Nr. 70
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173. Jahrgang Zreitag,
GietzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
vni« mid Verlag: vrlihl'lche Univer-tStr-vuch- und Steinöruderei n. Lange in Sieben. Schrisileitung und Sefchästrftellt: Schulstrabe 7.
23. Mr; 1923 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit, preir für 1 mm höhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtlich 80 Mk., auswärts 100MK..für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 400 MK.Dei Platz. Vorschrift 20 "/.Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans BeL, sämtlich in Giehen.
Der Reichskanzler in München.
München, 22. März. (Wolfs.) Der Reichskanzler ist heute vormittag m München eingr- troffen 3n seiner Begleitung befinden sich u. a. die Reichsminister Gehler und S t i n g l, Staatssekretär Dr. Hamm, der bayrische Gesandte in Berlin v. P r e g e r und der toürttembergische Gesandte v. Hrldenbrand. Zum Empfang waren u. a. erschienen: Präsident v. Knilling, der Minister des Innern Sch weh er, der Präsident des Landtags Königsbauer, der Regierungspräsident von Oberbayern Dr. K a h r, der Polizeipräsident und die beiden Bürgermeister der Stadt München. Auf dem Bahnhof und auf dem Wege zum Hotel Continental, wo der Kanzler abgestiegen ist, wurde er von einer zahlreichen Menschenmenge lebhaft begrübt.
M ü n ch e n, 22. März. (Wolff.) Ihn i/3ll Tlhr fuhr der Reichskanzler in Begleitung des Ministerpräsidenten K n i l l i n g nach dem Staatsministerium des Aeuhern. Dort begrüßte der Chef der bayerischen Staatsregierung den Reichskanzler offiziell mit herzlichen Worten. Der Reichskanzler dankte in einer längeren Rede, in der er zum Ausdruck brachte, fein Besuch in München sei ihm nicht eine leere Formsache, sondern ein Herzensbedürfnis. Der Reichskanzler sprach die feste Lieberzeugung aus, dah die Reichsregierung nnd die bayerische Regierung in der gegenwärtigen schweren Rot die gleichen Ziele verfolgen, und sich gegenseitig vertrauensvoll die Hände reichen werden. Mit besonderem Rachdruck betonte er, dah an der ruhigen besonnenen Politik des passiven Widerstandes unter allen Llmständen feft- gedalten werde. An dem offiziellen Emtzfang nahmen die Reichsminister Gehler und Stingl, Staatssekretär Hamm und sämtliche bayrischen Staatsminister teil. Anschliehend hieran fand eine Fahrt zum Landtagsgebäude statt, wo am Portal tfWL.Landtagspräsiüent Königbauer mit herzlichem Händedruck den obersten Reichsbeamten willkommen hieb. Die offizielle Degrühung durch den Präsidenten erfolgte im Roten Zimmer des Landtagsgebäudes.
München, 22. März. (WTD.) Bei dem Empfang im Landtag hielt Reichskanzler Cuno nach einer Degrühungsrede des Oandtagspräsi- denten eine Ansprache, in der es u. a. heisst:
Wenn jeinals in einer Zeit bei einem Volk das Volk selbst der Träger der Geschichte des Landes war, so ist das heute der Fall. Wie oer Widerstand an der Ruhr, in der Pfalz, im besetzten Teile des Rheinlandes herausgewachsen ist aus der innersten Sache des Volkes und der innersten Liebe des Volkes zum Lande, zu einer friedfertigen Entwicklung und zur Wi^ererlan- gung der Freiheit zu kommen, so ist der Träger dieses Kampfes das ganze deutsche Volk im besetzten und unbesetzten Gebiet. Deshalb hat es besondere Bedeutung, dah Sie, meine Herren, als die berufenen Vertreter des bayerischen Volkes, zugleich als Vertreter aller Parteirichtungen, mir Ihre Llnterstühung zuficherten. Eines ist klar, dah keine Regierung diesen Abwehrkampf gewinnen könnte, wenn sie nicht die Volksvertretung einbaut in einen Organismus und sich damit mittelbar auf das ganze Volk stützen kann. Rur solange das ganze Volk zusammenhält, auch im nichtbesehten Teile die Parteiunterschi e d e z u r ü ck st e l l t und sich einmütig auf die Abwehr des widerrechtlichen Einbruchs einstellt, nur solange können wir zusammen, Sie als ■ Vertreter des Volkes, wir als die verantwortlichen Führer der Regierung, den Abwehrkamps mit guter Aussicht weiterführen. Was in unseren Kräften steht, wird geschehen, die Leiden des Volkes im besetzten Gebiet zu mildern und auch im nichtbesehten Gebiet die wirtschaftlichen Verhältnisse zu erleichtern und günstiger zu gestalten. Riemals aber können wir das um den Preis tun, wenn wir nicht den Brüdern untreu, werden wollen, niemals um den Preis der Llnter- werfung unter den Willen des Feindes. Von der Einstellung unseres Volkes aus die grohen Auhenziele unserer Politik davon hängt das Schicksal Deutschlandsab. Mit meinem herzlichen Dank bitte ich zugleich die Zusage entgegenzunehmen, dah wir unbedingt diesen Weg weiter verfolgen und nach keiner Seite uns wenden und abdrängen lassen. Zugleich nehmen Sie die Zusicherung mit, dah dieses Kabinett, wie ich in meinen ersten Reden im Reichstag ausführte, es sich angelegen sein lassen wird, die Eigenart der Länder und Stämme im großen Deutschen Reich zu berücksichtigen, denn die Kraft der Länder und die Zusammenfassung aller dieser Kräfte der Länder und Stämme machen die Kraft des Reiches aus.
Rach der Begrühungsfeier im Landtage stattete der Reichskanzler dem päpstlichen Run- tius Monsignore Pacelli einen Desuch ab. Um 12 Uhr mittags gab die Stadt München dem Kanzler einen Empfang im Rathaus, wobei Bürgermeister Schmid den Kanzler begrüßte. Der Reichskanzler borrftc mit einer Rede, in der er die Bedeutung Münchens als Kunststadt hervor- hvb und die Worte des Bürgermeisters unterstrich, dah das Dreigestirn Reich, Land und Gemeinden es sei, welches das Volk zusammenfasse.
Der Anschlag aus Smeets.
Ko-In, 22. März. (Wolff.) In der Mord- fache Smeets kann heute noch mitgeteilt werden, dah der der Tat dringend Verdächtige von Beruf Mechaniker ist. Er soll aus der Gegend von Kassel stammen. Alle Maßnahmen zu seiner Ergreifung sind getroffen worden. Der Mann hielt sich beschäftigungslos in Köln aus.
Die Luftflottensrage im englischen Oberhaus
London, 22. März. (Wolfs.) Gestern fand, wie Im Unterhaufe, so auch im Ober harse, eine Aussprache über das Verhältnis der Luft- streitkräfte Frankreichs und Großbritanniens statt. 3m Oberhause erklärte, nach einer ausführlichen Meldung Lord Birkenhead, diese Frage sei von größter öffentlicher Bedeutung. Die von Frankreich als dauernd in Aussicht genommene Friedensstärke betrage mehr als das Doppelte der britischen Friedensstärke. Vier Jahre seien seit dem Waffenstillstand vergangen. Richt eine Äle sei in der Richtung auf eine Wiederherstellung der Rahe auf dem europäischen Kontinent zurückgelegt worden. Während dieser Zeit habe sich eine Reihe von ernstesten internationalen Problemen zur Regelung zwischen beiden Alliierten Großbritannien und Frankreich ergeben. Das ernsteste dieser Probleme betreffe die Reparationen. Fast fünf Monate seien vergangen, seitdem die gegenwärtige Regierung der Koalitionsregierung gefolgt sei. Aber die Beziehungen Englands zu Frankreich seien_ nicht besser geworden. Seit 1913 sei die französische Presse England gegenüber niemals weniger freundlich gesinnt gewesen als heute. Die französische Regierung sei der Ansicht, daß sie von England nicht die Ltnterstühung erhalten hab:, die sie bei der Durchführung ihrer Politik im Ruhrgebiet habe erhalten sollen. Frankreich sei allein ins Ruhrgebiet gegangen. Das britische Heer sehe sich in Köln in einer äußerst schwierigen Lage. Der gesamte Handel britischer Kaufleute mit Deutschland sei unterbrochen and jeder Art von Belästigungen ausgesetzt. Es gibt keinen vernünftigen Engländer oder Franzosen, der sich nicht über eine riesige und dauernde Katastrophe für den Kontinent im klaren sei, wenn es sich als unmöglich Herausstellen sollte, die Harmonie, die bestanden habe, wiederherzustellen. Es bestehe jedoch die Pflicht gegenüber dem eigenen Volke. Wie der Staatssekretär für Lustfahrt mitteiste, habe Großbritannien 371 Flugzeuge, Frankreich 1260. 3m Jahre 1925 würden, wenn die augenblicklichen Programme beibehalten würden, Großbritannien 575 und Frankreich 2180 Flugzerge haben.
Lord Birkenhead gab dann einen Ueberblick über die Verteilung der britischen und französischen Lustkräste in der Heimat und anderen Weltteilen und führ fort, in England seien im Jahre 1922 200 Flugzeuge für zivile und militärische Zwecke gebaut worden; Frankreich habe insgesamt 3300 gebaut, nämlich 3000 für militärisch! und 300 für zivile Zwecke. Dies sei sehr beunruhigend. Er habe niemals geglaubt, daß eine Ration, die England riesige Summen schulde, Mittel für so gewaltige Rüstungen in einer Zeit finden würde, in der nicht die geringste Aussicht bestehe, daß auch nur ein Pfennig des geschuldeten Geldes jetzt oder in naher Zukunft oder überhaupt zurückgezahlt werden könne. Es sei gesagt worden, daß große deutsche Luftvvrbereitungenim gegenwärtigen Augenblick im Gange seien. Er erfahre von Offizieren, die in letzter Zeit die deutschen Verhältnisse eingehend kennengelernt hätten, daß diese Mitteilungen außerordentlich übertrieben seien, daß auf jeden Falt keine deutsche Luftbedrv'hung für die nächsten zwei Jahre bestehe und daß auch keine Luftbedrohung von feiten Deutschlands im Verein mit Rußland zu befürchten sei. Aber dies würde die Lage noch beunruhigender machrn. Großbritannien könne mit einer älnterlegenheit in der Luft während der nächsten drei, vier oder fünf Jahre nicht mehr zufrieden sein, als es mit einer Unter- legenheit zur See vor dem Jahre 1914 hätte zufrieden sein können. Gin geringerer als der Einmächtestandard biete keine Sicherheit. Er würde jedes Opfer bringen, um die für die Zivilisation und den Wiederaufbau der Welt notwendige Freundschaft mit Frankreich aufrechtzuerhalten ; er glaube aber nicht, daß es für ' irgendeine Regierung in England möglich sein würde, einen Standard in der Luft anzunehmen, der niedriger sei als die Gleichheit mit irgendeiner auswärtigen Macht.
London, 22. März. (WTD.) Der Unterstaatssekretär für das Sutherland erklärte im Oberhaufe, Birkenhead habe die Zahl der britischen Flugzeuge richtig mitgeteilt, aber seine Zahlen Über die französischen Flugzeuge seien nicht ganz zutreffend. Die letzten Informationen zufolge hätten die Franzosen 1260 Flugzeuge, von diesen seien 11 Abteilungen in Frankreich, gegenwärtig 10. 3m Jahre 1925 würde die Zahl 29 seien für Uebersee bestimmt. Die Zahl der britischen Abteilungen in der Heimat betrage
der britischen Flugzeuge 575 betragen gegen 2180 französische, unter der Voraussetzung, daß keine Aenderungen des Programms eintreten, das noch von der französischen Kammer und vom Senat
angenommen werden müsse.
Der Unterstaatssekretär fuhr fort: Wenn das gegenwärtige Kabinett und der Ausschuß für die Reichsverteidigung der Ansicht sein sollten, dah die augenblicklichen Umstände eine größere Luft- streitmacht erforderlich machten, dann müsse sie geschaffen werden. Erfordere es die britische Politik, weiter im Irak, in Palästina und im Rordvsten zu bleiben, so sei es zweifellos billiger, diese Länder von der Luft aus zu konftwllieren als durch das Heer. Wenn England seine ßuft- streitkräfte auf einem Sinmächte-Standard erhöhen würde, so würde es unverzüglich eine Gesamtausgabe rxm 23 Millionen Pfund jährlich decken müssen. Falls das volle französische Programm zur Ausführung gebracht werde, werde diese Summe auf jährlich insgesamt 35 Millionen Pfund erhöht werden.
Lord H a l d a n e erklärte, die Lage der Verteidigung Englands sei mißlich. Es wäre ein sehr großes Unglück, wenn die Beziehungen Englands zu Frankreich schlechter würden. Frankreich brauche die Freundschaft Englands und England brauche diejenige Frankreichs, wenn der Frieden er'fKdten bleiben solle. Die britische Flotte sei immer noch die mächtigste Flotte der Welt. Die Frage der Verteidigung gegen Luftangriffe auf London müsse eingehender Aufmerksamkeit gewidmet werden. Er glaube nicht, daß Frankreich zum Kriege mit England treibe. Lord Haldane erklärte zum Schluß, er glaube auch nicht, daß Frankreich von einem Kriege mit England träume, zugleich aber erkenne er die Möglichkeit von Eventualitäten an, auf die England vorbereitet sein müsse.
Lord Grey führte aus: So lange man in Zweifel über die Sicherheit der Heimat sei, werde es immer nötiger, die Verpflichtungen Englands außerhalb der Heimat zu vermindern. Er hoffe, es werde in Frankreich allgemein anerkannt, daß, was auch augenblicklich wieder der Fall sei, die Sicherheit Frankreichs auf die Dauer von der Freundschaft Großbritanniens avhänge. Gr wünsch?, es werde in England mehr bekannt, daß die Sicherheit Englands von der Freundschaft Frankreichs in einem nie gedachten Maße ab- 'hänge. Seit dem Waffenstillstand seien die Dinge immer unsicherer geworden. Was die Luftstreit- kräfte beträfe, so befände man sich am Rande eines neuen Rüstungswettstreits, wenn nicht das Gefühl allgemeiner Sicherheit in Grropa erzeugt werden könne, das durch eine allgemeine Herabsetzung der Luftstreitkräste ebenso wie anderer Streitkräfte herbeigesührt würde. Die Herabsetzung könne zuwege gebracht werden, indem der Völkerbund umfassender, wiikfamer und stärker gemacht werde und durch ihn ein vitaleres Gefühl der Sicherheit erzeugt werde. Die Rüstungen würden Kriege nicht vechmdern; sie würden im Gegenteil zu künftigen Kriegen führen. Dieses Jahr, das soviel Drsorgnis verursache, sei für den Kontinent ein sehr kritisches. In den allernächsten Monaten werde es sich zeigen, ob man der Sicherheit Europas entgegengehe oder sich von ihr entferne.
Lord Salisbury erklärte, D.rkenhead habe Frankreich gegenüber eine Sprache geführt, die er mißbillige. Aber- in der Hauptfrage bestehe zwischen ihm und Birkenhead wenig Meinungsverschiedenheit. Die Regierung fei vollkommen in der Lage, alle diese Fragen zu ordnen, wenn das Land es wünschte. Er ersuche das Oberhaus and das Land, der Regierung zu vertra ien. Es werde keine Zeit üertoren werden. Die Regierung hoffe, innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums das Ergebnis ihrer Beratungen mitteilen zu können, das, wie er sicher glaube, die ilnter- stühung aller Parteien des Parlaments finden werde.
Lord Curzon führte aus, er sei sicher, daß Birkenhead bei seinem Vergleich der britischen mit den französischen Luftstreitkrästen keinerlei feindselige Gefühle gegen Frankreich gehegt habe. Riemand empfinde mehr Sympathie für Frankreich und feine gegenwärtige Lage als er selbst.
Lord Gong betonte, es sei klar, daß bei der augenblicklichen finanziellen Lage Englands die notwendigen - Millionen zur Finanzierung eines Einmächte-Standards nicht gefunden werden könnten. England sei entschlossen, seine Freundschaft mit Frankreich aufrechtzuerhalten. Es gebe ehre große Zahl von Leuten in England, die bei dem ftanzösischen Vormarsch ins Ruhrgebiet auf Frankreichs Seite ständen.
Ein Interpellation in der holländischen Kammer.
Aus dem Haag, 23. März. (WTD.) In der Zweiten Kammer stand die sozialistische Ruhrinterpellation auf der Tagesordnung. Sprecher der sozialdemokratischen Arbeiterpartei war Dräutigam. Er sagte, er wolle nicht die rechtliche Grundlage der Ruhrbesetzung erörtern. Ihre Folgen seien aber sehr ernst für Holland, dessen Bevölkerung zum großen Teil von der Freiheit des Handels und der Industrie abhängig sei. Zehntausende von Holländern seien für ihre Existenz auf die Arbeiter im Ruhrgebiet oder für das Ruhrgebiet angewiesen. D?r Handel leide unter der älnsicherheit der Lage. Der Interpellant fragte unter anderem, ob der Minister bereit fei, sich mit den Regierungen anderer Staaten in Verbindung zu setzen, deren Interessen mit denen Hollands ü&ereinftimmten, um bei der
ftanzösischen und der belgischen Regierung gemeinsam aufzutreten, damit die Bestimmungen der Rheinschifsahrtakten loval durchgeführt würden. Der Minister des Aeuhern van Karnebeek sagte in Doant- wortung der Interpellation, man dürfe nicht übersehen, daß der Rückschlag, der sich in Holland bemerkbar machte, nicht nur auf das im Ruhrgebiet eingeführte Regime, sondern auf die Tatsache der Besetzung selbst zurückzuführen sei. Die niederländische Regierung habe sich an die in Frage kommenden Regierungen gewandt und eine günstige Antwort erhalten. Zunächst hätten die besehenden Mächte eine Liste von Gütern aufgelegt, die frei eingeführt werden könnten. Damit sei eine Regelung über die am 1. Januar unterwegs befindlichen Güter zustande gekommen. Der deutsche Tarif für freie Güter sei jetzt wiederhergestellt. Ferner sei eine Regelung zustande gekommen, damit die Kontrakte, die am 1. Februar
liefen, ausgeführt werden könnten. Binnen kurzem sollte der alte deutsche Tarif wahrscheinlich wieder- hergestellt werden. Die lOproz. Olbgabc toüvöe also damit entfallen. Für neue Kontrakte seien die Aussichten nicht günstig. Weiter erklärte der Minister, Holland sei stets für die Aufrechterhaltung der Rheinfahrtakte eingetreten, habe sich aber nicht zum Dolmetscher der Klagen anderer gemacht. Der niederländischen Regierung sei nichts bekannt davon, dah andere Länder wünschten, Holland möge für ihre Interessen ein treten. Seines Erachtens handele Holland richtig, wenn es vorläufig für seine eigenen Interessen sorgte. Er sei vorläufig nicht in der Lage, den Gedanken eines gemeinsamen Auftretens zu erwägen.
Die Einigung des Liberalismus gescheitert.
London. 23. März. (WTD.) Die Der» Handlungen zwischen den Rationalliberalen und den unabhängigen Libera- l e n wegen der Wiedervereinigung der beiden Gruppen sind gescheitert. Dei der gestern abend abgehaltenen Sitzung der unabhängigen Liberalen unter dem Vorsitz Asquiths wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt .Vorbedingung für ine formelle Wiedervereinigung mit den Liberalen und die Einrichtung ber entsprechenden Apparate sei die Zusammenarbeit im Parlament und in den Wahlkreisen. Asquith wiederholte seinen Wunsch nach Vereinigung der beiden Teile der liberalen Partei dmrch Zusammenarbeit während der Sitzungen und in den Wandelgängen. Er erklärte sich aber nachdrücklich gegen den Vorschlag, einen beratenden Ausschuß einzusehen, in dem außer ihm selbst Lloyd George, Simon und Mond sitzen sollten. Die Auffassung Lloyd Georges war gewesen, dah ein wirksames Zusammenarbeiten ohne vorherige ‘Beratung nicht möglich sei.
Eine französische Räuberbande in Dortmund.
(Berlin, 22. März Olach einer Meldung des „(Berliner Tageblatts" aus Dortmund drangen in der Rächt vom 19. zum 20. März mehrere französischeSoldaten unter Führung eines Chargierten in sieben Häuser in der Leierst raße ein. Den Bewohnern wurden Pi st olenvordieBru st gehalten und Geld und Wertsachen abgenommen, im ganzen IVs Millionen Mark Bargeld sowie zahlreiche Kostbarkeiten. Die Frauen, die in ihren Wohnungen angetrvffen wurden, wurden in der gemeinsten Weise belästigt. Die Betroffenen wurden heute vom Dortmunder Be° sahungsamt vebnommen. In derselben Rächt wurden zahlreiche Passanten von den gleichen Soldaten unter Bedrohung mit der Waffe ihres Bargeldes und ihrer Wertsachen beraubt.
Die Ausweisungen.
Frankfurt a. M. 22. März. (Wolff.) Die Ausweisungen aus dem südlichen besetzten rheinischen Gebiet dauern in verstärktem Umfange an. Heute morgen traf hier ein Schub von 20 Personen (darunter eine Dame), meist Beamte, aus der Gegend von Kreuznach- Meisenheim (Rahe) ein. In Darmstadt langen täglich Transporte mit Ausgewiesenen, meist aus Mainz und dem übrigen Rheinhessen, an.
Frankfurt a. M., 22. März. (WTD) Der Streckengänger der Cronberger Strecke, Hupp, iß heute nacht beim Streckenbegehen von den Franzosen verhaftet und von 2,30 bis 5 Uhr früh in einem Schilderhaus festgehalten worden. — Die Familie des ausgewiesenen De- triebsrats Ibkendanz in Worms muh ebenfalls binnen vier Tagen Worms verlassen. Der Oberingenieur Finke vom Detriebsamt 1 in Worms und der Maschinist D i s ch o f s von der Detriebswerkmeister« in Worms sind von den Franzosen aufgefordert worden, in ihre Dienste zu treten. Da ste dies ablehnten, mußten sie ihre Dienstwohnungen räumen.
Die Fremdherrschaft in Bad Ems.
fpd. Bad Ems, 22. März. Hier haben die Franzosen die Bereitstellung von 41 Wohnungen mit 3 bis 7 Zimmern und Küche für französische Angestellte des Ein- und Ausfuhramtes gefordert. Hotelwohnungen wurden abgelehnt, vielmehr ausdrücklich Privatwohnungen gewünscht.
Ein unverschämtes Ansinnen an die Stadt Düsseldorf.
Düsseldorf, 22. März. (WTB.) Die hiesige Stadtverwaltung wies die Wegnahme von Geräten für Küchen- und Speiseeinrichtungen im Werte von 300 M i ll ion e n M ar k mit dem Hinweis zurück, daß sie nicht in der Lage sei, bei Requisitionen, die nicht mit der Ruhraktion in Zusammenhang stehen, mitzuwirken. Der Ortskommandant teilte der Stadtverwaltung mit, daß er das ablehnende Schreiben an den General nicht weitergeben würde und bemerkte dazu, es sei überflüssig, bei jeder Gelegenheit zu wiederholen, dah die deutsche Regierung der Stadtverwaltung verboten habe, den Anordnungen der DelakungSbebörde nachzukommen«


