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Mittwoch. 3. ©Höbet 1928

113. Zahrgmg

GietzenerAnMger

General-Anzeiger für Oberhessen

ttretf mb Dtrlet: vrShffch« Uitoerfltält-Bwd)' und Stetabmderd R. Lange tw Dietzen. Schriflletlnn- unö DeschLstrftele: 5ch,l»ratze 7.

nr. 232

Srsche nr logll©. e»b« Sonn, tmb 3*lertagi, wittKrSomotaosMIog« GtrhenrrFamtltend lütter o*twBt$e|s»telt 20 Toll tonen Mark ein. ich Netzt- Trügerlohn, auch b. Nichterichelnen tinjtbt. Dummern btfolgel)6l>ere Gewalt. - 3ern Ipte©» »oschlllss.-fürdieLchrift» leüung 112. für Verlag nb t5elchast»st»üe 51. Knfchrist für Drahtnach­richten Luzetger Metze«.

pofffche«le: greithrtt a. B. 11888.

btthH» U)tlM fttbU legeeeBBWM e pue Nachmittag vorher obite|eb«T«binba©lwit preis für 1 « «HM tfc a nötigen v 27 mm Brettl 6rtL ©rnnbjahl 56 di-, aneo.TOTR.; f. Beiden* Anzeigen o 70 mm Brette 225 VIK.X 50000 Schl. vlatzvorichriftz20'/.»°f- ich lag. - Verantwortlich sür Politik xl Yenilleton: Dr Friebr wrlh. Lange; für ben übrigen Zett Ernst Blum>chein;fürben Anzeigenteil: HansVeck, sämtlich In Bietzen

Das Schicksal des hessischen Staates.

Ton Pros Dr Sommer. Veh. Tteblatnalrai tn Dietzen')

Seit der Besetzung von Abeinhessen durch die Franzosen ist die Lage de« hessischen Staate» Immer schwieriger geworden Der jetzige hessi'che Staat, der den südlichen, am Anfang de» vorigen Zahrhundett« durch Rheinhessen erweiterten Teil de» alEti hessischen Staate» darsteUt. besteht au« den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen so­wie der Provinz Oberhessen, die seit 1866 durch preutzische« Gebiet Don dem südlich des Maine« gelegenen Teil de« Lande« getrennt ist Diese Zerteilung de« Staate« In eine nördliche und südliche Änsel. zwischen denen da« grotze Der- kehrSzentrum Sranfhirt lieg«, bat im hessischen Staat«leben weitgehende Solgen gehabt Trotz dieser Schwierigkeiten hat der hessische Staat von jeher al« Wittel- und Bindeglied zwi- schen Bord- und Süddeutschland eine viel grotzerr politische und kulturelle Bedeutung gehabt, al« e« feinem bn Bergleich zu Preutzen und Bayern geringen Umfang entspricht Sine Zerreitzung tx-6 hessischen Staate« wäre in jeder Beziehung in der Organisation von Deutschland ein schwerer Fehler Schon Ende de« Jahre« 1918 war diese Defahe vorhanden, al« zuerst der von den Fran­zosen begünstigte Plan einer rheinischen Republik auftauchte Damals, kurz nach der Revolution, war Deutschland tatsächlich tn eine grobe Wenge von Beinen Demeinwesen unter Leitung von Ar­beiter. und voldatenräten ausgelöst, und e« erhob sich die Frage, wie der Reubau de« Reiche« geschehen sollte.

In diesem Zusammenhang habe ich am 21 Dezember 1918 iin .Siebener Anzeiger" unter dem Titel Drvtz-Hessen auSgeführt. datz die Reugliederung de« Reiche» aus slanrmeSge'chicht- llcher und wirtschastSpoltttscher Grundiagc er­folgen müsse, und datz die Zusammenfassung von (Horb- und Südhessen nebst Waldeck. Hesf-n- Rassau, Frankfurt a. TL. dem «reise Wetzlar und am besten auch der linksrheinischen Pfalz zu einem erweiterten hessischen Staat notwendig sei. Sm Anschlutz an meinen Aufsatz kam ein Zusammengehen mit dem vorher in Kassel gegründeten £yefHMxn Volksbund zustande, dessen Vertreter mehrfach in Dietzen zusammen mit denen von Oberhessen und dem südlichen Hessen getagt haben Dietzen war dabei da» Bindeglied zwischen Torf* und Südhessen Die>e lebhaft begonnene Bewegung ist seitdem von ver­schiedenen Seiten gestört und von anderen, die an der Erhaltung de« hessischen Staates lebhafte« Interesse haben sollten, nicht genügend gefördert worden. Datz die hessische Regierung, mit Rück­sicht aus da» Verhältnis zu Preutzen im Reich, sich dabei ganz zurückgehalten hat. ist erklärlich Auch war durch die französische Besetzung von Rheinhessen unb Teilen von Hessen-Rassau da« weitere Betreiben dieser rein deutschen Ange­legenheit, die auf Grund de» § 18 der deutschen Reichsverfassung gelöst werden mutz, sehr er- schw--rt. weil tm besetzten Gebiet jede Agitation für Srotz-Hessen in den Anschein eine« franzoien­freundlichen Separatismus kommen konnte

Unterdessen haben sich nicht nur die Verhält- niste im Westen de« Reiche«, sondern auch die Beziehungen von Preutzen. Sachsen und Bayern aus innerpolitilchem Debiel so zugespitzt, datz jeder politisch Slnsichttge tn Hessen sich über da« zukünftige Schicksal unsere« Staate« klar werden mutz Wirb Rheinhessen vom jetzigen hessischen Staat abgetrennt. was hoffent­lich gerade durch die Bestrebungen de« Hellilchrn Volksbunde« noch verhindert wird, so ift der jetzige hessische Staat fium lebensfähig, und besonder« für die Universität Sieben ergibt sich tn diesem 3uktnrmenlwing eine gro*"e Gefahr Daher werden seit längerer Zeit im Gegen- s a y zu den Bestrebungen de« Hessi­schen VollSbunde« Pia-re erörtert, d'e auf folgende Kombinationen binauölaufen Starken­burg soll zu Baden oder Bayern kommen. Ober- Hessen entweder zu Preutzen. »ir Rheinischen Re­publik oder nach neuester Version zu Bayern Tatsächlich bat ein preußischer Agitator in Kastel, Atme Die .Rheinisch-Westfälische Fettung' die An- oerleibung von Ober helfen in Preutzen be­tt ieben Von anderer Seite wird Ober Hessen da» zwischen Fulda und Limburg liegt, in die Rhei­nische Republik cingeorbn.-t. Datz Ober- besten bayerisch werden soll, bedeutet die Um­kehrung de« prcutzischen AnnexionlSmu« in der Richtung nach Horben.

Allen dieser Pläaen gegenüber will ich die Stellung de« Hessischen BolkSbunde« zu dielen Fragen hier kurz bezeichnen 1 Wir lehnen eine Einordnung de« hessischen Llnate«. und zwar de« ganzen sowie be» ober hessischen Telle«, in eine rheinische Rrpubll' völlig ob. 2. Wir pro­testieren gegen die Abtrennung von Rheinhesten sowie gegen eine Zerreißung des hessischen Staa­te» mit Austeilung an Baden oder Bayern einer­seits. an Preutzen oder Boyern anbcrerfelt«, eben­so scharf wie gegen das Ausgehen in einer rhei­nischen Republik. 3. Wir befürworten im Rahmen de« Deutschen Reiche«, gestützt aus den § 18 ber Reich«Verfassung, einen Anschlutz sämtlicher alt- hessischen Gebiete, sowie von Waldeck, Hessen - Rostan. Frankfurt a W, dem Krei« Wetzlar und. .roch meiner Urberzeugung. zweckmätziger- weifc auch der Rheinpfalz an den be st eben­den hessischen Staat. IedensallS hat. wie

') Wir geben ben Ausführungen trotz der hochgelvannlen politischen Lage Raum, weil wir bollen datz er auf Älärunc der Situation bet- tragen wird. D Red

au« verschiedenen .feile- bevoorgebt. die Schick- salSstunde be;. helsischei Staate« geschlagen. 2Li Stelle seiner Vernichtung durch Au-teilu.ig mutz Ergänzung auf dem Boden der ReichSoerfassung gelchehm Delbstver- ständlich Hallei wir im Hinblick auf diese eine Volksabstimmung in den genannten Ge­bieten für aotDenblg.

Die Rolle der Franzosen am Düsseldorfer Blutsonntag.

Conbon. 2. Okt (Wolff.) Der .Daily Tele­graph" veröstentlicht einen Bericht seine« Sonder- becichlerstalter» in Düsteldvrf. in dem sestgestellt wird, datz die Schutzpolizei, al« sie zur Wieder­herstellung der Ordnung ihren Standort verlieh, von den Separatisten sofort bei ihrem 8r- scheinen mit s cha rsen Schüssen emp­fangen wurde. Die Schutzpolizei habe diese er­widert. aber ibce Rude bebalten unb »»nächst in die Lust gefeuert AlS ste der an­

dauernden Schietzerci bet' Separatisten auSgeietzl war. habe sie energisch eingreifen müssen Die Tatsache, datz sich unter den 10 Getöteten und 70 Verwundeten drei getötete und 13 verwundete Polizisten bclanben, fei ein Beweis dafür, datz dir Polizei einem entschiedenen bewaffn et en

Widerstand geqenäbergefianbex

habe Der Berichterstatter erklärt, ss fei wichtig, dir« zu betonen, da eine Darstellung der Sepa­ratisten weit verbreitet worden sei, derzufolge da« getarnte Vorgehen der Polizei vorsätzlich geplant und brutal durchgefühtt worden wäre Dem Berichterstatter zufolge wird txc Tötung der beiden Polizisten durch Separatisten vor den Augen der französischen Kavallerie vollkommen bestätigt durch einen amerikanischen Studenten au« Oxford. der diese Episode auS kurzer Entfernung milerlebte

Der Düsseldorfer Berichterstatter der .Xbnef" schildert, tote

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wollen Unter diesen Umftänbcn hat sich dir Lage

Die Krise des Kabinetts Stresemann.

Das Verlangen des Kabinetts nach erweiterten Vollmachten. Sozialdemokratie und Mle^rarbett Die Frage der ganz grohen Koalition. Rücktritt der Minister Dr. Luther und von Raumer.

Berlin, 3. Okt. (Pitv-Tel) Der Reichs­kanzler bat Dienstag vormittag 10 Ubr eine Be- lpiechurg mit den Führern der KvalltionSparleren unter Hinzuziehung eine« Vertreter« der Bayeri­schen VolkSpartei gehabt In dieser Besprechung hat der ReichSlanzler den Inhalt der Rede skiz- zieit, die ursprünglich am DienSIag nachmittag im Reichstage gehalten werden sollte Die Einzelhei­ten der Ausführungen de« Reichskanzler» waren die Wahnahmen, die zur Steigerung der Produktion notwendig find

Die Reichsregierung beabsichtigt. wie der Kanzler den Parteiführern mitteilte, im Reichstag ein GrmächtiguogSgeseh efuzuhrmgtn, do« bet» Kabinett Dollmachien geben soll, selbständige Maßnahmen auf sozialpolitischem, s in anziel, lern wnb wirtschaftlichem Gebiet zu treffen. Die Regierung glaubt, datz sie in der gegenwär­tigen gespannten Lage einer selchen Ermächtigung bedürfe, um ohne die Hemmungen de» normalen Gesetzgebung»!^! riebe» rafch arbeiten und die schwere Aufgabe, die die öanlcrung der Währung und de« Sla'.S ihr stellen. ohneVerzögerung durchführen zu lönneii Zn erster Linie denkt man an eine Vereinfach arg be« Sleueilystem«. Ab­bau de» Beamtenköiper«. Vereinfachung und Ver­billigung der Sozialveilicherung. auf ber anderen Seile Befreiung der Wirifchaft von ge­setzlichen Hemmungen wie DemrbilmachungSbestim- mungen und dergleichen, bie Möglichkeit besserer Ausnutzung der Arbeitszeit innerhalb de» Rah­mens be« Achtstunbenlag«». vielleicht auch Ver­längerung der A>b-i's^eil im Bergt - - bann lleberwachung der PreiSprliiik der Önnbifate und Vionopole durch eine An von Knrtellgeletz Die Verordnungen, die die RZch.Sregierung auf Grund be« Ermächtigungsgesetze« e lätzt. s. llen auf Ver­langen be« Reickö'ageo a.itzer Kraft gesetzt wer- ben können Die Eimächtigungen sollen zunächst biS zum 31 Wärz 1924 gelten

Schon über ben .Umfang dieser Ermächtigungen ergaben sich

weitgeherde WeduwgLversthiedenheitea.

Die Sozialdemokraten erhoben öiniren- düngen gegen die Ausdehnung auf wirtschaft«- unb sozialpolitisäze Gegenstände, auf der anderen Seite verlangte die Deutsche VolkSpartei. datz die Regierung sich in der Erklärung von den Fes­seln de« Achtstundentages gänzlich srei- mache Der Reichskanzler- selbst wollte e» dagegen der Regierung überlasten, die Arbeitszeit tm Rah­men grundsätzlicher AneOennung de» Achtstunden­tage« gegebenensall« den De> hältnissen anzupaslen

Autzenpolistsch beruht bi: Regierungserklä­rung ouf Einschüssen von nutzet ordentlich weit­tragender Bedeutung Ci » rht ditz Konsegu. nz-n auS einer zweif.'ISf:ei gegebenen Lage ES ist Har. datz bie französische Regierung nicht ver­bandeln will, sondern auch nachEinstellung be« passiven Widerstande« den stur« ihrer bisherigen Politik weiter verfolgt Dabei ist namentlich die Art. wie sie dir Wiadeieinstel- lung ber deutschen Beamten behandelt, für Deutschland unerträglich

Der Diensteid, den man den Beamten ans. zw'ngen will, dedentet einen uuverhullteu Gin« griff in die deutschen HoheitSrechte. Gs ergibt sich an« der ganzen bisherigen Regierung«, polttik von sechst, dah da« Kabinett diesem

Vorgehen nicht ruhig znsehen wird.

Die RegierungSeivärung lätzt keinen Zweifel daran, datz da« Kabinett entfchlosten ist ouf M« nanzosische Vorgehen die einzig mögliche Ani- wvN zu erteilen, nachdem nunm hr ber endgültige Beweis dafür Dodiegt. datz di französische Re­gierung in keiner Weile bereit ist, über die Re­gelung ber Wiederauf 'ahm? der Arbeit in ben besetzten Geboten mit Deutschland zu verhandeln Der 6toatö|efictär be» AuSwürligen Amte« hat in den letzten Tagen zahlreiche Besprechun- gen mit dem französischen Botschaf - i e r über dir Frage drr Wiederaufnahme der Arbeit gehabt ohne datz viSber auf ganz be­stimmte deutsche Vorschläge irgendeine Antritt erteilt wäre Frankreich Hai also die Abltcht. rücksichtslos an Rhein unb Ruhr feine Wacht - ftellung auSzunutze-n. unb England schalnl. ab- gesehen von e Niger beruhigenden liberalen Preffe- ftimmen, Franktech vorläufig nicht stören zu

im Ruhrgebiet wesentlich ander« entwickelt, al« man bei dem plötzlichen Abbruch be« passi­ven Widerstande» vrnau«fetzte.

Br« beute haben die in Betracht kommenden wirtschaftlichen Organisationen ber Arbeit.-r. Ar­beitgeber. Angestellten und Beamten e» abgelebni. ouf bie von ben BesatzungSbeHörden und der Siscnbahnrezie aufgefl.'lltcn Bedingungen einzu- gchc. Dam-.! ist brwlrsrr., datz der Widerstandswille im Ruhrgebiet gegen «ine vollständig« Kavitnlation noch vorhao» ben ist

Die vom Reichskanzler über die auSwärlige Politik vvrgebrachten Anschauungen haben bann beton ber» die Vertreter der Sozialdemo­kraten veranlatzt. von einer sofortigen Stel­lungnahme. die sonst in dielen Besprechungen üblich ist. nbzusehen Auch die bayerische Frage ergab weitere Differenzen zwischen So- zialdemvkralie und Regierung Während bie Re­gierung glaubte, zunächst von einem unmittelbaren Einschreiten absehen zu sollen, verlangten die Sozialdemokraten, datz durch ReichStagSbefchlutz oder durch Eingreifen de« ReichSprälidenlen bie bayerische AuSnahmeverordnung alSbald auf­gehoben unb Gewähr dafür geschaffen werde, datz daS Reichsrecht auch in Bayern angewandt werde

Schlietzlich ergab die Forderung der Deut­schen Dolkspartei, durch Hiuzutritt von Vertretern der Denftch. nationalen Volküpartei zur sogenannten gan- großen Koalition zu erweitern, neue erhebliche WeinungSverfchiedenheiten Der Standpunkt der Deutschen VolkSpartei komm, in einer Zuschrift ihre« Verfitzenden Dr Scholz zum Ausdruck D« heitzt da u a. Bei der Be­sprechung ber Parteiführer wurde von mir die Frage zur Erörterung gestellt, ob in Anbetracht ber heutigen höchsten Rot de« Vaterland«« c« nicht angezeigt erscheine, die Regierung a u f breitest» Basi « zu stellen und tn ihr alle diejenigen Parieren zu vereinigen, bie auf bem Boden der staatlichen unb finanziellen Ordnung stehen In ber Frage, der ReichSvegierung weit­gehende Ermächtigung zur Durchführung der not­wendigen Gesetze auf finanziellem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiet zu erteilen, vertrat ich ben Standpunkt, datz meine Fraktion vorauSfichtlich die Zustimmung zu dieser Ermächtigung von der anderweitigen Besetzung be« einen oder anderen Rcssort« abhängig machen müsse Endlich betonte ich. datz die alle Forderung der VolkS­partei nach Steigerung der Arbeitsintensität zweck« Erhöhung der Prod.iktivn, bie in gegen­wärtiger Zeit be'ondere Bedeutung gewinnt, wei­terbestehe. und datz man letzten Ende« auch nicht vor einer Verlängerung der Arbeits­zeit in den dazu geeigneten Betrieben zurück­schrecken dürfe Alle diefe Fragen wurden von mir erörtert Von ultimativen Forderungen, in«- befenbere dem Reichskanzler gegenüber, kann nicht bie Rede sein

Heber den Verlauf der sich dieser Bespre­chung cmfchliehenden

FrattionSsitzuogen tm Reichstag wird un« aus parlamentartfchen Kreisen folgende« berichtet 3n der FraktonS- fitzung der Deutschen VolkSpartei war der Reichskanzler selbst anwesend und legte der Fraktion sein Programm dar Diese stellte sich durchaus hinler seine Potiiil. Die Dcatt che Valks- r-artei sprach lediglich den Wunsch au«, datz bei einer eventuellen Aenderung imReichSornäh» r u n g S m in i st e r i u m die Wiedervefetzang durch eine Persönlichkeit erfolgen fall, die daS Vertrauen der weitesten landwirt'chattlichen Kreise genieße Rnch einer noch nicht verbürgten Presse­meldung sollen der ReichSernährungSminister Dr Luther und der ReichSwirtfch-aitsminister von Raumer zurückgetreten sein

Da« Zentrum hat ebenfalls beschlollen. dem Programm de« Reichskanzler« zuzusttmmen ES lehnte auch eine Erweiterung be 6 Ka­binett« nach recht« nicht ab wenngleich e« ausgemacht fein dürfie. bah da« Zentrum auch an einer Mitarbeit ber sozial demokratischen Par­tei sestha11en möchte Die demokratische I Fraktic crflädc. datz sie auch an bei Persaner»-

frage nicht interessiert fei unb datz sie für da« vom Kabinett beabfichtigte Ermächtigungsgesetz stimmen würde, aber

nicht hi einem Kabinett mti btw Dentfch- nationalen zusammen bleiben würde. 3b die­sem letzteren Sinn entschiede» sich a»ch bk

Sozialdemokraten.

die ferner bezüglich be« Ermächtigungsgesetz«« in'ofem eine zustimmende Haltung clnnebmeit al# e« sich auf bie Währung«- unb ZinanzpotttU bezieht Dagegen lehnen die Sozialdemokrat«» da« ErmächNgungSgefetz ab. soweit eS sich auf bfe wirifchastllchen und sozialen Fragen be- zieht Autzerdem halten sie daran sest, datz thee drei Minister im Kabinett verbleiben

Da« Reich« ka binett trat gestern abend 4> - Uhr zu einet nochmatigen Sitzung zusammen, um zu der durch die ErNärung der Statttow» gclchafsenen Lage Stellung zu nehmen. Die B»- ral ungen betiakn insbesondere die Frage b« Mehrbelastung der Wirtschaft, die da» Kabinett auf Grund deS ErmächitgungSgefetze« durchzuführen gedenkt Die soziatdmrokrattfch« KabinetiSmitgliedei werden über die getroffenen Vereinbarungen ihrer Fraktion Bericht erstatten, die ibrerfett« ihre Stellungnahme bt« heute mittag dem ReichSkanzl'u zur Kenntnis bringen wird. Rach bem Stande der Verhandlungen erscheint e» nicht ausgeschlossen, datz bie Stellung der Sozial­demokratie zu, bayerischen Frag« noch etne 2tai- berung erfährt unb datz eine Einigung über bk anderen in Betracht kommenden Fragen stch er­möglichen lätzt Die ReichSiagSsitzung wurde aus einen unbestimmten Termin vertagt.

Die Sicherstellung der (Ernte.

Berlin. 3 Ott (WTB> Die Sicherheit»- oeihäUniste auf dem füzchen Lande nehmen auch die Aufmerkfamkell der ReichSvegierung in An­spruch. die in einem Rundschreiben an die Lan­desregierungen anregte. Vereinbar ittgen zur gegen! eiligen Hilfeleistung zu treffen, wo bie eigenen fßolueffrüft* nicht au»retchen einem besonderen Rotstande abzuhelfen Unbeschadet der Polizeihohetl der Länder wird tm Hinblick auf bie erhebliche Beteillauna be» Reiche« an ber Unter­haltung ber Pvlizeekräfte bi« 'Bertoenbuna ber Polizeiorgane ber Länder nicht nur für bie Inter­essen be« eigenen Lande«, sondern auch für da» deutsche ®efamti nie reffe tn Gestatt einer polizei­lichen Grenzhllfe ertnactel

Außerbeur wirb »ach der» Vorbild« Preuße»« die Bildung eine« Fttrrfchutze« empföhle», em da« platte Saab vor gewaltsame» ebüDirbm» gen gegen Produktion und Ge»te W schütze». Em solcher Flurschutz soll hr ber Regel daS Gebiet de« DrmeinbebezirkS nicht überscheetten,- wenn auch im Einzellall gegen da« Zusammen­wirken verschiedener Flurschllhabteilurwen nicht« emgewendel werden mag. so wird doch die Bil­dung eine« freiwilligen Flurfchatze« unter Füh­rung eine« Landjäger« ober eine« Schupvboim- icn ben Schutz be« flachen Lande« gewährleisten Uebrigen« ist eine beschleunigte, aus­reichend« Ablieferung der Ernteerträge durch bi« Erzeuger als da« beste, wirksamste Mitteigegen Plünderungen und Au«fchreitungen auf dem Lande anzusehen

Die AussSsoog deS sozialistisch«» TelbftschatzrS in Bayern.

München 2 Ok, <WTB> D«r B«lrtt» unb OrtSvvrstand München der Sozlaldemokratt- Ichen Partei bat bie Ortsgruppen von Südbayer« und Schwaben aufaefotbert. die SicherhettS- abteilunaen der Sozialdemokratischen Partei auf Erund der Verordnung be» Den er al^kurt« tom» miHar» al« a u f g e I ö ft zu betrachten. Den bis­herigen Führern unb Manns chatten der Sicher­heit »abl ei langen wird ber Dank der 'Partei aus­gesprochen und bemerlt. datz man nur ber Ge­walt gewichen fei, datz die Partei aber bie (t r « n g ft e Durchsührung der Auf- (b,ung»antoelfang verlange.

Wegen Verdacht« der Teilnahme an der kürzlichen Schietzerei tm Brüdermühloiertel. über die wir berichteten, wurde ber Apotheker Bouisson verbastel Boaiffon war bc r Ge 11 er ber ausgeh ob enen ! ozlaldemokra- tifchen Schutzabtetlungen, bvch hängt

Tragen vo» Waffe» berechtigt ist, der Berichterstatter jedoch »icht eetbeda toaste, ba» die 5ienef«» irgeidweiche Se­paratist»», bie tm Besitz vo» «affe» »et», behelligte».

Wie bet Berichterstatter schreibt, geben t* Franzofen zu, datz die Schietzeoei nicht von ber grünen Polizei eingelettet würbe, behaupten ajez. datz sie von .Agent« provoocucur«'' Hervorgerufe» wurde.

3n einem Schreiben an den Regierung Präsidenten tetlt General Denvigne« mit. dach die Düsseldorfer Schutzpolizei a u f g e l ö ftfete» die Stadtverwaltung verpflichte' werde, bte MW- murvile Polizei zu verstärken Heber menfetzung. Stärke und Beuxafsnu.^g der^Pol»« sowie über ben Zeitpunkt, H« zu welche» Vie Organtfattoa beendet sein müsse. Derbe btt d«. nMnhi»renbc be» omaertot1** aoch Ao» schriften erfassen Di« Angehörta«. der Sch»»» Pollzei sind talmriert.