llr. M Zweites Blatt
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Arbeitszeitfrage und Sozialdemokratie.
Don Andre- Stuttgart, M. d. R.
Die Sozialdemokratie stellt im Wahlkampf mich die Ardeitszeitfvage in den Vordergrund der öffentlichen Erörterung. Deshalb erscheint es angezeigt, die widerspruchsvolle Haltung der sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschafts- führung in Lieser Frage in einwandfreier Weise klarzustellen.
Aach der grundsätzlichen Seite hin muh ich zunächst feststellen, dah ich ein Anhänger des stunden tages bin, Lah ich aber dessen schematische Durchführung von seiner Einführung ab für verkehrt und wirtschaftschädigend gehalten habe. Die Arbeiterschaft unb besonders die verheiratete, hat unter dem Achtstundentag eine Forderung ihres Aimilienlebens erfahren. Wenn man bedenkt, welche Wegstrecken und Gisenbahnfahrten heutzutage weite Arbeitnehmerkreise täglich zurückzulegen haben, um an die Arbeitsstelle und wieder nach Hause zu kommen, dann wird jeder Einsichtige dafür das nötige Derständnis aufbringen, dah die Arbeiterschaft am Achtstundentag festhalten toilL Eine Verlängerung der Arbeitszeit fäfjt sich deshalb nur in Rücksicht auf die furchtbare Rvt- lage des deutschen Volkes und nur dort rechtfertigen, wo die Arbeitszeitverlängerung tatsächlich produktionsfördernd und verbilligend wirkt. Wit dem Hineinwachsen in bessere wirtschaftliche Verhältnisse wird auch die Frage des Achtstundentages wieder aktuell werden und es wird dann die ganze deutsche Arbeitnehmerschaft hinter dieser Forderung stehen.
Dah wir aber in der jetzigen Avtzeit mit der Beibehaltung des schematischen Achtstundentages nicht aus der Wirtschaftskrise herauszukommen vermögen, weih auch jeder einsichtige Sozialdemokrat. Die Frage der Arbeitszeitvev- längerung ist eine Frage der Steigerung der Sütererzeugung, der Verbilligung dec Produktion, der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf dem Weltmärkte, wie eine Frage der höheren Bewertung des Aeallohnes und damit Der Erhöhung der Lebenslage der arbeitend en Volksschichten. Wit der Verlängerung der Arbeitszeit ging tatsächlich die Arbeitslosigkeit in Deutschland zurück. Die Zahl der Kurzarbeiter nahm von 1,8 Millionen auf 130 000 ab.
Die erlassene Arbeitszeitverordirung hat toe# fcjjr die Reichsregierung noch das Reichsarbeits- ministerium allein" zu verantworten; sie ist vielmehr unter der hervorragenden Mitwirkung der Sozialdemokratie zustande gek Immen.
Zunächst' sei sestgestellt, dah durch die verfehlte Haltung der Sozialdemokraten im ReichS- wirtschastsrat die seit beinahe zwei Jahren dort Oliegenden Gesetzentwürfe über die Arbeitszeit der Arbeiter- und der Angestelltenschaft nicht zur Verabschiedung kamen. Damals bestand noch die Scheinblüte unserer Wirtschaft und eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit hätte im Winter 1922/23 bestimmt weniger einschneidende Testimmungen für die Arbeitnehmerschaft gebracht.
Die Haltung der <tozialdem? traten wäh end der Zeit der Ermächtigungsgesetze läht sich in folgenden Feststellungen zusammmf assen
1. Die sozialdemokratischen Minister im ersten Kabinett Dr. Stresemann sprachen sich für die gesetzliche Regelung Les Arbeitszettproblems auch im Sinne der Verlängerung bzw. der Durchbrechung des Achtstundentages aus.
2. Die drei sozialdemokratischen Anter Händler, nämlich die Abgeordneten Müller-Franken, Wissel und Hanschek, stimmten nach stundenlangen Verhandlungen, die in der Rächt vom 5. auf den 6. Oktober 1923 im Reichs.'amzlerpalais zwischen Vertretern der damaligen Kvalttions Parteien und ihnen über die Frage der Arbeitszeitverlängerang geführt Warden, folgendem Verhandlungsergebnis einmütig zu:
„Die schwere Rot unseres Landes läht eine Steigerung der Gütererzeugung dringend geboten erscheinen. Das wird nur unter restloser Ausnutzung der technischen Errungenschaften bei organisatorischer Verbesserung unserer Wirt chaft und emsiger Arbeit jedes Er.rKelnen zu erreichen sein. Sieben der Steigerung der Produktion durch diese Mittel wird auch die Reuregelung der Arbeitszeitgesetze unter grundsätzlicher Festhaltung des Achtstundentages als Rvrmalarbeitstag nicht zu umgehen sein. Dabei ist auch die Rköglichkeit der tarifllchen oder gesetzlichen Aeberschrettung der jetzigen Arbeitszeit im Interesse einer volkswirtschaftlich notwendigen Steigerung und Ver- billigung der Produktion vorzusehen. Für die öffentlichen Verwaltungen finden ähnliche Drund- sätze Anwendung."
Anter dem Vorsitz des damaligen Reichskanzlers Dr. Stresemann wurde diese Dereinba- runa von den Parteiführern aller Koalttions- parteien, also auch der Sozialdemokratie, ge
GtetzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
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8reltag, 2. Mai 1924
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billigt Damit war die Regierungskrise behoben, Dr. Stresemann blieb Reichskanzler und trat andern Tags mit seinem zwetten Kabinett vor den Reichstag. Das 2. Ermächtigungsgesetz wurde genehmigt: zur Beratung des Arbeitszcttgesetz- entwurfs sollte der Reichstag wieder zusammentreten.
3. Der Entwurf des Arbeitszettgesetzes wurde vom Arbeitsministerium auf Grund der getroffenen Vereinbarung zunächst nur Len Mitgliedern des Sozialen Ausschusses des Reichstages, soweit sie den Koalitionsparteien angehörten, vorgelegt. Der Entwurf entsprach nach der übereinstimmenden Meinung den getroffenen Abmachungen. Zn zweitägigen Beratungen wurde derselbe unter dem Vorsitz des Reichsarbettsministers Dr. Branns eingehend durchberaten. Don sozialdemokratijcher Seite sowohl wie von bürgerlichen Pactcivcrtie- tern, wurden noch einige Abänderungen b.antragl und im Wege gegenseitiger Aussprache und Verständigung beschlossen.
Der so gestaltete Entwurf sollte schleunigst dem Reichstag torgelegt werden. Infolge der sächsischen Wirren und weil die Sozialdemokraten in ihrer Fraktion f;ber den Arbeitszeitg^sehent- wurf nicht einig werden konnten, kam derselbe jedoch' im Plenum des Reichstags trotz dec Bemühungen von Zentrumsseite nicht zur Beratung.
4. Inzwischen waren die zeitlich befristeten Demobilmachungsverordnungen abgelaufen: die Arbeitsregelung blieb der freien Vereinbarung von Antcrnehmern und Arbeitern überlassen. Die Gewerkschaften waren in ihrer finanziellen Grundlage erschüttert. Die Schwerindustrie versuchte besonders, die 12 Stundenschicht wieder zur Einführung zu bringen.
Inzwischen kam das Kabinett Marx. Die Schwierigkeiten innerhalb der Sozialdemo.ralie in Sachen der Arbeitszett lieferten Leu tieferen Hintergrund für diese polittschen Vorgänge. Plötzlich ernannte die Führung dec sozialdemokratischen Gewerkschaften, dah es doch int Interesse dec Arbeiterschaft gelegen sei, wenn der Arbeitszci.ge etz- entwurf von der Regierung heraus gegeben Werre und zwar im Wege der Verordnung. Die sozialdemokratische Gewerkschastsführung setzte sich mit den übrigen Spitzenverbänden der Gew.rkschaf en ins Benehmen. Eine Deputation aller gewerkschaftlichen Spitzenvcrbände vnhrnb.'lt: sodann mit dem Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und ersuchte ihn, die ArbcttszeitverorLnung schnellstens herauszubringen. Einige klein ne A.än.o rungen des vorliegenden G.setzentwucfes wurden noch von der sozialdemokratischen Gewerkschaftsvertretung beantragt und von der Regierung berücksichtigt.
So tarn die vielumstrtttene Arblltszeitvrr Ordnung zustande. Es steht also einwandfrei fest, Laß hervorragende sozialdemokratische Minister und Abgeordnete an dem Entwurf in seiner derzeitigen Gestaltung wesentlich mttg.arbeitet haben und dah die sozialdemokratische Gewerkschaftsführung um die Herausgabe der Verordnung nachgesucht hat. Man vergleiche mit Lieser Haltung das Benehmen und Vorgehen der sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschaftspresse, den Kampf gegen Len Reichsarbcitsmini.te.' Dr. .Brauns und gegen den Achtstund-enrag überhaup! Die Sozialdemokraten können auch sagen: Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner BrustI Ehrlich, offen, klar und wahr ist die Haltung der Sozialdemokratie nicht.
Zum Schlusie sei noch festgestellt: Die Ar- beitszeitvervrdnunq ist und bleibt trotz der Verlängerungsmöglichkeiten der Arb.it'z.it auf tariflichem und behördlichem Wege ein soziales Schutz- geseh, wie in der ganzen Vortriegszeit keines erlassen worden ist. Wer in dec Zukunft die Wohltaten Les Achtstundentages will, muh heute dort für eine angemessene Verlängerung dec Arbeitszeit eintreten, wo diese produttionsfördernd und verbilligend wirkt. Durch Arbeit zur staatlichen und politischen Freiheit! Der Weg aber, der heute vom Kommunismus und Sozialismus in wirtschaftspolitischer Beziehung der deutschen Arbeitnehmerschaft gewiesen wird, ist dec Weg innerer Verarmung, ist Stillstand und Rücks.chritt und politische und wirtschaftliche Einfluhlofigkeit. iWr lehnen diesen Weg ab unb gehen jenen dec pslichtbewuhten Tat. Durch Arbeit zur Freiheit! Heraus aus der Zeit der Phrasen. Deutschland muh sich selbst helfen!
Die Lügenpropaganda.
Die Franzosen sind sich sehr Wohl bewuht, dah ihr ganzes Verhalten im besetzten Gebiet auf die Bevölkerung einen denkbar ungünstigen Eindruck macht. Sie versuchen, diesen Mangel durch Propaganda wieder auszugleichen. Die deutschen Eisenbahner, die in den Dienst der Regie haben eintreten müssen, werden durch billige Lebensmittel aus den französischen Coorporatives geködert. Da diese französischen
Lebensmittelverkaufsstellen In beschlagnahmten Räumen eingerichtet sind und demnach ketneMiete, keine Zolle, keine Steuern zu entrichten haben und da das Personal Wohl auf Kosten der Regie, d. h. auf Ko st en Deutschlands gelohnt wird, entstehen den Franzosen durch diese Einrichtung keine besonderen Kosten.
Auf deutsche Kosten wird ferner in vielen Taufenden von Exemplaren täglich die Propa- gandazeituna der Ruhrarmee gedruckt und verbreitet, die sich „Rachrch endienst" nennt, in Wirklichkeit aber eine planmäßige Hetze gegen jede deutsche Autorität betreibt. Daneben beschlagnahmen sie Lichtspieltheater, um darin französische Filme zu zeigen. Sie veranstalten unentgeltlich französische Sprachkurse für die deutsche Bevölkerung. In den Hauptstraßen richten sie in zwangswsisc geräumten Lokalen L e s e s ä l e ein, wo französische Propagandaliteralur ausgelegt toirb. In diesen Lesesalen und auf den Bahnhöfen richten sie franz. Buchhandlungen ein. Schließlich suchen sie auch durch Einrichtung von Suppenküchen auf die breite Masse der Bevölkerung Eindruck zu machen. Ob diese fron- zös sch? „W. hltärigkeit" ein starkes Gefühl von Da: kvarkeit bei b.r deutschen Bevölkerung Hervorrufen wird, ersch.int zweifelhaft, da trotz aller Presseknebelung doch den meisten bekannt sein dürfte, dah alle diese Propcrgandaaktivnen letzten Endes mit den vom Deutschen Reich erpreßten Summen bezahlt werden.
Aber alle die französischen Propagandamäh- chen können schon deshalb keinen Erfolg haben, weil die Besatzunaslasten der Bevölkerung zu handgreiflich vor Augen liegen. Die Zahl der französischen und belgischen Besahungs- truppen ist immer noch unerträglich hoch Dazu kommen noch die zahllosen französischen Beam- t e n mit ihren Familien, mit denen Frankreich das Land überschwemmt hat. Als Beispiel sei auf die Stadt Düren hing:wiesen, die nur 3^ 020 Einwohner hat, aber mit 9000 Franzosen (Militär und Personal dec Eisenbahnregie) belegt ist. Davon entfallen 2200 auf zwei französische Iäger- bataillone: für die Offiziere sind in der Stadt 200 Quartiere belegt. Dec Rest sind Angehörige der Regie, welche in rund 1030 beschlagnahmten Pcivatquar inen untecgebcacht sind. 215 aus- gewie e e deut che Eis nb.ihner sind in Rotquartieren untergeb acht, weil dir Franzosen ihre W h u"gen beschlagnahmt und nut französischen Esie.bah'.ern bsiegt haben.
Auch die ländliche Bevölkerung bekommt die Anweseah.it dec BesatzungstruppLN zu spüren. Im Kreise M.isenheim bei Kreuznach haben die Franko en m»f)” re Wochen lang in 11 Gemeinden A c ti lleries chi e h ü bu ngen ab. ehalt a u d wäh.end dies.r Zeit den Zutritt zu del Feldern von 7 Ahr morgens bis 12 Ahr mittags gesperrt. Man sollte meinen, dah die Franzosen genügend Schießplätze im besehen Gebiet vorgrfunden oder angelegt haben, z. B. in Wcchn bet Köln oder Ludwigswinkel in der Pfalz, daß sie es nicht mehr notig haben .durch derartige Geländeschietzübungeit die Frühjahrsbestellungen zu hindern.
Wirtschaft.
Der deutsche Arbeitsmarkt im April.
Die Berichte der Landesarbeitsämter geben folgendes Bild von der Arbeitsmarktlage int April: Im ganzen Reiche hat die Besserung weitere Fortschritte gemacht, obwohl in vielen Gegenden die bereits mehrfach gemeldeten Streiks unb Aussperrungen noch andaäern. Im besetzten Gebiet ist lurch die Vesiängcrung der Micumverträge eine D.sierung der De chä>- tigungsverhäsin sfe eingetcetm. Die La n i wict- s cha f t berichtet aus allen Teilen Deutschlands über einen gewissen Arb.itermangel. Daö gleiche gilt von den Gärtnereien, für die g.lernte Ar'vei slräfte in Villen Gegmben nicht . uir.ich no zu beschaffen waren Im Kohlenbergbau des Uz besetzten G.bitts, bsivnders in dec Obcr.'au- sitz unb im Freistaat Sachen, htt sich die Beschäftigung wesentlich gehoben. Die Ziegeleien, S Einbrüche unb Zementfabriken nehmen allent- halben ihren Betrieb wieder in vollem Amfange auf. Am Arbettsmarkte der M e t a l l i n d u st r i e herrscht rege Oiachfrcgc nach Spesialarbeitwn aller Art. Auch die rhein.sche Ersen- und Metallindustrie stellt neuerdings wieder Arbeitskräfte ein. Die Beschäftigung der chemischenInbustrie scheint sich zu heben. Das Sp.nnstoffgewecbe fiept noch immer int Zeichen einer ziemlich flotten Konjunktur^ Das gilt besonders von der Lausitz unb den sächsisch-thüringischen Zentren. Aus Württemberg unb Beben wirb über Mangel an Textilarbeitern berichtet. Die Lederindustrie unb verwandte Tranchen sind durchweg gut beschäftigt. Die Lage im Holzgewerbe blieb weiter gut. Eine wesentliche Besserung zeigt sich bei den Sägewerken, Möbelfabriken und in der
Pianoindustrie. Im Tabakgewerbe, das im allgemeinen gut beschäftigt ist, kommen vereinzelt wieder Arbeiterentlassungen vor. Das Bekleb dungsgewerbe, insbesondere die Maßschneiderei und bte Schuhindustrie, haben gut zu tun. Die Berichte über die Lage des Daumarktes lauten nicht einheitlich. In den meisten Dezir^n bestehen Lohnstreitigkeiten. Dec Arbeitsmarkt für. kaufmännische Angestellte hat sich anscheinend etwas gebessert.
Die Zahl der unter st ühten Er« werbslosen im unbesetzten deutschen Gebiet ist in der Zeit vom 1. bis 15. April wetten von 703 030 aas 476 000 z u r ü ck g e g a n g e n. Wenn auch dabei eine gewisse Arabernng in den Anterstützungsvorschriften mitwirkkt, so ist eine weitere wesentliche Entlastung des Arbeitsmarktes unverkennbar. Im besetzten Gebiet ist die Entwicklung sehr unregelmäßig. Wenn auch abschließende Ziffern nicht vorliegen, so ist doch offenbar im Vergleich mit der Zett vor dem Ruhreinbruch die Arbeitslosigkeit in den besetzten Gebieten noch immer unverhältnismäßig viel höher. *
* Erleichterte Bedingungen für Dollar- und Pfundkredite. Die Tätigkeit dec D.u'fchen Goldd slontbank beginnt bereits am offenen Geldmarkkt zu wirken. Rach Meldung aus informierten Kreisen sind die Zinssätze für Dollar- und Pfundkredite in der letzten Woche ganz erheblich zucückgegangen. Während vor den Feiertagen Zinsen von 17 und 18 Proz. zwischen den Danken selbst gezahll wurden, nannte man nunmehr im Dankenvertehr Zinssätze in Höhe von 14 Prvz. p. a.
* Wiederum „Erhöh ung der Zinsen für täglich Geld" in Frankfurt a. M Die Fcanlkfurtec Bankenvereinigung hat beschlossen, mit Wirkkung vom 1. Mai ab auf Gelb bei täglicher Kündigung 12 Pcoz. (bisher 9 Proz.) zu vergüten.
* Zur Ablieferung ausländischer Vermögensgegenstände. Auf Grund des § 3 der 5. Durchführungsbestimmung zur Verordnung des Reichspräsidenten über die Ablieferung ausländischer Vermögensgegenstänbe vom 25. Februar 1924 wirb für die bis zum Inkrafttreten dieser Durchführungsbestimmungen ausgestellten Quittungen em Gegenwert nicht mehr gewährt, wenn sie nach dem 25. März 1924 zur Einlösung torgelegt werden. Das Reichssinanz- ministecium hat die Devis.nbeschaffuagsstsile. Abteilung Golbwectabgabe, jetzt ermächtigt, in Fällen beltnberet Härte die gemäß Verordnung v. 25. Februar 1924 verfallenen ©oLbmarfquutungen aus Dilligkeitsgründen einzu loscn. sofern sie bis zum 2 0. Mai ds. Hs. unten entsprechender Begründung bei der Devisenbe- sch-assungsslelle eingrreicht werden. Der Gegenwert fib " isi: GolLmarkauittungen wird jeooch nur in Stücken rec öproz nt gen Schah ,nw Ifura n Les Reiu>e^ von 1923, fällig am 1. Dezember 1932, entrichtet.
• D i e Preisgestaltung der Baustoffe. Der Reichswictschaftsm'mister weist anläßlich der jetzt beginnenden Bauperiode in einem Rundschreiben an die Landes-, Provinzial- und Dezirks-Pre sprüfungsstellen auf die Preisgestaltung der Baustoffe hin. Das Rundschreiben enthält Richtlinien für ein Eingreifen der Preis- pcüfungsstel.en und Anleitungen zur Rachprüfung verschiedener Daustvfsp.eise. Hierzu richtet der preuhischs Minister Les Innern, dem Amtlichen bceuhischen Pressedienst zufolge, an die Landes- und OrtspvlizeibehöcLen das Ersuchen, im Ein- vernchmen mit be i mittleren Prcisprufungsstellen cntfbredjenb vorzugchm, falls ihnen Fälle un« a. gem.ßcner Preisgestaltung bei Baustoffen zur Kenntnis kommen.
* Schrammsche Lack- und Farbenfabriken vvrm Ehr. Schramm L Hörner A.-G., Offenbach Die G.-V. der Ge- sellschvst beschloß, für das abgelaufene Geschäfts- fahr keine Dioidende zu verteilen, unb entlastetc Aufsichtsrat und Dorste.nd. Dec Reingewinn von 1486 Dill. Mk. wird auf neue Rechnung vorge- tragen. Mit der Fa. Lackfabriken unb Rivalin- werke ist eine Fusion erfolgt, so daß bie Gesellschaft jetzt firmiert: Schramm und Megerle Lack- und- Färbens ad rrkrn A.-G., Offenbach Mtt der Fusion erfolgte die Auinähme der Herren Dr. Megerle und W. Haller in den Vorstand: in Friedberg bleibt eine Zweigniederlassung bestehen. Beide Werke dec Gesellschaft feien int ab- geiaufernen Geschäftsjahr gut beschäftigt gewesen.
• Philipp Holzmann A.-G. Frankfurt am Main. Die Gesellschaft erzielte im Geschäftsjahr 1923 nach Abschreibungen von 3 305 947 138 502 655 Mt. (41971713 Mk.) einen Reingewinn von 254 532 033 692 650 129 Mark (39 003 332 Mk.), dec auf neue Rechnung vorgetragen werden soll, abzüglich einer evtl, zu be. schließenden Vergütung für den Aufsichtsrat. (45 ..............■■■■Ml HU IH I I II« nr.irr- n | >| mb IIBII—Mwr
MSMöKWüO-khgil.
Ein Roman aus dem 21. Iahrhundert von Hans Dominik.
85. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Verfl . .!" preßte Fox durch die Zähne und "warf einen Blick auf seinen Begleiter.
Avenl Lowdale war erblaßt. Trotz feiner äußeren Anbeweglichkeit war seine Aufregung unverkennbar. Ein düsteres Feuer brannte in seinen Augen.
Fox hatte ihn sofort begrif en
„®u siehst, Helen, daß wir sofort zurück müssen." . _
Er wandte sich zu Francis Garvm.
„Sie werden sich unverzüglich mit 5)eien auf Ihre Jacht begeben? Das Bewußtsein, daß Sie mtt Helen außer Gefahr sind, wurde mich sehr
„Ich werde Ihrem Wunsch willfahren, Mr. Fox, obwohl es mir schwer fällt, vor dieser Kanaille aus Garvins Palace zu flwhen.
„Danke, Mr. Garvin! Leb Wohl, ^elen!
&r zog sie an sich und küßte ihr die tränen von den Wangen. ., . ,.
„Keine Angst, Helen! Du hast mich fo oft Ankraut gescholten, daß du jetzt auch an das Sprichwort von jenem edlen Kraut glauben muyt.
„Wellington! . . . Wellington!"
Helen sah unter Tränen lächelnd ihrem Verlobten nach. Dann hörte sie den Wagen anfahren. Doch ein Winken der Insassen, und dann war er um eine Wegbiegung verschwunden.
Während die Hauptmasse des aufgehehten Pöbels sicd noch in wechselvollem Kampfe mit
den weißen S wßtcupps beim Plündern der Läden in den großen Geschäftsstraßen aufhielt, war eine offenbar besonders gut dressierte Gruppe, die unter einem außergewöhnlich gerissenen Führer zu stehen schien, bereits ohne Zeitverlust und ganz überraschend durch unbewachte Seitenstraßen in das Viertel von Rvb Hill eingebrochen. Bereits hatten sie fast ungehindert, nur mit vereinzeltem Widerstand der Bewohner kämpfend, eine Reihe reicher Privaihäuser ausgeräumt. Die Kostbarkeit ihrer Beute sprach für die Richtigkeit ihres Planes, der nach den Anweisungen des Führers streng systematisch durchgeführt wurde.
Erst als sie sich dem Hause von John Deweh näherten, weigerten sich die Farbigen aus Der Bande, hier mitzumachen. Rach kurzem, erregtem Wortwechsel trennte sich die Gesellschaft. Die meisten Farbigen zogen weiter, während dec Rest mit dem weihen Gesindel in Deweys Haus ein- drang.
DaL verschlossene Tvr war schnell erbrochen. In der großen Halle des Erdgeschosses trat ihnen Hohn Dewey entgegen, während eine kleine Gruppe Bedienter sich ängsllich im Hintergründe verhielt.
„BSas soll das? . . . Was wollen Sie hier?" Drohend aufgerichtet stand er vor den Eindringlingen. Seine Augen schossen zornige Blitze.
Einen Augenblick stutzte der Haufe.
„Einen tleinen Zehrpfennig für die Reise!" erscholl es da aus dem Hintergründe.
Deweh richtete seine Augen auf den Sprecher.
„Was? . . . ©le, Mr. Cameron? . . . Sie hier unter diesen Räubern, Plünderern?"
„Sehr wohl, Mr. Deweh!"
Collin Cameron war ein paar Schritte voc- getreten und stand dicht vor dem Hausherrn. Mit einem kalten Hohnlächeln weidete er sich an der grenzenlosen Aeberraschung Deweys. Dis Maske des Gentlemans war von ihm abgefallen. Sein Gesicht war das des großen Verbrechers.
„Sehr wohl, Mr. Dewey! Rachdem unsere gemeinsamen Transaktionen nicht den gewünschten Erfolg gehabt haben, sehe ich mich genötigt, meinen Teil am Geschäfte zu liquidieren. Da von dem bankrotten Haupthause in Peking nichts zu erwarten ist, muh ich mich an den noch zah- lucgl fähigen Sozius ... an das Haus Dewey halten ... Da ich für Schecks in meiner augenblicklichen Lage keine Verwendung habe, möchte ich Sie ersuchen, die Rechnung in bar zu begleichen."
John Deweh stand starr. Mit einem Blick unsäglicher Verachtung maß er den Gegner. Collin Cameron hielt den Blick kühl lächelnd aus.
„Mit Rücksicht auf unsere früheren angenehmen Beziehungen bin ich bereit die Angelegen- cheit kulant zu erledigen. Ich wünsche nichts als tca Schmuckkasten Ihrer Tochter ... Sie selbst waren ja stets ein Verächter des glitzernden tt.an- tzes Aber auch auf diesen Kasten würde ich soaar verzichten, wenn Sie mir den Preis dafür, den ich billig mit zehn Millionen Dollar taxiere in b.ir erlegen . . Sie sehen, ich bin bescheiden.
Dewey hatte die höhnische Suada Collin Camerons zunächst mit beherrschter Ruhe an- aebört Erst als der Rame seines Kindes fiel, stieg eine dunkle Röte in sein Gesicht. In dem Auae.iblick, in dem Collin Cameron seine Worte mit einer ironischen Verbeugung schloß, stürmte er mit geballten Fäusten auf ibn los.
„Hund! . . . Hund, du . . .!"
Ein schallender Schlag seiner Rechten traf die Wange Collin Camerons.
Im selben Augenblick war Dewey von einem Dutzend kräftiger Arme gepackt und zu Boden geschleudert. In rasender Wut hatte Colsin Ca- > mecon eine Schuhwaffe gezogen und zielte auf den Daliegenden. Im letzten Augenblick besann er sich unb steckte sie mit einem Fluche wieder zu sich.
„Vorwärts!" rief er feinen Kumpanen zu „Rehmt, was ihr findet!"
Mit schnellen Sprüngen eilte er allen voran die Treppe empor. Während die meisten seiner Begleiter sich in den ausgedehnten Räumen zerstreuten, schritt er mit sicherer Ortskenntnis nach den Zimmern von Florence.
Durch den Lärm aufmerksam geworden, trat Florence ihm an der Tür entgegen. Fassungslos sah sie auf Collin Cameron und die wüsten Gestalten seiner Begleitung.
„Was ist? . . . Was geht hier vor? . Wo ist mein Vater?"
Mit tiefem Erblassen wandte sie sich an den durch sein elegantes Aeußere von der übrigen Bande so merkwürdig abstechenden Cameron.
„Ihren Schmuckkasten. Mih Dewey ... Etwas schnell, wenn ich bitten darf. Wir sind in Eile!"
„Mein Vater! . . . Wo ist mein Vater? . . Sie haben ihn getötet!"
Mit einem Schreckensschrei suchte sie an Collin Cameron vorbeizukommen, um nach unten zu eilen.
(Fortsetzung folgt)


