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rrnur.iintfti^em und syndikalistischem Boden stehenden Bergarbeiter; die letzteren sind in derUnion vereinigt.

Kurze politische Nachrichten. Kämpfe in Span fch-Marokko.

Madrid, 1. Quli. (WTB.) Wie aus Ma­rokko offiziell gemeldet wird, ist es einer spani- schen Kolonne nach hartem Kampfe gelungen, Las Fort Tcizza zu entsetzen und ihm Munition und Lebensmittel zuzuführen. Die 'Verluste der Spanier in den letzten Tagen seien noch nicht genau bekannt. Eie werden auf 30 Tote ge­schätzt. darunter vier Offiziere.

Verhaftung eiurS kommunistischen Attentäters.

Die Abteilung la der Berliner Polizei vec° i haftete den Kraftwagenführer Walter Benz- ' mann aus Wilmersdorf, der bei dem kom- inunistischen Anschlag auf die Denkmalsein­einweihung des Regiments Garde du Corps eine hervorragende Rolle gespielt haben soll.

Ein politischer Mord in Kairo.

Kairo. 1. Juli. lWTB.) Gin israeliti­scher Führer, Dr. D e h a a n, Vertreter eines Londoner Blattes, ist gestern abend im jüdi­schen Viertel von Kairo erschossen worden. Die Angreifer ergriffen die Flucht und konnten noch nicht gefaßt werden.

Ein Stahlhelmführer unter Spionageverdacht verhaftet.

In BreSlau wurde der Führer des Stahlhelmbundes, der frühere Leutnant Rathsmann, unter dringendem Spio­nageverdacht verhaftet.

Parade und Staatssinonzen.

Paris, 2. Juli. (WTB.) Der Kriegs­minister ist von zwei Abgeordneten schriftlich gebeten worden, die Parade zum Ra - tionalfest am 14. Juli aus Sparsam- keitsrücks ichten ausfallen zu lassen.

Anion Ohorn t-

Chemnitz, 1. Juli. Der Schriftsteller und Direktor Hofrat Prof. Dr. An ton Ohorn ist 'freute im Alter von 78 Jahren gestorben.

Ohorn von Geburt Deutsch-Böhme, war der Verfasser zahlrercher Dühnenwerke, von denen das SchauspielDie Brüder von St. Bern­hard" am bekanntesten ist. Ohorn hatte bereits die Priesterweihe empfangen, als er zum Pro­testantismus übertrat, um später eine Professur für Deutsch und Literaturgeschichte an der Ge­werbeakademie Chemnitz zu übernehmen. Reben feiner Tätigkeit als Dühnenschriftsteller hat er sich einen Ramen durch seine tatkräftige Unter- Nützung der Deutschen in Böhmen in tjpi-ent Kampfe gegen die Tschechen gemacht. Die Re­gierung dec Tschechoslowakei hat ihn denn auch auf Grund seiner bekannten SchriftDeutsch- Oesterreich auf ewig Deutsch!" in Abwesenheit wegen Hochverrats verurteilt.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, I. Juli.

Vizepräsident S o h e r r eröffnet um 10i/2 Uhr die Sitzung.

Am Regierungstisch: Staatspräsident Ul­rich, sowie die Minister v. Brentano, Hen­rich und Raab.

Abg. Blank (Ztr.) verliest eine kleine An­frage wegen der Ueberschwemmungs- schäden in Rheinhessen.

jflRinifter Raab erwidert darauf, daß De- sichngungsreisen stattgefunden hätten, um die Schäden festzustellen; Vertreter der Regierung hätten nicht daran teilnehmen können, weil sie keine Einreiseerlaubnis haben. Vertreter von Be­hörden im besetzten Gebiet haben sich dahin ausgesprochen, daß im Kreis Bingen ein Som- merbamm errichtet werden mühte. Die Mittel hierzu sollen vom Landtag angefordert werden. Bei der bedrängten Finanzlage des Staates kann nur den Geschädigten staatliche Hilfe gewährt Werdern deren Existenz bedroht ist. Auch staat­liche Ländereien sind in gröberem Umfang von den Wasserschäden betroffen worden.

Klopstoär

Zur zweihundertsten Wiederkehr seines Geburtstages.

Von Dr. H. A Korff, o. Professor an der Universität Giehen.

Auch wenn man in diesem Jahre die 200. Wiederkehr von Klopstocks Geburtstag festlich begeht, so darf man mit dem Eingeständnis nicht zurückhalten, datz der Gefeierte den Leben­den nicht mehr lebendig ist. Schon Koberstein muhte sich rühmen, einer der wenigen zu sein, die die 24 Gesänge des Messias von Anfang bis zu Ende wirklich gelesen haben. Heute wird sich anher dem betagten Biographen des Dich­ters niemand mehr dessen rühmen können. Die im Auftrage der Landgräfin von Hessen gesam­melten und 1771 zuerst in Darmstadt erschie­nenen Oden haben zwar in gewissen Formen expressionistischer Lyrik ihre späten Rachkommen gefunden, aber auch dadurch keine Auferstehung erlebt. Klopstocks Dramen gar, die er mit einem mihverstandenen alten WorteBardiete" nannte, -hatten schon bei feinen Zeitgenossen keine Gel­tung. Unmittelbar ihm auf dem Fuße folgte ein Gröherer. der Klopstocks ganzes Sein und Leisten in sich aufnahm und, indem er es in seiner Form der Rachwelt überlieferte, die Klop- stocksche Form zu einer überholten historischen Stufe machte. Doch wäre es undankbar, woll en wir darum des Mannes wirklich vergessen, der die Stufe schuf, auf der sich der Genius Goethes erheben konnte.

Klopstock war der erste deutsche Dichter seit Jahrhunderten. Und seine Bedeutung liegt darum nicht nur im besonderen in der von ihm voll­brachten dichterischen Leistung, sondern ebenso­sehr im allgemeinen darin, datz seine dichte­rische Persönlichkeit den Deutschen die Würde der Dichtung und des Dichters wieder zum Be­wußtsein brachte. Wenn sich die Poeten zu Beginn des 18. Jahrhunderts für ihre poetischen Lieb­habereien mit der Versicherung entschuldigen zu müssen glaubten, Last nur ihre mühigen Reben- stunden dem Spiel mit den Musen gewidmet seien, so war das Auftreten Klopstocks sogleich von einem neuen erhabenen Bewußtsein des Dichler- beruses getragen, und seine Leistung erzwang sich sogleich die Anerkennung seiner Würde. Mft

Hierauf wird dis Spezialdebatte zum Staatshaushalt für 1 924 bei K^. 19 (Staatspräsident) fortgesetzt.

Abg. Dingeldetz (®. Vp.) bemerkt u. a.: Das parlamentarische System gebe feine andere Möglichkeit, das Mihtrauen gegen einen politi­schen Beamten zum Ausdruck zu bringen, als durch die Avlehn-ng dieies Postens, so sei das - Verhaften der Deutschen Vvllspartei dem Mini­sterialrat Dornemann gegenüber.

Abg. Werner (Dntl) schi.dert u. a. die Vorgänge in Wimpfen, wo Min sftrmlrat Dorre- mann ein Hoch mir die Republik aus brachte, a s ci (der Redner) für eine deutsche Volksgemria« schäft sprach.

Von den Abg D i n g e l d e y und Gen. wird dem Hause ein Antrag zu Kap. 19 unlerbrei.et, 4350 Mk au streichen.

Staa'spcäsident Ulrich meint, was gegen den Ministerialrat Dornemann gesagt w rben fei, gelte ihm. dem Staatspräsidenten. Staatsrat D r- nemann h§be seine Pslicht getan una er habe die Qualifitation für sein Amt. Gerade der Wimpfener Fall bew ise, datz Staatsrat Dorne­mann geeignet fei, die Iitteressen der Republik zu vertreten. Ministerialrat Bo.nema.in haae e'.nen freig.wordenen Ministerialratsposten erhal­ten, man habe also gespart. Im Kampf gegen die Schuld'üge werde man nicht nachlassen Rach weiteten Aus'üh u gen l hnt der Staatsprä id n: es wiederum ab, den vom Abg. Kindt ver­langten Prozeß zu führen.

Aba Engelmann (Soz.) tritt für das Sachve r st ö nd i ge n g u tach t en ein.

Abg. Frau Rv: h «Komm) wendet sich gegen den Staa sp.ättdenten, der lange <eit r be Wimp­fen gesprochen habe, nichts aber für die Ange­legenheiten des Proletariats übrig g habt hätte.

Abg. Kindt (Dntl.) spricht über die K.stgs- schuldluge. Die Deutschnationalen hätten ras Sachverständigen-Gutachten keineswegs abge­lehnt, sondern sie hätten erst die Erfüllung der Ehenpuntle verlangt.

Abg. Dr. Osann (D. Vp.) erklärt, datz er im Ramen seiner Partei sprech». Der Oppo­sition müsse das Recht zugestanden werden, Kri­tik an der Regierung und an den politischen Be­amten zu üben. Das Verhalten des Ministerial­rates Dornemann in Wimpfen habe gerade be­wiesen. öafr er für seinen Posten nicht geeignet ist. Beweise für seine üngecignetljeit, we fe ge fordert wurden, bedürfte es nicht. Beweis sei seine Regierungsvorlage zur vorläufigen Ver­fassung, von der nicht ein Paragraph angc- ntmmen wurde. Die Artikel des Herrn Bornr- mann erkenne man trotz ihrer Anonymität an ihrem Stil in derDarmst. Zeitung" und tm Vc-llssreund". Gegenüber einer Behauptung des Staatspräsidenten datz fein Beamter wegen sei­ner politischen Gesinnung verfolgt worden sei, wies der Redner auf zwei Höhere Beamte im Justizministerium hin, die der Deutschen Volks- Partei angehören. Der Staatspräsident habe ein Mitglied der Deutschen Voltspartei als einen halb?n Engländer bezeichnet, es sei daS eine persönliche Anfeindung der nationalen Gesin­nung, für die es keinen parlamentarischen Aus­druck gebe. Seine Partei werde die persönlichen Beziehungen zum Staatspräsidenten abbrechen, solange er nicht eine Erklärung abgebe, datz diese Ausfüh.ungen nicht bi persönlich verletzender Weise gemeint seien.

Abg. Frl. Birnbaum (D.Vpt.) fordert zum Kampf gegen die Schuldlüge auf; dieser Kampf fei keine Parteisache, sondern jeder Deut- fepe, insbesondere auch die Frauen, sollten dafür kämpfen, damit die ungeheuere Lüge von uns abgewälzt werde.

Rach weiterer Debatte, an der sich die Abgg. Kaul, Kindt u. a. beteiligten, wurde über Kap. 19 (Staatspräsident) abgefttmmt und der Ausschutzantrag, 850 Mk. in Einnahme und 97 333 Mk. in Ausgabe zu bewilligen, gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Ein Antrag Glaser (Dntl.) und der Antrag der Deut­schen Voltspartei, die Stelle eines Ministe­rialrates zu streichen, werden abge - lehnt. Der Antrag Roth (Komm.) gegen die Beschränkung der Preßfreiheit wird einstimmig angenommen. Auch wird der Antrag Sturmfels (Soz.) angenommen, dah die Landesbeamten in Uniform die schwarzrotgoldene Kokarde zu tra­gen haben.

Schluß der Sitzung, nächste Sitzung morgen. Fortsetzung der Tagesordnung.

Klopstock erst bekam die deutsche Dichtung wirk­liche Kulturbedeutung. Mit ihn erst ward der poe­tische Gaukler des 17. Iah Hunderts zum ernst­haften Propheten und Wegweiser seines Volles.

Freilich nur in beschränktem Matze kann Klopstocks Leistung als wegweisend bezeichnet werden. Was er Reues brachte, das war die Macht seiner stürmischen Ge üh.süberschwäng'ich- leit, jene deutsche Form der von England heruber- kommenörn Sentimentalität, für die Leistung den feinen BegriffEmpfindsamkeit" erfand. Er führte auf den Gipfel jenen überströmenden Kultus der Freundschaft, der bis zu Jean Paul zu den be­zeichnenden Zügen des 18. Jäh.Hunderts gehört. Roch mefjr aber tarn in seinen Oden ein neuer) Schwarmgeist der Liebe zum Durchbruch, eine zitternd-zarte, übersinnliche Liebe voll heiligster Begeisterung, in der sich das Herz endliche be­freite von der geistreich-koketten, sinnlich-schmach-- tenden ober sinnlich-tändelnden Liebesauffassung des Barock und des Rokoko. Unb mit der Schwär­merei einer heiligen Liebe verband sich ein zum ersten Male so in die Erscheinung tretender vaterländischer Enthusiasmus, obwohl der teu- tonisierende Dichter dem großen Könige grollte, der zwar durch den Sieg seiner Waffen eben damals den Grund zu vaterländischem Stolze legte, aber doch geistig leider mit den Fran­zosen im Bunde schien.

Das alles aber war bei ihm von einem reli­giösen Enthusiasmus durchglüht, der die eigent­lich: Wurzel des Klopstockschen ®ei"te$ ist. S.inen Rühm schufen dem Vierundzwanzigjährigen die ersten drei Gesänge seines groben christlichen Epos, mit dem er dem Geiste Miltons und dem Stile Homers nacheifern zu wollen schon als Abiturient in Schulpforta beschlossen und In öffentlicher Abschiedsrede dunkel angekündigt 'hatte. Sie bilden einen entscheidenden Merkstein in der Geschichte der deutschen Dichtung, Und doch, gerade in diesem (in den ersten deutschen Hexametern geschriebenen) Riesengedichte vom Gottessöhne getreu nach den Dogmen der christlichen Kirche, der von seinem göttlichen Vater in die Welt entsandt wird, um für ihre Sünden gekreuzigt zu werden und dadurch der göttlichen Gerechtigkeit Genüge zu tun, zeigt sich nutzer der wegweisenden Bedeutung die Grenze des Klopstockschen Geistes. Epochemachend ist auch

Aus Stobt und Land.

Gietzen, den 2. Juli 1924.

Reichssteuer-Fälligkeiteu im Juli.

5.3 u I i: Lohnsteuer aus der III. Dekade Juni (keine Schosifrist).

10. Juli:

a) monatliche Vorauszahlung auf Amsah- steuer,

b) monatliche Vorauszahlung auf erhöhte Umsatz-(Luxus-)steuer,

c) vierteljährliche Vorauszahlung auf Umsatzsteuer,

d) vierteljährliche Vorauszahlung auf er­höhte Umsatz-(LuMs-)steuer,

e) monatliche Vorauszahlung auf Sin- kommensteuer (Pflichtige wie oben zu a und c),

f) vierteljährliche Vorauszahlung auf Einkommensteuer (Pflichtige wie oben zu b und d),

g) monatliche Vorauszahlung auf Kör- perschaftssteuer (Pflichtige wie oben zu a und c),

h) vierteljährliche Vorauszahlung auf Körperschaftssteuer (Pflichtige wie oben zu b und d),

Schonfrist zu a bis b: 7 Tage.

1 5. 3 u I i: Lohnsteuer aus der I. Dekade Juli (keine Schonfrist).

2 5. 3 uli: Lohnsteuer aus der II. Dekade Juli (keine «Schonfrist).

*

Gießener Wochenmarktpreise

am 1. Juli 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 1,60-1,70 Mk., Matte Pfd. 30Pfg., Käse Pfd. 60 Pfg. Eier Stück 1213 Pfg., Wirsing Pfd. 50 Pfg. gelbe Rüben, Bund 12 bis 15 Pfg., rote Rüben, Bund 20 Pfg.,° mischkohl Pfd. 20 Pfg., Dohnen Psd. 60 Pfg.» Blumenkohl, Stück 50120 Pfg., Salat 3 Stück 10 Pfg. Sasatgurken Stück 50100 Pfg., Ober- Krhlrabi Stück 1520 Pfg Erbsen Pfd. 30 Pfg., Mischgemüse Pfd. 20 Pfg., Tomaten Psd. 80 Pfg., Zwiebeln Pfd. 20 Pfg., Rettich Stück 30 Pfg., Radieschen Bd. 5 Pfg., Pilze Pfd. 40 Pfg., Kartoffeln, alte, Ztr. 3,805 Mk., neue, Pfd. 2025 Pfg., Kirsch.m Pfd. 50 Psg., Heidel­beeren, Schoppen 35 Pfg., Stachelbeeren Psd. 30 Pfg., Johannisbeeren Pfd. 40 Pfg., Erd­beeren Pfd. 11,20 Mk., Honig Pfd. 30 Pfg.

** Forderungen der hessischen Handelskammern. In einer Be­sprechung von Vertretern der hessischen Han­delskammern wurde zur Gewerbesteuer gefordert, dah möglichst bald nach Vorliegen der Ergebnisse der ersten vier Monate den Hess. Handelskammern diese Ergebnisse mit­geteilt werden sollen, und dah dann über die definitive Gestaltung der Gewerbesteuer mit der Regierung beraten werden muh. Außer­dem wurde beschlossen, erneut beim Justizmini­sterium dahin vorstellig zu werden, es möchte die schärfste Verfolgung der Metalldieb- stähle stattfinden. Derartige Handlungen dürften unter keinen Umständen als leichte Diebstähle angesehen werden.

** Gegen das Schmierfinken-Un­wesen au f den Bahnhöfen and in den Gisenbahnzügen wendet sich die Reichs- bahndrrektion F anksurt a. M. mit einem Erlah an alle Eisenbahndienststellen, in dem es u. a. heitzt:Es finden sich bedauerlicherweise in den Aborten und an den Wänden der Äsenbähn- wagcn und Bahnhöfe noch häufig unzüchtige Darstellungen, Schmierereien und Kritzeleien tn Won und Bild. Heber diesen das Empfinden jedes anständigen Menschen verletzenden Unfug wird von Zeit zu Zeit mit Recht Klage geführt, weil die von gemeiner Bubenhand angebrachten

hier der Durchbruche einer wesentlich gesübls- mätzig - schwärmerischen Geistcsh.ittung, einer enthusiastischen Religiosität, in der me christ­lichen Vorstellungen zu innerem Erlebnis wer­den. Reu ist der Schwung glühender Begeiste­rung, von dem hier die Dogmen der Kirche am- rauscht und emporgetragen die erhaben» Phan­tasiekraft, mit der die Vorstellungen von Himmel und Hölle in den Weltenraum der modern >n Ra- turwissenschast hinein projiziert werden, um von dcrt aus einen neuartigen Schauer der Unend­lichkeit zurückzuerhalten. Reu ist das Reuerleb­nis der christlichen Mythologie,

Aber datz es eben die christliche Mythologie war, die Klopstocks Dichtertum noch einmal zum Ereignis machte, das machte den Messias geistes­geschichtlich auch zu einem nur vorübergehenden Ereignis. Denn in bet Geisbesgeschicht: der neue­ren Menschheit gehörte schon zu seiner Zeit die christliche Mythologie dem Vergangenen an, das keine Zukunft mehr hatte außer durch Verwand­lung seiner Formen. Trotzdem cmch Voltaires schale Aufgeklärtheit zum Untergänge verurteilt war, hafte er so unrecht nicht, wenn er von diesem neu­erschienenen Messias sagte, man brauch e ihn nicht, da man schon den alten nicht mehr lese. Aber Klopstock selbst hafte ja mit seinem Messias und noch mehr mit seinen religiösen Oben einer Zeit vorgearbeitet, da man seiner nicht mehr brauchen würde. Sein dem Pietismus entsp.ungener reli­giöser Subjektivismus hafte zwar noch die chnst- liche Mythologie durch seine Glut lebendig g»» macht Aber die von ihm entfesselte subjektive Religiosität vermochte ihren Gegenstand zu w«h» seln, und, wie die Geschichte zeigte, ihre leben­dige Begeisterung anderen Glaubensinhalten ent­gegenbringen. die dem Geiste der durch die Auf­klärung hindurchgegangenen Menschheft kongenia­ler waren. Es war Goethe, der den religiösen Subjektivismus Klopstocks erbte. Aber es war auch Goethe, der der Religiosität Klopstocks die entwicklungsgeschichtlich notwendige Metamor­phose bereitete.

Rur mit der Form seiner Sprache hat Klop­stock wahrhaft Unsterblichkeit erlangt. Denn un­abhängig von allen vergänglichen Inhalten prägt sich in ihr die reine Form seines Geistes aus, mit der er nun freilich zur Goeth-ezeit der deut­schen Dichtung gehört. Drei persönliche Schöpfer

Larsicllungen besonders in jugendlichen Seel« unermeßlichen Schaden anrichten. Es ist deshalb sittliche Pflicht eines jeden EisenbähnbedtenstetLN, im Rahmen seines Könnens dazu beizutragen, datz diesem Gesindel das unsaubere Handwerk gelegt wird. Die Eisenbahndienststellen mögen tn den Zügen und Bahnhöfen Rachprüfungen vornehmen und gegebenenfalls für schleunige Deseitigung derartiger Schmutzmäler Sorge tragen. Alle Eisenbcchnbedienstete, insbesondere die Zugbegleft- personale, werden angewiesen, sich um dir Er­mittelungen der Täter zu bemühen. Diese sind der Bestrafung zuzuführen and zur Tragung der Kosten für die Beseitigung der Schmierereien heranzuziehen. Bedienstete, die die Täter er­mittelt haben, sind der Reichsbahndirektion zur Gewährung einer angemessenen Belohnung nam­haft zu machen." Man kann diesen ausgezeichneten Erlaß nur begrüßen. Zu wünschen wäre nur noch, datz auch das Publikum selbst bei der Er­mittelung und Lknschädlichmcrchung der Schmutz­finken die Eisenbahnbeamten tatkräftig unterstützt.

" Gießener R a d f a h r f e st. Man teilt uns mit: Am kommenden Samsiag, Cvnntag und Montag wird Gießen im Zeichen des Gausommer­festes des Lahngaues B. d. R., veranstaltet vom Radclub Germania", stehen. Cs soll ein Sport- und Volksfest werden, bei dem alle Akten des schönen Radsportes den Festteilnehmern vor Augen geführt werden sollen. Dis jetzt sind ge­meldet: Wanderfahrt 13 Vereine, Korsofah.en am Sonntag nachmittag im Festzug 21 Vereine, Rad-Ballsp.ele 18 Vereine, ber-Schulveigen 6 Ver­eine. 8er-Schulreigen 3 Vereine, Ler-Jugendreigen 3 Vereine, 6er-Jugendreigen 7 Vereins, 8er° Schmuckreigen 3 Vereine, 6er-Kunstveigen 2 Ver­eine. Am Sonntag nachmittag wird sich ein Fest- zug durch die Stvahen der Stadt bewegen, der reich an Ausschmückungen und Eehrnswüidigkeiten ist. Richt weniger wie 21 Radfahcvereine von auswärts haben ihre Teilnahme zugcsagt, die Gietzener Vereine werden den Zug durch mehrere Fest wagen und andere äkeberraschungen auS- schmücken. Der Festzug geht durch die Kaiser­allee, 5ftrdwigstraße, Alicestratze, Südanlag?» Ost­anlage, Walltorstratze, Settersweg, Westanlage, Dahnhofstratze und Reustadt zum Festp.atz Os- waldsgarten. Den Glanzpunkt am Sonntag nach­mittag bilden die verschiedenen Reigen, darunter einige Schmuckreigen, Radballspiele wtd'die Kunst- teigen. Am Montag vormittag kommt der große Jubiläumsstratzenpreis über eine Strecke von 120 Kilometer zum Austrag, zu welchem zahlreiche Meldungen eingelaufen find. Bei diesem Reime-i kommen die Fahrer zweimal durch Gietzen, so dah der Stand des Reimens von hier aus leicht beurteilt und verfolgt werden kann. Ankunft der Fahrer am Feldschlöhchen in der Rodheimer 6trabe etwa um 8,30 älhr. Man beachte die heutige Anzeige.

Boruoti.zen.

Tageskalender für Mittwoch. D. H. V.: 8V3 älhr Kausm. Vereinshaus Monats­versammlung. Gietzener Schwimmverein: 81/» ilbr in der Stadt Lich Monatsversammlung. Rundfunkhaus Löberstrahe: 8V2 -Uhr Konzert.

Landkreis Gieren.

D L i ch, 1. Juli. Rachdem der Licher Pfingst- markt infolge Auftretens ocr Maul- und Klauen­seuche im Kreise Gietzen ausfallen mutzte, fand als Ersatz hierfür gestern Schweine- und Krämermarkt statt. Zum Auftrieb gelangten 306 Ferkel. Für 68 Wochen alte Ferrel wurden 1015 Mk. und für ältere bis zu 28 Mk. pro Kopf bezahlt. Der Markt war gut besucht und die Geschäftstätigkeit sehr rege. Der Liche. ©onv mermarft, der am 14. Juli hätte stattfinden sollen und mit dem Rindviehmarkt. Dullen- und Schafbockauktion verbunden ist, ist auf den 28. Juli verschoben worden. Am Tage zuvor findet Jugendfest hier statt. Es i|t geplant, für die Zukunft das Jugendfest und diesen Sommec- markt unmittelbar nebeneinander feitgukgm, und zwa rsv, datz an einem Sonntag Mitte Juli das Jugendfest und Montags der Sommermarkt statt- finden soll. Der wttt über die Grenzen Lichs hinaus bekannte Schutzmann Heinrich Jakcb Meyer trat gestern in den Ruhestand. Der verdiente Beamte, der über 38 Jahre lang Im Dienste der Stadt Lich stand, erfreut sich bei der Deoöfterung allgemeiner Beliebtheit. Unter fünf Bürgermeistern der Stadt hat er sein Amt zur Zufriedenheit der Borges^'.en bekleidet. Sein Amt übernahm Fritz Spahr von hier.

gibt es der neuhochdeutschen Dichtersprache: der dritte zwischen Luther und Goethe ist Klopstock. Luther hatte der deutschen Sprache das Mark gegeben. Klopstock gab ihr den Schwung, und Grethe sollte ihr volles Leben und Schönheit geben. Kommt man von seinen nächsten Vor­gängern zu Klopstock selbst, so ist es, als ob man vor einer vollkommen neuen Welt des Aus­drucks stände. Unter dem Gluthauche der Seele schttnt hier mit einem Male das Eis gebrochen, das der Winter des 17. Jahrhunderts um die deutsche Sprache gefroren hatte, und auf beit Wellen eines befreiten Rhythmus daher tan­zend zersprengt sie mit kühnem Ungestüm die Dämme der nüchternen Logik, um in bildergekrön­ten Sturmwellen des Ausdrucks atmend emporzu­schäumen. Wie Klopstock diese Sprache selber schildert:

Tausendfältig und wahr und heitz. ein Taumel, ein Sturm

Waren die Töne für das vielverlangenda Herz."

Zum ersten Male wieder seit Ja'hrhunderteni fühlt man fich hier von deutscher Sprache fort» gerissen und von der Magie des Ausdrucks be­zwungen. Seit Klopstock erst gibt es eine wirk­liche deutsche Dichtersprache. Und die Hälfte des Weges, den Goethe beendet, hat Klopstock zu­rückgelegt. *

Klopstocks Sendung

für das Deutschtum und die dettsche Kultur be­handelt in einer außerordentlich lesenswerten Schrift der durch seine bedeutsame Lutherbio- graphle bekannte Darmstädter Professor Arnold G. Berger. (Verlag Emst Hof­mann u. Eo. rn Darmstadt.) In scharf um- nffenev und dabei ungewöhnlich eindrucksvoller und fesselnder Form malt der geistvolle Ver­fasser ein Bild des Wesens. Wollens und Schaf­fens des Dichters, dessen Gesamtersch-einung und dessen Bedeutung im Rahmen seiner Zeit und des Deutschtums schlechthm an einer Fülle zum Teil neuer Gesichtspunkte dargestellt wird. Keine ncch so ausgedehnte Biographie kann in höherem Matze den Dichter der Gegenwart so nahe brin­gen als es durch diese kleine, aber inhaltsreiche wchrift geschieht. -z.