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Keltag, <9. Januar 1925

Onitf tittö Verlag- vrLHI'sche UniversttStr-vuch- und Steindruckerel «. Lange in Sietzen. Schriftleitun, und Seschästsftelle: Schulftratze 7.

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Paris, 17. Jan. (WTB.) Die Bot- | chafterkonferenz beschäftigte sich heute tr.it dem Zwischenfall in Memel uni) be­schloß, eine Kommission nach Memel zu ent­senden., die eine provisorische Regie­rung bilden und unter der Autorität der

Alliierten Ordnung und Ruhe im Memel­gebiet wiederherstellen soll. Andererseits wird auch bei der Regierung in Kowno eine Demarche unternommen werden, um sie auf die Verantwortlichkeit hinzuwcsien, die ihr zu­falle, weil sie nicht die notwendigen Maßnah­men getroffen habe, um die Aufstandsbewe­gung einzudämmen.

Paris. 19. Ian. (WTD.) Die französische Regierung hat sich entschlossen, einen hohen Be­amten des Quai d'Orsay, Direktor Chinchant, nach Memel zu entsende, um dort ai Ort und Stelle eine Llntersuchurrg einzuleiten.

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Die Maßnahmen gegen den Kohlenraub.

Berlin, 19. Jan. Wie derLokalanz." hört, der Präsident des Eisenbahndirek-

PoNzeiverordnungen gegen Vergnügen- und Genußsucht.

Berlin, 18. Jan (WB.) In dem angekün­digten Erlaßdespreußische nM i n i st e r s des Innern an alle Oberpräsid.n'.en und Len Polizeipräsidenten in Derlrn über den Ausschank von Alkohol und die Einschränkung der ösfent- lichen Lustbarkeiten, wird, dem amtlichen preußischen Pressedienst zufolge, verfügt, daß die Oberpräsidenten für den Umfang ihrer Provin­zen und der Polizeipräsident von Berlin für den Ortspvlizeibezirk von Berlin umgehend eine Po­lizeiverordnung erlassen, die die infolge der Bergnügungs- und Genußsucht hervorgetretenen Uelelstände zu bekämpfen geeignet erscheinen. Die Polizeistunde für Gast- und Schankwirtschaf en. so­wie für Theater, Barietös und Kinos und ähn­liche Schaustellungen seien einzuschränken. Oeffenp- liche sowie private Tanzlustbarkeiten in den Gast- und Schankwirtschaften oder mit solchen in Ver­bindung stehenden Räumen seien zu verbieten. Aus»

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 30 Mk., ausroärtf 40 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite l50 MK.Dei Platz­vorschrift 20 °/0 Aufschlag Hauptschristleiter: Aug. ldoeh. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumlchein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen

2lns Bochum.

Vom Oberbürgermeister von Bo­chum ist namens des Magistrats an den fran­zösischen Militärkommandanten der Stadt ein Schreiben gerichtet worden, in welchem um Untersuchung der Erschießung bzw. Verletzung von Bochumer Bürgern durch fran­zösische Soldaten gebeten und die Desahungs- behörde für den entstandenen Schaden an Leib und Leben verantwortlich gemacht wird.

Berlin, 18. Jan. (Wolfs.) Der fran­zösische O b e r st, der für die Vorgänge in Bochum verantwortlich ist, ist a b b e r u f e n wor­den. Bochum wird durch ein neue8 Regiment beseht werden. Von der Reichsr^ierung wird wegen des Erschießens des jungen Bergarbeiters Protest erhoben werden.

Bochum, 18. Ian. (WTD.) Die französische Desatzungsbehörde hat einen Teil des Rathauses

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mit dem Stadtverordnetensihungs« saal als Quartier für die Truppen benutzt, so daß weder Magistrats- noch Stadtverordneten sihungen stattfinden können.

Ein Vorschuß ffir das ncndesetzte (tzebict.

Wie mehrere Blätter aus Essen melden, hat das Reich für das besetzte Ruhrgebiet einen Vor­schuß von einer Milliarde Mark zur Ver­fügung gestellt, aus dem Entschädigungen für infolge der Besetzung erlittene Personen- und Sachbeschädigungen bezahlt werden sollen.

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z^u rückgewiesen und erllärt, daß er die Herren lediglich von der Besprechung benachrich- trgeu werde, aber selbstverständlich jede polizei­liche Zwangsmaßnahme gegen sie ablehnen müsse.

Karlsruhe, 18. Han. (Wolfs.) In der heutigen Sitzung des Landtages sagte Staats­präsident Remmel e u. a.: Die Franzosen schicken sich an, auf dem Rhein schwim­mende Kohlenkähne anzuhalten so wurde an der Karlsruher Hafereinfahrt heute früh ein Kohlenschiff von bewaffnetenfran- zösischen Soldaten beseht, hie die De- satzuirg des Schiffes mit vorgehaltenem Revolver zwangen, an dem linken Rhänufer anzulegen.

Cine Verstastnna.

Düsseldorf. 18. Oun. (WTB) Der Prä­sident des LandessinanzamtesSühe.vorf, Finanz­rat Dr. Schlutius, wurde heute von der französischen Desahungsbehörde verhaftet, nachdem er aufgefordert worden war, die fi­nanziellen Unterlagen der Obersinanz- kasse den französischen Sachverständwer vorzu­legen. Schlutius wurde unter Te'wachung im Automobil fortgesührt. Wohin er gebracht wor­den ist, ist noch unbekannt.

Düsseldorf, 18. Jan. (WTD.) Der Ober­delegierte General Danvigne hat an den Re­gierungspräsidenten von Düsseldorf folgendes Schreiben gerichtet:

Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuZeilen, daß Nutte nachmittag im Landesfinanzamt bei . Herrn Dr. S ch l u t i u i eine Durchsuchung ein­geleitet worden ist. Inrvtae dieser Durck/uchung werden gegen diesen Beamten Maßregeln er­griffen w-erden: 1. we-er Gehorsamsver­weigerung gegen d:e Befehle der Militär­behörde; 2. wegen äußer st er Unverschä mt- h e i t, die er im Verlaufe von Unterhaltungen und Verhandlungen, die er mit re fchiedenen fran­zösischen Doamten, die in ostizieller Mission zu ihm kamen, bewiesen hat."

Thyssen und Stinnes (Ehrenbürger der Darmstädter Technischen

Hochschule.

Darmstadt. 18. Ian. (WTD.) Die Tech­nische Hochschule in Darmstadt hat heute in einer akademischen Feier nach der Annahme der allen Hochschulen vorliegenden Kundgebung zum Gedenktag der Reichsündung mitceteilt, daß sie die Herren T h tz f! s e n und S t i n n e s zu C h r e n r g e r n der Hochschule e mannt habe.

Die Entschließung, die von allen deutschen Hochschulen angenommen wurde, ^hat folgenden Wortlaut:Am Gedenktage der Reichsgrün­dung geben die deutschen Hochschulen ihrem Schmerz und ihrer Trauer über den Bruch von Rechten und Verträgen Ausdruck, dessen unsere Feinde sich durch die Besetzung des Ruhrgebiets aufs neue schuldig machten. Lehrkörper und Stu­dentenschaft legen vor der ganzen W:lt ent» rüstete Verwahrung gecen die widerrecht- lichm Gewaltmaßnalhmen ein, die weder im Ver­sailler Friedensdiktat noch im Völkerrecht einen Dcden finden. Sie vertrauen der mannhaften und festen Haltung der Reichsregierung und ge­loben, sich in unwandelbarer Treue allezeit ein­zusehen für Volk und Heimat."

Das Präsidium des Vorstandes und der Haupt­ausschuh des Reichsverbandes der deut­schen Industrie beschäftigte sich gestern mit dem französischen Einfall in das Ruhrgebiet. Es wurde einstimmig die Absendung eines Tele­gramms an Fritz Thyssen. Mülheim an der Ruhr, beschlossen, das in Dankbarkeit und Stolz des mannhaften Auftretens der Vertreter der In­dustrie im Ruhrgebiet gedenkt, zum einigen Durch­halten mahnt und erllärt. in Ser Erkenntnis der Gefährdung der Existenz des gesamten deutschen Volkes wolle die Industrie alles tun, damit die Opfer, die zunächst das Industrierevier zu bringen hat. nicht vergeblich gebracht werden.

Die Stimmung im Ruhrgebiet.

Essen, 17. Ian. In Kettwig hatte ein Friseur Karten zum Berkaus ausgestellt. Die darüber entlüftete Volksmenge warf ihm die Fenster ein.

In Steele besuchte ein deutsches Mäd­chen in Begleitung zweier Franzosen eine Kinovorstellung. Beim Verlassen der Vor­stellung wurden ihm von der Menge die Haare abgeschnitten.

Essen, 18. Ian. (WB.) Heute nachnnttag wurde in Altenessen ein Schupobeamter von der Desahungsbehörde verhaftet, well er einen französischen Offizier nicht gegrüßt hatte. Dis zu den späten Abendstunden war der Beamte noch nicht wieder in Freiheit gesetzt worden.

Ein deutsch-französischer Notenwechsel.

Paris. 19. Ian. (WTD.) DerPelit Parisien" meldet, der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat v. Hosch habe am Mittwoch der französischen Regierung eine Protestnote gegen die Ausdehnung der französisch-belgischen militärischen Besetzung in die neutrale Zone, die durch den Versailler Vertrag .aufgerichtet sei, überreicht. Eine ähnliche Protestnote sei auch der belgischen Regierung übermittelt worden. Die französische Regierung habe gestern geantwortet, daß die ergriffenen Maßnahmen nicht eine militärische Aktion bar ft eilen, daß sie sie so auffasse, wie, die Rote vom 10. Januar an den deutschen Botschafter in Paris erklärt habe. Die Alliierten hätten aufGrund desRechtes gehandelt, das ihnen der Friedensvertrag zufchreibe. Die französische Regierung bemerkte ferner, daß der Wider­stand der deutschen Industrie gegen di Anordnungen der französischen Detahuugsbehötttt hinsichtlich der Kohlealieserungen di.' alliier cn 75c- hörden in die Rotwendigkeii versetzt hätte, zu R e- quif ittonen zu schreiten. Diese Requisition <?. würden, so erklärt die französische Antwort, dazu führen, daß zunächst die V i e h l i e f e r u n g e n sichergestelll würden, die Deutschland auf Grund der Reparationsverpflich'ungen schulde. Alsdann würden die Bedürfnisse der besetzten Gebiete auf dem linken Rheinufer und schließlich die des Ruhr- gebietes befriedigt. Der Ueberschuß kömie nach Deutschland abbefördert werden.

DieEroberung" von Memel.

Danz Europa wundert sich nicht wenig", daß vier Jahre nach dem Weltkrieg noch immer Krieg geführt wird. Auf deutschem Bo­den! Im Westen haben die Franzosen das Ruhrreviererobert", im Osten haben die Litauer sich durch einen Gewaltstreich M e- inels bemächtigt, wobei die Franzosen, die en der Ruhr die billige Rolle desglorrei­chen Siegers" spielen, sich als sehr laue Ver­teidiger erwiesen. Die französische Besatzung des Freistaates Memel hat vor den angeblich irregulären litauischen Banden kapituliert.

Auch die Memel-Tragikomödie, die sich zu einer Dölkertragödie auszuwachsen droht, ist eine der vielen Blamagen, die aus dem Friedensvertrag" von Versailles re­sultieren. Das Memelgebiet, das durch Dekret der Alliierten vom Deutschen Reiche loS- gerissen worden war, wurde auf Grund des Vertrages vom 15. Februar 1920 zunächst einer provisorischen, den Franzosen übertrage­nen Verwaltung unterstellt, bis der Völker­bund, dieseSpottgeburt von Dreck und Feuer", die Entscheidung über das Schicksal dieses Gebietes getroffen hat. Rach der Me- chodeimmer langsam voran". Anfang Ro- vember haben endlich in Genf die Verhand­lungen über das Schicksal Memels begonnen, wobei man bisher verzweifelt wenig Rück­sicht auf diejenigen genommen hat, die es an­geht, ttotz der arg mißbrauchten Phrase vom EelbstbestimmungSrecht der Völker. Die Me- meter, die sogar nach dem Zugeständnis von französischer Seite (Libre Parole") zu 99 Prozent in Kultur und Gesittung deutsch sind, heben, als sie die Aussichtslosigkeit des Wie­deranschlusses an Deutschland erkannten, sich auf die Forderung der Bildung eines selb­ständigen Freistaates zurückgezogen. On einer von allen wirtschaftlichen Organi­sationen, von den Cßertretern der Industrie, des Handels, des Handwerks, der Landwirt­schaft, der Schiffahrt und den Gewerkschaften unterzeichneten Eingabe wurde der Nachweis erbracht, daß das Land nicht nur von einer ganz überwiegend deutschen Bevölkerung bewohnt, sondern auch wirtschaftlich autoch­thon ist, so daß es sich völlig aus sich selbst er­halten kann. Auch wurde besonders darauf Angewiesen, daß eine Einverleibung des Me- Mlgebiets in das litauische Staatswesen den oittschafrlichen und kulturellen Ruin bedeuten würde. Bei einer auf großlitauisches Betrei­ben von der französischen Besatzungsbehörde oorgenommenen Elternabstimmung über die Anterrichtssprache ergab sich, daß von den ins­gesamt 220 000 Schülern nur 400 einen li­tauischen Lese- und Schreibunterricht wünsch­ten, während alle übrigen sich für das Deut- sche aus sprachen.

ilm)'o unerhörter ist der Gewaltakt, den )ie litauische Regierung von langer Hand vor- »ercitet hat, während sie die Schamlosigkeit besitzt, in schwungvollen Dementis ihre- -eiichaft zu leugnen, freilich so verklausuliert u leugnen, daß durch die Dementis das Schuldbekenntnis hindurchblickt. So hat die li- rauische Regierung nicht nur jede Beteiligung -regulären oder irregulären Militärs an Sem wutsch geleugnet, sondern sogar versichert, daß >ie Maßnahmen getroffen habe, um die Grenze tot Einfällen zu schützen. Auf der anderen Seite aber hat der Präsident der Republik Litauen die Teilnehmer einer Versammlung SZugunsten einer Annektion Memels emp- angen und sie seiner Unterstützung versichert. Oie Dinge haben sich hier genau so abgespielt wie vorher in Oberschlesien, wo die Korfanth- Etiiiben auch von der polnischen Regierung offiziell abgeschüttelt und offiziös unterstützt wurden. Das Verhalten der Litauer aber ist Ulnso skandalöser, da sie, als seinerzeit pol- i-is-e Truppen unter dem General Celigowski -Vilna, absichllich ein Falt accompli schaffen Emdes und aller Kulturnationen appellierten. Wie steht es jetzt mit diesem Gewissen, da die Litauer in Memel, wie vorher die Polen in Wilna, absichtlich ein fait accompli schaffen wollen?

Wird der schon nach allen Windrichtun- ?xn blamierte Völkerbund sich auch diesem cTflit accompli beugen? Werden die alliierten Wachte diese Vergewaltigung eines Volles rachig hinnehmen? Oder sind die angekündig- tsn militärischen Maßnahmen gegen den li- t.ruischen Einbruch ernst gemeint? Rach dem s.hriöden Rechtsbruch im Ruhrrevier ist die Hoffnung auf Recht und Gerechtigkeit in Cu- r )pa stark im Kurse gesunken.

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tionsbezirks Essen das Verlangen der französischen Defatzungsbehörden auf Ablei­tung von Kohlenzügen abgelehnt.

Berlin. 18. Ian. (WTD.) Der franzö­sische Oberkommissar in der Rheinprov'.nz hat vom Ausfuhramt in E m s unter Androhung von Strafe verlangt, daß dieses de r Landes st,lanzäm- tem in Köln Düs eldorf, Kassel. Würzburg und Darmstadt die Mitteilung zugehen laste, roonach Reparationslieferungen von Kohle und Koks eines Ausfuhrscheines der Emser Ausfuhrstelle nicht bedürfen. Das Emser Ausfuhramt hat daraufhin den betreffen­der Landes,inanzämtern in Erinnerung gerufen, daß das Ausfuhramt in Ems für die Erteilung von Aus- und Einfuhrbewilligungen für Kohle und Koks nicht zuständig ist.

Das Verlangen des französischen Ober­kommissars stellt natürlich einen Versuch dar, Kohle und Koks für Frankreich und Belgien nach wie vor unverhindert durch die deutschen Zoll st eilen durchzu brin­gen. Die deutsche Regierung macht die betreffen­den Finanzämter und sämtliche in Frage kommen­den Zollstellen darauf aufmerksam, daß Repa­rationslieferungen an Kohle, Koks und Briketts an Frankreich und Belgien verboten sind und daß Kohle, Koks und Briketts ausgenommen die Reparationsleistungen an Italien die Grenze nur mit dem Ausfuhrscheine der Ausfuhr st elledes Reichskommis­sars für Kohlenverteilung passieren dürfen.

Berlin, 18. Ian. (WTD.) Den Beamten und Arbeitern der Re ichs e i s e n bahn e n ist, den Bestimmungen der Reichsköhlenkommission entsprechend, verboten worden, Kohle für Frankreich und .Belgien zu befördern, oder bei der stlmlenkung deutscher Kvhlenzüge nach diesen Ländern mitzuwirken.

Die Anwendung des Zwanges.

Mülheim a. Ruhr, 18. Ian. (WTB.) Der Oberbürgermeister von Mülheim erhielt heute abend von der französischen Besät- ^ungsbehörde den Auftrag, verschiedene Groß- rndustrielle, darunter Herrn Fritz Thyssen, auf- zusordern, heute abend 9 Tlhr, in Fredenheim zu erscheinen und gegLbenenfalls sie durch Zwang vorzuführen. Der Oberbürgermeister hat dieses Ansinnen abgelehnt, jedoch zugefat. daß er den Herren die Aufforderung übermitteln werde. Herr Thyssen erhielt kurz vor 9 stlhr die Aufforderung, lehnte es aber ab, ihr Folge zu geben.

Essen, 18. Ian. (WTB.) Die beschlag­nahmten Schleppkähne werden voraussich- lich von französischen Schleppern nach Mannheim gebracht werden. Die Kohlen waren für den süddeutschen Bedarf bestimmt. Die Kohlenzufuhr in dem Hafen Duisburg-Ruhrort hatte sich be­reits gestern um 50 Prozent vermindert und verminderte sich heute noch mehr.

Für heute nachmittag waren die Zechen­de r t r e t e r wieder zu einer Sitzung zum fran­zösischen General Simon nach Düsseldorf ge­laden. Rur ein Vertreter der Zechen des Ruhr­reviers begab sich nach Düsseldorf und erflärte, daß er und die übrigen Zechen Vertreter auf dem bereits früher eingenommenen Standpunkt ver­harren würden. In Bochum sind mehrere Tank­abteilungen eingetroffen. Etwa 30 Tanks durch­zogen demonstrativ die Stadt.

Essen, 18. Ian. (WTD.) Wie wir er­fahren, haben sämtliche fünf Herren de s Zechenverbandes, und zwar die Herren GLneraldirektor Kesten, Bergasfessor O l f e. Generaldirektor Spindler, Generaldirektor Tengelmann und Generaldirektor Wüsten- Höfer sich freiwillig bei der Dwision einge­funden, wo sie als Einleitung eines gegen sie beabsichtigten kriegsgerichtlichen Ver­fahrens zu Protokoll über ihre Weigerung, Reparationskohle zu liefern, vernommen wur­den. Sämtliche Herren hielten ihre Weigerung unter Berufung auf das ihnen vom Reichswhlen- kommissariat erteilte Verbot aufrecht. Den Herren wurde zum Schluß eröffnet, daß von ihrer V e r Haftung vorläufig abgesehen werde, daß sie sich aber jederzeit zur Verfügung des Kriegsgerichts zu halten fjaben.

Essen, 18. Ian. (WTB ) Die französischen Divisionsgenerale in Fredenheim und Altenessen haben den Polizeipräsidenten von Essen und fünf Herren der Industrie seines Bezirks auf 9 Ühr abends zu einer Be­sprechung ins Rathaus Fredenheim aufgeforbert und an den Polizeipräsidenten das Ersuchen ge­richtet, die Herren, falls sie nicht freiwillig er­schienen, poliAeilich vorführen zu lassen. Der Polizeipräsident hat dieses Ansinnen

Wie ein französischer Kommunist sich gegen den Vorwurf des Landesverrats verteidigt.

Paris, 18. Ian. (WTD.) Die Kammer beschäftigte sich in der heutigen .Rachmittags- sihung mit dem Antrag des Iustizministers, eine Strafverfolgung gegen den kommu­nistischen Abgeordneten Marcel Eu­ch i n wegen seiner Propaganda in Deutschland einzuleiten. Ramens der Kommission verlangte der Berichterstatter die Aufhebung der Immunität des Abgeordneten Cachin.

Cachin erklärt, er übernehme die Verantwor­tung für alle seine Handlungen. Das Attions- komitee habe sich nach Essen begeben, um sich dort mit Deutschen, Belgiern, Engländern, Tschecho- ftato-ofen und Italienern z»u verständigen. Zu dieser Korsterenz seien nicht einmal die Russen eingetaden worden. Er habe die deutschen Kommunisten gefragt:Was werdet Ihr im Falle einer französischen Besetzung tun? Sie hätten geantwortet:W irsindentschlossen, in voller (Solidarität mit den Fran­zosen zu handeln. Die Franzosen hätten aber von den Deutschen nicht einmal die Aufforde­rung zum Generalstreik Dectangt Eachin verliest sodann die Rede, die der kommunistische Reichs- tagsabg. Frölich am Samstag im Reichstag ge­halten hat. Die Tatsache, daß man mit einem Deutschen spreche, dürfe man nicht als Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates nach außen ansehen.

Rach dem Abg. Eachin spricht sich der ge­mäßigt sozialistische Abg. Morel gegen die Ver­folgung aus, und als hierauf der ehemals sozia­listische Abg. Ehrlich das Wort ergreift, ent­steht ein solcher Tumult, daß die Sitzung eine Zeitlang unterbrochen werden muh.

Paris, 19. Jan. (WB) Die Kammer hat in einer Rachtsihung mit 371 gegen 143 Sllmmen die Aufhebung der parlamentarische x Immuni­tät gegen den kommunistischen QT-geo dneten Mar­cel C a ch i n beschlossen. Die Verhandlungen waren von einer Heftigkeit, wie man sie noch selten in der französischen Kammer erlebte. Zum Schluß tarn es sogar zum Handgemenge. Der ..Petit Pa­risien" glaubt, daß der Abgeordne.e Cachin heute verhaftet wird.

' l73. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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