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Nr. 55

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\ ostschecllonto:

Zranl urt a. M. 11686.

Samstag, 3. IHärj 1925

175. Jahrgang

Erstes Blatt

GktzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung rnd Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe |üc Anzeigeno 27 mm "Breite Srilich 70 Mk , auswärts 80 Mk.; für Neklame» Anzeigen von 70 mra Breite J00MK.Dei Platz- vorschr,lt20"/.Aufichlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst "Blumlchein; für den Anzeigenteil: Hans Bed» sämtlich tn (Biegen

Wochenrückblick.

Was kann geschehen, um die LeidenSzeit der Bewohner des Ruhr- und Rheingebietes abzukürzen? Man blickt dabei auf das Kabinett Cuno und fragt, was es innen» und außenpolitisch tun müsse. Solange sich solche Ueberlegungen in ruhigen, unaufdring­lichen Bahnen bewegen, sind sie natürlich und erlaubt. Die außenpolitische Seite des Problems hat Paul Rohrbach dieser Tage in einem von Amerika aus geschriebenen Ar­tikel der..Kölnischen Zeitung" wirksam unter­sucht. Alle Welt blickt ja hinüber nach dem Weihen Hause, sinnt darüber nach, was es wohl bedeuten könne, daß des Präsidenten Harding Vorschlag. Amerika möge dem In­ternationalen Gerichtshof beitreten, bis zur nächsten Kongrehtagung Ende dieses Jah­res vertagt wurde. England sucht sich eng an die Vereinigten Staaten anzuschließen; also ist es von ungeheurer Bedeutung, was man drüben über die Vorgänge in unserer West­mark denkt.

Rohrbach kommt mit ganz anderen Ge° sichtspunklen als Dr. Strecker, dessen Zeichen- dcuterei wir vor 8 Tagen hier besprochen ha­ben. Die öffentliche Meinung in Amerika hat, so berichtet Rohrbach, seit einem Jahre einen bemerkenswerten Umschwung gemacht. Die Rorthclisfsche Lügenpropaganda über Deutschland ist versandet. Wir brauchen ihr wahrlich keine antimvnarchischen Flugblätter im Sinne Streckers nachzustreuen. Die Ame­rikaner verfolgen mit großer Aufmerksamkeit die Geschehnisse an Rhein und Ruhr, weil sie. wie Rohrbach meint, von Haus aus für alles naiv Menschliche ein besonderes Interesse he­gen. Richt als ob sie dieses Interesse alsbald in praktische Handlungen übersetzten; zunächst lesen sie die mit Berichten über die französi­sche Ruhraktion reichlich angefüllten Zeitun­gen. Diesen Xlmftano müsse Deutschland sich zunutze machen, folgert Rohrbach. Vormals würde die deutsche Regierung sich vergeblich bemüht haben, das Ohr der amerikanischen öffentlichen Meinung für sich zu gewinnen, heute könne sie sich leicht Gehör verschaf­fen. Darum sei es zu wünschen, dah das Kabi­nett Euno alsbald mit wirksamen Reden und Kundgebungen hervortritt, die von Amerika und seiner Presse geradezu mit Spannung er­wartet würden.

Unsere Reichsregierung hat wirklich in den letzten Wochen das Wort nicht gerade ver­schwendet. Von unseren Ministern hörten wir kaum irgendwelche Reden großen Stiles; auch der Reichswirtschaftsminister Dr. Decker hat in den schwierigen Fragen, die sein Ressort an» gehen, eine offenbare Zurückhaltung geübt. Vielleicht hatte man dafür gute Gründe. Die Schändlichkeiten und Roheiten, die von den Franzosen und Belgiern in den besetzten Ge­bieten begangen werden, schreien selber laut genug zum Himmel; eine gewisse Wortkarg- hell der deutschen Regierung, die sich zumeist auf bloße Feststellung und knappe Widerle­gung der Verdrehungen unserer Gegner be­schränkte. mochte sich als zweckdienlich emp­fehlen. Aber schon ist auch innerhalb Deutsch­lands die Forderung erhoben worden, der offi­zielle Rachrichtendienst möchte alles We­sentliche sorgfältig sammeln und zu lücken­losen Listen feindlicher Verbrechen zusammen­stellen. Richt nur in der Auseinandersetzung mit Poincare soll dieses Material verwendet werden, sondern in der gesamten zivilisierten Welt. Erfreulicherweise hat daS Kabinett Cuno, wie heute amtlich verlautet, diese höchst wichtige Propagandapflicht nicht aus dem Auge gelassen. Sie hat auch bei den am Ein­bruch ins Ruhrgebiet nicht beteiligten Mäch­ten einen diplomatischen Schritt unternommen, um sie wachzurufen gegen drohende Katastro­phen. wie sie aus dem Treiben der Sttahen- räuber und Plünderer, aus den Herausforde­rungen brutalster und höhnischster Art in den geknechteten deutschen Landen sehr bald herauswachsen.sen. Jetzt müssen die Regie­renden des Reiches und der bettoffenen deut­schen Länder halten, was sie oft besprochen haben: gegenwärtig zu sein bei den Sorgen und Röten der abgettennten Gebietsteile, über sie zu wachen mit unermüdlicher Sorgfalt. Es gilt, alle skandalösen Ausschreitungen un­serer Feinde einwandfrei festzustellen, zu be­weisen, zu sammeln, mit Energie und Wucht diese Wahrheiten und Anklagen unter die Völker zu tragen! Dieser Kampf der deutschen Empörung ist keine unfruchtbare weibische Wortentladung, vor der ein Hamlet sich selbst erschreckte, ebensowenig wie man die große deutsche Volksbewegung in ihrer Leidenschaft­lichkeit und ihrer Widerspiegelung in der Presse etwa als Maulheldentum bezeichnen könnte. Einige große Blätter der äußersten Linken, z. B. ..Vorwärts" undFrankfurter Zeitung", melden in dieser Beziehung nämltch schon ihre weisen Vorbehalte an, ohne zu be­denken, dah die PhraseRie wieder Krieg!" dagegen ein Wortgebrau von der allerübelsten

Wirkung ist. Hat doch der sozialdemokratische Parteivorsttzende Wels sich bereits genötigt gesehen, gegen die französische Ausnutzung sei­ner letzten Rebe in Berlin, als bedeute sie deutlich den ersten Schritt zu einer Opposition gegen die Politik der Reichsregierung", öffentlich Verwahrung einzulegen!

Aber noch etwas anderes kann in außen­politischer Beziehung jetzt von der deutschen Regierung wirkungsvoll unternommen werden. Der deutsche Reparationsplan, der auf der Pariser Konferenz ungehört unter den Tisch fiel, wird jetzt in der Welt auf allgemeines Interesse stoßen. Darum sollte der Reichs­kanzler ihn nunmehr veröffentlichen lassen! Die vvlkSparteilicheSeit hat diesen Vor­schlag zuerst hervorgebracht, und er findet auch Zustimmung in der Linken und Rechten. Immer wieder müssen wir daran erinnern, was Deutschland an Zahlungen und sonstigen Einbußen bereits geleistet hat und wie es immer bemüht war, den Siegern und Be­drückern mit Vorschlägen zur Wiederversöh­nung entgegenzukommen.

Welche Aufgaben und Ziele drängt die innere Politik dem Kabinett Cuno auf? Wir sahen auf dem sozialdemokratischen Be­zirksparteitag in Berlin einen linken Flügel bei der Arbeit, die Regierung zu stürzen. Das Echo dieses Streites pflanzte sich in den Reichstag fort, wo der Reichswehrminister Dr. Gehler den Argwohn der Linken über die Verbindung der Reichswehr mit illegalen Vereinigungen zu zerstreuen wußte. Gewiß gibt es unverantwortliche Aeußerungen von links und von rechts aber ist es denn nöttg, solche abspringenden Kiesel lawinenartig an» wachsen zu lassen, den Volkskörper mit innerer Feinoschaft zu verseuchen? Was Herr Wels dementiert, scheint dieFrankfurter Zei­tung" wieder schroff hervorkehren zu wollen. Sie rief in ihrem gestrigen Leitartikel höchst nervös:Die Gefahren, die eines Tages das unbesetzte Deutschland mit den Furchtbarkeiten eines Bürgerkrieges anfüllen könnten, werden täglich größer, und es ist wohl an der Zeit, daß unser Volk selbst sich ihrer bewußt werde." O nein, es ist gar nicht an der Zeit, mit solchen Gedanken freventlich zu spie­len! Wir sehen nicht ein. warum ein voreiliges Wort Westarps, der als Vorbedingung für irgendwelche Verhandlungen mit Frankreich die Räumung sämtlicher deutschen Gebiete sestlegen möchte, den Kamps Aller gegen Alle entfesseln sollte, und warum wir uns so sonder­lich darüber aufregen mühten, dah der deutsch­völkische Abgeordnete Henning die Gefühl­losigkeit besah, zu erklären, erfreue sich auf den nächsten Krieg". Rein, an solchen Funken braucht sich das deutsche Haus nicht ßu ent­zünden. Es ist richtig, daß auch hier die Reichsregierung etwas bestimmter, schneidiger, aus ihrer Reservestellung heraustreten könnte, um solchen Streitereien den Boden zu ent­ziehen. Aber es ist auch traurig, dah partei­licher Argwohn die Gebote der Stunde immer wieder vergißt.

Wenn die Londoner Meldung richtig ist, daß die deutsche Regierung emsig bemüht sei, englische Kohle in großen Mengen zu hohen Preisen hereinzuschaffen, um den Fortbestand der deutschen Industrie zu sichern, so hoffen wir, daß sie auch in den Währungs- und Preisfiagen eine ebenso entschiedene und er­folgreiche Tättgkeit entfalten wird. Auch hier gilt es, einem friedlichen Einvernehmen zwi­schen Produzenten und Konsumenten die Wege zu ebnen. Der französische Prvpa- gandadienst beobachtet scharf die Vor­gänge im inneren Deutschland und sucht sie sich, oft recht tappig, zunutz zu machen. Vor unS liegt ein französisches Flugblatt, das sich höchst naiv in die Gunst der Rheinländer einschmeicheln möchte, indem es an der Spitze den Ausruf trägt:Rheinländer! Ihr wer de t betrogen l" Dann geht es mit einer geistigen Reitpeitsche gegen daS Kabinett Euno vor, in der Absicht, die Antipathie der äußersten Linken gegen diese Reichsregierung weiterhin scharf zu machen. Well der Reichs­minister Dr. D e ck e r den Ausspruch getan hat:Das Rheinland wird in schwere Rot ge­raten; wir hoffen aber, daß die Bevölkerung im Herzen deutsch bleiben wird" soll daS Ministerium Cuno schlechte Pläne verfolgt haben.

.Das Rheinland soll den Kopf Hinhalten. Versteht Ihr jetzt, warum man Euch von einem Streik in den andern Hetzen und zu irrsinnigen Revolten auf Hetzen möchte? . . . Denkt an die wahnsinnige Teuerung aller Lebensrnittel!Senft daran, daß die Kindermllch das Doppelte kostet, well sie mühsam mit Autos geholt werden muß. . . . Ihr sollt für Berlin tollen, damit Berlin im Bündnis mit Sowjet-Rußland den kommenden Krieg ungestört vorbereiten kann. . . . Rheinische Arbeiter, auf wessen Kosten gehen Streif und Krieg? . . . Die Beamten können ruhig streiken, die Eisenbahner können faulenzen, sie haben von Berlin Vorschuß bis zum Sommer! Aber Ihr?"

DaS sind nur einige Sätze aus der fran­zösischen Mache, die im übrigen auch gegen die Kapitalisten und dieBörsianer" ihr künst- licheS Geschimpfe losläht. Der Feind möchte wühlen in deutschem Part ei- hader das ist das ganze! Er weiß, daß eingefleischte Eifersucht bei manchem deutschen Patteibonzen noch stärker ist als der nationale Unwi lle über die Fremdhettschaft. Die Rhein­länder wissen wohl genug von solchen welschen Künsten; Mer auch die übrigen deutschen Ge­biete müssen sie kennen, um sie zu verab­scheuen und danach zu handeln!

Eine deutsche Note über dir Erdrosselung der Pressefreiheit.

Berlin. 2. März. Der Reichskommissar für die besetzten rheinischen Gebiete, Für st Hatz­feld t - W i l de n b u r g. hat im Auftrage der Reichsregierung an die Rheinlandskommission wegen der immer weiter gehenden Erdrosse­lung der deutschen Pressefreiheit im besetzten Gebiet eine Rote überreicht, worin es u. a. heißt: Die Rheinlandkommission und die französischen und belgischen Delegierten haben in ber (elVen Zeit aonc*-- "ine sehr große An;.ihl tcn Zellurgei Maßn hmen rgr ffen. die viel ach ?eradezu der Deiittu-.u.iu die,er Blätter gleich- cmmen. Richt allein die Verleger und Redakteure der hiervon betroffenen Zeitungen werden schwer geschädigt, auch weite Devölkerungsfreise sind in Mitleidenschaft gezogen. Insbesondere werden die in solchen Unternehmungen beschäftigten Ange­stellten und Arbeiter der Arbeitslosigkeit aus­gesetzt. Daß hierdurch eine weitgehende Erbitte­rung hervorgerufen und die öffentliche Ordnung ernstlich gefährdet wird, bedarf feiner weiteren Ausführungen. Die Aufzählung aller in der Zeit vom 11.1. ab ausgesprochenen Zeitungsverbote auf 10 Tage, einen Monat oder drei Monats würde zu well führen. Die Zahl der auSgrsprv- chenen Zeitungsverbote hat berestä ba8 erste Hundert überschritten. Mehrfach find sämlliche in einem Orte erscheinenden Zei­tungen gleichzeitig unterdrückt worden. Dies ist z. B. geschehen in Aachen, Trier. Mainz und Koblenz. Eine Anzahl von Schriftleitern wirtzen verhaftet und vor bas Kriegsgericht gestellt, einzelne Redakteure oder Verleger aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen. Wie sehr die Zeitungsverbote sich augenblicklich häufen, möge man daraus ernennen, daß z. D. in Kob­lenz eine Zelllang gleichzeitig verboten waren die sämlliche fünf am Ort selbst erscheinenden Zeitungen, ferner dieKölnische Zeitung", die Kölnische Volkszeitung", dieFrankfurter Zei­tung" , dieDeutsche Allgemeine Zeitung" und der Tag", außerdem dasLahnsteiner Tageblatt" sowie das weitestverbreitetste Blatt an der Mosel, dieTrierische Landeszeitung"..Die Bevölkerung von Koblenz und Weiler Bezirke am Mittelrhein und an der Mosel war also während dieser Zeit nahezu vollkommen ohne Rachrichten, und die Behörden hatten keine Möglichkeit, amt­liche Bekanntmachungen zu veröffentlichen. Die Devöllerung konnte nicht mehr über die Ver­sorgung mit Lebensmitteln, vor allem mit Brot, unterrichtet werden, und Handel und Industrie konnten sich nicht mehr über die Lage auf den Märkten usw. unterrichten. Infolgedessen trat gerade in der jetzigen bewegten Zeit die Ver­breitung von Gerüchten ein, durch welche die Bevölkerung andauernd beunruhigt und in Er­regung gehalten wird. Zudem sind die Zeitungen gezwungen worden, Bekanntmachungen der Besahungsbehörden aufzunehmen, die tm Widerspruch mit der Zusicherung der Rheinland- kommissivn stehen. Die Weigerung, solche Be­kanntmachungen aufzunehmen, hat man zum An­laß genommen, wiederum Verbote über die Zei­tungen zu verhängen, obwohl diese Strafe in Art. 15 der Ordonnanz 97 überhaupt nicht vor- gesehen ist. Umgekehrt Hai man es den Zei­tungen verwehrt, die Auffassung der deutschen Regierung und ihre eigene Ansicht zum Ausdruck zu bringen. Eine derartige Unterbinbung der Freiheiten der Presse und des Rechtes der freien Meinungsäußerung dürfte weder mit dem Rhein- landabkommen noch mit den Zusicherungen der Oberkommissare an die Presse in Einklang zu bringen sein. Vor allem aber handelt es sich um die in die gesamte rheinische Bevöl­kerung bineingetragene 'Beunruhi­gung. Diese wird gezwungen, in der eigenen Presse Kundgebungen zu lesen, die mit dem Vaterlandsgefühl in direktem Widerspruch stehen, andererseits versucht man damit, die Devöllerung auf gewaltsame Weise von den Austastungen unb ber Gedankenwelt des eigenen Vaterlandes ab» zu schnüren. Der Rheinländer wird hierin eine ungerechtfertigte Schmälerung eines wesentlichen bürgerlichen Rechtes erblicken, auf das er sowohl generell als Kulturvolk sowie auch unter den Garantien des Rheinlandabkvmmens unbedingt Anspruch erheben darf.

Neue Ausweisungen.

Trier, 3. Marz. iWTB.s Gestern vormittag werde der bell Zertret ende Reai'-mngspräsident Forltrat Koks frrner Fvrstrat Wegener und Forbaste'str Hasenkamv von bea Franzosen zum Regierungsgebäude befohlen, wo ihnen der Ausweisungsbefehl mitge'.eiU wirbe Sie wurden unmittelbar darauf fort geschafft.

Darmstadt vor der Besetzung?

Darmstadt, 3. März. iWTD.) Die Franzosen haben heute früh kurz vor Ar. beitSbeginn die ^okomotivwerkstatte, die hart au der Grenze desDrücken- köpfe S liegt, mit einer kleinen Abteilung franzöf scher Truppen besetzt. Der komman­dierende General ließ die Arbeiter fragen, ob sie die Arbeit unter französischer Aufsicht fo:b setzen wollte?, waS rundweg abgelehnt wurde. Die rbeitet verließen darauf die Ar­beitsstätte. Darauf besetzten die Fran­zosen auch die DetriebSwerk- stätte, wo die Arbeiter ebenfalls die Arbeit niederlegten. Bei der Abtei­lung Franzosen befand sich ein französischer Ingenieur, der über alle wichtigen DettiebS- punkte genau unterrichtet war, und der überall dort Posten aufstellen ließ. Rach dieser Aktion besetzten die Franzosen auch den G ü t e r b a h n h o f, wo der Betrieb auch ein­gestellt wurde. Weitere Besetzungen sind bis jetzt noch nicht erfolgt, doch treffen die städti­schen Behörden alle Dorberelluugen, um durch ein weiteres Dorrücken der Franzosen nicht überrascht zu werden.

Im 2 a g e r G r i e s h e i m, wo sich seit längerer Zeit keine französischen Truppen mehr befanden, sind in den letzten Tagen 1 0 biS20LastautoSmitneuenfranzö- sischen Truppen eingetroffen.

Darmstadt, 3. März. (WTD.) Rach demHessischen Dollsfreimd" sind die Franzosen bis an die Reckar- Main-Dahnherangekommen. Eben­so haben sie die Ueberführungsbrücke am neuen Bahnhof auf der Straße nach Gries­heim mit Maschinengewehren beseht. In dem Walde in der Richtung nach Griesheim habe« sie weitere Reserven angesammelt Hebet die Zone, die im Friedensvertrag als Drückenkopfzone festgelegt ist, sind sie bisher nicht vorgedtungen. Der Hauptbahnhof ist biShetnochftei. Die Züge verkehren jedoch nicht, uud bet Betrieb ist vollständig eingestellt.

Ein Vorstob nach Mannheim?

Mannheim, 3. März. (WTB.) Im Mor­gengrauen haben die Franzosen heute früh den Rhein überschrillen in Stärke von mehreren Kom­pagnien. Es scheint, daß sie das Hafengebiet durch die Besetzung einer Linie abschließen wollen, die etwa über den Parkring, Reckarbincke, Luhea- bergschule nach dem Meßplatz verläuft.

Die Bürgermeister von Pirmasens zu hohen Gefängnis» strafen verurteilt.

Mainz, 3. März. (WB.) Der Ober bür« getmeifter Fr. Strobel auS Pirma­sens wurde von dem frcm-ösifchen Krllgsgcttcht zu 4 Iohten Gefängnis und 10 Millionen Mark G l. strafe ve.utteilt, well er einen Befehl des Kreisdelegietten der interalliierten Rhein» land komm ll>n, Plakate antlebm zu lassem nicht befolgte. Der zweite Bürgermeister von Pirma­sens Wilhelm Kemmer ling erhielt 5 Iohre Gefängnis und 15 Million! Mark Gel-dstiafe, weil er den Befehl des Kreisdelegietten, die <xn= {cbeftetcn Plakate polll^llich bewachen zu lasten, nicht befolgte und weil er in der 6:o'tt>eiorbncten- versammlung eine Protestkundgebung beschließen lieft, in welcher die Verkostung Oberbürger- m istets und des Poliz -idir.ktors von PermasenS als unrechtmäßig bezeichnet wird.

Die Fortgang

der französischen Untaten.

Berlin, 3. März. Die Blätter bringe» eingehende Schilderungen der Verwüstun- gen in den Gelsenkirchener Poli­zeirevieren durch die Franzosen. Die Franzosen haben die Schränke gewaltsam er­brochen und auch die Men sind beschmutzt oder vernichtet; die Telephonanlagen find kurz und klein geschlagen, oder aber mitgenommen. Im großen und ganzen haben sie wie die Vandalen gehaust. In der Privat Woh­nung des Hausmeisters des Polizeipräsi­diums zerstörten die Franzosen zwei ^Um­mer bis zur Unkenntlichkeit. Rach einer Meldung derDossischen Zeitung" ist auch das Wohlfahrtsamt in Gelsenkirchen, in dem die Angelegenheiten der Sozialrentner, der Kriegshinterbliebenen und Kleinrcntner bearbellet werden, zum^weiten Male von den Franzosen völlig abgesperrt worden.

Berlin, 2. Marz. Die Franzosen gingen in Stärke von etwa 6000 Mann mit Tanks. Geschützen und Maschinengewehren gegen den. Flugplatz Rotthausen vor, wo sich dte Quartiere der Schutzpolizei Gelsenkirchens be­finden. Rach Umzingelung der Unterst, nsts- räume wurden sämlliche Schutzpolizei­beamten, im ganzen 4 Offiziere und 270 Mann, verhaftet und auf Lastwagen nach Essen transportiert Sie werden wahrscheinlich aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen.

Rach einer Meldung desBerliner Tage­blattes" aus Bochum ist der Wa»en-