frtnfage fordert zur fvforrtgen Ausführung von dnftanbfebung&irbetten am Drunnenturm des Brunnens I in Bad Salzhausen den Betrag von 81 000 Mk. Der Abg. Nuß beantragt, daß auch den Reichsbeamten in Hessen, die vor der Berreichlichung im hessischen Staatsdienst standen. 2 Raummeter Holz überwiesen werden. — Der Abg. Dr. Dehlinger beantragt die alsbaldige Ausbaggerung der Schwarzbach und der Abg. Dr. Werner fragt an wegen des Verbotes des deutsch-völkischen Schuh- und Truhbundes, sowie wegen der überhandnehmenden Werbearbeit für die Fremdenlegion. Sn beiden Fällen wünscht er Auskunft, was die Regierung hiergegen zu tun gedenke.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 31. Oktober 1922.
An die Leser des Gießener Anzeigers!
Mit dem rapiden Marksturz ist eine weitere erhebliche Preissteigerung des Papiers, der Löhne, Gehälter und der übrigen Her- ftellungslosten der Zeitungen verbunden. Deshalb sehen sich auch die unterzeichneten Zeitungen genötigt, eine entsprechende Erhöhung der Dezugsgebühren eintreten zu lassen.
Oberhesstfche Zeitung, Alsfeld
Bad-Nauheimer Zeitung
Hinterländer Anzeiger, Biedenkopf Allgemeiner Büdinger Anzeiger Butzbacher Zeitung
Dill-Zeitung, Dillenburg
Aeue Tageszeitung, IriSdberg Oberhesstscher Anzeiger, Friedberg Gießener Anzeiger
Oberhesstfche Dolkszeitung, Gießen
Grünberger Anzeiger
Herborner Tageblatt
Hungener Landpost
Lauterbacher Anzeiger
Oberhesstschs Zeitung, Marburg Hessische Landeözeitung, Marburg Aiddaer Anzeiger
Schützer Bote
Schottener Kreisblatt
Weilburger Tageblatt
Wetzlarer Anzeiger.
Die BezugSgeüühr des Gießener Anzeigers betragt für den Monat November 185 Mark, der Teagerlohn 15 Mark, bei den Abholestellen in Gießen 195 Mark. Preis für die Einzelnummer 8 Mk., SamStags 10 Mk.
Der Milchpreis in Gießen.
Gestern wurde durch SchiedSge- richtsspruch die Grundlage für den nepen, ab 1. November geltenden Milch- preis geschaffen. Der Stallpreis einschl. der Wolkereispanne, wurde auf 60 Mk. Pro Liter festgesetzt. Unter Hinzurechnung der Milch- Ltsträgergebühr und der sonstigen mit dem Milchbezug in Verbindung stehenden Ankosten bedeutet diese Festsetzung einen voraussichtlichen Kleinverkaufspreis für Gießen ab 1. November von 7 0 Mk. für das Liter. Die endgültige Festsetzung des Kleinverkaufspreises erfolgt im Laufe des heutigen Tages durch die zuständige städtische Deputation. Eine amtliche Be° kanntmachung hierüber wird in unserer morgigen Ausgabe erscheinen.
Das Notgeld.
Der RcickBsrnanzminister hat, ermächtigt durch das Gesetz vom 14. August ds. Zs., einzelnen Ländern, Städten, Gemeinden unb Snduskrieunter- nehmungen die Ausgabe fron Notgeld gestattet. Dieses Notgeld kann seinen Zweck nur erfüllen, wenn es auch fron den öffentlichen Kassen anerkannt und in Zahlung genommen wird. So hat die Reichsbahn, wie die „ReichszLntrale für Deutsche Berieh rswerbung" mitteilt, sämtliche Eifenbahnkassen angewiesen, Notgeld in den Grenzen des Geltungsbereiches
Giehener Konzertverein.
Gießen, 29. Ott.
Klavierabend: Alfred Hoehn.
Bacy: Präludium, Fuge unb Alegro Es-Shir. Beethoven: Sonate op. 31 Nr. 2. Schumann: Phantasie op. 17. Chopin: Darcarolle, Mazurka. Vreluoe Fis»®ur, Nocturne op. 27 Nr. 2, As-Sur» Ballade.
Der Gießener Kvnzertverein hat sich von der wachsenden Not der Zeitverhältnisse nicht nieder- zwsngen lassen. So hat er denn auch den Unstern, der über dem ersten diesmaligen Konzert aufzugehen drohte, zu bannen vermocht. Der im letzten Augenblick gewonnene Frankfurter Pianist Alfred Hoehn entzückte die Hörer durch feinsinnige Ausführung eines mit edlem Geschmack zusammengestellten Programms. Die große Linie und zwingende Gewalt, toite sie einem Paul Schramm (23. Januar 1921) eigen war hat Alfred Hoehn nicht, will er Wohl auch nicht haben. Aber er hat ein rechtes Dichtergemüt, das nur eigensinnige Rechthaber unberührt lassen kann: er ist ein Schonheitssucher, der im Garten her Kunst '.ahmwandelt und vor den Blumen, die ihm gefallen, verweilt, ohne viel Amschauen nach den Nachfolgenden und viel Gedanken um das Ende des Weges. Nicht als ob fein Spiel Launen auf- wiese: dazu ist er zu kultiviert und zu ernst. Der Abend war scharf zerlegt in einen klassischen und einen romantischen Teil: und in dem ersteren uxtr der Künstler in dem Bewußtsein, ein hohes Erbe zu verwalten, voll gewillt, die geforderte Selbstzucht zu üben.
Er begann mit einem selten gehörten Stück von Bach, der sechsten der selbständigen präludierten Fugen. Das Werk hält sich bei allen Anforderungen an Sicherheit und Aeberblick in verhältnismäßig ruhigen Dahnen, und ist als Unter- tage eines ausgedehnten Klavierabends sürSpieler und Lauschende gleich vortrefflich geeignet. Es
folgte die zweite Klaviersonate des mittleren Beethoven. Gegenüber den hier gestellten großen Ausgaben und besonders dem orchestral ausgebauten Mittelsatze bewährte der Künstler seine ausgereifte Technik und bedeutende Gestaltungskraft.
Aber bet eigentliche Alfred Hoehn trat doch in Schumanns Phantasie hervor. Es ist wahr: er faßte mitunter etwas rauh zu, unb trug für den Charakter des zweiten Teiles reichlich stark auf. Aber es darf gesagt werden wie seinerzeit gegenüber Zuckmayers Bortrag desselben Wertes — den wir nicht haben hören können —: man vergaß gern anderer Meinung xu sein. War es doch im ganzen und zumal in den träumerischen ' Partien, als sei Robert Schumann selbst an den Flügel getreten. Ein lieberströmen im Ausbruch der Leidenschaft und in unvermittelt anschließender sich selbst auflösender Gefühlsseligkeit, beides gebändigt durch vornehme Lauterkeit als Grundzug der Seele, schien aus Schumanns Wesen in Hoehns Spiel hinüber geflossen. Er ist ein berufener Interpret der Schumannschen Kunst. Besonders herzlicher Beifall des nicht leicht zu erwärmenden Gießener Publikums lohnte die hervorragende Leistung.
Nicht gam so vollkommen schien sich ihm Chopin zu erschließen. Hoehn zog auch ihn ganz in desn Kreis feiner vorherigen Au-sfasi rngsweise. Aber nicht nur, daß hier die Dichtung zu sehr zur Ilmdichtung wurde und erhebliche rhythmische unb sonstige Willkürlichkeiten, ja infolge übertriebenen Schwachspiels auch Undeutlichkeiten sich einschlichen. Sondern durch das einseitige Hervor- ziehen des weiblichen Einschlags in Chopins Musik tarn geradezu eine Mädchenhaftigkeit in den Bortrag hinein, die denn doch der Herbheit und kühnen Gedankengröße des genialen Polen nicht gerecht wird. Die sinnverwirrende Farbenpracht der Darcarolle wurde gar zu flüchtig durchmessen: und besonders schwer war cs zu verzeihen, daß Hoehn der sicherlich berechtigten Tradition, das
durch machtvolle Oktaven unterstrichene Wieder- einsctzen der Wassersahrt mit berauschenden Klangmassen auszu statten, den auffallendsten .Widerstand entgegensetzte. Besser mußte seiner Art das ergreifende, tränenschwrve Präludium in Fis-!2>ir gelingen, auch das Ves-Dur-Noctume, der unübertroffene Meistersang der Liebes- Hingabe. Gegenüber der ^L-Dur-Dallade schloß sich Hoehn folgerichtig! einer neueren Biographie an, die uns glauben machet! will, die Ballade spiele in einem mondänen Salon, statt in den glitzernden Festsälen eines KönigSschlosses. Indessen gab er in eigentümlichem Gegensatz zu Paul Schramms Ausführung die große Heber» leitung mit ihrem mächtigen Empor rauschen und gewaltigen Schlußsteigerung in packender Breite: während dann gerade das Hauptthema wieder nahezu unbeachtet vorüber eilte.
Daß wir dem vor^glichrn Künstler für einen hochinteressanten, genußreichen Abend zr aufrichtigem Dank verpflichtet sind, mag zum Schlüsse ausdrücklich jeden Zweifel entrückt werden. R. H.
Lorenzo Azartis: „Tafanova".
(Frankfurter Uraufführung.)
Frankfurt a. M., 29. Olt.
Die buntschillernde Figur des liebeskundigen Abenteurers »Casanova, Chevalier v. Seingalt" übt in neuerer Zeit einen merkwürdig starken Reiz auf die Dramatiker verschiedener Züngen aus, und dem reichen Kranz von galanten Episoden, den er selbst geflochten hat, ist auch eine „sentimentale Komödie" des Portugiesen Lorenzo Azartis (deutsch von Else v. Nollander) entnommen, die im Frankfurter Neuen Theater zur erfolgreichen Uraufführung kam. Drei Akte sind hier um die faszinierende Persönlichkeit des Dene- tianerS gerankt, und sie werden verknüpft nur
anzunehmen im® auch zu Zahlungen zu verwenden. Es wird an den Eifenbahnschaltern also stets nur das Notgeld angenommen, dessen Ausgabeort im Bereich der Reichsbahndirektion liegt, denn es würde zu einem Wirrwarr von verschiedensten Notgeldichemen führen, wenn man seine Freizügigkeit und seine Geltung nicht aut bestimmte Landes- und Ortsgrenzen be- schränkte. Die Reichspostverwaltung hat es den OberpostdirettionLn anheimgestellt, das behördlich zugelassene Notgeld bei den P o st k a s s e n im Gemeindebezirk und in der näheren Umgebung des Ausgabcortes in Zahlung zu nehmen. Uebrigens müssen auch beschädigte Nvtgeldscheine von dem Herausgeber eingelöst werden, wenn ein Teil des Stückes vorgelegt wird, der größer ist als die Hülste.
KraftpoftverbindungWetzlar—Gießen.
Gültig ab 1. November 1922.
IW I1IW km li« IVW
7.40 3.10
7.50 3.20
8.01 3.31
8.15 3.45
8.18 3.48
8.29 3.59
8.35 4.05
8.43 4.13
8.52 4.22
8.55 4.25
9.03 4.33
9.15 4.45
0 ab Wehlar Bahnhof
2 M „ Obertor
5 „ Lager
9 Großrechtenbach
10 Kleinrechtenbach
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Kreuzpunkt Mendorf
21 ▼ Kleinlinden
13
14
16
18
19
Hochelheim Hörnsheim Kreuzpunkt Gr.-Linden Lützellinden
24 an Gießen Postamt
an 11.00 7.00
10.50 6.50
10.39 6.39
10.25 6.25
10.22 6.22
10.11 6.11
10.05 6.05
9.57 5.59
9.48 5.51
9.45 5.49 ft 9.37 5.39 ab 9.25 5.30
Die Einrichtung dieser Kraftpostverbindung erfolgt zunächst nur probeweise.
*
* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 28. August der Otubienrat an der Höheren Mädchenschule in Bingen Rudolf Dumont zum Studiendirektor mit Wirkung vom 1. April 1922 an; am 28 September der Kanzlist Adam Krichbaum zu Lindmsels vom 16. Oktober 1922 an zum Kanzleiassistenten bet der Ohersörsterei Lindenfels; am 10. Oktober der Zustizpraktikant Karl Schneider zu Ortenberg zum Oberjustizsekrctär .bet einem noch zu bestimmenden Amtsgericht; der Hnsttzpraktikant Karl Höll zu Lauterbach zum Oberjustizsekretär bei dem Amtsgericht Lauterbach; der Iustizprak- tifant Johannes G ö ttmann zu Darmstadt zum überplanmäßigen Ministerialrefrisor bei der Registratur des Ministeriums der Justiz; der Husttz- prattikant Hans H o o s zu Osthofen zum Ober- justizsekretär bei einem noch zu bestimmenden Amtsgericht; am 11. Oktober der Iustizprakttkant Rodert Werner zu Darmstadt zum überplanmäßigen Ministeriatrevisor bei der Buchhaltung des Ministeriums der Justiz; am 20. Oktober der» Militäranwärter Jakob Glock zu Wöllstein Arnlsgehilsen bei dem Amtsgericht Wöllstein; am 26. Oktober die Franziska Maye r in Bensheim mit Wirkung vom 1. April 1922 an zur Küchrnhaushälterin an dem Ernst-Ludwig-Seminar in Bensheim: am 28. Oktober der Regierungsrat Theodor Franz in Schotten zum Dorsteher des Finanzamts Seligenstadt; der Steuerinspektor Karl Hof in Darmstadt zum Ober» steuerinspettor; der Lehrer Otto Jockel zu Crainfeld zum Lehrer in der Volksschule zu Hungen, Kreis Gießen. — In den Ruhestand versetzt wurde am 27. Oktober der Kanzleiasfistent der Oberförster ei Storndors Karl Hamel zu Storn- dorf bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, auf Nachsuchen, vom 16. Oktober 1922 ab unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste, mit dem gesetzlichen Ruhegehalt.
L.ül. Don der Landes-älniversität. Zum Lektor für Spanische Sprache an unserer Universität wurde Ricardo Ruppert-Y- Lijaravi aus Madrid berufen.
** Fritz Kühn t- Der Heimgang dieses Mannes wird in weiten Kreiser: unserer Bürgerschaft mit aufrichtiger Trauer empfunden. Fritz Kühn, der das ■ 70. Lebensjahr fast vollendete, widmete einen sehr großen Teil feiner Arbeitskraft und Zeit d?m öffentlichen Wirken, und reiche Erfolge waren der Lohn seiner hingebend-en Tätigkeit. Er war Mitbegründer des Alpenvereins, Sektion Gießen, dem er seit der Gründung als Vorstandsmitglied angehörte. Dem hiesigen Der- kehrsverein \ tr er als Geschäftsführer in lang- fäh iger Täu . k?it außerordentlich förderlich, und auch im Verschönerungsverein, im Gleiberg-Verein, im Dünsberg-Derein und im Vogelsberger Höhen-Club war er ein hervorragendes Mitglied. Dor etwa zwei Jahren gründete der nun Entschlafene den hiesigen Rentnerbund, dem er etwa zwei Jahre als Vorsitzender Vorstands bis ihn Arbeitsüberbürdung zwang, dieses Amt in andere Hände zu legen. Neben diesen Vereinen gehörte
Rupn noch zahlreichen wetteren Drganifancmen an. Beseelt von inniger Freude an der Natur und am Wandern war er gerne draußen in Wald und Feld. Die engere Heimat durchstreifte er besonders gerne. Zur Förderung des Wanderns setzte er sich besonders für eine gute Wegemarkierung in der Heimat ein, und auf diesem Gebiete hat er sich große Verdienste erworben. Größere Reisen unternahm er auch in die Alpenwelt, namentlich in die bayerischen Alpen. Wander- und Reiselustigen stand er jederzeit mit klugem Rat bereitwilligst zur Verfügung. Sein menschenfreundliches, allezeit hilfsbereites Wesen, sein sonniger Humor und seine Lebensklugheit, die ihm auch hals, Schicksalsschläge in der Familie leichter zu überwinden, haben ihm sehr viele Freunde und Verehrer gewonnen, die ihm über das Grab hinaus dankbar sein werden.
** Die Holzabfuhr aus denWal- dunaen der Oberförsterei Gießen muh bis zum 15. Dezember beendet sein. Man beachte die heutige Bekanntmachung.
**DiesreieAnfuhrderFichten- deckreifer vor das Haus der Besteller kann die Stadtverwaltung nicht durchführen lassen. 3n einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil werden die Besteller ersucht, die Wellen im Hose des Stadthauses, Garten-- strahe, abzuholen. Näheres geht aus der amtlichen Veröffentlichung hervor.
** Volkshochschule. Wir werden gebeten. daraus hinzuweisen, daß der Stundenplan der @Icmentarturfe im gestrigen Anzeigenteil einen Irrtum enthält. Der Kurs „Praktische Anwendung der Algebra und Geometrie" findet nicht am Freitag, sondern am Mittwoch statt.
" Mus ikalien-Ausstellung. Im Schaufenster und im Geschäftslokale der Musikalienhandlung Ernst Challier befindet sich vom 30. Oktober bis 4. November eine Ausstellung des weltbekannten Musikverlages D. Schvtt's Söhne, Mainz, (Siehe Anzeige.)
*r Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. Die Filmvperette „Wenn die Liebe nicht wär" besitzt' alle Qualitäten, um einige Stunden an» genehm zu unterhalten. Außer der humorvollen Handlung erregten die gefälligen Melodien den Beifall des Publikums. Es sei noch besonders darauf hingewiesen, daß nur zwei geschlossene Vorstellungen gegeben werden, und zwar um 7 und 9 Uhu abends.
Wettervoraussage
für Mittwoch:
Wolkig, später ausheiternd, einzelne Regenschauer, kühl, Nordostwind, Äachtfrvst- gefahr.
Das Ties ist nordostwärts gezogen. Aus seiner Rückseite haben wir wieder mit Sin- strömungen kalter Luftmassen zu rechnen.
Vornotizen.
— Lageskalender für Dienstag : Stadttheater, 1 Uhr: „Des Meeres und der Liebe Wellen." — Hörsaal 44 der Universität, 8V4 Uhr: Bortrag der Hessischen Bereinigung für Volkskunde. — Hotel Hindenburg, 8V» Uhr: Bortrag des Alldeutschen Ber- bandeS. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn die Liebe nicht wär'!" und „Baby
Pepph.
— Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Gießen läb im heutigen Anzeigenteil zu einem Lichtbildervortrag von Dr. h. c. H. ©ebner, Major a. D. über das Thema: „Während der Kriegsjahre unter den Kannibalen des unerforschten Innern von Neuguinea" ein.
— Eine Handwerkerverfammlung findet am Donnerstag, 2l/$ Uhr nachm., im Post» feiler statt (Siehe Anzeige.)
— Gin Wohltätigkeitskvnzert findet morgen im Cafe „Ernst Ludwig" statt, zugunsten der Notdürftigsten der Stadt Gießen. (Siehe Anzeige.)
Landkreis Gießen.
* Grvßen-Duseck, 30. Oft Werkmeister Heinrich Roth von hier begeht am 1. November sein 25jähnges Meisterjubiläum bei der Firma Zigarren- und Tabakfabriken Kling- spor, G. m. b. H., Gießen.
* Steinberg, 31. Okt. Heute morgen, kurz nach 5 Uhr, brannte die Scheuer des im Gießener Gaswerk beschäftigten, und gerade von der Arbeit heimkehrenden Arbeiters Schmidt bis auf die Grundmauern nieder. Die Entstehungsursache des Feuers
qt zur Zeit noch ungeklärt. Man vermutet Kurzschluß in der elektrischen Leitung.
* Odenhausen, 30. Oft. Erne nachhaltige und eindrucksvolle Feier fand gestern zur Einweihung des Denkmals für die Gefallenen in an» feiern Orte statt. Unter Glockengeläute und den ernsten Weisen eines Pvfaunenchors bewegte sich der Zug zülr 'Kirche, in deren Einfriedigung das Denkmal seine Aufstellung gefanben hat. Ein Mächtiges Lungsteinkrenz, rechts and links flankiert von den Gedächtnis tafeln der Gefallenen, erhebt sich aus der Maaer. Chöre des Posaanen» chors und des Gesangvereins eröffneten die Feier; dann folgten die ülebergabc des Denkmals durch Regierungsbaimeister Schneider (Gießen), die Enthüllung unb Weihe durch den Ortsgeistlichen, Pfarier Kröll, der in ergreifender Rede Rückschau hielt unb Kranzniederlegungen durch den Bürgermeister unb die Vereine des Ortes: Mit beir. Schlußwort des Lehrers, daß bas Denkmal den Lebenden auch zur lZNahnung dienen solle, klang die würdige Feier aus.
Starkenburg und NheinhSffen.
um. Darmstadt, 30. Okt. Kammersänger Weber, das frühere längjährige, hervorragende Mitglied des Landestheaters, ist gestern auf der Heimreise von der Schlaraffentagung in Mecklenburg einem Schlaganfall erlegen.
tob. Mainz, 30. Okt. Nachdem bereits am Samstag nachmittag die ersten Schneeflocken an den Eintritt des Winters erinnerten, setzte am gesttigen Sonntag im ganzen Mittelrhein-undMainaebiet nach einem scharfen Ostwind heftiges Schnee- g e st ö b e r ein. In den Abendstunden erwärmte sich die Temperatur etwas und der Schneefall ging in einen leichten Regen über.
Hesfen-Rassau.
fpd. Frankfurt a. M., 30. Oft. Bei dem am Samstagabend im Amsterdam-Baseler O-Zug überfallenen Amerikaner, worüber wir gestern bereits berichteten, handelt es sich um den der amerikanischen Armee angehörenden Major James Sauer wein, der einer amerikanischen Delegatton in Koblenz zugeteilt ist. Der Nkajvr befand sich auf einer Reise nach Basel: sein Zustand hat sich über Nacht etwas gebessert, so daß mit Erhaltung des Lebens gerechnet werden kann. Auf sofortige telephonische Mitteilung der Frankfurter Kriminalpolizei erschienen noch am Sonntag fünf Herren der ame» rikamschen Abordnung in Frankfurt, um hier nähere Aufschlüffe zu geben. Rach den ganzen llmftänben muß angenommen werden, daß es sich um einen Raubmordversuch handelt, bet dem aber politische Motive ausgeschlossen sind. Dem Major wurde bte Brieftasche mit 500 französischen, 700 Schweizer Franken, etwa 300 Dollar und die Personalpaptere, sowie die goldene Uhr geraubt. Mit Sicherheit ist ferner anzunehmen, daß die Bluttat bereits im besetzten Gebiet au ^geführt worden ist. Die Ermittlungen haben ferner ergeben, bah Major Sauerwein in Koblenz zusammen mit entern noch nicht festgestellten Herrn den O-Zug bestiegen hat. Ob dieser Herr als Täter in Frage kommt, konnte noch nicht festgestellt werden. Erst kurz vor Abgang des Äuges aus Frankfurt abends 11.50 ülhr fanden Reisende den Schwerverletzten im Abteil liegend vor. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der ober die Täter schon in Wiesbaden den Zug verlassen haben.
fpd. Frankfurt a. M., 30. Okt. 3n der Nacht zum Sonntag drangen, polizeilichen Mitteilungen zufolge, drei betrunkene marokkanische Soldaten von dent in Höch st a. M. gamifonierenben Marokkaner-Regiment zwischen den Vororten Rödelheim unb Sossenheim in die Wirtschaft vo t K u l l - mann ein und verlangten von dem Wirte Schnaps. Als ihnen dieser verweigert wurde, überwältigten die Soldaten i ren wachthabenden Unteroffizier, nahmen ihm die Munckion ab und hielten die Wirtschaft etwa eine Stunde lang unter „Schühenfeuer". Hierbei erhielt der ledig? 28jährige Schreiner Peter Ried aus Sossenheim einen 'Bauchschuß, an dessen Folgen er kurz nach der Einlieferung in das städtische Krankenhaus verstarb. Ob Ried als Gast in der Wirtschaft oder als Zuschauer auf der Straße zugegen gewesen ist, konnte noch nicht festgestelli toerben. Die betrunkenen Marokkaner wurden später von inzwischen aus Höchst alarmierten Soldaten überwältigt und verhaftet.
heutiger Stand des Dollars
10 Uhr vormittags:
Berlin 4550, Frankfurt a. M. 4550.
durch den Helden selbst und bas eine Liebeserlebnis, das sich aus der zahllosen Kette als ein bleibender Eindruck heraushebt. Er wird weiterleben — so fllngt mit der Komödie das Schicksal dieses leidenschafllichen, ewig bewegten Temperaments aus in dein Kinde dieser Henriette, die sich ihm vor 22 Jahren in heißester Liebe ergeben bat Die Herkunft aus der Novelle, ja der Anekdote, verleugnet sich in dem 6tücf' nicht, gleicht doch die Handlung mehr einer Folge von Episoden und Ginzelaoenteuern als der Zusammenballung einer einheitlichen dramatischen Aktion. Daß es immer gefährlich bleibt, Dezennien zwischen den Verlaus eines Stückes zu sehen, beweist auch hier der 3. Akt, der ein ganz neues, nur äußerlich verbundenes Momentanbild bringt, das letzte Aufflackern der Sinnlichkeit und das müde Verlöschen einer stolzen ruhelosen Statur. Vorher ist manches recht hübsch geraten, wie etwa der übermütig tolle Ausgang des 2. Aktes, wo die — nach Henriette entsandten - Postillione dem Casanova drei Mädchen in die Arme werfen und er seine ganze Liebeskunst und Meisterschaft entfaltet, ober überhaupt bte Zeichnung seines halb ritterlichen, halb vagabunden- haften Wesens. Hedenfalls hat dieses Charakterdrama mancherlei Stimmungswerte unb langweilt den Hörer nicht. Freilich, im Grunde ist es eine Transkription des Don-Iuan-Motivs, — unb es fehlt hoch eben bas Schönste und Beste . . . Mozarts Musik!
Gespielt wurde — unter Hanns Hübners stiltreffender Regie — mit besten Kräften und schönster Schattierung des Hell-Dunllen. In der Titelrolle gab Herr Paul Gange, ein neuer, aus Berlin kommender Künstler, ein farbenreiches Porträt, das bet aller Frivolität doch der Würde und Größe ntcht entbehrte und so die Dämoni- dieses seltsamen Menschen lebendig darstellte.
Dr. Georg Schott.
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