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Wochenrückblick.

Die Rede Lvrd Curzons Im englischen Oöerhause, die wir vor 8 Tagen veröffent­lichten, war in ihrem großen Wprf gewiß dar­auf angelegt, eine Wirkung zu zeitigen, allein wir wissen heute noch nicht, ob sie für Deutsch­land erfreulich sein wird. Cs waren zweifel­los manche Punkte darin, die uns wohl ge­fallen konnten. Wenn Curzon zum Beispiel sagte, die sogenanntenSicherungen" zwischen Deutschland und Frankreich müßten auf voller Gegenseitigkeit beruhen, so ist das ein Lay, den wir nicht wieder vergessen lassen dürfen. Die englische Regierungspolitik ist darauf festzuna­geln. In der Tat, das schmähliche deutsche Ge­schick, daß das Reich in seiner Wehrlosigkeit sich monatelang die unglaublichen französi­schen Gewaltstreiche gefallen lassen muß, er­fordert bei kommenden Verhandlungen die un­bedingte Gewähr für das künftige Uitterblei- ben solcher fremden Willkür in unserem Lande.

Die sonstigen Locktöne CurzvnS haben sich nicht als süßer Wohllaut bewahrt. Cs war er­klärlich, daß weite Teile der deutschen Oesfint- lichkeit meinten, das Kabinett Cuno dürfe schwerlich an solchen Londoner Anregungen tatlos vorübergehen, und die Regierung hatte auch alsbald durch das Wolff-Bureau ver­künden lassen, sie sehe in der englischen Mi­nisterrede einen Anlaß, die Frage eines neuen deutschen Angebotes ernsthaft zu prüfen. Seit­dem sind mehrere Tage ins Land gegangen, die wieder einen Reif auf die Fcühlingswelt haben fallen lassen. Zunächst hat die Lon­doner 'Presse auf jene amtliche deutsche An­kündigung und die optimistischen Kommentare der deutschen Presse sauer reagiert. Curzon habe, so hieß es, nicht gesagt, daß er über­haupt vermitteln oder einen deutschen Vor­schlag zur Erörterung befürworten wolle. Was aber hat das diplomatische Seifenblasenspiel des englischen Lords denn aber bezweckt? Ans scheint es heute, die deutsche Politik täte wohl daran, von einem neuen Wiederherstel­lungsangebot vorläufig Abstand zu nehmen. Denn die französische öffentliche Mei­nung, auch PvlncaräS neueste Verlaut- barringen, sind voll neuer, scharfer Anwürfe gegen Deutschland, die Pariser offiziöse Presse erklärt heute sogar, Deutschland müsse vor irgendwelchen Verhandlungen den passiven Widerstand völlig abblasen, und die zweideu­tige englische Lektion scheint mit allem zu­frieden zu sein, wenn sie nur im Rahmen ihres allgemeinen Standpunktes eine Abkürzung des Konfliktes erreicht. Gibt Deutschland seine Rechte oder Lebensnotwendigkeiten preis die Engländer werden es gewiß daran nicht hindern. Curzon glaubte auf beiden Seiten, also auf französischer wie auf deutscher, An­zeichen dafür erblickt zu haben, daß die Mög­lichkeit neuer Verhandlungen heranrücke. Zu-« gleich stellte er fest, daß der tatkräftige und beharrliche Widerstand des deutschen Volkes in der Welt allgemein überrascht habe. Statt nun von vagen Anheimstellungen sich zu An­geboten drängen zu lassen, sollte unsere poli­tische Führung unserer Meinung nach lieber darauf Bedacht nehmen, daß der Respekt vor dem deutschen Widerstandswillen noch ein we­nig wächst. Cs sollte einmal deutlich kund­getan werden, daß die deutsche Vertrauens­seligkeit, die zuerst von Wilson so schmählich mißbraucht, da nn aber auch von unseren an­deren Gegnern so häufig enttäuscht worden ist, nicht mehr vorhanden ist. Der erbitterte passive Abwehrkampf an der Ruhr, die täglich sich mehrenden und sich verschärfenden Roheiten der Franzosen, rechtfertigen in unserer aus­wärtigen Politik nicht jenes vorzeitige phili- fttöse Anzünden der Friedenspfeife, die nie­mand von uns entgegennehmen will. Wir müßten bekunden, daß Lord Curzon deutlich und Herr Pvincarä h ö f l i ch zu sprechen habe, wenn von deutscher Seite eine Anregung zum Frieden erwarvet werde.

Indessen, das Kabinett Cuno scheint sich entschlossen zu haben, trotz allem in einer neuen Rote seine Friedensbereitschaft zu er­klären. Innerpolitische Schiebungen und Machtansprüche spielen ausschlaggebend dabei mit hinein. Der Sozialdemokratte gilt die hohe Schule der politischen Erfahrung immer noch nicht soviel als die lehrhafte Richtung ter3 Parteiprogramms. So wird denn in Berlin täglich hinter den Kulissen verhandelt, rmd das Kabinett macht Konzessionen. Es ist so gut wie sicher, daß in einigen Tagen ein neues offi­zielles Angebot an die Entente herausgegeben wird. In Paris wie in London rechnet man bereits besttmmt damit. Ans ahnt nichts Gutes. Wenn das Kabinett Cuno an denjeni­gen Bedingungen festhält, die auch die Sozial- demokratte unbedingt gewahrt wissen will, nämlich an der vollen, unverkürzten Souve­ränität über die Rheinlande und das Ruhr­gebiet, wird PoincarS aller Wahrscheinlichkeit mit neuen Schmähungen über Deutschland her­fallen. Dann wird bei der Fortsetzung des

Kr. 99

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Erster Blatt

173. Jahrgang

Samstag, 28. April 1923

SiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck und Verlag: vrühl'sche llniverfitätt-yuch- und Steinörnderei K. Lanze in Gießen. Zchrlftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7.

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Abwehrkampfes die Sozialdemokratte kaum zum Rückzug blasen können, im Gegenteil, es wäre zu hoffen, daß sie dann die ganze Schärfe ihrer Waffe gegen den französischen Militarismus wendet. Der Essener Betriebs­rätekongreß, dessen stark kommunistisch beein­flußte Entschließung wir gestern mitgeteilt haben, läßt es nicht möglich erscheinen, daß Frankreich an der Ruhr uns wirklichauf die Knie zu zwingen" vermöchte. Der sozialdemo­kratische Reichstagsabgeordnete Sollmann von Köln weist imVorwärts" alle Reigungen zu einer internationalen Gendarmerie auf dem linken Rheinufer und einer Kontrolle der Eisenbahnen als große Gefahren entschieden zurück. Die Rheinländer verlangen, so schreibt er, Sicherungen für ihre Zukunft:

Die Rheinländer müssen srrudig begrüßen, wenn .zwischen Frankreich und Deutschland ein gegenseitiger Sicherungsvertrag nach dein Vorbild von Schweden unJ Norwegen im Iahre 1905 gefchloss.n traute: Entmilitarisierte breite Grenzzone aus ten Ge i t: beider Länder, Vcroot von Eav.i onen. Fe ungj- we ken, Waffen.azern und Ola fe .fa. dun, Uebungs- und Flugplätzen, Manövem, S.ütz- punlteu, jeg.ichen Vorbereitungen zu einer Mobil­machung, Benutzung der Eisenbahnen zu militäri­schen Transporten usw."

Roch wird heute aller Voraussicht nach die französische Regierung nicht bereit sein wollen, auf solchen Grundlagen Friede zu machen. Darum ist das Drängen nach einem deutschen Friedensangebot nicht gerade das Klügste, was man tun kann. Herr Poincare schöpft daraus nur eine Stärkung seiner Politik und seines Anhanges. Er verschleiert damit den täglich deutlicher werdenden Bankerott des Ruhrabenteuers, der sich auch durch die miserable Stimmung der französischen Eisenbahner im besetzten Gebiete äußert. Diese desertteren vielfach, begehren erhebliche Lohnzulagen und fordern den Rachzug ihrer Familien auf deutschen Boden. Die franzö­sische Verkehrslotterwirtschaft tritt immer ärger in die Erscheinung. Von Koks- und Kohlenabtransport kann kaum die Rede sein, und die Beschaffenheit des in Lothringen an­gelangten Kokses ist derart, daß der Argwohn entstand, die Deutschen hätten den Koks durch eine chemische Flüssigkeit für die Hochöfen unbrauchbar gemacht. Die Wahrheit wird sein, daß man den Franzosen nicht etwa das beste Material zum Ausladen gezeigt haben wird. Die unter der Fuchtel des französischen Mili­tarismus beschäftigten Haldenarbeiter berech­tigen die französische Industtie auch nicht ge­rade zu frohen Hoffnungen. So verbohren sich Herr Degoutte und die Rheinlandkommission in die Verschärfung ihrer Gewaltmetho­den, zuletzt auch in jene sinnlose Beschränkung des Wagen- und Autoverkehrs, die doch nichts anderes anzeigt als den völligen Niedergang desfriedlichen" Durchdringungsvermögens der Franzosen.

Die Mahnung zur Geduld sollte demnach im deutschen Volke verstanden und beherzigt werden! Die zur Beratung stehende deutsche Rote wird um so wirkungsvoller sein, je we­niger sie die Geste der Verschüchterung' oder gar Verzweiflung an den Tag legt und je ernster sie den warnenden Finger gegen den westlichen Bedrücker erhebt!

Ein neues deutsches IHeparationsangeboL

Derlin, 27. April. Wie die Blatter mit­teilen, sind die Vorverhandlungen über ein deutsches Reparationsan gebot an die alliierten Mächte soweit gediehen, daß sich das Reichskabinett voraussichtlich morgen mit der Rote befassen kann. Darauf sollen dann die Parteien unterrichtet und gehört werden. Vor Dienstag nächster Woche sei die Tlebermittlung des deutschen Angebots an die Alliierten nicht zu erwarten.

(§i»e Acutzeruuq Mussolinis.

Rom, 27. April. (WTB.) Agenzia Ste- fani. In der heutigen Sitzung des Minister­rates berichtete Ministerpräsident Musso­lini über die Lage im Ruhrgebiet und sprach über die Möglichkeit einer deutschen Rote, die eine umfangreiche diplo­matische Aktion Hervorrufen könnte. Frankreich will keine Verhandlungen.

Paris, 27. April. (WTB.) Der TempS" bestätigt in feinem Leitartikel die heutige Erklärung desM a t i n, daß die französische Regierung entschlossen sei, bevor sie sich auf Verhandlungen einlasse, die Zu­rückziehung der Maßnahmen, Verordnun­gen usw. im Sinne des passiven Wider- standes zu verlauten. Das Blatt schreibt: Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß die französische Regierung nicht auf ihre Llufsaf- fung verzichten wird. Sie wird kein deutsches Angebot in Bettacht ziehen, solange der passive Widerstand" andauert. Die Vertre­

ter Frankreichs in den auswärtigen Haupt­städten werden davon unterrichtet werden.

DerSozialdemokratische Parla­mentsdienst" erklärt: Der Verzicht auf den pass iven Wider st and kann nicht eher ein­treten, bevor die Verhandlungen zu einem Ergeb­nis geführt haben oder bevor nicht wenigstens die deutschen sinter Händler von ihrem ausfichts- reichen Verlauf überzeugt sind. Die deutsche Ar­beiterschaft würde ihre Derhandlungsbasis schwä­chen, wenn sie ihre einzige Waffe, den passiven Widerstand, aufgibt. Sie wäre dann auf Gnade oder Ungnade ten französischen Bajonetten aus­geliefert. Ihr bisheriger Kampf gegen den Mili­tarismus wäre umsonst geführt, und sie mühte, um nicht zu verelenden, schließlich dennoch unter Bajonetten arbeiten.

Eine Note Poincar6s über die deutsche Schutzpolizei.

D e r I i n, 27. April. (Wclff.) Die von P o i n- care in seiner Rede am vergangenen Sonntag angekündigte Rote über die deutsche Schutzpolizei ift vor einigen Tagen dem deut­schen Geschäftsträger in Paris übergeben worden. Sie ist vorgestern durch Karrer in Berlin erngcgan- gen und lautet in deutscher Uebersehung:

In Beantwortung des Schreibens Qir. A 5056, das der deutsche Botschafter unter dem 10. Dezem­ber 1922 an mich gerichtet hat, bitte ich Sie, im Namen der alliierten Regierungen, welche die Note vom 29. Dezember 1922 unterzeichnet haben, Ihrer Regierung die folgende Mitteilung machen zu lassen:

Die deutsche Regierung erörtert in ter An­lage 1 ihres Schreitens vom 10. Dezember von neuem jede dec fünf noch unerfüllten: Forderungen, auf welche die alliierten Re° gicrungen die deutsche Regierung mit ihrer Kol­lektivnote vom 29. Dezember aufmerksam gemacht und zu deren schleuniger Regelung sie sie damals angesichts ter besonderen Wichtigkeit, welche sie ihnen beilegten, aufgefortert haben. Wie sie die deutsche Regierung m ihrem Schreiben vom 17. No­vember 1922 haben wissen lassen, beabsichtigen die alliierten Regierungen (indessen) nicht, sich mit ter deutschen Regierung hinsichtlich dieser fünf Sttpu» lationen in irgendeine Verhandlung e i n z u l a s s e n, da diese ihrem vollen Umfange nach zur Kompetenz ter Interalliierten M i 111 tärkontrolllommission gehören. In­folgedessen fordern die alliierten Regierungen die deutsche Regierung von neuem auf, alte Maßnah­men zu treffen, um eine schnelle und vollständige Ausführung dieser Forderungen sicherzu stellen und der Interalliierten Militarkontrolltommifsion je­des Entgegenkommen zu gewähren, dessen sie zur Durchführung der Kon!rolle bedarf. Erst wenn die Interalliierte Kontrvlltommission berich et haben wird, daß die Ausführung jener Forderungen bis zu einem gewissen Grade vorgeschritten ist. der die endgültige Regelung sicherstellt, werden die alli­ierten Regierungen, wie bereits in ter Kollektiv­note vom 29. Dezember 1922 ausgesührt, bereit fein, die Frage zu prüfen, unter welchen Bedin­gungen es möglich sein könnte, die ter deutschen Regierung durch den -Unterhalt der Kontrollkom­mission auferlegten Lasten zu erleich- t e r n, intern sie diese, wie in tem Schreiten ter Dotschafterkoiiferenz vom 14. April 1922 näher darlegt, durch ein m i l i r i s ch e s G a ra n t i e- komiteez versehen. Die alliierten Regierun­gen können diese beiten Gesichtspunkte heute nur aufrechterhalten und infolgedessen über die Ge­samtheit ter fünf Punkte ter Note vom 29. Dezem­ber nicht von neuem in eine Diskussion eintreten.

Immerhin soll auf einen dieser fünf Punkte hier besonders eingegangen teerten. Die alliier­ten Regierungen hatten di: deutsche Regierung in der Note vom 29. Dezember 1922 eingeladen, sobald wie möglich auf die Note ter Kontroll­kommission vom 1. Iuli 1922 zu antworten, in der um Vorlegung eines endgültigen Entwurfes für de Reorganisation der Schuhpol i- z e i ersucht wurde. Dieses Ersuchen beantwortete die deutsche Regierung in ihrem Schreiten vom 11. September lediglich mit ter Ditte um Aus­dehnung der Zustimmung zur Verstaat­lichung der deutschen Polizei, ohne irgend einen Entwurf zur Reorganisation ter Polizei vor­zulegen. In ihrem Schreiben vom 20. Dezember 1922 bezieht sich die deutsche Regierung länglich auf ihr Schreiten vom 11. September. Unter die­sen Umständen sehen die alliierten Regierungen ihre Auffassung über die Frage ter Organisation ter deutschen Polizei in der anliegenden Note mit aller Klarheit auseinander.

Was die Ein-.e^ragen anlangt, die in der 21 Vage I tes Sire bens rvm 10 Cezemb r unter­sucht werten, s» sind dis alliierten Regierungen der Ansicht, daß sie von ihrer Seite ten Gegen­stand von Entscheidungen gebildet haben, auf die zurückzukommen kei l Anlaß vorliegt.

Der Rote ist folgende

Anlage

angefügt:

Die Vorschläge ter deutschen Regierung für die Reorganisation der deutschen Po­lizei. die ter Interalliierten Militärkontrvll- kommission am 11. September 1922 vorgelegt worden sind und auf die die deutsche Regierung sich in ihrem Schreiten vom 10. Dezember 1922 bezogen hat. sind von ten alliierten Regierungen geprüft worden. Diese stellen fest, daß diesen Vorschlägen zufolge die Poli,ei eine zentrali­sierte Organisation von wesentlich mili­tärischem Charakter bleiten würde ent­gegen ten Bestimmungen des Frietensvertrages und ter Rote von Doulogne. In der Tat haben die alliierten Regierungen in ter Note von Dou» logne Deutschland die Erlaubnis zur Heraus-

sehuna des Effektivtestantes feiner Orbnungä- Polizei von 92 000 auf 150 000 Mann nur mit dem ausdrücklichen Hinzufügen erteilt, daß es untei keinerlei Dorwand geduldet werten könnte, daß diese Vermehrung erfolgen könne unter Aufrecht­erhaltung ter Sicherheitspolizei einer Polizei von wesentlich militärischeni Charal.'er und wesentlich militärischer Organiialion. zu deren Auflösung Deutschland seit Dezember 1919 aus- geforderr worden sei. Die Ord rungspolizei fülle nach derselben Rote ihren Charakter als ten einer regionalen und munizipalen Orga­nisation bewahren. Sie füllte in keiner Hin­sicht und auf keine Weise eine zentrale Organi­sation erhalten, und sie sollte lediglich mit einer Bewaffnung ausgestattet werten, die ihrer Rolle entsprach.

Die deutsche Regierung hat wohl eine Ver­ordnung veröffentlicht, welche die Auflösung ter Sicherheitspolizei aussprach. Ater trotz ter Londoner Rote vom 5. Mai 1921, in ter die Be­dingungen, denen die zugestandene Vermehrung ter deutschen Polizei unterworfen war, in Er­innerung gebracht wurden, rnd trotz ter Erläute­rungen, die die Interalliierte Militärtontroll- kommission dazu gab, hat die deutsche Regierung eine Staatspolizei geschaffen, nämlich die Schutzpolizei, in welcher die Sicherh-.its- polizei mit ihrer militärischen Organisation, ihrer militärischen Einteilung usw. aufrechterhalten worden ist.

Die Vorschläge, die ten Gegenstand des Schreibens vom 11. September 1922 bilden, können hiernach nicht angenommen werden.

Die von ter deutschen Regierung erbetenen Zugeständnisse in ter Anwendung der von den alliierten Regierungen aufgestellten Grundsätze (Verteilung, Ausstattung wichtiger Städte mit Staatspolizei) werten nicht in Erwägung gezogen werten U>nnen, solange nicht eine vollstän­dige -ilmgefialtung des Charakters der Polizei diese letztere in ten Rahmen ter Rote von Doulogne und des Frietensverttag'es ein­gefügt hat. Die alliierten Regierungen fordern die deutsche Regierung auf, diese -Umgestaltung sicherzustellen und den Grundsatz einer Reorgani­sation ter Polizei auf folgenden Grundlagen an­zunehmen :

1. Die Organisation ter Polizei in Grup­pierungen militärischer Natur hört auf.

2. Die militärische Einteilung ter Polizei verschwindet.

3. Der Unterricht ter Polizei beamten hört auf, ein militärischer Gesamtunterricht zu sein.

4. Ein Statut, das aus dem Personal ter Polizei ein wirkliches Beamtenper­sonal macht, tritt an die Stelle des jetzigen Statuts, auf Grund dessen zwischen tem Stand eines Polizei beamten in ter Schutzpolizei und demjenigen eines Ange­hörigen der Reichswehr kein realer Unterschied besteht.

Die deutsche Regierung muß die administra­tiven und gesetzgeberischen Maßnahmen treffen, die zur Verwirklichung ter vorstehenden Grund­sätze erforderlich find, und zwar sind diese Maß­nahmen zu treffen, nachdem sie von ter Kontroll­kommission gutgeheißen worden sind.

Neue Verkehrsschranken zwischen besetztem und unbesetztem (Gebiet.

Pa r i s, 27. April. (WB.) Nach einer Havas- melbung aus Koblenz hat die R h e i n l a n d kom­mission unter dem Vorsitz des französischen Oberkommissars Tirar d gestern teschlos en. ten Verkehr zwischen den besetztenGebie-- ten und dem nichtbeseyten Deutsch­land für alle Personen zu verbieten, die nicht mit einem von den alliierten Behörden ausgestell­ten Passierschein versehen sind. Diese hoch­wichtige Maßnahme, so fügt Havas hinzu, werte ten Treibereien ter Geheimverbänte entgegen* arbeiten dadurch, daß sie die Einreise ter Agita­toren, Hetzer und Organisatoren von Sabotage- Akten verhindere.

Wiesbaden, 27. April. Als Ersah für den unterbundenen Kraftwagenver- kehr zwilchen dem be'etzten und unbssetztm Ge­biet richteten die Franzosen heute einen umfang­reichen Personenzugverkehr zwi chm der Grenzstation Griesheim a. HL über Höchst nach Wiesbaden ein, ter vorläufig sechs Zug - paare nach jeder Richtung täglich umsaßt. Die Franzosen wollen auf diese Weise die deutsche Bevölkerung zur Benutzung ihrer Zugein'-ichlun- gen zwingen. Leider machten heute zahlreiche Personen von ter Einrichtung Gebrauch. Die Fahrpreise ter französischen Regie sind erheblich höher als die deutschen Tarife.

Die Mafsenausweisnngen.

Köln a. Ah., 27. April. lWTD.) Von gestern nacht 12 Uhr bis heute früh 8 Uhr find mit wenigen Ausnahmen alle Beamte ter Sta­tionen RHembach, Otendors und Kot enforst sowie der ©trecfenbaumeiiter der Dauabt i ung Rhein­bach, Regierungsbaumeister von Bauer, nebst d ei weiteren Beamten die'er Abteilung verhaftet und mit einem Kraftwagen in das unbesetzte Gebiet abgeschoben worden. Es handelt sich insgesamt um 4 2 Bedienstete.

Aus ter Strecke München-Gladbach Giersen beim DahnhV Hsl^nenbrunn ist en l<lg schrr P r onenpig entgleist.

= Höchst a. M., 27. April. Mit sofortige, Wirkung wurden heute 21 Finanz- und Gerichts­beamte ausgewiesen, ferner vertrieben die Fran­zosen ten Kreisarzt Dr. H a 11 e n b er g e r. den Direttor ter Hessen-Nassauischen Gasgefellschast. Schnabel-Kühn, ten OberfötfterSch möding