Zustand.
nd morgen: .Das Ge- unb .Der Feuerturm
heimnis der Guillotine'
im 9. Le
fortgepflanzt.
sanft ents
*
übertragen.
*
Einsicht. Der
veröffentlicht
anzeiger
,‘TBarum
eines Lesers:
I
RestauratlonsbetriebS dem Wirt Stecken
Hei sanft na lieber B
reisende Stunden.
Die Besorgung des hat die Stadtverwaltung
Hei neb Oroßen- Die
31 d, M.,
— Tageskalender für Samstag Astoria-Lichlspiele, heute und
„Iserlohner Kreis- folgende Zuschrift begründen Sie als
der Vorwurf gemacht werden, daß sie 'Ne Verkaufspreise Hochgetrieben habe.
In der Tonindustrie setzen sich die Haupt-
late ergriffen, so daß mit einem Export von nennenswerter Bedeutung nicht gerechnet werden kann. Es ist auch zu beachten, daß die deutsche Ausfuhr ohnehin dadurch ins Hintertreffen gekommen ist, daß andere Staaten regierungsseitige Zuschüsse für die Ausfuhrfabrikation leisten. Das einzige Land, welches in letzter Zeil noch gröbere Mengen importiert, ist Spanien, aber auch dort hat man durch Ausdehnung der eigenen Fabrikation nur noch einen geringen Bedarf an ausländischen Fabrikaten. Für die nächste Zeit sind daher leider auch von dort gröbere Aufträge kaum zu erwarten.
einen Wochenkohn t>on^5 500 Mark. Dieser Lohn sei zu hoch. Der Oberbürgermeister sagte den Vertretern der Bäckermeister zu, daß er sofort die Lebensmitteldeputation einberufen und von ihr nochmalige Prüfung der Kalkulation verlangen werde.
Der Milchpreis ta Bayern.
München, 29. Dez. (WTB.) Bei Verhandlungen im LandwinschaftSmintsterium über die Festsetzung des neuen Milchpreis e S erklärte der LandwirifchaftSminister Wutzelhofer, er könne einer Erhöhungg des MilchpreiseS solange nicht zustimmen, als sich der südbaherische Milchpreis über dem Milchpreis des übrigen Reiches bewege.
ßkSrtiervoraussage
für Sonntag.
Regnerisches Wetter mit starken Westwinden und milden Temperaturen; spater Rordwestwinde, kälter.
An der warmen Front eines Sturmwirbels gelegen, hatten wir gestern in Westdeutschland Temperaturen über 10 Grad und reichliche Niederschläge. Die Depression hat sich unter Vertiefung ostwärts
spd. Fra Ninden-msiall mehrere ® tnmg im Wert ran sun Wohnungen n -chrfolLdensab tert Schrei! tzchvlolad« Lahnboi zahl Stosse: in i mittell Verden wieder hecb.'i. hing hatte pm jjmbenenn Platzes in . Seht hat nun seine Zustimss ra. 03 o r Ulten Knap inen unb i freute zu! arbelter d halbe lleberf Zwecks gerne
Lieber die vielgestaltige Entwicklungsgeschichte unserer Stadt im Jahre 1922 ist nach Erkundigungen an unterrichteten Stellen im einzelnen zu berichten:
I.
Die Zigarrenindustrie.
Für die Zigarrenindustrie trifft säst völlig zu. WaS die Handelskammer zu Beginn des Jahres zum Ausdruck brachte, als sie die Lage dieser Industrie im Hinblick auf die Zukunft als trostlos bezeichnete. Bis Mitte des Jahres war die Zi- garrcnbranche noch einigermahen gut beschäftigt, insbesondere kam ihr dabei ein nicht unbedeutendes Ausfuhrgeschäft zu Hilfe. 3n letzter Zeit haben aber die meisten Auslandstaaten prvhib'ttive Mahnahmen gegen die Einfuhr fremder Fabri-
Heutiger Stand des Dollars
10 Uhr vormittags:
Frankfurt o. M. 7300.
। Am 2 "tue Frau und Tann
0/eßen, i den :
Auf Wun
Landkreis Gietzen«
gbg. G r ü n b e r g. 26. Dez. Am 1. Weih- nachtsfeiertag fand hier die feierliche Weihe des Kriegstotendenkmals für die Gefallenen und Vermißten des Weltkriegs unter starker Beteiligung der Einwohnerschaft statt. Der Gemeinderat. der Denkinalsausschuh. Kirchenvorstand. Kriegerverein und Gesangvereine mit Fahnen, die Angehörigen der Gefallenen und eine zahlreiche Menge hatten sich vor der ehrwürdigen Stadtkirche eingefunden, wo das neue Denkmal, vom Marktplatz aus sichtbar, inmitten der Stadt und doch dem Straßenverkehr entzogen, einen geeigneten und würdigen Platz gefunden hat. Den Sockel aus Muschelkalkstein, der die Ramen der Gefallenen und Dermitzten aus den Zähren 1914 bis 1918 trägt, krönt ein in die Flanke getroffener Löwe, der zwar zusammengebrochen, aber nicht zu Tode getroffen ist. Entwurf und Modell sind das Werk von Studienrat Huber- Ostenbach, die Steinhauerarbeit hat Steinhauermeister Leonhard-Grünberg auZgesührt. Rach den Klängen „Wir treten zum Beten" durch den Musikverein übergab namens der Bauleitung Oberbaufefietöc Seim- Grünberg in kurzer, kerniger Ansprache das Denkmal in Schutz und Obhut der Stadt.
-Si
M
httu S!'”<
Jutitß J!n.aeb.
'Ä
von Lasayette". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen: .Schweres Blut". — Palast- Lichtspiele. bis einschl. Montag: „Die d<mlschen Kampfspiele" und „Lebensglut".
— Tageskalender für Sonntag. Stadttheater. 3'/z-llhr: „Das tapfere Schneiderlein"; 1 Ahr: .Frühlingslust". — Gase Ernst-Ludwig: Silvesterseier.
— Tageskalender für Montag: Stadttheater, 3'^Tlhr: „Das tapfere Schneider- lein"; 7 Uhr: „Schwarzwaldmädel". — Astoria- Lichtspiele, ab heute: „In den Krallen der Geier" und „Die Tänzerin des taiserl. Balletts". -- Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. ab heute: „Die Deichte der Mörderin" und „Die Derlobungsreise".
— Z u dem Lichtbildervortrag des Kapitäns Pochhammer, der im heutigen Anzeigenteil angekündigt wird, teilt man uns noch mit: Kapitän Pochhammer hat die gesamten Fahrten der deut chen Kreuzergeschwader während des Weltkrieges mitgemacht und an den Schlachten bei Eoronel und an den Falklandsinseln teilgenommen. Aus der Seeschlacht an den Falklandsinfeln wurde er nach stundenlangem llmhertreiben in eisigem Wasser als einer der wenigen lieberlebenden auf- gefischt. Kapitän Pochhammer wird seinen Dortrag durch interessante Lichtbilder illustrieren.
S«
Sto-fW1 ter MH'"« wieder Ä* Seite xchm SS
Verte von ' W «jSE Sn-beMk-n Gntereffe eh*r schen Dchtlse
unkosten aus Arbeitslohn und Kohlen zusammen. Letztere spielen naturgemäß eine weit großen: Rolle, als bei anderen Industrien, in denen ein Brennen nicht in Frage kommt; sie wirken infolgedessen ganz gewaltig auf die Herstellungskosten. Wenn es nicht möglich ist, die Weitersteigerung der Kohlenpreise und der Löhne aufzuhalten, so ist es auch nicht denkbar, die Baustosfpreise her- unterzubringen. Die Folge wird sein, daß das Bauen immer nvck) schwieriger wird und der Ton- Industrie keine Bestellungen mehr zufließen. So hat das Jahr 1922 auch bereits gezeigt, daß trotz der 'Baustoff- und Wohnungsnot die Rachsrage in der Tonindustrie bei feder Preissteigerung geringer geworden ist, dah sogar Bestellungen zurückgezogen wurden, selbst bei Dachzi-geln, welche allg m in noch Immer («sucht s nd. In d r Haupt- fabritation find die Bestellungen aber ausgeblieben. und es waren am Ende dieses Jahres bev.ü;s B.t i bseinschränk^ngen notwendig. Hieran sind nicht wenig auch de immer weiter steigenden Frachtkosten, die bei dem groben Gewicht der . Ware in die Wagjchale fallen, schuld.
„„ Wenn im allgemeinen nicht eine Besserung m^sleter politischen Lage erreicht wird, so muh mit <°l%en der kommenden Zeit entgegengesehen toer- ; um so mehr, als es heute mcht mehr möglich ist! orräte auf Lager zu stellen. Die enormen ®eJfpL men, welche heute an einem Zahltage auf» güwei.^a werden müssen, find nicht leicht zu be- schassen In den Wintermonaten aber, wenn der Versand in der Ziegelindustrie stark heruntergeht, ja oft ganz r-uht, ist das ein verhängnisvoller
C, Dereln«
w-%-
Verleger immer noch so ausführlich Ihre monatlichen Preiserhöhungen, die in Wirklichkeit überaus mäßig sind und in gar keinem Verhältnis stehen zu den fast täglichen Steigerungen aller Artikel des täglichenn Lebens? Sie wissen doch, daß bei einer letzten Versteigerung in Bayern der Raummeter Papierholz auf 36 000 Mk. gestiegen ist, daß dieser wahnwitzige Holzwucher noch täglich weiter geht, daß eine einzige Steinguttasse mit Teller 700 Mk., ein Pfund Margarine 1100 Mk.
Aus S.adt und Land.
Gießen, den 30. Dezember 1922.
An unsere Leser.
Die Geldentwertung des letzten Monats, verbunden mit einer Verteuerung des Zeitungspapiers um beinahe das Dreifache, bedingt erneut eine Steigerung der Bezugs- gebühren und Trägerlöhne für alle deutschen Blätter. Für den Gießener Anzeiger ist der Bezugspreis vom 1. Januar an festgesetzt auf 760 Mark, der Trägerlohn beträgt 40 Mark; die Einzelnummer kostet 35 Mark. Die Bezugsgebühr kann auf Wunsch In zwei gleichen Raten gezahlt werden, die am 2. und am 15. Ganuar fällig sind.
Verlag des Gießener Anzeigers. * ♦ *
Die LiebiqShöhe,
dis bekanntlich von der Stadt durch Kauf erworben wurde, ist im Laufe der letzten Monate zu einem recht behaglichen Famittenrestaurarrt mikgestaitet unb in den festen D.rgen tem öffentlichen Verkehr übergeben worden. Schon das äußere Bild des stattlichen Hauses ist recht erfreulich, die Defriodigung über bad dort oben Erschaffene wachst aber erhcblich. wenn man die antzstmelnde, geräumig? 3nnengcftal:ung betrachtet. Die ^ühere (Startenballe hat man in recht glücklicher Weste mit dem übrigen Bau verbunden und dadurch einen schönen to eiten Önal geschaffen, dessen gefällige Farbengebung und ausgiebige Beleuchtungsanlage einen guten Eindruck machen. Dor dem Saale. rechts und links vom Haupteingang, sind eine geräumige Garderobe und die Toilettenräume eingebaut worden, sonst hat man von Umbauten Abstand- genommen. Weiter sind gemütliche Raume für den täglichen Restaurationsverkehr hergerichtet, die sich auch aanz famos zu kleinen Familienfeiern eignen Dürften. Ein gemütliches Zimmerchen im Obergeschoß erscheint für kleinere geschlossene Gesellschaften recht geeignet. Aus der Rückseite des Hauses hat man die langgestreckte, breit aus- labenbe Terrasse mit der lieblichen Aussicht auf Gießen und die es umgebenden Höhenzuge für einen ausgedehnten Ausflüglerverkehr eingerichtet. Bis zum Wiedereintritt besserer Tag? wird dieses schöne Plätzchen ein einladendes Aussehen erhalten haben.
Aus Einladung des Oberbürgermeisters versammelten sich am Donner Stag nachmittag leitende Herren der Stadtverwal ung, zahlreiche Mstg'ie- der der Stadtvervrdneten-Bersamm ung und Vertreter der Presse zu einer Besichtigung dieses neu hergerichteten städ ischen Eigentums. Bürgermeister K r c n z i e n führte die Gäste und gab die orientierenden Erklärungen. Sämtliche Teilnehmer an dem Rundgang äußerten ihre vollste Zufriedenheit mit der vom Stadtbauamte dort geleisteten guten Arbeit. Eine gemeinsame Kaffeetafel hielt die Damen und Herren noch geraume Zeit in angeregter Untergattung beisammen. Bürgermeister Krenz'ien feierte bei dieser Gelegenheit den Stadtv. W i n n, der sich um den Berkaus dieses Geländes an die Stadt sehr bemüht unb in persönlich-vpfersreudiger Art sich mit Energie dafür eingesetzt hat, bis sein Ziel erreicht war. 'm trefflichen Worten, und sprach ihm den Dank der Stadt aus. In schlichter Weise bemerkte Stadtv. W i n n zu dieser Ehrung, er habe es lediglich als seine Pflicht als Stadtverordneter angesehen, dafür zu sorgen, daß dieses Terrain nicht zu Jndustrlezwecken in Privathand, sondern zum Wohle der Allgemeinheit in den Besitz der Stadt überzugehen habe. Daß ihm dieses Werk gelungen sei, freue ihn in hohem Maße. Manche launige Rede gern gehörter Herren und manch? amüsante Ausgrabung Alt-Gießener Erinnerungen würzten das Beisammensein in schönster Weise und bereiteten allen Teilnehmern einige
Aus dem besetzten Gebiet.
Em dreister Brief Dorlens.
Einer Korrespondenzmeldung zufolge hat der rheinische Sonderbündler Dorten an die Reichsregierung ein Schreiben gerichtet, in dem er um moralische und materielle Unterstützung seiner Pläne nachsucht. Er versichert erneut, daß sich seine Tätigkeit nicht gegen das Reich richte, sondern nur die Loslösung der Rheinlands von dem habgierigen und raubsüchtigen Preußen bezwecke, eine Tätigkeit, die den Reichsbehörden seiner Auffassung nach nur sympathisch sein könne. Die Reichsregierung hat selbstverständlich auf dieses Schreiben nicht geantwortet.
und ein Pfund lumpiger Haselnüsse mit so und so viel leeren Schalen 600 Mk. usw. kosten., ilnb da soll eine täglich erscheinende Zeitung wie der „Kreisanzeiger" einschließlich Botenlohn für einen ganzen Monat frei ins Haus getragen mit 600 Ml. für den Monat Dezember zu hoch bezahlt sein? Wer das behauptet, mag sich mit seiner Weisheit allein abfinden." Dieser einsichtigen Meinungsäußerung kann man nur zustimmen, denn sie ist in allen Teilen durchaus richtig und auch sehr beherzigenswert — nicht nur in Iserlohn, sondern überall!
_ siebene r Hundertsätze zum
Reichsmletengeseh sind vom Kreisamt wie folgt festgesetzt worden: für die Zeit vom l Juli bis 30. September 544 Prozent, ab 1. Oktober 1525 Prozent. Die Schvrnsteinfegergebühr-en und das Wassergeld sind darin nicht enthalten. SHc Sätze werden in unserem heutigen Anzeigenteil amtlich zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
* Die Einrichtung von Hauskonten betrifft eine Bekanntmachung des.^Oberbürgermeisters in unserem heutigen Anzeigenteile, die wir der Aufmerksamkeit der Interessent er empfehlen.
* * Die Abzüge von der 10prv- zentigen Einkommensteuer vom Arbeitslohn, die ab 1. Januar 1923 gelten, werden im Anzeigenteile unseres heutigen Blattes amtlich bekannt gegeben. Man beachte diese sehr wichtige Veröffentlichung.
— Der Gaspreis wird ab 1. Januar aus 165 Mk. für den Kubikmeter erhöht.
* * Für Spareinlagen wird der allgemeine Zinsfuß vom 1. Januar ab auf 47»% erhöht (Siehe Bekanntmachung.)
* • lieber die Ablieferung der Steuerbücher und Steuermarkenblätter für da- Jahr 1922 gibt eine Bekanntmachung des heutigen Anzeigenteils eingehende Anweisungen, deren Beachtung allen Arbeitnehmern dringend empfohlen sei.
* * Die Festsetzung des Wertes der Sachbezüge In der Stadt Gießen betrifft eine Bekanntmachung des städtischen Versicherungs« amtes, die im Anzeigenteile unseres heutigen Blattes zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird.
— Die Bestimmungen über die Einziehung der Beiträge zur Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung für Hausgewerbetreibende werden* im heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben.
" Die Stenographen-Gesellschast Ga- belsberger und Damenabteilung e. V. eröffnen am Montag, den 8. , und Dienstag, den 9. Jan., in her Stadtknabenschule, Rordanlage, einen Anfängerkursus für Damen und Herren. (Siehe Anz.).
"Stadttheater. SS sei darauf hingewiesen, daß am 2. und 3. Januar die zweite Hälfte des Dienstag-Abonnements ausgegeben wird, und zwar am Dienstag die Karten für den gesamten Sperrsitz und die Logen und am Mittwoch für die übrigen Plätze des Dienstag-Abonnements.
* * Silberne Hochzeit feiern am 31. De» zember Johannes Hoßfeld und Frau Emma geb. Hartmann.
Vornotizen.
Bedenkt man, daß die Zigarrenindustrie — abgesehen von in Deutschland selbst gebautem Tabak, dessen Preisgestaltung sich aber völlig nach den Preisen für Auslandstabak richtet — aus- landische Tabake nur nach holländischer Währung kaufen kann, daß aber die holländische Valuta von 62 im Januar auf über 3000 im Dezember, das Goldaufgeld von 4000 Prozent auf 183 000 Prozent, die Löhne von ca Mk. 250.— pro Mille auf ca. Mk. 6000.— pro Mille und alle sonstigen Unkosten entsprechend gestiegen sind, so ist es nicht zu verwundern, wenn heute eine Keine Zigarre zu deren Herstellung etwa 7 Klg. ausländische^ Rohtabak erforderlich Hab, unter einem Klein-> g<^ Handelspreis von Mk- 100- pro Stück nicht mehr - zu verkaufen ist. Solche Lasten müssen den Verbi auch töten, und es ist tatsächlich auch ein starker Rückgang des Konsums zu konstatieren, der, da kein Fabrikant das nötige Kapital hat, um unter den heutigen Preisen des Fabrikates auf Lager arbeiten zu können, zu erheblichen Arbeitsein- fchrankungen, Arbeiterentlassungen unb Stilllegung von Betrieben geführt hat.
zu der edlen Komöbiantentochter. Do mundet das Stück, dessen Wedekindschr Bestandteile es ins Bereich der Groteske gewiesen hätten, im Hafen der Wohlbehaglichkeit für alle Teile; und man ist ja an El-fchütterungen jetzt derart gewöhnt, daß dieses Ausklingen nicht einmal für den ästhetisch Prüfenden etwas Beleidigendes oder Stilwidriges erhält. Wallburg Gerd Fricke, Walter Jung, Hennings unb die stets vornehme Künsllerin Hilde Wall trugen hier Stück und Erfolg.
Im Schauspielhause vereinte ein Abend zwei weltenweit verschiedene Stücke: „Das P o st a m t“ von Rabindvanath Tagore ist eine ungemein zarte, gänzlich undramatische poetische Vision, und das Jneinanderverweben von Traum und Wirklichkeit bei einem sterbenden Kinde hat schon manchen Beurteiler an Hauptmanns „Hannele" erinnert, von dem es abei wiederum das äleberwiegen der schönen weichen Eindrücke trennt. Rose Weber die In Mannheim bekannte junge Schauspielerin, war hier von wundervoller Naivität, ihre Sprache gewahrte geradezu musikalischen Genuß. Weicherts Regie erreichte mit einfachen Mitteln große Wirkung. Ganz anders „Der Eng lander“, diese atemlose, wild einherstürmende „dramatische Phantasie" aus der Geniezeit, die Reinhold Lenz, der Jugendfreund Goethes, dereinst aus übervollem Herzen geschrieben; allerdings jede dramatische Entwicklung, ja jeder Keim einer fortschreitenden Handlung, fehlt hier vollends. Trotzdem, das Werk läßt eine ..Revolutionierung der Herzen" und die Rähe großer Geister ahnen und mag als intere- effanter Versuch einer Charakterstudie — mehrere Jahrzehnte vor Buchners weit bedeutenderem „Wozzeck" — btngenommen werden Der Darsteller deS „Engländers", Rorbert Schiller, hat Jugend unb Temperament, Forderungen wird er mit der Zeit ablegen müssen. Unter der Spielleitung Dr. Burgers empfing die lose Bilderfolge einen stilvollen, der Historie angebafften Rahmen.
Dr ®eorg Schott
3m übrigen hat ja auch die Notiz über die Arbeitslosigkeit im Tabakgewerbe, die im „Gieß. Anz." vom Mittwoch, 27. Dezbr., zu lesen war, eine deutliche Beleuchtung der Lage in der Tabakbranche gegeben.
Die Rauch- und Kautabakindustrie.
3m ersten Halbjahr 1922 war die Beschäftigung zufriedenstellend. Der außergewöhnlich rege Geschäftsgang, der vorübergehend in der Zeit von Anfang Juni bis etwa Mitte Juli zu verzeichnen war, erklärte sich aus der starken Vor- r>erforgu~tq des Handels unb aud) der Verbraucherkreise mit Tabakerzeugniffen im Hinblick au, oie am 1. Juli in Kraft getretene Banderolesteuernovelle. Die von dieser gebrachte erhebliche steuerliche Mehrbelastung in Verbindung mit allen übrigen unglücklichen Folgeerscheinungen unseres ungeahnt rapiden Währungsverfalles während des zweiten Halbjahres, hat notwen.igerweise zu einer derartig sprungweisen Verteuerung der Tabaksertigerzeugnisse geführt, daß die Aufnahmefähigkeit in den Abnehmerkreisen stark nachgelassen hat, daß infolgedessen Absatzstockungen eintraten und, wiederum durch diese verursacht, Detriebseinschränkungen notwendig waren. Hierdurch erleiden allerdings die im Tabakgewerve beschäftigten Arbeitnehmer vorläufig feinen erheblichen Ginkmnmenaus-» fall, da sie 75 Prozent des bisher verdienten Lohnes traft gesetzlicher Bestimmung als Staatsunterstützung erhalten, sofern ihnen v,n der zuständigen örtlichen Behörde bescheinigt wird, daß sie Heine andere geeignete Beschäftigung finden können. Daß bei Erteilung biefcr Bescheinigungen nach Ansicht weiter, dem Gewerbe nahestehender Kreise oft sehr weitherzig verfahren wird, lei hier nur angedeutet zur Kenntnis mancher Hausfrau, die gewiß gerne eine beschäftigungslose Zigarrenmacherin alS Hausmädchen einstellen wurde, unb auch im Interesse der Steuerzahler, die sich mit Recht wohl für die Frage interessieren, wie die Reichseinkünfte verwendet werden, und ob nicht etwa die aus der Dandervlesteuer fließen- den Einkünfte zu einem erheblichen Teil wieder durch die vorerwähnten Llnterstützungszahlungen aufgezehrt werden.
Die Tonindustrie.
Die allgemeine Baust offnot unb schlechte Erfahrungen mit den Ersatzbaustoffen versprachen der Tonindustrie für 1922 ein glänzendes Geschäftsjahr.
Durch die furchtbaren Kohlenpreise und durch die rapide Steigerung der Löhne und aller anderen Ankosten sind sehr hohe Ziegelsteinpreise und dementsprechend auch hohe Verkaufspreise aller Fabrikate der Tonindustrie entstanden, sie haben aber den Werken nicht den entsprechenden Nutzen gebracht. In der Vorkriegszeit waren die Ziegel- Preise derart gedrückt, daß die meisten Tonwerke um ihre Existenz zu kämpfen hatten. Die Preise, die sich dann nur wenig günstiger gestalteten, wurden im Jahr 1922, so paradox es bei den hohen Preisen auch aussieht, den Kohlenpreisen und Arbeitslöhnen entsprechend aber zu niedrig gehalten. Jedenfalls kann der hiesigen Dvnindustrie nicht
Gießen im Jahre 1922.
Wehrnüttg so mancher Hoffnungen gedenkend, dte man auf das Jahr 1922 gesetzt hatte und dte dann bitter getäuscht wurden, erfüllt von schwerer Sorge um die 'Beschaffung der unabweisbaren Lebensbedürfnisse und voll Ernst im Hinblick auf die überaus dunkel und schwer lastend vor uns stehende Zukunft, sieht man auch in unserer Stadt das Jahr 1 922 scheiden. ES hat dem deutschen Volke und damit auch der Gießener Bürgerschaft dte bis jetzt schwerste LeidenSzeit der Rachkrtegsjahre gebracht. Die beständig und namentlich in den letzten Monaten ungeyeuer- ltch gestiegene Verteuerung der Lebenshaltung, die immer tiefer einschneidende Zusammenschnürung des gewerblichen und industriellen Lebens, wie sie z. B. aus unseren verschiedenen Berichten über den Gießener Arbeitsmarkt ersichtlich wurde, die schweren kulturellen und sozialen Nöte, die wachsenden Schwierigkeiten der öffenllichen Verwaltung und so vielerlei andere Erschwerungen und Hemmnisse sind die Mellensteine der großen deutschen Not auch in unserer Stadt geworden.
Dicht Frohsinn wie in früheren, glücklicheren Jahren wird uns in der Silvesterstunde beseelen, das heitere Lachen ist verttie- ben durch das graue Gespenst der Sorge, nrtt der wir die bange Frage aufwerfen, was der Einzelperson und der gesamten Bürgerschaft samt ihren vielgestaltigen Einrichtungen wohl -noch Schweres bevorstehen möge. Nur eine Hoffxung mag den Tag der Jaoreswende er- nd i e Hoffnung nämlich, daß das Schick-
; Einzelnen wie das unserer Gesamtheit in Epttes Hand liegt, und daß wir es leichter ertragen können, wenn wir in E i n i g k e i t und opferbereiter Nächstenliebe überall und zu jeder Stunde zusammenstehen 1
Frankfurter Theater.
3n den letzten Wochen vor Weihnachten haben die Frankfurter Bühnen fleißige Arbeit getan, unb zumeist mit gutem Gelingen. 3m Neuen Theater sah man den „Mustergatten" von Avery Hopwood, Deutsch von B. Pogson. Es ist
• ein amerikanischer Schwank, unb der Hergang wie die Entwicklung bieten nichts Außergewöhnliches, sondern verwenden alte, erprobte Der-
L fahren drastischer Komik. Wer aber In diesen Zeiten entsetzlicher Beklemmungen die Ueberzeu- gung hat, baß das Lachen eine her schönsten Goltesgaben und „bet Schalk uns am wenigsten zur Last" ist. der mag an btefem harmlosen- quid gebauten Scherzspiel, wo der steif-langweilige Mustergatte mit der Frau seines Freundes eine Eheirrang vortäuscht unb „auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege" die Liebe seiner eigenen Frau neu erobert, ungetrübtes Vergnügen haben. Zumal, wenn sich zwei Darsteller finden, die mit soviel Charme und Drolerle die gefährlich-unverfängliche Nacht- und Trunkenhrttsszene spielen wie Otto Wallburg unb Visa Gleis. Höher streben * Max MohrS „Improvisationen im Juni", die ebendort ausgesührt wurden. Hier wechseln im raschen Nacheinander „Scherz, Satire, Ironie unb tiefere Bedeutung", und die Komödie, deren Stilart Georg Kaiser und Wedekind Vorbilder gewesen sind, scheint doch im Grunde Ausfluß einer romantisch-sentimenlalen Veranlagung zu sein. Die Fabel bringt mit der Herrennatur, eines amerikanischen Milliardärs und dessen ewig elegischem Sohn, dem die Knechtung drr Menschen durch den Mammon tiefer Seelenschmerz ist, einen munteren, sich nimmer beugenden Tierbändiger — ehemals russischen Offizier — unb einen rein geschäftsmäßig egoistischen Komödianten, eben den „Improvisator , zusammen, unb in einer Welt, da sonst das Niederträchtige das Mächtige zu fein pflegt, siegt die selbstlose Liebe des jungen Russen


