.elnttächttgung des Deutschtums abfinden. So spielt denn die deutsche Schuld, der Lleberfall des Lammes durch den reihenden Wolf, in dem verzweigten Apparat der geschicht­lichen und geographischen, völkerpsychologischen und kulburphilosophischen Argumenten, den die fvanzösische Advokatendialekttk für ihre Sntec» essen stets tziit Inbrunst in Bewegung zu sehen weih, die vornehmste Rolle. Wozu also eine durch Eingeständnis erledigte Frage von neuem zur Diskussion stellen, wozu überhaupt eine auf- gelockerte und gereinigte Atmosphäre schaffen, in der eine so delikate Angelegenheit, wie die .Sicherheit" des französischer Dolkes innerhalb der neuen Staatengesellschaft, womöglich einer unparteiischen, jedenfalls nicht französi­schen Entscheidung unterworfen werden könnte. Besser schon, wenn das Tor der geschichtlichen Dergangenheit durch den Engel mit dein flam­menden Schwert von Versailles u n t e r d a u e r n- dem Verschluß gehalten wird. Denn wenn erst die Wien wieder geöffnet werden, dann fonunen auch weitere Probleme, dann kom­men auch die gesamten geschichtlichen Beziehungen der Franzosen zu den Deutschen zur Erörterung, dann heißt die Frage: wie steht es überhaupt um die erweis- bai-e weltgeschichtliche Rolle, um den traditio­nellen Geist und die politischen Methoden des­jenigen Dolkes, das heute den Ruf nach der Ab­rüstung aller mit dem Schrei nach seiner alleinigen Sicherheit gegen feinen bösen Dachbar übertönt.

Bei dieser Sachlage ist es nur dankbar zu begrüßen, daß ein vor einigen Monaten er­schienenes Buch des ausgezeichneten dänischen HLrblizisten Kart Larsen,Omens Flugt vver Rh inen og over aekvator", soeben auch in deut­scher UebersehungDer Adlerflug über den Rhein und den Aequator" (Berlin, Reimar Hobbing) erschienen und damit allge­meiner zugänglich geworden ist.

Der Ausgangspunkt der Schrift ist eine Analyse der Wellenwende, tn der wir stehen, die von den - Einsichtigen längst Vovausgeahnt, In der- praktischen Politik doch unendlich wring berücksichtigt, aber späteren Generationen viel­leicht als der wesentliche Inhalt unserer Epoche erscheinen wird. Es handelt sich um die Gesamt­heit der Bewegungen in der farbigen Welt, in der gelben, roten und schwarzen Welt, um jene schlei­chende Unruhe, die schon in den Iahren vor dem Weltkrieg unterirdisch rumorte, durch den Krieg aber einen unvorhergesehenen und unabsehbaren Auftrieb empfing und seitdem im mächtigen un­heimlichen Wachstum begriffen ist: noch ohne eigentlichen Zusammenhang, aber von dem In- stchckt eines möglichen Zusammenhangs getrieben, überall ein Erwachen und Zusammenschichten eines neuen und offensiven Selbstgefühls, das in eurer tiefen Verschiebung des seelischen Verhaltens gegenüber der weißen Welt wurzelt. Darin liegt das Verbindende, so sehr auch im einzelnen! die kulturelle Höhenlage dieser Bewegungen ver­schieden ist: von dem bewußten und systematischen Wachtwillen des 'Iapaners, dem neuen natio­nalen Idealismus der Chinesen, dem lebendig erwachenden Selbstbewußtsein der Inder und allen rätselhaften Erschütterungen der Völker des inneren Asiens bis zu den dumpfen und bru­talen Instinktäußerungen der afrikanischen Massen,

Hans Thoma.

Zum 85 Geburtstag des Meisters: 2. Oktober 1924. Don Privatdvzent Dr. K. Ger st e n berg-Halle.

Mit Corinth, Dem nach 2lrt und Wesen so grundverschiedenen Meister, teilt Lchvrna das un- Awöhnliche Geschick, daß Die junge ©eneration Der

zu ihm als Dem gleichstrebenden, seren Weggenossen ausblickt.2.Goma, alte Ekke­hard der deutschen Kunst, hat nun -war dell Pinsel aus Der Hand gelegt, aber was er rn feinen letzten LL ^gestellt hat, das schließt un Stile dis Alter merkwürdig mit der

kindlich reine Anschauung tritt darm wi^er z taae in festen präzisen Formen und klaren unge fcKenStaben Es will beute Miet unbegnnf. ÄfnS hie 'Mchte. fla*»Sen so lange vergeblich hat um Qlnerfe 9, a(t müssen. ilnD doch mußte Thoma fünfzigIach^ werden, bis der Ruhm zu ihm kam, nachdem er in Berlin und Düsseldorf von den Ausstellungen z rückgewiesen und in München 1877 als s s _ kratischer Maler gebrandmarkt worden war Ausfluß derselben Borniertheit bwheuttcmch tendenziöses, künstlerisches Schaffen als Dols^ wistenkunst verschreit. Die Augen die stH an novellistisch zugespihten D^rzahlu^ Desreg gers und Dautiers berauschten, konnten freui- nicht die Werke sehen, dte ^horna, der Schwaz Walddörfler. mit gesundem Instinkt hms l Bild des Dorfgeigers etwa wäre Den anderen Künstlern viel zu unintereffant «ewesen, dcch steckt in diesem armen Burschen, der bei Mon^ aufgang rrn engen Gärtchen auf ferner >

mehr Dorf, mehr Seele, als m den nach dem Mo­dell im Atelier gestellten Bildern

Thoma hat mit zwei Dildungsmacht^ gent gen. Er ist in Paris gewesen und bat Courveis

Den manchmal lächerlichen Phantastereien der nordamerikanischen 'Sieger und Dem Dachdrängen der reinrassigen Tiefen in den Staaten Süd- ameritas. Das ist der weltgeschichtliche Hinter­grund, auf Dem Larsen die Bedeutung des französischen Heeresgesetzes von 1923 erörtert, das eine Friedensstärke von 200 000 europäisch ausgebildeten farbigen Trappen (neben 660 000 Mann weißer Truppen) und in abseh­barer Zeit ein farbiges Kriegsheer von 1,6 Mil­lionen Mann (neben 5,3 Mill, weißer Truppen) vorsieht und auch damit, nach dem Bericht des Oberstleutnants Fabvy, nur den vorläufigen Rahmen für noch weit unabsehbarere Massen ausgestellt, den ersten Schrick zu einem französisch miliuiriiierten schwarzen Erdteil getan hat.^ehoo- ting the Diagara and öfter werden spätes Generationen klagen, und nur das ist die Frage, wen die Rückschläge dieser Entwicklung zuerst treffen werden. /

Wenn Romain Rolland in seinem Briefe an Moreldie unglaubliche Blindheit der Staatsmänner beklagt, welche, ohne es gewahr zu werden, Europa dem gelben und schwarzen Kon­tinent auslieferten, nachdem sie ihn mit ihren eigenen Händen und schwarzen Händen bewaffnet hacken", so sollte dieses Urteil in er ft er Linie für d i e Franzosen gelten. Aber Die1 find am weitesten entfernt von Sorge oder S lbst- erkenntnis. Sie schämen sich nicht, sondern sie rühmen sich, die weiße Solidarität zu durch­brechen: und ihre führende Kolonialz-itschttst Döpeche coloniale" war ganz konsequent, als sie am 7. August 1923 amerikanischen Besuchern, die nach gewissen Pariser Erlebnissen unruhig tr-urben, den Vorwurf machte:daß sie Barbaren leien, die nichts gelernt und nichts vergessen hätten und unter dem beklagenswerten Fehler von Rassevorurteilen (prejughs de la coxleur) ständen. Gehen die Franzosen doch so weit, daß sie ihre glorreichenMenschenrechte" anrufen, um die humanitäre Berechtigung ihrer allerdings vor- urteilsloseren Polickt gegenüber allen Rassen (mit Ausnahme Derboches") zu erweisen. Denn die Ideen von 1789 müssen Den Franzosen dazu Dienen, den Gedanken einer weißen Solidarität zu zerstören, und diejenigen bei uns, Die noch etwa B diesen Ideen schwelgen, werden schon er» kennen, daß sie nach sehr veralteten Heften stu­dieren. Man wird eines Tages die Tradrttonen der großen Revoluckon die dafür sehr ver­wendbar sind! auch zugunsten einer schwarzen Besatzung am Rhein in Bewegung sehen.

Denn die Franzosen wissen, daß sie allein mit einer solchen neuen Kombination von mili­tärischen Machtmitteln für ihren neuen Impe- /rialisrnus eine tragfähige Unterlage schaffen kön­nen. Qlur Die Mittel dieses Imperialismus sind neu, unerhört Die Ziele sind Die alten unD gleichen: Das Bleibende in Der Erscheinungen Flucht, es sind Die alten traditionellen Machtziele, Die Frankreich am Rhein und in Der Welt ver­folgt. Die historischen Linien, in Denen Die Ent­wicklung Dieser beiden Machtziele verläuft, bringt Larsea in Dem Haupckeil seines Buches anschau­lich und mit sicherem historischen Takt zur Dar­stellung. Gerade das innere Derslochtensein jener beiden Machttendenzen, Der schon aus dem Mittel- alter überkommenen Universalpolitik und der Rheinpolitik der neueren Iahrhänderte wird wirksam und schlagend aufgezeigt. Hier liegt in Der Tat Der Schlüsselhuntt Der französischen Position: die Rhein stellung als §ebel zur Dieder- haltung Deutschlands 'und die dadurch gewonnene Hegemoniestellung auf Dem Kontinent als Vor­aussetzung aller überseeischen, imperialistischen Machtauswirkung: und indem sich dieser Schlüssel- puntt nur mit Hilfe der Militarisierung des schwarzen Erdteils halten läßt, schließt sich Der Kreis, rundet sich das moderne System des französischen Imperialismus. Mit Recht urteilt Der dänische Autor:In einem Anfall von tiefer weltgeschichtlicher Zerstreutheit haben Die Angelsachsen auf dieser und jener Seite des Atlantischen Ozeans Die Arbeit der Franzosen zur Durchführung jener Rheinpolittk getan, Die immer em Eckstein Der gegen England gerichteten französischen Weltpolitik gewesen ist."

Die gegenwärtigen taktischen Derteidigungs- stellungen Dieser Rheinpolitik aber heißen: Sicherheit Frankreichs und Die Deutsche Schuko werden Die Angelsachsen auch in Diesen beiDen Fragen Die Arbeit der Franzosen tun? Doch vor Dem Krieg hatte C. Hayem in seiner SchriftAu Rhin gaulois" (1913) Den ewigen Gedanken Der französischen Politik" ver­herrlicht: von Der Rheinbasis aus ein zersplitter­tes und uncmiges DeutschlanD zu beherrschen das zersplitterte und uneinige, das wehrlose und ausgepumpte Deutschland ist für Das politische Denken Der Franzosen das Ziel, das auch heute DieSicherhÄt Frankreichs gegen einen deut­

schen Angriff" einzig und allein verbürgen tarnt. Der Begriff DerSicherheit" ist nach Den Knegs- crlebniHcn für manche Franzosen gewiß ein ehr­liches unD friedliches Bedürfnis, aber man Darf nicht vergessen, daß er in Der französischen Po­litik zu allen Zeiten zu einem Argument von rein offensiver Datur verfälscht nlorDen ist: man nnjh Die Geschichte befragen, um das wahre Geheimnis dieserSicherheit zu enthüllen. Schrieb doch am 5. 7.1870 Granier De Cafsagnac imPays", eine Der ersten Kriegs trompeten, die QiapolCDn in sein Verhängnis trieben:Der Besitz des linken Rheinufers, mindestens bis an Die Grenze des alten Königreichs Der Diederlande, bedeutet für Frankreich nicht einen verwerflichen Anfall von Ehrgeiz oder eine lächerliche Heraus­forderung Der Deutschen, sondern es ist ein Ge­danke Der Sicherheit, Der vertretbar und gerecht ist." Diesen Sicherheitsgedanken, Der damals tn Wahrheit Den Krieg entzündet hat, hatte Glad­stone im Auge, wenn er im Dezember 1868 (in einer Unterredung mit Dem preußischen Botschafter) Die schlechte unD traditionalle Politik der Fran­zosen" oerurteilte, die von jeher gewollt habe, daß Frankreichnur von schwachen (Staa­ten umgeben s e i". Dieser Sicherheits^e ante wird heule von neuem Dem kurzlebigen Gedächt­nis der Menschheit vorgeführt, obgleich er sich nährt (und nähren muß) von Der Zerstücke­lung deutschen Bodens und Volks- t u m s,' obgleich er in seinen Endzielen Den un­begrenzten Begehrlichkeiten eines neuen Imperia­lismus dient und vermöge seiner angewandten Mittel sich in einen tiefen sittlichen Widerspruch mit Der europäischen Solidarität setzt.

In dem großen Prozeß, Der seit Jahrhun­dert en zwischen Deutschen und Franzosen spielt, muß die geschichtliche Rolle des Klägers, statt, ein für allemal durch Die Erfindung der deutschen Schuld legitimiert zu werden, einer unbarm­herzigen Dachprüfung unterzogen werden. Gewiß klingt die Tonart der französi­schen Politik im Augenblick etwas gedämpfter, über niemandem kann entgehen, daß ihre Leit­motive dieselben bleiben, die ihre ganze Vergangenheit beftimmt haben. Was Herriot von der ErAchast Poincares fallen ließ, läßt gewiß erkennen, daß wir in eine neue Episode der fran­zösischen Methoden eingetreten smd und es wäre unTIug und ungerecht, wenn wir das ver­kennen würden; was er aber von dieser Erb­schaft auch jetzt noch festhäll, was er zu nahen und zu vertreten fortfährt, beweist, daß diese Episode keine neue Aera m den Beziehungen Frankreichs zu Deutschlands und zur Welt be­deutet. Indem die gegenwärtigen Leiter Frxurk- reichs in der Schuldfrage Den vorsichtigen deut­schen Anlauf mit Drohungen zerdrücken wollen, zeigen sie an, daß auch sie den Weg zur geschichtlichen Wahrheit für immer verrammeln möchten. Die Geheimnisse Der französischenSicherheit" würden auf diesem Wege allerdings vor der Welt entschleiert werden müssen, und wenn schon in weltgeschichtlichem Dingen von Schuld Die Rede sein soll, so könnte eine anDere Schuldvechnung aaftauchen, Die nicht Den einen oder anderen Mann, sondern Den Geist und Die Traditionen einer ehrgeizigenDation tauf das schwerste blotz- stelll. ______________________________________

Tagung des hessischen Landesforstvereins.

b. Schotten, 30. Sept. Gestern und heute fand hier die diesjährige Tagung des hessi­schen Landesforstvereins unter großer Beteiligung statt. Dach einer Besichtigung Der Stadt und Der neuerbauten Försterschule begon­nen am Dachmittag Die Verhandlungen in Der Turnhalle, an denen auch Der Finanzminister Henrich, Ministerialdirektor Schäfer, Kreis- Direktor B o e d m a n n u. a. 'm. teilnah r.en. Ge­leitet tourDe Die Versammlung durch den Vor­sitzenden - des Forstvereins Oberforstmeister Heyer. Dach Den üblichen Begrüßungen und nach Erledigung der geschäftlichen unfr Vereins­angelegenheiten hielt Oberforftmeifter Dr Baa­der einen außerordentlich interessanten Vortrag über ., Forsteinrichtung und Waldbau in ihren gegenseitigen Beziehungen", es folgte ein weiterer interessanter Vortrag von Forstmeister Bechtel über Die Oberförsterei Eichelsdorf. Abends ver­einigte ein Essen die etwa 100 Teilnehmer in Der schön geschmückten Turnhalle. Obersorstmeister Heyer sprach auf Die gastliche StaDt Schotten. Finanzminister Henrich feierte Die staatliche Forstverwaltung. Kreisdirekcor Doeckmann ge­dachte des herrlichen deutschen Walde». Bürger­meister Menget überbrachte in launigen Wor­ten Die Grüße der Stadt und trank auf Die guten Beziehungen zwischen staatlicher Forst- und

handfesten Daturalismus bewundert und hat wie Leibt etwas Deues daraus zu machen gewußt: und er ist tn Italien gewesen und auch im Kreise Ma- rees und hat die reinigende Wirkung klaren, ar= chitektonischen Denkens im Formaufbau erfahren. Trotzdem ist er im Kern immer derselbe geblieben. Auch er hat Die 'JlatureinDrüde stilisiert in Dem Sinne, daß er vereinfachte unD auf manches ver­zichtete, was er sah. Was nicht in ihm tag, etwa monumentale Gröhe, hat er auch nie angestrebt. Er trug einen sicheren Kompaß in sich und steuerte nicht fatsch. So blieb er zeitlebens ein Künstler reinsten Wassers, wie sie in Der deutschen Kunst so selten sind. Immer hat er gewußt und auch das verbindet ihn mit Der jungen Generation, daß das innere Schauen Die Hauptsache ist. Alle (Stoffe, Die er matte, hat er innerlich auf ihren eigentlichen Kern zu läutern verstanden.

Thoma hat die Landschaft der deutschen Gaue, die Schwarzwaldlandschaft, Die Landschaft des Oberrheins und des Taunus zuerst in ihrer schlich­ten Schönheit ohne aufdringliche Motivwahl dar- gestellt. Immer besah er ein Gefühl für das, was im höheren Sinne charakteristisch ist für ein ganzes Gebiet. Dadurch allein hat er, wie Die alten Holländer, einen Landschaftseindruck merk­lich erschöpfen können. Gleichgültig, was er malte, ob Akte oder Landschaften, Bildnisse oder mytho­logische Historien, immer wollte er durch das Schauen das Geheimnis der Sttlle allen Seins er­fassen wodurch er sich als Antipode des Impres­sionismus erweist. Mit Dachdruck hat Thoma auch mit Wort und Schrift darauf hingewiesen, daß Ls in der Kunst einzig auf den inneren Menschen an komme In dem attersmilden BüchleinIm Winter des Lebens" fjält er Dem rastlosen Sagen Der Gegenwart die stille Erkenntnis entgegen:Die Harmonie Der Schönheit liegt nicht in Der Welt

Da Draußen; sie ist nur eine Fähigkeit der Seele, das zu empfangen, was Die Sinne ihr zuführen."

Aphorismen von Hans Thoma.

Der alte Thoma in feiner Altersweisheit hat auch mit der Feder uns viel Gutes gesagt. Eine Anzahl feiner hübschesten Worte stellt jetzt das Thoma-Bändchen Der Kleinen Kunstbücher des Münchner Detphin-Verlages zusammen. Da heißt es: (

Im Auge liegt das Erkennen, in ter Seele Die Vorstellung, in den Händen liegt der Wille, Die Macht. In ganz besonders dazu organi­sierten IndiviDuen kommt Die Harmonie zwischen Diesen BesonDerheiren zur künstlerischen Wesenheit.

Im einfachsten Stilleben kann Die Weltan­schauung Des Künstlers sich schon äußern Denn, Da Die bildende Kunst vor allem auf einer ganz besonders entwickelten Feinfühligkeit für Den Raum, in Dem das Ich sich feiner selbst bewußt wird, beruht, so kann dies Verhältnis des Ichs zum Raum sich am einfachsten Gegenstand schon dokumentieren.

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Ein geborener Realist, wollte ich nichts an­deres malen, als was ich selbst gesehen, ja selbst gelebt halte wo ich hinschaute, sah ich auch Schönes genug.

Sic Kunst ist Der menschliche Ausdruck der Zufriedenheit mit den Schöpfungen Gottes und des Wohlgefallens an ihnen

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Dur Der Künstler steht eigentlich so ganz kritiklos Der Welt gegenüber, er staunt Die Welt

Gemeindeverwaltung. Direktor Hertsch sprach den Dank Der Gäste aus Ein Teil Der Reichs- wehrlapelle gab ein vorzügliches VDoirzert. Am Dicnslagnwrgen folgte ein wis,enschaftticher Gang tn das Revier Der Oberförsterei Eichelsdorf.

Sängertag

des Lahntalsängerbundes.

vw. Marburg, 30 Sept. In der schönen, an historischen Denkmälern reichen Mu'enftQdt fand am Sonntag im neuen Lokale des Männe r- gesangvereinsLiedertafel' ein gut besuchter Sängertag statt Dach dem durch den Vorsitzenden DerLiedettasel" und Dann durch Diese selbst Dar gebrachten Willlommengruß be­grüßte der erste Du ndcsror sitzende. Rektor

Storch- Butzbach, Die erschienenen Vertreter, führte die beiden Dem Bunde beigetretenen Ver­eine Harmonie-Gaibenteich und Män­nergesang verein^B raun sels in Den Bund ein, gedachte DeS ersten verdienstvollen Bun- desvorsitzenden, weiland Herrn Hauptlehrers Schneider - Marburg, Dankte nochmals Dem Gesangverein Frohsinn.Lang-Göns für Die Llebernahme Des 33. Bundessestes und gab einen kurzen Lieber blick über Die heutige Tagesordnung. Herrn G. B r u ch in e i e r-Wetzlar überreichte er für 50jährige und den Herren W i ß n e r und Arendt- Gttßen für 25jährige Zugehörigkeit zum Bund unter anerkennenden Worten sehr geschmackvoll ausgesührle Ehren­urkunden. In längerer Aussprache wurde von verschiedenen Seiten betont, Daß Das Bundessest gemäß Den Bundessatzungen nun wieder, wie früher, gehalten werde, Daß v.r allem Das von Musikkennern zu beurteilende Wertungssin­gen in einem geeigneten geräumigen Saale ftott- finden müsse und daß im Ttachmlttagskonzert von allen Mitgliedern Des Bundes gelungene QHaffen- chöre mit Musikstücken unD Einzelchören Der Ban­deschöre abwechseln müssen Eine lebhafte Er­örterung entspann sich über den letzten Purckt der Tagesordnung: Anschluß an den Deut­schen Sängerbund Der Lahntalsängerbund hatte sich als Mitglied genannter großer Sänger- vereinigung gem-eldei Es wurde ihn aber be­deutet, daß ein einzelner Bund Durch obren Lan­desverband erst Dem Deutschen «SängerbunD' bei­treten könne. Da dies durch Den Mitte Oktober in Darmstadt zu gründenden hessischen Sänger­bund geschehen kann, so wurden Die Herren Schmidt- Lich und R uD i n gc r » Wetzlar als Vertreter des Bundes zu den Verhandlungen in Darmstadt bestimmt, um sich in genügender Weise zu unterrichten, Damit Die erforderlichen Aufklä­rungen über Pflichten und Rechte Der Dem Hessen- bundr bei tretenden Sängerverein igun gen auf Dem noch in diesem Iahre einzuberufenden Sängertage gegeben werden könne Mit Dank an alle Ver­treter für gegebene Anregungen schloß hieraus Der DunDesvorsitzenDe Den Sängertag.

Turnen, Sport und Spiel.

Das Spiel.

Im Rahmen der Leibesübungen nimmt die Sprelbewegnng einen besonderen und mit Recht bevorzugten Platz ein. Allein schon Die Tatsache, daß sich viele Hunderttausende daran beteiligen, daß Männer und Frauen, Iang und Alt im Spiel Erholung, Anregung, Lebensfreude und Gesundheit fuefien, ist ein Beweis Dafür, welcher hohe Wert ihm innewohnen muh. Der Fußball hat sich die ganze Welt erobert. Die Zahl seiner Anhänger zählt Millionen. Handball breitet sich in Deutschland immer mehr aus, so wie es z. B. in Den angelsächsischen Ländern das Rugbyspiel getan hat. Don Iahr zu Iahr steigt Die Zahl Der Hockey- unD Tennisspieler. Faust ball ist das Spiel Der Turner; hier zeigen namentlich Lleltere noch eine so hohe Geschicklichkeit, daß sie vielen jungen Kampsmannscha-ften nicht nachssthen. Trom- rnelball gehört den Frauen, Der schwerere Schleu- Derball den Männern. Die Schwimmer haben sehr bald Den hohen propagandistischen Werl des Wasserballspieles ^erkannt, und les gibt feitDem wohl noch kaum eine Schwimmveranstaltung, in Deren Programm fein Wasserballspiel vorge­sehen ist.

Die größte Bedeutung des Spiels liegt in seinem gesundheitlichen Wert. Don wenig Aus­nahmen abgesehen wird im Freien, in Licht, in Luft und Sonne gespielt. Ausgiebige Bewegung arbeitet dabei Den ganzen Körper in einer Weise durch wie keine andere Leibesübung Iedes innere Organ, jede Muskel, jeDe» Glied wird in An­spruch genommen. Zur Gesundheit und Kräfti­gung kommen Gewandtheit und Geschicklichkeit

an, er rammt sie, wie ein Kind sie nimmt ihm c^cheint, als ob alles gut wäre, er ist Der geborene Optimist.

Die Kunst ist aller Verpflichtung enthoben, etwas erklären und Deuten za wollen am Welt- rätsel, das ist ihre schöne Einseitigkeit.

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Wie Das KinD mit ferner Puppe, der es in Liebesregung alles Leben zugesteh!, der es die eigene Seele leiht, Damit Die Puppe lebe, so spielt vielleicht Die Kunst mit allen Dingen. Die böse Stunde Der Erkenntnis oft vom blinden Zufall herbeigeführt, tl.ibt leinem von ihnen er­spart, sie verleitet das Kind, ein Löchlein stn Leibe der Puppe mit den Fingerchen größer bohrend, Dahinter kommen zu wollen, was eigent= lich in Der Puppe steckt, unD wenn Dann Die Sägcspäne, Die Moleküle, herausrieseln auf Den Boden, Dann ist es zu spät, es steht weinend vor Dem leeren Balg, Dem es seine Seele nicht mehr leihen kann. Es empfindet es als Sünde, daß es Den Einflüsterungen einer dunkeln Macht Ge­hör gegeben hat und Erkenntnis haben wollte.

Dur ein heiliger Dkann Durfte in seinem hohen Alter feinen Mitmenschen zu rufen:Kindlein, liebet einander!" Ein gewöhnlicher alter Mann, Den Das Leben müde und mild gemacht hat. Darf aber doch Die Mahnung aussprechenBrüder, hasset einander nicht!"

Denn Die Harmonie, Die Schönheit liegt nicht in Der Wett Da Draußen, sie ist nur eine Fähig­keit Der Seele, Das zu empfangen, was die Sinne ihr zuflüstern.