her Ausweisungsbefehl nunmehr zurückgezogen worden.
Der Prozeh Sawinkoff.
Die fremden Mächte als Geldgeber der Gegenrevolution in Rußland.
Moskau, 1. Sept. (MD.) Die russische Lelegraphenagentur berichtet, ikif} von den Aussagen S a w i n k v f f s vor Gericht insbesondere diejenigen interessant sind, die sich auf die T e i l- nahme fremder Regierungen an gegenrevolutionären .Umtrieben in Rußland beziehen. Sawirckoff erilärte, daß er den Aufstand in 3a» rvslaw au f Veranlassung der französischen Mission in Moskau machte, die itm zu diesem Zwecke zwei Millionen Rubel aus- zahlte und die Landung einer französischen und einer englischen Division in Archangelsk zu sagte- Zur Organisation des Moskauer Aufstandes, der mit der Ermordung des deutschen Gesandten, Graf Mirbach, begann, hätten sich die Franzosen der Sozialrevolutionäre bedient. Vom tschechoslowakischen Staatspräsidenten M a s a r v k erhielt Sawinü>ff persönlich zweihundrrttaus'end Rubel für eine terroristische Aktion in Rußland. Rach weiteren Aussagen Sawinkoffs übergaben die Engländer die von ihnen als Pfand zurückgehaltenen russischen Eoldsvnds von dreißig Millionen Goldfrarcken Kollschak. Churchill befürwortete die Intervention besonders eifrig. Rach seiner von der Sowjetregierung erzwungenen Ausweisung aus Polen versuchte Sawinkoff wiederum mit westlichen Regierungen, auch mit Mussolini, zu imtetfxrnMn, jedoch ohne Erfolg.
Kleine politische Nachrichten.
Das Reichskabmett hat sich für eine allgemeine Herabsetzung de r Gütertarife der Deutschen Reichsbahn ausgesprochen. Einzelheiten der Herabsetzung wurden einer späteren Beschlußfassung Vorbehalten.
Generalleutnant Strempel, Vorsitzender der Hauptverbindungsstelle der Heeres-Friedens- kommission, wurde auf seinen Antrag von der Stellung als Kommissar für die Verhandlungen über die Modalitäten und die Durchführung der Generalinspektion enthoben. Zum Rachfolger wurde Generalmajor v. Pawelsz, Chef des Stab des Trupperckommandos I, ernannt. Die Reichs regierung hat von dem Persona (wechsel der Interalliierten Militärkontrollkommission Mitteilung gemacht.
Der Geburtstag der Königin Wilhelmine der Riederlande wurde, bä er auf den vorgestrigen Sonntag fiel, in der traditionellen Wrise erft gestern offiziell in Amsterdam und im Lande festlich begangen. In den Kirchen fanden Gottesdienste j statt, im Stadion wurden große Turn- und Spörtaufführungen veranstaltet. Die Börse und die 'Santen sowie fast sämtliche Geschäfte blieben geschlossen. Abends fand auf der Amsel ein großes Feuerwerk statt. Im Haag, wo sich die Königin und der Prinzgemahl befinden, wurde eine Truppenparade abgehalten.
Aus aller Wett.
Die Kasseler Tagung der Deutschen Ieitungsverleger
Der Verein Deutscher Zeitungsverleger hatte zur Beratung einer Reihe wichtigster Fragen zum 31.' August eine außerordentliche Hauptversammlung nach Kassel einberufen. Die Versammlung ibar, obwohl sie so kurze Zeit nach der Stuttgarter Tagung bereits stattfinden mußte, sehr stark besticht. Fast in allen zur Erörterung stehenden Punkten wurde völlige Einmütigkeit der Versammlung erzielt. Das enge Verhältnis des Vereins Teu^cher Zeitungsverleger zum Arber t- geberverband für das deutsche Zeitungsgewerbe wurde noch inniger gestaltet. Einen wesentlichen Teil der Verhandlungen nahm die Frage der Erneuerung des P res serech- tes und des Iournalistengesehes ein. Derk Vorsitzende des Vereins, Kommerzienrat Dr. Krumbhar (Liegnitz), referierte ausführlich über alle Schritte, die der Verein in dieser Richtung unternommen hat. Die Versammlung stellte sich einmütig auf den von der Stuttgarter Hauptversammlung zum Iournalistengesetz eingenommenen Standpunkt. Sie beauftragte den Vorstand, den maßgebenden Regierungsstellen gegenüber das lebhafte Befremden der deutschen Verlegerschaft darüber zum Ausdruck zu bringen, daß Maßnahmen geplant werden, die mit den von dem verantwortlichen Reichsminister in Stuttgart abgegebenen Erklärungen in offenem Widerspruch stehen. Zur Frage der Dezugspreisgestaltung wurde nach eingeherck>er Erörterung einstimmig folgende Entschließung angenommen:
Das letzte Beten.
Don Christel Droehl-Delhaes.
Des Sommers Glut brannte über der Erde.
Da schloß Marianne von Reddigen die Läden am Fenster, damit das grelle Sonnenlicht den Todkranken nicht belästige. Sie preßte die weihen, schmalen Hände auf das pochende Herz und zog ihren Buben an sich, der seinen blonden Pagenkopf an die Mutter schmiegtet
„Karlheinz, du mußt beten I“ sagte die Mutter und leise, flüsternder: „Großpapa stirbt." — —
„Stirbt? Was ist das?"
Die blauen Kinderaugen fragten. Ein scheuer Blick streifte das Krankenbett.
„Das ist, wenn unser lieber Opa von uns geht — — und nie mehr wiederkehrt, und — — nie mehr mit uns spricht--"
Der Kleine schluckte.
„Das soll aber Opa nicht! Ich hab' Opa so lieb--er soll bei Karlheinz bleiben!"
„Tas will der liebe Gott nicht, Karlheinz! Wir müssen mit Opa das letzte Gebet beten!"
Das Kind trippelte mit. Groß und fragend ruhten seine Augen auf dem fahlen Leidensantlih des Greises.
Da gellte die Klingel. Frau Marianne wurde gerufen.
Run war das Kind mit dem Sterbende^ allein. Auf leisen Sohlen schlich es sich heran und griff nach der schlaff herabhängenden Hand des Großvaters.
„Bitt' schön, Opa, tu nit ftirben!“
Der Kranke, der lange bewußtlos gelegen, öffnete die Augen. Sein heller, lichtblauer Blick traf den Enkel. Freude huschte verklärend über
abgeLchriL Gesicht
„Der Verein Deutscher Zeitungsverleger pal in sorgfältiger und gewissenhafter Beratung sest- gestellt, daß, solange die jetzigen allgemeinen Preisbedingungen fortbestehen, die derzeitigen Preise der Zeitungen erforderlich sind, damit die dmitsche Presse ihre hohen Aufgaben für den Staat und das Volk im In- und Ausland zu erfüllen in der Lage ist. Bei der gegenseitigen Abhängigkeit der Preise der deutschen Zeitungen voneinander, erachtet her Verein Deutscher Zeitungsverleger daher jeden weiteren Abba u der Preise als eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit, was im deutschen Interesse unter allen Umständen abzulehnen ist."
An das Reichswirtschaftsministerium wurde in dieser Frage noch eine besondere Entschließung abgesandt. Die Versammlung erörterte schließlich noch eine Reihe anderer Fragen, u. a. die für den Rachrichtendienst der Presse so wichtige Regelung des Pressefunkwesens. Damit hatte die in außerordentlicher Einmütigkeit verlaufene Versammlung ihr Ende erreicht.
Hochwassergefahr in Bayern.
München, 1. Sept. (WB.) Wie die Laudes- toettertoarte auf Erkundigungen mitteilt, besteht für ganz Bayern Hochwassergefahr. Ansbach meldet bereits Hochwasser.
Schweres Feuer auf hoher See.
Kiel, 1. Sept. (WTD.) Die in Kiel beheimatete Galeasse Bertha (Kapt. Wulff) geriet nach einem Telegramm aus Kalmar auf der Höhe der Insel Oe land infolge einer Explosiv n des Petroleummotors in Brand. Das Schiss wurde vollständig verni chtet. Das Fahrzeug hatte etwa 30 000 Liter hochprozentigen Sprit sowie mehrere hundert Liter Denzrnan Bord. Die aus acht Mann bestehende Besatzung konnte sich nur mit Mühe retten. Der Steuermann wurde verletzt, die Schiffskasse mit 25 000 Kronen Inhalt ging verloren.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 2. Sept. 1924.
Der September im Sprichwort.
Recht oft bringt der September noch viele schöne Tage. Manchmal ist es so warm, als ständen wir noch mitten in der schönen Sommerzeit. Deshalb heißt es auch in einer alten deutschen Bauernregel: „Der September ist der Mai des .Herbstes'." Aber am Morgen und am Abend wird es schon merklich kühl und deshalb heißt es auch: „Der September ist des Herbstes /Bote’.“ In vielen Gegenden werden in diesem Monat die letzten Feldfrüchie heimgebracht und dort heißt es auch: „Der Monat September ist des Jahres letzter Spender." Winzer wollen haben, daß der September noch recht warm ist, denn: „Was der September nicht kocht und brät, dann an den Trau-t ben nicht gergt", und weiter: „Warmer und trock- ncr Septembermond, uns mit Früchten reichlich lohnt", dagegen aber auch: „Wenn September- regen den Winzer trifft, ist dies so gut wie lauter Gift." Wie die Witterung im September ist, so soll sie auch im Winter werden. Deshalb, heißt es: „Im September noch viel Blumen im Garten, läßt der Winter noch lange warten", weiter auch: „Donnert es oft im September, gibts vielen Schnee im Dezember", „Kühler Septemberschein, füllt bald der Winter ein“, oder: „Im September viel Du- chennüsse und Eicheln, so wird der Winter gewiß nicht schmeicheln." Schließlich heißt es noch im Sprichwort: „Septemberabendrot bringt Rot und Tod."
Giehener Wochenmarktpreise
Es kosteten: Butter Pfd. 210 Pf., Matte 30, Käse 60, Eier Stück 15, Wirsing Pfd. 20, Weißkraut 15, Rotkraut 20 gelbe Rüben 8, rote Rüben 10, Spinat 30, Römischkolll 10, Doh^e i 20, Blumenkohl Stück 50—150, Sala gurken 10—50, Einmachgurken 4, Endivien 20—25, Ober-Kohlrabi 10, Unter-Kohlrabi Pfd. 5—15, Tomaten 25, Zwiebeln 20, Lauch Stück 8, Meerrettich Bund 30, Sellerie Stück 15—20, Kürbis Pfd. 10, Pilze 10—20, Kartoffeln 5. Falläpfel 5. Aepfsl 10—25, Birnen 15—20, Zwischen 25—35, Mirabellen 25, junge Hahnen Stück 50—100, Suppenhühner Pfd. 90 Pf.
*
** Personalien. Aus dem Staatsdienst entlassen wurde am 28. August mit Wirkung vom 1. Oktober ab der planmäßige außerordentliche Professor für medizinische Poliklinik an der Landesuniversität Gießen Dr. Wrlh. Stepp. — Ernannt wurde der Kar^leigehilfe Eberhard Hertkorn aus Gießen zum Polizeiasststenten mit Wirkung vom 1. September ab.
** Erledigte Lehrer st eilen. In Angenrod und in Ehringshaüsen, Kreis Alsfeld, ist je eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer zu besehen. Dienstwohnung ist in beiden Orten vorhanden. Eine Lehrerstelle für eine evangelische Lehrerin ist am der Volksschule zu Holzheim, Kreis Gißen, zu besetzen. Eine kleine Dienstwohnung ist hier vorhanden.
„Karlheinz--lieber Bub--du--
bei mir?“
„Opa--Opa, freilich! Mutti hat's gesagt!
Ich will mit dir beten. Gelt, das magst? Aber dann tust auch nit flirben?!“
Ein seltsames Glücksgefühl durchzog des greifen Mannes Herz. Er, der jahrelang nicht mehr an Gott gedacht, sollte beten ? Und mit ihm Karlheinz, fein Bub, sein geliebter Bub--
„Ja, Karlheinz!" sagte er mit bebender Stimme. „Wir wollen beten! Und was wir beteir darfst du nie vergessen! Rie! Hörst du, Karlheinz? So wahr du deutsch bist, so wahr du am deutschen Rhein geboren bist, so wahr du einer deutschen Mutter Kind, eines deutschen Heerführers Enkel bist. Vergiß das nicht! Fremde Macht will unser Erbteil an sich reißen, reckt die besudelten Fauste nach unserem Leben, unserer Freiheit, unserem Glück. Sie hat uns so arm gemacht. Sie hat uns erniedrigt, unfern Stolz verhöhnt!" Und mit versagender Stimme: „‘Sete Karlheinz, daß es anders werde, bete! Laß das dein erstes und letztes Beten sein: Herr, unser Gott! Lenke ab alles Schändliche von unseren Wegen . . . und laß uns . . . unfern . . Rhein . . . unfern heißgeliebten, deutschen Rhein. . . Herr. . . unser Gott. . . Amen . . ,"
Es war ganz still in dem Raum. Läuteten nicht alle Glocken draußen . . .?
5rau Marianne kniete an der Türschwelle und schaute ihren Knaben an, mit dem ihr Vater sein letztes Gebet gesprochen . . .
Karlheinz' Opa war tot!
Sie trugen ihn in die große Halle und legten ihn zwischen Blumen und Flor und stellten gelbe, schwelende Kerzen um ihn herum Am drittem Tage wurde er durch den singenden, blühenden Sommertag zur alten Gruft getragen.
* Ihr 90. Lebensjahr vollendet morgen, 3. September, Frau Susanne Röder Witwe, Ebelstrahe 4 wohnhaft. Die Dame ist, wie man uns mitteilt, körperlich und geistig noch sehr rüstig und kann noch ohne Augenglas lesen und schreiben.
Wettervoraussage
Schwächer bewölkt, zeitweise heiter, tagsüber wärmer, sonst kühl, westliche bis nördliche Winde, vorwiegend trocken.
Seit gestern hat sich das Bild der Luftdruckverteilung wesentlich geändert. Das langgestreckte, über ganz Mittel- und Osteuropa ausgreifende Tiefdruckgebiet ist zerfallen. Wir liegen auf der Rückseite einer östlichen Teilbildung. Die Regenfälle werden nachlassen und vor der Hand langsam Aufbesserung eintreten bei verhältnismäßig niedrigen Temperaturen.
ty oi notigen.
— Tageskatender für Dienstag: Stadttheater, 8 Uhr: „Die fünf Frankfurter". — Markusgemeinde: 8 Uhr im Gemeindesaal Männerversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Jackie Coogan. — Astoria-Lichtspiele: Frauen auf schiefer Bahn.
Landkreis Gics;cn.
t Grünberg, 31. Aug. Die kirchliche Fner des Gustav-Adolf-Dereins nahm einen außerordentlich harmonischen Verlaus. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Musikstücke des Grünberger Musik-Vereins und Chöre des Kirchenchors verschönten die Feier. Pfarrer Decker-Gießen, der selbst in der Diaspora tätig gewesen ist, schilderte in seiner Predigt mit warmen Worten die Ziele des Gustav-Adolf-Dereins, der sein Wirken zusammensaßt in den Wahlspruch: Tut Gutes an jedermann, besonders aber an des Glaubens Genossen. Die im Gartenhause statt- findende Rachfeier war trotz des anhaltenden Regenwetters so stark besucht, daß der.Saal die Teilnehmer kaum fassen konnte. Pfarrer Grau- lig-Grünberg begrüßte die Teilnehmer. Lic. Euler- Dad-Rauheim schilderte mit beredten Worten die Tätigkeit des Gustav-Adolf-Vereins und ermahnte, mitzuhelfen am Dau eines Det- s a a l s in der Diaspora Ober-Mörlen. Psr. S i e b e ck - Merlau legte Rechnungsbericht über das letzte Vereinsjahr des Zweigvereins Grünberg ab. Durch Kartenverkauf wurde zur Erbauung einer Kirche in Heusenstamm beigetragen. Pfarrer Schmidt dankte am Schluß der Versammlung allen Teilnehmern für ihr Erscheinen, sowie dem Musikverein und dem Kirchenchor, die, wie bei der Kirchenfeier, dazu beigetragen haben, die Versammlung zu einer Feier, getragen von echt evangelischem Geiste, zu g eftalt en.
Starkenburg und Rheinhessen.
'Darrn st adt.l. Sept. ZuAntonBruck- n e r s 100. Geburtstag werden vom Hessischen Landestheater unter Mitwirkung des Orchesters und des Musikvereins Darmstadt am 9., 11. und 15. September drei Konzerte veranstaltet. Aufgeführt werden: Die 1., 7. und 8. Sinfonie, das Andante aus der nachgelassenen Sinfonie, die Messe in D-Moll und das Tedeum. Die musikalische Leitung hat Generalmusildirektor Balling. —■ Am Freitag sprach der Vorstände der Deutschen Volkspartei Hessens, Landtagsabgeordneter Dinge l d e y , über die Annahme der Gutachtengesetze durch den Reichstag in einer von dem Ortsverein Darmstadt der Deutschen Volkspartei einberufenen Versammlung, die außerordentlich stark besucht war. Abg. Dingeldeh hatte in den letzten Tagen in Berlin geweilt und konnte bemerkenswerte Einzelheiten aus Gesprächen mit dem Außenminister Stresemann und mit mehreren Reichstagsabgeordneten mitteilen. Der Redner kam u. a. auch aus die h e s s i s ch e P o l i t ik zu sprechen. Es sei zu hoffen, daß nach den Ereignissen im Reichstag, wenn im Herbst die Landtagswahlen stattfinden, damit auch für unser hessisches.Bürgertum ein starker Antrieb zum gemeinsamen Handeln gegeben sei. Stresemanns Politik, die so stark bekämpft worden sei, habe nun in weiten Kreisen Anerkennung gefunden. Es sei nicht eine Politik der Schwäche, sondern der nationalen Besonnenheit, die auf den Boden der Gegenwart tritt, um die Zukunft zu bereiten. — Zu Beginn der Versammlung teilte der Vorsitzende, Stadtv. Haurh, mit, daß Landtagsabg. Dr. Osann schwer erkrankt war, sich aber erfreulicherweise wieder auf dem Wege der Besserung befinde.
Darmstadt, 1. Sept. Bei der gestrigen Beigeordnetenwahl in Michelstadt erhielt der sozialistische Landtagsabgevrdnete Karl Reff 1147 Stimmen, der Kandidat der Bürger- Parteien, Prokurist Groll, 1000 Stimmen. Reff ist somit gewählt Wie ein Vergleich mit den Ziffern des ersten Wahlganges zeigt, haben die Demokraten zum größten Teil für den Sozialdemokraten gestimmt.
* Heppenheim a. d. Bergstraße, 31. Aug. Für ben hiesigen Dürgermeisterposten, der nach Einführung der Städteordnung zrm ersten Male mit einem Derufsbürgermeister zr besehen ist, haben sich über 60 Bewerber ge°
Als die Leidtragenden das stille Haus verlassen hatten, suchte Frau Marianne ihr Bübchen. Im leeren Totenzimmer fand sie Karlheinz. Sie hob ihn empor, küßte sein weiches Gesichtchen mit überquellender Zärtlichkeit.
„Du bist ja so still, Karlheinzchen? Tut es dir so leid, daß Opa tot ist?"
„Still, Mutti, still — — ich muß soviel beten.“ — Und leiser und geheimnisvoller:
. daß die besudelten Fäuste uns loslassen --weißt Mutti, Opa hat's mir aufgetragen --sein letztes Beten!"
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Weizen- oder Roggenbrot?
In England macht man jetzt Propaganda gegen den Verbrauch von weißem Mehl, besonders nachdem von Wissenschaftlern festgestellt worden ist, daß Weißbrot bei den Krebskrankheiten als ungünstig wirkender Faktor eine große Rolle spielt. Es ist in dieser Hinsicht vielleicht ganz interessant, den Vorgang der Herstellung von Weizenmehl zu repetieren. Legt man die Hälfte eines Weizenkorns unter das Mikroskop, so unterscheidet man genau drei Bestandteile, einen inneren Keim von geblicher Farbe, aus dem dann später die neue Pflanze hervorgeht, zweitens sieht man einen Kern, der als erste Rahrung für den wachsenden Keim zu dienen hat und als letzter kommt die Hülse, die alles umschließt Der Keim stellt I1/2 Prozent des ganzen Korns dar, der Kern 85 Prozent und die Hülse 13V2 Prozent. Dem kalkweißen Weizenmehl fehlt nun die Keimsubstanz, sorgfältig ist sie ausgesondert worden, und habet besitzt einzig und allein der Keim Fettsubstanzen, die das Mehl erst schmackhaft, nahrhaft und verdaulich machen. Das heute so viel
meldet. In £e:n Ausschreiben der Stelle war ein Gehalt der 11. bis 13. Gruppe der Desvl- dungsordn ing angegeben. Das Ministerium hat nun versügt. daß dem künftigen Bürgermeister nur ein Gehalt dar 11. Gruppe gewährt werden darf,' aus diesem Grunde haben jetzt mehrere der Kandidaten ihre Bewerbungen zurückgezogen.
Hessen-Nassau.
fpd. Frankfurt a. M, 31. Aug. In der Frage der Besetzung des freiwerdenden Ober- bürgermeisterpvstens — die Amtszeit des seitherigen Oberbürgermeisters Dr. Voigt läuft mit dem 1. Oktober ab — haben, wie wir erfahren, die Mitglieder des Magistratswahlausschusses, die nach Königsberg entsandt waren, dem Magistratswahlausschuh eingehend Bericht über ihre Reise mit dem Ergebnis erstattet, daß sich die Mehrheit des Ausschußes für die Wahl des Oberbürgermeisters Dr. Lohmeyer - Königsberg i. Ostpr. aussprach. Es darf nunmehr mit Sicherheit angenommen werden, daß Dr. Lvh- meyer in der entscheidenden Stadtverordneten? sihung, die in der zweiten Septemberwoche stattfin- bet, gewählt wird. — Heute mittag wurde in den Räumen des Kunstverrins eine zu Ehren des kürzlich verstorbenen Altmeisters' bw deutschen Malerei, Wilhelm Steinhaufen, reranstaltete Ausstellung durch Stadtrat Meckbach feierlich eröffnet. Die Ausstellung bietet ein ausgezeichnetes Bild über die künstlerische Tätigkeit Wilhelm Steinhaufens.
Dom Fliegerlager auf der Wasserkuppe.
Don dem Sonderberichterstatter des „Gieß. Anz " Wasser kuppe, 29. Aug.
Tank der Einsicht des Wettergottes, allen Prophezeiungen zum Trotz, herrschte heute ein ganz annehmbares Wetter. Daher entwickelte sich von 9 11 br vormittags an reges Leben auf allen Hängen der Wasseriuppe. Eine bisher nie gesehene Zahl von Segelflugzeugen tauchte überall auf, und die Ausschreibung eines Zielflugpreises sorgte dafür, daß der weite Wiesengrund zwischen Wasserkuppe und Gube rings um das anzuflie- gende Ziel allmählich mit diesen Flugzeugen be deckt wurde, die mehr oder minder nahe heran- gekommen waren. Die meisten starten mehr als einmal, manche sind darin unermüdlich.
Erwähnen mochte ich folgende: „Margarete* (Darmstadt), „Breslau“ mit Passagier, „Espenlaub", „Geheimrat" (Pforzheim), „Roter Teufel". „Dessauer" (Cothen), „Max" mit Stamer und „Eva" (Aachen).
Am nächsten ans Ziel kamen „Bveslau" (bis auf 30 Meter) und „Margarete", die beinahe über die Zielfahne wegrutschte. Sie erhielt auch den Zielflugpreis von 100 Mk. zugesprochen.
Sehr interessant waren die Dersuche eines Würzburger „Hängegleiters". Er besteht nur aus zwei Tragflächen und einem Schwanz, vhn« jede Steuervorrichtung. Der Führer hängt sich in das Gestell, läuft einige Schritte dem Abhänge zu, bis das Ganze schwebt und ihn langsam ine Tal trägt. Etwa nötige Steuerbewegungen führ! er durch Derlegung des Körpergewichts aus.
Der Darmstädter „Geheimrat" mit Fuchs erleidet bei seinem heutigen Start einen Bruch des Rumpfes, der ihn wohl verhindern wird, weiter mitzukonkurieven.
Im übrigen steht der heutige Tag durchaus im Zeichen der Mvtorflieger, was den echten alten „Rhönern“ durchaus ein Greuel ist. Die Poesie des Segelflugs wird durch das Knattern der Motoren rettungslos getötet.
Fast alle startfähgen Motorflugzeuge zeigen ihre Künste. Bäumer (Hamburg) auf dem „Roten Sögel" startet u. a. zu einem Fluge von 2 Stunden 3 Mim, der ihn bis zu 6 Kilometer von der Wasserkuppe entfernt, übet auf „Kolibri" ist fast den ganzen Tag in der Luft. Auch er erzielt Entfernungen bis über 5 Kilometer. Dazwischen taucht mehrmals Hen tzen auf „Habicht" auf, der einmal wegen eines Modordefekts. kurze Zeit landet.
Auch Seh Wald auf einer Messerschmidt- Maschine beteiligt sich eifrig an dem allgemeinen Lärm. Besonders interessant war der Wetteifer zwischen der kleinen Udet-Maschine und der großen zweisitzigen, die vor ein paar Tagen mit zwei andern Verkehrsflugzeugen von Kissingen herübergeslvgen war.
Set)toalb erlitt gegen 7 Uhr abends einen Unfall, der leicht lebensgefährlich hätte werden können. Der Propeller flog samt der Haltevorrichtung weg und schlug einen Teil des Auspuffs ab. Doch gelang es Seh Wald, in der an das Lager angrenzenden Fichtenschonung unbeschädigt zu landen. Ich beobachtete den Unfall von der Kuppe aus. Man sah deutlich nacheinandeo zwei dunkle Körper vom Flugzeug wegfliegen, zugleich setzte der Motor aus, und alles ftümte der Gegend zu, wo das Flugzeug sich gerade befand. Rach einigen aufregenden Minuten hörte
gegessene Weißbrot war vor zirka einem Jahrhundert noch gänzlich unbekannt. Roch vor achtzig Jahren kannte man kein anderes Komm ahl- verfahren als das mittels Wind- oder Wassermühlen, in denen die von den großen Steinen zerquetschten Körner nur von den Hüllen befreit wurden, die dann die Kleie barftellten, das reine Mehl enthielt aber immer noch den so außerordentlich wichttgen Keim. Eisenwalzen wurden erstmalig in Budapest im Jahre 1840 für die Mehlbereitung verwendet, und infolge dieses Vorsprungs war Budapest viele Jahre lang der Mittelpunkt in der Müllerei der Welt. Später wurde das neue Mahlshstem auch in den anderer Ländern angewandt, nach Amerika zum Beispiel wurde es erst in 1875 eingefübrt In diesen großen Walzmühlen geschieht jeher Behandlung^ Vorgang automatisch, das Mahlen, das Aus- giefjen und das Verpacken. Vom Schiff aus komm! das Korn direkt in die Mahlmaschinen, zuerst muh es eine Walze passieren, in der die Hülsen aufgebrochen werden, in einem zweiten Wal- zensatz wird der Kern von der Hülse getrennt und diese fortgeblasen, und dieser Vorgang wird so ost wiederholt, bis auch das lleinste Atomchen einer Hülse fortgeblasen ist und dann erst beginnt das eigentliche Mahlen. Der Weizen wird zu ganz feinem Pulver zerrieben und muß dann riesige Zylinder passieren, die mit großer Schnelligkeit rotieren und nur den allerfeinsten Teilchen einen Durchgang durch ihre feinen Seidensiebe gestatten: gröbere Teil und darunter der so wertvolle Keim bleiben zurück. Und zu allem Ueberfluß wird sehr oft noch ein Bleichmittel dazugetan, um dem Mehl die doch so gänzlich nebensächliche Eigenschaft kalkiger Weihe zu geben.


