Ausgabe 
31.1.1922
 
Einzelbild herunterladen

m. 2b broeites Blatt

Deutscher Reichstag.

1ti3. Sti)ung, nachmittags 2 Uhr.

Berlin, 30. Oanuar 1922.

Finanzminister Dr. Hermes leitete die erste Lesung des Haushalts für 1922

<tn mit dem Hinweis, dah die rechtzeitige Ver­abschiedung dcS Etats ein (Srunderfordernis für eine fpariame und zweckmäßige Finanzwirtschaft des Reiches sei und bat, die Arbeiten möglichst zu beschleunigen und aller Welt zur Kenntnis zu bringen, Dah das deutsche Dolk gewillt ist, mit allen Kraft einer geordneten Finanzwirtschaft zu- Aufttebcn. Der HauShalt für 1922 steht ganz unter dem Zeichen der zur Erfüllung des Friedensver­trages au erlegten ungeheueren Lasten. Wahrend der Haushalt der inneren Verwaltung sogar einen leberschuf) von 16,5 Milliarden Mark ergibt und die Betriebsverwaltungen in Einnahme und Aus­gabe ausgeglichen sind, erfordert der Haushalt ar die Ausführung des Friedensvertrages einen Anleihebedarf von 171 Milliarden Mark. Der Versuch, die ungeheuren Lasten des Friedensver- ranefi zu erfüllen, hat zur Zerrüttung des Mark- drrseS bctqctragcn und völlige Ansicherheit ge­schaffen. Bevor nicht das Reparationsproblem m einer unserer Leistungsfähigkeit angepatzten Weise geregelt ist, kann von einer Gesundung des 'Statt; nicht gesprochen werden. Der Haushaltsplan ist zum erstenmal gegliedert in eine allgemeine Retchsverwaltung, in die Betriebsverwaltung und in einen besonderen Akt, der die Ausführung des Friedensvertrages behandelt. 800 Milliar­den Mark sollen im Rechnungsjahre 1922 aus der deutschen Volkswirtschaft herausgehvlt werden. Der Finanzminister streift sodann das Steuer- lompromih und spricht die Hoffnung aus, dah 'ich auch die Entente nicht der Hoffnung Der» schließen werd«, daß Deutschland alle denkbaren Anstrengungen macht, um das Höchstmaß an dienern aus seiner Wirtschaft herauszubringen. Die Behauptung, bah die Engländer und 'Fran­zosen mehr Steuern zu zahlen hätten als die Deutschen, beruht auf einer falschen Der- gleichsmethode. Die Kopfquote der Steuern kann für einen Vergleiche nur dann verwertet wer­den, wenn man den Betrag in ein Verhältnis zum Durchschnittseinkommen gesetzt hat. M t den Verbrauchssteuern sind wir bis an die Grenze der äußersten Belastungsmöglichkeit gegangen. Von Len zwei wichtigsten laufenden Stmern ist die Umsatzsteuer auch bisher schon ständ g o:r- anlagt worden. Die Einkommensteuer für 1920 ist tast durchweg fertig veranlagt, und diejenige für 1921 soll unmittelbar folgen. Damit wird auch die Klage verstummen, das) die Besitzenden wegen Mangels der Veranlagung im Besitze ihres Gel­des bleiben. Eine wichtige Aufgabe ist, der Steuerhinterziehung und dem Stcue b trug ent- geaenzutreten. Ein im Ausbau befindlicher Bach- und Betrieb prüfungsk lenst soll r.anic ;t.it die­jenigen erfassen, die sich ihrer staatsbürgerlichen Pflicht zu entziehen versuchen. Erne wirksame Abhilfe gegen die Kapitalsflubt können nur mter- nationale Vereinbarungen bringen, die bereits mit den verschiedenen Regierungen tm Gange »ntb. Bei den Verhandlungen über das Steuer' tvmpromiß hat das Problem eine besondere Rolle gespielt, das Anschwellen der jetzt auf über 250 Milliarden angewachsenen schwebenden Schuld etwas hintanzuyalten. Die Zwargsankeihc von einer Milliarde Goldmark wird auf mindestens drei Zahre unverzinslich sein, La es aber auch damit nicht mrg.ich ist, Len Aussa l-u balancieren, wird die Regierung auch das Mittel einer in­neren freiwilligen Anleihe ber ufen. Tie Mög­lich leit dazu ist aber erst gsgeben, wenn feststeht, Latz die Bestimmungen deS Frieden »Vertrages den Dienst einer fundierten Rcichsarrl ihr n cht be­einträchtigen rönnen. Ter französische Nnanz- Minister rügte unsere Politik auf dem Gebiete der Lebensmittelzufchüsse. Schon large vor Can­nes ist die Regierung an den Abbau dieser Zu­schüsse gegangen, well eine solche Zuschutzwirtschast mit einer ordnungsmäßigen Etatswirtschaft wenig vereinbar ist. Wir haben die ^bestimmte Absicht, einen völligen Abbau bis Ende 1922 durch- uführen. Die weiter von dem

französischen Finanzminister gerügte Ver­

mehrung der Deamtenzahl um mehr als 40 Proz. beruht »m wesenllichen auf der Uebernahrne der Beamten der Betriebs-, Finanz- und Zollverwal­tungen auf das Reich, sowie auf den liebergang ber bayerischen und württembergischen Postverwal- tungen auf das Reich, auf der Uebernahrne der Elsenbahnen auf das Reich und auf ber neuen Reichsfteuerverwaltung. Die Reichsregierung ist bestreb^ die Zahl ber (Beamten nach und nach auf 75 Proz. zu vermindern. Es muh betont wer­den, bau der Bau von Dergarbeiterwohnungen notwendig war, um die Lasten des Friedens- vertrages auf bem Gebiete der Kohlenförderung zu erfüllen. Die Allgemeinheit mag daraus er­sehen, dah eine Verschwendung von Reichsmitteln keineswegs statkfindet. Die wirtschaftliche Lage ber 'Beamten, Angestellten und Arbeiter bc8 Reiches

Die Blüchernichten.

Roman von Hanns donZobeltitz.

17. Fortsetzung. (Nachdruck Verboten.)

War ja auch ein weites freies Leben aut dem Herrens ch. Konnte jedweder tun und lassen, was ihm behagte. Brauchte nicht am Stickrahmen zu sitzen, konnte im Part Herumlaufen oder durfte bei den Büchern sitzen am Kamin, in dem einer der großen Buchenkloben loderte, und am Abend um den runden Tisch. Da sah beim der Haus­herr mit dem blauen Schirm über den Augen, bte immer noch manchmal von Anno vierzehn her schmerzten. Reben ihm Frau 2bnalia; neben ihr der Durchlaucht getreuer Leibarzt, der Herr Dok­tor Dieseke. Dann schlossen sich die Giesemädchen an, zwischen denen manchmal einer der beiden jungen Enkel Blüchers, schon ein wenig die Cour schneidend, und als Abschlutz meist, wieder neben bem Allen, die tolle Lore.

Vater Blücher hat gern erzählt, ist last immer gesprächig gevxs.n. Manchmal von te'ner Jugendzeit und wie er's mit dem alten Fritzen verdorben und elend .kassiert" worden; wie er bann wiedzr zu Gnaden gekommen; vom Zahre 1606 und von den großen Schlachten, die er geführt. Auch Wohl von Tollheiten in Paräs, wozu Frau Amalia immer ein mildes Lächeln gehabt, oder von den verrückten Engländern oder Snglänberinnen. Einmal sind die Mädel sogar rot geworden, mit Ausnahme der Lore: wie er nämlich sich über vier totofiter übergeschnappte

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderhessen)

wird fortdauernd mit größter Aufmertlamteit ver­folgt und geprüft, inwieweit eine weitere Er­höhung ihrer Bezüge notwendig ist. Ein greller Beil dieser Beamten und Arbeiter befindet sich in schwieriger wirtschaftlicher Lage Andererseits aber sind die Kosten für die Lebenshaltung in den verschiedenen Teilen des Reiches sehr verschieden. Es wird daher eingehend geprüft, wie den be­rechtigten Forderungen in Orten mit besonders schwierigen Wirtschaftsverhältnissen Rechnung ge­tragen werden tann. Es ist in Aussicht genommen den Reichsarbeitern durch Heberteuerungszuschüsse in Orten, in denen ihre Bezüge hinter denen der Privatwirtschaft wesentlich zurückbleiben, einen Ausgleich zu schaffen. Unverantwortlich ist es, wenn gewisse Kreile ber Beamtenschaft in einem Zeitpunkt, wo alle biefe grunblegenbcn Fragen von allen berufenen Faktoren erörtert werden, wo Aussicht auf befriedigende Lösung besteht, zum Streik auffordern und damit namenlosen Schaden für unser Wirtschaftsleben heraufbeschwören. < Un­ruhe links.) Ich kann namens der Reichsregierung alle Beamten nur bringend warnen, dieser Aus' forberung zu folgen. Die Reichsregierung wird mit allen ihr zu Gebot stehenben Mitteln nachdrücklich diesem entgegentreten. (Große Unruhe auf der äußersten Linken.) Der Minister erwähnt sodann die Summen, die für Pensionen, Renten, Wochen- hilse. Erwerbslosenfürsorge usw. vom Reiche auf­gebracht werden. Ein großer Teil dieser Beträge wird dadurch erspart werden, daß im Laufe dieses Jahres die Arbeitslosenverjicherung Gesetz wird. Wesentliches Erfordernis für eine enbgültipc Ord­nung der Reichsfinanzen ist eine scharfe Abgren­zung ber Ausgaben zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Das Vorschußwesen inuß bald ein­gestellt werden. Freie Vereinbarungeil zwischen Reich, Ländenr und Gemeinden werden notwendig sein. Voraussetzung hierfür ist aber auch, daß in den Ländern und Gemeinden die Verwaltung mit der gleichen Sparsamkeit geführt wird. Ein Eingriff in die Finanzhoheit der Länder und Ge­meinden und ihre Selbstverwaltung beabsichtigt das Reich nicht. Allergrößte Sparsamkeit ist auch bei den Kriegsgeselfichaften erforderlich, die die Reichsregierung weiter abzubauen bestrebt ist. Auch die Frage ber Aufhebung von Ministerien soll weiter geprüft werben. Zn das Budget der unwirtschaftlichen Ausgaben, die uns durch die interalliierten Kommissionen auserlegt werden, gehört die Wiedereinrichtung ber Heeresbauver- waltung und die Reuanschaffungen für Heeres- zwecke, da das alte Material zerstört werden muh, wodurch für 1922 mindestens 50 Millionen unwirtschaftliche Ausgaben entstehen. Die Bilan­zierung des Etats der Verkehrsverwaltung darf nicht nur auf dem Dege einer schematischen Tariferhöhung erreicht toerben, sondern vor allem durch innere Sanierung der Betriebe. Es ist gelungen, eine Grundlage für die Wegräumung ber insbesondere durch § 12 der Demobil­machungsvorschriften gegebenen Hinderni se zur Durchführung der aufgestellten Reformpläne zu erzielen. Zur Ausführung des Friedensvertrages erfordert der Haushalt an laufenden Ausgaben rund 148 Milliarden und für außerordentliche Ausgaben rund 40 Milliarden. Der Minister ging sodann auf die Einzelheiten ber bereits be­kannten Antwortnote Deutschlands ein unb er­klärte, baß bic Reichsregierung zum Wiederauf­bau der zerstörten Gebiete alles, was in ihrer Macht steht, tun wird. Die Reparationskommission ist gebeten worden, zu prüfen, ob nicht die Summe von 720 Millionen Goldmark in bar herabgesetzt werden kann, was einen Aufwand von 97'/» Milliarden Papiermark erforderlich machte. Das kann Deutschland unmöglich aus laufenden Einnahmen oder Anleihen decken. Dies zeigt, dah mit einer Regelung für das laufende Jahr das Reparationsproblem nicht zu losen ist. Bei dem Fallen des Wertes unserer Ausfuhr ist unsere Zn- landsbilanz mit etwa rund zwei Milliarden Gold­mark stabil. Anders als mit einem großen Kredit können die Bedürfnisse der Alliierten auf Zah­lung von Devisen nicht befriedigt werden. Es scheint, als ob diese Erkenntnis weiter auf dem Marsche ist in den weltwirtschaftlichen Kreisen des Auslandes. Die Bestrettung unseres ernsten Erfüllungswillens zwingt uns dazu, laut vor aller Welt auf unsere gewaltigen Leistungen zur Durchführung des Friedensvertrages hinzuweisen. Die Welt muß nicht nur vom deutschen Erfül­lungswillen. sondern auch von unserer Erfullungs- tätigfeit hören. Angesichts unserer Rot sollten wir unseren häuslichen Streit begraben und wün­schen, daß unser Dolk in großen nationalen Fragen einig zusammen steht. (Beifall.)

Abg. Scheidemann (Soz.): Während wir Frankreich und Belgien aifba-ien, werden tmi zu einem Volk von Sklaven. Die Justiz der Re- vublir kann kein Vertrauen genießen. Redner führt eine Reihe von Urteilen an, die Beispiele für die Verhöhnung der Republik durch richterliche Beamte seien. Verführte Arbeiter erleid'n aber die härtesten Strafen. Der Reichsjustizmmister sollte seine Absicht einer allgemeinen Amnestie

Ladys lustig gemacht, die durchaus sein Sch'af- zimmer sehen wollten, und wie er, der sich ge­rade drinnen gewaschen, splitternackig, sich in einen Der großen Fenstervorhänge eingewickelt hätte, daß nur die Rasenspihe herausgeguckt.

Ober aber er hat auf Wien geflucht und die infamen Diplomatiker, die alles verdürben, was das Schwert gut gemacht, die Himmelhunde. Dann ist jedesmal sein Gesicht puterrot geworden, b s die milde sanfte Frau ihm bte Hand gestreichelt: Ruhig, Väterchen, ruhigI", worauf er bann bte Zähne gehorsamst aufeinandergepreßt unb den iveißen Schnauzbart mächtig geftnegclt hat.

Manchmal hat er aber auch von Vater Giese selig gesprochen. Was das für ein braver, t)des- mutiger Offizier gewesen unb tote te benmütig er gestorben. So daß Mama Giese die Tränen in die Augen gestiegen und die ganze Tafelrunde mäuschenstilt geworden ist.

Aber manchmal hat diese Tafelrunde sich auch vergrößert. Sind Gutsbesitzer aas der Rach­barschaft gekommen, und der Ponlac ist gestos­sen. Bald kam der, bald der, und schlietzltch immer öfter der Herr von Bause.

Tas war ein nicht ganz junger, aber keines­wegs alter Herr, der als Rittmeister unter dem Herrn Feldmarschall gekämpft unb bei Möckern schwer verwundet worden war. Run hatte er sein väterliches Erde, unfern Krteblowty, über­nommen, war ein eifriger Landwirt geworden, unb galt dazu als ein besonders tüchtiger Zöger. Sie hatten es bald heraus, daß et auch hier auf die Zagd zu gehen trachtete, denn ber blonde

ictlcunigfr im Kabinett durchsetzen. Das Beamten- recht bedarf einer Revision. Die Reichswehr muß endlich zu einer zuverlässigen republilanischon Truppe gemacht werden. Die Hetzrede des deutsch- nationalen Professors Rothe von gestern gegen Wirth unb Eberl muh man sich schämen. 'Mn* rutze rechts.) Vi-epiäsident Rietze r erklärl die Bezeichnung eines Abgeordneten als intellet- tueücn Mörders als ber parlamentarischen Ord­nung widersprechend.

Abg. Dr. Reichert (Deutschnatl.): Bon einem früheren Reichskanzler hätte man eine an­dere Etatrebe erwarten können. Die früheren fo- zaildemokratischrn Minister können an ber Frei­gabe ber Ostmark doch nicht so ganz unschuldig sein. Der große Fehlbetrag des neuen Etats muh Befremden erregen, nachdem unb vorher gesagt worden war, bah alles in Orbmmg sei. Wir stimmen bem Vorschlag deS Reichsrats auf Streichung des Reichsschahministeriums zu. Auch der Demobilmachungskommissar muß schleunigst verschwinden. Die Produktion der deutschen Volkswirtschaft ist heute 30 bis 40 Prozent hinter dem Friedensstand zurückgeblieben. Wir wollen den Arbeitern und Angestellten volle Beschäf­tigung geben, rufen aber den Bergarbeitern zu: Schafft Kohle! und den Eisenbahnern: Befördert Kohle! Rur die freie Wirtschaft kann bic Pro- buttion förbern.

Abg. Quaath (D. Dpt.): Dem Gebauten ber großen Koalition hat bie Rebe bes Abg. Scheibe­mann nicht gebient Der Redner dankt dem Reichs­finanzminister für die geleistete Arbeit und hofft, daß es ihm bald gelingen wird, die Dllanz wieder aktiv zu machen. Erzbergers Versuch einer zentra­lisierten Losung des Steuersystems ist gescheitert. Den Ländern und Gemeinden müßten wieder selb­ständige Steuerquellen eröffnet werden. Die Spar­samkeit. vor allem im Abbau ber Beamten, muh in Berlin an der Zentrale beginnen. Dor dem Erfüllungswillen muß der Sanierungswillen stehen. (Beifall rechts.)

Der Etat wird darauf dem Hauptausschuh überwiesen. Die allgemeine Aussprache über den Etat wird auf morgen vertagt.

Rächste Sitzung: Dienstag mittag 1 Uhr. Schluh nach V27 ilfjr abends.

Aus Stadt und Land.

G i e h e n, den 31. 3in. 1922.

Zur letzten Ruhe geleitet wurde gestern auf dem Reuen Friedhof der Zeichenlehrer Georg Gerhard. Der Ver­storbene, der nach kurzer Krankheit aus seiner Berufstätigkeit herausgerissen wurde, hat fast 35 Jahre an den verschiedenen Gruppen der Volksschule den Zeichenunterricht erteilt und unter schweren Arbeitsbedingungen mit vor­bildlichem Eifer und hohem Pflichtgefühl ge­wirkt. Eine ausgeprägte, dem Alltäglichen ab= gewandte Künstlernatur, ist er am liebsten seine eigenen Wege gegangen; wer ihm aber näher trat, lernte in ihm eine reiche Persön­lichkeit von reinem Wollen kennen. An sei­nem Grabe sprachen Vertreter der Krrisschul- kommission, der Stadtverwaltung, der Lehrer­schaft an den Volksschulen und des Gießener LehrervereinS; mehrere Klassen nahmen an dem Grabe von ihrem Lehrer Abschied. Von allen Rednern wurde die vornehme Gesitmung des Heimgegangenen gerühmt. Ein Knaben- chvr gab der einfachen Totenfeier in der Ka­pelle eine besondere Weihe.

** Verhaftete Diebe. Zn bet verflos­senen Woche wurde in einer im Parterrestock am Schisfenberger Weg gelegenen Wohnung, deren Znhaber verreist ist, ein Sinbruchsdiebstahl aus­geführt. Arn Samstag gelang es der Kriminalpoli­zei, dis Diebe festzunehmen und den größten Teil ber gestohlenen Sachen wieder zur Stelle zu brin­gen. Als Diebe kommen ein aus Gießen und ein aus Hamburg stammender Mann in Frage, die zusammen in Butzbach wegen gleichen Vergehens eine längere Freiheitsstrafe verbüßt und in Gießen sich wieder getroffen hatten. Auf die Wohnung und auf die Tatsache, daß der Znhaber verreist war, sind die Täter dadurch aufmerksam geworden, dah die vor den Fenstern befindlichen Läden vvocgelegt waren. Es fei daher nochmals für Bewohner, die verre s >n, in.besondere solche. de im Parier e wvh-- nen hingewiesen, diese Maßregel für die Zukunft zu unterlassen. Einer der Diebe war auch an dem ebenfalls in der verflossenen Woche vvrgekom- inenen Schnapsdiebstahl beteiligt, wobei den Tätern 29 Flaschen in bie Hände fielen, so daß auch diese Tat ihre Aufklärung gefunden hat. Ein Teil der entwendeten Flaschen konnte wieder bei­gebracht werden.

" Aus dem Reinertrag des am 26.Zanuar stattgefundenen WohltätigkeitS- abends im Saf£ Ernst Ludwig wurden über-

Hüne machte kaum ein Hehl baraattf, daß ec'S erstaunlicherweife just aif das jüngste Diesekinb, die Lore, ad'ah.

Tie aber, unverständig, wie solch junge Dinger sind, schien es gar nicht zu bemerken. Sie sah über den Herrn von Bau'e, bem sie kaum bis an bte Schulter reichte, hinweg, als ob er Luft wäre. Unb wenn eine ber Schwestern sie wegen ihres Verehrers neckte, so machte sie .Pah! und streckte bie Zange Hera rs. Oder sie lachte unverschämt.Tie Frqu M itter läßt sich ja doch nicht in ihre Tochter htrreimnanschen. Denkt doch gefälligst nach, wenn ich danach an die Reihe komme."

Freilich, bie Lore hatte auch keine Zeit ge­habt. Sie hatte alle Hänbe voll zu tun unb mußte alle Sinne anspannen, um täglich ne le Tollheiten auszuHecken. Am liebsten sah sie in den Ställen auf rrgenbeiner Fatterkiste, schlen­kerte mit ben Beinchen unb hatte ein paar Stall­jungen um» sich versammelt, denen sie bie wahn­sinnigsten Märchen aujbanb. Etwa, daß es in China Pferde mit sechs Deinen gäbe, in Berlin sei neulich solch ein Tier gegen Entree gezeigt wor­den, unb sie hätte es mit eigenen Augen gesehen. Ruch lebe in Griechenlanb ein Röhl, das bichten könne, unb es heiße Pegasus. Ebenso trug sie archäologische Kenntnisse in bte anbächtige Zu- Hörerschar, inbem sie ihr bie Geschichte vom Tro­janischen Roh, mit eigener Phantasie ausgev-utzt. vvrsetzte.

Wenn sie nach solcher Lehrstunde wieder ins Schloß kam. duftete sie immer bebenflid) '-ach'

Dienstag, 3t Januar 1922

toiefen an die Deutsche dtubcntcnhilfc Gießen 400 Mark und an das Wohlfahrtsamt Gießen eben­falls 400 Marl

Berichtigung. 3n unserer gestrigen Konzertbesprechung haben sich zwei Druck­fehler eingefchltchen. Cs muh heißen Absatz 2, Zette 4wie" stattuns" unb Ilbsatz 3. Zelle 4messen" stattmissen".

Landkreis Gießen.

* Zur Forberung des Weiden­au b a u c s brachten wir kürzlich an dieser Stelle einen hierzu anregenden Aufsatz. Don fach rnännischer Seite wird uns nunmehr zu demsclben Thema geschrieben: Für Korbweidcnanla^cn wer­den zweckmähig tief gelegene Wiesengründe Moore unb Brüche gewählt. Die Weibe licht einen tief- grünbigen Boden ber nicht so leicht auSirodnel. unb zwar wächst sie am besten auf Moorboden mit Lehmunterbvden. So kann man Sumpf, c ä de. da» allerdings nicht allzusehr unter bei BoOcnscuch tigleit leiben barf, au ertragreichen Wcidenpflan> zunaen Herrichten. Adgeraten muh werben, .Korb weioen auf gute Wiesen unb Ländereien zu pflanzen, da hierdurch unserer Dvlksernähruna ein unliebsamer Abbruch zugefügt würde. ($3 fragt sich nun, welche Weibensorte eignet sich am b.sten für bic Anpflanzung. Hier spielen bic Boden­verhältnisse bie Hauptrolle. Die beste Korbweide ist die .Grau schal ige Grevelin g". Sic liebt allerdings einen besseren Boden, hat bafür aber bic angenehme Eigenschaft, bah sie sich vor­züglich schält, deshalb auch kurz .Schälweide" ge­nannt wirb. Diese Weibe wirb am besten bezahlt unb bient ausschliehlich zur Herstellung bei ferneren Korbwaren. Eine Weibe, bic auf Sumpft höben vorzüglich gedeiht, ist dieP a l m w c i d c" Sie trägt tm Frühlinge im Gegensatz zu der vorher genannten Kätzchen. Zum Schälen eignet sie sich nicht. Sie wird deshalb ausschliehlich für bie Her­stellung ber grauen Körbe benutzt Re gt ein Boden leicht zur Berunlrautung, so zieht man vielfach die .Amerikanische Weide" vor. Diese hat nämlich einen derart dichten Dlätteransah, daß Gras, Hntraut usw. nicht hochkommen können. S.e hat sonst die Eigenschaften der Palmweide. Für die Anlegung einer Korbweidcnpar^elle gelten folgende wichtige Regeln, die nicht außer acht gc lassen werden dürfen. Zwei Spatenstiche tief roden, gute Pflänzlinge, zeitweise Düngung ml! Kompost oder Thvmasschlacke, Dertift^ung des Un­krautes und sorgfältiges Schneiden. Werken diese Punkte beuchtet, so kann man damit rechnen, öati Korbweidenpflanzungen gute Kap.telrr.l igen sind Die in der Rähe von Gießen liegenden unfruch.» baren Wiesen und Ländereien wer. en sich bestimmt für ben Korbweidenbau eignen. Es wäre nur yj prüfen, welche Weide am besten gedeiht. Ein Der such wird bald hierüber Aufschluß gehen. Fr

Grüningcn, 29. Zan Bei der Dor standswahl der israelitischen Gc m e i n d e Grüningcn und Holzheim wurden bic seitherigen Dorstanbsmitgliebcr Moses Wein­berg, Kaufmann in Holzheim, unb Meier Lind- Heimer, Dichhändler in Holzheim, sowie alt neucS Dvrstanbsmitglieb Kaufmann Ferbinanb Heß, Grüningen, gewählt.

Kreis Lauterbach.

rr. Schlitz, 30. Jan. 3n Anbetracht des außerordentlich gestiegenen Preises für Brennholz hat das Gräfliche Forst amt in dankenswerter Weife sich bereit erklärt, Unbemittelten und KriegerSwitwen unserer Stadt den Holzbedarf zu erheblich billigeren Preisen zu liefern. Ganz Bedürftige erhalten das Holz zum Holzhauer­lohn, solche, die zwar ein geringes, bei der jetzigen Geldentwertung aber durchaus un­zulängliches Einkommen haben, zu einem Viertel des reinen Berechttgungsholzpreises und die, welche an und für sich ein normales Einkommen haben, die aber durch besondere Umstände (Krankheit usw.) in bedrängter Lagc sind, zu einem Drittel des Berechtigung holzpretses; in den beiden letztgenannten Fal­len kommt noch der Holzhauerlohn hinzu. Dieses soziale Verhalten der Gräflichen Forst- verwalwng verdient alle Anerkennung!

Aus dem Moosergrund, £y. Zan Auch In unserem abgelegenen Teile des DogelS- bergs huldigt man bem Fortschritt; Wasser­leitungen werben gebaut unb elektrische Anlagen Hergestellt. Zn ben Dörfern wirb zur Zeit an ben HauSanschlüssen gearbeitet; bis zum Sommer soll bie elektrische BÄeuchtung fertiggestellt sein. Da bie Gcmeinben fast atu große Walbbeftänbe haben unb bie Holzpreisc sehr hoch sind, so fällt eS nicht schwer, die Kosten aufzubringen.

Kreis Wetzlar.

ra. W e tz l a r, 30. Jan. Eine städtische Anleihe in bisher noch nicht dagewesener, aber durch die Verhältnisse bedingter Höhe

Pferdemist. Mama Giese war entsetzt, aber Alt Blücher lachte. .Sehr gesund ist das!" behauptete er. .Die Lore wird mal 'ne gute Landfrau abgeben."

Immer war Onlel Leberecht allerdings nicht so zufrieden. Daß Lore bald der, bald jener Schwester einen Schabernack spielte, wochte hin­gehen. Tie Zulie konnte es mit ber Lore allein abmachen, wenn sie am Abend im Bette md den Füßen an einen quakenden Frosch stieß, der mit vieler Mühe au;g>trieben worden war. Aber daß der Strick dem würdigen Doktor Bie- seke in die hohen Stiefel, die er jeden Abend vor seine Studentür stellte, in früher Morgenstmdc, nachdem der Diener die Ungeheuer gepitzk, ein paar kleine spitze Kieselsteine hinetnprollizierte, ging dem Hausherrn, als er davon erfuhr, denn doch über die Hutschnur. Er kaufte sie ltch ge­hörig, und da sie frech leugnete, nahm er sie beim Schopf, sag e .Du infame Kröt'l' und gab ihr einen Rcpenstüber, fv kräftig, daß das stüpstg« Ding zwölf Stunden lang in knallender Röte schimmerte.

.Was haben Sic denn nur mit dem feinen Röschen gemacht, gnädiges Fräulein?" fragte am Abend Herr von Baufe mitleidig.

.Das geht Sie gar nichts an! bat fte ge­antwortet. .Uedrigens hab' ich etnen furchtbaren Schnupfen, wenn Sie's durchaus wissen wollen, bleiben Sie mir also gefälligst vom Leibei

(Ivmeyung folgt,)