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Samstag, 6. ©Höbet flA
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
ünt<f ewö Dtrfog: Skühl'fche Uni»«rfi1ül5-Vach- a«b Steinöniderei R. Lange in Gietzen. S<f)riftleftang uid Oeschiftrstrle: Lchilffratze 7.
Iwwebet hi lijeiat" für bi« lagtenumoie du !«■ Nachmittag oort)«i obnejeb« vervindlichiikU Drtiifir 1 na iür Anzeigen o.27 mm Ä reite örtL Grund zahl 55 Ttk, auso.TODL; s. ‘Reklame» Anzeigen o.TOmm Breite 225 ’Dlh.xlOOOOO Lchl plahvorlchnfi 20' .Ans- schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton Dr. Jriebr. Will). Lange für den übrigen Teil <Em|tSBlum|d)ein;,Qtben Anzeigenteil Han, Lech, Idmtii d> in Liehen
Schiff in Not!
Wer von dem 21bbruch des Ruhrkampf c« ehtc Befserung unserer Finanzmiserc. eine Festigung unserer außen - und tnnerpolittfchen Lage erwartet batte, der muhte in dieser Woche bitterste Cnttaufdiungcn erleben J!id)t allein, daß Poinoare nickt im enlserntesten daran denkt, nun auch seinerseits dle Dassen yi senken, nein, auch die latente innere Krise der letzten Wochen ist nunmehr offe. mm Ausbruch gekommen. Die tiefe Demütigu"^ vor einem unersättlichen Feinde, die in der Aufgabe des passiven Widerstandes von wei- lesten Kreisen des deutschen Volkes hart emp. funden wurde. Hot sich politisch In einem merklichen Ruck nach rechts umgesetzt, dem von der Gegenseite der Kommunisten und äußersten sozialdemokratischen Linken größte Aktivität entgegengestestt wird. Die AeichSregierung Hot dieser gespannten Situation durch Verhängung des Ausnahmezustandes Rechnung getragen. Darüber hinaus ging sie endlich daran, im Rohmen eines sogenonnlen „Gr- mächtioungSgeseyeS" vom Reichstage diktatorische Vollmachten zur Durchführung der dringendsten finanziellen. wirtschaftS- und sozialpolitischen Maßnahmen zu for- beim. Heber dies Ermächtigungsgesetz ist die „Große Koalition", das vielgepriesene Ergebnis eines fünfjährigen parlamentarischen Kampfes, zu Fall gekommen. Daß die Rotton in dieser Zeit höchster oußenpollttscher Rot ein solches Schauspiel erleben mußte, und wie sie eS erleben mußte, ist wahrlich kein Ruh- meSblatt für den deutschen Parlamentarismus. 3n Tagen, wo nur kühle und schnellste Entschlossenheit mit fester Hand baa Reich vor dem Zerfall bewahren konnte, können die Parteien für dies unsagbar traurige Schauspiel des Paktierens und Lavierens um Fragen des Prestiges und des Porteidogmas in ollen Kreisen des deutschen Volles nicht dos geringste Verständnis erwarten. Die Vorgänge, die zum Rücktritt des Kabinetts Strefemann geführt haben, können soweit man sie vor der Kulisse der FrakttonSzimmer heute schon klar erkennen kann —, auf jeden Deutschen, der eS ehrlich mit seinem Vaterlande meint, nur tief entmutigend wirken. ES ist empörend, wie man so weittragende und für die Rettung der Ration unerläßliche Veschlüsfe. wie sie der Entwurf des Ermächtigungsgesetzes enthielt. zum Gegenstand eines elenden Kuhhandels Mischen den Parteien machen konnte. Denn das die Frucht am Baum einer fünfjährigen parlameniarifchen Hebung war. bann wird sich doS deutsche Voll allen Ernstes die Frage vorlegen müssen, ob die Verpflanzung dieses Baumes ouS den Ländern des Westens auf deutschen Boden recht war.
Das Ermächtigungsgesetz, wie eS das Kabinett Sttefemann dem Reichstag vvrzulegcn gebad)te und an dessen Einbringen der Kanzler auch jetzt noch fefthält, verlangt, weitgehende Vollmachten, um ohne die Hemmungen der normalen Gesetzgebungsmaschine ohne weitere > Verzögerung Währung und StaaishouShg^t sanieren zu können. Vereinfachung des Steuer- fvstemS, Beamtenobbou, Befreiung der Wirtschaft von den Hemmungen der Demobil- machungsvcrvrdttungen, Hebung der Produktion durch Steigerung de. Arbeitsintensität und Verlängerung der Arbeitszeit in der Hr- produklion, Heberwochung der Preispolitik der Syndikate und Monopole das alles waren Programmpunkte, für die sich das Kabinett einmütig einzufeyen entschlossen hatte. Statt aber nun mit diesem festtimrissenen Programm vor den Reichstag zu treten und an die weiteste Oeffentlichkeit zu appellieren, wie es doch wohl Sin ndcs parlomentottfchen Systems ist. so wie wir es wenigstens in den westlichen Demokratien kennen, suchte das Robinett hinter den Kulissen die 'Parteien der großen Koalition für feinen Einwurf zu gewinnen. ES begann das au« früheren Krisen la sattfam bekannte, in dieser Widerwärtigkeit allerdings noch nicht dagewelene Feilschen um jeden einzelnen Punkt des Programms, woran dann schließlich Kabinett uno große Koalition in Stücke gingen.
Der starke nationale Zug, der nach dem Eingeständnis der Ruhrniederlage durch unser Volk ging, hatte in Kreisen der Deutschen Volkspartei den durchaus verständlichen Wunsch reifen lafsen, die starken nationalen Kräfte, die jetzt in der deutschnationalen Opposition biS zu einem gewissen Grade brach liegen, zur verantwortlichen Leitung des Reichsschiffes In Tagen höcher Rot heran- zuziehen. Man glaubte außerdem in den Krei- |en Der Volkspartei, daß das ErmächtigungS- aefetz nut in Händen Solcher Manner feinen Sinn behalte, die auch zu feiner rüdfichtslofen Durchführung entscklofsen seien. Hnd hier hegte man offenbar Bedenlen gegen die Entschlußfreudigkeit Dr Hilferdinge. ein Hmstand, den man angesichts deS trauriacn Fiasko« feiner ULählUiigStvsorm recht wohl begreiflich finden
Rückkehr zur großen Koalition?
Einlenken der Sozialdemokraten. — Verständigung über das Arbeitszeitgeseh.
Berlin, 6. Ott. (DTB.j Nachdem am späten Rachmittag die Führer der Koalitions- Parteien unter dem Vorsitze deS Reichskanzlers hi einer eingehende» Aussprache über die dringend« Frage d«S Arbeitszeitge- fetze S xnb die damit zusammenhängende Frage der ProduttiouSsteigernng zu einer weitgehend«» Einigung gekommen waren, wurden in den späteren Beratungen die Sruudzügr deS ArdeitSzeitgefeß.S festgesetzt »nt> so bi« Gewähr gegeben, daß die a u f gesetzlichem Wege erfolgende Verabschiedung dieses Gesetz.« seilmS der .koalitionSpar- leien unter einheitlichem Gesichtspunkte erfolgen wird. Die sozialdemokratische Fraktion wird heul« morgen um 10 Hhr lediglich dazu Etelluug nehmen, ob sie deu Erklärungen ihrer Führer beitritt, woran nach Lage der Dinge wohl kaum zu zweifeln (eil wird. Der Rangier wird danach die Re. ,crungebiidung auf der Grundlage der Koalition allein vornehmen und die Erklärungen der RcichSregierung zur außen- und innenpolitischen Lage in der heutigen ReichSlagSsihung abgeben. Die Sitzung beginnt um 2 Hhr nachmittag«.
Rachdem nun allo Streß mann« Verlach zur Bildung eine« ühcrparlamentarishe" Äabinett« gridicitcrt ist, scheinen nach ber oben vorliegenden Meldung die auf die (initiative der Demokraten und bei Zentrum« tich gründenden Bemühungen nur eine Rekonstruktion bei Großen Koalition 6r*rlg zu versprechen Ein abschließende« Ergebnis der Berhandlungen ift noch nicht fr-fnnnt. Jo daß man Grünt genug bat. der recht optimistisch emmutenben M L ung deS Wollsbureau« mit aller Sbcpsc» zu leg.gnen, die auch in allen Blät- tem der Reich«t/auptftadt zum Ausdruck kommt Diese Verhandlungen gmgen au« von folgendem Beschluß der Demokcc-'ea der dem Re chZpräsi- demen. dem Kanzler und dm anderen Fraktionen übermittdl wurde
.Di« demokratische RrichStag-fraktion richtet an den RcichSprät identen und den Rrichs- kcmzler die dringende Aufforderung, die Versuche zur Wiederher st (lung der Großen Koalition nochmal» ei iftlih zu unternehmen Wird cm sr'chei Versuch nicht unter- ntmrmca. so sieht sich die Ziokiion nbch' in der Lage, einem sogenannten unpolitischen Kabinett ihr (Pertrauen auszusprecde i."
Wie da« Blatt da« Kanzler«. .Die Zell", schreibt, war. auch abgesehen von diesen Bestrebungen auf der Seite d"i Koalitionsparteien dir Möglichkeit einer Rückkehr zur alter Koalltions- bilbung im Auge behalt:n worden. 58 war aber klar, hab die Erreichung diele« Ziele« letzten Ende« mchi von dem Reichskanzler oder d.m Reichspräsidenten und auch nicht von den übrigen Koalitionsparteien. sondern
lediglich von ber sozialdemokratischen Reich«» tagsfrattion
abhir.g Denn die Koalition war daran gescheitert, daß d>e sozialdemokraci che Rei t>«:ag«fvaktton dem
E> macht igungSgesetz ihre Zustimmung versagt hatte
D.e sozialdemokratisch? Reich?tag«sraktion trat um 10 Hhi zu einer Sitzung zusammen, um nochmal« über ihi. Stellung »um Ermachtigung«- gefebju beraten. Kucz nach 1 Hhr begab sich der Avg Heimann VI ü 11 e r zum Re.chskunzler, um über da« Gigcbni« der Sitzuirg zu berichten Die Fraktion wai. nach einem Berich' de« .Jag”, zu tem Entschluß gekommen, die während der ganzen Kabineitskrisi« mit aller Erergio zurück- gewielcne Fordeiung de« Rech^konz'ers ein Ermächtigung »gclcy nicht nur für willlchaitsvoli- tische und iinanzpolitischc. sondern
auch für soz.alpolitische Maßnahmen zu schaffen, nunmehr anzunehmen.
Damit war die Frage der Arbeitszeit. die im Mittelpunkt der Dcskustcon der letzten L,ge stand, nad, dem Wunsch der bürgerlichen Fraktionen etwa aus Grund der Formel geregelt, die bet Reick Sa i bell «Minister Br iun » mit dem btS- hetigen Reichssinanzmtnifter H11serding > i ter entscheiden den. aber für den Bestand de« letzten Kabinett« cigctniftlcfen KabinetlSsiyu.ig am Montag abend vereinbarte
Die so ialdemokratische Si nltlon soll sich weiter bereit erklärt Haden.
auf eine Wiederbesetzung dc« Reichsfinanz. Ministerium« mit tzilferding zu verzichten
Damit waten die Forderungen, die die Frak- tirn ber Deutschen BvlkSpartei bei Beginn der Krise ‘.emuliert hotte, tatsächlich von den Loztal- demoktaien angenommen Die einzige Konzession, die von den Sozialdemokraten statt dessen gefor- bett wird, ist die Schaliung eine« zweiten Posten« eine« Staatssekretär« im Reich«- arbeit«minifterium. der mit einem Sozialdemokraten besetzt werden und die Regelung der ArbeitSzeitlrage übertragen erhallen soll
Möglich ist. daß auch der Pötten de« Reichs- e r n ä b r u ng « m i n i ft c r « neu besetzt wird und daß einige Ministerien tn den noch in Gang befindlichen Verhandlungen entsprechend der ursprünglichen Absicht des Reichskanzler« zusrm- m en gelegt werden Verhandlungen über die Besetzung der Poften des Finanzministers. de« Wirt- schaftsministerS und deSEmährungsrnrnifter« wurden. ohne daß dabei mehrere bestimmte Restort« in« Auge gefaßt werden, unter anderem mit dem Direktor Schacht von der Darmstädter Rattonal» bank und mit dem bekannten Kommerzienrat R a - bet bge geführt.
3m Anschluß an die Besprechung zwischen dem Reichskanzler und dem Abg. Hermann Muller ist dann die Fraktion der Deutschen Volkspartei zu einer Sitzung zusammen getreten Sie kam nach kurzer Debatte zu der Auffassung, daß nunmehr die Voraussetzungen erfüllt seien, an die sie ihre Dntlchließung vom Mittwoch geknüpft hat Es scheint also nunmehr zwischen den bisherigen Koalitionsparteien Einigkeit über die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz zu bestehen Die Vorbedingungen einer Rückkehr zur Großen Koalition scheinen damit gegeben zu fein
wird. Der dritte und fDrin-jenb? Punkt mar die Frage der Mehrarbeit. Die Vollspartei wollte über den Regierungsentwurf hinaus auch vor einer Verlängerung der Arbeitszeit nicht zurückgefchrrckt wissen.
Hm diese, trotz der AbschwächungSversuchc des FraktionSvorsitzenden eines gewissen ultimativen Charakters nicht entbehrenden Sorbet ungen entbr tnnte nun der Kampf der Parteien. Die Frage einer Einbeziehung der Deutfchnattonalen in die Regi-.runqskoalition wurde auf das ablehnende V-.rhallen der Sozialdemokraten beiseite gestellt. Auch die Ftagc einer Reubeseyung deS Finanzministeriums scheint bald aus der Diskussion ausgeschieden zu sein, nachdem die Sozialdemokraten darauf bestehen blieben, daß ihre vier Genossen ihr Amt sortführten. Blieb noch die Mehrarbeit, über di: keine Einigung zu erzielen war. Mit einer Zufallsmehrheil von sieben Stimmen lehnte die sozialdemokrattsche Fraktion die Ausdehnung des ErmächttgungSantrageS auf die soziale Gesetzgebung ab. Der Kanzler, der — offenbar durch die endlosen, unerauidlichen Verhandlungen mit den Parteien mürbe gemacht — die Entscheidung in ljener Feld- schlacht vor dem Plenum deS Reichstages scheute, bot dem Reichspräsidenten die Demission deS Kabinetts an, die dieser annahm und Dr. Stresemann mit der ReubÜbung beauftragte.
DoS war am Dienstag abend Bis zum Augenblick, wo biese Zeilen zu Papier gebracht werden, sind volle drei Tage vergangen, ohne daß man auch nur eine Aussicht sähe, wie die KrisiS eine befrkblgmbe. gangbare Lösung finden fönte. Kostbare drei Tage neuen, schweren Ringens unserer Volksgenossen an Rhein und Ruhr. Tag« weiteren maß- Io feil <2Mtxrungffl>erfaIl6e Xagt tüux
in Sachsen und Mitteldeutschland sind für das nationale Rettungswerk unwiderbringlich verloren gegangen. Tage, tn denen man in Berlin n ch einem nut allzu berechtigten Wort eines beulfchnationalen Blattes auf ledern, sturmgepeitschtem Schiss darüber abstimmt, wie das Steuer gelegt, wer an die Pumpen, wer an die Rahen soll.
Die unermüdlichen Versuche Dr. Sttese- mann«, ein neue« Kabinett zusammenzubringen, haben bisher keinen sicktbaem Erfolg gezeitigt. Ramhafte Männer der Wirtschaft, Sozialdemokraten und Deutschnationale, versagten sich dem Kanzler. Der Gedanke eine« über» parlamentarischen Kabinetts findet dagegen anscheinend bei der bürgerlichen Mitte wenig Gegen..ebe. Es bleibt offenbar nur ein Weg: die Bildung einet Minderheitsregierung der bürgerlichen Mitte, der der ReichSpräfident auf Grund ferner außerordentliche,! Befugnisse nach Artikel 48 der Reichsverfassung diktatorische Vollmacht im Rahmen deS Ermächtigungsgesetzes gibt. Sollte der Reichstag von seinem im gleichen Artikel festgelegten Recht Gebrauch machen, die Außerkraftsetzung ber von der Regierung getroffenen Maßnahmen verlangen, bliebe dem ReichSpräfidenten als ultima ratio die Auflöfung de« Reichstages und der Appell an das Voll. E« ist eine bitterernste Stunde der Entscheidung, vor die das deutsche Volk der Druck eines hartnäckigen, zielbewußten Feindes vor den Toren und der mißverftandene ParsamentariS» muS im Innern gestellt hat. Möge die Stunde entschlossene deutsche Männer finden, die willens sind, mit rücksichtsloser Energie, ohne Blick nach rechts oder links, das Staatsschiff durch die Klippe» htudurch ins freit Meer zu steuer».
Sachsen rüstet zum Bürgerkrieg.
Berli«, 6. Ott. (Prid.-TelJ Wie dem „Vorwärts" ani Dresden gemeldet wird, wurde hi der gestrige« Sitzung de« fozlaldemo- kratischen LcmdesarbeitsauSschufse« ei» Programm einstimmig angenommen, nach dem die Kommunisten zur Verbreiterung d e r B a s i s der sächsischen Regierung in die Regierung emtrete«. Di« staatspolitifche Grundlage de« gemeinsamen Dirken« der V. 6. P und der K. P. D. bildet die Reieh«- und Landesverfassung. Rach Beendigung der Beratungen der beiden sozialistischen Sandesinstanzen begannen die Beratungen mit der Kommunistischen Partei Auch die Zentrale der Kommunistischen Partei hat einen Beschluß gefaßt, in dem es heißt: Angesicht« der großen Gefahr, die dem deutschen Proletariat — vor allem der sächsischen und thüringischen Arbeiterschaft droht, die das erste Angriffsziel de« Faschismus bildet, hat die Zentral« der K. P. D. beschlossen, alle Bedenken zurückzusiellen und in die thüringische und sächsisch« Regierung «in- z n t r e t e n , um gemeinsam mit den thüringischen und sächsischen Soziakdemokraten die "'rbeiterschaft zur Abwehr der faschistischen Desahr zu|ammenzuschw«ihen.
Die der „Voss. Ztg." aus Dresden gemeldet wird, ist die kommunistische „Sächsische Arbeiterzeitung" trotz des vom Wehrkreiskommando erkassenen Verbot« der kommunistischen Press« heute erschienen
Wie die „Köln. Ztg." au« Themnltz meldet. haben sich nunmehr die gesamten sozialistischen und kommunifttfchen Orqanisattvnen von Ehemnitz auch z» einer gemeinsamen Kamps front zufammengeschlossen. 3n einem Aufruf, den die soziallfttschen Gewerkschaften, der Afabund, der Allgemeine Deutsche Beamtenbund und die Sozialdemokratische und die Kommunisttsche Partei unterzeichnet haben, und in dem ungeschminkt von ber Organ iUertma des bewaffneten Widerstandes die Rede ist, heißt ed u.a. wörtlich
Die akute Gefahr deS gegen retro futtonärm Hm stürze« erfordert die geschlossene Abwehr- front der Arbeiterschaft. Hnbeschadet zukünftiger zentraler Regelungen erklären die unter- zeichneten Organisationen, daß sie entschlossen sind, alle Angriffe der Gegenrevolution niederzuschlagen und irtSbesondere die ver- f tssunaSmäßige sächsische Regierung mit allen Mitteln zu schützen.
Die notwendigen Vorbereitungen zu gemeinsamer Abwehr sind getroffen-
ein gemeinsamer Ausschuß ist gebildet. Von der Ehemnitzer Arbeiterschaft erwarten die unterzeichneten Körperschaften unbedingte Disziplin. Jede Svnderaktton ist abzulehnen. Dem Gegner darf die gewünschte Gelegenheit zum LvSschlagen nicht gegeben werden.
Wie vor einiger Zeil gemeldet wurde, haben die sozialistischen und kommunisttschen Organisationen deS sächsischen Erzgebirge« und bei 5 jilünuiB 'u lu i v in Zwickau die Organisation unb Zusammenfassung ihrer Kampsvc rbände bereits voll- ■,ogen. DaS ist nunmehr auch In Chemntß geschehen. Somit haben sich ble Sozialisten unt Kommunisten tn ganz Südwestsachsen für den Bürgerkrieg organisiert. BesonberS sei noch barmtf hingewiesen, daß auch der Allgemeine Deutsche Be- amtenbunb mit diesen offenbar per- sassungSwibrigen Bestrebungen gemeinsam« Sache macht Der Reichswehrminister wirt gut tun, bieser gefährlichen Entwicklung in Sübwestsachsen ernsteste Aufmerksamkeit zu schenken.
Dr. Ieigner in sozialdemokratischer Beleuchtung.
Berlin, 3. Oft. Dem sächsischen Minister» Präsidenten Zeigner schreibt fern Parteifreund Robert B r - u e r Im neuesten Heft der sozialdemo- kruttschen Glocke n. a. folgende« in« Tagebuch
Wir haben diesen Kamps (gegen die Reichswehr) mit Interesse zugeschaut und ihm sogar Bet- dilfe getriftet Aber jede« Dina hat Maß und Zeit. Wir bedauern, daß dem Genölten Zeigner hierfür da« Organ zu mangeln scheint Wir bedauern ferner, daß Genosse Zeigner Ir einer Art. die einem vorsichtigen Politiker nicht anftebt, Material trorgerragen Hai, da« offen- kundig den Charakter 5er Ungenautgfeit. ja, ber ilnjuoedäfTlgfril und be« sogen. Kulissen- klatsche« aufweist.
Dir bedauern feiet provinziale Begrenztheit, die ihn auf bas Wichtiggetue gttoiffet Berliner Schwätzer glatt hin einsallen ließ, wir verstehen e« nicht, wie ein Parteigenosse, ber an verantwortlicher Stelle steht, e« über sich zu bringen vermochte, tn öffentlicher Bersannnlloia Anklagen gegen die Pofet ',-on sich gu gaben, wie st« nur au« dem Munde bürgerlicher Tferltumbex bisher gehört lonrben. Da« ber »west, 3«lfleex


