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Nr. 39

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Erster Blatt

(73. Jahrgang

Donnerstag, 15. Februar 1923

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Dmtf vnd Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-vuch- und SteindruSerei N. Lange in Gießen. 5chriftleitung und Geschäftzstelle: Zchulstrahe 7.

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Der dritte Grad der Folterung.

5)a3 Trauersviel des Ruhrkrieges ist zu seinem dritten 21 Ei vorg .sch ritten. Dec er/le Akt zeigte das T-ild des militärischen Gmmarfches. Vieler er­folgte, man sollte das nicht vergessen, angeblich wegen rückständiger Kohlen- und Holzlieserungen Deutschlands. Der zweite Aki bracht.' die Fest- nistung des Gegners auf deutschem Boden, eben­falls angeblich weil Deutschland unerwarteten Widerstand leiste und die Reparationskotzle nicht abführe. 2Iber schon der Vormarsch ins badische Gebiet unter dem Vorwand, O-Zugverbindungen sichern LU müssen, verriet die writ.rgehenden A b - fchnürungspläne Po.ncaräs. Aus der Psänderpolitik, die ein Kamps um die Kohlen sein sollte, wurde o sener politischer Krieg Die Masken fielen. Der dritte Akt begann mit der Eisen- und Stahlsperre, die doch mit der Kohlensrage nichts mehr zu tun hat. Kommt nun das Verbot dev Ausfuhr aller Waren aüs dem gesamten be­setzten Gebiet ins unbesetzte Deutschland hinzu, so ist die Blockade fertig und der Kriegs­zustand, selbst wenn nicht geschossen wird, vollständig.

Man kann diese dritte Phase des Ruhrlrieges auch als den dritten Grad der Folterung be­zeichnen. Dabei sind die Henkersknechte daraus bedacht, ihr Opfer mit einem möglichst geringen Aufwand eigener Mühe zu peinigen. In diesem Ssinie besetzten die französisch-belgischen Truppen die Orte Wesel und Emmerich.Auf d.ese Weise", so meldete der Berichterstatter desPetit Parisien" aus Düsseldorf frohlockend fernem Blatte,unterdrücken wir mit einem Schlag d e deutschen Zollbehörden". Zu ihrem Leidwesen muhten nur die Generale entdecken, daß Wesel noch in der Macht das gesamte Eisenbahnmate­rial weggeschafft war. Die Eroberer standen rat­los vor leeren Geleisen. Und in Emmerich be­finden sich keime für Deutschland bestimmten Gäter mehr auf dem Bahnhof, nur Kohlenzuge und Warensendungen für Holland. Will man auch tn diesem Krieg über die Rechte der Ventralen hinwegtrampeln? Dem französischen Zollkniff an der deutsch-holländischen Grenze hat die Rhe.n- lar.dkvmmission vorgearbeitet, indem ihre fran- zösischen und belgischen Mitglieder der Eng­länder hielt sich abseits ein neues wider­rechtliches Ausf uh -verbot für Frrrbstvf/e, Düngemittel und Samen aller Art erliefen und indem sie ferner anordneten. das) dieses wie die bisherigen Ausfuhrverbote für Kohle. Koks, Eisen, Stahl und Erzeugnisse aus Eisen und Stahl im ranzen alt- und neu besetzten Gebiete Anwendung finden soll. Ausfuhrbewilligungen werden nur ge­geben von den neu eingcw'ch.eten Ausfuh änttLM in Ems, Mainz, Köln, Essen, Krefeld und Aachen. Was wird die Folge fein? Deutsche Beamte tun tn diesen neuen Armtern keinen Dienst. Ohne sie werden die Franzose?, mangels jeder Kenntnis und Erfahrung der deutschen Wirtschaftsverhältiisse nicht zurechtkommen. Außerdem bürfei und wer­den deutsche Industrielle, Kaufleute und Expor- teure »in ie cn cht - und ve t . g toi; ige.i 2u fuhrämtern keine Bewilligungen em ölen und ihnen vor allem auch keine Ansfuhrabg aben ent­richten. Die Besetzung der Zollämter von Wesel und Emmerich bedeutet allo in Verbindung mit den Attrappen neuer Ausfuhrämter in Wahrheit die Sperrung der Wirtschaft, den Beginn des Dtockadekriegs.

Damit erreicht das Drama s'inen Höhepunkt. An der Grenze des ganzen besetzten Gebietes haben die Franzosen und Belgier Schlagbäume errichtet und Gräben aufgeworfen. Ken: Ware wird bcroueg-Mfen. Rie.nand darf in Lastautos Erzeugnisse, die im besetzten Gebiet hergestellt sind oder dort lagern, ausführen. So ist in der Tat das besetzt: Gebiet vom unbesetzten D.utsch- land abgeschnürt und eine Zollgrenze heute schon errichtet. Das Bezeichnende an di sm neuesten ötrafsank.ionen" ist. daß sie mit Absicht pro­vokatorisch durchgesührt werdm. D e deut che Bevölke'rung wird bis aufs Blut gereizt. Last- und Privatautos werden ohne vorherige Mit­teilung beschlagnahmt, jede Mllchfuhre schckan ert, jede Markst au mit ihrem Wag- lch-en aufqe- hatten. Zwischen Main; und Frankfurt hat die e Spannung -wischen Einwohner, cha t und snnzo i= schem Militär einen Grad erreicht, der dis Schlimmste befürchten läßt. Die Franzosen fühlen, dah alle ihre Schritte bisher nur ein Schlag ms Wasser waren. Sie glauben nicht mehr an die friedliche Durchdringung" und darum, fügten sie nur noch ihr Mütchen, lassen sie nur noch ihre Wut an der wehrlosen Bevölkerung aus. Alle Klassen haben die Mißhandlungen unterschiedlos zu fühlen bekommm. Die furchtbaren Gemeinheit n französischen Militärs gegen die Schupoleute inGelsenkirchen derm an dem bekannten Zwischenfell beteiligte Dertteter sich als tapste, auch in der Gesinnung heldenhafte deustche Männer gezeigt haben müssen und werden zweifellos von der deutschen Regierung als em besonderes Schandmal der Feinde vor der ganzen Welt eindringlich an den Pranger gestellt werd.n Aimmermehr werden solche Taten ungesichnt bleiben dürfen.

Ein neuer Zwischenfall in Gelsenkirchen.

Gelsenkirchen, 14. Febr. (WB.) Em «euer Zwischenfall ereignete sich peute nachmittag 4 älhr. als sich ein französischer Öfsizier, der am Hauptbahnhof stand, pro­vozierend benahm und mit der Straßenbahn in der Richtung DoHum fahren wollte. Sie

Volksmenge, die in dieser (Straße auherordentlich zahlreich war, verhinderte die Abfahrt, worauf der Offizier den Straßenbahnwagen.halten lieb. Er wurde von der Menge in die Hindenburgstrahe abgedrängt. Plötzlich zog er, ohne tab chm irgend­eine körperliche Belästigung zugefügt worden war, seine Pistole und richtete sie auf die Menge. In demselben Augenblia tarn eine Polizeistreife, deres nach vielen Bemühun­gen gelang, an den Offizier heranzukommen. Der Offizier überreichte den Beamten seine Pistole und bat ihn zu schützen. Obwohl die Polizei alles tat. um den Offizier vor der erregten Volksmenge in Schuh zu nehmen, gelang es nicht, ihn vor einigen Schlägen und Fußtritten zu bewahren. Der Offizier wurde schließlich im Polizeipräsidium untergebracht, wo eine kleine Wunde am Kopf von dem 2lrzte verbunden wurde. Die Wunde wird als unbedenklich bezeichnet. So­bald Ruhe eintritt, wird der Offizier feinem Ziele 7;v.g fährt. Gegenwärtig Umlagen taufende von Menschen das Polizeipräsidium.

Die rohe Behandlung der Verhafteten.

Gelsenkirchen, 14. Febr. (WB.) Die gestern von den Franzosen hier Verhafteten befinden sich in Reck i g)au en. Toi d.'n ver­hafteten Polizeioeamten wurden 3 1 Mann ins Gefängnis geworfen. Der Oberbürgermeister, der Bürger-- meiner, der Polizeipräsident, der Reichsbankdirektor und der Po - l i z e i m a j o r wurden in einer gemein- samen Zelle untergebracht. Für die Rächt wurden den Beamten weder Stroh noch Decken zur Verfügung gestellt, so dah sie ge­zwungen waren, in ihren Kleidern auf blohemFuhbodenzuschlafen. Einige Polizeibeamte wurden auf dem Transport verwundet. Einem großen Teil der Beamten wurden weder Schuhe noch Strümpfe gelassen. Der größte Teil ist ohne Kopfbedeckung.

Einigkeit der Arbeiterschaft, Kamps bis zum letzten Ende.

Berlin, 15. Febr. Einer Dlättermelbung aus Wanne zufolge 'haben die im Hirsch- Dunkerschen Gewerkverein organisier­ten Arbeiter in einer Konferenz einstimmig eine Entschließung angenommen, in der der Ein­bruch der Franzosen und Belgier in das Ruhr­gebiet auf das entschiedenste verurteilt wird. Die Tat sei ein verabscheuungswürdiger Anschlag auf die Rechte der Selbstbestimmung und die Freiheit des deutschen Volles. Soweit Wiedergutmachung möglich fei. toerue man dafür etntreten, aber Sklavenarbeit werde man nie und nim­mer verrichten. In dem gegenwärtigen Kampf gelte es auszuharren, bis zwischen den beiden Regieruncei eine vernünftige Regelung der Reparationsfrage erfolgt fei. Keine Maß­nahme der militärischen Gewalthaber werde et­was anderes zuwege bringen.

In der Besprechung von Vertrelem der In­dustrie. des Handels und der Arleitnehmerver- bände in Hamm wurde zum Schuh von den Vertretern der freien Gewerckschaften die Erklä­rung im Ramen aller Gewerkschafter und Arbeit- nchmerverbände abgegeben, daß von ihrer Seite aus der Kampf bis zum letzten Ende durchgesührt werden solle.

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Elberfeld. 15. Febr. (WTD.) Für die Belieferung der Riederlande mit Koks ist Vorsorge getroffen. Die Ve sorgung des Wup­pertal es ist noch schwierig. Es sind aber bereits Schritte einerlei!et. um Erleichterungen zunächst durch die Freigabe des Bahnhöfe3 Hengstei zu ermöglufcn. _ Auf der Strecke Aach mDüre^ ist ein Militärzug entgleist. Der Unfall soll Zahlreiche Opfer gefordert haben.

Essen. 15. Febr. (WTD.) Der Ober- bürgermeister von Essen riche e an den General Fournier ein Schreiben, in dem er gegen die in Aussicht genommenen schärfsten Maßnahmen Einspruch erhebt. Rach dem deutschen Gesetz könne kein Deutscher das Recht in Anspruch nehmen, in einem Gasthaus be­dient zu werden oder in einem Laden Waren zu erhalten. Durch die Verordnung deZ Generals Fournier könne dieses Recht fremden Militär- und Zivilpersonen nicht eingeräumt werden.

Essen, 14. Febr. (Wolff.) Die Franzosen fahren fort, Autos zu beschlagnahmen. An veischiedenm Sellen sind Autofallen eingerichtet worden, indem man Seile über d i e Straßen spannte oder die Straßen dur-h Fuh werke sperrte. In Rellinghausen sind zwölf Pe sonenautos, in D>chrm 3) Personenautos be- sch'agnahmt sto.den. Ein Auw. das der B'schng- nal?me durch die Franzosen cmt-'e-en wollte, fuhr auf den Ze-chenplah der Zech' -Ewald". Die Fran­zosen besetzten mit großen Aufgebot dir Zechm­eingänge, zerstörten das Tor, re hafteten den D.triebsrat und schleppten den Betriebsrat und das Auto fort.

Lsie Gesamtzahl der ge'iern verhafteten Beamten betrug 42, davon sind 38 Polizei- bcamte. Die Bei hafteten befinden sich im Gym­nasium in Recklinghausen. Infolge der Verhaf­tungen traten die städtischen Beamten in Gel - senki r che n in den P r o t e st ft r e i k. Eine De­putation wurde an Degvutte geschickt, um ihm den Protest zu unterbreiten.

Der Boykott in Essen.

Essen, 14. Febr. (WTD) Divis onsgen^al Fournier hat dem Oberbürgermeister der

Stadt Esten in einem Schreiben mitgeteilt, daß er auf Grund der Weiterung der Hotelbesitzer und Kaufleute, Angehörige drr alliierten Armee zu b dienen folgende Maßnahmen getrofen tabe: 1. Das Hotel Handels Hof wird requi­riert. 2. Den alliierten M litär- und Zivil­personen wird das Recht eingeräumt, sich in allen dem Publllum gjöffne'.en Lokalen bedie­nen z u lassen. Im Weigerungsfall? wird das Lolal geräumt; erforderlichenfalls wird Ge­walt angewandt. 3. Den alliierten Militär- und Zivilpersonen wird das Rech' e nqeräumt in allen dem Publikum geö'fneten Geschäften z u kaufen, was sie nötig haben Falls die Geschäftsinhaber den Verkauf verweigern, werden die Geschäfte gcfchlollen, erforderlichenfalls toirb Gewalt an­gewandt.

Ein Poftftreik in Düsseldorf.

Düsseldorf, 14. Febr. (WTD.) Die Po- ketonnahme des Postamts Düsseldorf- Hauptbahnhof ist wegen Einmischung der Franzosen geschlossen worden,

Die Debatte im englischen Unterhaus.

London, 14. Febr. (Wolff.) Unter­bau 8. Auf eine Frage Ramsay Macdo­nalds, ob Dradbury weiter in der Repa­rationskommission bte.be, nickte Donar Law. Das Mitglied der Arbeiterpartei (Burton ergriff nach Donar Law das Wort und führte aas: Er wohnte vor kurzem, auch vor zwei Jahren, im Hause eines Bergarbeiters in Essen and könne aus eigener Anscha mng sagen, der Druck auf Deutschllnd bedeu.e Hunger urcd Elend für Mil­lionen Auf selten der deutschen Bevölkerung be­stehe kein Wunsch au Gewaltakten. Die deutsche Arb.i'.erfasse, insbesondere die Bergarbeiter, feien bestrebt, die Bewegung innerhalb der Gren­zen des passiven Widerstandes zu halten. Aus di ser Erfahrung heraus fön v> er den Berichten widersprechen, daß die Streikbewegung im Ruhr­gebiet von außen gefördert oder veranlaßt ober durch Angebote oder Versprechungen ermutigt wurde, sei es seitens der deutschen Regierung oder von anderer Seite. Die französische Regierung fei nicht auf Reparationen aus. Es sei sehr wahrscheinlich, daß, wenn eine Lösung dieses Pro­blems gefunden werde, sie in Gestalt eines lieber- einkommens zwischen ten sranzös schm und deut­schen Industriellen sein würde, wodurch die erste­ren einen vorherrschenden Einfluß auf die ge­samte Eisen- und Stahlindustrie in diesem Teile des Kontinents erlangen würden. Der Premier­minister habe es als seine Meinung bezeichnet, daß die jetzt von Frankreich befolgte Politik ge­fährlich ja sogar katastrophal für das europäische Wirtschaftsleben sei. Wenn Donar Law so denke, wie könne er bann eine neu­trale abwartende Politik gegenüber dieser Gefahr einnehmen? Burton sagte, er könne sich dem Schluß nicht widersetzen, daß die brit.sch: Regierung den Zielen des sranzö- sischm Imperialismus in Westeuropa heimlich Unter ft ütjung gewähre, um ein quid pro quo mit Bezug auf die Ziele des britischen Imperia­lismus im Rahen Osten zu erhallen.

Der Arbeiterführer T o m h a w erklärte als Mitglied des Ausschusses, der sich nach Deutsch­land begab, um die Wahrheit über die Dinge her­auszufinden, er habe festgestellt, daß eine Durch schsittssteigerung in den Preisen des täglichen Bedarfs wie Strahenbahnfahrlen usw., um dkls 2övfachr stattfand, während die Lohne der Ar­beiter nur um das 64sach gestiegen seien. Was dis 10 Prozent der Reparationskohle betreffe, die Deutschland versäumte, Frankreich zu liefern, so sei dies größtenteils auf die Tatsache zurückzu­führen, daß Frankreich selbst einen Teil der Kohle zurücktoiss unter der Begründung, daß die Quali­tät nicht gut genug fei. Es sei eine bekannte Tat­sache, daß die Metallindustrie in Lothringen Koks aus dem Ruhrgebiet brauche. Es sei ebenfalls Tatsache, daß, wenn Frankreich das Ruhrgebiet dauernd besetze, es fast die gesamten Erzquellen Europas in der Hano haben würde. Ein deutsches Angebot, Äordfrankreich wieder aufjubauen, wurde von Frankreich abgelehnt. Wenn es für die britische Regierung möglich sei, in Verhand- lunnen mit Frankreich zu treten und die Mit° toi f ing der am.-rifan schm Regierung zu erhalten, so könne vielleicht eine Möglichkeit für den Frie­den bestehen.

London, 14. Febr. (Wolff.) Asquith sagte in seiner Tinte, hausrede noch: Don feiner Partei im Hause wurde die moralische Verpflich­tung Deutschlands in Fruge gestellt. Es bestand keine Steigung, irgendeine Umgebung dieser Ver­pflichtungen seitens Deutschland zu ermutigen oder zu verzeihen. Die Frc>ge, iro.um es sich in Wi.k- lichkeit .handele, sei, wie die Erzwingung dieser Verpflichtungen in geeigneter, praktischer Weise gesichert werden könne. W<»Z auch immer erzwun­gen werden solle, es müsse geschehen unter der Dedingung, daß das deutsche Wirtschaftsleben nicht zerstört oder gcfährcvt und dadurch das ge­samte Gebäude r^s internationalen Handels un­tergraben werde. Er schätzte vor drei Jahren die Höchstsumme, He von Deutschland ge ahlt werden könne, auf zwei Milliarden Pfund. Ec habe jetzt keinen Grund zu der An 'a^ime, beh die Hbätzung zu nicintig war. Er war stets ein ergebener Freund Frankreichs, zögere jedoch nicht, zu erklären, dah seiner Ansicht nach die große Mehrheit der De- üöllerung Englands, so mitfühlend sie auch dem fran ö isichen S.andpunkt gegenü: e fte^?, fo miß­trauisch sie auch bezüglich der Eh.lichkett der

deutschen Absichten sei, von Herzen den Deschlus, der britischen Regierung billige, on dem Ruhr­abenteuer sich nicht zu beteiligen. (Beifall.)

London, 14. Febr. (Wolff.) ClYnes wird morgen namens der Arbeiterpartei einen um« fassenden Abänderungsantrag zur Ant- toortojr.f;e über die europäische Lage einbringen. Die Erörterung über diesen Antrag wird am Freitag fortgesetzt werden. Der Abänderurg^an^ tr.<g der A.b.tterpar.ei erklärt, die augenblickliche ernste gefährliche Lage der Dinge in Europa und dem Rahen Osten sei die sichere Quelle künf­tiger Kriege und bedeute eine ernste Ver f u; ä r f u n g Der Arbeitslosigkeit und Verminderung der Löhne in G.ohbri.arnien. Der Antrag drückt das Bedauern aus, dah keine Po­litik in diesen Fragen angegeben werde, welch« dem forlschreitenr^en wirtschvf.lichen Ruin Eurv- pcrs Einhalt tue, und sieht die allgemeine Strei­chung der internationalen Schulden vor als we­sen lieben Teil e n er umfassen, en allgemeinen Re­gelung, die den Völkerbund zum Vertreter aller Völker mache und ihn sowohl zur Versöhnung verwende als auch zum Schildscich'.er in dringt ir­den, kritischen Fragen, wie die Besetzung des Ruhrgebiets sowie für die billigste Reuerwäaung der Bestimmungen insb sondere der wirtschast- lichen der Friedensverträge, die, solange sie in Wirksamkeit seien, die auf den wirtschasilichen Wiedera-.'fbau und Frieden gerichieten Bestte- bungen aller Regierungen zunichte machen würden.

Eine Rede

Lord Greys im Oberhause.

London, 14. Febr. (WTB.) Im Ober­hause hielt vor Lord Curzon Lord Grey eine Rede, worin er figte, daZ einzige, was wirk­lich den Handel Grohoritanniens widerhersiellen würde, sei Wiederaufbau und die Stabllität in der Well, insbesondere in Europa. Die Frage der interalliierten Schulden müsse im Zusammenhang mit der vollständigen Regelung der Repara- tionäf rage gelöst werden. Die Aktion der französischen Regierung machte es jedoch fast irre­levant, diese Frage im gegentoirä ien Augenblick zu entwickeln. Grey drückte die Hoffnung aus, daß Die Türken den Lausanner Verlvig noch unter­zeichnen würden. Zur Frage im Ruhrgebiet erklärte er, die Aufrechterhaltung herzlicher Beziehungen zu Frankreich werde jeden Tag notwendiger. Vom Standpuntte nationaler Sicherheit, auch vom Standpunkte Europas ge­sehen, müßte die Trennung zwischen der französi­schen Regierung und Eng and zu einer Katastrop he führen. 4)as Zu lamm en wirken zwi chen beiden Ländern sei wesentlich um den Frieden wied-er- herzustellen. Ein Zusammenwirken sei jedoch augenblicklich nicht vorhanden. Vom wirtschaft­liche und finanziellen Standpunkte gesehen, sei Frankreichs Aktion tm Ruhrgebiet nicht nur nicht klug, sondern werde ver­hängnisvoll sein. (Hört! Hör:!) Das Ende dieser Aktion fei noch nicht abzufehen. Vielleicht sei es möglich, durch das vor der französischen Regierung angenommene Verfahren in Deutsch­land den Willen zum Zahlen hervvrzurufen, aber Ile deutsche Zahlungsfähigkeit würde sehr vermin­dert werden. Die Wurzel dieser wachsenden Schwierigkeiten sei das Gefühl der Unsicherheit in bezug auf die Zukunft. Dis Scheitern des fran­zösisch-englischen und des französisch-amerikanisch-m Garantievertrages sei in Wirklichkeit verantwort­lich für den großen Teil der Unruhe und ilnge- duld und dessen, was viele Leute als den agg-ef* siven Geist Frankreichs betrachteten. Das Problem der fünftiaen Sicherheit Frankreichs bleibe immer noch ungelöst. Es werde ni±>t gelöst werden durch die französische Aktion im Ruhrgebiet, die dazu führen werde, dah Deutschland und Ruß­land immer mehr vereinigt würden. Diese bei­den Rationen würden, oba-vhl sie augenblickllch nicht mächtig seien, in Zukunft wieder stark Wer­dern Der Völkerbund sei das einzig mög­liche Mittel für eine Lauernde» Lösung. Der Völler- bund müsse die Frage der Reparationen als eine finanzielle und wirtschaftliche F age f e'anix.ln und auf diese Weise zustande bringen, daß Deutlch- lanb wieder auf die Beine gestellt werde, um zah­lungsfähig zu werden. Wenn Deutschland Mit­glied des Völlerbundes werde, werde sowohl die Reparationsfrage als auch die Frage der fran­zösischen Sicherheit gelöst fert

Don einem französischen Posten erschossen.

Köln, 14. Febr. (WTD.) Der Lokomo» tivpuher Franz (S 11 ge n vom Betriebs­werk Jünkerath wrirde heute beim äleberschreitcn des Bahnkörpers, zu desscn beiden S.iten er fein Eigentum Hot, in der Rähe les Dahnhofs Jün­kerath von einem französische.! Posten ohne er» kenntlichen Anlaß erschossen.

Wie die Franzosen selbst urteilen.

DerVorwärts" veröffentlicht den Bries eines in Essen Rationierten franzö­sischen Offiziers on seine Frau, der durch Zufcrll in deutsche Hunde fallen ist. In dem Dries heißt es: Der pasiive Widerstand, der im Industriegebiet von Tvz zu Tag zu nehme, werde geratx^u unerträglich Kein Mensch ver­kehre mit den Fron-ofen, fehler würdige sie auch nur eines Dlickes. Drohe Sorge mochten auch die Mannschaften. Die Zucht lockere sich, aufrührerische Reden würden gehalten. es ereigneten sich Fälle von Desertionen. Die Eisen-