Ausgabe 
1.12.1924
 
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nannten-Ueilarranlmig tm GewerffchaftshvuS rtane sich gegen ihn: bis jetzt frohe et aber noch nichts vom Gericht oder von einem Vorgehen vm einer andern Seite her gehört. Der Redner polemisierte hierauf eingehend gegen die Deutschnationalen, llnfete auswärtige Lage sei nicht derart, dah wir mit der starken Faust drohen könnten: das mache uidS lächerlich. Die Deutschnationalen hätten das Dawes-Gutachten bekämpft, sie hatten aber keinen aiDern Weg gezeigt, der für uns gangbar ge­wesen wäre, wenn wir das Dawes-Gutachten ab- gelehnt und dann die ganze Welt gegen uns ge­habt hätten. Der Weg unserer Außenpolitik sei allerdings nicht begeisternd, aber mit begeiste­rungsvollen Reden fei uns auch nicht geholfen, wenn keine Taten dahinterstanden. Aber nicht nur wegen ihrer außenpolitischen, sondern auch wegen ihrer innenpolitischen Einstellung seien die Deutschnationalen vom Reichsbanner Schwarz- Rot-Gvtd zu bekämpfen. Rach den Erfahrungen, die man bisher mit dieser Partei gemacht habe, bedanke man sich für deren Mitarbeit. Weiter polemisierte der Roaner gegen die Deutsche Volks- Partei, die jetzt nur unter einem andern Rainen die Erfüllungspvlitik betreibe, wie andere vor­her. Ferner wandle sich der Redner gegen Str es e- maim und Dr. Decker, deren politische Haltung nach der Ansicht des Redners zu allerlei Bean- staiidungen Anlaß gibt. Zum Schluß galt seine Polemik wieder Prof. Dr. Werner. Wenn dieser heute sage, jetzt gelte der Fuhrmannsgrundsatz Rechts wird gefahren", so sage er, der andere Fuhrmannsgrundsatz gelteUnb links wird über» holt". (Lebhafter Beifall.)

Als zweiter Referent sprach der Polizei- Hauptmann Heinrich- Frankfurt a M. 3m ersten Teil seiner Rede hob er besonders hervor, es gelte jetzt, stärker als bisher den republi­kanischen Staatsgedanken zu vertreten, wonach alle Macht vom Volke ausgehe und der Staat so regiert werden müsse, wie die Mehrheit des Volkes es wolle. Der Redner polemisierte bann eingehend gegen die Deutschnationalen. Zur Ab­wehr sei die Reichsbanner-Bewegung entstan­den, der heute über 3 Millionen alte Soldaten angefrnrten. Die Ziele des Reichsbanners seien Einheit, Freiheit, Vaterland. Zur Erreichung der Einheit verlange man die Beseitigung aller bun­desstaatlichen Grenzen innerhalb Deutschlands, die Länder sollten Reichsprovinzen werden mit Selbstverwaltung, aber unter einer Regierung des deutschen Einheitsstaates. Die Freiheit im Innern müsse gegen alle Reaktion durchgeseht werden, die Freiheit nach außen hin sei nicht durch Krieg, sondern durch friedliche Verständi­gung, und zwar mittels Eintritt in den Völker­bund und dessen Ausgestaltung von derheu­tigen Mißgeburt" zu einem wirklichen Völker­bund zu erreichen. Von diesem neuen Völkerbund müßten wir die Wiederherstellung des miß­achteten deutschen Selbstbestimmungsrechts for- bern. Ebenso müßten wir dort die Kriegsschuld­frage zur Sprache bringen, denn die Schuld am Kriege sei auch in den andern Staaten,, und zwar bei allen Imperialisten und Mili­taristen zu suchen. Vaterland: der Staat müsse sozial so ausgebaut werden, daß jedem Bürger eine anständige Lebensmöglichkeit gewährt werde. Weiter gelte es, die Jugend noch mehr als bis­her für die Reichsbanner-Bewegung zu gewin­nen. und alle Republikaner ^usammenzufassen zum Schuhe der Republik und deren Farben Schwarz-Rot-Gvld. (Stürmischer Beifall.)

Die Versammlung unterstützte sodann eine Kundgebung zugunsten Fechenbachs, dessen sofortige Befreiung aus dem Zuchthaus von bei*- bayerischen Regierung gefordert wurde, da Fechenbach unschuldig sei. Rachdem einige Dis­kussionsredner im Sinne der Versammlung ge­sprochen hatten, wurde diese mit einem Hoch auf die Republik und das Reichsbanner ge­schlossen.

Gerichtssaal.

' Ein vielbersprechender Lebejüngling.

K. Frankfurt a. M., 29. Rov. Celli) de Rheidt hat einst mit ihren Rakllänze innen in Berlin viel Staub aufgewirbelt. Dieser Staub, der sch bei ihrem Auftreten längst gelegt hat, wirbelte aber von Frankfurt aus hinter ihr her in einer An gelegen hüt, an der Frau Ce ly und ihre Tänzerinnen allerdings unschuldig waren. Die grüne Jugend des siebzehnjährigen Sohnes eines Berliner Iustizrates wurde durch die tanzenden Damen so angeregt, dah er fast jeden Abend in dem Lokal zubrachte, in dem sie hier in Frcnrkfurt auftraten. Der junge ©ent sollte eigentlich in einer hiesigen Leder­fabrik volontieren, zog es aber vor, mit dem väterlichen Wchsel und einem schwarz, einge­faßten Monokel den abgeklärten Lebemann zu spielen, der immer an der Temperatur deZ Sekts zu monieren verpflichtet ist. Als bei diesem fort­gesetzten Lebenswnndel das Kleingeld aus­ging, borgte der E nfcrmcier des Untermehrens, und der Jüngling brachte ihm dafür ein kost­bares Kollier, das er seiner Schwester, einer in Frankfurt wohnenden reichen Dame, entwendet hatte. Der Confercnrer verkaufte den Schmuck für 6500 Mark, von d?n n er dem Leb'jüngling 12 0 0 Mark gab, wäh end er den bescheidenen Rest für Zechschulden ausaelegt haben will. Der Conferencier kam deshalb wegen Hehlerei vor Gericht, während g'gen den jungen Freimd der Tänzerinnen von seinen Ver­wandten kein Strafani ag g.«stellt war. Er stand jetzt als nüchterne Alltagsfigur als Zeuge vor dem Gericht, das den Conferencier wegen Hehlerei zu neun Monaten Gefängn iS verurteilte, weil er nach den Umständen hät e wissen müssen, daß der Schmuck gestohlen war. Für seinen hoffnungsvollen Sprößling wird der Berliner Iustizral wohl selbst den Staatsanwalt spielen.

Wirtschaft.

Die Deutsche

Rentenbank-KreditQnstalt.

Dem Reichsrate ist, wie wir hören, vor wenigen Togen der Entwurf über die Errich­tung derDeutschen-Rentenbant-KrL- ditanstalt" nebst Begründung dazu, sowie ein vorläufiger Entwurf der Satzung der Anstalt vom Reichsernährungsmimsterium zur Beratung übermittelt worden. .....

Als'A s>-abe der Anstalt, bie als puristische Person des öffentlichen Rechts mit dun Sitze m Berlin gedacht ist, ist in § 2 beö Entwurfs bte Beschaffung und Gewähr ungvon Krediten für Zwecke der deutschen

van Dtotr tfcpaTi unter Ttnfqfiu V de r Förderung der landwirtschaftlichen Bodenkultur genannt. Rach näherer Be­stimmung der Satzung ist die Anstalt befugt, fol­gende Geschäfte zu betreiben: I. Zinsbare Dar­lehen zu gewähren an: a) die nachgenannten Kreditinstitute zum Zwecke der Versorgung der deutschen Landwirtschaft mit Real- und P e r- sonalkredit: 1. Preußische Zentralgenossen­schaftskasse: 2. eine zentrale Stelle der land­wirtschaftlichen Danken: 3. die Dankanstalt der dem Verbände deutscher öffentlich-rechtlicher Kre­ditanstalten angeschlofsenen Institute: 4. die Staatsbanken der Länder: 5. die deutsche Giro­zentrale und die Privatnvtenbanken der Länder Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden: b) an die Länder und an die von der Reichs­regierung oder von den Landesregierungen be­zeichneten Organisationen für Zwecke der För­derung der landwirtschaftlichen Bodenkultur. II. Schuldverschreibungen auf den Inhaber nach näherer Vorschrift auszugeben: III. Darlehen unter Ausschluß des Depositen- und Scheckvrrk hrs auf­zunehmen: IV. Devisen zu kaufen und zu ver­kaufen, soweit dies zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich ist: V. verfügbare Kassenbestände durch kurzfristige Anlage bei sicheren Dankfirmen nutzbar zu machen.

Die Deutsche Renterrbank-Kreditanstalt steht unter Aufsicht des Reiches.

Das Kapital der Deutschen Rentenbank-Kre­ditanstalt toirb aus den ihr bei der Errichtung gemäß § 9 des Gesetzes über die Liquidierung des Umlaufs an Rentenbankscheinen von der Deutschen Rentenbank überwiesenen Mitteln ge­bildet.

Die Organisation der Rerrtanbank- Kreditan- stalt wird durch die Satzung geregelt, die einen Vorstand, einen Verwalt ungsrat und eine An- staltsversammluna (110 Mitglieder, die durch den Deutschen LanbwrrtschaftZrat, den Reichslandband, die Vereinigung der deutschen Bauernvereine, dem Reichsverband der deutschen landw. Genossen­schaften und den Generalverband der Ra. ffei.en- gen offen schäften bestellt werden) vorsieht. Der Verwattungsrcrt besieht aus dem Vorsitzenden, 11 von der Anstaltsversammlung berufenen u.rd 8 von dem Reichsrate bestellten Personen. Vor­sitzender des Derwaltungsrats ist der Präsident der Deutschen Rentenbank. Rach Beendigung der Liquidation der Deutschen Rentenbank wird der Vorsitzende vom Derwallungsrat gewählt. Die Wahl bedarf der Genehmigung der Reichsregie­rung unter Zustimmung des Reichsrals.

Soweit der Reingewinn nicht zur Erhöhung des Kapitals und zu satzungsmäßigen Rücklagen und Sonderrücklagen verwwendet wird, bedarf die Bestimmung über die Verwendung des Rein­gewinns der Genehmigung der Reichsregierung. Der Reingewinn darf nur für landwirtschaftliche Zwecke verwendet werden.

Die von der Anstatt zur Beschaffung von Mitteln zur Kreditgewährung für die Landwirt­schaft auszugebendm Jnhaberfchuldverfch Reibun­gen, deren Höhe der Genehmigung der Reichs­regierung bedarf, müssen gedeckt fein durch Pfand­briefe staatlicher, landschaftlich'r, kommunaler ober anderer unter staatlicher Aufsicht stehender Do- denkredttinstitute Deutschlands oder durch Hypo­theken an inländischen land- und forstwirtschaft­lichen Grundstücken, die für die m der Satzung bezeichneten Ärebitinflttute bestellt sind.

*

Ab 1. Dezember in Berlin Effek­tennotierung in Reichsmark. Der Ber­liner Dörsenvorstand hat lautVossischer Ztg." beschlossen, die Umstellung der Kursnotierungen auf die neue Reichsmark mit dem 1. Dtzemoer eintreten zu lassen. Die anderen deutschen Börsen­plätze werden in Uebereinstimmung damit ver­fahren. Die Aktiennotierungen werden auf eine Mark für 100 Mark lauten. Einige, so die öster­reichischen Bankaktien, werden in Mark pro Stück notiert werden. Auf dem fflaifi der festverzins­lichen Werte werden von der Markprozentnotiz die ganz geringwertigen deutschen Papiere eine Ausnahme machen: sie werden in Mark pro Mil­lion oder pro Milliarde notieren. Die Kriegsan­leihe wird.in Markprozent notiert werden, im übrigen aber gegen den jetzigen Zustand eine Aen- derung dahin erfahren, daß die geringsten Schwankungen, die zur Rotiz kommen, 0,005 Proz. sein werden. Die Tagesschwankungen können dann z. B. nur noch auf 0,833, 0,835, 0.825 (nicht auf 0,830. 0,832, 0,834) lauten. Dasselbe glt für die anderen variabel gehandelten heimischen Renten.

*DieGrohhanbelsinbexziffer. Die auf den Stthtag bes 26. Rovern 'ec berechne e Grohhandelsindexzifser des Stati i chen Reiu.s- amts ist g genüber dem San e vom 18 Rovern» der (128,4) um 0,5 v. H. auf 129,0 geft le gen. Hoher lagen namentlich die Pvei e für Ge i\i e, Butter, Baumwollgarn, Hanf, Wolle und die Mineralöle Ge unten sind die Preise für R nd- und Schweinefleisch, Ochshäute und Kalbfelle, Baumwolle und Juto sowie für die meist m Richt- eisenm tolle. Von den Haupt g uppen siegen die Lebensmittel von 123,4 auf 124,2 oder um 0,6 Prozent und die Industriestofse von 137,7 auf 137,9 ober um 0,1 Prozent.

O Richtlinien für die Ausnahme von Auslandkrediten durch öffent­liche Verbände. Wie uns mitgeteitt wird, hat die am 8. Rovember in Berlin abgehaltene Besprechung des Re.chsfinanzministers mit den Landesf in anzminist ern über die Aufnahme von Auslandkrediten durch öffent­liche Verbände zur Einsetzung eines Ausschusses geführt, der zur Zeit damit bcschäft gt ist, Richtlinien auszuarbeit n. die den Geg instand e nee Cßerecnbanrng zwischen dem Reich und den Landesregierungen bilden und für d e Ausnahme von Auslandkrediten durch Reich, Länder und Gemeinden maßgebend sein sollen. Diese Richtlinien werden sich auch aus die ileber- nahme von Bürgschaften oder Sicherheiten der genannter, öffentlichen Verbände für Ausland- frebite erstrecken.

Buntes Allerlei.

Zur Argeschichte des Werkzeugs.

Wie im allgemeinen die Grundelemente un­serer Kultur bis auf die Urzeiten der Mensch­heit zurückgehn, so läßt sich auch die Entwicklung der Werkzeuge bis auf die Urgeschichte dev Menschheit zurückverfolgen. Die Entstehung der ersten Werkzeuge ift wohl mehr ein Finden als ein Erfinden Zwar war wohl schon in den ältesten Zeiten zur Anwendung unb vor allem -u einer nur einigermaßen Zweckmäßigen An-

toenDung »v «lfgeftmvenen und an gewendeten Werkzeuge ein gewrsses Rachdenken der Menschen erforderlich, aber im wesentlichen war die Be­nutzung der ersten Werkzeuge doch mehr von den vorhandenen Materialien als von den be­wußten Einwirken der Menschen abhängig. Die Werkzeuge aus der tlrgeschichte der Menschhert waren zunächst nur eil« Verstärkung und Ver­längerung ber menschlichen Organe. Die Be­nutzung eines Steines zum Aufklopfen oder Zer­kleinern von Früchten entsprang aus der Er» kenntnis und aus ber Erfahrung, daß ein Stem in der Faust besser den angestrebten Zweck er­reicht als die Faust allein. Die Erfahrung lley weiter erkennen, daß mit einem gestielten Stern besser zugeschlagen werden Bann als mit einem Stein, ber nur in ber Faust ruht. Es wurde auch bekannt, daß sich Splitter von Stern und hartem Holz besser zum Graben, Schaben und Bohren eignen als dre Finger und bte Singer» nägel. Das. was bie Menschen als Httfsmtttel vorfanden, konnte sowohl als Axt, Meißel Keil und Beil, wie auch als Hammer, Hacke, ulabti usw. benutzt werden, aus dem Mineralreich Steine zum Schlagen und Hämmern, zum Graben, Schaben, Zerkleinern und Schnerden, aus dem Tierreich Gehörne, Zähne unb Krallen zu den verschiedensten Zwecken, aus dem Pflanzenreich Stücke ebenfalls zum Graben, Schaben und vor­züglich zum Feueranmachen. Aus ber Zeit des Findens von Werkzeugen entwickelte sich bie Zeit des Erfindens. Zunächst wurden gewiß auch nur einfache Werkzeuge erfunden. Rachdem er­kannt worden war, dah sich das Schwert des Sägefisches, wie bas noch heute bei verschiedenen Raturvölkern ber Fall ist, als Werkzeug benutzen läßt, wurden auch Aachahmungen aus Holz an­gefertigt. Mil der Weiterentwicklung des Er­findens, mit ber besseren Materialkenntnis unb der besseren Anpassung an die vorhandenen Mittel wurden auch die Werkzeuge spezialisiert.. Wo vorher ein Werkzeug benutzt worben war, konnten nachher drei, vier und noch mehr ver­wendet werden. Alle die einfachen Werkzeuge, die wir aus der älrgeschichte der Menschhett kennen, finden wir noch heute bei vielen Volks­stämmen im Norden und Süden, in den Schnee- und Eisregivnen und unter der heißen Sonne Afrikas. So ist uns auch die Möglichkeit ge­geben, den weiten Weg von. den einfachsten Wertzeugen bis zu den heutigen Riefenmaschinen unb ben feinsten potischen Instrumenten mit eigenem Auge za beobachten.

Aberglaube bei Jagern und Wilderern.

Richt umsonst spricht man von einem Jäger­latein, denn wenn man so manchem alten Iägev und Förster an seinem Stammtisch zuhört, so können einem die Haare zu Berge stehen. Ich habe im vergangenen Jahre verschiedene Male in Darzem einem Förster zugehört, der konnte allein von seinen Hunden Geschichten erzählen, daß man glauben muhte, ein jeder seiner Hunde hätte mindestens Forstmeister werden müssen, so klug waren diese Tiere. Aber die Jäger und Förster sprechen nicht nur ihr Jägerlatein, auch ber Aberglaube spielt bei ihnen eine große Rolle, und noch mehr tritt dies hervor bei den Wilderern. Daß es ein unangenehmer Tag wird, wenn einem Jäger gleich am frühen Morgen ein altes Weib begegnet, ist ganz sicher. Besonders abergläubische Jäger machst deshalb einen weiten Dogen, wenn ihnen am Morgen ein altes Weiblein begegnet, und alte Weiblein, die den Förster nicht erzürnen wollen, verstecken sich mit ihrem Korb voll gesammelten Holzes hinter einem dichten Dusch, wenn sie den Förster von weitem herankommen sehen. Dagegen soll die Begegnung mit einem jungen Mädchen Glück bringen. Ein guter Iagdtag soll auch bevorstehen, wenn der Jäger am frühen Morgen vor Ver­lassen seines Hauses dreimal mit dem Gewehr­kolben auf stößt. Auch das Ueberfpringen des Gewehrlaufes durch ein Mädchen bringt Weid­mannsheil. Gewerbsmäßige Wilderer sind be­sonders abergläubisch Sie tragen fast alle A.nu- lette bei sich, die Jagdbeute beim Wildern unb Sicherheit vor der Rachstellung der Forstbeamten bringen sollen. Auch Kugeln, die in ber G- lvestcr- nacht gegossen sind und in« der Tasche getragen werden, sollen ix>r Entdeckung schützen, ebenso wie kleine zurechtgeschnitzte Gegenstände aus ber Farnkrautwurzel. Roch viel zahlre cher sind die Bräuche der Wilderer auf Treffsicherheit der Kugeln. Rur wenn alle abergläub scheu Bräuche, die mit der Zeit der Jahreswende unb beu Johannisnacht zusammenhängen, genau befolgt werden, trifft bie Kugel immer unb der Wilderer ist vor dem Ertapptwerben geschützt. Wird trotz­dem ein Wilderer gefaßt, so rührt dieses nicht daher, daß er unvorsichtig war, sondern bas ist bann nur ein Beweis dafür, dah die alten Bräuche nicht genau genug befolgt worden sind.

Büchertisch.

Vereinigter Musikerkalender Hesse Stern, 47. Jahrgang 1925. 3 Bände. Preis 4,50 Mk. Max Hesses Verlag, Berlin W. 15. Rechtzeitig ist ber neue Jahrgang des bewährten Handbuches der musikalischen Welt inhaltlich wesentlich verbessert unb vermehrt er­schienen. Die Lebensdaten berühmter Musiker werben ebenso wie bie Aufstellungspläne für Chor unb Orchester jedem Dirigenten willkommene Hilfsmittel für Programm und Probe sein. Alles Wissenswerte über das Musikleben in mehr als 450 Städten des In- unb Ausla.rdeS umfassen bie beiden starken Textbände. Auch ber neue Jahr­gang, der angesichts seines überreichen Inhalts und seiner vollständig friebensmäßigen Aus­stattung sehr preiswert ist, wirb jedem unent­behrlich fein, ber irgendwie zum lllkusikleben in Beziehung steht. 1428

Der Sinn der völkischen Sen­dung. Don Gustav Sondermann. I. F. Lehmanns Verlag. 1427

»Der Erfolg im Leben". Ein Buch für ftr?b tarne Lm.e Von Heinrich Schwarz Sechste Auslage. Preis 3 Mk. Gerade in un e er Seit ter wirtz Gastlichen und darum oft auch see­lischen Depression ist ein Buch wie dieses eine willkommene Er ch inung. Verlag Heinr. Schwarz Breslau, Goethelkratze. 14C6

Das Weihnachtsheft ber kritischen Monats- sch'-nft i« schöne L i t e r a t u r" ( Verlag Ed, Aver.a. ius, Leipzig» ist besonders für uns He scm interessant durch den dem leider fcunn bekannten, Tächter, Albert H. Rausch g urt meei Aufsatz. Cie . Weih achtsbücher-Li ie bringt eine ortgi» nelle Auswahl der Reueri cheirrungen. 1411

- D i e Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst. Vierteljährlich 6 Mk. Mün-

<5 Druckmann A-G Einem interessanten Rmrbbck zum 85. Geburtstag des inzwischen ver- ßorbenen Meisters Hans Thoma von Professor 1 Deringer schließt sich als erster ber illu­

strierte Auffay Wer Den '«wyauer Frttz Huf tm. Gin zweiter illustrierter Aussatz behandett bte 14. Internattonale Kunstausstellung fen Venedig. Es folgen dann Architektur und Iirnenräume der! Architekten Paul Mebes-Derlin unb E Haiger trt München, ein Aufsatz über islamische Buchetw- bände, ein solcher über attische ©rabnafen und endlich eine entzückende kleine Publikation- über bte zarten phantastischen Gebilde aus Glas ber Werb­stätteBimini" in Wien. Alle Abbildungen ftnÜ mit großem Geschmack gewählt unb die Wieder­gabe ist unübertrefflich, wie wir e8 bei dieser Zeitschrift gewöhnt sind. 1361

Von namhaften österreichischen Dichtem werden folgende neue Bücher angekünbigt:Die Salige", Roman von Rudolf Hans Bartsch; Der Weg zu Oswalda", eine Erzählung von Franz Karl Ginzkeh: .Der Wunderapostel". Roman von Hans Sterneber unb .Die So­nette aus dem Italienischen" von Anton Wild­gans, sämtlich im Verlage von L. Staakmam» in Leipzig.

O le deutschen Landschaf t en un d Stämme" macht Profeffor Dr. 2t Kirch­hoff zum Gegenstand einer tiefgründigen geo­graphischen Studie, die in der fesselnden, jeder­mann verständlichen Darstellungsweise des Ver­fassers, unterstützt von ausgezeichnetem Bilder- material, wohl geeignet ift, ben Sinn für bie Schön­heiten ber deutschen Hetmat zu wecken unb geo­graphisches Schauen zu lehren. (Verlag beS Bibliographischen Instituts in Leipzig) 1237 In ber Geschichtsschreibung ber Rheinland- besehung nimmt das .Ryeinlanbtagebuch" des Generals Henry 3. Allen (Verlag R. Hobbing, Berlin) eine besondere Stelle ern. ES ift das einzige bemerkenswerte Sofument von gegne­rischer Seite, bas die skanbalüfen Vorgänge am Rhein unb an ber Ruhr mit größter Objektivität betrachtet. 2Men, ber als Leider der deutschen Kinderfül-sorge in Amerika später dem deutschen Volk in seinen Kindern ungezählte Wohitaten er­wiesen hat. war vom Präsidenten Wllson zum Obettoinmanbierenben der amerikanischen De- sahungstruppen am Rhein mit dem Sih In Koblenz ernannt worden. Es war ein schwieriger Posten, dem sich der im Kriege erprobte Gene­ral mit anerkennenswertem Takt vollauf ge­wachsen zeigte. Die größten Hemmungen bot daS Verhalten der französischen Verbündeten, deren Annexionspolitik am Rhein der General scharf herausstellt und die er stets hart verurteilt. Diese politische Seite des Buches interessiert naturgemäß in Deutschland am mästen. Daneben erzählen ganze Kap.tel von dem milttärischen Leben ber Ententearmeen am Rhein mit pompösen Paraden, großen Routs. F '"teffvn u. a., mit denen die Herren ihre Siege Jahre hindurch feierten.

M ein ni eder sächsisches Buch" nennt Otto Web-r, der verdien st v lle Lönsforschec eine Sammlung schöner Ralutschilderungen. Liebe- doll grseh.m, warm empfunden unb erzäytt, farbig und weich in Ton ersteht die Heide vor uns, bei . Wald, Strand unb See. Auch die Zeichnungen Sondetmanns sind auf bie gl ichen Stimmungen eingestellt. (Verlag H. G. Rathgens in Lübeck.)

1284

Der Ioggeli. Erzählung von W'llhelm Speck. Verlag Martin Wameck, Berlin. . . mitten unter der blühenden Jugend, aber auch ein weißhaariges Männchen, ru.izlig schon unb etwas gebeugt, aber mit Hellen unb freund­lichen Augen. Das ist der Ioggeli . . ." Unb diese Hellen und freundlichen Augen, die dem Ioggeli geblieben sind trotz allem schweren Er­leben ^ino trotz allem Herzeleid, das auch über feinen Lebensweg gegangen ist, bie sind es, die dem Leser bas Heine Büchlein von Wilhelm SpecksIogelli" immer wieder lieb machen. 1288

Emil L. Jordan,Schwung unb Funken. Ein Buch vom frohen Herrenfahren". Mit Dilderschmuck unb einer handkolorierten Ein­bandzeichnung von Prof. Dr. Heroux. Verlag E. Haberland, Leipzig. Alle F?eunde des Kraft­wagens werden bas Büchlein mit seinen frischen unb fröhlichen Skizzen freudig begrüßen. Man ist beim Lesen dieser treffenden Momentbilder im Zweifel, ob bei ben geschilderten Kraslfahrtouren kreuz uno quer durch Deutschland das Sausen der Fahrt, bie Schönheit der Ratur oder bie hüb­schen kleinen Erlebnisse bas Retzvollste sind. Pros. Heroux schwungvolle Feberzeichnmrgen passen sich glücklich dem Ganzen an. 1348

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Kreisdirektor v. Dechlold t-

tm. Offen bach, 29. Rov. (Privat-Tel.) Der Kreisbirektor des Kreises Ofenbach. Friedrich von Dechtolb, ist h.rrte m»Ht im Alter von 58 Jahren nach achttägiger Krankheit an einer - doppelseitigen lÄrngenentzünbung ge­storben.

Friedrich von Bechtold beftanb sein Staats­examen 1889, trat dann in den Staatsdienst und wurde im Jahre 1896 Vorstand des Polizei­amtes Gießen, im Jahre 1898 Kreisamt- rnann in Friedberg, verwaltete vorübergehend auch die Pvltzei in Bab-Rauheim, wurde 1904 Kreisamtmann in Lauterbach, erhell 1905 den Titel Regierungsvat unb wurde 1906 Kreisvtt in Lauterbach. 1913 kam er als Krcisdirektor nach Atzeh, machte den Feldzug an ber Front mit, wurde 1923 zum Kreisdirektor in Ostenbach er­nannt. Er hinterläßt die Witwe und 3 Kinder. Friedrich von Bechtold war allgemein als pflicht­treuer und ttichtiger Beamter beliebt und von seinen Vorgesetzten unb Kollegen sehr geschätzt.

beleuchtet sein.

Blendung sfreies Licht erhöht die Arbeitsleißung.

-Rampen tu* tßicfct