Ausgabe 
31.1.1922
 
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1922 ab. Ernannt wurden:

Alte

Line Begegnung mit Hebbel.

Mainz,

itinuar lanuar

Aus dem Reiche.

Leus Dergarbeiterbewegung.

Der Dichter Wilhelm v. Scholz erzählt in einem Vortrag, dec in der bei Fr. QI Perthes in Gotha erscheinenden Zeitschrift .Deutscher Pfei­ler t'crcileatlc/^t tri.b, von einer bedeutsamen Begegnung mit Hebbel, die ein alter Münchener ^ler aus der Schri id-Zeit e lebte. H.bi:el war nach München gekommen, um seine i Freund Din- gelstedt zu besuchen und der Aufführung seiner Agnes Vernaurr" leizuw-ohner. Durch Lingl- sle^t war der Maler mit dem Dichter bekannt ge­worden, und unerwartet trat dieser plötzlich in seine Stube. .Ich war erfreut und erstaunt" er­zählte der alte Maler, .als ich im Dunkel des Flurs die grofje Gestalt des Dichters mit der mächtigen Stirne erkannte, und mag sehr ver­leben gewe'en sein. Meine Verlegenheit schwand abc bald, als er ein paar Worte gesprochen hatte Wahrend er in dem Künstleckveise in dem ich ihn kennen gelernt hatte, sich unnahbar verschlossen und hoheitsvoll-abseitig gefragt hatte, war er jetzt harmlos-natürlich, ja fast ein wenig Un- behol en im Gespräch, schwieg mehrmals lächelnd und sah sich, dann in meinem Zimmer um. Er betrach'ete alles, was an Bildern und Zeichnungen von mir herumhing, genau und schien bei mancher gezeichnet.-n kleinen Szene in schaffendes Sinnen zu versinken. Ich glaube, daß er gar nicht darauf achtete, wie sie gezeichnet waren, das, er nur irgendeinen dichterischen Sinn aus ihnen heraus-

Dr. Georg Kilian zum Studienrat an dem

Gymnasium daselbst mit Wirkung vom 1

Künstler in Hessen, die Darmstädter Secession, der Hessische Künstlerbund, die Vereinigung Mainzer Künstler, der Dreistädtebund. die Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft, die Darmstädter Gruppe, der Bund Deutscher Ar­chitekten. die Bauwandlung, der Ständige Rat für Kunst in Darmstadt unter dem Borsitz von Exz. Römheld. Der Zweck der Arbeits­gemeinschaft soll zunächst ein künstlerischer, dann ein wirtschaftlicher, ein kultureller, ein sozialer und ein organisatorischer sein. Die Anwendung und Ausführung aller dieser Zwecke und Ziele erstreckt sich auf alle Städte

in Len Kunstleckreis kommen würde, wo wir uns durch Dingelstedt kennen gelernt hatten."

.Viele Jahrhunderte lag diese Begegnung zurück," so erzählt W. v. Scholz weiter. .Olber

ich, stand das Erinnerungsbild vor ihm, ja um rhn.

pll die Hinterziehung von kern Reiche gultc^cnocn Einnahmen mit Gefängnis bis tu 2 Zähren and mit einer Geldstrafe bis <u 10 Millione i bestraft werden. Wer nu e.dem den Vorschriften les Süßstc>,fgesctzes vorsätzlich zuw'.de.handllt wird mit Ge,är.g!.is bis <u euem Jahre und mit einer Geldstrafe bis zu einer Million Mart -bestraft.

Aus StaM unL Land.

Gießen, den 31. Ian. 1922.

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 4. Januar dec Studi.nrat an dem Ernst-Lubwigs-Senii.iar in Bensheim

Vermischtes.

Die Katastrophe des Lichtspielhauses in Knickerbocker.

Washington, 30. Jan. Die Zahl der bei der Katastrophe des Lichtspiel­hauses in Knickerbocker ums Le'ei ge­kommenen Personen beläu t sich n'i;;mebr tu; 112

Um Mi terracht hatte iie freiwi.l g: D«> tungsmannschiit die Durchsuchung der Trümmer des Lichtspielhauses Knickerbocker beendet bis auf den Teil, in dem sich das Orchester befand und wo man leine weiteren Leichen zu finden glaubt. Die Zahl der Verletzten erhöht sich auf 134, darunter 14 Schwerverletzte. Die me.sten Toten sind identifiziert worden. Unter ihre i besttidel sich die Schwester des Gesandten von Guatemala

rm. Darmstadt, 30. Januar. Eine hessische Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst wurde unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Mueller-Darmstadt gegründet. Sie wird zum erstenmal mit einer künstlerischen Veranstaltung, der Ausstellung auf der Mathildenhöhe: Deutsche Kunst. Darmstadt 1922, in die Öffentlichkeit treten. Folgende Verbände sind in der Arbeits­gemeinschaft vereinigt: Freie Vereinigung Darmstädter Künstler, der Verband bildender

das hatte ich damals auf der Staffelei stehen. Es beschäftigte ihn am längsten. Irn Vorder­grund unterhalb der Fürsten-, Staatsmänner- und Heerführer-Gruppen, am Fuhr der Stufen, die die Gestaltenversammlung tragen sitzen zwei symbolische Wesen: die Pest und der Tod: und zwischen ihnen liegt ein schlummerndes Kind, die neue unschuldige Zukunft nach der Zeit der

reviers akgchalten, worin das Verhalten der Unternehmer Lei den Ta rifver Handlungen gegenüber den Betriebsräten besprochen wurde. Die Unternehmer sabotierten das Betriebsräte­gesetz und versuchten die Verhandlungen zu ver- schlchpen. Es wurde eine Entschließung an­genommen. in der folgende Forderungen erhoben wurden:

1. Sicherstellung der Rechte der Betriebs­räte nach einem von den Organisationen aus­gearbeiteten Entwurf von Richtlinien zum Be­triebsrätegesetz, 2. schnellster Abschluß eines Tarif­vertrages einschließlich der Regelung der Frage der Unorganisierten, 3. Kontrolle der Geschäfts­bücher und Anerkennung der von den Organisa­tionen geführten Streiks. Ferner wurden zwei Anträge angenommen, die Kohlenwirtschaft gemeinsam zu regeln und die Betriebsräte zu be­rechtigen. ein bis zwei Mitglieder in die Gruben­vorstände zu entsenden. D>e Kohlenpreise mühten auf Grund der Selbstkosten überall im Reich gleich­mäßig bemessen werden. Das am 28. Januar ab­geschlossene Lohnabkommen wurde angenommen, obwohl die Vers mmlung viel weitergehende Lohn­forderungen für berechtigt hält. Die anderen Berg­arbeiterorganisationen hielten am Sonntag in an­deren Orten des Ruhrgebietes ebenfalls Revier- kvnferenzen ab, in denen zu denselben Fragen Stel­lung genommen wurde.

Eine Flucht aus dem Gefängnis.

Erfurt. 30. Ian. (WTB.) Der aus Erfurt stammende Ober! utnant Ludw. Ditt- mar, der wegen Kriegsverbrechen vom Reichsgericht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und im Landgerichtsgefängnis zu Naumburg untergebracht war. ist Sonntag nacht entwichen. Er ist vermutlich von einem Auto abgeholt worden.

Ueber die Flucht des Oberleutnants Dittmar aus dem Gefängnis Naumburg wird demNaumburger Tageblatt" von zuverläs­siger Seite mitgeteilt:

Gegen 1 Uhr nachts, als eben die Streife der Sicherheitspolizei die Anstalt passierte, verschafften sich die Helfershelfer unter Benutzung einer Leiter und einer Matte, die sie auf die durch Glasscherben gesicherte hohe Umfassungsmauer legten. Eintritt in den Ge° fängnishof, indem sie an einem an der Leiter

1922 der Gerichts^ollsirher Adolf B u e s in Hom­berg zum Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht Dingen mit Wirkung vom Dienstantritt seines Nachfolgers an; am 26. Januar 1922 der Staats­anwalt bei dem Amtsgericht Gießen Ferdinand Klose aus Gießen zum Amttgesichttrat bei dem Amtsgericht Offenbach a. M. mit Wirkung vom 1. Februar 1922 an. Überträgen wurde am 23. Januar der Schulamtsanwärterin Ma­thilde Reuter aus Mannheim eine Lehrerin­stelle an der Volksschule zu Groh-Steinheim, Kreis Offenbach.

** Diebsgut. In letzter Zeit wurden im Felde an der Wilhelmstraye und am Aulweg mehrere Messing-Wasierttitungskra^nm abge­schraubt und gestohlen. Vor Ankauf w.rd gewarnt.

Zuschläge zur Gebührenord­nung für die Dien st männer. Nach ci er Verordr.u g des Polizeiam es sind die D enst- männer, vorbehaltlich jeeer-ei igen Widenu s. b.s auf weiteres berechsigc, zu ie-i Gebühren, die sich aus der Gebührenordiu-g für die Di n man. er in frei* Stadt Gießen vom 24. Septe nb-er 1920 ergeben, einen Zuschlag von 100 Prozent zu er­heben.

Wohltätigkeitskonzert des Wartburg rerei ns erf eute si ch eines

.** Das

Bochum, cO. Qan. (Wolsi.) Der

Berg arbeiterverband hat gestern im

Parkhause eine Delegiertenkonferenz des Ruhr-

befesttgten Knotentau von der Mauer auf den inneren Hof hineinlletterten. Von hier aus müssen sie dem in einer Zelle des zweiten Stockwerks untergebrachten Gefangenen eine sehr scharfe Stahl säge in der Weise zu - gereicht haben, daß Dittmar diese an einer -aus seinem zerschnittenen Bettlaken gefertigten Leine in seine Zelle ziehen konnte. Mit dieser ^Säge gelang es ihm in kurzer Zeit einige .Eisenstäbe des Zellenf^nsterS durchzusägen, so daß eine Oeffnung entstand, wodurch er ins Freie gelangen konnte, bei der außerordent­lich Heinen Oeffnung eine erstaunliche Leistung. Dittmar ließ sich an der erwähnten Leine 12 Meter tief in den GefängniShvf hinab. Die Leine, die sehr schwach war. ist etwa in Haber Höhe gerissen. Es ist zu vermuten, daß Dittmar einige Meter abgestürzt ist. Er muh dann an dem erwähnten Knvtentau über die Mauer geflettert sein. Die Nachtpatrouille im Inneren des Gefängnisses befand sich an einer anderen Stelle der Anstalt. Sie wurde auf­merksam durch das Sprechen der Gefangenen in der Zelle unter Dittmars Zelle. Sie begab sich dorthin, um Ruhe zu gebieten und hörte, es müsse jemand entwichen sein. Vom Säaen haben die Gefangenen nichts gehört. Man vermutet, daß Dittmar das Geräusch durch Beschmieren der Eisenstäbe mit Seife dämpfte. Die Schnittstellen zeigen, daß die Durch- sägung nicht vorbereitet war. Sie sind voll­kommen frisch. Es handelt sich um eine raffi­niert ausgedachte Befreiung. Die Befreier hatten offenbar die Sipv-Pattouille sich erst entfernen lassen. Die Nacht war dunkel und die Straßen hinter dem Gefängnis waren nicht beleuchtet. Die Polizei ist der Ansicht, daß in dem Kraftwagen, in dem Dittmar entführt wurde, sich 3 oder 4 Männer be­fanden.

CEingefanbtc

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Es bedarf zweifellos nur eines Hinweises bei der Behörde, die es angeht, um die Mi^

stände, die in den Räumen des jetzigen Finanz­amtes (Alte Klinik), und zwar auf dem Flur zur Treppe, herrschen, sobald wie möglich Im Interesse des Publikums zu beseitigen k Da stehen an den Amtstagen mitunter zehn, Zwanzig und mehr Menschen vor den Türen der verschiedenen Amtsstuben und müssen oft längere Zett warten, bis sie an die Reihe kommen, aber Sitzgelegen­heiten, mit Ausnahme einer einzigen Dank für etwa 5 Personen, sind nicht vorhanden. Weiter­hin ist zu bemängeln die dunkle Treppe. An trü. Een Tagen kann man sich nur durch Tasten hinckuf- und herunterlinden. S

§ 10 des Sprengn Gesetzes $u 8 fahren Zucht­haus. Oerter wird von der Anklagebe öcde zur Last gelegt, daß er im Jahre 1921 van Otto-Otto zweimal 10 000 Mart angenommen habe und als Minister für diese Geschenke die Vottesie des M.tangeklagten Otto-Ot o wahrgenommen yabe. Otto-Otto wird beschuldigt, er habe um weit­gehendste Anterstühu g ter Regierung and am den Profesforentitel zu erhalten, tem Angeklagten Oerter Geld und andere Vorteile gegeben.

3n ter Beweisaufnahme verdienen d:e Aussagen des früheren Geschät-Vertreters Otto- Ottos, Dr. Decker, besondere Beachtung. Wäh­rend einer luftigen Zusammenkunft bei dem P ,. lizeipräs identen Duchterkiichen soll Oerter von Otto die ersten 10 000 Mark erhalten haben. Am fraglichen Tage sei er, Decker aus ter Straße von Otto-Otto mit dem Auf.rage in das HotelDeut ches Haus" zur ckge chickt wor­den, aus einem Schranke in Ottos Zimmer 10 000 Mark, die für Oerter bestimmt sskem,- zu Holm. Ferner habe Otto einmal in Gegenwart des Fa­brikanten Kittel (S.aßfurt) zu Dccker gesagt: Wenn Oerter mir den Professorenti el nicht ver­schafft, muß er mir das Geld zurückg b.n!" Po- lizeiprästtent Duchterkirchen sagte aus. Schlesing:r habe ihm gegenüber h:ch lens die A deutung gc- macht, daß ter Professo.entitel von einer Geren« leifiung abyänge, glaubt aber nicht, iasi Oerter sich mit 10 000 Mark Hütte bestechen las en, u.nd traut auch Otto-Otto nicht eine solche Bestechung zu. Der Zeuge Kittel be>irii>2t, er erin ere sch nicht, daß Otto ihm mitgeteilt habe, die Ver­leihung des Professorentitels koste ihn 30 000 Marl. Oerter habe aber gesagt:Sie können sich wohl denken, daß es in Braunschweig v e. Geld gekostet hat." Kurz nach ter Verleihung des Ettels sei Oerter mit seiner Frau und feinen beiden Söhnen nach Schierke gekommen. Dn dieser Gelegenheit habe zwi'ch.m Oerter und Otto eine Unterred;tg unter vier Augen s attge.unden. Minister Jonke sagt aus. daß die Verleihung der Be.u,sbrzeichnungP.ofestor" von Oerter allein vorgenommen sei. Bei einer Zusammenkunft in einem Braunschweiger Re anrant h be Otto ge­sagt, er sei geneigt, für die Verleihung des Professors" an die Partrila fe oder f ir einen anderen Zweck 20 000 Mart zu zahlen. Am Tage nach dem Fest bei dem Pol'^eipräsidenten Buch ter-ichen soll Otto zu der Zeugin Hunrel gesagt haben:Mein Kopf ist heute sch rer; .aber meine Brieftasche befto leichter." Die Z<.ugin kam auch einmal mit dem PolizeiprisideMea Buch.er- lirchen und dem Angeklagten Otto in ei iem Wein­restaurant zusammen. Dchhri soll Otto dem Poli­zeipräsidenten erzählt haben, taß er dem Mi- Kiffer Oerter 10 0C0 Mark gegeben habe. Der Antrag des Staatsanwalts lautete gegen Oerter aus sechs Monate Gefängnis. Oeite: si duch das Ve trauen des werktätigen Vo.kes auf deo hohen Posten eines Ministe.Präsidenten gekom­men. Er habe die heili,e Psicht gehabt, allen Volksgenossen ein Vorbild zu sein. Er habe aber den vornehmste? Grundsatz des CBeru^b amten- tums. untadeliges Verhallen, auf das schve.ste ve.letzt. Oerter habe sich als käuflich erwiesen, iafür könne eine Geldstrafe allem nicht die geeignete Sühne fein. Den ©tra,antrag auf qualifiziere Deamterbestechung ließ iie An­klage fallen, beantragte aber 213erfennung der De.ahigung zur Füh ung öffentlicher Aemter auf die Dauer- von 5 Iahten. Das .Urteil soll am Dienstag gesprochen werien.

(BericMsfaaL

Em Ministerpräsident wegen Bestechlichkeit angeklagt.

* Braunschweig, 30. Ian. Die hiesige Strafkammer verhandelte gegen den früheren Ministerpräsidenten Sepp Oerter und Psycho- the.apeuten Otto Schlesinger, g mannt Otto- Otto, wegen Bestechung. Aus te.i Personalien Oerters, der seinerzeit als Kandidat der Links­radikalen Ministetpräsident tru de, tour'e fest- geflellt, daß er schon verschiedentlich vorbestraft ist, u. a. wegen Aufreizung und Verbrechens gegen

Gin Teiltief ist heute Nacht über Norddeutsch­land gezogen. Nordöstliche Winde brachten noch stellenweise Frost. Das Wetter wird sich vorläufig nicht wesentlich ändern.

Landkreis Gieszcn.

kb. Beuern, 30. Jan. Der Gesang­verein Polyhymnia hielt am Samstag in terGermania" sein Wiitterrergnügen bei gutem Besuch ab. Die Chöre und die Theater- stücke wurden mit Beifall ausgenommen. (Sin Tanz hielt die Teilnehmer noch lange beisammen. Gin Lichldilder-Vortrag im Volksdil - dungsverein beschäftigte sich mit der Deut­schen Reichsverfassung. Durch einfache Zeichnungen wurden die G.aindgedanken der Ver­fassung, der Gedanke der Seihstgesehgelu g, der Gi beit, des Rechtsstaates un) der soziale Ge­danke veranschaulicht. D.e Beteiligung halte beiter fein dürfen.

* Lich, 29. Ian. Heute hatten sich im Gast­hausZum Engel" eine Anzahl Mieter zusam- mengefunben, um einen Mieterschutzverein ins Leben zu rufen. Nach einem Vortrag von Reallehrer Heber mehl aus Gießen emärten eine größere Anzahl der Anwesenden ihren Bei­tritt. Die endgültige Gründung des Vereins soll am kommenden Sonntag, nachmittags 3 Ahr, erfolgen.

Kreis Friedberg.

sf. 5 r i c b b e r g, 30. Ian. Der noch nicht bei- "legte Streik der hiesigen Studieren­den beginnt allmählich in ben Kreisen ber Friedberger Bürgerschaft eine lebhafte Beunruhi­gung hervorzurufen, was nicht zu verwundern ist, da die angedrohte Abwendung der Studentenschaft natürlich für die ganze Geschäftswelt Friedbergs von einschneidender Bedeutung wäre. In einer Er­klärung in ber hiesigen Presse stellen sich mehr als 600 alte Herren der hiesigen Korporationen ge= -schloßen hinter ble Forderungen ber Studierenden. Sie verlangen vor allen Dingen eine andere Zu­sammensetzung des Kuratoriums und eine freie, akademische Entwicklung welche die beste Gewähr für den Fortbestand und das Aufblühen der An­stalt sei, sie verwahren sich dagegen, bah biefe auf den Dang einer Daugewerkschule herabgedrückt werden soll. Heute nachmittag fand im Saalbau eine nochmalige Versammlung der Studierenden statt, bei der diese einstimmig auf ihren früheren D. schlössen beharrten. Wie wir hören, soll morgen nachmittag eine Vertretung der Studierenden mit dem erweiterten Kuratorium in Verkmndlung treten: es ist zu hoffen, daß bei dieser Sitzung eine Einigung erzielt wird.

sf. S 5 del b. Friedberg. 30. Jan. Der rührige ZwcigvereinMittlere Wetterau" des D. H. C. hielt sein erstes Stiftungsfest mit Dekorierung der Mitglieder ab; ber Verein war in ber Lage, 16 goldene und silberne Abzeichen verleihen zu können. Die damit verbundene Qlbenb- unterhaltung. um deren Zustandekommen sich der rührige Vorsitzende, Sanitätsrat Dr. Scriba besondere Verdienste erworben hat, erfreute sich eines lebhaften Besuches; zwei flott gespielte Lust­spiele, das eine für den Zweck von Lehrer Hen­rich besonders verfaßt, das andere von Lehrer D o n a 11, Deklamationen, gemeinsame und Ein­zellieder beten ein reichhaltiges Programm, das die Anwesenden mit einem anschließenden Tanz­vergnügen bis zur Morgenstunde zusarnmenhielt.

Hesicn-Nasiau.

fpd. Frankfurt a. M.. 30. Jan. Unter der Angabe, Direktor einer ungarischen Dank zu fein, setzt sich der angebliche Bank­direktor Hugo Rona, der auch unter dem Namen Eugen v. Stummer aufttitt, mit kleinen Banken in Verbindung und veran­laßt deren Inhaber gegen Ausstellung von Schecks auf die Eommerz- und Privatbank in Frankfurt a. M. zur Hergaby von Darlehen. Sämtliche Schecks haben natürlich keine Deckung. Das Scheckkonto ist bei der Bank unter dem Namen von Stummer errichtet worden. Des Gauners konnte man noch nicht habhaft werden.

guten Zuspruchs. Die Vortragsfolge war gut gewählt und enthielt u. a. We.ke von Mozart, Schubert, Mendelssohn. Chopin, Brahms, Goltermann, Moszkowsti, Dizet, d'Albert, alles Namen m.t gutem Klang. Außer den hiesigen Mitwirlenden war noch Frl. Anni H o ch h u t h vom Frankfurter Konservatorium gewonnen, deren llangvolle, auch in Miltellage und Tiefe wohlklingende S.imme ohne weiteres auf die Bühne hinweist. Die in dieser Richtung liegenden Sachen gelangen dem­gemäß auch am besten. Die dankbaren Zuhörer erzwangen sich eine Zugabe. Die Begleitung lag in den altbewährten Händen des Herrn Julius Hahn, der seiner Aufgabe in gewohnter technisch mustergültiger Weise gerecht wurde. Eine schöne, künstlerisch durchaas vollwertige Leistung bot Herr Ernst Schneider (Cello) mit seiner jugendlichen Partnerin Frl. Marie Eckhardt am Flügel. Das Paar war überraschend gut ein­gespielt und berechtigt beiderseits zu den besten Hoffnungen. Auch die Violinsoli des Herrn Otto Schäfer wurden bantbar ausgenommen. Meh­rere längere vierhändige Werke in ein Konzert- Programm aufrunehmen wie es hier mit Mozart und Moizkowsli der Fa'.l war, be'ea!et fast immer ein Wagnis. Daß trotzdem die Aufnahme seitens der Zuhörer eine so warm anerkennende war, darf Frau Happel und Herrn Juttas Schmitz als bestes Zeugnis für die Qualität der Ausführung gelten. Zum Schluß, doch deshalb nicht an letz e- Stelle, verdient das Zusammen­spiel von Violine, Cello u d Klavier (teils zwei-, teils vierhändig) lobend erwähnt zu werben, das sich gleich anfangs mit ber Tttus- Out-crtürc tre flick, ci .füh te. Le der b: a>.n nicht a le An res ndrn Len Ch gei , nu zu- hören zu wollen. In Konzerten hat sich bas Mitteilungsbedürfnis doch wohl mit Rücksicht auf den lieben Mitmenschen nur auf die Pausen zu beschränken. bt.

:r-trzen.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, 7 2hr:Die Schmetterlings­schlacht". Großer Hörsaal der Universität, 8V2 Ähr: Diskussionsabend der Vereinigung der Freunde des humanistischen Gymnasiums.

Oberhessischer Kun st verein. Am Mittwoch ist die Ausstellung von 111 und am Nachmittag von 35 Ahr geöffnet.

Literarische Gesellschaft. Der letzte Dichter-Abend in diesem Winter fi idet am nächsten Renntag statt, zu dem Wilhelm von Scholz aus Stuttgart eing:Iibei ist, um Proben aus seinen Dichtungen zu geben Wilhelm v. Scholz ist als Sohn des früheren preußischen Kriegsmini­sters am 15. Juli 1874 geboren, hielt sich meist auf Seeheim bei Konstanz auf und lebt jetzt in Stutt­gart als Intendant an dem Württembergischen Lundestheatrr. Seine ersten symbolistischm D amei beiten:Der Besiegte" (1899) undDer Gast". Seine erste Gedichtsammlung:Der Spiegel" Weitere Dramen:Der Jude von Konstanz"' (1925) undMeroe" (19C6\ die ihn der Hebbelschen Weise sehr nahe zeigen. In der letzten Zeit hat er sich der Erzählung zugewandt:Die Deich e" aber auch roch das MirakelspiclHer wunder" geschrie­ben. In diesem Jahre fand in Frankfurt Erstauf­führung seines Werkes:Der Wettlauf mit dem Schatten" statt. In seinen Dichterabenden die der Dichter in vielen Städten mit großem Erfolg und Beifall hielt, erwies er sich als vorzüglicher Sprecher, der die Zuhörer in den Dann seiner klugen, nachdenklichen Art zu ziehen wußte. (Siehe heutige Anzeige.)

Die Deutschnattonale Volks- Partei hält morgen, abends 8 Ahr, im Post- keller ihre Hauptversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. Vorstandswahl.

Wettervoraussage

für Mittwoch:

Dunstig, wolkig, leichte Niederschläge, in höheren Lagen Frost, vorwiegend südöstliche Winde.

Greuel. Hebbel, dessen zärtliches Fami.i.ngefühl ja bekannt ist, sah immer auf das Kind zwischen den Anholden. Mir war, als trat eine Träne in sein Auge; mochte ihm seine Kindheit und Jugend vor Augen stehen, machte er an seine, von chm so sehr geliebte Heine Tochter denken. Endlich sagte Hebbel:Hier haben Sie das tragische Gesetz der Welt bargestellt. Das f-chulblose schlummernbe Kinb liivb groß. Es wächst hinein zwischen b:e längst schulbigen Aelte en, es wird im Umgänge mit ihnen ebenso schuldig, es ver­gißt selbst den Schlummer feiner reinen göttlichen He.kunft. Es steigt auf zwischen die Greuel bie Sie ba gemalt haben, zwischen Pest unb Tod und in den Kreis verschlagener,, heimtückischer' unredlicher Machtmenschm, bie hier vor den rau­chenden Trümmern stehen. Ihr Dild ergreift w deshalb so, weil es. damit diese Tragödie zustande kommt, nicht erst eines breijigiäbrigcn xricgeö bedarf." Dann fcuibe sein Blick ab- toefenb, unb es schien, als nähme er nun von

1 ! dem kurzen Besuch soviel mit, bah er ihm nichr

cf' 3Tk-rsa!!jL 9and unlehnenb scheinen mochte. Er schrieb sich

£lyurenbtlb von mir: Der Dreißig,ährtge Krieg; j etwas auf und fragte mich, ob ich abends toieber

ber Alte erzählte mit bem Tobe unb ber Gebärbe der Nähe so, als ob sie gestern gewesen sein tonnte. And das war sie für ihn auch. Es gibt eine Stufe hohen Alters, wo alles Gewesene fast gleichzeitig wird, wo dem Greise fast ununter­scheidbar belanglos ist, wie weit etwas zurück­liegt. Dieser Schauer des Gewesenseins, der von dem alten Manne kam, ließ mich einen Augen­blick wie haltsuchend zurücklehnen und die Augen schließen. Da sprach er noch von dem Ende des kurzen Besuches, ber ihm großen Eindruck gemacht hatte unb in bem Hebbels gelegentliches Der- ferlertum hervortrat wenn nicht, was der Erzähler offen lieh, Hebbel von seinem Freunbe Dingelstebt eine gewisse ironische Art angenom­men baden mochte, mit der er jüngere Bewun­derer freunblich zum besten hatte, inbem er seine bekannten Eigentümlichkeiten übertrieb. Hebbel sprach bavon, wie fein Töchterchen sich an einer Stuhlkante eine Drausche geschlagen hatte unb fuhr bann, aufspringe.ib, fort:Sie be­greifen doch, bah ich ben Stuhl ergriff unb in tausend Stücke zertrümmerte?!" Der Erzähler, ber mir schon vorher eindrücklich und nachahmend die Gestalt und Gehabensart Hebbels geschildert hatte, nahm bei diesen Worten, wie ein Schauspieler, <*._cfonto rZ'ix

eine ihm fremde herrische, zornige Haltung und Darmstadt,

einen großen gebieterischen Gesichtsausdruck an I OffenbQtp, Worms unb Gießen. Seine Blicke funkelten. Ganz lebendig, das stählte» ---

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