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vrvck «nd Verlag: VrShl'fche Univerfitütr-Vuch- und Ztelndruckerei K Lange in Siehrn. Schnftleitung und Geschaftrstelle: Zchulstrahe 7.

I Absendung der französische deutsche Dole. 3m übrigen ° I nackigen AuSfrager, die V

Macht" fand.

Die englisch.russische Spannung liegt kaum in der heißen Zone unmittelbarer Gefahren. Lord Curzon hatte es in seiner Note der Sowjet-Regierung einmal kräftig gesteckt; offenbar haben die Russen dem englischen Handel absichtlich einige Schwierigkeiten ge­macht, um zu bestimmten Verträgen zu gelan­gen. Die Beschlagnahme eines britischen Fischereikutters war eine gar zu offen un­freundliche Handlung, die im Hinblick auf den etwas groben Gedankenaustausch der letzten Zeit von England nicht gut unerwidert blei­ben konnte. Die Russen haben keinen Grund, mit England zu brechen, und so war es vor­auszusehen. daß sie dem britischen Leu die ge° sttäubte Mähne wieder glatt streichen würden. Das hat Herr Lit.winoff mit einem Konfe­renzvorschlag und nicht unzutreffenden histori­schen Erinnerungen getan. Run bleibt die Lausanner Konferenz noch ein Herd von Önttigu en und Reibungen. Die Russen sind dort als Freunde der Türken zu den Ver­handlungen nicht offiziell zugelassen. Sie be­halten ihren Weitteichenden Einfluß in den wichtigen Fragen des Ostens und spielen nicht ungeschickt ihre diplomatischen Karten aus. Wasaktive Politik" ist, das wissen sie ttotz der politischen Acht, in der sie noch teilweise stehen. Die Bevolverschüsse des Mörders Con­radi, der ein Mitglied der russischen Delega- ttvn tötete, haben nur einer Pribattache ge­dient. Große politische Folgen sind daraus nicht abzuleiten. Conradi war in Petersburg geboren, hat während des Krieges für Ruß­land OffizierSdienste getan und muhte es nach­her erleben, daß seine Verwandten von Bol­schewisten erschossen wurden. Er war unter den Kämpfern Wrangels und fand in Lausanne die letzte Möglichkeit, seinen Haß zu löschen.

Absendung der ftanzösischen Antwort auf die ~ t bat er einen hart-

Imposante Kundgebung der Essener Bevölkerung.

Essen, 11. Qltai. Die heutige Kundge­bung der gesamten Essener Bevölke­rung. mit der sich das ganze Ruhrgebiet soli­darisch fühlt, nahm einen wahrhaft erhebenden Verlauf und zeigte einen einheitlichen, unbeug­same Willen der Bevölkerung. Alle Ge­schäfte und Hotels hatten geschlossen und ihre Fen st er verhängt. Sämtlich» Gymnasien. Lyzeen und Volksschulen hatten die Schüler um 10.30 Hfjr entlassen. Um 11 Ahr begannen die Sirenen der Fabri­ken zu heulen und alle Arbeiter und Angestell­ten strömten eilig nach Hause. Wie eine Heraus­forderung wurde eS empfunden, daß gerade in diesem Augenblick ein französisches Auto (mit höhe­ren Offizieren sich einen Weg durch die von Kruppschen Arbeitermas'en dicht gefüllte Alten- dvrfer Straße bahnte. Ebenso rasch wie die Stta- ßen sich füllten, leerten sie sich dann auch. Um 12 Uhr wurde auch der Straßenbahnver- kehr eingestellt. Von 12 bis 3 Uhr war außer einigen französischen Soldaten und fran­zösischen Autos kein Mensch auf den Straßen zu sehen. Kein einziger Betrieb arbeitete. Erst von 3 Uhr ab setzte der Verkehr langsam wieder ein. Um 4 Uhr riefen die Sirenen zu neuem Schöffen. Die auS dem Volke heraus geborene Kund- gibung ist ein bedeutsames Zeichen dafür, daß deutscher Stolz nicht gewillt ist, sich fremder Schreckensherrschaft zu beugen.

Wochenrückblick.

Das Werdener Urteil, in Verbiw

Die russische Antwort an England.

Moskau. 11. Mai. (WTD.) Russ.Tel.-Ag Als Antwort auf die Rote des briti­schen Agenten in Moskau. Hvdgsvn vom 28 4., die auf der sofortigen Freilassung des in den russischen Territorialgewässern festgenom­menen englischen Kutters besteht, hat Litwinow Hodgson eine Rote übermittelt, dre dre Berech- tigung der britischen Forderung besttertet und darauf hinweist, daß der Streit über drese Frage

D.Y0

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düng mit anderen Sttafdiktaten französischer Kriegsgerichte, hat die Spannung auf die Be­antwortungen der deutschen Rote etwas zu- rücktteten lassen.Verbrecher haben über ihre Opfer zu Gericht gesessen", so hieß-es in einem amtlichen Kommentar der deutschen

Regierung, und in der Tat, war es schon eine unerträgliche Anmaßung, daß die Franzosen eine solche Gerichtssitzung Überhaupt veran­stalteten, so ist dieser AuSgang nichts weiter als ein Ausbruch verkommener Moralität und niedriger Kulturverfassung. Was sonst höch­stens einmal in wütenden Kriegszeiten von einem rauhen Befehlshaber hinter dem Man­tel der Verborgenheit schnell gewagt wurde, das hat das stolze Frankreich vor den Augen der ganzen Welt vollbracht! Aeußerlich sehen wir eine Gebärde, seltsam gemischt von Größen­wahnsinn und Rachsucht; innerlich, auf dem Grunde des französischen Triebes, da sitzt die Geld- und Machtsucht eines Volkes, voll auf­geblasener Wut darüber, daß ihm hier und da das alleinigeSiegertum" streitig gemacht oder daß ihm die Krone des Ruhmes in Ge­staltangemessener" Bezahlung vorenthalten wird. Zu keinem anderen geschichtlichen Zeit- puntt war der gallische Dünkel, sein von nie­derer Leidenschaft verzerrtes Gesicht, so ab­stoßend wie heute. Das Frankreich des ersten Rapoleon hat wirklich über die europäi­schen Völker hinausgeragt; Ruhm und Macht standen ihm nicht übel zu Gesicht, und wenn es nach fremdem Besitze zugriff, so fügte die Welt sich einer heroischen Autorität. Das heu- ttge Frankreich hat nichts davon aufzuwetsen. Wo wäre eS, wenn es seine Verbündeten nicht gehabt hätte! Das englische KönigSpaar hält sich seit gestern in Rom auf, und schon heißt es in einer römischen Meldung, jeder 3ta- liener sei König Georg dankbar, weil er im Gegensatz zu Foch erkläre, der große /Krieg sei durch den italienischen Sieg gekrönt worden. Frankreich kam zum Frieden von Ver­sailles nicht durch seine überlegene Kriegs­macht, sondern durch das mitleidige Zuge­ständnis der andern, die kühle Geschäftspoli­tik Englands, die noch die falschen Schlag­worte von Humanität im Munde führte. Man respektierte in Frankreich nur das von den Kanonaden schrecklich mitgenommene Land, den Dulder und Ausharrer. Jetzt, wo es sich zeigt, daß es nach diesem furchtbaren Welt­krieg eigentlich überhaupt keinenSieger" gibt, da überall ein wirtschaftlicher Riedergang cin- gebrochen ist, der die Länder auf ein vernünf­tiges Zusammenarbeiten verweist, benutzt Frantteich die Ohnmacht des entwaffneten Gegners, um feiae über ihn herzufallen. ES spielt die Rolle 5eS Wucherers und Halsab­schneiders. bis ein gerechter Richter ihm seinen Schein aus der Hand nehmen wird.

Für unser deutsches Volk sind diese Schläge immer wieder zugleich eine Ernüch­terung, eine Besinnung nach vielen Anklar- heiten. And so muß unser Nationalgefühl in Stolz und Würde sich langsam wieder heben. DieSieger" haben sich entblößt. Sv viel Er­bärmlichkeit, Ansittlichkeit und Anwahrheit sollte lange obenauf bleiben können? Das Welttheater sollte solche Skandalstücke wie das Werdener Arteil auf die Dauer dulden? Rein, die Wahrheit ist mit Stirnrunzeln schon auf dem Marsche. Die Lügen-Entente sitzt er­mattet am Wege. DasDaily Chro- nicle schrieb,Poincarähabe in England das Gefühl gemeinsamer Interessen und Odeale zwischen England und Frankreich zerstört, und zu einer Zerstörung werde nichts mehr bei­tragen als Schandtaten, wie das Krupp- Arteil, das in weiten Kreisen des englischen Volkes in der Tat das Gefühl aufkommen lasse, die Franzosen seien nicht mehr recht bei Trost, und ihr Wahnsinn werde immer mehr zu einer Gefahr für die ganze Zivili­sation .Daily Rews" meint:Die teil»

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit, preis für 1 mm höhe für Anzeigeno. 27 mm Breite örtlich 80 Mk., auswärts 100MK.;für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 400 MK.BeiPlah- Vorschrift 20°/, Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

nuuiyvii <4UD|iuyci, v« Veröffentlichung der englischen Antwort auf die deutschen Vvr- chläge abzuwarten. Diese Antwort soll der deutschen Regierung, nach neuesten Meldun­gen, am morgigen Sonntag überreicht werden. Sehr bemerkenswert war es, daß Lord Robert Cecil, der so oft den Franzosen die Stange gehalten hat, die sofor­tige Intervention Englands gegen Poincares Sonderpolitik vorschlug, indem er darauf ver­wies, in Amerika habe er gefunden, daß dort jedermann die Beilegung des Ruhrkonflikts wünsche und vom Völkerbund wegen seiner Antätigkeit und Einflußlosigkeit nicht viel ge­halten werde. Auch die Saarpolitik des Völkerbundes erfuhr durch verschiedene Red­ner eine scharfe Kritik. Der englische Anter- richtsminister Wood muß e natürlief) als Mit­glied des Völkerbundsrates vor der großen Öffentlichkeit die neuen Dekrete für das Saar­gebiet, die u. a. für die Kritik am Völkerbund Gefängnis androhen, ein wenig unter seinen Schuh nehmen, allein durch seine Ausführun­gen leuchtete doch die eigene Anzufriedenheit mit den unter französischer Führung für das Saar gebiet getroffenen Anordnungen. Auch dieser Teil der Debatte bedeutet im ganzen eine bedeutsame Absage an die französischen Bestrebungen. Zur selben Zeit hat das eng­lische Oberhaus eine Vermehrung der eng­lischen Luftflotte beschlossen und in der Diskussion dieser Frage deutlich auf die fran­zösische Gefahr angespielt, wenn auch der Re- gierungsvertteter, Lord Salisbury, scho­nende Worte für diegroße befreundete

beste Phantasie des eingefleischtesten Fran­zosenhassers hätte kein solches Nachspiel zu dem Blutbad vom 31. März vvrhersehen kön­nen." DieWestminster Gazette" er­klärt, das ftanzösische Volk könne aus der englischen Presse die Warnung entnehmen, daß esdasGesühlderGerechtigkeitbe- leid i g t habe, das bei dem Durchschnitts­engländer vorhanden sei; diePall M a l l G a z e 11 e" schließt ihre Bettachtung, die gesamte ftanzösische Vorstellung sei ein Gemisch von Tragödie und Farce gewesen. Die Wiederherstellungen seien wenig mehr als ein Vorwand für Annexionen.

Auch im englischen Parlament mehren sich die Vorstöße gegen die französi­sche Tyrannei. Die Diplomaten des Kabinetts Donar Law geraten in immer größere Ver­legenheit. Der Schatzkanzler Baldwin hat seine deutliche Mißstimmung ausgesprochen Über die rücksichtslose Aeberstürzung bei der

Krupp und die Mitverurteilten im Gefängnis zu Derendorf.

Düsseldorf. 11. Mai. (WTD.) Rach einer Meldung derDüsseldorfer Rachrichten" wurden K ru p p von D ) h le n - Ha l ba ch und j die anderen mit ihm verurteilten < Herren am Mittwoch in das Gefäng n r s zu Derendorf überführt, ttn sie vorläufig bis zur Entscheidung über die gegen das Werdener Arteil eingelegte Revision verbleiben werden.

Eine Erklärung des deutschen Gewerkschaftsbundes.

Berlin. 11. Mai. (Wolff.) Verdeutsche Gewerkschaftsbund erläßt zu den Arteilen von Mainz und Werden folgende Erklärung: Die Schandurteile der französischen Militärjustiz in Mainz und Werden erfüllten insbesondere die deutschen Arbeitnehmer mit tiefster Erbitterung und Erregung. 3n Mainz werden deutsche Ar­beiter. Angestellte und Beamte zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt, weil ihnen die Treue zum eigenen Volk höher stand als die Anmaßung der fremden Gewalthaber. In Werden suchte man die ciaerrc Blutschuld dadurch zu verdecken, daß man schuldloseste deutsche Männer aus Jahr­zehnte in den Kerker wirft. Durch das Arteil wird der Wahrheit und Gerechtigkeit geradezu ins Gesicht geschlagen. Frantteich stellte durch den rechtswidrigen Einbruch in das Ruhrgebiet Gewalt vor Recht. Was in Werden und Mainz geschah, ist ein Hohn auf die elementarsten Rechts- grundsätze. Polizei, Verbrecher und Richer in einer Person: als solcher tritt der französische Militarismus in seiner ganzen Brutalität auf und läßt er jede Masbr fallen. Dieses himmel­schreiende Anrecht, welches Tag für Tag durch die Vertreibung von Hunderten von braven Eifenbahnerfamilien von Haus und Hei­mat noch berftärft wird, wird nur die eine Wir­kung haben, daß die einen wahren Frieden wün­schenden Arbeitnehmer sich um so stärker für das mit Füßen getretene Recht eintreten und in un­erschütterlicher Abwehr ausharren, bis dem Rechte zum Siege verhvlfen ist.

Der bayerifche Minifterpräsident au Krupp von Bohlen.

München. 11. Mai. (WTD.) Der bayerische Ministerpräsident v. K n i l l i n g hat gestern nach­stehendes Schreiben an Herrn Krupp von Bohlen- Halbach gesandt:

Die Schreckenskunde von dem Abscheu er­regenden Arteil des französischen Kriegsgerichts, fcaß sie als ein Führer der deutschen Industtie mit ihren Ratgebern und Helfern über sich ergehen lassen mutzten, hat sich wie ein Lauffeuer durch ganz Deutschland verbreitet und entfacht allent­halben tiefste Enttüstung über das verächt­liche, nichtswürdige Gebaren der Gegner und Henkersknechte und brüderliches Mit­gefühl mit den vom Arteil zunäch t Betroffenen. Nichts wäre imstande, die einheitliche Abwehr­front noch enger zu fchliehen und auch die Lauesten aufzurütteln, wie diese furchtbare Der- irrung welschen Hasses, französischer Rachsucht und unverhüllten Vernich­tungswillens.

weitere Vertreibung von Eisenbahnern.

Köln, 12. Mar (WB) DreKöln. Ztg." mel­det aus Trier: Die F r a n z o s e n ergnfien ge­ltet n in Conz-Karthaus weitere furchtbare Mahnahmen. Rund 100 Eisenbahner­familien muhten in kürzester Ferst ihre Woh­nungen räumen, ohne dah ihnen gestattet wurde, auch nur das geringste mitzunehmen. Die ganzen Viertel waren durch Spahis abgesperrt. Die Familien wurden auf den Bahnhof gebracht und sofort ab transportiert, um sich die Möbel der Eisenbahner zu sichern. Die Fran­zosen verhängten in beiden Orten ab 9 Ahr abends bis 5 Ahr morgens die vollständige Der- kehrssperre. Auch die Strahe von Euren nach Igel wurde abgesperrt.

Karlsruhe. 11. Mai. (Wolfs.) 3m Be­zirk K e h l sind am Mittwoch weitere Auswei­sungen erfolgt, und zwar wurden Eisenbahn- regierungsbaurat Specht itni> die Eisenbahn» inspektoren Zah. Dlechentran und die Eisenbahn­obersekretäre Riehls und Tarr ausgewiesen. Dre Familien dieser Beamten müssen bis Sonntag ebenfalls das befehte Gebiet verlassen haben und dürfen nur das Notwendigste mi (nehmen. Rund sechzig Familienangehörige wurden von der Ausweisung betroffen.

Die Berufungsinstanz gegen Bürgermeister Schäfer.

Düsseldorf, 11. Mai. (WTD.) Heute fand in Düsseldorf vor dem Kriegsgericht nochmals eine Verhandlung gegen den D ü r g e r- meisterSchäfervon Essen statt. Bürger- meister Schäfer war anfangs März wegen Richt­beachtung eines Requisitivnsbejehles zu zwei fah­ren Gefängnis und fünf Millionen Mark Geld­strafe verurteilt worden. Wegen eines Form­fehlers war seitens der französischen Desatzungs­behörden das Verfahren erneut ausgenommen und bei der zweiten Verhaftung ist der Angeklagte Bürgermeister Schäfer zu drei Zähren Gefängnis und sechs Millionen Mark Geldstrafe verurteilt worden. Die hierauf seitens des Angellagten eingelegte Revision führte heute zu seiner Der- , urteilung zu einem Zahr Gefängnis and ; elf Millionen Mark Geldstrafe

Die weitere Debatte im englischen Unterhaus. London, 10. Mai. (WTD) 3m weiteren

Verlauf der gefingen A n te r hau S - De ba tte übte Asquith eine sehr scharfe Kritik an dem Sa ar-Erlah vom 7. März. Er sagte, man könne alle Annalen des Despottsmus mit den chlimmsten Tagen der russischen Geschichte durch­suchen, ohne solch ein ungeheuerliches Beispiel despotischer Gesetzgebung zu finden. Asquith führte Stellen aus dem Versailler Vertrag zum Dewe^ dafür an, daß der Saar-Erlah weder moralisch noch juristtsch gerechtserttgt werden könne. Der Erlaß sei eine offenkundige Angesehlichkeit. Asquith fragte, weshalb der englische Regierungs-, t»ev trete r nicht angewiesen worden sei, zu sagen, oweit England in D str.rcht komme, wolle es an dieser Frage keinen Anteil haben? Dies sei bei treitem der schwerste Schlag, der gegen die Autorität des Völkerbundes geführt worden sei. Er gefährde das Ansehen des Völker­bundes und gestatte dem deutschen Volk, zu Tagen: Der Völkerbund, wie er augenblicklich zusammen- gesetzt ist und geführt wird, ist ein Phantom, eine Fa rce und ein Betrug, er wird von den Franzosen betrieben und beherrscht uno wir wür­den keinen wirklichen locus standi haben, wenn wir ihm beiträten. Asquith schlug vor, das) b<e Regierung unverzüglich Schritte unternehmen solle, um eine besondere Sitzung des Völkerbundes c.n u - berufen und gestützt auf die Autorität des Unter» Hauses das von dem gesamten britischen Reich und. wie er glaube, von allen freien Ländern der Welt unterstützt werden würde, im Völkerbundsrat vo.- zuschlagen, Latz dieser Erlah, der, solange er in Kraft bleibe, die Autorität und den Ruf des Völkerbundes in verhängnisvoller Weise be schmutze, für ungültig erklärt werde und die gewöhnliche Sicherheit des bürgerlichen Ledens und die Freiheit den Einwohnern des Snargebiets wiedergegeben würden. .

Lord Cecil erklärte, er glaube nicht, daß Asquith über etwas allzu stark gesprochen habe, was ihm als ein Verbrechen von feiten der Der- waltungskommifsion des Saargebiets und ein schwerer Mißbrauch ihrer Vollmacht in diesem Gebiet erscheine. Der Erlaß sei gar nicht zu rechtfertigen und müsse sofort zurückgezogen werden. Der Vorschlag, eine Sitzung des Dollerbundes einzuberufen, sei der Erwägung wert. Seiner Ansicht nach müsse erwogen werden, ob nicht irgendeine allgemeine Regelung zwischen Frantteich und Deutschland zur Reubildung der Saarverwaltung auf irgend­einer anderen Grundlage stattfinden könne. Cecil erllärte bezüglich des Erlasses, eine s e h r e r n st e Lage sei hier eingetreten. Es sei hier eine Aktiv.: unternommen worden, die wirllich des pre itzischcn Militarismus in seiner schlimmsten Gestalt wür­dig sei. (Beifall bei der Arbeiterpartei.) Einige der Entwicklungen, die vor kurzem im Ruhrgebiet ftattgefunben, seien von der­selben Art. Man nehme die Rote, die die französische Regierung vor kurzem an Deutsch­land gesandt habe. Sie sei beklagenswert nach der Form wie nach dem 3nhalt. Er bedauere besonders die Tatsache, daß Belgien sich der französischen Haltung angeschlossen habe. Es sei wirklich schwer. Poincares letzte Rote mit der Auffassung zu ver­einen. daß die französische Regieruna wirk­lich Zahlungen wolle. Mtt jedem Tag werde die Lage ernster.

TQlionaniberale Parlamentsmitglied Fisher erklärte, wenn man in England über» fcxupt noch an den Völkerbund glaube, so müsse die britische Regierung die Ruhrfrage vor den Völkerbund zur Sprache bringen. Fisher erklärte, er sei soeben aus Deutschland zurück- gekommen. Es gebe eine Partei in Deutschland, die die Fortdauer des passiven Widerstandes fordere und erfläre, dah es in einigen Monaten keine Reparationsfrage mehr geben werde, da bis zu dieser Zeit Deutschland ruiniert sein und Frantteich und Belgien mit sich hinabzie^en würde. Diese Stimmung fei ein anderer guter Grund, weshalb jede Ansttengung gemacht werden sollte, um das Reparationsproblem sobald als möglich zu regeln.

Die Opposition, s) sagte namens der Regie­rung Mac R e i l l. werde niemals müde, an die Zeit zu denken und über die Zeit zu reden, wo jede internationale Schwierigkeit durch inter­nationale Konferenzen geregelt werde. Man müsse jedoch damit rechnen, daß man sich aus diesen Konferenzen oftinderMinderheit befinde. Was die größere Frage der Ruhr . betreffe, so glaube er, daß, wenn die Antwort der Regierung auf die deutsche Rote ver­öffentlicht werde, die Mitglieder des Hauses die die Regierung kritisierten, finden würden, daß sie wirklich nicht so viel Grund zur Anzufrieden­heit hätten, wie sie meinten. Wie auch immer bte Antwort lauten und wozu sie auch immer führen werde: der Grundsatz der Regierungspoli­tik werde bleiben, wie er von Curzon im Ober- Hause bezeichnet wurde; Aufrecht er Haltung der Allianz mit Frankreich.

Erstes vlatt 173. Jahrgang Samstag, 12. ntail923

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