Jenen Kandidatur tm teuren ^aiyre auf "Widerstand stieb, ist diesmal sogut wie gesichert.
Die Frage einer Ausdehnung des
Untersuchungsrechtes des Völkerbundes auf die Abrüstung Deutschlands
Und die früheren feindlichen Länder wird Gegenstand einer der ersten Unterredungen zwischen Macdonald und H e r r i o t in Genf sein. Die Beratungen, die in den letzten Tagen stattgefun- den haben, sind in dieser Frage auf dem toten Punkt angelangt und es scheint, daß nur eine Intervention der beiden Ministerpräsidenten sie von diesem toten Punkte abbringen könne. Kleber die Vorgeschichte dieses Stockens in den Verhandlungen wird berichtet, der st ä n d i g e Militärausschuß des Völkerbundes habe keine Mühe gescheut, sich der ihm anvertrauten Aufgabe, eine internationale Organisation vorzubereiten, die in den Friedensverträgen von Versailles, Trianon, St. Germain und Reuillh vorgesehen ist, zu entledigen. Die Aufgabe der Militärkommission sollte ebensogut auf Deutschland wie auf die übrigen früheren feindlichen Länder Anwendung finden. Sn dieser Hinsicht habe der Vertreter Frankreichs dargelegt, daß die französische Regierung den lebhaften Wunsch habe, dieses Problem so bald wie möglich Zu lösen. Sn diesem Augenblick habe der Vertreter Englands im Dölkerbundsrat Lord P a r m o o r dieser Auffassung gegenüber den Standpunkt der englischen Regierung dahin dargelegt, daß die Arbeiten für die Bildung einer Organisation für die Anwendung der Kontrolle auf Deutschland ausgenommen werden soll. Da Lord Parmoor darauf bestanden habe, daß gegenwärtig bei der Anwendung der Kontrolle nur von Bulgarien, Ungarn und Oesterreich die Rede sein soll, sei die Prüfung der Angelegenheit bis zur Ankunft der beiden Ministerpräsidenten verschoben worden.
Tannenberg.
Am gestrigen Sonntag feierte man in Ostpreußen auf dem Schlachtfeld von Tannenberg jenen großen Sieg, der vor 10 Sah" n den deutschen Boden vom russischen Einbruch befreite. Tas deutsche Volk ist heute durch die Fortdauer des westlichen „Einbruchs" schwer bedrückt. Es hat wenig Reigung, aller jener militärischen Erfol e zu gedenken, die sich damals wie ein4 glänzende Kette von Perlen aneinanderreihten, bis der Stellungskrieg und die Zermürbung begannen. Aber Tannenberg bildet eine Ausnahme. Es ist in der Kriegsgeschichte aller Zeilen nach Eannae und Sedan die dritte Einkreisungsschlacht, in der es gelang, den Gegner nicht nur zu schlagen, sondern ihn restlos zu vernichten.
Wie war damals die Lage? Ostpreußen, im Rorden, Osten und Süden von russischem Staatsgebiet umklammert, schien das Opfer eines gewaltigen Einfalls zu werden. Der russische Generalstab hatte zwei Riesenarmeen unter der Führung Rennenkampfs und Samson osfs von Osten und von Süden her in breiter Front über die Grenzen vorrücken lassen. Das Heine deutsche Ostheer unter General von Prittwitz und Gaffron wehrte sich tapfer, indem es versuchte, die beiden übermächtigen Gegner einzeln zu schlagen. Vergeblich. Schon erhielten die deutschen Truppenteile den Defchl, sich hinter die Weichsel zurückzuziehen. Damit wäre LZstpreuhen preisgegeben gea>efen und der spätere umfassende Angriff auf Polen unmöglich geworden. Die einfallenden rassischen Kosaken hausten schlimmer als die Tiere, miß- handelten die Bevölkerung, vertrieben sie von Haus, und Hof, zündeten Dörfer und Städte an. Es war die Wiederholung der Schrecken des Dortzßigjährigen Krieges.
Ta faßte die Oberste Heeresleitung pen ent- scheDdenten Entschluß. Zwei Armeekorps wurden, was die Kriegskritik so vielfach beanstandete' den^ westlichen Kriegsschauplatz entzogen und nach dem Osten hinübergeworfen. General Ludendvrff, der heute, man maß sagen: leider im Parteileben steht und dessen militärisches Charakterbild dadurch verwischt wird, übernahm unter Hindenburgs Oberleitung den Befehl über die 8. deutsche Armes, Seine erste Tat war die Aufhebung des Rückzugsbefehles. Durch einen dünnen Schleier schwacher Formationen wurde Rennenkampf getäuscht. Es ist heute noch nicht ganz aufgeklärt, warum er nicht in die Schlacht von Dannenberg eingriff, sondern fast unmittelbar vor Den Toren von Königsberg Halt machte.
Heute kann man ja frei darüber sprechen: Einem geistvollen R a d i o a m a t e u r, dem Professor Deubne/r der Universität Königsberg gelang es, die drahtlosen russischen Heeresbe fehle zu entziffern. Aus Gruno der Kenntnis dieser Funtsprüche sowie einer schriftlichen Meldung, die bei einem gefallenen russischen Offizier gesunden warte, unternahm Ludendorff mit der 8. Armee den unerhört kühnen Umgehungsmarsch zwischen den beiden russischer, Dampfwalzen hindurch, umfaßte den rechten Flügel der Samsonoffschen Rarewarmee und ließ andere Truppen um den linken Flügel der Russen herum in deren Rücken stoßen und maßlose Verwirrung dort anrichten. Die Russen kämpften mit größter Erbitterung und Tapferkeit. Aber feder Fluchtweg schien ihnen plötzlich abgeschnitten.
Aus den damaligen Depeschen des Geneval- quarliermeisters von Stein:
„Die Truppen des Generalobersten von Hindenburg ernten die Früchte ihres Sieges. Die Zahl der Gefangenen wächst täglich. Sie ist bereits auf 90 000 Mann gestiegen. Wieviel Geschütze und sonstige Siegeszeichen noch in den preußischen Wäldern und Sümpfen stecken, läßt sich nicht übersehen. Anscheinend sind nicht zwei, sondern drei russische Kom- mandierente Generale gefangen."
(Darunter war General Kljujew, der auf die Festung Reisse transportiert wurde. Kljujew, der den Oberbefehl übernommen hatte, als die Kata- istrvphr nicht mehr zu Vermeiden war, hat kürzlich leine Erlebnisse und Erfahrungen in einer est- ländischen Zeitung veröffentlicht.) lind dann meldete General v. Stein:
„Rach russischen Rachrichten hat sich der russische Armecführer erschossen."
Das war Samsonvff. Er irrte verzweifelt auf dem Schlachtfelde umher und gab sich schließlich selbst den Tod, Darus un Teutoburger Walde
Ties bet deutsche Sieg von Tannenberg. Er ermöglichte es, gegen die Armee Rennenkampfs neu aufzumarschieren und sie mit furchtbaren Verlusten über die Grenze zu treiben. Ostpreußen wurde frei. Von da an hat das deutsche Doll
die Schrecken des Krieges tm eigenen L-anv io gm, wie nirgends mehr kennengelernt.
Die Gedenkfeier auf dem Schlachtfeld von Tannenberg.
Al len st ein, 31. August. (WTB.) Unter Teilnahme von über 20000 MitgliB>ern der Krieger-, Militär- und sonstigen vaterländischen Verbände aus der ganzen Provinz Ostpreußen ist heute mittag auf dem Schlachtfelde von Tannenberg westlich Hohenstein die von dem Provinzial- kriegerverbande veranstaltete Grundsteinlegung d esTann en berg-Ration aldenk- m a l s erfolgt. Zur Feier waren erschienen die Feldmarschälle v. Hindenburg und Macken- s e n, General Ludendorff und die übrigen Feldherrn und Gruppenführer der Schlacht bei Tannenberg. Die Reichsregierung war vertreten durch den Chef der Heeresleitung General von S e e ck t, die preußische Staatsregierung durch den Ober Präsidenten Siehr, die Provinz Ostpreußen durch den Landeshauptmann von B r u n n e cf. Unmittelbar an dem mit Eichenlaub bekränzten Grundstein hatten eine Ehrenkornpag- nie Reichswehr und dahinter Abordnungen aller ostpreußischen Truppenteile Aufstellung genommen. Hindenburg und die Heerführer wurden beim Betreten des Fest Platzes mit brausenden Hochrufen begrüßt. Der ' Feldmarschall schritt, begleitet von General v. Seeckt die Front der Truppen ab und unternahm eine Rundfahrt zur Begrüßung der aufgestellten Vereine.
Snzwischen hatten sich zahl.eiche Fahnen und Danner der Vereine um den Grundstein versammelt. Es begann ein Feld o.lc'bie st mit dem gemeinsamen Gesang des Rietevändischen Dankgebets. Der evangellsche und der katholische Di- visionsvfarrer, hielten darauf Ansv'-achen. Mit dem Gesang „Dir möcht ich meine Leder Weihen" schloß der Gottesdt.nst. Darauf üoernahm der Vorsitzende des Provinztalkriegeroerbandes, Generalmajor Kahns, namens des Denkmalausschusses den Grundstein und verlas die ihm einzufügende Urkunde. Die ersten drei Hammerschläge vollsührte Hindenburg mit den Worten: ,,D e n Gefallenen zum dankbaren Gedächtnis, den UeberlebenDen zur Erinnerung, den kommenden Geschlechtern zur R ach e i f er u n g." General von Seeckt weihte den S ein namens des RrichS und des RetchZheeres. Hierauf l egaben sich die Ehrengäste zu der Tribüne, um den Vorbeimarsch der Reichswehr und der zahlreichen Vereine abzunehmen. Der Vorbeimarsch dauerte über iVß Stunden. Damit war die F.ier beendet.
Die Berliner „Tnttnenbrrq"-Arier.
Berlin, 1. Sept. (Priv-Tel.) Sm großen Saale der Philharmonie veranstalteten ge'tera ier Deutsche Offiziersbund, die Ve einigten vaterländischen Verbände und eine aroß? Reihe an e- rer Organisationen eine Tm en -er-Feie:. Der Präs d.nt des Deutschen Of fis.ee. bart es v. E i- se nha r i-Rvt he bracht' ein d.eifnhes Hurra auf die alte Arrn.e aus, dann hielt Genera:!.ut- nant v. Al"rock die Gedächtnisrede. Zum Schuß sangen die Anwesenden das Deut chlandlied. An Generalf ldmar ch.Pl v. Hindenburg und an General Ludendo sf war en Begrüßungs ele^ramme nach Hohenstein gesandt.
Aus Mer'Welt.
Dre Münchener Tagung des Evangelischen Bundes.
München, 31. Aug. lWolff.) Dis Samstag waren etwa 2000 Mitglieder des Evangelischen Bundes zur Teilnahme an der Generalversammlung aus allen Teilen des Reiches, aus dem benachbarten Oesterreich in München eingetroffen. Der Samstag zu ter Sitzung des Gesamt- Vorstandes benutzt. Außerdem fanden Abg.ordneten- und Mi gliederversammlun' en statt. Bei der Begrüßungsfeier atends in ter Tonh l e nahmen auch Vertreter der Behörden und Korf e - schäften sowie Delegierte das Auslandes teil. Heute vormi tag wurden in allen p rote tont ischen Kirchen Münchens Festgottesdienste abgehalten. Heute abend vrr.inen evangelische Volksabende die Teilnehmer der Generalversammlung in der Tonhalle und dem Odeon.
Der deutsche Katholikentag.
Hannover, 31. Aug. (WTB.) Die 63.Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wurde unter außerordentlich starker Beteiligung heute hier eröffnet. Bereits gestern fand in der Ausstellungshalle ein stark besuchter Begrüßungsabend 'statt, wo Oberpräsident Roske und Oberbürgermeister Le inert die Teilnehmer des Katholikentages in Hannover begrüßten. Reichsmint- ster Hösle überbrachte die Grüße des Reichskanzlers. Die Katholikentage sollten Aufbauarbeit leisten. Die deutschen Katholiken hätten die nationale Gesinnung immer so auf gefaßt, daß der wirklich Rationale und wirklich Deutsche und Vaterländische auch in diesen Zeiten sein Bestes gibt, um dem deutschen Volke zu helfen. Die ungeheuere Bedeutung des Londoner Paktes, bemerkte Minister Hoile zum Schluß, liege darin, daß endlich Rhein und Ruhr den Charakter einer Reparationsprovinz verlieren und £af) endlich das gesamte deutsche Volk und die gesamte deutsche Wirtschaft die Lasten zu tragen haben.
Ein Festgottesdienst im Freien leitete freute vormittag die großen Sonntags- Veranstaltungen ein. Es war auf dem weiten, von alten Bäumen umsäumten Schützenplah eve imposante Kundgebung des kathochchrn Deutsch- land An die 2000 Fahnen und Banner wehten über dem Platze. 50 000 Gläubige mochten versammelt sein: die katholische akademische Sagend war besonders stark vertreten. Bischof Dr. Schreiber (Meißen) hielt die Festpredig, der apostolische Runtius Pacelli die PontifiM- messe, deren Feierlichkeit durch ein Orchester und vierstimmige Chöre erhöhtwurde.
Sn der ersten g'Fchlogenen Versammlung erstattete Fürst Alois zu Löwen st ein den Te- richt des Zentralkomitees. Er versicherte, als Freunde des Friedens, als Brüder, die mit den andern Deutschen am Aufbau des Vaterlandes arbeiten wollen, seien die Katholiken nach Hannover gekommen. Auf Antrag des Zentralkomitees beschloß die Versammlung, den nächsten Katholikentag im kommenden Safrre in Stuttgart äbzuhalten, zugleich zur Feier des fünfzigsten Prrestecjubiläums von Bischof Keppler.
Geh. Sustizrat Dr. P o r s ch (Breslau) erstattete das übliche Referat über die römische Frage und brachte eine Resolution ein, die die Wiederherstellung der Souveränität des Papstes verlangt und die einstimmig angenommen wurde.
-tuq>r vas Streven nach Macht und Besitz liege dem Verlangen zugrunde, sondern der Wunsch des Papstes, mit aller Freiheit für die Menschheit der ganzen Welt tätig sein zu können, auch als neutrale moralische Macht, und unabhängig von jedem Einzelstaate. Prälat ©teinmann (Rom) bat im Ramen des Papstes die deutschen Katholiken, im heiligen Sah re 1925 nicht als weltliche Dergnügungsreisende.P sondern als fromme Pilger nach Rom zu kommen; im letzten Frühjahr hätten deutsche Romreisen.de durch ihr Auftreten der deutschen Sache in Statten unsagbar geschadet.
Zur ersten öffentlichen Versammlung im Kuppelsaal der Stadthalle erschien auch Reichskanzler Marx, durch Händeklatschen und Bravorufe lebhaft begrüßt. Dem mit Begeisterung empfangenen Runtius Pacelli sprach Oberbürgermeister Farwick den öffentlichen und feierlichen Dank für die Liebe aus, die er dem deutschen Volke durch sein Wirken'erwiesen habe.
Rach einer kurzen Ansprache des ehrwürdigen Bischofs von Hildesheim richtete
der apostolische Nuntius Pacelli das Wort an die Versammlung, die ihn stehend anhörte. Die diesjährige Tagung falle in eine schwere Prüfungsz.tt des deutschen Volkes. Um so bewundernswerter fei es, daß die deutschen Katholiken trotz der materiellen Rot den Blick nach den „ewigen Bergen" erhöben. Das einzige Rettungs- und Erneuerungsprogramm für die seelisch verwahrloste Menschheit sei die Rückkehr zu Christus, auch in Staat und Gesellschaft. Die Durchdringung auch der zwischenstaatlichen Beziehungen der Völker untereinander mit dem Geiste des Evangeliums, das solle der Grund- akko d der Versammlung sein. Möge dieses, zunächst das eigene Volk erfassende, aber auch Die ganze Menschh it umspan ende Versöhnungs- und Friedensprogramm eindringlch und hinreißend über die deutschen Gaue hinaus in die Welt klingen, aus daß die Gutgesinnten in allen Rationen aufhorchen und sich mit den Deutschen verbinden, um dem Frieden den Weg zu erleichtern, dessen Morgenröte jetzt den Völlern aufzuleuchten scheine.
Generalstaatsanwalt Dr. C l a r (Marienwerder erklärte, gegenüber dnn Freidenkertum und den Gegnern des sogenannten Ultramon- lanismus werde der Katholik auch fernerhin seine heilige Kirch: zu verteidigen wissen. Das Reichsschulgesetz müsse mindestens die Erhaltung der jetzt bcflefrenien Bekeantnisschalen sichern sowie die Anerkennung der einklassigen Schule als ordnungsmäßiger Schulbctrieo unD den Wegfall aller Beschränkungen bringen, die das Entstehen neuer Bekenntnisschulen nicht ändern, so werd, das Rcichsschulgesetz den Katholiken geben müssen, was ihn<.n die Reichsverfassung vorenthalte. Aussehen erregte die Mitteilung des Redners, daß die katholische Kirche in Deutschland gegenwärtig jährlich 100 000 Seelen verliere.
DonifatiuStag in Efchwege.
E s ch w e g e, 1. Sept. (Priv.-Tel.) Hier wurde unter großer Beteiligung der katholischen Bevölkerung gestern der 1200jährige Eebenkiag d:s von Bonifatius gegründeten berühmten Wallfahrtsortes der Franziskaner Eichsfeld begangen. Ein vorzeitiges Feuerwerk im Leipziger Lunapark.
Leipzig, 31. Aug. (WTB.) Heute vormittag explodierten im hiesigen Lunapark 27 Zentner Feuerwerkskörper, die zu dem für den Ahmd angefefrten großen' Feuerwerk verwende/ werden sollten. Riesige Feuergarben schossen in i^ie Lust. Die Kabinen des Familienbades, in denen die Feuerwerkskörper untergebracht waren, fingen Feuer und brannten nieder. Die Feuerwehr löschte in kurzer Zeit den Brand. Einer der Feuerwerker erlitt bei den Löschungsversuchest schwere Brandwunden.
Kampf mit Einbrechern.
Berlin, 1. Sept. (Priv.-Tel.) Sn Malow bei Berlin wurde gestern abend ein Parzellen- besiher von einem Einbrecher angeschossen. Der Angegriffene schoß wieder und brachte dem Einbrecher drei Schüsse bei, die ihn töteten. Der Parzellenbesitzer selbst hat einen schweren' Lungenschuß erhalten.
Ein Revolverheld in der Straßenbahn.
Berlin, 1. Sept. (Priv.-Tel.) Gestern abend geriet ein angetrunkener Fahrgast mit dem Führer eines Straßenbahnwagens, den er fortwährend belästigte, in Streit. Als der Straßenbahnführer ihn aussorderte, sofort abzusteigen schoß der Fahrgast auf den Führer, der mit einem lebensgefährlichen Buchschuß zu- sammenbrach. Der Täter wurde verhaftet.
Die Opfer des Eisenbahnunglücks in Indien.
Lahore, 1. Sept. (WTB) Vondenfünf- unbneunsig bei dem Eisenbahnunglück getöteten Personen sind achtundsechzig Mänv.er, achtzehn Frauen und neun Kinder. Verletzt wurden hundertundvier Personen. Die Führer und Heizer der beiden Lokomotiven sind ebenfalls verletzt worden. Die Strecke ist inzwischen wieder frei gemacht und der Verkehr heute früh wieder aufgenommen worden.
Wettcrvvranssaac
Wolkig mit Aufheiterung, mäß'g warm, westliche Winde, noch einzelne Regenfälle.
Das Haupttief im Rordmeer, das das kühle, veränderliche und regnerische Wetter der letzten Tage verursacht, frei sich etwas ab.'«schwächt, zudem steigt in Frankreich und Westdeutschland der Luftdruck. Eine durchgreifende Besserung der Wetterlage ist jedoch noch nicht gesichert.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 1. Sept. 1924.
Die vielseitige Leber.
„Spare in der Zeit, dann hast du in der Rot," sagte die Leber, fing den Zucker aus dem Blute ab, das ihr die große Pfortader vom Darm her zuführte! wandelte ihn in Stärke um und stapelte Liefe für schlechte Zeiten auf; wenn etwa die Muskeln ihre eigene Stärke und ihren eigenen Zucker bei großer Arbeit ganz verbraucht haben, dann öffnet die vorsorgliche Leber ihre Stärkespeicher, verwandelt die Stärke wieder in Zucker zurück, der mit dem Blut zu den Muskeln als Ersah transportiert wird. Aehnlich wie die Pflanze in den Knollen Stärke aufspeichert, um sie im Frühjahr in Zucker zu wandeln, wenn alles zu keimen beginnt.
„Wer den Heller nicht ehrt, ist der Mark nicht wert" — denkt unsere sparsame Leber; sorgsam sammelt sie den Blutzucker — und wenn sehr viel
vorhanden ist. so bildet die Vielseitigkeit kostbar? Brennstoffe, die wir „Fette" nennen, und läßt fb je nach Bedarf verschieden lang bei sich lagern. Ratürlich kann sie auch überflüssige Fette, die gerade wie der Zucker im Blut zu ihr gelangt sind, bei sich aufspeichern. Aber nicht unbegrenzte Mengen fettbildende und zuckerhaltige Stoffe vermag sie zu bewältigen. Wir kennen alle den Säufer mit feiner Fettltber. Der aus den alkoholischen Getränken stamdnende gewaltige Ueberschuß von fett- bildendem Stoff und Zucker verbleibt in dem fleißigen Organ, das nun dem Ansturm nicht mehr gewachsen ist, liegen; die Leber erkrankt, sie verfettet. Oder wenn auch Zuckerstoffe nur allein im Uebcr- m'aß genossen werden, so kann hie Leber schwer geschädigt werden; die Zuckerstoffe Mssieren unverwertet den Körper, — der Mensch wird zuckerkrank.
„Der Klügere gibt nach" — so weiß unser arbeitsames Schuhorgan — läßt den körpergiftigen „Ammoniak", der aus dem verdauten Fleisch oder Pflanzeneiweih stammt, mit dem Bltlt friedlich zu sich herein — schnell gibt sie Kohlensäure, die ihr gleichfalls das dunkle Adernblut zubringt, in genügender Menge hinzu — und siehe da, es entsteht der harmlose „Harnstoff", der durch den Körper unschädlich hindurchwandert und im Harn als wertloses Abfallproduft ausgeschieden-wj^d.
„Fest sieht und treu" — so konnte man wirklich sagen — die wachsame Leber, sorgfältig übt sie Kontrolle aus. und wirksame Gegenmaßnahmen trifft sie gegen unliebsame Eindringlinge. Gegen Arsen, gegen Blei, gegen Phosphor, gegen alle möglichen Gifte, die sich der törichte Mensch bewußt oder unbewußt zuführt, nimmt sie den Kamps auf; wird sie aber überrannt von den Eindringlingen, dann ist der Mensch verloren.
So notwendig in jedem Staatswesen — so auch im Zellenstaat, wie ihn der Menschenkörper darstellt — für den Ablauf des gesamten Geschehens die großen Vorratshäuser, der Polizej- korper, die Gefängnis- und Besserungsanstalten sind — mindestens so hoch schätzen wir die direkten positiven Arbeitsleistungen, die Herstellung der Gebrauchsgegenstände. Auch hier marschiert die fieber mit an der Spitze der Produktionsstätten des Körpers. So liefert in nimmermüder Arbeit die „Galle", die beim Gesunden in den Dünndarm !fließt, und die u. a. für die Fettverdauung unnent- behrlich ist. Wehe dem Menschen, bei dem sie einen falschen Weg — nämlich den ins Blut — nimmt. Wir alle kennen den mißvergnügten, galligen Typ, den uns die gelbliche Gesichtsfarbe schon oft von weitem kenntlich macht. Richt immer sind leichte Färbungen der Haut und Schleimhäute stark bedrohlicher Ratur; aber selbst die leichtesten fordern uns auf, schleunigst den Arzt zu rufen. Denn es ist-selbstverständlich, daß bei einem derart vielgestaltigen Organ, wie es die fieber darstellt, auch kleine (Störungen weittragende Folgen haben können. Roch eine Reihe wichtiger Funktionen der fieber würden zu nennen fein. Aber schon die hier angeführten genügen, um dem Rufe Rachdruck zu verleihen: „Schont eure fieber, intern ihr vernünftig und mäßig lebt! Bedenkt, der größte Feind der fieber ist der Alkohol!" Dr. C. M
** Di e Reichsindexziffer für dis Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wotz^ nung, Heizung, Beleuch'üng und Bekleidung) für Mittwixh. den 27. August, ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben. <5:e beträgt das 1,14 billionenfache der Vorkriegszeit.
*’ Stadttheater. Wir weifen nochn.o.s auf die morgige Aufführung „Die fünf Frant- furter" 'von Carl Röhler hin. Das reizende fiuft« spiel, das in Rauhrim stets großen Erfolg hatte, ist vom Spielleiter Herrn Volck äußerst sorgfältig einstudiert un& wird auch gewiß in Gießen den besten Anklang finden, zumal es feit Sauren hier nicht mehr aufgeführt worden ist.
" DieStenographen-Gesellschaft Gabelsberger eröffnet am Dienstag, 2. September, einen Ansängerlehrgang unter Leitung eines staatlich geprüften Lehrers der Stenographie. Bei der großen Bedeutung, die die Stenographie und besonders das Shstcm Gabelsberger in den letzten Sahren gewonnen hat, kann jedem die Erlernung dieses Systems dringend empfohlen werden-
** Der Landesverband hessischer Schrein er meist erundverwandter Berufe hält am 13. und 14. September in Gießen seinen diesjährigen Derbandstäg ab.
** Besucherkarten für d i e Kölner H e r b st m e s f e. Um den zur Kölner Frühjahrsmesse von Ausstellern and Einkäufern vielfach beklagten Andrang von schaulastigem Publikum auf , ocr Herbstmesse (14. bis 19. September) fernzuhalten, hat das Messeamt Köln im Einvernehmen mit den Handelskammern und Han- delsverbandcn den Ausweiszwang für Messcbxsucher eingeführt. 'Sn den verschiedenen Bezirken sind Stellen eingerichtet worden, die Vorausweise für die Messe ausgeben, und zwar nur an solche Personen, die sich als Kaufleute oder ernsthafte Sntereffenten ausweiscn können. Gegen Abgabe dieser Ausweise erhält der Messebesucher in Köln Eintrittskarten für die Messe zum ermäßigten Preis (Dauerkarten 7 Mk. Doppel^Tag.slarten 5 Mk.. Tageskarten 3 Mk.). Sn Gießen sind die Vorausweise beim Verein der Detailliften e. V., zu Händen Herrn R. Buchacker, Reuen Bäue 11, zu haben D-urch diese Regelung ist die Gewähr geboten, daß der Geschäftsverkehr auf der Kölner Herbstmesse sich reibungslos abwickelt.
** Berufsberatung für Abgebauts Der preußische Handelsminister weist in einem auch für Hessen bemerkenswerten Erlaß hin, daß eine große Zahl von Beamten, d'.e durch den Personalabbau des Reichs, des Staates und der Gemeinden erst aus ihrer Tätigkeit herausgerissen worden sind, für die deutsche Wirtschaft aus Grund ihrer ©rfafrmugen noch gute Dienste leisten können, trenn sie sich durch eine Zusahaus- b i l d u n g hierfür die nötigen Kenntnisse aneignen. Er warnt aber vor dem Eintritt in über» füllte Be rufe und empfiehlt solchen Beamten dringend, sich an die öffentlichen Berufsberatungsstellen zu werden, die in der Regel mit dem öffentlichen Arbeitsnachweis verbunden finb. Die Vvrbeveitu,^ auf die neue Tätigkeit wird vielfach durch den Besuch der Fach- und Berufsschule erfolgen können. Die Träger der gewerblichen und kaufmännischen Schulen, die Berufsberatungsstellen 'und ti: Direktoren der Staatlichen Fachschulen sind daher ersucht worden, ter Beratung und Schul mg ter abgebauten Deantten ihre Aufmerksamkeit zu schenken und Wünschen der Deamteäorganisatio- nen nach Möglichkeit entgegenzukommen.
** D i e Frist zur Vorlegung der Gold.markervffnungsbilanzen wftd


