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Nr. (37

Erscheint täglich, außer Sonn* und Feiertags, mit derSomstogsbeilage: tLießenerFamilienblätter MonatlicheSezuasvreife: 60CO Mark einschließlich Trägerlohn,durch dieDost 6000Mark,auch beiNxcht- erscheinen einzelner Num» mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: sürdieSchrist- leitung 112; sür Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift sür Drahtnach. richten: Anzeiger Gießen.

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173. Jahrgang

Donnerstag, 14. Juni 1923

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitäls-Buch- und Zteindruckerei B. Lange in Sietzen. Schrrftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit, preis für 1 mm höhe für Anzeige« v. 27 mm Breit« örtL 120 Mk., auswärts 150MK.; für Rekl ame- Anzeigen von 70 mm Breite 600 MK.BeiPlatz. Vorschrift 20'72lufjchlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für beit übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck», sämtlich in Biegen.

Die englisch-französische Aus­einandersetzung.

Eine Falschmeldung der Havasageutur

Paris, 13. Juni. (WTB.) Die gestrige Havasrneldung, derb bis zum Rachmittag eine Bestätigung der von ihr verbreiteten Rach- richt, die englische Regierung ha.de sich geweigert, in einer gemeinsamen Rote die Einstellung des passiven Widerstandes von Deutschland zu ver­langen, nicht vorgelegen habe, muhte einiger­maßen Erstaunen erregen. Sie ist am späten Abend durch eine weitere Havasrneldung ergänzt worden, das Foreign Office erkläre, dah die am 12. 6. von der franzosiscyrn und englischen Presse veröffentlichten Rachrichten über die Beratung des englischen Kabinetts in der Reparativnsfrage nicht der Wahrheit entsprechen. Das britische Kabinett habe noch keine Entscheidung getroffen. Wie derMatin" mitteilt, hatte die französische Regierung ihren Botschafter gestern nachmittag beauftragt, in der Downing-Street anzufragen, ob die Pressemeldungen den Tat­sachen entsprächen. Der Botschafter habe Poin- care gestern nachmittag um 4 Tlhr mitgeteilt, er habe eine Mitteilung vom Foreign Office erhalten, die in der französischen Presse enthaltenen Rach­richten über eine angebliche Entscheidung des britischen Kabinetts seien reine Erfindungen. Der Matin" fragt: Wer ist der englische Politiker, der im Laufe der Beratungen des Kabinetts am Montagabend zwischen 8 und 9 Uhr mehreren französischen Zeitungskorrespondenten, darunter dem der Havasagentur, mitgeteilt hat, dah Eng­land sich weigere, sich Frankreich a.rzuschliehen, um dem Krieg ein Ende zu bereiten, der von Deutschland wieder angefangen worden sei, es sei denn, Frankreich werde sich den Ansichten Mc. Kennas in der Reparationsfrage anschliehen? Diese mysteriöse Persönlichkeit, die vielleicht auher einem verdächtigen politischen Manörer ein wir­kungsvolles Äörsenmanöver durchgeführt habe, müsse demaskiert und genannt werden. Die fran­zösische Regierung bemühe sich, sie kennenzuleimen. DerMattn" fügt seiner Rachricht noch hinzu, in Belg ien habe die Meldung, das englische Kabinett habe bereits in der angedeuteten Weise Stellung genommen, eine wahreDestürzung hervorgerufen, und die belgische Regierung habe Powcare erklärt, dah die Wsichten der englischen Regierung gute seien, und dah England nichts mehr verlange, als sich Frankreich anzuschliehen, um einen Druck auf Deutschland ausüben zu können. 3n Paris sei die Erleichterung allgemein, denn der Wunsch der französischen Regierung, sich mit England zu verständigen, sei groh. Sie habe davon Beweise gegeben.

Paris, 14. Juni. (WTD.) 3m Senats- ausschuh für auswärtige Angelegenheiten gab dessen Präsident gestern Kenntnis von einer llnterrebung, die er mit Poin cars über den Stand der Verhandlungen mit dem britischen Kabinett hatte. Poinxxrä habe ihm die Versichr- tung gegeben, dah die aus London übermittelten Depeschen hinsichtlich der Entscheidung der engli­schen Regierung in allen Punkten ungenau seien. Es gehe im Gegenteil aus den von dem französischen Botschafter übermittelten Rach- richten hervor, dah die Verhandlungen im Geiste der aufrichtigsten Herzlichkeit geführt würden.

Eine Beratung des englischen Kabinetts.

London, 13. Juni. (WTB.) Reuter meldet: Unter dem Vorsitz von Baldwin wurde heute eine Kabinettsitzung zur weiteren Be­sprechung der Reparationsfrage abgehalten. Eine Erklärung über die britisch: Politik wird nicht vor der nächsten Woche erwartet. Es herrscht die Ansicht vor, dah es unmittelbar not­wendig fei, eine Sntschttdung zu erreichen, und dah alle Mittel angewandt werden müßten, um eine .UebervinfHmmung zu erzielen, die eine Eini­gung hinsichtlich der ton den Alliierten verfolg- Am Richtlinien ermögliche. Zwischen den al­liierten Haupt st ädten findet ein leb­hafter Verkehr statt. Da Frankreich die Frage des deutschen passiven Widerstandes zum wichtigsten Verhandlungspunkt gemacht hat, ver­sucht Grohbritannien genau in Erfahrung zu bringen, was Frankreich unter einem Versuch, dem passiven Widerstand ein Ende zu mazt,-rn, ver­stehe, und ob eine gemeinsame Politik geführt werden könnte, die für beide Länder befriedigend wäre.

Ein kleiner Schritt vorwärts.

Paris, 14. Juni. (WTB.) H-rv.as ver­öffentlicht folgende offiziöse Mitteilung: Rach den Andeutungen, die man gestern abend aus London erhalten hat, soll das Käbinett B a l d- w i n beschlossen haben, das Foreign Office da­mit xu beauftragen, auf diplomatischem Wege mit der französischen Regierung die schweben­den Verhandlungen über die Regelung deS Reparationsprvblems fvrtzusetzen. Man dürfe also annehmen, dah eine Verständigung über diese Prozedur sich werde erzielen lassen, der die französische Regierung kein Hindernis bereiten wolle unter dem Vorbehalt, dah der Meinungsaustausch auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege erfolge und nicht münd­lich im Laufe einer Sachverständigenkonfe- renz. 2luch werde die Bedingung gestellt, dah Deutschland von diesen Verhandlungen fern gehalten werde, solange eS nicht den passiven Widerstand im Ruhrgebiet eingestellt habe.

Paris, 14. Juni. (WTB.) Wie die Mor­genpresse feststellt, hat das Foreign Office

gestern nachmittag den Botschaftern ton Frank­reich und Belg ien einen Fragebogen übermittelt, um sich über die Absichten der Regierung rn zu informieren Rach demEcho de Paris" schüne sich das englische Memorandum in der Hauptfach: auf folgende zwei Punkte zu richten: 1. Man möge begründen, d. h. den Sinn der Worte einschränkenVerschwinden des pas­siven Widerstandes". 2. Man möge das Regime bei Besatzung begründen, dessen Einrichtung "im Ruhrgebiet man annehmen wolle, im Falle dah Deutschland nichts mehr unternehmen werde. Hin­sichtlich des befinintiten Begriffspassiver Wi­derstand" habe die französisch: Regierung neun Punkte formuliert. Es sei wahrscheinlich, dah eine gewisse Herabsetzung dieser neun Punkte bewilligt werde.

DerTemps" zur Frage des Waffen­stillstand s.

Paris, 13. Zuni. (WTD.) Der offiziöse T e m p s" schreibt zur Frage des sog. Waffen­stillstandes im Ruhrgebiet: Die Franzosen wür­den es nicht a b l e h n e n, sich mit diesem Ge­danken zu beschäftigen. Frankreich fühle sich stark genug, um stets gemäßigt zu sein. 'Mit dem Sage, an dem die deutsche Reichs- und dis preuhischr Regierung alles getan haben würden, um dem Widerstand ein Ziel zu setzen und die Ruhrbevölkerung zur loyalen Zusammenarbeit mit den Alliierten bestimme, mit dem Tage, wo daraus ein normaler Fortgang der deutschen Leistungen, der ZahlungZeintreioang, des Ver­kehrs usw. resultieren würde, wäre man in die Lage zurückversetzt, die die französische und die belgisch: Regierung am 11. Januar im Auge ge­habt hätten. 3m Rahmen der interalliierten Or­ganisationen im Ruhrgebiet würde alsdann die Verwaltung durch die Zivilisten wieder vor­herrschend sein, indessen würden fünf Monate agressiven Widerstandes leider nicht spurlos blei­ben. Man müsse daher schon jetzt zwei Vorbebalte machen: Einmal könnte die fünf Monate hindurch unter ber deutschen Bevölkerung betriebene Agi­tation noch weiter gefährliche Folgen für die französischen Soldaten, ja sogar für die französi- schon Zirllbeantten haben, und es fef: deshalb von Wichtigkeit, dah es dem französisch-belgischen Kommando freistehe, alle Sicherheitsmah- nahmen zu treffen, die ihm durch die Ereignisse geboten erschienen. Des weiteren werde die Li- quiducivn be3 deutschen Widerstandes gewisse Vorsichtsmahregeln erfordern. Hm ein Beispiel anzuführen: Man könne nicht gestatten, dah die Vorräte an Metallwaren, die dank der Re­gierungsvorschüsse angelegt worden seien, Vor­schüsse, die die 3ndusttiellen in entwerteten Papiermark zurückzahlten, un vermittelt auf den Markt geworfen würden. Wenn das deutsche Waffenstillstandsprojekt sich den bisher ange­führten französischen Eedanken^ängen anraffe, sei ein Meinungsaustausch darüber nicht ausge­schlossen. Die Engländer besähen ein gutes Mittel, die Verständigung au erleichtern. Wenn England sichrngehen wolle, dah der deutsche Widerstand im Ruhrgebiet aufhör: und an Stelle der militäri­schen E-.setzung ein ziviles Regime in den Vorder­grund treten solle, brauchte es nur einige englische Abteilungen den belgichen und französischm Soldaten zur Seite zu stellen.

Ein englischer Antrag beim Dölkerbnndsrat.

Genf, 13. Juni. (WTD.) Drr Völker­bund s r a t tritt am 29. Juni unter dem Vorsitz des italienischm Vertreters Salandra in Genf zusammen. Auster der Finanzlage der Stadt Danzig und einem Bericht des Völkerbunds- lommissars in Wien über die langfristigen An­leihen sowie zahlreichm anderen Fragen steht auf der Tagesordnung ein englischer An­trag über das (Saargebiet Das Völker- l-undssekretariat teilt darüber folgendes mit: Die englisch: Regierung hat durch Vermittelung des englischm Vertreters auf der Ratstagung, Wood, beantragt, die Aufmerksamst des Rates auf die Verordnungen der Regierungskommission des Oaargebktd vom 7. März 1923 über die Auf­rechterhaltung der Ordnung und vom 2. Mai über die Streikposten zu lenken. Die englifcfie Regierung beantragt außerdem eine stlnterfu chung darüber, ob die Vertretung des Saargebietes durch die Regierungskommission drm Dorste und dem Dach- staben des Versailler Vertrages entspricht

Das französische MOrdregimenL.

Paris, 13. Juni. (WTD.) Rach einer Havasmeldung aus Düsseldorf sind in der Rächt zum 12. Juni zwei Deutsche, die entgegen dem nach der Erschießung eines französischen Postens verhängten Verlehrsverbol ti den Straften von Recklinghausen angetroffen wurden, von französischen Posten durch Gewehr­schüsse getötet worden. Ob weiter: Personen getötet worden seien, sei noch nicht bekannt

Auf der Streike Bouu Koblenz Zwei Züge entgleist.

Koblenz, 13. Zuni. (WTD.) Wie berietet wird, sind Hütte auf der Strecke Bonn Ko­hlen z zwei Lüge der französischen Regie e n t g (e i ft. Das eine Eisenbahnunglück ereignete sich auf der Strecke RolandseckMeh­lem, wobei der ganze Zug entgleist:. Das and:re stlnglück ereignete sich auf der Strecke Godes­berg-Mehlem, wo ein Teil des Zuges ent­gleiste. Personen sind in beiden Fällen nicht zu Schaden gekommen. 3m Zusammenhang mit diesen Unfällen sind von den Franzosen verschiedene Personen wegen angeblicher Sabotage­akte verhaftet worden.

Ei« Revisionsurteil.

Düsseldorf. 13. Hunt (Wolff.) Das ün Krupp-Prvzeh wegen Störung der öffent­lichen Ordnung und Aufreizung der Menge zu Ge­walttätigkeiten zu 6 Monaten Gefängnis verur­teilte Dctriebsratsrnitglied Müller wurde in dem heutigen Revisronsver fahren vom französischen Kriegsgericht in Düsseldorf wegen Störung der öffentlichen Ordnung zu 7 Mona- ten Gefängnis verurteilt. Die Anllxge auf Aufreizung der Menge zu Gewalttätigkeiten ist fallen gelassen worden.

Ein neues Todesurteil.

Köln, 13. Juni. (WTB.) Wie Havas mit­teilt, ist der 3ngenieur der Badischen Anilin- und Sodafabrik Borges vom franzöjischen Kriegs­gericht in Ma i n z wegen angeblicher Sa­botage, die der Angeklagte zugegeben haben soll, zum Tode verurteilt worden.

Das Verfahren gegen Eachin und Höllen».

Paris, 13. Juni. (WTD.) Der Unter- suchungsrichter hat die Anklage gegen den Alg. Marcel Eachin und Genossen sowie gegen den deutschen Reichstagsabgeordneten Höllein wegen eines angeblich.-,r Konrplotts gegen die Sicherheit des Staates fallen lassen. -Es wird deshalb angenommen, das) Höllein morgen in Freiheit gesetzt, das httstt an die Grenze ge­bracht und aus Frankreich ausgewiesen werde-.: wird.

Die englisch-russische Einigung.

London, 13. Huiri. (WTD.) Reuter. Die brittsche Regierung stellt in ihrer Antwort auf die letzte russische Rote mit Genugtuung fest, dah die ootojetregierung in Zukunft i:de englandfeindliche Propaganda unterlassen wird. Grohbritannien verpflichtet sich, Plänen, die mög­licherweise von russischen Staatsangehörigen austerhatb Ruhlands gegen die Sowjetregierung geschmiedet werden könnten, keine Unterstützung angedeihen zu lassen. Die Rote stellt fest, dah die Sowjetregierung die w i ch t i g st e n Forde­rungen Englands erfüllt hat, so dah der Rotenwechsel als beendet angesehen werden könne.

Kämpfe in Bulgarien?

Graz, 13. Juni. (WTD.) Wie der ^Tages­post" aus D e l g r a b gemeldet wird, lieh die serbisch: Regierung angesichts der Lage in Dul- p.aricn die Grenze gegen Bulgarien mit starken Militärabteilungen besehen. Rach Meldungen von der bulgarischer Grenz» sollen in ganz Dulgarien Kämpfe zwischen Re» gierungstruppen u n b Dauerntrup- Pen stattfinden. Hrftigr Kämpfe batten sich be­sonders in der Umgebung Von Plewna und in einigen Ortschaften in der Räh: von Philipr^polis entaäcfelt. 3n den Kämpfen mit den Regier ungs- truppen soll auch der frühere Ackerbauminister Obbow gefallen sein.

Teuerung und Löhne.

Berlin, 14. Juni. Zwischen den Spitzen- Organisationen der Esä-erkschasten und Vertretern ber Reichsregi - r u u g fand, der »Voss. Ztg." zufolge, gestern eine Aussprache über die S ich e r ste 11 u n g der Ernährung ftjtt Deichsernahrungsminister Dr. Luther beknie de Rotwendigkeit einer Anpassung derLöhnean die Preise, ba eine wirksame D^.nflussun.g b:r Preise nicht möglich sei. Trvh- tem sei dne A -<-hl Mast rahmen gegen die Ver­teuerung der O:bersmlttel getroffen worden. Die Strafen wegen unerlaubte Aus/ahr und Preis- treiberxi seien erhöht worden. Ferner sei eine Verordnung ausgearbe tet worden, wonach auf den Schlachthösen Tlod:rwachungskvmmissrone:r zum Zwecke einer gerechte,x Prersbildung gr- schchse r werden. De ersorderlrchm ©drei.emen­gen bis Ende des Wirtschaftsjahres seien durch die Reichsattv.i^estelb: sichwgestellt. Zum Schlaft der Besprechung erklärte Dr. Luthw. dah er beun Arbeitsministerium wegen einer Anpassung der Löhne und Gehälter an de ft:i pmden Lebens- stnittelpreise vorstellig, werden wolle.

Der Hauptvorslwnd des Allgemeinen Freien Angestelltenbundes erklärt in einer Kundgebung zur F.age der Lohnreform, das) nach dem völligen Zusammenbruch der Ward stützungsaktion den Gehalts- und Lohnempfängern nir.p mehr zugemutet werden könne, ihrem Ar- btttSemkommen die Papiermark zugrunde zu legen, während 3nduftrie, Ha.xdel und Finanz­kapital längst zur Rechnung in wertbeständiger Wäh.ung übergegangen seien. Der Vorstarxd des Afabundes empfiehlt deshalb seinen ihm ango schiossenen Verbände,7,.xfttghin die Sicherung der Wertbeständigkeit der Löhne zu verlangen. Auch der Allgemeine Deutsche Gewerk- schrstsbund hat sich mit der Frage beschäftigt, die mit den übrigen gewerkschuftlrchen Spitzen­verbänden zur Herbeiführung gemeinsamer Schütte erörtert werden soll.

Der »Voss. Ztg." zufolge hat der Abgeord­nete Dr-. Hertz im Reichstag eine kleine An­frage eingebracht, in ber gefragt wird, ob der Rerchsregierung bekannt sei, daß große und für die deutsche Volkswirtschaft auft-.wordentlich wch^ tige Werke wie Phönix und Scheideman­bei in ausländischen Desitz überge­hen sollen, und welch: Maftnahmen die Reichs­regierung gegen diese Form der Kapital- und Steuerflucht sowie gegen die Gefahren der lieber» frembung wichtiger Teile der deutschen Volkswirt­schaft zu ergreifen gedenke.

Die Vcrbrattchsstencrgcsctze.

Berlin, 13. Huni. (WTD.) Der finanz­politische Aussckuh des vorläufigen Reichs- wirtschaftsrates beschäftigte sich gut­achtlich mit den Leuchtmittel-, Mineral­wasser-, Zündwaren-, Zucker- und Salzsteuergeseyen und stimmte den Vor- lagm mit einigen Abänderungen zu. Er nahm mit 14 gegen 10 Stimmen eine Entschlietzung an, in der er ausspricht, dah die Aufwertumg! der Verbrauchssteuern die Verbraucherkreise doppelt hart trifft, da weitere Preiserhöhungen unvermeidlich seien, während die Einkommen weit hinter der Kaufkraft des Friedenseinkommens zurückgeblieben seien Er könne daher den Vor­lagen nuv unter dec Voraussetzung zustimmen, dah die Anpassung der D e s i h st e u e r n an d i e Geldentwertung in einem schnelleren Tempovorsich geht.

'Mus dem Reichs.

Das Reichsbesoldungögrsetz.

Berlin, 13. Juni. (WTB.) Der Haus­haltsausschuft des Reichstags führte die Beratung der neunten Ergänzung des Be­soldungsgesetzes fort. Lmgenommen wurde hierzu ein Antrag der 2lbgg. Dr. Höfle (Z.) und Guerard (Z.), wonach das Martegeld achtzig Hundertstel des bei der Be­rechnung der Pension-zugrunde zu legenden Diensteinkommens, jedoch höchstens 1 800 000 Mark monatlich betragen soll. Hat der Be­amte indessen zur Zeit seiner einstweiligen Versetzung in den Ruhestand bereits eine höhere Pension erdient, so erhält er ein Wartegeld in der Höhe der zu diesem Zeit­punkt erdienten Pension. Die Berechnung der Ruhegehälter wurde alsdann nach der Regierungsvorlage angenommen. Hier­nach beträgt die Pension bei vollendeter zehw- jähriger oder kürzerer Dienstzeit M/100 und steigt nach vollendetem zehnten Dienftjahr mit jedem weiter zurückgelegten Dienstjahre bis zum vollendeten 25. Dienstjahr um 2/100 und von da ab um V100 des Diensteinkvmmens. Aeber den Betrag von 8O/ioo dieses Einkom­mens hinaus findet' eine Steigerung nicht statt. Das Ruhegehalt für die richterlichen Beam­ten wurde in ähnlicher Weise geregelt. Auch der Härteparagraph wurde angenommen, wo­nach der Reichsminister der Finanzen er­mächtigt wird, den Wartegeldempfängern, Pensionären und Witwen zum Ausgleich von Härten Zuschüsse zum Teuerungszuschlage zu gewähren. Ferner wurde dec Reichsminister der Finanzen ermächtigt, vorbehaltlich der endgültigen Regelung durch den Rcichshaus- haltsplan zu bestimmen, welcher Teuerungs- zuschlag einschließlich des örtlichen Sonder- zuschlags beim Intrafttreten dieses Gesetzes neben den in diesem Gesetze vorgesehenen Be­zügen zu z-ahlen ist. Schlieftlich wurde eine Entschließung angenommen, in der die Reichs­regierung ersucht wird, das Reichsbesoldungs- gesetz dahingehend zu ändern, daß das Höchst- gehall erreicht wird: in Gruppe 1 bis N nach 12 Dienstjahren, in Gruppe 12 nach 10 Dienst­jahren und in Gruppe 13 nach 8 Dienstjahren.

Neue Kohlenpreiserhöhungen.

Berlin, 13. Juni. (WTD.) Die Steigerung aller Preis:, welche eine Erhöhung der Derg- arbeiterlöhne nctirentig machen, hat die Organe ber Kohlenwirtschaft gezwungen, nere K 0 h- lenpreiserhöhu.rgen ?d beschieß n. Diese betragen für Rutzr^ttförderkohie 82 074 Mark, Ob:rschlesie:x durch sch ittlich 74 991 Mark, Rieder- schlesien ^durchsch'.ittlich 87 358 Mark, Sachsen durchschnittlich 106 175 Mark, Riedersachsen-3b- Eenbuereh durchschnittlich 81 288 Mark, Rieder- sachsen-Darstl'.gf.ausen darchschnittlich 89 109 Mk.» .Aachen-Eschae.ler durchsch.ittlich 95 830 Mark, Aach-en-Rordfler.-'. durchsch xittlich 109 061 Mark, rheinische Braunkohle (Rohkohle) durchschnittlich 14 380 Mark, rheinische Briketts durchsch.xittlich 50 531 Mark, mitteldeutsche Braunkohle (Roh­kohle durchschnittlich 15 813 Mark, mitteldeutsche Driketts 51 752 Mark. Diese Erhöhungen steigern sich um die üblichen Steuersätze ufn>. und am 900 Mark pro Tonne abgefeimter Steinkohle für den Dau vo.x DerZarbeiterheiinstätten. Di: neuen Preise gelten ab 15. Zun^. Die Preiserhöhungen bnlten s.ch an das Ausmaft der Lohnerhöhungen Für die mittelbÄ.'.tschen Draunkohle.xreviere sind die Erhöhungssähe geringer als die Lohnfteige- rungen. Der Preis für Ruhrsettförderkohle wird sich diesen Deschlüsse^x gemäft von den jetzigen 221 200 Mark pro Tonne auf 335 200 Mark er­höhen.

Die Magdeburger Verhaftungen.

Derlin, 13. Zuni. (Wolff.) Wie den Blät­tern zu den Magdeburger Derhaftunge:x mitgeteilt wird, nahm die Krimxnalpolizex am 8. Zunx abends fünf Reichswehrsoldaten von der Kraft- fahrabteilung in einer politischen Ver­sammlung fest. 3m Besitze eines derselben na­mens Riehl, seien Schriftstücke gefunden worden, die auf einen Reichswehr block R 0 ftbach hindeuteten. Es sei ater nicht klar, ob dieser Block schon bestehe oder erst geschaffen werden solle.

Wie derVorwärts" neuerdings aus Magde­burg meldet, sind die dort verhafteten Mitglieder desRexchswehrblocks Rotzbach" aus derHaft entlassen worden. Hierdurch soll dem Blatte zufolge die Magdeburger Arbeiterschaft m grotze Erregung versetzt worden fern.