Montag, I. Dezember 192)
Stetzener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Tvertze^en)
Ur. 285 Swettes vlatt
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Mädchenbildungsfragen
Der Allgemeine Deutsche Lehre- I rinnenverein, der mehr alS 30000 Lehre- . rinnen in allen deutschen Ländern umfaßt, Dielt im Oktober seine GesamtvorstandSsitzung in Kassel ab. Stroa 40 Dertreterinnen, Lefae- rinnen aller Kategorien, waren erschienen. Denen organisatorischen wurden cruSfühttich pädagogische und schulpvlitische Fragen befranbefa die zu einer Reihe wichtiger Gnrschliehungen führten.
Für ©leben ist darunter eine besonders bemerkenswert, die sich mit der Weiterbildung der Mädchen besaht. ES heiht in ihr: Der Gesamtvorstand deS A. D. L V. bedauert, dah in weiten Kreisen der Elternschaft noch nicht genügend Verständnis für die über das 16. Lebensjahr hinausgehende Bildung der Mädchen in der Oberstufe der höheren Mädchenschulen besteht. Das Reifezeugnis gibt nicht nur die Berechtigung zum Hochschulstudium, sondern ist auch die Dorbedin- gung für jede Lehrerinnenbildung und nach Auflösung der allen Oberlyzeen un2> der Lehrerinnenseminare besteht die grobe Gefahr, dah im gegebenen Augenblick nicht eine genügende Zahl von Abiturientinnen vorhanden ist. Der A. D L. D. bittet daher die Behörden, auf die Rotwendigkeit der abgeschlos- lenen höheren Bildung der stlläbchen in I weitem Umfange nachdrücklichst hinzuweisen.
Eine weitere Entschliehung stellt mit grober | Sorge um den Wert der D.ldungsarbeit an den deutschen Schulen und die Gesundheit der deutschen Schulkinder die Höhe der durchschnittliche» Klassenfrequenz in den deutschen Ländern fest. 3n einer Zeit, in der der Gesundheitszustand unserer Schulkinder weit hinter dem durchschnittlichen Gesundheitszustand der Schulkinder auherdeutscher Länder zurück steht, so dah eine weitgehende Fürsorge des Staates und privater Verbände, ja auch des Auslandes einsetzen muhte, werden zugleich die Schulklassen derart überfüllt, dah alle Wirkung dieser Wohlfahttsbestrobungen sofort wieder zunichtegemacht ttrirb. Eine fruchtbringende, die Kräfte des Schülers entwickelnde und fördernde ErziehungS- und Unterrichtsarbeit, w-.e sie heute mehr als je Erfordernis ist, kann m überfüllten Klassen mit 50, ja mit 60 und mit | über 70 Schülern nicht geleistet werden, vor allem auch deshalb nicht, weil bie_ heutige Arbeitsbelastung der Lehrkräfte in allen deutschen Ländern untragbar ist.
Der Gesamtvorstand hielt ferner eine einheitliche Regelung der Organisation und der inneren Gestaltung der deutschen Schulen im Interesse einer national- deutschen B.ldung, sowie zur Erleichterung der Freizügigkeit zwischen den deutschen Ländern für dringend erforderlich Er bat in einer Entschliehung das ReichSministermm des Innern, diese Reg fang baldmöglichst hercheizu ühren und durch schleunige Berufung des geplanten Reichsschulbeirats eine Mitwirkung der Berufsorganisationen und Sachverstätchigen bei der reichsgcseyl.chen Regelung zu bewirken.
Stark unterstrichen wurde schliehlich das auf die Dauer unerträgliche Mihverhältnis, rn dem der An teil der Frauen an Mad- chenschulen zu dem der Männer steht. -Ser Gesamtvorstand forderte, dah an allen Schulen in denen Mädchen unterridret werden, jede Gelegenheit zur Reueinstellung von leiblichen Qcbrfcärtcn an höheren Mädchenschulen besonders von weiblichen Akadem ikern be- nüht und vor allem die Leitung der Mädchenschulen bei allen Reubesetzungen in die Hand von Frauen gelegt werde.
Südslawische Neuwahlen.
Don unserem Belgrader Korrespondenten Peter Twiel.
l/Rachdruck auch mit Quellenangabe verboten!) Belgrad, Mitte Rvvember.
Der Telegraph hat bereits gemeldet, tote die -vlitischen Dinge in Südslawien sich entwickelt haben. Rach einem ganzen Iahre krisenhaften Hin und Her, bei dem die Skupschtina kaum zu parlamentarischer Arbeit gekommen war, und bei dem auch in den Ministerien wenig nur geleistet werden formte, ist jetzt durch einen kurzen Entschluh der Krone dieses Hin und Her entschieden worden. Da sich die Parteien nicht einigen konnten, soll nun dos Dolk entscheiden. Der König gab P a s ch i t s ch und damit der Serbisch-radikalen Partei das Wahlmandat, und nun sind für den 8. Februar 1925 Reuwahlen ausgeschrieben worden.
Wit diesem Entschluh der Krone ist natürlich für das Hauptproblem dieses jungen Staates, nämlich für die endliche Versöhnung der drei diesem Staat bildenden D o l k s t e i l c oder Stämme — der Serben, Kroaten und S l o-
Hm aber auch eine Unterscheidung der Stimmzettel herbeizuführen, hat die hessische Regimung ein anderes Verfahren eingZchfagen, und zwar durch verschiedenartige Anordnung der Wahlvorschläge, so dah äuherlich der Landtagsstimmzettel von dem Reichstagsstimmzettel durch das ganz anders gearbeitete typographische DiL> auffallt. Auf dem Stimmzettel für die Reichstagswahl sind die Hamen der Parteien horizontal angeorb- net der Stimmzettel für die Land tags wohl hat eine Einteilung in Quadrate (Karree«), tote sie bet der letzten Reichstagswahl bereits durchgeführt war.
Der Wähler erhält im Wahlraum zwei Stimmzettel zugleich ausgohändiqll Reichstags- und Landtagswahl werden also in einer Handlung vollzogen. Auf beiten Stimmzetteln tverden die Parteien, die der Stimmberechtigte zu wählen wünscht, mit je einem Kreuz versehen, weshalb es notwendig ist, dah der Wähler einen Bleistift mit sich führt. Da sehr wahrscheinlich die übereinstimmende Rummerung auf den beiden Stimmzetteln nicht durchgeführt werden kann, so wird der Wähler darauf achten müssen, dah die Parteien jedesmal in einer anderen Reihenfolge erscheinen werden, die für Hessen durch die Reihen- folge der Anmeldung bei dem Landeswahlletter und für das Reich von dem Reichswahlleiter und, in liebereinst immung damit, von dem Kreis- wahlleiter festgesetzt worden ist.
Im grohen und ganzen stimmt also jetzt der i äuhere Wahlgang fast ganz mit dem Verfahren überein das bereits bei der letzten Reichstagswahl angewendet wurde, das bekanntlich von Amerika übernommen worden ist und sich dort wie hier bewährt hat. Auch die Ermittlung der Wahlergebnisse wird in derselben Weise tote bei der Reichstagswahl im Mai erfolgen, diesmal jedoch | wird die Feststellung — weil sich um zwm | Wahlen handelt — etwas mehr Zett tn Anspruch nehmen.
I Der Wahlkampf.
Deutschnationaie Dolkspartei.
In der von Wählern und Wählerinnen dichl- gefüflten Turnhalle am Oswaldsgarten hatte man am Samstag abend zum zwellenmal Gelegenheit, die Kandidaten der Deutschnationalen Volkspartei über die politischen Fragen sprechen zu hören. Die Versammlung, in der auch bie politischen Gegner zu Worte kamen, nahm I einen sachlichen Verlauf.
Zunächst sprach Oberlandesgerichtsvräsident a D Dr. Best über die Aufwertungsfrage. Er wies zunächst auf die furchtbaren I Folgen der Inflation vor dem Erlah der dritten Steuemotvervrdnung h n und erinnerte bann an die bekannte Entschndmg des Reichsgerichts das endl ch mit dem Grundsatz aufräumte, dah Mark gleich Mark sei. Dieser nun aufgebenbe Hoffnungsschimmer für die Sparer habe aber dem In^lstrie^arital und dem Reichem anznunifter nicht gepaht. Man habe aufMittÄ und Wege ge- somnm, um den we ll trag enden Folgen dieser böchstgerichtlichen Entscheidung entgegenzutceken, und dann sm die 3. Steuemotvervrdnung erlassen worden, die ein ungeheures Unrecht an Lea Sparern und Kleinrentnern begMgen habe, bie man als den ungeheuerlichsten Rechtsbruch bezeichnen müsse. Richt nur den Sparern habe man bamit einen schweren Schlag versetzt, sondern auch die Grundlage des Kredits, das Cßertrauen, habe > man zerfrort. Dafür machte der Redner den I Reichsfinanzminister, die Industrie und alle, die
menen — und auch der drei Glauben - her P rav os la we n , Katholiken unb Muselmanen — wiederum nicht« Endgültiges geschehen und eS bleibt damit der unerhört zu- gespitzte Zw.st auch weiterhin noch ungelöst. Die Vornahme von Reuwahlen im gegenwärtigen Augenblicke ist einzig al« ein Verlegenheits- auSweg zu betrachten, und eS muh gleich von vornherein gesagt werden, dah — mögen die Wahlen nun so ober so aus fallen — am obengenannten Hauptproblem diese« Staate« nichts geändert wird. ES wird im Februar zwar eine umgruppierte Skupschtina zurückkehren, aber in triefet neuen Skupschtina werden bie alten Gegensä he eher verschärft alS gern l Iber t sich zeigen.
ES war keine einfache Situation, vor der sich im laufenden Iahte die Krone befand. Zwei Strömungen von grohen parlamentarischen unb nationalen Krälteverhälinisten hatten mit- etixmber um die Macht und damit um bte bestimmende Einfluhnahme auf die zukünftige Einrichtung de« Staate« gerungen: Paschitschs serbisch-nationalistische Radikalen, denen Pri- bitschewitsch« ferbifch-nationallstische Demokraten sich zugesellt hatten, unb der sogenannte Oppositionsblick, der in ber Hauptsache Davibvwi tsch« serbische Denwkraten, Ra- ditschs krva'ische Dauern, Koroschetzs slowenische Kler.kale und S p a t o S bosnifche Muselmanen tn sich schliefst. __
Die erste Strömung will bekanntlich Serzürn bestimmenden Faktor im jungen Eüd- -Sbaat machen, und sie fordert deshalb
flawen-Staat machen, und sie fordert deShaw strengste von Belgrad auS zu leitende Zentralisation. Die zweite Strömung aber will um die drei national und kulturell verschieden gearteten Völker ober Stämme dieses Staate« $u befriedigen, unb um allen diesen dreien keine ihrer nationalen unb kulturellen StammeSeigen- schaften zu schmälern, die Schaffung eine« föderalistisch eingerichteten SüdslawenstaateS Die beiden Strömungen sind, wie da« Krisenjahr 1924 zeigte, unversöhnlich und ber König musste deshalb, al« er persönlich den Versuch auf «inen Ausgleich ztoischen den beiden Lagern machte, notwendig einen Misserfolg erfahren.
Blieb also nach dieser Erfahrung für die Krone die Frage: Wa« nun? Es ist Tatsache, (hab in ber letzten Skupschtina bie Ttegterirng David o witsch, deren Aufgabe e« war, zur Dersöhnung der drei Stämme ober Völker neue unb endgültige verfassungsmäßige Formen zu sinden, bis in die letzten Tage ihrer Regierung hinein über eine grobe Mehrheit verfügte. Wenn trotzdem trie Krone dieser Regierung das Vertrauen entzog, so muhte das deswegen geschehen fein weil bie höchste Stelle dieses Landes nicht mehr ndt jenem Volksentscheid übereinftimmtc, tote er sich bei den Frühjahi-swihlen im Iahre 1922 manifestiert hatte, oder richtiger gesagt, wie die Meyrzahl ber au« diesen Wahlen hervor- gegangenen Abgeordneten ihre Auffassung zur StaatSciniichtung dokumentierte. ES darf angenommen werden, bab die Krone in dem Willen ber letzten Parlamentsmehrheit, koste wa« es wolle, eine allseitige und dauernde Versöhnung berbcioii übven, eine Gefährdung der Slaais- mtereffen sah unb dah sie aus diesem Grunde vor der Zustimmung zu solch weittragenden ver- fassungsgebenden Mabnahmen erst noch einmal bas Volk selbst hören wollte.
Dieses „das Volk hören" ist auf dein Balkan noch immer "kein ideales Geschehen, und es können hier im Osten noch immer geschickte H-^nde genügend Erfolg haben, um die „Stimme des Volkes nach ihrem Gusto einzustellen. Das ist ursächlich auch der Grund, warum weite Kreise bet südslawischen Oesfentllchkeit die Krone toegen ber Anordnung von Reu wählen hellig angriffen und bab man Heb selbst auch nicht scheute, bie Krone als einen Faktor von auberpatlamen- tanschen, unb zwar serbisch - ch.au v in i sti- sch en Kräften hin.zustellen. Alle lene P«st^, bie die letzte Regierung Davidowttsch gebildet hatten, enlteben scharfe Protesterklärungen gegen die Abhalfterung ihrer Regierung auf auber- parlamentarischem Wege und erwartendie Ueb^r- gäbe der Wahlregierung an zwei ^i.erm. Die sticht das Vertrauen und dieMehih^lt des Parlament« und des Volkes besagen, als ..ver fassunäswidrig und als gcrvalttattg . JMsTum im P^lament sich diese neue Winderheilsregch rung vor stellte und als sie gleich 5”1
königlichen Ufas Über Die Auslösung des Parfa- ment« unb die Anberaumung von Reuwahlen verlas fehlten demonstixr.io alle diese pro öftrer en» ben Parteien, und diese Parteien zeugten so vor dem ganzen Lande gegen die neue Regierung unb gegen den Entscheid der Krone.
Rervosität steckt genug in diesem Lande vor feinen Reuwahlen, und nur mit “Sangen hebt mancher ernste Politiker dm näch ten drei Monaten entg'gm. Das Wort „blutige W a hl e n durchschwirrt bie Lust und die Zeitungsspacken unb bie ©eifter erregen fi» immer mebn Ans <Agvam ist wiederum Stepan Raditsch, bu ckroalifche Dauemlührer, abgcreift, unb man sagt, habe ou« Furch! oor Attentaten, oDer um feiner sÄ 5 CTig.'bcn bie fübftoWi ©r^c
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ttachttm, noch nie fei der Völkerbund auf getreten, wenn uns Gewalt und Unrecht angetan wurde. Weiter sprach der Redner über da« Dawesgu lachten, das nach der einstimmigen Ansicht der deutsch- nati analen Frattion genau so une.füllbar sei, tote das Versailler Diktat, wenn die 48 Ia-Sager für das entscheidende Datoesgeleh gestimmt hätten, so hätten sie nur die jetzt greifbaren Vorteile für un« sichern wollen, über die 11 nerful(barfeit des Gutachtens seien sie aber mit ben Rein-Sagern durchaus einig. Im übrigen polemisierte der Redner besonders gegen die Sozialdemokratie und Demo- tratie, deren ganze Politik bisher fehlgeschlagen sei wandte sich gegen den Klasienkamps und warb für die Bereitschaft zur Verständigung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern Alle Volks- genossen mühten fest zusammenstehen, denn totr feien doch alle eine Schicksalsgemeinschaft, die sich gegen das Ausland zu wehren habe. Der deutsche Enstenzkamps könne aber nur dann erfolgreich geführt werden, wenn unsere Polittk aus nationaler Grundlage beruhe, bann tarnen wir auch zur Wiedergeburt Deutschlands, zu einem Groh- Deutschland unter Schwarz-Weih-Rot. (Elürmi- ' scher Beifall.) In der Aussprache kamen vier Redner zu Wort, zu deren Ausführungen der Referent im Schlußwort kurz Stellung nahm. Mit dem Gesang des Deutschland-Liedes nahm die Versammlung ihren. AuSllang.
Reichsbanner SchrvarZ-Rot-GolL
Zu einer Protest-Kundgebung hatte das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold auf gestern nachmittag in die Turnhalle am OswaldS- garten eingefaben. Dieser Einladung war so zahlreich Folge geleistet worden, dah bie Turnhalle bis zum letzten Stehplatz gefüllt war.
Der Vorsitzende de« Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold, Studienrat Schoen, erklärte einLri- tenb. in dieser Versammlung solle Verwahrung eingelegt werden gegen die Aeuherung Prof. Dr. WernerS, der in seiner Versammlung von dem Reichsbanner .Schwarz-Rot-Gelb" gesprochen. In dieser Bezeichnung erblickten alle Republikaner eine Beschimpfung der Reichsfarben, die sie nicht dulden würden. Prof. Werner sei zu dieser Versammlung eingeladen worden, er habe jedoch das Eischeinen abgelehnt. In Offenbach i-abe er tn einer Versammlung aber zugegeben, dah er sich versprochen habe, dah er entgleist sei. Dabei sprächen aber die Wahlaufrufe ber Deutsch- nationalen immer von .Schwarz-Rot-Gelb". Für das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gelte es jetzt die Abwehr von Haken treu; unb Sowjetstern.
Hierauf sprach Dr. Feh- Frankfutt a M. Er erklärte u. a., die öffentlich angekündigte Klage P^vf. Werners wegen Aeuhemngen in der be-
barau« Ruhen gezogen, verantwmttttch Degen diese« Unrecht würden bte Sparer und Kleinrentner immer mit aller Kraft ankamps«. wie Dciiangtcn, bah ihre Forderungen unerfamtt uno nicht auf Grund des jrtz.gen Tie.stand^ ber Wirtschaft auf ein Minimum zurückgefühtt wurvtti, sic wollten chre Forderungen «iisprvcheu> oct Entwicklung ber Wirtschafi verzinst hab.n und in bieicm Fülle könne ja thiA Kapital stehen bleiben. Die Drünbe für bte 3. Steuernviverord- nung leien hmsallia, biese Verorderung mufK ersetzt toerben bureh eme Reaelung. die nao) Recht und Blligkeit gehallen 1er. Als eine solche Regelung b zeichnet« der Redner seinen b<f.i nn.cn Gesetzentwurf, bei von berufenen S .chverstanbiüen unb vom Sparerbund al« gut und brrchf uhrlxtr begiltachtei sei unb auch beic.13 im R.ichStage im Aufwett ungsausschah rn tberaien tuircc Der Redner erläuterte bs Grundzuge die'e« SnttourfS eingehend. Es war daraus zu erkennen, bah beim ©del)toerben bde« SniwarfS den berechtig'en Foiberungcn bei Sparer unb SUe.nrcntnei in gebührender Weise entsprochen werden würde. Schl chlid) besprach der Redner noch die Stelluna- nähme ber Patteten zur AuswettungSsrage. «ch» berres sich' habet aus bte Stellungnahme et.iee Vettieteiversammlung des Spareibunde«, nach der alle Parteien, mit AuSnrh.ne ber Deujsch- nattrnalen, als nicht zuverlässig genug in ber Aufwettungsiragr b.zeichncl w .rd n Al.^ E n,iei- person, beten Auffassung s.ch im toc|cnthdx*n m;t der ber Deutschnattonalen becke, unb -als Vertreter des Spare.bunde« e.-npsahl ber Redner die Unterstützung der beutschnatioiialen Liste, damit tn deutschen Landen Recht wieder Recht werde, sStürm.scher Beifall.) In ber Aussprache trat zuerst der bemokratische Rechtsanuxilt S t ä d e l - Dattnstadt dem Redner namentlich hinsichtlich ber Ltstenempf hlung entgegen, wobei er betonte, bah bie Aufwerlungsirage kirne patteipolitische Frage sei. denn in allen Par^eieu gäbe es Freunde und Gegner der Aasu«rtang, auch in der Deutschnationalen Partei. Der Referent bemerfte hierzu, bah namentlich der Vater eine« demokratischen Gesetzentwurss in dieser Ang legenheit gründ ätzlich an dem Unrecht der 3. Lteuernotverordnung sesthalien wolle. Weiter sprach noch ein Kommunist, dessen Dcalegunge.' der Referent le cht wide legen konnte.
Als zwecker Redner sprach hierauf ötubieiual Dr. Lenz- «Sieten über nationale Politik Er bezeichnete ben Qinn ber Wahlen am 7 Dezember Wie folgt: „Soll in Deutschland in Zukunft Schwarz-Rot°Gold ober SchwarZ-Weih-Rot Ijerr- schen d h. bie Links- oder die RechtLpoli'il künftig für unf^e Geschicke mahg be:ib se n?" De> Reo- ner er Härte, das parlamen ta ttsche System habe tn Deutschirrnd vollständig versagt, es sei für un« ül'crHaupt gar nicht tragbar, weil wir Verhältnisse hätten, die mit dem pailamentarischen Systcni nicht übereinstimmten. Er wieS besonders auf bte Ausnahmegesetze, die in der freiesten Republik noch . heute bestehen, beklagte die unselige religiöse Spannung unb empfahl den Evangelischen unb Katyv- liScn gegenfcit.ge Dullmng. Hierauf erinnerte er tn eingehender Uebetticht an das gehäufte Mah von Unbitl unb Gewalt, die uns vom Ausland, insbesondere von Frcmkreich unb seinen Anhängseln toiberf brat, unb hob hi-mbei h rv r. bah auch bte internationale Einstellung unb Lättgkett der Svzialdemokratte bieses Unheil für uns nicht im geringsten habe verhindern können. Unter diesem Gesichtspimkt sei auch die Vollerbuirdsfraar zu be-
®efInnung de« Kommunismus. Da cd tn Südslawien ein ..Gesetz zum Schuhe des Staate«“ gibt, mit deifen Hilfe man bekanntlich vor drei Iahren einfach 59 kommunistische Abgeordnete auS dem Parlament gewiesen hatte, will die Regierung diese« Gesetz jetzt auch gegen Radi t s ch antoenben, unb sie argumentiert dabei, bah Raditsch mit dem Eintritt seiner Pattei in die Moskauer Dauernintemattonafa genügend seinen Kommunismus botumentiert habe. Radcksch leugnete diesen Gintritt keineswegs. aber er verwahrt sich scharf dagegen, bab bie Bauerninternationale mit der Dritten Internationale etwas zu tun bade, unb er sagt insbesondere. bah er mit Nichten Kommunist wäre.
Aber es ist ja nicht allein Rabttschs scharfes soziales Programm, das die heutigen Del- grober Machthaber gegen ihn aufbringt In den ferbildtnotionaicn Kreisen verdenkt man Raditsch Dietmar sein politisches Programm, und dieses Programm muh in der Tat auspeitschend auf jeden nationalistischen Serben wirken. Denn Raditsch propagiett nach wie vor seine »selb- ständige kroatische D a ue r n r ep u bl ik" unb wenn er mit diesem selbständigen Kroatien zwar auch im Rahmen des SHS-Staales bleiben will, so toünscht er jedoch ein derart von Belgrad unabhängiges Kroatien, bah jeder weittragende (Sinflub auf bte Gestaltung der kroatischen Dtnge von Belgrad her ausgeschlossen ist. Dieses Bestreben Raditschs läuft diametral gegen eine gewisse Belgrader Auffassung bie dem südslawischen Staat, als einzig mit serbischem Blute geschossen, nur al« serbisches Dominium anerkennt und die deshalb diesen Staat einzig der serbischen Einfluhnahme unterstellen will.
Gegen biefe Belgrader Auffassung sind im Laufe ber Zeit öfters schon einfluhreiche Serben ausgetreten, unb ber verstorbene frühere Minister- prästdent Stepan Protitsch war ihr ernstester Exponent. In ber letzten Zeit vertrat biese Oppositionsstellung vor allem der eben gestürzte Mlnisterpräsibcnt Ljuba Davidowitsch, — und die Wahlen werden nun zu erweisen haben, ob Davidvwitschs Meinung, bah nur durch ein serbisches Rachgeben in ber Richtung ber autono- mistischen Agrainer und Laibacher Wünsche ein fester, einiger Südslawenstaat zu bi Iben sei, und der weitere Kreise des serbischen Volkes zu gewinnen imstande ist. In dieser Frage lulnuniert das Interesse an den kommenden südslawischen Wahlen, und von diesem serbischen Volksentscheid wesentlich wird e« abhängen, ob sich dieser neue Staat bald beruhigt oder ob die - heute schon gespannten inneren Verhältnisse noch weiter sich zuspitzen werben. Aus diesen serbischen Entscheid Watten mit ganzer Spannung die beiden anderen südslawischen Zentren Agram unb Laibach, die, so scheint eS. auch bei diesen Wahlen wieder sich mit überlegenen Mehrheiten für bie Auto- . nomie, also gegen den heutigen Zentralismus
Wie wird gewählt?
WaS ist Nummerung?—Die Herstellung der Stimmzettel. — Wie sehen die
Stimmzettel aus?
(Don unserer Darmstädter Redaktion.)
Unter den hessischen Patteien ist der Wunsch nach einer einheitlichen Rummerung ber Wahlvorschläge her vorgetreten Man versteht barunler bie FestfeNung ber Reihensolge der einzelnen Wahlvorschläge. DaS Dettangrn der "Parte-.en geht nun bafan, bah bie Ziffern der Wahlvvr- fchläge auf dem Landtagsivahlzettet mit denen be« Re.chstagstoahlzcttels übereinstimmen, denn man befürchtet, bah eine andere Reihen folge aus den beiden Stimmzetteln manchen Wähler verwirren könnte. Sie Tatsache, bah bie Pattet^r- bältniffc im Hess ßanbtag mit denen im AotchS- tag nicht völlig übcrcinftimmen. ist eigentlich nicht so schwerwiegenb, bab beShalb bie Rummerung unterbleiben mühte, benn es könnten trotz' em I mehrere Wahlvorschläge mit g'eichen 3ifern versehen werden Die Schwie igteitei werben sedoch verursacht burch ben ReichSstimmze tel, auf bem die Reihenfolge ber Parteien erst am 1 De_emb.r festgesetzt w rb. Wenn auf dem hessischen Stimm- I zettel bie Rummerung nach bem Wunsche k«r Parteien burchg fuhrt würbe, so mühte, towl sie I oon bem Re.chSstimrnzcttel abhängig ist. die Herstellung b s bahin ausgefchoben werden: erst nach diesem könnten die hessischen Zettel gedruckt und verschickt werden. Es erscheinl indessen sregttch. ob diese Arbeit bis zum 1. Dezember bewältigt werden kann, denn d.e Dettellung der Stimmzettel biS in die Neinsten Orte unseres Landes erfordert mehrere Sage.
Da diesmal Reichstags- unb Landtagswahien am gleichen Sage stattfinden, so find die Vorbe- I Teilungen in mancher Beziehung etwaS umfang- reicher als früher Die amtlichen Stimmzettel sind beibchalten; im ganzen sind aber jetzt etwa 2 Millionen Stimmzettel notwendig. Mehrere I Druckereien find einige Sage vollauf beichäftigt, um s ie herzu stellen: mindestens eine W oche vor der Wahl muh diese Arbeit beendet fern. Dre Reichstags- und Landtagswahlzettel find beide von weiher Farbe. In Preuhen. wo auch Reichstags- und Landtagswahlen am gleichen Sage stattfinden, hat man ein rötlich getonte« Papier für den Landtagswahlz<tttel gttvahll. In Hessen hat man sich an die Bestimm mgen des Wahlgesetzes gehalten, das u. a. totste Stimmzettel vorschre.bt. D^r Sinn dieser Maynahme I war ursprünglich nur der, zu verhindern, das) Putter en ihren Wahlzettel durch eine besondere Farbe kenntlich machen Es hätte also wohl auch in Hessen der von Amts wegen gestellte Land- tagSwahlzeitel durch eine andere Tönung des Papiers gekennzeichnet werden können: nicht ohne berechtigten Grund hat Preuhen dieses Verfahren angewandt. Sowohl beim Wählen, arie I nachher, beim Zählgeschäft, sind dann beide Stimmzettel leicht zu unterscheiden.
die. bastß^LLiE/x/nlkKse^e fürzarteme&e. ßaul Brog Angnsl Holl, P.J.™*.
Kr«u Wallenloli. Drog. 0. WlnterholL 4146a


