bei totri> zum Wohle des Reiches und der mit diesem in inniger Schicksalsgemeinschaft fest verbundenen Länder und zum Besten unseres schwer geprüften deutschen Vaterlandes."
Der Reichspräsident erwiderte:
„Herr Ministerpräsident! Meine Herren! Haben Sie herzlichen Dank für die Mitteilung, daß der Reichsrat dem Beschlüsse des Reichstags über die Aenderung des Artikels 180 zugestimmt hat, und für die Glückwünsche, die Sie dieser Mitteilung beifügen. Ich danke 3bnen für diesen Akt des Vertrauens, den der Reichsrat damit bekundete, und kann auch Ihnen gegenüber nur das wiederholen, was ich dem Präsidenten des Reichstages bei der Mitteilung des Beschlusses des Reichstags versicherte, dah ich auch künftighin in meinem Amte, meinem Gelöbnis getreu, meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, die Verfassung und Gesetze des Reiches wahren und meine Pflichten gewissenhaft und unparteiisch erfüllen werde. Insbesondere werde ich in meinem Amte immer bestrebt sein, den besonderen Interessen der Länder volle Würdigung widerfahren zu lassen. In der berechtigten Eigenart der deutschen Stämme einerseits, aber auch im Zusammenschlüsse zur Ration andererseits liegen die Wurzeln unserer Kraft und das Vertrauen auf eine bessere Zukunft. Rur in dem festen unerschütterlichen Gedanken der deutschen Einheit und im festen Zusammenhalt des ganzen Reiches kann es uns gelingen, den schweren Röten und Stürmen der Gegenwart standzuhalten. In Erfüllung der schweren Aufgaben, die uns noch bevorstehen und die es zu lösen gilt, um die Zukunft unseres Volkes zu retten, rechne ich wie bisher auf die verständnisvolle Mitwirkung des Reichsrates. Rur wenn die beiden gesetzgebenden Körperschaften im Reich im vollen EinverständE für die Bedürfnisse des gesamten deutschen Volkes zusammenarbeiten. und nur wenn hinter ihnen die wertvollen Kräfte der Ration sich zusammen- schliehen, können wir hoffen, aus der Röten der Zeit das Reich in eine bessere Zukunft zu retten. Um diese Mitarbeit an dem groben Ziele unserer gesamten Ration bitte ich Sie auf das herzlichste!"
Die fremden diplomatischen Vertre-- t e r haben dem Reichspräsidenten im Laufe der letzten Tage persönlich die Glückwünsche ihrer Regierungen zur Erneuerung des Amtes ausgesprochen. Außerdem sind dem Reichspräsidenten von den Regierungen der deutschen Länder, den öffentlichen Körperschaften, Vereinigungen. Verbänden und zahlreichen Privatpersonen Glückwunschschreiben und Telegramme zugegangen. Heidelberg, die Vaterstadt des Reichspräsidenten, sandte am 25. Oktober folgendes Telegramm:
„In freudigem Stolz über die ehrenvolle Berufung eines Sohnes seiner Stadt zum ersten verfassungsmäßigen Präsidenten der deutschen Republik sendet herzlichste Glückwünsche der Stadtrat."
Amerika und die Lausanner Konferenz.
London, 28. Oft. (Wolff.) AuS Washington meldet Reuter: Die Vertreter der englischer, französischen und italienischen Regierung haben förmlich um aktive Beteiligung der Vereinigten Staaten auf der Gaafanneti Konferenz nochgesucht. Staatssekretär Hughes teilte darauf der englischen französischen und italienischen Regierung mit, baß die Regierung der Vereinigten Staaten sich an der Konferenz nicht Offiziell beteiligen könne, weil Amerika mit der Lürkei nicht Ärie’g geführt habe. Mit Rücksicht auf die wichtigen Interessen der Vereinigten '.Staaten im Rahen Osten werde die Regierung jedoch Beobachter bestimmen, die den Verhandlungen beiwohnen würden.
Die Anbahnung
-es deutsch-russischen Handelsverkehrs.
- Moskau. 26. Oft. (Wolff.) Der hier eingetroffene Leiter der Berliner Handelsvertretung der Sowjetregierung, Stomonja- kow, hat sich Pressevertretern gegenüber über den mit dem Wolffkonsortium abgeschlossenen Vertrag dahin ausgesprochen, dah er ein Vertrauensvotum der deutschen Indu- striewelt gegenüber den russischen Wirtschaftsorganen bedeute. Der Vertrag sei die erste große Handelskonzession der russischen Regierung an das ausländische Kapital. Sto- monjakow drückte die Hoffnung aus, dah in nächster Zeit eine Reihe anderer Verträge auf analoger Grundlage zum Abschluß gelangen werde. Das deutsche Kapital habe nur in geringem Maße die chm durch den Vertrag von Rapallo gebotene Möglichkeit ausgenutzt, woran der in Deutschland herrschende Mangel an Kapital und die schwierige internationale
Die Herweghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.
26. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Als erster Gast zu dem sonntäglichen Mittagsmahl bei Generals erschien Herbert. Er trug einen Smoking von Lutz, aus dessen Aermeln feine langen Hände herausschauten, hatte sich einen Scheitel gezogen und eine Nelke ins Knopfloch gesteckt.
Der General, der über seinem Frack noch einen alten Waffenrock trug, machte ihm selbst auf.
„Morgen, Herr Generalfelbmarschall."
„Morgen, Lümmel. Kannst mir mal helfen den Mosel kaltstellen."
Er war gerade dabei, seine Batterien hinter der Badewanne aufzufahren, die voll Sisstücke lag. Tante Deich wirtschaftete noch mit dem Lohn- diener im Speisesaal herum. An solchen Sonntagen war sie hereits von sechs Lkhr an auf den Deinen, sie räumte alle Blumentische eigenhän- digst ab und polierte das Silber, bis es blinkte, obwohl ihr der General feit dreißig Jahren versicherte, dah „es darauf nicht ankam".
Punkt Zwei versammelten sich die Gäste in dem engen Flur, wo ihnen Trina, die an diesen Sonntagen unten aushalf, die Sachen abnaym.
Llnd Herbert machte sich die Leere des Speise- faals zunutze, indem er den Krokantaufsähen ihre überflüssigen Krönchen abnahm. Sie schmeckten vorher am besten.
2llS alle da waren, rauschte endlich auch Frau von Herwegh herein, noch erregt von der Jagd
Lage Deutschlands Schuld seien. Allerdings könne das deutsche Kapital mehr leisten, als es bisher getan habe. Er sei überzeugt, dah der Vertrag mit dem Wolffkonsortium für die deutsch-russische Wirtschaftsgemeinschaft den Beginn eines neuen Zeitabschnitts bedeuten werde.
Die neuen Gesamtbezüge der Beamten.
Der Reichstag hat vor einigen Tagen die neue Beamten-Desoldungsoronuno in drittel Lesung angenommen. Ilm eine älebersicht über die Oktobergehälter der Beamten zu gewahren, haben wir in der folgenden Tabelle für die einzelnen Gruppen die Gr indgshälter, die Ortszuschläge und die prozentualen Teuerungs- zuschläge firr einen unverheirateten Beamten der Ortsklasse A zusammengestellt.
Anfan gebet'
End- gehalt
Gruppe 1
12463 Mk.
13431 „
16892 Mk. bis 17. Oft.
18204 „ nach 17. Oft.
Gruppe 2
14008
15096
18849 „ bis 17. Ott.
20313 „ nach 17. Oft.
Gruppe 3
15759
16985
*
20394 „ bis 17. Ott.
21 978 „ nach 17. Oft.
Gruppe 4
16892
18144
22454 „ biS 17. Ott.
24198 „ nach 17. Oft.
Gruppe 5
18849
20313
24205 „ bis 17. Olt
26 085 „ nach 17. Ott.
Gruppe 6
20806
22422
•
26059 „ bis 17. Ott.
28083 „ nach 17. Ott.
Gruppe 7
22763
29252 „ bis 17. Ott.
24531
31524 „ nach 17. Ott.
Gruppe 8
25132
27084
-
32239 „ bis 17. Ott.
34 743 „ nach 17. Oft.
Gruppe 9
27707
29859
-
35535 „ bis 17. Oft.
38 295 „ nach 17. Oft.
Gruppe 10
30694
33078
-
41 200 „ bis 17. Oft.
44400 „ nach 17. Oft.
Gruppe 11
33887
36519
46968 „ bis 17. Oft.
50616 „ nach 17. Oft.
Gruppe 12
39655
42735
55105 „ bis 17. Ott.
59385 „ nach 17. Oft
Gruppe 13
49440
53220
70040 „ bis 17. Oft.
75 480 „ nach 17. Ott.
Für verheiratete Beamte tritt zu diesen Sätzen noch die für alle Besoldungsstafen gleiche Flauenbeihilfe von monatlich 1000 Mark hinzu. Weiter erhält derjenige Beamte, der Versorgungs- Pflichtige Kinder hat, eine monatliche Kinderbeihilfe. je nach dem Alter des Kindes und zwar für ein Kind bis za 6 Jahren 2000, für ein Kind zwischen 6 und 14 Jahren 2500, für ein Kind von 14 bis 21 Jahren 3000 Mark. Außerdem ist auf die Kinderbeihilfen bis 17. Oktober ein Teuer ungs zuschlag von 3 Prozent, nach dem 17. Oktober ein TeuerangSzuschlag von 11 Prozent, wie bei den Grundgehältern und Orts- zuslKägen hinzuzurechnen.
Neue Forderungen.
Berlin. 28. Oft (Wolff.) Die Führer des Deutschen DeamtLnbundes, des Allgemeinen Dent- schen Gewerkschaftsbundes, des Gewerkschafis- rtngeS und der Afa sprachen heute im Reichs- finanzministerlum wegen der durch die fortschreitende Teuerung bedingte Erschwerung der Lebenshaltung vor. Finanzminister Hermes empfing die Deputation persönlich ugd teilte ihr mit daß er die Rotlage der Beamtenschaft durchaus nicht verkenne und bereits Anordnung getroffen habe, daß Mitte nächster Woche neue Verhandlungen über eine Erhöhung der Bezüge der Beamten usw. aufgenommen werden sollen.
Die amerikanische Prohibitionsverordnung.
Bremen. 28. Okt,(WTD.) Bösmanns meldet: Rach einem in Bremen eingetroffenen Kabel- telegvamm aus Reahork ist die amerikanische Prohibitionsverordnung dahin geändert worden, dah es fremden Dampfern bis zur Entscheidung des höchsten Gerichtshofes, die wahrscheinlich im Dezember fallen wird, gestattet sein solt ihre volle Ausrüstung an alkoholischen Getränken mit sich zu führen. Die Dor- ratsräume sind vor Eintritt in die amerikanischen Gewässer zu versiegeln. Die Dampfergesellschaften haben eine Eingabe an den höchsten Gerichtshof gerichtet
Aus dem Reiche.
Drei Weißbücher deS parlamentarischen Untersuchungsausschusses.
Berlin, 28. Oktober. (Wolff.) Der ViererauSschuh des parlamentarischen Antersuchungs-Ausschusses (Vorsitzender Geheimrat Dr. Kahl), der die
Gründe des Zusammenbruches von 1918 zu prüfen hat gab soeben drei Weißbücher heraus. Die Weißbücher behandeln die Entstehung, die Durchführung und den Zusammenbruch der Offensive von 1918. Das dritte Heft enthält ein Gutachten des Sachverständi- gen-AuSschusses, des Obersten a. D. Schwertfeger über die Frage der politisch-militärischen 'Verantwortlichkeit, und zwar den ersten Teil bis zu Beginn der Offensive im März 1918. Das zweite Weißbuch enthält ein Gutachten des Generals der Infanterie a. D. v. Kuhl über die militärische Grundlage der deutschen Offensive von 1918. Das dritte Weißbuch enthält ein Gutachten des Geheimrats Prof. HanS Delbrück. Es war zunächst als Korreferat zu den beiden obengenannten Gutachten gedacht, geht aber stofflich und zeitlich über den Inhalt dieser Gutachten hinaus, so dah sich die beiden übrigen Sachverständigen dazu noch äußern werden. Diese Weißbücher enthalten lediglich Gutachten; der Ausschuß nahm zu den Fragen noch nicht Stellung.
Sie Eifenbahnerbewegung.
Berlin, 29. Ott Eine gestern abgehaltene Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Berlin des Deutschen Eisenbahner-Verbandes nahm scharf Stellung gegen die kommunistischeStreik- hetze. Der Ortsvorsitzende Scheffel bezeichnete die Zugeständnisse der Regierung zwar als unzulänglich. lehnte aber einen sofortigen Streik der Eisenbahner ab. Schließlich büre man nicht vergessen, dah die Regierung den Arbettern für Oktober einen Vorschuß von 3830 Mark gegeben, wovon zunächst nur 1000 Mark zurückzuzahlen feien. Ein Streik würde aber jedem Arbeiter kaum einzuholende Verluste bringen. In der Debatte forderten die Kommunisten eine sofortige Aktion. Scheffel verwies in [einem Schlußwort auf das einzige Mittel der Verbesserung der wirt- schastlichen Lage, nämlich Ermäßigung der Reparationsleistungen. Die kommunistischen Anträge wurden abgelehnt und eine Entschließung angenommen, die Raum für 'neue Verhandlungen mit der Regierung lassen.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 30. Oktober 1922.
Unserer Anzeigenkundschast zur gefl. Beachtung.
Infolge -er schwierigen Verhältnisse im Zeitungsgewerbe muß der Annahmeschluß für Anzeigen pünktlich eingehaltea werden. Die Entgegennahme von Anzeigen findet bi- zum Abend vor dem Aufnahmelag statt; Anzeigen für die Samstagsmunmer müssen spätestens bis Freitag mittag aufgegeben sein.
Geschäftszeit
von 8—1273 Uhr und von 2—51/» Uhr.
Verlag deS Gießener Anzeigers.
*
Die Elektrizitätsversorgung unserer Stadt
ist in letzter Zeit mehrfach zum Gegenstand abfälliger Kritiken gemacht worden. Man beschwert sich über häufige, mitunter an einem Tage mehrmals vvrkvmmende älnterbrechungen in der Stromzufuhr, wodurch die Gewerbebetriebe kürzere oder längere Zeit zum Stillstand tarnen und starke Arbeitsverluste entstanden; man beklagte sich ferner über ungleiches, flackerndes Brennen des Lichtes m den Abendstunden. Daß die Stromabnehmer durch diese schädigenden bzw. lästigen .Vorkommnisse erbittert wurden und ihren Zorn in Beschwerden ausdrückten, ist verständlich. Man beschwerte sich, was ja für Außenstehende als das Rächst liegende anzusehen ist. bei der Direktion der Elektrizitätswerke und Uebertanbanlage der Stadt Gießen, diese kann aber, wie sie uns erklärt, für diese fatalen und auch von ihr bedauerten Störungen nicht verantwortlich gemacht werden. Die Direktion des Gießener Werks teilt uns zur Aufklärung folgendes mit:
„Der im Stadtgebiet sowohl, als auch im Heberlandnetz zur Verteilung kommende Strom Word teilweise von dem staattichen Kraftwerk in Wölf ers heim bezogen. Der Stormöezugaas diesem Werk ist außerordentlich unsicher. Die Spannungen schwanken außerordentlich, und dies gibt die Veranlassung zu dem mangelhaften Licht. Hinzu kommt, dah häufig, an einem Tage fünf» bis sechsmal, der Strom plötzlich unterbrochen wird, was sich natürlich auf das ganze Reh überträgt. 3m Monat August d. I. z. B. sind 83 Unterbrechungen resp. Störungen, im
nach einem Handschuh, gefolgt von Lutz, tadellos in seiner enganliegenden bunfiten Uniform, das blitzende Einglas eingeklemmt, und zuletzt erschien auch Liane.
Schlank und ätherisch in einem enganliegenden silbernen Fischschuppenkostüm, mit langen Türkis- Ohrringen, die Grete sprachlos betrachtete.
Licme hatte heute ihren amüsanten Tag, Gras Retzkmnd, ein jugendlicher Sechziger, mit tintenschwarz gefärbtem Haar und Bärtchen — sein Kammerdiener brauchte täglich vier Stunden, um ihn so herauszubringen —. Intendant a. D., hatte auf Liane abonniert, und an diesen Sonntagen, dem einzigen Tag, da er nicht in seinen Klub ging, führte er sie zu Tisch. Der General muhte zwei Damen nehmen, die Majorin Linke, sie waren eben erst aus dem Osten herverseht, und Fräulein Schmidt. Frau von Herwegh führte der General a. 'S). von Kuhnt, ein eingefleischter Junggeselle, der die Frauen „par distancc“ zu schätzen wußte, besonders Frau von Herwegh, der Major z. D. Linke Frau Kollin, die in ihrem braunseidenen Kleid auch heute einen leidenden Eindruck machte. Es war aber bei ihr nur Befangenheit, diesen Uniformen gegenüber fühlte sie sich beengt, Tante Betty opferte sich mit Kollin, der einen bei Tisch nie zu Wort kommen sieh und alles mit seinem sonoren Organ überdröhnte. Emst hatte man mit einer Richte bedacht, sie war zu Besuch aus Thom gekommen, ein hageres Mädchen mit spitzen Ellbogen und einem Kneifer, das „auch musikalisch war", Grete wurhe von dem Fähnrich, einem Reffen des Generals, geführt, den Zug beschloß Lutz, Arm In Arm mit dem Lümmel.
Schon bei der Suppe verstand man sein eigenes Wort nicht mehr. Die Generalin bewachte
ängstlich den Lohndiener, der die flehten geschliffenen Portweingläser viel zu voll goß, sie war gegen den allzu reic^ichen Gebrauch des Alkohols, und behielt gleichzeitig den Lümmel im Auge, der die Gelegenheit gern benutzte, sich einen hinter seine weihe Binde zu giehen. „Heut fdjtoenf’ ich mir einen an," sagte er zu Lutz, „da könnt ihr Gips drauf nehmen."
Man sprach kreuz und quer über die Tafel, lieber die Ausstattungssucht des neuen Intendanten, alte wertlose Opern aus dem Staub der Vergessenheit hervorzusuchen, um sie mit großem Aufwand neu herauszubringen vor einem ungebildeten Kurpubli um, von dem RiÄ)ergang des Bades, seit die Spielsäle verboten waren, jetzt lief ja Krethi und Plethi im Kurgarten herum.
Die Generalin nickte Gvete zärtlich zu, an solid verheirateten jungen Ehepaaren hatte sie ihre Freude.
Beim Filet ä la Mazarin taute Kollin, der bis dahin schwelgend die Weinsorten, die nicht von ihm stammten, geprüft hatte, auf. Er fühlte sich als Vertreter der Demokratie diesen Offizieren und ihrem Anhang gegenüber. Seine Damen traten monarchisch gesinnt und seinen politischen Belehrungen .gegenüber unbelehrbar, sie waren für einen Kaiser, ein einiges Reich und für ein festes Heer. Aber Kollin gehörte noch zu den Rheinländern, deren Väter .Rapoleon gekannt hatten. Sein Großvater hatte die Freiheitskriege mitgemacht und sein Vater Achtundvierzig mit schwarzrotgoldenen Freiheitskokarden Barrikaden erstürmen helfen. Er versuchte der Gegenpartei seinen politischen Standpunkt zu begründen. Man war der ewigen Kriege satt. „Seit der große Fritz tot war und einer jener Fürsten anS Ruder
Monat September 36 und in dem Zeitraum vom 1. bis 15. Oktober 16 älnterbrechungen resp. Störungen im Strombezug vom Kraftwerk Wölfersheim eingetreten. Die Ursachen konnten von unserer Seite nicht näher festgestellt werden."
Wie uns weiter versichert wird, konnten wiederholte Vorstellungen der Gießener Direktion bei der Leitung des staatlichen Kraftwerkes bis jetzt noch keine durchgreifende Abhilfe herbei- fuhren.
Die Wanderausstellung der hessischen Arbeitsgemeinschaft sür bildende Kunst ist gestern in den Ausstellungsräumen des Oberhessischen Kun st Vereins von dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Bürgermeister Müller-Darmstadt, der Oeffentlichkeit übergeben worden. In einer Ansprache betonte Bürgermeister Müller, die Arbeitsgemeinschaft habe in der kurzen Zeit ihres Bestehens, jetzt IV2 Jahre, schon eine sehr zielbewußte Arbeit geleistet und nicht nur die materielle Unterftütjung, sondern auch die offizielle Anerkennung des^ Staates als maßgebliche Instanz in den Angelegenheiten der bildenden Kunst gefunden. Die jüngste Schöpfung der Arbeitsgemeinschaft sei diese Wanderausstellung. die nach ihrem Debüt in Offenbach nun das Gießener Publikum zum Besuche einlaben solle. — Die Ausstellung ist mit zahlreichen Werken beschickt. Eine Würdigung aus berufener Feder werden wir noch veröffentlichen.
Schützt die Wasserleitungen.
Er erscheint angebracht, auf die Rotwendigkeit eines ausreichenden Schuhes der Wasserleitungen gegen *ben Einfluß der Kalte hinzuweisen. Wasserrohre, Wassermesser und Denttte unter Druck zerfrieren, wenn die umgebende Temperatur unter 0 Grad sinkt. Teure Instandsetzungen, die jedesmal mehrere tausend Mark erfordern und von den Hauseigentümern, künftighin auch mit von den Mietern, getragen werden müssen, unangenehme Unterbrechungen im Bezug des Wassers sind die Folgen Rechtzettiges Schließen und Abdichten der Kellerfenster und Schächte, Einhüllen der freiliegenden Rohre, Abstellen unb Leerlaufenlassen der ungeschützten Wasserleitungen bei Frost, find gute Abhilfen, deren sorgfältige Anwendung nur empfohlen werden kann.
Vornotizen.
— Tageskalender für Montag. Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Die schwarze Pan- therin" und „Virginia, die Heldin von Pantomas". — Lichtspi.lhaus. Bahnhofstraße, ab heute: .Wenn die Liebe nicht wär!" und „Der lebende Ballast". — Palast-Lichtspiele, ab heute: „Iwan der Schreckliche" und „Der unheimliche Fahrgast".
— Groß-Wanderschau-Zirkus Henny ist eines der größten z. Z. noch in Deutschland reisenden Unternehmen. Das Programm der Darbietungen läßt an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig und wurde in anderen Städten, wo der Zirkus bereits Gastspiele gab, mit größtem Beifall ausgenommen. Alles Rähere enthalten die Inserate unseres Blattes.
♦
Wettervoraussage
f ür Dienstag:
Trübes, mildes Wetter mit Regen.
Eine starke Depression pflanzt sich von Frankreich her schnell ostwärts fort
e
•• Amtliche Persv na Inachrichten. Ernannt wurde am 19. Oktober der Kanzleige- hils-e Ernst Göbel aus Darmstadt vom 1. April 1922 an zum Oberassistenten bei dem Forstarbeitsamt. — Verseht wurde am 26. Oktober der Förster der Fvrstwartei Sprendlingen IV Heinr. Trupp zu Offenbach in gleicher Diensteigenschaft in die Fvrstwartei Eichelsachsen, Oberförsterei Schotten.
** 13 00 0 Mark für ein Zwanzig- markstück. Der Ankauf von G)ld für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt in der Woche vom 30. Oktober bis 5. Rovember zum Preise von 13 000 Mk. für ein Zwanzigmarkstück und 6 500 Mk. für ein Zehnmarkstück. Für ausländische Dolcinünzen werden entsprechende Preise gezahlt.
•* Der An kauf von Reichssilbermünzen durch die Reichsbank und Post erfolgt vom 30. Oktober an bis auf weiteres zum 350- fachen Betrage des Rennwertes.
** Die Teuer^ngsz rschlüge z u den Grundgebühren der Schornsteinfeger sind vom ^Hinlfterium des Innern mit Wirkung vom 23. ds. Mts. ab- wie folgt festgesetzt worden: für die Kehrbezirke der Städte Darmstadt, Mainz.
Heutiger Stand des Dollars
10 älhr vormittags:
Berlin 4150, Frankfurt a. M. 4100.
kam, den ihr Vorfahr selbst unter die „erlauchten Trottel Europas" zählte —“
Die Offiziere erhoben ihre Stimme: „Sie verteidigen wohl hier den Aufruhr, die Revolution, den Kommunismus?" Unb die Damen griffen ihn über die Tafel hinweg entrüstet an. Aber Kollin, die Hand um den Römer geschlossen, saß wie ein Felsblock mitten In dem brandenden Meer der Gegenreden. „Wir wollen nicht ewig Krieg führen müssen, nicht immer Säbelgerassel hören, wir wollen leben und arbeiten können und in Ruhe schlafen. Ich will mich auch nicht immer anschnauzen lassen, sondern behandell werden, tote — nun wie jenseits der ©renae jeder Straßenkehrer den anderen behandell — als Gentleman. Jedes Jahr werden die Steuern binaufgetrieben, man schnürt uns immer mehr den Hals zu, man legt uns Daumschrauben an, der Gendarm herrscht bei uns, der müßte mal zuerst verschwinden, und erst recht das überflufflge Militär!"
„So? Von wem wollen Sie denn dann bU Grenzen verteidigt haben?" rief per Major Linke über die Tafel, zwischen Tellergellapper und Gabelgellirr — man war eben bei dem Rheinlachs auf dem Rost mit Kaviartunke — „wenn Sie lein Heer wollen?"
„Ein kleines Heer will ich haben, soviel wir gerade brauchen, um die Grenze zu schützen.''
„Also eine Miliz!" Gelächter.
„Sine Miliz, wie in der Schweiz," fuhr Kollin fort. „Dort gebt« doch auch Die Bürger werden habet reiche Leute."
(Fortsetzung folgt)
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