Ausgabe 
1.11.1924
 
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Nr. 258 Zweites Blatt

Samstag, 1. Novemberi924

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tderheffen)

Unser Seefieg vor 10 Jahren.

Die Schlacht bei Coronel am 1. November 1914.

Son Hermann Kirchhoff, Vizeadmiral z. D.

Wir Deutsche gedenken voll dankbaren Stol­zes unserer Seehelden, die vor zehn Jahren im fernen Ozean einen vollständigen Sieg über einen fast gleich starken Gegner davvntrugen, tote ihn niemand erwartet hatte.

Vizeadmiral Gras Epee, der Chef des Kreuzergefchwad.'S. das von Ostasien den Stillen Ozean unbehelligt durchquert hatte, stieß am 1. November mit dem Seschwader des Konter- Admirals Graddock an der Südwestküste Chiles zusammen. Gras Epee hatte durch seine geschickte Strategie sich dort verstärkt und nach schwieriger dreimonatiger Kreuzfahrt bei sich vereint: die PanzerkreuzerScharnhorst" (Flaggschiff) und Gneisenau". die kleinen Kreuzer .Leip­zig", ^Dresden" und .Nürnberg" sowie einige HilsSdampser und Kvhlenschisfe.

Sein Gegner trat ihm mit fast der gleichen Zahl an Schissen entgegen: den Panzerkreuzern .Good Hope" und .Monmouth", dem klei­nen Kreuzer »Glasgow" und einem Hilfs­kreuzer. Graf Spee hatte einen kleinen Kreuzer zum Ausklären an die nahe Küste geschickt, so daß ihm im Kampfe ein Kreuzer fehlte. Die Englän­der waren gröber, liefen schneller und führten einige schwerere Geschütze: die Deutschen waren im allgcnreinen etwas besser armiert, hatten aher im voraus ihre Schilfe und Schiffsmaschinen stark beansprucht. Beiderseits waren die teilweise neuen Besatzungen gut emgeüdi worden.

Um 4Vt Uhr am Nachmittage des 1. Novem­ber sichtete Gras Svee seinen Gegner 15 Seemeilen in West. Beide Geschwader Admiral Graddock hatte sich mit seinem Flaggschiff erst kurz vorher eingefunden dampften sofort mit Kampfesmut aufeinander zu. Sv begann denn die Schlacht bei Coronel (einem südlich von Valparaiso gelegenen Haienplah) um 6Vs Uhr abends. Der deutsche Geschwaderches hatte den Beginn des Feuerns so lange wie möglich hinausgezögert, weil mit dem Untergänge ber Westsvnne die englischen Gegner besonders gute Ziele am Horizont abgeben wür­den, vorher aber für diese die deutschen Schisse besser beleuchtet waren.

Auf südlichen Kursen dampften beide Ge­schwader gegen hohen schweren Seegang fast pa­rallel, nachdem sie sich inzwischen auf etwa 11 000 Meter genähert hatten. Die Engländer setzten mit ihrem Geschühfeuer etwas später ein. Die ersten deutschen Salven lagen so vorzüglich, daß be­reits nach der dritten Salve die Vor­derschiffe der Panzerkreuzer in Hel­len Flammen standen. Der deutsche Admiral der l^rrits nach einer Viertelstunde auf rund 6000 Meter herangekommen war, hielt sich auf dieser Entfernung und blieb zwischen seinem Geg­ner und der Küste. Das feindliche Feuer erlahmte sehr bald, auf .Mvnmouth" war der vordere Surm zerstört und der Hilfskreuzer dampfte schleu­nigst davon. Die hochgehende See überströmte die Vorschiffe unb erschwerte das Geschühfeuer sehr, so das) beide Geschwader unter 20 Seemeilen Fahrt lausen muhten: mit zunehmender Dämme­rung wurde die Lage für die Unsrigen immer günstiger. Graf Spee lieh nach dreiviertel Stun­den das Feuer einstellen, obwohl die feindlichen Schiffe durch ihre hell leuchtenden Brände noch gute Ziele boten. Auf .Good Hope" erfolgte eine schwere Explosion. Jetzt erhielten die kleinen deutschen Kreuzer Befehl zum Torpedoan- griff und zur Verfolgung.

DerMomnvuth" wurde dann von der her­beigekommenen .Nürnberg" unter vernichtendes Nahfeuer genommen und kenterte bald. We­gen des hohen Seeganges war es gänzlich aus­geschlossen, jemand von der Besatzung zu retten. .Glasgow" flüchtete schwer beschädigt davon.

Es war somit nach kurzemKampfeein vollständiger Sieg errungen. Einem eng­lischen Schiffsverband war eine Niederlage be­reitet, wie seit mehr denn einem Jahrhundert nicht ' Der Sieg über den stolzen englischen Geg­ner war durch bessere Manövrier-Taktik errun­gen und er war von der besseren Schuhausbildung und vorzüglichen deutschen Feuerleitung bezwun­gen worden.

In allen südlichen Ozeanen zergte sich sofort eine gröbere Hemmung des Schiffsverkehrs. Die Times" schrieb von einem »Verlust des Presti­ges" Grohbritanniens. Die britische Flotte wurde in den Zeitungen der Vereinigten Staaten gerade­zu verhöhnt, weil die Aeuherungen ihrer Leiter denn doch zu rufjmrebig und eitel gewesen waren, die sich angemaht hatten, von einer deutschen

.Luxusflotte" zu reden, deren innerer hoher Wert jetzt aber fiar hervorgetreten war.

Die Ergebnisse der Schlacht waren auch ganz besrrders grobe gewesen: nach kurzem Stampf zwei englische Panzerkreuzer niedergelämpst und mit ihrer gesamten Besatzung von rund 1800 Mann gesunken, ein kleiner Kreuzer schwer be­schädigt geflüchtet. Bei den Deutschen hatte es nur fünf Beschädigungen und nur zwei Leicht­verwundete gegeben. Das war denn doch ein gar ^u gewaltiger Unterschied.

In der gesamten Welt erschallte ein unge­teiltes Lob über diese hohe Leistung der jungen deutschen Flotte, welche durch den vollkommenen Sieg den Nimbus von Grohbritanniens Unbesieg­barkeit zur See zerrissen hatte. England war nun gezwungen, zur Vernichtung dieses gefährlichen Ueberseegcgners sofort stärkere Stteitkräste den Heimatilotten zu entziehen, um baldmöglichst das .moralische Prestige" wieder zu erringen.

Als Graf Spee am Tage nach der Schlacht auf der Reede von Valparaiso zu Anker ging, herrschte bei den Engländern und allen ihren Der- bür beten gröhte Niedergeschlagenheit Die deut­schen Seehelden dagegen wurden von ihren Lands­leuten mit l/öchstem Jubel empfangen Und in der deutschen Heimat waren wir alle voll stolzen Lo­bes und dankbar für diese Tat der Unsrigen in Uebersee

Reichstagsauflösung und Neuwahlen.

Don Äsnterabmiral a. D. Drüninghaus. bisher M. d. N.

Als am 29. August die Volksvertretung mit einer überwältigenden Mehrheit für die An­nahme des Londoner Abkommens sich erttschieden hatte, schien es. als ob damit, trotz der schweren Lasten, die dieses Abkommen Deutschland auferlegt, eine Phase ruhiger, inner» und aiihenpolitischer Entwicklung für uns ein» treten würde. Die geradlinige Politik, die seit dem August 1923. nachdem die Deutsche Dolks- partei sühnend die Leitung der Neichsgeschäfte übernommen hatte, verfolgt worden war. hatte sich ausgewirtt trotz aller Hemmungen, trotz aller Hindernisse, die ihr entgegengestellt wurden. Die Zeit der 3nflation, die Deutschland dem Ab­grund nahegebracht hatte, war überwunden Die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die sich bis dahin den europäischen Dingen gegen­über vollkommen passiv verhalten hatten, waren wieder in den Kreis der Mächte eingetreten, denen Ausgabe es sein muhte, die vollkommen in Unordnung geratene Weltwirtschaft zu heilen Die Bernühuiigen jener internationalen Kräfte, die Deutschlaiü» von neuem in den weltwirtschaft­lichen Prozeh hineinzustellen versuchten, hatten ihren Niederschlag in dem sogenannten Da wes - Gutachten gefunden, das als Grundlage für die Londoner Verhandlungen diente Die Stellungnahme, die die Deutsche Volks- Partei, welche durch den Auhenmmister Dr. Stresemann, ihren Führer, in erster Linie verantwortlich für die Auhenpvlltik ist, zu dem Londoner Pakt einnimmt, wird kllpp und klar kenntlich gemacht durch jenen Brief der Reichs- tagssraktion, den sie am Tage vor der Ab- slimrnung an die Deutschnatronale Dolkspartei richtete.

Nach meiner Meinung war es von vorn­herein klar, dah eine wirkliche inner- und außen­politische (SSehmbung nur einer Regierung möglich war, die sich auf eine feste Mehr h e i t im Reichstage stützen konnte und nicht etwa Gefahr lief, bei jeder an sich vielleicht geringfügigen Beranlafsung gestürzt zu werden. Gerade die Regierungskrise und die Auflösung des Parla­ments in England zeigen ja, wie wenig eine Regierung auszurichten vermag, wenn sie keine feste M^rheit hinter sich hat. Die überaus schwerwiegenden inner» und außenpolitischen Ent­scheidungen und Maßnahmen, die mit der Durch­führung des Londoner Abkommens zusammen­hingen. machten es zu einer geradezu unerläß­lichen Dorausbedingung, dah eine Regierung auf möglichst breiter Basis sich her Erledigung dieser ungeheuren Aufgabe in steti­ger uird nicht jeden Augenblick mutwillig od'r böswillig unterbrochenen Arbeit widmen formte. Es ist vielfach in der breiten Oeffentlichkeit so dargcstellt worden, als ob die Deutsche Dolks- r-artei sich mit ihrem Bemühen, die rechts von ihr stehende konservative Partei als mit- veranlwortl ch in die Regierung hincinzuziehen, eine Kursschwenkung nach rechts be­deutete. Nichts ist falscher. Die Dolks­partei weih genau, die Ereignisse liegen ja

kaum ein halbes Jahr zurück, daß ihr in dem vorigen Wahlkampfe b:c übelsten Dinge in nationaler und wirtschaftlicher Hinsicht nach- gefagt worden sind. Sie kann beute mit Genug­tuung fest stellen, daß die Deutschnationale Dolks­partei sich vorbehaltlos auf die Außenpolitik Dr. Stresemanns. sowie die bekannten Richt­linien des Reichskanzlers Dr. Marr eingestellt und sie als richtig anerkannt hat.

Meines Erachtens geht es ganz fehl, wenn die offiziöse Korrespondenz bet Deutschnationalen Dolkspartei am 21. Oktober den Satz prägt: »Die Deutsche Dollspartei, die erfreulicherweise endlich den solange vermißten nationalen Weg einzuschlagen scheint usw." Das heißt doch die Dinge in ihr Gegenteil verkehren. Gerade die nationalen Gesichtspunkte, nämlich die Be­freiung von Rhein und Ruhr, die Freilassung der Gefangenen und die Rückkehr derVertriebenen waren ausschlaggebend für die von uns ge­führte Politik. Jedermann, der es wirklich gut mit seinem Daterlande meint, muh es auf das höchste bedauern, daß alle Bemühungen, eine Re­gierung auf tragfäbiger Grundlage zustande zu bringen, gescheitert find, letzten Endes' auch schei­tern mußten, weil der unselige Partei­fanatismus einzelner Parteien es nicht über sich gewinnen tonnte, mißverstandene parteipoli­tische Interessen den staatspolitischen Notwendig­keiten unterzuordnen. Daß die Sozialdemo­kratie es ablehnte, mit den Deutschnationalen zusammen in einer Regierung zu sitzen, konnte bei der Gesamteinstettung der Führer gegenüber einer konservativen Partei nicht wunder nehmen. Daß aber gerade die Deutsche Demokra- tischePartei, deren Name doch in sehr enger Beziehung zu dem steht, was man gemeinhin Dollswillen nennt, es kategorisch ablehnte, mit der stärksten bürgerlichen und überhaupt stärksten Partei des Reichstages zusammenzuarbeiten, das wird stets eines jener Rätsel bleiben, das nur in einem Lande ausgegeben werden tann, in dem die staatspvlitische Erziehung noch vollkommen in den Kinderschuhen steckt. Die Quittung für ihre Haltung hat die Deutsche Demokratische Partei be­reits zu einem Tell erhalten, indem eine ganze Reihe ihrer hervorragendsten Mitglieder ihr die Gefolgschaft gekündigt haben. Die Neu­wahlen werden zeigen, ob der spärliche Rest der früher stärksten bürgerlichen Partei gesonnen ist, im Fahrwasser des Berliner Tageblattes und der Frankfurter Zeitung weiter zu segeln.

Unter Führung des früheren Reichskanzlers Dr. Wirth hat sich eine in ihrer Stärke nicht zu unterschätzende Bewegung bemerfbat gemacht, die den Wahllampf anscheinend unter der Pa­roleHie Dürgerblock, hie Arbeiterschaft" führen teilt und damit die in jedem Bolle vorhandenen Gegensätze nicht ettea wie es richtig wäre überbrüden, sondern weiter vertiefen und verschärfen will. Eine derartige Politik läuft letzten Endes daraus hinaus, Deutschland im Innern überhaupt nicht zur Ruhe kommen zu lassen und damit den WiÄ>eraufstteg aus abseh­bare Zeit zu unterbinden. Für die Neuwahlen sollten weniger parteipolitische Erwägungen als vielmehr staatspvlitische auf bau en de Gedanken maßgebend sein. Eine natio­nale Realpolitik wäre das einzige, was Deutschland unter den gegebenen Verhältnissen für lange Zeit hinaus retten tann. Eine nationale Jllusionspolitik, die, ohne Rücksicht au die tatsächlichen Machtverchältnisse, sich lediglich stimmungsgemäh auf das einstellt, was wohl jeder von uns will, bedeutet heute das Gegen­teil dessen, was Bismarck als das Wesen der Politik bezeichnete, nämlich die Erreichung des Möglichen Unter diesem Gesichtswinkel gesehen, wird man den Neuwahlen mit voll­kommener Ruhe entgegensehen können, ohne dabei seinem tiefen Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß durch die Auflösung des Reichstages inner- uiti) außenpolitisch eine Situation ge­schaffen worden ist, die sich dahin zusammenfassen läßtWir sind um ettea vier bis fünf Mo­nate in unserer Entwicklung zu rückgekom- m e n. Was das in einer Zeit bedeutet, wo Handelsverträge abgeschlossen werden, wo viele Gesetzentwürfe, die von einschneiden­der Bedeutung für das Wohl oder Wehe ganzer Berufsstände sowohl wie des einzelnen Staats­bürgers sind, ist unschwer zu ermessen. Aber auch hier heißt es, geschehenen Dingen nicht nachzu- trauern, sondern mit frischen Kräften versuchen, den Weg zu ebnen für bessere Zeiten.

Ob der neue Reichstag in seiner Ge­samtzusammensetzung ein wesentlich anderes Bild bieten wird wie der vorige, mag stark bezweifelt werden. Eins kann allerdings als sicher ange­nommen werden, nämlich eine wesentliche Schwächung der radikalen Flügel,

d. h. der Kommunisttschen Partei und der Natto- nalsozvalistilchen Freiheit spart ei Die ErkenntnrS. daß auf gewaltsamem Wege eine Gelun» düng unserer Verhältnisse ein Ding der Unmög­lichkeit ist, hat nach meiner Beobachtung gerade in letzter Zeit in allen Kreisen unseres Volles wesentliche Fortschritte gemacht. DaS wird natur­gemäß auch in der geringeren Zahl der Mit­glieder der genannten Parteien zum Ausdruck kommen. Sehr zu begrüßen wäre c8, wenn die vielen kleinen Parteien, die sich bei der vorigen Wahl aufgetan haben, wieder verschwin­den würden. Ihr Einfluß im Parlament ist ein derartig geringer, daß man davon absehen sollte. Abgeordnete in die Volksvertretung zu entsen­den, die. schon rein technisch, nicht in der Lage llnd, die von ihnen vertretenen Grundsätze prak­tisch auszuwerten.

Man kann nur wünschen, daß der Wahl- kamps sich in Formen abspielen möge, die wenig gemein haben mit dem. was im letzten Reichstage als parlamentarischer Ton leider sich breit machte Das Ansehen deS Parla­ments und damit verbunden auch die Ach­tung des Auslandes vor unseren inner- politischen Verhältnissen, können nur gewinnen, wenn schon in den Vorbereitungen für den neuen Reichstag der ernste Wille und die feste Entschlossenheit der breitesten Volksschichten sich zeigt, unter Hintansetzung selbstsüchtiger und rein parteipolitischer Interessen eine Dollsvertretung zusammenzubringen, die die Fähigkeit hat, na­tionale Realpolitik im besten Sinne deS Wortes zu treiben.

Die Gießener

Hochschulgesellschaft.

Das von Deutschland an Amerika gelieferte Zeppelinflugzeug bat durch den wohlgetungenen Flug über das Meer wieder einmal die Aus- merffamfeit auf den genialen Erfinder und die Erbauer gelenkt, die gan»-' zivilisierte Welt in Erstaunen und Bewunderung versetzt. Und die Deutschen sind stolz auf diese hervorragende deutsche Leistung. In Gießen haben wir in der letzten Woche unsere Freude und Bewunderung bekundet über die hervorragenden Fluglcistun- gen, die mit großer Sicherheit ausgesichrt wur­den. Was befähigt die Deutschen zu solchen her­vorragenden Leistungen? Neben persönlicher Be­gabung doch die gründlichen Kenntnisse, die sie sich an den Pfleaestätten der Wissenschaft er­werben. Wir müssen also einen Tell unserer Bewunderung, unterer Freude, Liebe und un­serer Dankbarkeit auf die Pflegestätten, auf den Vorn der Wissenschaft übertragen. Und wir müssen darauf bedacht sein, uns diesen Wissens­quell in voller Leistungsfähigkeit zu erhalten, thn vor dem Versiegen zu schützen. Die feind­lichen Mächte möchten nicht nur unser Bargeld, unsere wertvollen Produkte, die unsere deutsche Erde und unsere Arbeiter liefern, sie möchten auch noch das Kapital uns rauben, das in un­serer gründlichen wissenschaftlichen Ausbildung, in unseren überragenden Kenntnissen ruht.

Das formen sie, wenn sie uns die Möglichkeit nehmen, die Mittel aufzubringen für die Er­haltung und Förderung unserer Hochschulen. Nimmermehr darf das geschehen I Deshalb müssen wir alle den Pflegestätten, unseren Hochschulen zu Hilfe kommen, wenn sie in Not geraten. Auch unsere Landes Universität war durch den Krieg und den Zusammenbruch Deutschlands in Not geraten, in bjttere Not, so dah nicht nur Nerranschafsungen unmöglich wurden, sondern auch die nötigsten Ergänzungen und Wieder­herstellungen oft genug zurückgestellt werden mußten. Das Notsignal wurde gezogen mit dem Erfolge, dah sich eine Gesellschaft von Freun­den der Universität, die Gießener Hochschulgesell­schaft, bildete, die da helfend eingreifen wollte, wo die Umstände es dringend erforderten. Durch die Geldentwertung wurde auch diese Hilfe­leistung völlig zumchte gemacht, die Quelle ist versiegt, sie muh von neuem erbohrt werden. Das kann nur dadurch geschehen, dah unsere Leser nach Kräften dazu beitragen, die (Siebe­ner Hochschulgesellschaft wieder leistungsfähig zu machen und dadurch wieder ihrer Bestimmung zuzuführen.

Wir alle haben der Landesuniversität direkt oder indirekt aaherordentlich viel zu danken und sollten in dieser schweren Zeit unserem Dank dadurch Ausdruck verleihen, dah wir Mitglied der Gießener Hochschulgesellschaft werden. Wir tragen damit unser bescheidenes Dcherflein bei

Ausführung bewies von neuem das ernste Stre­ben unserer Bühne, auch schwereren Ausgaben gerecht zu werden. Carl Juhnke in der das Stück beherr'ch.ni en T te'r Ile bracht? das Pro« thematische, Zerrissene in der Gestatt des Helden glänzcmd heraus, während ihm allerdings das Weiche, Träumerische das die andere Seite von Münchhausens Charakter bildet, teeriger zu liegen scheint. Seine Partnerin war Gerda Dach­feld. die in ihrw Rolle .gerade das. waz Juhnke etwas zu -ehr vermi'sen lief), ausgezeich­net zum Ausdruck brach'e. Ihr möchte man nur noch etwas gröbere Freiheit in dec Belegung wünschen. Die humorvolle Rolle von Munch- baufenä treuem Diener Ra'pe lag bei Rudolf Go 11 in guten Händen. Eine glänzende Gfxa*, rafterfigur war Karl Do l ck als Gemeinde-' Vorstand Wichtig, ebenso Luise Jüngling als Lillis Tante. Paul Säubert gestaltete Lttlis Mann sympathisch Äe übrigen müssen sich mit einem Sammellob begnügen Der anwesende Autor forarte am Schach den lebhaften Beifall des gut besuchten Hanfes entgegen nehmen.

-tz- p-i ) ------- \

2 Teller

.,MAGGIs pule, sparsame Küche"

Wandlungen hat und da daraus eine Jdeen- gemeinschaft und aus dieser eine Liebe entsteht, und da diese LiDe wieder nicht sein darf, so ;er- schmettert Münchhausen das Glas, aus dem er soeben mit dem Mann Lillis auf ihre gegen­seitige, ewige und durch nichts zu verwirrende Freundschaft trank, schneidet sich mit den Glas­scherben die Pulsader auf unb stirbt, nicht ohne vorher noch allerdings wieder ohne Absicht den Gatten und Fxrund über den wahren Grund seines Todes aufgeklärt zu haben.

Doch wir wollen nicht böse sein. Zwar ist das alles unglaublich unbeholfen und spannungslos geftaltet Zwar gibt es Szenen wie die Duell­szene, die kaum noch bühnenmöglich sind. Zwar fühl: man auf Schrftt und Tritt die Anlehnung an Shakespeares romantische Lustspiele heraus. Aber wie ich am Anfang sagte: Es ist ein Jugendwerk, das als solches gewertet fein will Der Münchhausen ist mit dem Herzblut eines jungen, unerfahrenen Menschen geschrieben, der alle die Obliegen in sich trug, die wir heute bet dem reifen Eulenberg bewundern. Und darum verdient er unseren Respekt.

Die von Adolf Teleky rorgfä[tig einstudierre

ewiger Lustigkeit und Prahlerei verborgenen Weltschmerz. Dieser Weltschmerz Münchhausens ist aber im Grunde ein sehr kindlicher Welt­schmerz, der sich auch sehr kindlich äußert: Trotz langer Reden, etwa über die Vergänglichkeit- der Zeit, des Glücks und alles Irdischen über» hcnipt. erfährt man an positiven Tatsachen, die den Weltschmerz begründen könnten, nur dah ein sehr unbedeutender Lasse von Junker ein­mal vor Jahren Münchhausen schwer gehäuft bat auch mehr aus Unverstand als aus Bos­heit. Münchhausen hat also keinen Vater zu rächen, sondern bestenfalls, wenn er die Sache sehr tragisch nimmt, einen Junker umzubringen. Das tut er denn auch prompt, aber nicht ettea mit Absicht, ach nein, rein aus Versehen: berm in Wahrheit sollte das von ihm herbeige­führte Duell nicht dem Gegner, sondern ihm selbst das Leben kosten, wie er vorher schriftlich der Frau feines Freundes Sberftein dokament erte.

5>te|? Frau, Lilli, Freifrau von Eberstein, nxrb nun dem Träumer Münchhausen zum Ver­hängnis. Don ihrem Mann hat er sich gewinnen lassen, auf seinem Schloß als Gast zu weilen: aber da auch Frau Lilli weltschmerzliche An­

Gießener Stadttheater.

Herbert Enlcnberg: Münchhausen.

Es gibt Theaterstücke, über die man nicht böse sein mag, selbst dann nicht, wenn ,nan von ihrer eigentlichen literarifd>en Bedeutung b.nm besten Willen nicht allzuviel hatten kann. Und wenn ein Dichter in ein 3ugcä?teert all d je süße Melancholie seiner jungen Jahre bat ci tLenen lassen jenes sich unverstanden Fuhlen, jene-umpfe Wirrnis erst b-i.biertig*r Ge anker u.ro Geachtt, jene Verschlossenheit bei aller heimttchen cc.m sucht nach Liede, dann verzeih: man mancheo. was man sonst nicht leicht vorz?ihm wurdt. -ii- Teutsche gelten in der Welt als lentimental. und zweifellos fängt man uns leicht ein, wenn man und von dieser Seite komnft. Und das hat Herbert Eulenberg in fernem Münchhaue.i reich­lich getan. , . ,

Der Münchhausen Eulenbergs rst eioenttrch ein später Nachfahre Hamlets des Dänen. Eigent­lich! Denn von all den Tugenden und Un­tugenden fernes Vorfahren hat er nur e i n e s ge­erbt: Einen unter der Maske vorgetauschter

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