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Nr. 46

Erscheint täglich, <twf$er Sonn» und Feiertag«, mit berSamstagsbeilage: GießenerFamilien b lätter Msnaiiiche Vezvorpreise: 1325 Mark und 75 Mark Träger lohnchurch diePoft 1400Mark,auchbeiNicht» er schein en einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse. strdieSchrift. leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Aozeioer Ziehen.

p-stfchecNonto: trnmtfirt a. M. 11686.

175. Jahrgang

Kettag, 23. Zedruar 1923

GietzenerAn;eiger

General-Anzeiger für Gberhefien

vniS mb Verlag: vrühl'sche Univerfilitts-Vvch- und Stetnbraderei R. Lange in Stehen. Zchristlettnng und GefchaftrsteSe: Zchnlstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohnejede Berbindlichkett. Stets für 1 mm HSHe für uzeigenv 27 mm Breite örtlich 50 Mk., auswärts 70 Mk.; für Rekl ame. Anzeigen von 70 mir Breite 240 MK.Bei Platz. Vorschrift 20 "/.Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteü: Hans Bedt, sämtlich in Biehen.

Eine französische Beschwerde und ihre Zurückweisung durch die Reichsregierung.

Berlin, 22. Febr. (WTD.) DaS franzö­sische Ministerium des Auswärtigen übersandte der deutschen Botschaft in Paris am 13. d. M. folgende Verbalnote: Der französische Konsul in Kattvwitz teilte mit, datz der deutsche Konsul in Kattvwitz die An­weisung erhielt, den polnischen Arbeitern keine Sichtvermerke für die Durchreise nach Frankreich zu erteilen. Dir Warendurchfuhr von Polen nach Frankreich und Belgien wird gleichfalls von den deutschen Behörden verweigert. Diese Tatsachen stellen Verletzungen der Artikel 276 und 321 des Friedensvertrages dar. Die französische Regierung protestiert gegen diese Verletzungen, von denen sie für alle Fälle Kenntnis nimmt.

Der deutsche Geschäftsführer in Paris wurde, daraufhin beauftragt, der franzö­sischen Regierung folgende Rote zu überreichen:

Die deutsche Botschaft beehrt , sich im Auf­trage ihrer Regierung dem Ministerium des Aus­wärtigen aus seine Verbalnote vvm 13. Februar folgendes zu erwidern: Die Mitteilung des fran­zösischen Konsuls in Kattvwitz, das) der deutsche Generalkonsul in Kattvwitz die Anweisung er­halten hätte, den polnischen Arbeitern die Aus­stellung von Sichtvermerken für die Durchreise nach Kankreich zu verweigern, trifft nicht zu. Der Generalkonsul ist im Gegenteil ausdrücklich ange­wiesen, Sichtvermerke auszustellen, wenn feststeht, das; sie tatsächlich für die Durchreise nach Frank­reich bestimmt sind. Die deutsche Regierung weist daher den Bvrwurs der Verletzung des Art. 276 des Vertrages von Versailles als unbegründet zurück. Was die Warendurchfuhr von Polen nach Frankreich und Belgien anlangt, so liegt eine allgemeine Verweigerung der Durchs rhr durch die deutschen Behörden nicht vor. Der Güter­verkehr auf den deutschen Eisenbahnen mrßte in- felge der Kohlenknappheit und der Verkehrs­störungen, die durch den Einbruch der fra.rzöfischen und belgischen Truppen in das Ruhrgebiet md ihre Eingriffe in daS Verkehrswesen des besetzten linksrheinischen Gebietes und des Ruhrgebietes verursacht wurden, allgemein stark herabgesetzt werden, so da st auch im innerdeutschen Vermehr die Annahm- von Gütern zur Beförderung auf den Eisenbahnen in weitem Umfange eingeschränkt mnirbe. Von den Einschränkungen im innerdeut­schen Verkehr konnte der Durchgangsverkehr nicht unberührt bleiben. Weitergehende Einschränkun­gen als im innerdeutschen Verkehr wurden für den Durchgangsverkehr nicht vorgenommen. Da nach Artikel 321 des Vertrages von Versailles der Durchgangsverkehr nur Anrecht auf die gleiche Behandlung wie der innerdeutscheVerkehrhat, liegt eine Ver­letzung des Artikels 321 des Vertrages von Ver­sailles nicht vor. Liebrigens must die deutsche Regierung aber einen Widerspruch in dem Ver­halten der ftanzösischen Regierung feststellen, der darin liegt, dah sie auf der minutiösen Einhal­tung der- Durchreise- und D rrchfahrtbestimmungen des Vertrages von Versailles bestehen zu können glaubt, während sie zur gleichen Zett ohne jeden Rechtsgrund in den besetzten Gebieten durch die LahmlegungdesEisenbahn Verkehrs und durch den Erlast von Aus- und Ernfuhrver­boten nicht nur jeden Güterverkehr zwischen diesen Gebieten und dem übrigen Deutschland xnter- bindet, sondern es der deutschen Regierung arch unmöglich macht, die Deutschland gegemttxw an­deren Staaten obliegenden internationalen V«- pflichtungen hinsichtlich des Durchreise- inb- Durch­fuhrverkehrs einzuhalten.

Neue Schläge gegen die deutsche

:ern, Trier-Römer- Merufer, sowie die Zöll­ig erdrück, Echer-

Zollverwaltung.

Berlin, 22. Febr. (WB.) Die Franzosen und die Belgier verübten heute wieder neue Schläge gegen die deutsche Zollver­waltung, indem sie im Laufe des Tages toterer eine Reihe von Hauptzollämtern, Zollämtern und Dezirksinspektivnen militärisch besetzt haben. Die in den Aemtern anwesenden Angehörigen der Reichsfinanzverwaltung wurden gewaltsam ver­trieben und den Einlahbegehrenden mit Wakfen- qewo/t der Zutritt verwehrt. So wurden besetzt die Hauptzollämter Krefeld und Kalbe n - kirchen mit fast sämtlichen Nachgeordneten Zml° Ämtern, die Hauptzollämter Emmerich- En wer, Cleve. Ludwigshafen, Lan­dau, Kaiserslautern, Trier-Romer- brücke, Trier- ZohannV^rufer, sowie dw Zoll­ämter Waffe r b i l l t gerdrück, Scher- nocherbrück, Linden, Frankenthal, Wörth Zweibrücken. Kaplan ei h o f,. Bochum und fast alle Zollämter des Bezirks

V erhaltet wurden: Oberzollins^ktor Rei­mann und Zollassistent Gerner vom Haupt^>ll- amt Düsseldorf 2, Zollinspektor Wetzel vorn Hauptzollamt Duisburg, der Kassenvorsteher vorn Haupt-ollamt Ludwigshafen. Zollamtmmrn Aich- ter. Damit ist die Zahl der Angehörigen der Rech'finr z'-erwa tu g die d eDewaltma mahmen der Franzosen und Belgier erdulden müssen, auf 197 gestiegen, die der hiervon ohne Verurteilung Ausgewiesenen auf 134. Die Gesamtzahl der Aus- qewiesenen erhöht sich wesentlich dadurch, dah in den meisten Fällen die Familien mit ausgewiesen worden sind.

Ein Aufruf

an die deutschen Beamten.

Berlin. 22. Febr. (Wolff.) Der Reichs- mtnister veröffentlicht folgend: Kundgebung an die Angehörigen der Reichszollve r to a l - tung in den besetzten und Einbruchsgebieten;

Die Interalliierte Rheinlandkornrnissio n hat I soeben beschlossen, sämtliche deutschen Zollbeantten in den besetzten und Einbruchsgebieten ihres | Amtes zu entsetzen und die Dienststellen der Rcichszvllverwaltung aufzuheben. Die Franzosen und Belgier wollen gegen Beamte, die ihre Ehren­pflicht gegenüber der deutschen Regierung er­füllen. mit den schärfsten Strafmitteln vorgehen. Sie versuchen, die Zollverwaltung im Westen des Reiches zu zerschlagen, und hoffen auf diese 'Weise einen entscheidenden Schlag gegen die Wirtschaftseinheit des Deutschen Reiches füh­ren zu können. Diese neue Gewalttat ist nichts anderes als das Eingeständnis, dah alle bis­herigen Versuche, die Angehörigen der Zollver­waltung zum Bruch ihrer Eidespflicht zu ver­führen, fehlgeschlagen sind. Ich bin überzeugt, dah die Zollbeamten und Angestellten aller Dienst­grade gegenüber diesem neuen Gewaltakt mit der g leichen Festigkeit und Ausdauer im Widerstand beharren werden, die sie ebenso wie die übrigen Teile der Devöllerung bisher bewiesen haben. Den Zollbeamten, die im un­beugsamen Ausharren auf ihren Posten den Be­stand des Reiches und die deutsche Wirtschaft ver­teidigen, ist ter bleibende Dank des deutschen Volkes gewiß, und fte können sicher sein, dah die Rcichsfinanzverwaltung für sie und ihre An­gehörigen ein stehen und ihnen alle Schä­digungen voll ersehen wird.

Französische Räubereien in Bochum.

Berlin, 23. Febr. Bei einem Vorstoß auf Bochum drangen starke ftanzösische Truppen­aufgebote, wie derDerl- Lokalanz." berichtet, in ein Warenhaus und die umliegenden Ge­schäfte und requirierten, was ihnen in die Hände fiel. Die Reguisttionsscheine sind von dem General der 40. Division unterschrieben und besagen, daß die beschlagnahmten Waren zur Ein­richtung eines Offizierkasinos dienen sollen. 3m Anschluß daran drangen die Franzosen in das Anttsgerichtsgebäude, beschlagnahmten die Akten der Staatsanwaltschaft und verhafteten den Staatsanwall Eiteldinger. DemD.T." zu­folge wurde in den ersten Abendstunden über Brchum der verschärfte Belagerungs­zustand verhängt. Riemand darf von 8 Llhr cckends bis 6 LIHr morgens die Strahe betreten. Die Truppen sind im Laufe des Rachmittags wieder abgerückt tnti> haben nur einige Wachen zurückgelassen..

Essen, 22 .Febr. (WTD.) Bei der gestrigen älmschnürung Bochums fielen den Fran­zosen 28 Lokomotiven, 20 Pahwagen, 167 beladene Kohlenwagen, 75 leere offene Wagen, 11 Per­sonenwagen und 2 Schlafwagen in die Hände, die nach Dalhausen abtransportiert wurden. Infolge des kalten Wetters sind die Besatzungstruppen sehr darauf bedacht, Kohle für ihre Quartiere zu ermatten. Da sie von den Zechen nichts bekommen, beschlagnahmen sie die durch die Stadt fahrenden Kohlenwagen.

Die Verkehrslage.

Essen, 23. Febr. (WTD.) Die Bahnhöfe Ober- und Riederlahn st ein sind gestern abend wieder beseht worden. Der Verkehr ist also wieder stillgelegt. Sonst ist die Derkehrslage unverändert.

spd. F ran kf u r t a. M., 22. Febr. Die fran­zösische Desahungsbehörde hat für die E i n f a h r t in das besetzte und die A u s f a h r t aus dem be­setzten Gebiet für alle Arten von Fahrzeugen in folgender Weise A7wrd7mngen getroffen: Ein­fahrt von Frankfurt aus nur über Griesheim, Ried, Höchst a. M., Ausfahrt in der Richtung nach Frankfurt nur über Höchst, Sossenheim und Rödelheim.

Paris, 22. Febr. (WTD.) Der Sonderbe­richterstatter von Havas in Düsseldorf meldet, Arbeitslose in großer Zahl ständen immer noch den ganzen Tag vor dem Hauptbahnhof, in dem sich die Annahmestelle für die französische Eisenbahnleitung befinde. Gestern seien 144 Ran­gierer und Eisenbahnfacharbeiter eingestellt worden.

Eisenbahnunsälle durch die Schuld der Franzosen.

Essen, 23. Febr. (WTD.) Am 18. Februar stießen am Dahnhos Dahlhausen zwei Per­sonenzüge, die von den Franzosen ge­fahren wurden, auf einer militarisierten Strecke zusammen. Die Züge bestanden aus einer Lo­komotive und 7 Personenwagen. Von dem auf dem falschen Gleise aus Richtung Hattingen an­kommenden Zuge wurden die beiden ersten Wagen zertrümmert. Dis jetzt wurden 5 Tote und 8 bis 10 Schwerverletzte gemeldet. Am 21. Februar waren die Trümmer noch nicht be­seitigt. Gestern morgen 4 älhr erfolgte an der­selbe Stelle erneut ein Unfall. Wegen der strengen Absperrung dieses Bahnhofes sind über das neue Unglück bis jetzt keine autentischen Rachrichten zu erlangen, doch sollen zwei Per­sonen getötet worden seien.

Die Verwendung von Schwarzen in Essen. Essen, 23. Febr. (WTD) Die Einquar­tierung des zum größten Teil aus Regern be­stehenden 7. Kolonialregiments in Werden, Kup­ferdreh und Delbert hat in allen Kreisen der Be­völkerung tiefste Erbitterung unb Er­regung hervorgerusen. Als besonders empöreiw wird es empfunden, daß die Schwarzen nicht in abgeschlossenen Kasernen. Hallen usw. unterge- bracktt worden sind, sondern in Privatquar­tieren. Wirtschaften usw. Die Devölle- runng ist auch darüber erregt, daß die Reger auf

Aus Gelsenkirchen

Feute

wiesen,

Degoutte gegen die deutschen Minister.

Der Straßenraub.

Essen, 22. Febr. (WB.) Bon französi­scher Seite wurde nunmehr gegenüber auslän­dischen Korrespondenten zugegeben, dah die Truppen, die in G e l s e n k i r ch e n als Straf­besatzung eingezogen waren, den Befehl er­hielten, Passanten auf der Strahe anzuhalten, ihre Aktentaschen aus Geldbeträge zu durchsuchen und öffentliche Gelder, die auf die­sem Wege angetrvffen würden, zu be­schlagnahmen. Die französischen Truppen hätten diesen Befehl mihverstanden und in einem Stadtteil von Gelsenkirchen einzelnen Personen auch Privat gelber abgenom­men, ohne eine Empfangsbescheinigung zu ge­ben. Diese Gelder sollten den Besitzern wieder zur Verfügung gestellt werden.

Eine Denkschrift der Reichsregierung.

Berlin, 22. Febr. (WTB.) Die Reichs­regierung hat den Regierungen aller Sig­natarstaaten des Ver-llages von Versailles, außer Frankeich und Belgien, eine Denkschrift Über die Rechtswidrigkeit der fran­zösisch-belgischen Sanktionsmah- nahmen mitgeteilt. In der Denkschrift werden die durch das französisch-belgische Dorgef«n auf­geworfenen grundsätzlichen Rechtsftagen einer ge­nauen Prüfung unterworfen. Die in den verschie-

Essen, 22. Febr. (WTD.) General De­goutte erließ einen Defehl, wonach deut­schen Ministern der Aufenthalt im besetzten Gebiet verboten ist. Die Polizei­organe und die öffentlichen Organe sind ange­wiesen, Minister, die das Einbruchsgebiet be­treten, festzunehmen und den Militärgerichten der Desatzungstruppen zuzuführen. Falls dies nicht geschieht, werden die angedrohten Sankttonen, Desti-afung der Städte und Ortschaften, durch-

Gelsenkirchen, 22. Febr. (WTD.) _ vrrnttttag wurden nach kurzer Verhandlung der Oberbürgermeister von Gelsenkir­chen, v. Wedel sie dt, Postdirektor Doller- mann und der Fabrikbesitzer Stern aus der Hast entlasten. Der verhaftete Dürgermeister Antoni wird vor ein französisches Gericht ge­stellt, well er es abgelehnt hat, die Anweisung aus die 100 Millionen Mark Geldbuße auszu­stellen. Polizeipräsident Glieder und die noch verhafteten Polizeibmmten &IeiE>en als Geiseln für die verwundeten Gendarmerieoffiziere in Reck­linghausen in Haft. FabrikbesitzerSöder, Vor­sitzender der Arbeitgebervereinigung in ©elfen- kirchen ist ebenfalls noch in Haft.

geführt. .

französische Justiz.

Rach einer Meldung derDeutschen Allg. 3tg. verurteilte das Militärgericht in Reck­linghausen den Dürgermeister Dr. Sud- kamp und den Inspekwr Donnert, beide aus Herne, zu je sechs Monaten Ge­fängnis und 200 000 Mark Geldstrafe.

den Straßen Dienst tun. So stehen x. D. zwei Reger als Posten vor dem Rathause in Delbert. Die Vertreterin der Hearst-Presse, die an der Rachricht, daß Schwarze für die Desehung^ ver­wandt worden seien, zweifelte, hat sich persönlich von der Wahrheit überzeugt und ist empört über diese unwürdigen und entwürdigenden Maßnah­men der Franzosen.

Die Besetzung eines Asyls für Obdachlose.

Essen, 22. Febr. (WTD.) Das Asyl für Obdachlose, das neben der vorgestern besetzten Kaserne der Schahpoli^i liegt, ist vorgestern von den Franzosen gleichfalls beseht worden. Die 173 Insassen des Asyls wurden festgesetzt. Die Beam­ten des Wohlfahrtsamts haben keinen Zutritt zu ihnen. Welche Zwecke die Franzosen mit der Besetzung des Asyls verfolgen, ist noch nicht er­sichtlich.

Eine schier unsahliche Rohheit.

Essen, 22. Febr. (WD.) Wie jetzt durch genaue Feststellung bekannt wird, ist der kriegSbeschädigteSchreinerGg. W. von einem französischen Po st en am 16. Februar zwischen 10.30 und 11 Ahr abends auf dem Fahrweg in Gildenhvrst angehalten und mit dem Kolbenvvr dieDrustge- schlagen worden, so dah der Mann rück­lings auf die Sttaße fiel. Da er ein künst­liches Dein hat, machte es ihm Schwierig­keit, allein aufzustehen. Als der Mann sich aufzurichten versuchte, wurde er von dem Po­sten von neuem mit dem Kolben geschlagen, worauf er abermals hinstürzte. Der Posten schlug dem am Boden Liegenden mehrfach so heftig gegen das künstliche Bein, dah der Riegel der Stahlfchiene zur Feststellung des Deines mehrfach brach. Der Kriegsbeschädigte wurde in ein dunkles Zimmer geschleppt, nach einiger Zeit aber wieder auf die Sttahe ge­bracht, wo er hilflos liegen blieb.

denen derltschen Protestnoten bereits festgestellle Rechts- und Bertvagswibrigkeit des Vorgehens wird an Hand der Bestimmungen des Vertrages von Versailles, des Rheinlandablommens und der allgemeinen Regeln des Döllen-echts im einzelnen nachgewiesen. ®ic Denkschrift wird auch den Re­gierungen der Richtfignatarstaaten des Vertrages von Versailles zur Kenntnis gebracht.

Ein Appell Donar Laws an Amerika.

London, 22. Febr. (WTD.) Donar Lato sprach heute auf einem Frühstück derUnion ber Englischsprechenden", an dem auch der englische Dotschafter und der brllische Schahkanzler teil- nahmen, über die Freundschaft der englisch- sprechenden Rassen und ihre Dedeutung für die Angelegen Hellen der Welt. Die Wirkung der Zurückziehung der Vereinigten Staaten nach dem Kriege fei gar nicht abzumessen. Wenn den Um- ftänben entsprechend Amerika bei der endgültigen Herstellung des Friedens die gleiche Rolle gespielt fjätte, tote im Kriege, so würde die Welt sich heute in einer besseren Lage befinden. Seiner Ansicht nach ferme das amerikanische Voll bereits öteje Wahrheit. Er hoffe und glaube, daß sie auch die amerikanische Regierung bereits erkenne und dah, wenn sich die Gelegenheit biete, die amerikanische Regierung nicht mehr abseits von den Schwierig­keiten der Welt stehen werde.

Deutscher Reichstag.

305. Sitzung, 2 Uhr nachmittags^

Derlin, 22. Febr. 1923.

Präsident Lobe eröffnet die Sitzung mit einem Rachruf für den am Sonntag an einem Herzschlag verstorbenen deutschnationalen Qlbge- orbneten Hammer. Das Haus erhebt ssich zu Ehren des Verstorbenen von den Sihen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung verweist in einer Demerkung zur Geschäftsordnung Abg. Darh (Komm.) auf den heute in derRoten Fahne" erschienenen Artckel, wonach dieser Tage im Reichswehr Ministerium eine Sitzung stattgefunden habe, an der außer dem Reichs­kanzler Cuno auch die sozialistischen Minister Braun und Severing, sowie die preußischen Ober Präsidenten teilgenommen hätten. Es habe sich darum gehandell, getoiffen Organisationen Waffen zur Verfügung zu stellen, wie bei den Kämpfen in Oberfdrfefien: Wenn in diesen Mit­teilungen auch narr etwas Richtiges enthalten sei, habe die Regierung die Pflicht, hierzu Stellung zu nehmen. Einzelnen Mitgliedern von Organi- sattonen, die er nicht weiter namhaft macher. wolle, fei schon Anweisung gegeben, sich an be­stimmten Tagen da und dort einzufinden. Das alles rieche bedercklich nach den Ereignissen von 1914.

Die Ausführungen des Redners werden von der Rechten und vom Zentrum mit großem Lärm aufgenommen. Als er von angeblichen Mobili­sierungen spricht, ruft der Abg. Schwarzer (D. Vp.):Hoffentlich!" Als er die Regierung zur Aeußerung auffordert, ruft Abg. CBeuer­mann (D. Vp.):Hinaus mit dem Hoch­verräter!"

Abg. Müller- Franken (6.): Wenn die Mitteilungen derRoten Fahne" richtig wären, müßte auch er deren Grundlagen als etwas Unge­heuerliches bezeichnen. Danach werde zum Bürger­krieg gerüstet auch unter Beteiligung seiner Partei, von Severing. Hörsing u. a. Allerdings müßten die Dinge sobald wie möglich besprochen werden. Das könne am besten beim Etat des Reichswehr- ministeriums geschehen. Ein Widerspruch gegen diesen Vorschlag erhebt sich nicht, und das Haus seht die zweite 'Beratung des Haushalts beim TitelTechnische Rothilfe" fort, für die 95 Millionen in den Etat eingestellt sind.

Abg. Träuning (©.) bekämpft dieTech­nische Rochilfe" überhaupt und fragt, woher die Mittel zur älnterhaltung derselben stammten, da die im Etat vorgesehenen 95 Millionen kaum für die Deamtengehälter ausreichen.

Abg. Hölle in (K.) fordert die Beseitigung derTechnischen Rothilfe", die eine staatlich orga­nisierte Streikbrechergarde sei.

Abg. Külz (Dem.) weist die Angriffe der Vorredner zurück, sagt aber, dah es auch die De­mokraten begrüßen würden, wenn dieTechnische Rothilfe" durch die wachsende Einsicht in allen Devölkerungsschichten überflüssig würde.

Reichsminister Oefer erklärt, die Regierung betrachte dieTechnische Rothilfe" auch nicht als dauernde Einrichtung, aber sie lege größten Wert auf die Weiterbewilligung der Mittel. Der Wert und die älneigennühigkell derTechnischen Rot­hilfe" seien auch von dem sozialdemokratischen sächsischen Ministerpräsidenten Duck anerkanitt worden. Im übrigen bestreitet der Minister, daß dieTechnische Rothllfe" von dritter Seite auper- etatsmäßige Mittel erhalle. - Der TitelTech­nische Rothllfe" wird sodann gegen die soziallstt- schen Parteien bewilligt, ebenso der Rest des Haushalts. .

Es folgt der Etat des Rerchswehrminr- ster ium s. Reichswehrminister Dr. G (er er­klärt: In derRoten Fahne" steht em Artckel unter der LieberschriftSreckt rüstet zum Durger- krieg". Ich kann erklären, daß der Artckel nach Form und Inhalt nicht wa h r und vom Anfang bis zum Ende erfunden fft. «Hört, hort! rechts uni> in der Mitte.)

Abg Schöpflin (S.) fordert zunächst, daß die Deschimpfungen und Mißhandlungen der Deichswehrsoldaten aufhören: auch dürfe nicht ge­duldet werden, daß höhere Offiziere äußern, sie feier, zur Verteidigung des Vaterlandes da, nicht