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Frettag, 4. Mal 1923
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Frankreich lehnt ab.
Pari-, 3. Mai. (Wolff.) lieber den heutigen Ministerrat wird folgendes offizielle Kommunique ausgegeben:
Die Minister sind heute vormittag unter dem Dorsih des Präsidenten Millerand zusammengetreten. Der Ministerpräsident hat das Schreiben zur Kenntnis gebracht, das er vom deutschen Geschäftsträger erhalten hat. Der Mi- nifterrat war einmütig der Ansicht, daß die Vorschläge als unannehmbar zu betrachten feien, und zwar sowohl wegen der gestellten Bedingungen und des Mangels an Garantien als wegen der Anzuträg lichkett der gebetenen Ziffern. Der Ministerpräsident wird sich mit der belgi schen Regierung über die Absendung der Antwort an die deutsche Regierung und deren Mitteilung an sämtliche Alliierten verständigen.
Paris, 3. Mai. (WTB.) Die Havasagentur veröffentlicht zur Erläuterung des im heutigen Ministerrat getroffenen Beschlusses folgende offenbar beeinflußte Rote:
Das offizielle Kommunique stellt die verschiedenartigen Gründe auf, die das Kabinett hinderten, die deutsche Rote als Verhandlungsnnttel in Erwägung zu ziehen. 3rt erster Linie handelt es sich hier um die von Reichskanzler Cuno gestellten Bedingungen, nämlich die Fortsetzung des passiven Widerstandes in den besetzten Gebieten, ihre Räumung vor der Eröffnung von Verhandlungen (Anmerkung des Berichterstatters : die deutsche Rote enthält keine derartige Forderung!), gar nicht zu reden von der Beseitigung der Zollschranken, der Abschaffung des Rechts, Sanktionen anzuwenden und Pfänder zu beschlagnahmen. Ferner sei dem deutschen Angebot keinerlei Garantie beigegeben worden, weder Gai antim von Regierungsseite, z.B. Verpfändung von Staatseigentum, Zöllen, Eisenbahnen usw. für die Reparationsverpflichtungen, noch Garantien politischer Art, wie die Mitwirkung der deutschen Großindustrie bei der Durchführung der vorgesehenen Zahlungen. Schließlich sei der Betrag des deutschen Angebotes selbst ganz und gar ungenügend, da es im günstigsten Falle vvrsehs, den Alliierten 30 Milliarden Goldmark Zur Verfügung zu stellen D'-sse 30 Milliarden würden sich ober möglicherweise noch auf 20 Milliarden verringern und diese Möglichkeit sei we- t-e3 bis jetzt von Deutschland bekundeten gels an gutem Willen die wahrscheinlichste.
Zum Schluß würden also die Alliierten, wenn ir. vi annehme, das) die Anleihe von 20 Milliarden völlig gezeichnet würde, höchstens 15 Milliarden Goldmark erhalten, davon Frankreich etwa acht Milliarden. Die reftlicf-en fünf Milliarden kämen als Zinsen für die Anleihe in Wegfall. Unter diesen Tlmständen sei cs nur zu gerechtfertigt, dcch die sronzöfische Regierung es ablehnte, derartige Verse' läge ernst zu nehmen. Poincare werde sich alTü sofort, und zwar wahrscheinlich auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege, mit dem bei» gischen Kabinett in Verbindung se^en, das sciners its. wie bereits bekannt, die Rote des d utschen Reichskan-lers ebenfalls als unannebm^ bar erachtet. Die Pariser und die Brüsseler Regierung toüri’en weiterhin solidorisch Vorgehen und sich über den Wortlos b'r Bcr.lin zu er» 1 inenden Antwort cinir<n, l te ch. dann auch London und Rom mitgeteilt werden solle. Die fmn- zösisch'-n und die b.lgischen Minister würden d^nn wohl ’u einer Kenstr.nz -usannm ni eten, um über die Möglichkeit zu beraten, ibn? Aktion im Ruhr- gebiet noch intensiver zu g~ft-6Tt?n. bis sie ihre endgültige Wirkung gezeitigt bitten
Paris. 4. Mai. (WTD) Der „ Figaro" glaubt zu willen, daß bei feinem gcffrv "< Bll-ch der englische Botschafter Lord Crewe sehr wahrscheinlich dem französischen Ministerpräsidenten erklärt habe, so unannehmbar auch die deutschen Angebote feien so könnten sie doch die Eröffnung von Verhandlungen gestatten, in deren Verlauf diese Aurebote verbessert werden könnten Diese Demarche mtsvreche der britischen Politik, so fügt das Blatt hinzu, die. ohne an der Ruhraktion teilzunehmen die Desewing nicht Verbindern wollte jedech die Möglichkeit einer Intervention ergriffen hätte.
Der Eindruck in Brüssel.
Amsterdam. 3. Mai. (Wolff.) Der Brüsseler Korrespondent des „Tele- graas" meldet, er habe gestern abend eine Unterhaltung mit Persönlichkeiten aus ministeriellen Kreisen gehabt. Wenn man sich auch begreiflicherweise noch nicht endgültig geäußert habe, so könne doch gesagt werden, daß die deutsche Rote in Brüssel enttäuscht habe. Man sehe ein, daß die Regierung Cuno erhebliche Schwierigkeiten überwinden müsse, und daß sie einen Versuch in diesem Sinne gemacht habe. Indessen befinde sich 'Belgien, welches auf Reparationen warte, genau so gut in Schwierigkeiten wie Deutschland. Der Bericht fährt fort: Die Rote wird für unbefriedigend erachtet. Die belgische Regierung ist aber der Ansicht, daß die Rote nicht einfach ohne weiteres verworfen werden soll. Sie hat den Wunsch, dies in ilebereinftimmung mit der französischen Regierung zu un e suchen, damit durch die zu erteilende Antwort die öffentliche Meinung der Welt die Gründe deutlich erkennt, weshalb die Rote nicht angenommen werden konnte. Die französischen und belgischen Minister würden, um zu einer
Lleberelnstimmung bezüglich der Antwort zu gelangen, höchstwahrscheinlich in Brüssel zusammenkommen.
Die Haltung Englands.
London, 3. Mai. (WTD) 3m Unterbau d erwiderte Baldwin auf eine Anfrage des Arbeiterführers Rarnsay Macdonald: Sie Rote der deutschen Regierung wurde vorn deutschen Botschafter dem Staatssekretär des Aeußern, Lord Curzon, gestern nachmittag überreicht. Das Haus wird zu würdigen wissen, daß ich mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit nicht in der Lage bin. irgendwie Erklärungen abzugeben.
London, 3. Mai. (Wolff.) Die heutige Morgenpresse veröffentlicht den vollen Wortlaut der deutschen Rote. Alle Blätter nehmen in Leitartikeln dazu Stellung. Die Rote wird von den meisten Blättern hauptsächlich wegen ihres Tones kritisiert. Der überwiegende Teil der Presse tritt jedoch dafür ein. die Rote trotzdem zum Ausgangspunkt von Verhandlungen zu machen
Der diplomatische Berichterstatter der „Westminster Gazette" schreibt, die deutsche Rote sei gestern in politischen Kreisen als ein genügend ernstes Angebot für die Regelung der Reparationen angesehen worden, um eine Erwiderung von feiten der in Betracht kommenden Länder zu t-erbienen.
Die „Time s" weist in ihrem Finanzteil darauf hin, daß die Veröffentlichung der deutschen Rote sowohl Frank» als auch Mark- Verkäufe zur Folge hatte. Damit habe der Markt seine Ansicht ausgedrückt, daß Frankreich das deutsche Angebot verwerfen werde. 3n grt unterrichteten Kreisen in der City sei die deutsche Rcte jedoch begrüßt worden, weil sie, was auch immer ihre Aufnahme durch Frankreich sein möge, eine neue Lage in der Geschichte der Reparationsfrage schaffen müsse.
3n einem Leitartikel schreibt die „Time s" dagegen: Das Angebot gebe nur die unbestimmtesten Garantien. Es werde so ungeschickt dorgebracht, daß es jehe französische Empfindlichkeit cirege. Frankreich und Belgien würden jedoch klug tun, das deutsche Angebot nicht allzu summarisch zu verwerfen.
Die „Daily Mail" bezeichnet, wie zu erwarten war, das deutsche Angebot als ein lächerliches, unverschämtes und typisches Hunnenerzeugnis.
Die „Time s" schreibt weiter zu der deutschen Rote: Es sei kaum praktisch für Deutschland, Frankreich zu ersuchen, baä Ruhrgebiet in kürzester Zeit zu verlassen, was glles ober nichts bedeuten könne. Das Vorteilhafteste, was Deutschland tun könne im eigenen 3nteresse und in dem Europas, würde sein, feine „si.miose Politik vorsätzlicher Obstruktion" auszugeben und sich za er» geben. Dafür könne Deutschland mit Vorteil das Versprechen bekommen, daß die Konferenz daraufhin abgehalten werde, auf der Deutschland „wenigstens" vertreten sein werde. Eine solche Konferenz könne natürlich nur aus den alliierten Hauptmächten bestehen, die den Versailler Vertrag unterzeichneten und selbst unmittelbar an einer ‘SelLiebigung ihrer rechtmäßigen Forderungen interessiert seien. Diese Machte feien end» gültige Schiedsrichter, ebenso tote sie die ersten Schiedsrichter waren Das Blatt schließt: Wem Frankreich einer wiftscha .lichen Lösung des wirtschaftlichen Problems zustimme, so werde es ganz Europa verpflichten, da die deutsche Role die Mögl chkeit eines gemeinsamen V ersuches aller in Betracht kommenden Mach e biete, das verfallende ©ebäu&c der europäischen Stabilität wieder aufzurichten.
London, 3. Mai. (WTD.) Der ..Daily E k preß" schreibt zur deutschen Rote, die Ansichten aller Alliierten würden gewogen teerten. Sie würden zweifellos einen beträchtlichen moralischen Einfluß ausülen. Außerdem sei es keineswegs sicher, daß sie Deutschlands letztes Qltjrt tn der Frage bedeute. Alle RationeZ feynten sich nach dem Frieden in vollstem Sinne. Vielleicht werde diele Rote den Tag des Friedens l eschleunigen und die Agonie der Welt, die jetzt langsam verblute, beenden
Daily Rews" führt au3, es könne nicht ehrlich behauptet werden daß die deutsche Ro'e die Hoßnungen derer erfülle, die in England für He Stabilität in Europa wirkten. Das sei zweifellos zurüstzusützren auf die ungünstige Unterbreitung der deutschen Vorschläge.
Die „Westminste r Gazette" schreibt: Es fe: zu Hof:en, daß. wenn die bri ische Regierung ber Ansich lei, daß die Rote Erörlerungsmög- lichkeilen biete, sie dies freimütig und offen er- klären müsse. Die deutsche Schätzung seiner Zahlungsfähigkeit brauche nicht angenommen u teerten, aber England sei verpflichtet zu sagen, ob es das Angebot als ehrlichen Versuch ansieht, Verhandlungen zu eröffnen.
, aJ !I? J? e Ic 9 L a $ ö" schreibt, man habe gehofft, daß tue deutsche Rote wenigstens einen Schritt m der Richtung einer Regelung darstellen werde. Man sei bereit gewesen, sie fair und aufmerksam zu prüf en,_ tote man es auch jetzt tun toerbe; aber was könne man anders von diesem Erzeugnis sagen, als daß es überhaupt keinen Fortschritt in der Richtung des erwünschten Zieles uavfteHe, das dazu geeignet sei, die moralisch» Lage, die bereits verzweifelt genug sei, noch schlimmer zu machen? Die Unterbreitung des Angebots an sich habe bereits unter den gegebenen ihn- ständen einen Akt der älebergabe bedeutet. Wenn es schon einmal eine Liebergabe sein sollte, so hätte die Rote mindestens derart sein müssen, daß sie einige Aussicht auf Erreichung des Zweckes schaffte
Das Blatt kommt zu dem Schluß, es sei keinerlei Hoffnung auf eine Erneuerung der Verhandlungen auf der in der deutschen Rote niedergelegten Grundlage zu erblicken.
„Daily Chronicle" hält die vorgeschlagenen anderthalb Milliarden Pfund für zu wenig, obgleich sie anscheinend die Wiederaufnahme der vor der Besetzung des Ruhrgebiets erfolgten Sachleistungen nicht ausschlössen.
Die Ausnahme in Washington.
Paris, 4. Mai. (WTD.) Havas berichtet aus Washington, der deutsche Botschafter habe dem Staatssekretär Hughes einen De - s u ch abgestattet und ihm den Text der deutschen Vorschläge übergeben. Das Staatsdepartement weigerte sich, irgendeinen Kommentar zu geben, aber man erfährt aus autoritativer Quelle, daß die amerikanische Verwaltung, die jüngst den Standpunkt der Vereinigten Staaten bekundete, ber Ansicht ist, daß die Frage direkt Frankreich und Deutschland angehe und die Vereinigten Staaten nur auf Verlangen der Interessenten eingreifen würden. Obzwar Deutschland seine Vorschläge allen Großmächten mitgeteilt habe, erklärten die offiziellen deutschen Kreise in Washington, daß es sich tatsächlich um einen direkten Vorschlag an Frankreich und Belgien handle.
Eine neue Bekräftigung der Einheitsfront.
Köln, 3 Mai. (WTD.) Die Parteien, nämlich die Zentrumspartei, die Vereinigte Sozialdemokratische Partei, die Deutsche Volkspartei, die Deutschnationale Volkspartei, die Deutsche Demokrat. Partei, die Bayerische Volkspartei, der Allgemeine Deutsche Gewerkschafts- bund (freier), der Deutsche Gewerkschaftsbund (christlicher), der Geweikschaftsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Dramtenrerbände (Hirsch-Dunct/rr, G. D. A. und A. E. V ), Ler Deutsche Deamtenbund, LandeZrerbandRheinland, der Verband rheinischer Industrieller die Interessengemeinschaft rheinischer Arbeit zeb rverlände, der Einzelhandelsverband für das befehle Gebiet, die vereinigten rheinischen Dauernvereine (Rheinischer und Trierischer Dauernverein), der Rheinische Handwerkerbund, der Katholische deutsche Frauenbund, der Verband evangelischer Flauenvereine und der Verband jüdischer Frauenveieine veröffentlichen folgenden Ausruf: Der Druck, der auf den Ländern am Rhein liegt, wird von Tag zu Tag schärfer, er mag sich zu noch schärferen Formen steigern, wir werden in der Srcue zum deutschen Volke und Vaterlande nicht Wanken. Die ungeheueren Lasten des Friedensdiktates und die Besetzung haben wir vier Jahre lang getragen in der Hoffnung, dadurch zur Ruhe, zum Frieden und zu unserem Recht zu gelangen. Aker darum geht es den französischen Machthabern nicht. Die führenden Staatsmänner dreier Rationen, die das Friedensdiktat miigefchafsen haben, Lloyd George, Ritti und jetzt auch Wilson, h-Äben es vor aller Welt klar gelegt, daß die französische Politik ihr seit langen Jahrhunderten verfolgtes Ziel, die Rheinlanoe zu ver'welschen, mit allen Mitteln weiter verfolgt. Auch der Letzte an Rhein, Ruhr und Saar weiß, worum es geht. Do>s gesamte rheinische Volk erllä rt demgegenüber vor aller Welt in feierlichstem Ernst: R emals lassen wir fremde Macht über Recht und Verfassung unserer Rheinlande entscheiden. Wir danken der Reichsregie.mng und dem Reichstage für die bestimmte unzweideutige (rrZ ärin-', ede Einmischung in die Versa fang des R.ibes un) de Lä der ro i außen her mit äußerster Schürfe abzuwehren. Wir se^er in oUcn tvn <-n Pläw.n, auch in der' Schaffung einer westrheinischen Republik, nur den Anfang der Loslösting vom Reiche, die nur von ganz vereinzelten crs ärmlichen Men chrn gefo dert wi d und die jede Ration von Ehre von sich weisen muß Wir kündigen solchen Versuchen den geschlossenen schärfsten Widerstand des rheinischen Volkes an. 3n diesem Widerstände werden wir nicht erlahmen. Wir wissen, daß die ganze deutsche Ration einstimmig hinter uns steht.
Die verschärften Anordnungen Degouttes.
Essen, 3. Mai. (Wolff.) Der passive Widerstand, der alle Deoöllernngskreise in gleichem Maße beseelt und ter van Tag zu Tag nicht nur nicht abnimmt, sondern immer stärker wird, hat den kommandierenden General Degoutte veranlaßt, eine Verfügung Rr. 33 zu veröst ntlich.n. die folgen! es besagt:
Artikel 1: Hede Person, die die ton der interalliierten Kommission der Fabriken und Bergwerke erlassenen Anordnungen, Kohlen oder Koks oder jeden anderen Stoff zu liefern, nicht befolgt, fat eine Gefängnisstrafe b i s z u 5 Fahren und eine dem doppelten Wert der verlangten Lieferung gleiche Geldstrafe oder eine dieser beiden Strafen verwirkt, jedoch darf die Geldstrafe nicht weniger als 10 Millionen Mark betragen.
Artikel 2: Hede Person, die innerhalb von 5 Tagen vom Tage der Veröffentlichung an gerechnet, die ihr von der interalliierten Kontrollkommission der Fabriken und Bergwerke Angestellten Lieferungsanordnungen nicht befolgt, hat die im vorhergehenden Artikel angeführten Strafen verwirkt.
Artikel 3 besagt, daß jede Person, welche durch irgendwelche Handlungen die Ausführung rück-- ftänb’gcr Liefernng<m gch'ndert oder acifgehalten oder dies zu tun versucht haben wird, die in Artikel 1 erwähnten Strafen verwirkt habe.
Rach Artikel 4 werden die verwirkten Geldstrafen gemäß Verfügung 24 eingetrieben.
Die Lausanner Tagung.
Lausanne, 3. Mai. (Wolff.) O6mel Pascha war gestern abend zu Gast bei dem russischen Delegierten Worowski, mit dem er eine längere Besprechung hatte. Dieser offizielle Besuch des türkischen Bevollmächtigten bei dem russischen Vertreter wurde hier um so mehr bemerkt, als bekanntlich die Alliierten Herrn Wvrowski die Eigenschaft als offiziellen Konferenzteilnehmer absprechen unv auf seine letzte Rote noch nicht geantwortet haben.
Argentinien und der Völkerbund.
Paris .4. Mai. (WTD ) Havas bericht« aus Buenos Aires: Präsident Alvear ha' beschlossen, daß die argentinische R?publu wieder an den Arbeiten des Völkerbundes teil nimmt.
Polnische Maifeier.
Warschau, 3. Mai. (Wolff.) Die sozialistischen Maifeiern führten in Warschau und Lodz zu Zusammen^ stößen zwischen Kommunisten und der Polizei, wobei es in Warschau etwa 60, in Lodz etwa 40 Verwundete gab. Sehr viele Verhas tungen wurden vorgenommen. On Lemberg wurde zum ersten Male von sozialistischen Polen, Juden und Tlkrainern ein gemeinsamer Umzug veranstaltet.
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Französische Soldaten als Stratzenräuber.
Horst-Emscher, 3. Mai. (Wolff.) Wiederum wurden gestern abend auf der Industrie- ftraße sechs Bürger der Gemeinde unter Vorhaltung von Revolvern von zwei französischen Soldaten beraubt.
Drei des Weges daherkommende Arbeiter, der Maschinenschlosser Wingendorf, der Berg mm. i Masuch und der Dahnarbeiter Rüdwill, die unabhängig voneinander heimkehrten, tourien von einem der beiden Soldaten, der etwas mehr angetrunken war als der andere, festgehalten, zunächst um 20 000, dann um 10 000, schließlich um 3000 Mark angegangen. Währenddessen kamen 3 katholische Geistliche, Pfarrer Lengers von der Laurentius-Pfarrei mit den beiden Kaplänen Linnster und Gasseling, ebenfalls an der Stelle vorbei. Auch sie wurden angehalten, mit den drei Erwähnten gemeinsam in eine Häusernische getrieben. Man forderte auch von ihnen 3000 Mark. Als die Franzosen darauf hingewiesen wurden, daß sie Priester seien, hielten sie ihre Reocler noch drohender auf sie. Erst al 3 sie jetter 3000 Mk. bezahlt hatten un) Rüdwill alles Geld abgegeben hatte, was er besah, konnten sie gehen. Die Bedrohung Leugers war so ernst, daß er ebenso wie die beiten Kapläne aufs Ernsteste befürchtete, der Soldat werde losdrücken.
Mit diesen sechs äleberfällen ist die ähnlicher Strahenraube in tten letzten drei Wochen auf e l f gestiegen. Hedesmal hat der Amtmann die Vorfälle unter einer protokollarischen Mitteilung der Zeugenaussagen der Ortskom - mandantur mit geteilt. Immer hat er die Antwort erhalten, daß man die Schuldigen verantwortlich machen und alles tun werde, um ähnliche äleberfäße zu verhindern. Die Mahnahiii.n, die daraufhin von der Kommanta.nur getroffen wurden, fruchteten nichts, da die Soldaten der wehrlosen Devöllcrung gegenüber mit den Waffen anfangen, was sie wollen. Wie toenig die Maßnahmen nützen, zeigt am besten die Tatsache, daß nicht einmal Geistliche von solchen Heberfälfen verschont bleiben. Amtmann Dr. Schumacher hat tn einem sehr energisch gehaltenen Schreiben an die Ortskornmandantul auf das älnhaltbare dieser Zu- stände unter Mitteilung des Dernehmungsproto- kolls der vorerwähnten Fälle erneut hingetoiesen. Die aufs äußerste erregteBevölkerung erwarte Maßnahmen der franzöüschen Behörden, die wirksamer sind als die bisher getroffenen.
9ius dem Reiche,
Der Reichskanzler in Freudenstadt.
Freudenstadt (württemb. Schwarzw.), 3. Mai. (WTB.) Der Reichskanzler ist mit seiner Gemahlin heute hier eingetroffen und im Hotel „Rappen" abgestiegen.
Die örtlichen Sonderzuschlage.
Berlin, 3. Mai. (WTB.) Der ReichS- rat beriet heute die weitere Ausgestaltung der örtlichen Sonderzuschläge im Reichsgebiet. Diejenigen für das besetzteGebiet im Westen und die angrenzenden Gebiete werden ungefähr auf das Doppelte erhöht.Die Zulagen für das unbesetzte Gebiet bewegen sich in den Grenzen von 26 bis 216 Prozent. Die Ausschüsse haben eine en blve-An- nahme vorgeschlagen, die mit Stimmengleichheit ab gelehnt wurde. Rach längerer Ge- schästsvrdnungsdebatte wurde die Vorlage mit Abänderungen für einzelne Städte angenommen.


