Nr. Zweites Blatt
Föderalistischer Separatismus.
Don 5h. Karl Mehrmann - Koblenz.
Oder sagt man besser separatistischer Föbc- ralisrnus? Je nachdem, was die Sonderbündler gerade in den Vordergrund zu schieben aas taktischen Gründen für nützlich halten Jedenfalls sind wir Gegner jeglicher Sondeibündlerei auch noch nach der Londoner Amnestierung berechn list, einen Separatisten als das zu bezeichnen, was er ist: als einen Separatisten. Mag mit dresem Wort auch eine moralische Disqualifiia- tion in den Augen anständiger Leute verbanden werde.n.
Die Maske tut es nicht. Als Dorten noch nicht durch die Angst vor der Konkurrenz von Smeets und Matthes in die Courage hinein gestoßen worden war, es mit dem offenen Putsch zu versuchen, fügte sich seine „Rhllnischr Dottsvereinigung" scheinbar in den „Rahmen des Deutschen Reiches". Sie kehrte das „föderalistische .Prinzip" heraus und war doch von Gr rnd aus separatistisch. Smeets war offener. Er verlangte von Anfang an die Lostrennung der Rheinlande nicht bloß von Preußen, sondern vom Reich. Don Suli bis August vorigen Jahres war dann auch Dorten genötigt, Farbe zu bekennen und den Abfall seiner Separatisten- Republik vom Deutschen Reiche zu proklamieren. Heute, da der Oktoberputsch schmählich mißglückt ist, sind sie alle die reinen Ktnder. O e h m e n, „die oberste Heeresleitung" der separatistischen Schreckensherrschaft, zeitweilig auch „Regierungs- präsrdent" in Koblenz, Stellvertreter des rheinischen Republik-Präsidenten oder was weiß ich, schreibt heute, nachdem es ihm gelungen ist, sein Schäfchen mit der Erwerbung des verkrachten Separatisten-Derlages im Guten berghaus in Koblenz ins Trockene zu bringen — der frühere Weinhändler Oehmen also läßt heute eine Recht - fertigungsschrist in die Welt gehen, um ferne Reichstreue aufs neue zu beweisen. Vergebliche Mühe. Taten sprechen. Lind Oehrnens Tat und die seiner Gesinnungsgenossen war und ist der Verrat am Vaterland.
Auch Matthes sucht verglich den Veweis seiner- Unschuld zu erbringen. Er behauptet, Gegner der gewaltsamen Losreißrng der Rheinlande gewesen zu sein. Wer er hat dem Putsch vvrgeardeitet, hat ihn mitgemacht, in leitenden Stelle, und sein besonders Vergnügen darin! gefunden, Parade seiner „Reno", der separatistischen Danditenarmee, abzunehmen und sich mit der geschwellten Heldenbrust bei seinen Heerschauen photographieren zu lassen. Wozu das Kokettteren mtt solchem separatistischen Militarismus? Vis ihn die Meuterei feiner Söldner und der Zerfall der Putschregierung aus Koblenz nach dem sichereren Riederrhein jagte.
Heute ist auch Matthes der Mann, der es gewesen ist. Gr trieft von pazifistischer und söde- ixilistischer Gesinnung. Aber er bleibt „an der Seite Frankreich s". Ist das der Platz eines Mannes, der nur den bekannten Artikel der Reichsvei-fassung mit dem Endziel eines „Rheinischen Dundesstaates im Rahmen des Deutschen Reiches" will? Die Gestaltung des inneren Gefüges des Deutschen Reiches ist eine Angelegenheit, die nur das deutsche Volk angeht. Wenn Matthes das Rheinland, wie er behauptet, von Preußgn lösen will, um es zu einem Gliedstaat des Reiches zu machen, so hat Frankreich mit einer solchen Angelegenheit rechtlich auch r e t n gar nichts zu schaffen. Matthes aber erließ in der Zeit der Kämpfe um das Dawes-Gutachten und um das Londoner Abkommen folgenden Ge- heim-Erlaß:
„Rheinische Arbeiter-Partei, Bezirk: Pfalz-
Rheinhesfen. Geheim.
Düsseldorf-Dietenhofen.
An die Zentralausschüsse.
reich Fühlung zu Sehr eilig.
R-ame gez. unleserlich.
Matches hat
Geheim halten. Matthes, Kung, Weber Mime: unleserlich Rame: unleserlich."
Schreiben wendet .
Die Beschlüsse der Londoner Konferenz in der Amnestie-Frag: bzw. in der Wiederherste - lung der Berliner Iustlzhoh-it veranlassen fol- genr^n^^^-^^estsälifch: Volksbund wird als separatistische Organisation aufgehoben. An feine Stelle irttt d^r Rheinische Volksbund mit dem föderalistischen Pro gramm, das einen möglichst autonomen Bmnd^s ftaat auf Grund des § 18 der deutschen Re.chs- verfassung erstrebt. Der alte Geist unöö^ alten Ideale müssen sich dtÄer Etap^ vorerst zufrieden geben, irnr wirken natürlich Ü>€lt2r‘ Dis zur Organisation des Dheimschsr Volksbundes bleib! unsere Bewegung. roeiter v der Schwebe, Förderalismus, rheiNilche Auto nomie, Sicherheitsfrage und Dollerbund werden in nächster Zeit in Genf grundlegend erörtert, wo eine, selbstverständlich inofltztetle. De te gation unsere Interessen und J
London war es unmöglich, in der AmnesNrfrag^ mehr zu erreichen als geschah Der Unterzeich i war in der Vertretung der rheinischen Inter es,en auf sich ganz allein angewiesen.)
3. Das bestehende Sekretariat des Rheinifcy- Westfälischen Vvlksbundes bei Fl.-eund V e ck Düsseldorf, Immermannstr. 39 II ist aufgehoben, bleibt dort nur eine Informationsstelle
Da die Annahme des sog Dawes-Gutachtens durch den Reichs'ag voraussichtlich nicht erfolgt, sind die Funktionäre darauf hiiizuweisen, unverzüglich mit Propaganda die diversen Ortsgruppen zu beliefern und für rascheste Aufklärung der Bevölkerung zu sorgm, mit dem Hinweis, jetzt ist die geeignete Zeit gekommen, von Preußens Joch loszukommen >ind an Seite Frankreichs zwecks Herbeiführung normaler Lebenslagen zu treten. Evtl, d rrch Wahl einer selbständigen Delegation mit Frank- nehmen.
freilich wieder einmal eine falsche Rechnung ausgemacht. Das Londoner Abkommen und der in der englischen Hauptstadt und in Genf über Bedarf viel an gerufene „Geist Der Versöhnung" veranlassen diesen „schmierigsten Menschen Europas" (oder wie nannte ihn dieser Tage ein Schweizer Blatt?-) sich wieder einmal neu mit alten Lappen öu maskieren. Er wird vertraulich, indem er sich am 18. Augast „An Die Mitglieder des Direktoriums mtt folgendem
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Der Kerbstßeldzug des Gießener Anzeigers zur Werbung neuer Freunde und zur Wiedergewinnung alter, infolge der mißlichen Wirtschuftsverhältnisse zum Verzicht auf ihr Heimatblatt gezwungen gewese, °x, ist im Gange. Unser Vüstzcug ist der seitherige stete Ausbau des Teftteiles und der dru/ technischen Ausstattung nach der für die presse besonders schwierigen Kriegs- und GntwertungS- zeit, unsere Hoffnung die Anerkennung, die wir bei unserer Leserschaft schon seither gefunden hatten. Sie drückt sich aus in der von Monat zu Monat gestiegenen Auflage.
Immer mehr wollen wir den Gießener Anzeiger ausgestalten zu einem Provinzblatt, das selbst sehr hohen Anforderungen genügt.
Ln des VolMk
gilt es uns darum, klar und für jedermann verständlich Stellung zu nehmen zu allen wichtigen politischen Fragen, die die Welt bewegen, unter besonderer Berücksichtigung der Vorgänge in unserem unter dem Friedensvertrag niedergehaltenen deutschen Vaterland, Unbeeinflußt werden wir unsere Meinung vertreten, auch im politischen Leben unserer hessischen Heimat, der Provinz und der Stadt Gießen.
Des vottttsche Kachölchtöttdrsnst
hat schon seither letzte wichtige Meldungen schneller in das Verbreitungsgebiet des Gießener Anzeigers gebracht, als es den großen Tageszeitungen möglich war. (Sin ausgedehnter Telegramm-, Telephon- und Radiodienfl arbeitet auch in der Folge auf diesem wichtigen Gebiete.
Des aSlssmeins Lett
des Gießener Anzeigers soll an Vielgestaltigkeit noch gewinnen und so Unterrichtung und Anregung geben auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens.
Bee LMr«MMett
des Gießener Anzeigers, den wir durch eigene Orahtberichte über den Börsen- und Marktverkehr bereits weitgehend entwickelt haben, soll ständig bereichert werden durch schnelle und zuverlässige Berichterstattung aus allen einschlägigen Gebieten.
Dev KachVkchLeLtjstt aus GLabt rmd Land wurde von jeher mit besonderer Sorgfalt ausgestattet. (Ss sind Vorbereitungen getroffen, um die Berichterstattung aus der Provinz noch lebhafter zu gestalten und so ein anschauliches Bild zu bieten aus dem Kultur- und Wirsschaftsleben unserer engeren Heimat. Dieser außerordentlich wichtige Teil des Gießener Anzeigers soll ein starkes Bindemittel mit seiner Leserschaft sein.
Aus allen oberhessischen und benachbarten Bahnstrecken fahren täglich unsere Sonderboten und vermitteln unter Mitwirkung von über 200 eigenen Zweigstellen die denkbar nachdrücklichste Verbreitung unserer Zeitung noch am Ausgabetage. Von heute an kommen weitere 60 Zweigstellen neu dazu, so daß eine noch ausgiebigere Verbreitung des Gießener Anzeigers in der Provinz gewährleistet wird. Diese Vertriebsmaßnahmen, die wir ununterbrochen ausbauen werden, sind von Wichtigkeit für jeden einzelnen und für die Geschäftswelt im besonderen. Ze größer die Leserzahl des Gießener Anzeigers, desto gewichtiger sein Einfluß auf alle Vorgänge im öffentlichen Leben, desto eindringlicher aber auch die Wirkung aller geschäftlichen Empfehlungsmaßnahmen in unserer Zeitung.
Äem SVovt
soll weiterhin unter Berücksichtigung des sportlichen Lebens in Oberhessen und in den benachbarten preußischen Gebietsteilen ein angemessener Vaum im Gießener Anzeiger gewidmet sein.
LandwivtfchM rmdMsttrgaVLsrrbarr
werden im Gießener Anzeiger je nach Zahreszeit und den davon abhängigen Arbeitsgebieten einen beratenden Helfer haben. Hier konnten mir eine Veihe anerkannter, sachverständiger Mitarbeiter gewinnen, die die Bearbeitung der oberhessischen Erde aus eigener Anschauung kennen, und die somit wirklich prattische Ratschläge und Fingerzeige geben werden. (Sin Frage- kästen, der bisher schon viel Zuspruch gefunden hat, wird von erfahrenen Fachleuten bearbeitet. Die Beantwortung der Fragen erfolgt schnellstens und kostenlos.
Dsm bttderrdsrr rmLsrrhMenderr Lett des Gießener Anzeigers mußten wir in einer Zeit wirtschaftlicher Notlage weiter Kreise unsere Aufmerksamkeit in verstärktem Maße zuwenden. Für viele ist das gute Buch unerreichbar geworden, so daß uns die Pflicht erwächst, eine vorbildliche geistige Kost zu bieten. Daß wir in dieser Hinsicht auf dem rechten Wege sind, beweisen zahlreiche Anerkennungen aus der Stadt und namentlich aus den Landgemeinden unseres Verbreitungsgebiets.
Neben dem Vornan in täglichen Fortsetzungen und dem Feuilleton sind es insbesondere die dem Gießener Anzeiger beigefügten
GZetzenes SsMMerMüiiev
die eine sorgfältig und verständnisvoll ausgewählte literarische Unterhaltung bieten. Um höher gesteckten Zielen noch näher zu kommen, werden von jetzt an die Gießener Familienblätter außer SamütagS auch noch Dienstags dem Gießener Anzeiger beigefügt sein.
Zum Mwe
drängt der Zug der Zeit. Auch wir werden deshalb mit dem Bild vor unsere Leserschaft hintreten, aber nicht mit beziehungslosen Darstellungen, wie sie in zahlreichen Bilderbeilagen zu sehen sind, sondern mit ausgewählten Aufnahmen aus unseren Heimatgebieten und mit knapp und klar geschriebenen Textbeiträgen dazu. Zeweils am Donnerstag werden die Leser des Gießener Anzeigers eine in unserem eigenen Betriebe bearbeitete und gedruckte neue Beilage zum Gießener Anzeiger erhalten, die
KsimaL im MW
bditelt wird. Hier soll das Heimatgefühl gestärkt und die Heimatliebe gepflegt werden durch Wiedergabe von Bauten, Landschaften und Menschen des Hessenlandes, namentlich Oberhessens und der Nachbargebiete.
Dsv Estzsresr? ÄrrzeLssv
soll eben eine Provinzzeitung im besten Sinne sein, und hat es schon seither erreicht, daß er als Blatt der Familie in weiten Kreisen seiner Leserschaft anerkannt wird. Die Spalten unserer Zeitung sollen rein gehalten werden von allen Dingen, die irgendwie anstößig wirken könnten.
Bev Amskserrtett
des Gießener Anzeigers ist von jeher frei gewesen von Ankündigungen schwindelhafter oder sittlich bedenklicher Aft. Damit üben wir einen öffentlichen Schutz zum Besten unserer Leser aus und helfen wirsschaftliche und sittliche Schäden hindern durch Verzicht auf Einnahmen aus abgelehnten Anzeigenaufträgen, die sich jährlich auf Zehntausende belaufen. Auch von diesem Gesichtspunkt aus muß die Wirksamkeit und Werbekraft des Anzeigenteils des Gießener Anzeigers beurteilt werden. Eine Zeitung, die mehrere Menschenalter hindurch so in einem Vertrauensverhältnis zu ihrer Leserschaft gestanden hat — im nächsten Zähre werden es 175 Zahre sein — übt auch mit ihren Empfehlungsanzeigen einen bestimmenden Einfluß aus.
Durch Verwirklichung des vorstehenden Programms sind wir gewiß, daß wir von Monat zu Monat einen stärkeren Leserzuwachs zu verzeichnen haben werden. Wer noch nicht Bezieher des Gießener Anzeigers ist, bestelle sofoft in Gießen bei der Geschäftsstelle oder bei den Trägerinnen, auswärts bei den Zweigstellenmhabern oder bei der Post.
Oer Geschäftswelt erwächst während der Werbezeit im Oktober eine außerordentlich günstige Gelegenheit für ihre Ankündigungszwecke, auf die wir nachdrücklichst Hinweisen.
Verlag unt» Redaktion -es Gießener Anzeigers.
Mittwoch, 1. Oktober 192$
für unsere intercHtertcn Anhänger. Irgendwelche Bundes Vertretung erfolgt von dort aus nicht mehr. Sie ruhl bis auf weiteres Freund Decker gibt lediglich mündlich und schriftlich private Aus- ttinfte.
4 Rur in den allerwich'igsten Fällen wolle man sich an mich wenden. Die jeweilige Adresse gibt in solchen Fällen die obengenannte Aus- kunftsstelle
5. Wheres über die neuen Programm- und Organisativnssragen kann erst in einiger Zeil milgclcilt werden. Rach dein Ausgange bei Londoner Konferenz ist das geplant: Zusammen- tommen des Ausschusses, wie er zuletzt bestand, unnötig bzw. unmöglich.
Mit rheinischem Grub Stempel: gez. MattheS."
Rhein.-Weststs. DoUsbund.
Das Direktorium.
Der wirkliche Inhalt: Es blieb alleS beim Alten Rur die OrganisationSforin schwebt noch im Dunkeln Aber es b;eibt „der alte Geist" und es bleiben „die allen Ideale", auch wenn sie sich hinter- den s 18 der deutschen Reichsoerfassung vertti.chen und nunmehr „Föderalismus, Rheinische Autonomie, Sich.roeits» frage und Völkerbund" in den Vordergrund geschoben werden. Der rheinisch? Separatismus arbeitete schon im Juli 1923 mit d m Przifismus, wurde aber damals von den im Rheinland bestehenden Ortsgruppen der F.iedensgeseUschaft schroff abgeschüttelt Dir damaligen Wortführer des separatistischen Pazifismus waren zu üble Genossen' z. B. der Mädchenverführer und fernes geistlichen Amtes enthobene Kremers Inzwischen haben sich aber die aus Stuttgart nach Wiesbaden in bequemere Rachbarschaft her Franzosen übergesiedelte „M e n s ch h e i t" und ihr Redakteur Fritz Roettger zugleich mit dein Pazifismus auch des Separatismus arv genommen. In vertraulichen Gesprächen äubert sich Roettger über diesen Zusammenhang ungenierter, als cd die Redaktion seiner Zeitschrift erlaubt. Freilich ist er vorsichtig genug, za ver- sichern: Wir erstreben nicht wie Dorten eine autonome Republik, sondern einen Bundesstaat „im Deutschen Reiche". Ganz abgesehen davon, dah damit die Rechtfertigungsschrift Oeh- mens, des Deitrauensmannes Dortens, aufs Kürzeste und Bündigste widerlegt ist: Dem Re- tatteur der „Menschheit" sei erwidert, daß auch Dorten und seine Leute noch von 1922 23 bestritten, etwas anderes als einen Bundesstaat im Deutschen Reiche zu wollen. Und doch haben sie sich cm halbes Jahr später zu offener Auflehnung gegen bas D:utsche Reich, zar vollkommenen Abspaltung des Rh i.il.mdes von Deutschland befaimt. Der rheinisch: Föderalismus unter den Bajonetten der Franzosen im Rheinland ist eine schiefe Ebene, die immer wieder zu französelndem Separatismus führen mub. Zwangsläufig, ob seine Anhänger wollen oder nicht. Es ist denn auch bezeichnend, dab auch Roettger, obwohl er bas Dortensche Ziel einer „autonomen Republik" heute noch zuiückweist, tatsächlich jetzt schon mit den alten Separatistenhäuptlingen kokettiert und sympathisiert. Roettger selbst verrät in 'intimeren Gesprächen, daß er enge Verbindung mit früheren Separatisten unterhalt ober anzuknüpfen sucht. Sagc mir, mit wem du umgehst .... Mtt Preußen- feindlichkeit fängt der rheinische „Föderalismus' jeglicher Art an. Mit dem Versuch der Los- reihung des Rheinlandes vom Deutschen Reiche nach dem Vorgang von Smeets, Dorten und Matthes hört er auf. Ein gebranntes Kind, sagt man, scheut bas Feuer. Es ist nötig, den Rhein- ländern aller Parteien das Feuer zu zeigen, das der Pazifismus und „Föderalismus" der „Mensch beit" und seines Redakteurs Roettger an das Gebäude der deutschen Reichseinheit legt.
OeffentlLche Wohlfahrtspflege und Evang. Kirche.
i. In Bad Homburg v. d. Höhe fand ein „Kursus über die Reuregelung der öffentlichen Wohlfahrtspflege und die E v a n g l i s ch e Kirche" statt, zu dem neben dem Zentralausschuh für Innere Mission der deutschen Evangelischen Kirche (Sih Berlin) die einzelnen Verbände der Länder, nämlich der Landesverein für Innere Mission in Hessen, der Landesverein für Innere Mission im Konsiswrialbezirk Kassel, der Landesverband für Innere Mission in Ras sau und der Evangelische Verband für Innere Mission in Frankfurt a. M. eingeladen hatten.
Die Arbeitskonferenz des ersten Tages brachte am Vormittag nach der Begrüßung durch Pfarrer I). S t a h l -Hohenstein in Rassau den ersten Vortrag von Direktor Lic. Steinberg über das Thema „Die grundlegenden Bestimmungen der Reichsfürsorgeverordnung". Das zweite Referat lag in Händen des Regierungsrates Dr. Rich - t e r vom Reichsarbeitsministerium in Berlin. Zu dem ersten Vortrag gab Pfarrer Cloh, der zweite Vereinsgeistliche des Hessischen Landesver- eins, einen ileberblid über die Ausführungsver- Ordnungen zur R. F. V. (Reichsfürsorgeverord- nung) im Dolksstaat Hessen, da der vorgesehene Referent, Regierungsrat Dr. K r e b s ^Darmstadt nicht zu der Tagung erscheinen konnte. An diese Vorträge schloß sich eine lebhafte Aussprache an, die von dem Ministerialdirektor im Reichsarbeitsministerium, Ritter, Frau Regierungsrat Keller, der hessischen Ministerialreferentin, undDr. P o l l i g f e i t, Frankfurt a. M , bestritten wurde Besonders letzterer betonte eingehend seine Auffassung dah die „gehobene" Fürsorge für die Kleinrentner, die denselben gewährt werden muh, auf alle Hilfsbedürftigkeit angewendet werden muß. Die Verordnung, die am 1. Rovem- ber durch das Reich in Kraft gesetzt werden soll, sieht da nur eine Möglichkeit, keine Pflicht „gehobener" Fürsorge vor.
Die Rachmittagssitzung wurde von Super- intenbent D. Wisseman n aus Hofgeismar geleitet. Das erste Referat hielt in ihr Amtsgerichtsrat Dlumental aus Bottrop über „Die Reichsverordnung über das Inkrafttreten des Reichsgesetzes für Iugendwohlfahrt". Seine Ausführungen, die die wichtigsten Stücke bes R.I.G. vor Augen führten, liefen aus in die Forderung, daß die neueingerichteten Jugendämter unter allen Umständen diejenigen Vereinigungen der freien Liebestäligkeit und die Persönlichkeiten, die seither in der Jugendfürsorge gearbeitet und üch bestens bewährt haben, weiterhin für diese Arbeit heran-uziehen und das Gute, was geleistet wurde, weiter zu erhalten hätten. Den zweiten Rachmittc-^svo rag ci Dr. Pön ' d-


