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172. Jahrgang

Dienstag, 51. Dktober 1922

sietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Prn<t und Verlag: vrühl'sch« llniv.Guch- und ZtelndruSerel H. Lange. Lchnstleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraße 7.

nr. 256

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Der Sieg der Faszisten.

Der italienische Faszismus hat einen schnellen und verhältnisrnäfeig unblutigen Sieg erfochten, und Mussolini, der ehemalige Sozialist und Redakteur des »Avanti", der sich bei Kriegsaus­bruch vom Saulus zum Paulus, vom Pazifisten zum extremen Chauvinisten wandelte, ist zur Zeit noch mehr als der heimliche, er ist der eigentliche König von Italien. Als der Führer der Faszisten in seinem am* 3 Oktober in ilbine vom Stapel gelassenen Pronunziarnentv die Auflösung der Kammer, ein neues Wahlgesetz, Abschaffung der Verhältniswahl und fünf Ministerportefeuilles für ben FasziSmus forderte, da glaubten noch die we­nigsten, dafe die Faszisten ihre Forderungen durch­setzen würden. Jetzt aber haben sie auf der ganzen ßtnie gesiegt, und ihr angekündigter Marsch auf Rom hatte den Regierenden einen solchen Schrecken ins Gebein gejagt, das) das Kabinett de Facta das Feld räumte und auch die Kornpro- mihkabmettsbildungsversuche sowohl des greifen Giolitti wie Salandras scheiterten. Unter diesen Umständen sah der in Rom zernierle König die Vorsicht als der Tapferkeit besseren Teil an und übertrug, indem er aur der Rot eine Tugend machte, dem Rebellenführer Mussolini die Kabi­nettsbildung Diese Taktik, an sich nicht gerade von Selbstbewuytfein zeugend, scheint sich in gewissem Sinne zu bewähren. Obwohl sich im Faszismus von vornherein starke republikanische Neigungen bemerkbar machten, ist die Bewegung doch bisher überwiegend monarchisch geblieben, freilich nach dem Grundsatz:Und der König absolut, wenn er unfern Willen tut." So hat Mussolini in Udine verkündet, dafe die Monarchie be­stehen bleiben darf,vorausgesetzt, dafe sie sich nicht gegen uns wendet". Von dieser gütigen Erlaubnis machte der König, dessen Cinflufe in Italien nicht gröber ist als wo anders der eines Präsidenten, freundwillig Gebrauch, und er war vorsichtig genug, sich schnell auf den neuen Macht- faTtor einzustellen, als er sich weigerte, das ihm vom Kabinett de Facta vorgelegte Dekret, be­treffend die Verhängung des Delagerungszustan- des, zu unterzeichnen, so dost es nur zwei Stunden bestanden hat.

Wie erklärt sich der schnelle Sieg des Fascis- inus. obtiobl dieser von den 565 Abgeordneten des italienischen Parlaments nur wenig mehr als als 20 zu seinen Anhängern zählt? Der Friedens- schluft hat Italien zwar einige äjfeere Erfolge und die Erfüllung eines Teiles seiner 3rrebentaibcftre- bungen gebracht, aber im Orient wurde es von ©nglanb und Frankreich verdrängt, während ihm an der Adria in Jugoslawien ein neuer. von den Alliierten portektionierter Konkurrent erstanden ist. Dazu tarn die ungünstige finanzielle Lage Ita­liens dessen Budget em Defizit von 7 Milliar­den Lire auf tun ft. Hatte alles das schon eine starke Tlnzuftiedenheit und Gärung im Lande Hervor­gen ifen. so führte der rücksichtslos in allo Wirt- fchaftsftrnklionen eingreifende, mit der Rätediklatur liebäugelnde Radikalismus der sozialistischen Ar­beitermassen auf der anderen Seite zu einer Reak­tion. bilt. ffich schnell fi.n Aktion mnsehte und ihr ursprüngliches ProgrammAbwehr der roten Flut" bald zurBeseitigung aller demokratischen Instutionen" erweiterte und dann auch auf die auswärtige Politik ausdehnte, dieaktiver" ge­staltet werden sollte. Dieser immer weitere Kreise ergreifende Bewegung vermochten weder die in Revisionisten, Marimalisten und Kommunisten gespaltenen Sozialisten noch die bürgerlichen Par­teien, deren gröfete die Popolari und die Demo­kraten sind, ernstlichen Widerstand entgegenzu­setzen. und jetzt hat der Parlamentarismus, der bisher in Italien herrschte, enbgültig vor dem Faszismus kapituliert.

ES bleibt abzuwarten und wird von dem Ausgang der Reuwahlen abhängen, ob und wie sich aus der Faszistenanarchie wieder ge­ordnete Zustände zu entwickeln vermögen. Jeden­falls dürfte der Sieg der Faszisten auch auf die äufecrc Politik von Einflufe fein; denn sie fordern in ihrem neuen Programm unter anderem Ablehnung aller Verträge mit Südslavien. soweit Fiume und die dalmatinische Küste in Betracht kommen, ferner die Angliederung des Dodekanes, die Abänderung des Washingtoner Abrüstungs- Vertrages. damit Italien seine Kriegsflotte ver- gröfeern könne und endlich die Zuwendung eines gröberen Teiles der deu tschen Repara­tionen an Italien. Wenn man bedenkt, dafe Italien bisher die britische Kompromifepolitik dem franzöftschen Sanktionenterrorismus gegen­über gestützt hatte, so mufe leider mit der Mög­lichkeit gerechnet, dafe der Sieg des Faszismus unter Timständen auch eine Erschwerung der ge­rade jetzt in die Wege geleiteten Versuche zur Lösung des Reparationsproblems mit sich brin­gen könnte.

Die Reparationskommission in Berlin.

Berlin. 31. Oki. Wie die Blätter melden, wird Reichskanzler Dr. Wirth heute mittag die Mitglieder der Reparationskommission offiziell in der Reichskanzlei empfangen. Hierbei soll die Form der Verhandlungen festgelegt wer­den Es sei anzunehmen, dafe zuerst eine Reihe von Einzelbesprechungen zwischen Mitgliedern der Reparationskommission und den an den Repan- tionsberatungen beteiligten Ressorts stattfinden werde und dafe die Ergebnisse dieser Einzelver­handlungen in Gesamtsitzungen ;ufammengefafet toerden. Die Oberleitung sämtlicher Besvrechungen tverde in der Hand des Reichskanzlers liegen.

Die vorbereitende,: Beratungen im Schofec der Reichsregierung über das Programm für die Ver­

handlungen mit der Reparationskommission sind, wie die Blätter mitteilen, abgeschlossen. Das Reichs Krbinett, das gestern nachmittag zusammen­getreten ist, hat das .Programm gebilligt. Der Reichs sttnzler hat gestern einem engeren Kreis von Sachverständigen Angaben über die deutschen Richtlinien für die Verhand­lungen, vornehmlich über die geplanten Maß­nahmen zur Stabilisierung der Mark, gemacht. Die Sachverständigen haben diese Richtlinten gut­geheifeen. lieber den Fortgang der Verhandlungen mit der Reparationskommission sollen die Frak­tionsführer auf dem Laufenden gehalten werden. Die Besprechungen der Fraktionsführer mit der Reichsregierung über die Stabilisierung der Mark und andere Fragen eines Wirtschafts- Programms werden fortgesetzt werden, jedoch wird deren Bedeutung, wie die Blätter schreiben, wohl angesichts der Verhandlungen mit der Repara­tionskommission in den Hintergrund treten.

P <»r i s, 30. Oft. (WTD.) DasJournal des Debats schreibt über die Reise der Repa- rationsf,mmifsion nach Berlin, wenn die Kommis- »ion keinerlei Erfolge erziele, werde trotzdem ihre Reise nicht vergeblich sein. Sie werde den Beweis geliefert haben, dafe auf dem Wege, auf dem man sie suche, es keinerlei Lösung gebe und der Kom­mission werde dann obliegen, etwas anderes zu finben. Seit die Reparationen zur Debatte stehen, habe Frankreich es sich angelegen sein lassen, Ent- gegenfommen bis zur äußersten Grenze zu zeigen. Während es für sich das Recht der stärkere.: Waffe hatte, habe es sich bemüht, das zur Geltung zu bringen was es für gerecht hielt um) un­aufhörlich habe es der Aufrechterhaltung der interalliierten Einigkeit Opfer gebracht. Es habe noch nach Kompromissen gesucht unter ilmftänben, unter beiten es feine gebe. Mit der Reise nach Berlin unternehme die Reparationskommission einen letzten Versuch. Sie werde an Ort und Stelle die Voraussetzungen regelmäßiger, angemessener und ausreichend schneller Zahlungen untersuchen. Sie lasse sich noch einmal auf den guten Willen ein und trage sich mit optimistischen und methodischen Gedanken über das, was von Deutschland zu erwarten sei. Gut! Aber wenn sie mit negativen Schllchfolge- rungen zurücktehre. werde sie alle erdenklichen Mittel erschöpft haben und es werde barm nur noch übrig bleiben, in aller Klarheit jene Pfän- derpolitit ins Werk zu setzen, die allein wirk­sam sei.

Die neue Kohlenförderung der Reparationskommission.

Berlin, 31. Oft In der gestrigen Sach­verständigenberatung im Wiederausbau­ministerium über die Kohlenfrage betonten sämtliche Sachverständigen, dafe die neue For­derung der Reparationskommission vielzuhoch sei. Die bisherigen Kohlenlief-rungen hätten nur ausgeführt werden können, weil die deutsche Wirt­schaft durch kostspielige ausländische Kohlenkäufe die Betriebe ausrecht erhalten habe. Bei dem jetzigen schlechten Stand der Mark werde aber die Einfuhr dieser ausländischen Kohle nicht mehr möglich fein. Daraus erwachse eine au feerordent­liche Gefahr für die deutsche Wirtschaft.

Das Kabinett Donar Law.

ß o n b o n, 30. Oft. (WTB.) Die Blatter melden, dafe Donar Law beabsichtige, sein Ministerium unverzüglich zu vervollständigen und nicht erst nach den Wahlen, wie von ver­schiedenen Seiten gemeldet worden war. Die Konservativen von Carnarvonshire beschlossen, ich der Wiederwahl Lloyd Geor­ges in dankbarer Anerkennung seiner im Kriege geleisteten Arbeit nicht zu widersetzen, sofern er die Versicherung abgibt, dafe er Do­nar Law bei seinem Widerstand gegen die Kommunisten unterstützt.

London, 30. Oft. (WTD.) DemEve- ning Standard" zufolge wird der Sekretär Do­nar LawS Geoffrey Frh sein, der in der Friedensdelegation Mitglied der dem Prvfes- or Keynes unterstellten Abteilung war und das Reparationsproblem eingehend kennt.

Bradburys Besorgnisse.

London, 30. Oft (WTD.) Laut dem Manchester Guardian" ist D r a d b u r y der Ansicht, dafe der Zusammenbruch Deutschlands jeden Augenblick erfolgen könne und damit das Etrde aller Pläne für den Wiederaufbau Eu­ropas gekommen sei. Unter diesen Umständen sei der Regierungswechsel in London, begleitet Don der Ängewifeheit über die Politik der neuen Regierung, bedauerlich. Dies werde verschlimmert durch die Tatsache, dafe Donar Law in seiner Erklärung über den allgemei­nen Grundsatz der Reparation eine Derstei- üng der britischen Haltung angedeutet habe. Es werde daher für dringend notwendig er­achtet, dafe das Kabinett Donar Law sobald wie möglich seine Reparativnspolitik im ein­zelnen darlege.

London, 30. Oft (Wolfs.) Dradbu rh Hal vor seiner Abreise nach Berlin dem Pariser Be­richterstatter derTimes" erklärt, das einzige un­mittelbare gemeinsame Interesse sei die Stablli- fierung der Mark. Es scheine Hoffnung zu be­stehen. dafe, wenn ein vorläufiges Einvernehmen in Berlin zusammenkommt, eine Zusammen- funft von 'Sonar Law mit Poincare vereinbart werden wird, zur Besprechung der mit»

I enumber verknüpften Fragen der Reparationen und der interalliierten Schulden. Es sei wahrschein­lich das) «der Garantieausschufe mit ertoei- texten Vollmachten und einer gewissen ilnab- ,tm administrativem Sinw dauernd in Berlin seinen Sitz nehmen werde, während oie Reparationskommilsion in Paris als beratende Körperschaft verbleibe.

Englischer Botschastcrwechsel in Paris.

Paris, 31. Ott (WTD.) Das feit einigen Sagen hier umlaufende Gerücht, dafe der eng­lische Botschafter Lord H a r d i n g e demnächst seinen Abschied nehmen werde, wird bestätigt. DerPetit Parisien" teilt mit, dafe Lord Har- dinge gelegentlich des Besuches, den er gestern Poincarä gemacht habe, diesen informiert hätte, dafe er aus Familienrücksichten gegen Ende des Jahres oder spätestens im Lause des Januars zurücktreten werde. Als voraussicht­licher Rachfolger Lord Hardinges wird Sir Ge­orge Graham, der jetzige englische Botschafter 'm Brüssel, genannt

Die Bank von China.

Paris, 31. Olt (WTD.) Der Bericht­erstatter der Finanzkommisfion der Kammer Be­la n o w s k i hat seinen Bericht zur Sanierung der Industriebank von China abge­schlossen. Der Bericht teilt die Annahme beä Mischen der französischen und der chinesischen Regierung getroffenen Abkommens mit. wonach die von China *u zahlende Doreretttschädigung zur Sanierung des Finanzinstitutes verwendet , werden sollen. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, dafe die Regierungsvorlage ohne Opposition angenommen wird, nad>öem sowohl der Ministerpräsident als auch der Finanzminister dafür eingetreten sind

Ein Mord im Osten.

Paris, 31. Oft (WTB.) Rach einer Havas- melbung aus Reuhork ist die jlnterftüfe.rng8f)m- missvon für den Rahen Osten davon in Kennt­nis gesetzt worden, dafe eines ihrer nach Klein­asien entsandten Mitglieder Sir James Wrigth von Banditen ermordet wor­den ist, während er etwa 1000 armenische Waisen­kinder von Arbud nach AI epp) führte.

Die Einladung Rußlands zur Konferenz in Lausanne.

Moskau, 28. Oft (Wolff.) Heute hat der Vertreter der englischen Regierung im Namen von England, Frankreich und Italien die schriftliche Einladung zur Teilnahme Sowjetrufelands an den Verhandlun­gen der Lausanner Konferenz über die Meer- engenftage übergeben. In dieser Note wird mitgeteilt, dafe die Konferenz am 13. Novem­ber zusammentritt und dafe die russische Re­gierung noch Nachricht bekommt, wann die Verhandlungen über die Meerengen­frage beginnen.

Die Türkei und Sowjet-Rußland.

London, 30. Olt. (WTD.) Reuter meldet aus Konstantinopel, d:e Beziehungen zwi­schen der Türkei und Sowjetrufeland feien infolge des Abkommens von Mudania, das der Sowjetregierang mißfalle, weniger herzlich geworden.

Der Rücktritt Lerchenfelds.

München, 30. Oft (WTD.) Wie wir er­fahren, ist der Rücktritt des Kabinetts Lerchenfeld nunmehr eine vollendete Tat­sache. Der Landtag wird alsbald zusammen­berufen, um einen neuen Ministerpräsidenten zu wählen. Als aussichtsreichster Kandidat gilt nach wie vor der bisherige Staatsrat Meyer. Der Rücktritt Lerchenfelds, der aus der innerro'itischen Entwicklung in Bayern heraus zu erklären ist, wird sicherlich auch außerhalb des Landes ein gewisses Bedauern auslosen, da sich seine aas­gleichende Art wiederholt besonders bei ver­schiedenen Streitfragen zwischen Bayern und dem Reich, für beide Telle vorteilhaft bewährt hat

Die amerikanische Enttäuschung über das Ergebnis

der Washingtoner Konferenz.

(F.P.S.) Der amerikanische Flottensekretär D e n b h hat verfügt, dafe mit dem Abwracken von neuen amerikanischen Kriegsschiffen nicht eher zu beginnen sei, bis nicht sämtliche Signatarmächte des Fünfmächte-Flottenvertrags diesen ratifiziert haben was nicht mehr und nicht weniger be­deutet, als dafe die Durchführung des Vertrags auf Frankreich wartet. Die Vereinigten Staaten, Grofebritannien und Japan (die beiden letzteren im August) haben nämlich ihrerseits den Vertrag ratifiziert (wie auch China und Portugal, soweit sie beteiligt sind) und der Austausch der Ratifizie­rungsurkunden, die bereits bei den Washingtoner Vertretungen der genannten Länder eingetroffen sind, konnte jeden Tag erfolgen. Die Schuld an der Hinauszögerung des Termins für den Austausch der Ratifizierungsurrunden, den verttagsgemäfe Präsident Harding festzusetzen hat uni> bei den Beginn der faktischen Durchfüh­rung der Abrüstung anzeigt, infoferne als diese ein halbes Iah: nach diesem Tag durchgeführt sein mufe, liegt bei Frankreich, das seine äTnzrfrieden- I hell über die gering^ 'fern zugeb^lligte Kriegs­schiffe rote nie verhehlt hat inb auch heute nicht |

verhehlt; es teüt diese mit Italien, das bereits bei bei Deschlifefass.:ng über ben Vertrag er­klären liefe, dafe es keinesfalls vor Frankreich die­sen ratifizieren werde. Auch Belgien u:b die Niederlande warten den Dorangang Frank­reichs ab.

Senator Dorah, dessen Bemühungen das Zustandekommen der Washingtoner Konferenz In der Hauptsache zu danken ist, gibt der Erbitterung freimütigen Ausdruck in einer Olcufeerung vor Prefevertretern, in der er erklärte:Dis heute also ist die Arbeit der Konferenz ganz und gar ohne Resultate geblieben. Erinnert man sich der Begeisterung der Leute allenthalben und i: allen Ländern über die ersten Schritte zurBefreiung der Welt von ihrem tödlichsten Fluch und der Versicherungen, die die Vertreter der verschie­denen Regierungen hinsichtlich der Durchfühiu:g und Vollendung der Arbeit der Konferenz ab­gegeben haben, und bedenkt man bann die Apathie, ja Gleichgültigkeit, um nicht zu lagen ben Verrat, 'die darauf gefolgt sind, so ist es kein Wunder, wenn ein Mifetrauei: gegen J)ie Regierungen bei den breiten Massen fast allgemein geworben ist. Sollte die Arbeit dieser Konferenz wirklich zunichte gemacht werden, wofür mancherlei Anzeichen besteh.n, so wird das der gemeinste Verra! an der Menschhcit seit dem Kriege fein." Ironisch fügt Borah unter Bezugnahme auf den angekündigten Besuch Cle- mcnccauö in den Vereinigten Staaten hinzu: ..Ich bin getoife, eines der ersten Dinge, die uns (Skv menceau erzählen wirb, wenn er uns besuchen kommt, jptrb sein, weshalb Frankreich die Ab­rüstungsverträge nicht ratifiziert hat Er könnte sich bei einem skeptischen Wirte nicht besser ein- führen, als wenn er gerade dieses täte."

Endlich eine Enttäuschung, die Deutschland nicht zu teilen braucht!

Die Eifenbahnnnfälle in Frankreich.

Paris, 31. Oft. (WTB.) In der ftanzösi» scheu Deputiertenkammer sind mehrere Interpellationen über bte letzten Eisenbahn» Unfälle angekündigt worden. Der Deputierte A u b r t e t fragt an, welche Mafetnahmen die Ro- glerung zu treffen gedenke, um die Eisenbahn - Unfälle, die rn der letzten Zeit eine beängstigende Häufigkeit angenommen hätten, zu verhindern und die Sicherheit des Verkehrs und der Reisenden zu sichern.

Aus dem Reiche.

Die Notlage der Erwerbsunfähigen.

Berlin, 30. Oft. Unter dem Vorsitz des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns tagten im Reichsarbeitsministerium Vertreter der Zentral­arbeitsgemeinschaften, der Kommunalverbände und der Organisationen der Wohlfahrtspflege, in der die Bildung einer deutschen Rotge­rne i n scha f t zur Linderung der Notlage der Erwerbsunfähigen, Sozialrentner, Kleinrentner, Witwen und Waisen erfolgte. Es wurde beschlossen, ein Hilfswerk durch Veröffentlichung eines vom Reichspräsi­denten, dem Reichsarbeitsminister und ben wirt­schaftlichen, kommunalen und charitativen Spthen- verbänden unterzeichneten Aufrufes einzuletten. In bem Aufruf wird die Rot der Alten, Inva­liden und Witwen geschtldert, die so grob sei, dafe die öffentlichen Mittel zu ihrer Linderung allem nicht ausreichten. Landwirtschaft, Industrie, Handel, Gewerbe, Arbeitgeber und Arbeitnehmer mögen sich in Einmütigkeit zusammen tun, um das Hilfswerk zu fördern. Jede Art von Hilfe Geld, Lebensmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs sei willkommen In warmherzigen Worten legte der Reichsarbeitsminister de: Land­wirtschaft und den produktiven Erwerbsständen nahe, das Werk nicht in erster Linie durch Hergabe von Geld, sondern durch die Stiftung von Sachwerten zu unterstützen. Aus den Erklä­rungen der Arbeitnehmervertreter ging hervor, dafe in ihren Kreisen die Bereitschaft vorhanden sei, sogenannte soziale Tieberstunden zu leisten, deren Ertrag der Aktion der Notgemeinfchaft zu­gute kommen soll.

Die Grofe-Hamburger Frage.

Berlin, 31. Oft. Wie mehrere Blätter mel­den werden auf Einladung des Reichsministers des Innern am 3. November in Berlin die Be­sprechungen über dieGrofe-Hamburger Frdge zwis chen Preufeen unb Ham­burg wieder ausgenommen werden.

Aus Hessen.

rm. Darmstadt, 30. Oft. Einen Antrag auf Kreditegewährung an die in Hessen erscheinenden Zeitungen haben die sozialdemokratischen Abgeordneten Kaul und Gen. an die Regierung gerichtet, in welchem sie ersuchen, an die hessischen Tageszeitungen auf Grund noch näher zu treffenber Bestimmungen eine einmalige Kredith ilf e von 50 Millionen Mttpk z ubetoilligen. Die Abg. Engelmann und Gen. beantragen, die Regierung auf zu fordern, dafe die in Frage kommenden Be­hörden angewiesen werden, alle noch ausstehenden Nachzahlungen aus den bisherigen Veränderun­gen der Desoldungsordnung sofort zur Auszah- lung zu bringen.

Für die Herstellung von zwei Arbeiterwoh- nungen in den Räumen des alten Maschinen- hanses hinter Dadhaus 9 in Dad°Nauheim und im Dachstock der Gärtnerei werden 2 120 COO Mark von der Regierung beantragt Für die Ver­besserung der Wasser- und Bodenverhältnisse im Ried verlangen die Abgg. Dr. Dehlinger und Gen. Derellstellung gröberer Mittel. Eine Regierungs-