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Erster Blatt
(75. Jahrgang
Samstag, 5. Mai (925
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vntck Hilft Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Ynch- vnft Steinftrnderei K. Lange in Gießen. Schristlettung unft Seschäftrstelle: Zchnlstraße 7.
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Nr. (05
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Wochenrückbttckr.
Das deutsche Angebot, dessen Schicksal wir heute fast schon übersehen können, war, wie der Schlußsatz der letzten Reichskanzlerrede betonte, eine Frage, eine Mahnung an die W e l 1. Von Frankreich wußten wir mit ziemlicher Sicherheit, daß es Deutschlands Vorschlag ablehnen würde; der Reichskanzler selbst hat im Hinblick darauf von „nur geringen Hoffnungen" gesprochen. Er wird vermutlich auch von dem Widerhall in England, der aus den bisherigen Londoner Meldungen hervvrgeht, nicht besonders überrascht sein. Wir dürfen aber die Augenblicksstimmungen der Londoner Blätter nicht dem geschichtlichen Mrteil der „Welt" gleichstellen. Dieses ist nicht heute und auch nicht morgen fertig, sobald Frankreich und Belgien sich über ihre Rote der Ablehnung geeinigt haben werden. Gerade dieses wohl wieder vorwiegend von Herrn Poincare abzufassende Dokument wird der Welt neuen Swff zur Besinnung geben. Das vorsichtige Kabinett Bonar Law wird sich daraus mühsam seine weitere Taktik herausbuchstabieren, und der deutschen Regierung werden vorläufig einige nichtssagende Worte hinge'wvrfen werden. Bonar Law selbst segelt zu seiner Erholung vier Wochen auf dem Ozean und ermißt „der Zufälle launig Reich", wo ohne Saar doch die Ernte erblühen kann. Auch auf diese Weise wird von den maßgebenden Kreisen Englands bekundet, daß Lord Eurzons Rede nur ein luftiges Frühlingsgewölk war, aus den: kein die Erde erquickender Regen hervorgehen sollte.
Die Welt wird chre Meinung je eher entwickeln, desto klarer und fester der deutsche Plan und Wille vor ihr steht. Die deutsche Äote vom 2. Mai ist noch nicht voll verstanden worden. Ein englisches Blatt hat sie gar als ernstes Zeichen von Unterwerfung auSge- kgt. Öm deutschen Volke war eine große Mehrheit durchaus für die Cunosche Kundmachung. Rur einige unentwegte 'Bannerträger der Methoden Wirths hatten krittsche Anmerkungen dazu vvrgebracht, deren Stichhaltigkeit heute wohl etwas skeptischer beurteilt wird als vor der Absendung der Rote. Die „Germania" hatte geglaubt, die Entschlossenheit zu weiterer Abwehr hätte nicht an den Anfang, sondern an den Schluß gehört. Der Ton sei nicht durchweg glücklich, und das Angebot der Sicherungen sei nicht scharf und positiv genug formuliert gewesen. Wie das führende Zenttumsblatt, so hatte auch der „Vorwärts" von noch etwas freundlicherem Entgegenkommen sich Besseres versprochen. Beide Blätter werden jetzt hoffentlich nicht sagen, daß sie recht gehabt hätten. Man braucht die französische Antwort noch nicht im einzelnen zu kennen, um doch zu wissen, daß die angebotenen Ziffern und Leistungen, sowie die deutschen Voraussetzungen, also der gesamte Inhalt Der Rote, diesen Westmächten nicht genügten. Hätte das amtliche Deutschland den Racken tiefer gebeugt, so wären jetzt । die „Stimmungen" draußen noch verderb- * licher. Sachlich war an „Reparationen" alles Angeboten worden, was die maßgebenden Sachkundigen zu tragen für irgend möglich hielten: DaS bekannte Dergmannsche Programm mit 30 Milliarden Goldmark und der Bereitschaft, falls diese "Beträge nicht annehmbar erschienen, eine internationale Instanz unparteiischer Wirtschastskenner entscheiden zu lassen. Zur Garantie der nötigen Anlechen Mite die private Wirtschaft in allen ihren Zweigen „rücksichtslos", wie Der Reichs- kenzler sich ausdrückte, herangezogen werden, Md ferner ist Deutschland bereit, jedes politische Sicherungsabkommen mitFrank- wd) abzuschliehen, wenn es auf Gegenseitig- feit beruht.
Der Reichskanzler hat in seiner Rede selbst of das Tlngewöhnliche in diesem Her- ; vortreten Deutschlands hingewiesen, das sich einem Gegner gegenübersieht, bei dem die bessere Einsicht noch fehlt, und er hat hinzu- q-efügt, daß außenpolitische Anregungen, also Lurzons Rede, für seinen Schritt maßgebend gewesen wären. Weniger die Hoffnung auf Englands vermittelndes Eingreifen als viel- inehr die Besorgnis vor dem späteren Vor- tDiirf Der Zurückhaltung ihrer Absichten und i Bedingungen hat die deutsche Regierung zum Sprechen bewogen. Die Verketzerung des Reiches ist auch heute noch Gewohnheitssache der Länder des Feindbundes, und wenn die Verbündeten Frankreichs in einiger Verlegenheit wegen dessen Eigenmächtigkeiten sind, üxnn sie sich genieren, Herrn Poincare energisch Halt zu gebieten, so lassen sie ihren Unmut gelegentlich wieder dem wehrlosen Besiegten gegenüber aus. So lange in unserem Volle Die Kräfte noch auseinanderstreben, so lange wir in unserem nationalen Handeln nicht Stetigkeit, Sauerbarfeit Entschlossenheit zei- jei, wird es damit nicht anders werden. Da
Der Prozeh gegen die Kruppschen Direktoren.
rum wäre es vielleicht besser gewesen, wir hätten für das deutsche Angebot bessere Zeichen abgewartet. Es würde zu einem unheilbaren Fehler werden, wenn wir jetzt nicht unser Gewissen völlig damit beruhigten, der Welt deutlich gemacht zu haben, worauf unser Stieben hinausläuft, wenn wir auf dem Grunde des nunmehr offen liegenden Programms nicht Die mutige Geschlossenheit aufbrächten, ohne Wanken Das Ziel, trotz Der Katzenmusik, Die man uns draußen bringt, festzuhalten. Dr. Cuno hat in seiner Rede zu Den Ministern der deutschen Länder einen Hatz ausgesprochen, Den wir jetzt mit Genugtuung hervorziehen: ,,Unfer Schritt, wie immer er auslaufen mag, toirD eine Zusammenfassung aller Kräfte in Den Ländern des Reiches nötig machen." Wenn der „Vorwärts" dieser Tage schrieb, die Ablehnung des deutschen Vorschlags als Verhandlungsgrundlage werde in ganz Deutschland und weit Darüber hinaus „als eine Kriegserklärung an die Vernunft und an den Friedenswillen Der Volker" empfunden werden, so wird er wohl auch jetzt für einige Zeit die Glacehandschuhe zweckloser DerbrüderungSvisiten abstreifen. Der gemeinsame Aufruf aller Parteien, Gewerkschaften und Verbände in Köln, Den wir gestern veröffentlicht haben, liegt erfreulicherweise ganz in Der Linie jener nationalen Rot- wenDigkeit, einiger unD willensfester Denn je zusammenzuhalten. Aus Der Abwehrfrvnt mehren sich Diese Zurufe an das unbesetzte Gebiet. Auch Die Arbeitsgemeinschaft aller Eisenbahnerverbände wünscht in einem Aufrufe die ungeschwächte Fortsetzung des passiven Widerstandes. Cs ist sehr wirksam und bedeutsam, daß Die „Kölnische Zeitung" in Dieser Zwischenpause vor den Antworten Der Regierungen hinausruft:
„Fran kreichs politisches Spiel am Rhein ist aus, fouxtl es sich um Den Kampf um Die Seele Der Rheinländer handelt; Frankreich hat Das Gegenteil erreicht: Liebe hat es am Rhein nicht gewonnen, Zuneigungen hat es, svwett sie vorhanden waren, zerstört, selb st die Achtung hat es verloren. — Jede Reutrali- sierung, jede Internationalisierung, jede fremde Verwaltung unseres Verkehrswesens, kurz, jede Fremdherrschaft nach Ablauf der in Versailles festgesetzten Fristen ist für uns Rheinländer unerträglich."
Der Reichskanzler hat sein Angebot an Den FeinDbunD nicht ohne tief erwogene Gründe mit Dem Satze begleitet, Daß Deutsch- lanD bereit sei, verstärkte Eingriffe mit verstärkter Abwehr zu erwiDern. Jedes Zeichen von Zermürbung oder innerer Spaltung in diesen Tagen wird uns Unermeßliches kosten, Frankreichs VernichttingSpolttik triumphieren lassen. Die Ratschläge englischer oder gar französischer Zeitungen dürfen uns nicht beeinflussen oder uns vom Wege abirren lassen. Die deutsche Regierung hat ihre Rote abgegeben; nun schaut man auf Charakter und Zustand unseres Volles. Dann erst hat die Welt das Wort.
Lin scharfer Zusammenstoß aus der Lausanner Konferenz.
Lausanne, 4. QUai. (WTB.) Die heutige Sitzung des politischen Komitees führte zu einem sehr scharfen Zusammenstoß zwischen den Alliierten und den Türken. Zur Debatte standen die Garantien, die die Türken für die Gerichtsbarkeit der alliierten Staatsangehörigen übernehmen sollen, was in Den letzten Tagen der ersten Konferenz eine der kritischsten Fragen bildet«. In ihren Gegenvorschlägen erllärten sich heute die Türken bereit, eine dem damaligen Standpunkte der Alliierten entsprechende Erklärung abzugeben. Die Alliierten dagegen wollten nichts mehr von ihren eigenen Vorschlägen wissen und schlugen eine erheblich verschärfte Formel vor. Ismet Pascha gab auf das Lebhafteste seiner Entrüstung darüber Ausdruck, daß die Alliierten Vorschläge, dievon ihnen selbst stammen, ablehnen und plötzlich von der Türkei völlig unannehmbare neue Eingriffe in die Souveränität des türkischen Reiches fordern. Der türkische Devollmächtigte lehnte die Entgegennahme der neuen alliierten Vorschläge glatt ab. Als der englische Delegier t e die Beratung auf einen gelegeueren Zeitpunkt vertagte, erklärte Ismet Pascha nochmals, daß weder jetzt noch später die Türken auf die alliierten Vorschläge eingehen können und daß sie in dieser Frage unerschütterlich bleiben würden. Di« Alliierten erHärten .daß die damaligen Zugeständnisse nicht die Zustimmung der Gesamtheit der Alliierten gefunden haben. Die Lage gilt als kritisch. Es ist aber darauf hinzuweisen, daß in anderen, zur Behandlung stehenden Fragen so in der Frag« der Amnestie, im wesentlichen ein« Einigung erzielt wurde.
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Werden, 4. Mai. (Wolff.) Mit militän- scher Pünktlichkeit erscheinen um 9 llhr vormittags im großen Saal des Maatzschen Gasthauses die Mitglieder des französischen Kriegsgerichts. Der Saal ist nur mäßig vom Publitom beseht, denn Werden ist nach allen Richtungen hin s ch a r f abgesperrt. Rur Werdener Einwohner und Inhaber besonderer für den Prozeß ausgestellter Karten werden Durchgelassen.
Als die Angeklagten, an der Spitze Krupp v. Dohlen und Halbach, in den Saal geführt werden, erheben sich spontan alle anwesenden Deutschen und bringen so ihren Volksgenossen, die, wie so viele andere den schweren Gang antreten müssen, eine stummeaber wirkungsvolle Huldigung dar. Rach Feststellung der Personalien der Angeklagten verliest der Gerichtsschreiber die Anklageschrift, in der den Beschuldigten Komplott und Machinationen gegen die Sicherheit der s ran- zösischen Truppen, Verstoß gegen die Verordnung Rr. 22 vom 7. März, betr. Störung der öffentlichen Ordnung und Verstoß gegen die Verordnung vom 11. Januar vorgeworfen wird. Rach dem Zeugenaufruf ergreift namens der Verteidigung, die in den Händeii der deutschen Rechtsanwälte Grimm (Essen), Wolff (Berlin) und Iustizrat Wandel (Essen) sowie des schweizerischen Rechtsanwaltes M o r i a u d liegt, Rechtsanwalt Grimm das Wort. Er legt mit rein juristischen Gründen noch einmal gegen die Rechtmäßigkeit französischer Gerichtsbattert gegen deutsche Bürger Protest ein. Obgleich dein französischen Staatsanwalt vorher von diesem Vorgehen Mitteilung gemacht worden war, benutzte dieser die Gelegenheit zu einer scharfen, ausfallenden politischen Rede. Die Verteidigung verzichtet darauf, ihm in dieser Richtung zu folgen. Rechtsanwalt Moriaud-Gens spricht sein Bedauern über das Vorgehen des Staatsanwaltes aus. Darauf zog sich der Gerichtshof zur Beratung zurück und erklärte sich nach längerer Beratung für zuständig.
Rachdem das Gericht sich für zuständig erklärt hatte, wird zunächst Krupp v. Bohlen- Halbach einem eingehenden Verhör unterzogen, das sich über eine Stund« hinzieht. Lieber die Vorgänge am verhängnisvollen 31. März äußerte sich Krupp dahin, daß er an diesem wie an allen Tagen sich von der Villa Hügel aus in die Fabrik begab und zwar hab« er nur das Auto benutzt. Vor feiner Abfahrt sei er telephonisch von der militärischen Besetzung der Autogarage benachrichtigt worden. Diese Rachricht habe er weder von einem Mitglied des Direktoriums noch in dessen Auftrag erhalten. Kurz vor neun llhr sei Direktor Hartwich zu ihm gekommen und habe ihm mitgeteilt, daß um neun Tlyr gemäß Vereinbarung mit dem Betriebsrat die Sirenen in Tätigkeit S" ht werden würden. Die Arbeiter verlangten unbedingt, Da es sich bei den Autos Der be-- besehten Garage um Wagen handele, die tür die Fabrik, hauptsächlich für die Arbeiterschaft benötigt würden. Er habe in diesem Augenblick das erstemal davon gehört, daß eine solche Vereinbarung über das Ziehen der Sirenen mit Dem Betriebsrat bestand. Später habe er sich von seinem Bureau in die Konferenz des Mrek° tvriums begeben, Worin Direktor Bruhn, der wegen wichtiger ftnanzieller Fragen, die sich aus Der gegenwärtigen Lage ergeben hatten, eine zeitlang verreist war, über das Ergebnis seiner Reise Bericht erstattete. Während derBesprechung verließ der eine und andere Direttor das Zimmer, um sich zu erkundigen, was draußen vor sich ginge. Auf die Zwischenfrage des Vorsitzenden und äs Staatsanwaltes, ob ihm nicht Der Gedanke gekommen sei, einzugreifen, um ein Tlnglück zu verhüten, das nach Ansicht des Staatsanwalts bei Dem Zusammenströmen der Arbeiterschaft möglich war, erklärte Krupp, daß ihm ein solcher Gedanke auch nicht im entferntesten gekommen sei. Auch wurde ihm berichtet, daß zwei Detriebsratsmit- glieber mit einem Essener Stadtverordneten zum kommandierenden General nach Dredenry unterwegs seien, um den General zur Zurückziehung Der Truppen zu veranlassen. Auf die Zwischenfrage De3 Staatsanwalts bestätigte Krupp, daß er vor Der Teilnahme an Der Konferenz zwei- bis dreimal aus Dem Fenster sah. aber von aggressiver Haltung und dec in Der Anklageschrift behaupteten Bewaffnung der Arbeiterschaft mit Stöcken nicht das geringste bemerkte. Es war kurz nach 11 älhr, als jemand ins Zimmer stürzte mit der Rachricht, es sei geschossen worden. In höchster Bestürzung sprang alles auf. Ein Teil der Direktoren eilte auf den Korridor hinaus. Die anderen und er selbst waren ans Fenster geeilt. wo sie Die flüchtenden Arbeiter noch sehen tonnten. Damit war Die Vernehmung Krupps beendet. Kurz nach lli/3 Ahr wurde die Weiter- Verhandlung auf nachmittags 2 Tlhr vertagt.
In der Rachmittagssitzung wurde zunächst Direktor Bruhn vernommen. Er erklätte, er sei kaufmännischer Direktor. Das Gesamtdirektorium lei demokratisch organisiert, und zeige eine ähnliche Zusammensetzung wie ein Kabinett. Jeder Direktor habe ein eigenes Dezernat, in das Die übrigen Direktoren nichts hfneinzureden hätten. Bezüglich der Direktoren Cuntz und Schräpler erklärte Bruhn, beide seien alle erfahrene und erprobte Leute, die weit entfernt von jeder nationalistischen Tendenz seien. Ebenso bestehe der Betriebsrat aus ruhigen, politisch geschulten Leuten. Direktor Hartwich teilte mit, iah. als er am Morgen des 31. März auf das Werk gekommen sei. ihm Cuntz und Schräpler miigeteili hätten,
daß der Betriebsrat mit ihrem Einvernehmen das Ziehen der Sirenen beschlossen habe. Diese Mitteilung habe er an Krupp von Dohlen weiter- gegeben. Direktor Oe st er le in erklärte, daß er technischer Direttor sei. Von 46 000 Arbeitern Der Finna hab« er allein 10 000 unter sich. Die Franzosen wären schon Dreimal im Werk gewesen, ohne daß die Sirenen enönten iknd sich irgend etwas ereignet hätte. Cs sei ihm mitgeteilt worden, Daß die Sirenen auf ausdrückliches Verlangen und Drängen des Betriebsrats gezogen worden seien und daß der Betriebsrat bie Garantie übernommen habe, daß bei dieser friedlichen Demonstration nichts passieren würde. Um 10.35 Uhr hätten die Sirenen aufgehört, und er hätte Die Angelegenheit für erledigt gehalten. Um so erregter sei er gewesen, als um 11 Uhr die Schüsse fielen. Hierauf trat eine kurze Pause ein.
Besonderes Interesse ries die Vernehmung des Detriebsratsmitgliedes Müller hervor. Der feine klaren, überlegten Antworten mit lauter Stimme abgab. Man habe ihm am 31.3. telephonisch mitgeteilt, daß Franzosen di« Autogarage I besetzt hätten. Daraufhin habe er sich sofort mit einem zweiten Mitglied« des Betriebsrates an Ort und Stelle begeben, und in ihrer Eigenschaft als Betriebsrat hätten sie sich durch einen Posten zu Dem besehls haben den Offizie? führen lassen und ihm erttärt, daß sie nach dem Detriebsrätegeseh für die ungestörte Fortsetzung des Produktionsprozesses verantwortlich seien, und da die noch im Betrieb stehenden wenigen Autos zum Fortgang der Produktion unbedingt erforderlich seien, gegen jede Beschlagnahme Protest einlegen müßten. Da der Offizier mit einer Handbewegung zu verstehen gegeben habe, daß die Angelegenheit für ihn erledigt sei, hätten sie sich zu dem Detriebsratsausschuh begeben und mit ihm die Angelegenheit besprochen. Man habe sich dahin geeinigt, bie Angelegenheit der Direktion zu unterbreiten. Rach kurzer Beratung sei man zu Dem Beschluß gekommen,
Die Sirenen ertönen z u lassen
Direttor Schräpler habe bei dieser Belegen- beit ausdrücklich gefragt, ob der Betriebsrat in der Lag« zu fein glaub«. Die Arbeiter im Falle vcn Demonstrationen bei der Stange zu halten. Der Betriebsrat habe versichert, dies ganz bestimm^ au glauben. Unter De [Jen feien die Sirenen In Tätigkeit gesetzt worden und die Arbeiter seien herbeigeströmt. In diesem Augenblick habe sich ein französisches Automobil genähert, dem etn Dffizier entsteigen wollte. Als er jedoch die herbeistiömende Menge gesehen ljabe, ba&e er seine Fahrt unverzüglich fortgesetzt.' Muller und die übrigen Detriebsratsmitglieder Darunter besonders Sander, hätten jetzt die von allen Seiten herbeieilenden Arbeiter geordnet Daraus hätten Müller und Sander sich zu dem Offizier des französischen Kommandos begeben und ihm mitgeteilt, daß das Auto, das er erwarte, zweifellos Dagewesen, aber wieder abgefahren rei’ Er solle also mit seinen Truppen auch abziehen, sie würden für einen sicheren ungehinderten Abzug sorgen. Der Offizier habe abgelehnt. Wenn Die Kommission Durch Die Masse Der Arbeiter daran gehindert sei, zu kommen. Dann werde sie mit Panzerauto und Maschinengewehren wiederkommen und Die Stvcrße fteimachen. Er warte ab und bleib-: hier. Sander und er hätten sich jetzt daran gemacht, Die Arbeitermassen, aus denen allerhand Zurufe teils humoristischen, teils groben Inhalts lautgewcrden seien, zu beruhigen. Er habe auch drei Hobe niemand irgendwelche Waffen ober der Dritte mit zwei kleinen Hämmern anscheinend seinem Arbeitszeug, versehen war. Außer diesen drei habe nieman ^irgendwelche Waffen oDer Gerätschaften getragen Er und Sander hätten sich nrchmals zu dem Offizier begeben und ihn gebeten, abzuziehen. Wiederum erfolglos. Er müsse hier bleiben, erklärte Der Offizier, und wenn Die Masse Den Eingang Des Tunnels zur Garage überschreiten würde, werde er Feuer geben lassen. Die durch Die immer neu zu strömenden Arbeitermassen gebildete Ansammlung sei schließlich so groß gewesen, daß sich etn Halbkreis um die Garage gebildet habe. Aus diesem Halbkreis sei so erklärte Müller, jetzt ein Mann hervorgetreten' der einen alten verrosteten Revolver in der Hand gehalten habe. Er habe sich auf den Mann gestürzt und ihn in die Menge zurück gestoßen, während Sander dem Mann gleichzeitig ins Gesicht geschlagen habe. Sander habe sich jetzt zur Direktion begeben, um das Heulen der Sire nen einstellen zu lassen. Er, Müller, sei zum vierten Male zu dem Offizier gegangen der abe nicht habe abziehen wollen. Da aber auch keinerlei Beschlagnahme durch Die Truppen erfolgt sei, fei er auf Den Rücken eines anderen Mannes geftic- gen und hab« die Menge aufgefordert, wieder ruhig an Die Arbeit zu gehen. Das Sirenen- g e i) c u [ habe unterdessen aufgehört und kurz vor 11 ilTrr habe er der Menge weiter erflärt, es sei kein Eingriff in den Produktionsprozeß geplant; die Mission der Arbeiterschaft sei augenblicklich beendet. Rach seinen Worten sei tn der Menge eine Tlnru he entstanden. Jeden falls durch Druck von hinten habe die Menge einen Ruck nach dorn gemacht und vielleicht je zehn Mann seien von rechts und links über den Tunneleingang hinausgekommen. In diesem Augenblick hätten die Schüsse gekracht. Er habe zuerst an Schreckschüsse geglaubt, plötzlich aber habe er, nach rechts sehend. Sander auf Dem Boden liegen sehen; vor ihn: habe ein anderer Mann mit einem schöveren Schenkelschuß gelegen und hinter ihm habe ftch ein


