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Mittwoch, 4- April 1923

Erstes Blatt

173. Jahrgang

gefunden.

fen.

Die Zensur.

Nachklänge zu den Essener Untaten.

Ein Streik

in den Pariser Modehäusern.

Varis, 3. 2U>riL (WTD.) Die komnm- nislisch organisierten Arbeiter im Konfek- tivnsgewerbe sind auf Grund emes am

Nr. 78

Erscheint täglich, anster Sonn» und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GietzenerFamilienb lätter Monatlich« Vezvarpreife: 3400 Mark und200Mark Trügerlohn,durch diePost 3600Mark, auch beiNicht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: fürdieSchrift» leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Siehe».

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Dächern erlitten.

Eine Justizkomödie.

Berlin, 3. April. Aach einer Meldung der Bosstschen Zeitung" aus Essen sollen die vier Direktoren der Krupp-Werke, die am Osterfamstag verhaftet worden sind, Ende der Woche vor em Kriegsgericht m Werden ge­stellt werden. Es wird also, wie das Blatt schreibt, von den Franzosen der Versuch gemacht, durch eine Justlzkomödie das Urteil über das Blutbad in den Krupp-Werken zu beeinflussen und den klaren Tatbestand zu verwischen. -Zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung dienen auch neue Zeitungs­verbote. DieAheinisch-Westfälische Zeitung" und dieEssener Volkszeitung" wurden für acht Tage verboten, weil sie die Ereignisse vom Samstag so darstellten, wie sie sich wirklich abgespielt haben.

Aach einer Meldung derVoss. Ztg." ist von den Franzosen jetzt eine Llntersuchung der Vor­gänge im Kruppwerk ein geleitet worden. Der Offizier, der den Befehl zum Schietzen erteilt 'fjat istvonGenecalDegvuttenach Düsseldorf befohlen worden.

Weitere Kundgebungen.

Köln, 3. April. (WTB.) Kardinal Schulte sandte anlätzlich der blutigen Vor­kommnisse in Essen an den dortigen Prälaten folgende Drahtung: Den Angehörigen der Er­mordeten und Verletzten bitte ich mein tiefstes Mitgefühl zu übermttteln. Diese grauen­volle Entweihung des Osterfriedens klagt den Feind vor al Fe r Welt an.

Bochum. 3. April. (WTB.) Der Bezirks- verband Essen des Deutschen Gewerk­schaftsbundes hat eine Protesterklä­rung gegen öle Gewalttaten französischer Sol­daten in der Kruppfabrik erlassen, in der es Heist, daß die Vorkommnisse am Karsamstag eine un­erhörte Gewalttat gegen das Leben und die Sicherheit der friedlichen Arbeitnehmerschaft seien. Zum Schlutz wird gesagt: Wir er*f)eben vor der gesamten gesitteten 'Welt laut Widersprich gegen den nunmehr fast drei Monate währenden 3a= stand der Bedrückung und Bedrohung, dem die friedliche und arbeitsame Bevölkerung an der Rühr durch die Gewaltpolitik Frankreichs aus­gesetzt ist. Das in Essen unschuldig vergossene Blut klagt laut gegr i die Politik der rohen Gewalt und fordert endlich auch sür das deutsche Volk Gerechtigkeit und Frieden. Durch alle Ge- wallmafnahmen wird sich das arbeitende Volk an der Ruhr nichtimWiderstandgegendie bisherige französische Politik be­irren lassen.

Berlin, 3. April. (WTB.) Die im Deut­schen Gewerkschaftsbund vereinigten christlich- nationalen Gewerkschaften haben an den Betriebsrat der Friedrich Krupp A.-G. in Essen folgendes Telegramm gesandt. Wir sind von Schmerz und Empörung erfüllt ob des mörderi­schen Anschlages der französischen Eindringlinge auf die Kruppsche Arbeiterschaft. Sprechen Sie den Hinterbliebenen der Getöteten und Verletzten unsere herzlichste Teilnahme aus. Diese himmel­schreiende Tat der fremden Gewalthaber bleibt nicht ungefühnt. Vor der Welt fordern wir Genug­tuung für diesen Aeberfall auf Frieden.. Leben und Freihüt unserer Arbeitsbrüdec. I.A.: Steger- wald, 1. Vorsitzender.

London. 3. April. (WTB.) Der Essener Sonderberichterstatter desManchester Guardian" schreibt zu den blutigen Vorgängen in den Kruppwerken die französische Darstel­lung sei ein Meisterwerk naiver Verlogen­heit, mit dem der Versuch gemacht werde, voll­kommen falschen Eindruck zu erwecken, Latz die Arbeiter vorsätzlich gegen die Franzosen aufge- stachelt wurden und datz die Sirenen ein vorher i>ereinbartes Zeichen zum Angriff gaben. Der Bericht datz ein Deutscher die Franzosen mit dem Revolver bedrohte, sei unwahr, ebenso _ der Bericht, datz Mitglieder der vormaligen grünen Polizei bei Krupp gewesen wären, die die Ar­beiter zu Gewalttätigkeiten aufreizten. Der Be­richterstatter fährt fort, es scheine nicht, datz die Franzosen auch nur ein Wort des Bedauerns für das Geschehene ausdrückten.

London, 3. April. (WTB.) Die Mutigen Vorfälle in Essen werden von der gesamten Presse viel beachtet und zum groben Teil an erster Stelle veröffentlicht. Die Blätter bringen neben hem Bericht ihrer eigenen Korrespondenten auch deutsche sowie französische Darstellungen des Vor­falls. WährendDaily Chrvnicle" hervor­hebt, datz die Tatsache, datz kein einziger fran­zösischer Soldat irgendeine Verletzung davongetra- gen hat, beweise, wie wenig Gewatt von deutscher Seite angewandt worden sei und die Essener Metzelei" auf einen Aerdenanfall der französischen Soldaten zurückführt, schreibt die liberaleWestminsterGa zett e , die Deutschen mühten einsehen, datz offener Wider­stand ihnen in keiner Weise nützen könne.Daily Herald" veröffentlicht allerdings unter seinen lebten Meldungen einen Bericht des Sonderkorre­spondenten des Reuter-Bureaus in Essen, in dem dieser endgültig mitteilt, dah die Ereignisse in

Das Urteil von Sofia.

Unser Berliner Mitarbeiter, der eine Unter* tc&ung mit einer hochstehenden Persönlichkeit des ehemaligen mit Deutschland verbündeten Bul­gariens hatte berichtet uns darüber:

Das Sofioter Schreckensurteil gegen die letz­ten Minister des Zaren Ferdinand (das wir in unserer gestrigen Rümmer veröftentlichten) ent­springt .derselben Geistesverfassung, aus der die Friedensverträge von Versailles. Aeuillh, Tria­non usw. hervvvgegangen waren. Alexander Stambolijski, der allmächtige und neuerdings doch sehr gefährdete Bauerndiktator, brauchte autzen- pvlittsch ein Dutzend Sündenböcke, um sie auf dem Altäre der En ten te abzuschlachten. Innen­politisch galt es, die Opposition unschädlich zu machen. Denn die angeblichen Kriegsschuldigen sind Niemand anders als die anerkannten Führer der nationalen Parteien und der im sogenannten Düraerblock vereinigten städtischen Intelligenz, die dem derzeitigen Ministerpräsidenten feindlich gegenüberstehen. Stambolijski hat ja in der letzten Zeit den glühenden Hatz seiner politischen Gegner mehrmals zu spüren bekommen. Sein Kriegs- Minister und sein Innenminister wurden ermordet. Auf seinen Ackerbauminister wurde ein Attentat verübt. Er.der leitende Staatsmann selbst, wurde wiederholt mit Revolver, Bomben und Dolch überfallen. Kugeln durchbohrten die Kissen seines Kraftwagens, Bomben flogen in seine Theater- löge. Waffen wurden abgeseuert, wenn er vorbei- kam. Diese Attentate waren die Antwort auf die namenlosen Leiden, die der gewalttätige Minister­präsident den Führern der unterdrückten Parteien bisher zufügte.

Am 4. Aovember 1919, also vor 3V» fahren schon, lieft Stambolijski die elf, zumeist ergrauten, Minister des Kriegskabinetts ins Staatsgefängnis werfen, mit Ausnahme des ehemaligen Minister­präsidenten Radoslawow, der im Ott. 1918 nach Deutschland gegangen war. Dreieinhalb Jahre vergingen, bis man bie politischen Geiseln zu schwe­ren, zum Teil lebenslänglichen Freiheitsstrafen und zu Geldstrafen verurteilen konnte, die in der lächer­lichen Höhe der Kriegsschäden (32 MUliarden 700 Millionen Lewa) angeseht wurden und die Mittel von mehreren Generationen des ganzen bulgarischen Volkes übersteigen. Die Gefangenen wurden, wie aus den nach Deutschland gelangten Berichten hervorgeht, mit sadistischer Grausamkeit beyandelr. Tonrschew, der einftige F'manzmmister, muhte seine Zelle im Staatsgefängnis selbst reini­gen. Die Familien der Gefangenen gerieten ins gröftte Elend und erhielten keinen Zutritt zu den Verhafteten. Als die Bewegung der patriotischen Komitatschi einsehte, wurden die gefangenen Mi­nister nach dem unwirtlichen Gefängnis in Schuwn (Schumla) abtranspvrtiert und dort noch schlechter und strenger gehalten. Die Rechte, die jeder ge­wöhnliche Verbrecher hat, werden ihnen nicht zu­gestanden. Monatelang dauerte der Prvzetz, wo­chenlang die Verhöre der einzelnen Angeklagten undZeugen". Tausende von Dokumenten wurden aus den Akten schränken der Regierung geholt und hn Gerichtssaal verlesen. 832 e-gbschrie- bene Seiten enthielt das A klag b ch, in dem fast auf jeder Seite von Deutschland die Rede war. DenKriegs­schuldigen" wurde vvrgeworfen, sie hätten zum Schaden Bulgariens die deutschen Wünsche während des Weltftieges berücksichtigt, sie hätten durch Begünstigung der Ausfuhr von Lebens­mitteln nach Deutschland im Lande Mangel er­zeugt; der Betrieb gewisser Bahnstrecken fei ten Deutschen ausgeliefert worden; durch den Almla if des deutschen Geldes sei der bulgarische Staat geschädigt worden. Die Llnterstellung des bul­garischen Heeres unter deutschen Befehl sei eine Erniedrigung Bulgariens gewesen; die Verpach­tung des Staatsbergwerks Parnik an die Deut­schen (bei einem Anteil der bulgarischen Staats­bank von .30 Prozent) sei eine ajerau&img teä Landes gewesen; ebenso das Inumlaufsehen deut- scher Banknoten mit Zwangskurs; daft Mackensen das Oberkommando gegen Ser bien übernehmen durfte, wurde den Ministern als Landesverrat ^^^!^teutschen Ehre ist während der peinlichen Verhandlungen in Dimiter Tonisch e w. dem Sprecher der Angeklagten, ein glühender Verteidiger entstanden. In Ausführungen, rne sich monatelang hinzogen, wies Tontschew nach, daft die deutschen Bemühungen a-if ein freies grvtzes Bulgarien gerichtet waren daft bei einem anderen Ausgange des Weltkrieges dank der deutschen Hilfe die bulga­rische Fahne über allen von Bulgaren bewohnten Gebieten geweht hätte, und daft der ganze Haft- und Racheprozeft nur deshalb in Szene gesetzt worden ist, weil Ministerpräsident Radoslawow sich seinerzeit nach Deutschland und nicht nach der Entente hin orientiert hat.

man in den Aufzeichnungen Radoslawows finden, die demnächst in einer deutschen Ausgabe er­scheinen werden.

einer schriftlichen Erklärung bzw. zur Aufnahme des Dienstes unter französischer Verwaltung auf- gefordert, was jedoch verweigert wurde, worauf der Befehl zur Räumung der Dienstwohnungen erging Die Belgier haben in Reuft mitgcteill, datz sie auf Betreiben der Franzosen von jetzt ab energisch vorgehen müßten, und daft für die nächste Zeit mit zahlreichen Verhaftungen und Ausweisungen zu rechnen sei.

Ausweisungen.

Darmstadt, 3. April. (WTB.) Es sind elf neue Ausweisungen zu melden, dar­unter ein Straßenkehrer aus Mainz, Vater von neun unmündigen Kindern, ans Alzey ein Lehrer, eine Stadtverordnete und ein Beigeordneter.

Gro tz-Gerau, 3. April. Der am 8. März verhaftete Postinspettor E. Schmidt wurde vom Militärgericht in Mainz zu fünf Monaten Ge­fängnis und 100 000 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Ausgewiesen wurden der Oberingenieur Schoner und der Detriebsingenieur Gockel von der Maschinenfabrik Augsburg-G ustavsburg, anscheinend, weil sie frühere Reserveoffiziere sind.

spd. Wiesbaden, 3. April. Die französi­sche Desatzungsbehörde hat heute vormittag 28 Beamte des Finanzamts ausgewiesen. Die Leute wurden in Autos bis an die Grenze des besetzten Gebietes vor Frankfurt gebracht und konnten nur die allernötigsten Sachen mitnehmen.

Ludwigshafen, 3. April. (Wolfs.) Au s- gewiesen wurden ohne weitere Förmlichkeiten: Regierungsbaurat Gerth, Reg-erungsrat Wun­derer E.senbahnoterinftektor Work, Cisenbahn- infpettor Reichold und Technischer Oberinspektor Kirst mit Familien innerhalb einer Frist von vier Tagen.

Berlin. 3. April. (Wolff.) Geheimrat Z e ch l i n vom Auswärtigen Amt ist in Düssel­dorf von den Franzosen verhaftet worden. Sobald nähere Einzelheiten vorliegen, wird teut- schersetts Protest erhoben.

Hochheim a. M. uud Ehrenbreitstciu im Belagerungszustand.

Hochheim a. M.» 3. April. Lieber die Stadt wurde der Belagerungszustand ver- HLigt, weil angeblich der französische F r ü h z u g auf zwei vor der Station auf den Schienen liegenden Laschen aufgefahren sein soll.

= Ehrenbreitstein. 3. April. Aus Anlaß von Schlägereien zwischen Zwil- Personen und schwarzen Franzosen wurde am Ostermontag über Ehrenbreitstein der Belage­rungszustand verhängt.

Die Inanspruchnahme der Schulen.

Berlin, 3. April. Aus einem Protest, den die sozialistischen Lehrer des Ruhr­gebiets gegen die Inanspruchnahme von Schulen durch die französisch-belgische De- satzungsbehörde erlassen, geht, den Blättern zu­folge, hervor, daft Mitte März durch die Inva- sionstruppen bereits 134 Volksschulen mit 923 Schulräumen, eine Mittelschule und 12 höhere Schulen fast ganz belegt, 11 höhere Schulen teil­weise, 6 weitere vorübergehend beschlagnahmt wor­den sind. Viele Zehntausende von Schulttndern wurden dadurch vom Schulunterricht ausgeschlos-

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Kirn, 4.April. (WTB.) DieWestdeut­sch e T a g e s z e i t u n g" ist für die Dauer eines Monats bis einschl. 22: April von den Besatzungs- organen verboten worden.

Le Trocquer wieder im Ruhrgebiet.

Paris, 4. April. (WTB.) Rach dem Tour­nee Industrielle" begibt sich der Minister für öffentliche Arbeiten Le Trocquer am Frei­tag abend in Begleitung von zwei Beamten seines Ministeriums nochmals nach dem Ruhrgebiet.

Französische Angst , vor der deutschen Luftschiffahrt.

Paris, 4. April. (WTB.) Wie durch HavaS halbamtlich mitgeteilt wird, ist eine von dem Direktor desEcho de Paris" geführte Kommission am letzten Samstag von Pvincarö und dem tinterstaatssekretär für die Lustschiffahrt emp­fangen worden, um die Petition zu überreichen, die das Echo de Paris" von vielen Franzosen unter­zeichnen lieft, um die deutsche Luftschiff­fahrt unter Kontrolle zu stellen. Poincarä erklärte, demEcho Stationär zufolge, die Frage, die hier aufgeworfen werde, fei von höchstem Emst. Sie stehe an erster Stelle der Bemühungen der Regierung. Man habe von ver­schiedenen Lösungen gesprochen. DerUnterftaatd- fefretär für die Lustschiffahrt fei beauftragt wor­den, die Petition rasch zu einem umfassenden Be­richt zu verarbeiten.

Kohlenbeschaffung aus Südafrika.

Rach einer Meldung desGofalanjeigerß* aus Hamburg haben seit der Besetzung> des Ruhrgebiets durch die Franzosen die dmitschsi Afrika-Linien ihre Schiffe mit aller Deschueuni- qung in ten Dienst der Kohlen bef ch a Ifang aus Südafrika gestellt. Die ersten Ladungen treffen, wie das Blatt hört, bereits in der ersten April-Hälfte in Hamburg ein.

Ess en, 3. April. (WTB.) Die Arbeitnehmer- schaft der Firma Krupp trat heute vormittag 10 Tlhr in einen 24stündigen Proteststreik. Der Betriebsrat (Arbeiter- und Angestelltenrat) erläftt dazu folgende Kundgebung:

Roch einmal wendet sich die Kruppsche Ar­beiterschaft an das Weltgewisfen, um durch einen 24 stündigen Proteststreik ihren Abscheu gegen das Blutbad kundzugeben, das der französische Militarismus am Samstag unter der Kruppschen Arbeiterschaft angerichtet hat. In gleicher Weise protestieren wir gegen die Ver­haftung einiger Leiter der Werke, die wir nur als eine Folge dieser Vorkommnisse ansehen, um die Schuld an dem Blutbad von dem französischen Militarismus abzuwälzen."

Neue Anstrengungen der Franzosen im Ruhrgebiet.

Münster, 3. 2lprll. (WTB.) Auf den drei gestern neubesehten Zechen wurden fol­gende Anlagen beseht: Auf der Zeche ..König Ludwig" die Kokerei und die Anlagen für die Gewinnung von Rebenprvdukten. Fremd:, in französischem Lohn stehende Arbeiter sind bisher nicht eingetrpffen. Abtransportiert wurden nur am 2. April zehn Wagen mit Koks und zwei mit Kohlen beladene Wagen, die die Franzosen schon beladen vorfanden, sowie ein Kesselwagen. Auf der ZecheWaltrop" besetzten sie die Kokerei und die Anlagen für die Gewinnung von Reben­produkten sowie den Zechenbahnhof. Der Gruben­betrieb ruht seit der Besetzung. Die ZecheBerg­mannsglück" ist ganz beseht. Die Belegschaft hat die Arbeit eingestellt. Am 28. März wurde öer Bahnhof Bottrvpp-Süd erneut besetzt, ebenso die Hafenanlage der ZecheProsper". Auf der Strecke Bottrop-Osterfeld beginnen die Franzosen die Brennstoffe zwecks Weiterleitung auf dem Rhein- Her nekanal abzu transportieren. In Reckling­hausen-Süd halten die Franzosen erneut die Kohlenzüge an, die nach Italien und Holland be­stimmt sind. Im bergischen Lande wurden Ründe­roth und Gimborn durch französische Kavallerie beseht. Gummersbach und Düringhausen sind noch frei. An der Ostgrenze des Einbruchsgebiets finden r'arte Truv^»Verschiebungen von und nach Frankreich statt. In Bochum und Herne haben die Franzosen Lebensmittelverkaufsstellen ein­gerichtet, worin sie sämtliche Lebensmittel 25 Proz. billiger verkaufen, als sie in den deutschen Ge­schäften verkauft werden. Gestern nacht wurden auf der Bahnstrecke KupferdrehKettwig die Dahngleise von Unbekannten gesprengt.

Nach einer Meldung desBerl. Lokal­anzeigers" aus Wiesbaden fetzten die Fran­zosen die Beschlagnahme der Weindomanen- kellereien fort. Da die Verwaltungen sich wei­gerten, unter den Franzosen zu arbeiten, wur­den die Kellereien geschlossen.

Köln, 3. April. (WTB.) DieKölnische Volkszeitung" meldet aus K i r ch d e r n e bei Dortmund: Die Telephonleitungen der Zeche Scharnhorst nach der Zeche Gneisenau und nach dem Dortmunder Telegraphenamt wurden von französischen Soldaten abgeschnit- ten und für ihre Zwecke verwendet. Die deut­schen Leitungsaufseher, die die Störungen be­seitigen wollten, wurden von einem Offizier festgenommen und nach der Ankündigung, daft sie, falls sie nochmals die Gestänge und die Anlagen beträten, erschossen würden, wie­der entlassen. Die Zeche Scharnhorst ist nun­mehr von jeglichem Telephvnverkehr abge­schnitten, also der Möglichkeit beraubt, für die Beamten und Arbeiter bei Grubenunglück schnell die nötige Hllfe herbeizurufen.

Der Zwang gegen die Eisenbahner.

Frankfurt a. M.. 9. April. Rach allen hier aus den Eisenbahndirektionsbezirken Frank­furt, Ludwigshafen, Mainz. Trier und Karlsruhe eingelaufenen Meldungen haben die Eisenbahner den Befehl des französischen Generals De- g o u t t e, die Arbeit unter französischer Regie bis beute früh 8 Ähr aufzunehmen, einhellig abgelehnt! Bon Gegenmaftregeln der Fran­zosen ist bisher nichts betannt geworden.

Trier, 3. April. Die deutschen Eisen» b a h n e r erhielten heute früh durch einen neuen Anschlag der französischen Eifenbahnregie die Mitteilung, daft die Frist für die MÄdung zum französischen Eisenbahndienst um 14 -Lage verlängert sei. Dagegen wurden die Sttaf- andrv Hungen für Äeberschreitungen wesentlich verschärft.

Köln, 3. April. (Wolff.) Am 23. März abends ist. wie berichtet wird, auf der cotrecke BonnGodesberg eine Sprengung er- folgt, durch die ein Stück Schiene von einem Meter Länge weggerissen worden sein soll. Ein Personen­zug passierte darauf die Sprengstelle, ohne datz ein Unfall eintrat. Der alsdann zwischen God^- berg und Bonn eingestellte "Betrieb ist am 30. März vormittags 7 Uhr wieder ausgenommen worden. 28 E i sen da h n bedien st et e sind infolge dieses Vorkommnisses verhaftet wor­den. In Iünkerath sind die Cisenbahnbe- diensleten aufgefordert worden, noch heute den Dienst aufzunehmen, andernfalls die Dienstwoy- mrngen sofort geräumt werden müssen In Dah­lem müssen die Dienstwohnungen bis heute nach­mittag 5 Uhr geräumt sein. Auch in anderen Orten wurden die Eisenbahnbeamten zur Abgabe

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Berlin, 4. April. Rach einer Meldung der .Vosiischen Zeittnrg" Md die Drrektoren der Kruppwerke, die vor ein Kriegsgericht ge fteflt werden sollen, gestern in das Zuchkhrus vcn Werden gebracht Worten. Es war bis zum 2lbend .unmöglich, eine Verbindung mit chnen 'herzustellen oder .etwas über ihre Behandlung i* »» T°tc. . .

QE-te die Blätter melden, hat sich die Zahl der Opfer der blutigen Ereignisse auf 13 er-

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GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Druck und Verlag : Vrühl'sche Unwerfitätr-Vuch- und Zteindruckerei K Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Geschäftrstelle: Zchulstratze 7.

hoht. Die Erschossenen werten Ende ter Woche I Essen auf eine Panik der französischen Soldaten in eirtem gemeinsamen Grabe auf dem während zurückzuführen seien. Es hätte keinerlei Heraus» des Krieges angelegten Essener Ehrenfriedhof I forderung von feiten irgendwelcher Arbeiter statt­bestattet werden. Die Kruppschen Werke, auf denen heute vormittag nach Beendigung des 24stündigen Proteststteiks wieder gearbei­tet wurde, werden an dem Tage ter Beerdigung abermals stilliegen. Mehrere Blätter melden aus Essen, daft eine französische Aerzte- k o m m i s s i o n die Leichen ter Opfer tes Essener Blutbades besichtigt hat. Die Kommission stellte fest, datz fünf Arbeiter durch Rückenschüsse ge­tötet worden find; von ten verwundeten Arbeitern haben 29 Rückenschüsse erhalten. 14 Arbeiter haben leichtere Verletzungen durch Abspringen von ten