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Nr. 230 Zweites Blatt

Der Handel der Vereinigten Staaten mit den europäischen

Ländern im Rechnungsjahr 1921/22.

Don 0. P. Austin, Statistiker der Neuhorker National City Dank.

(F.P.S^ Der Handel der Vereinigten Staaten mit Europa während des letzten Rechnungsjahres .weist einen günstigeren Abschluß auf als der mit den meisten andern Teilen der Erde. Wohl hat, -rein nach dem Wert berechnet, infolge des Preis­sturzes ein Rückgang stattgefunden, aber der Rück­gang des Handels mit Europa ist prozentual weit geringer gewesen als der mit den übrigen ^Weltteilen.

Auf der Einfuhrseite beläuft sich der Rückgang auf nur 11 Vr Prvz., was die von Europa eingeführten Waren anbelangt, während Die Änstchr aus Nordamerika (Canada, Mexiko) .sich um 42 Proz., die aus Südamerika um 40 (Prozent, die aus Asien um 23 Proz. und die !«us Ozeanien um 47 Prvz. verminderte. Der Gesamtwert der Einfuhr von Europa im Rech­nungsjahr 1921/22 beläuft sich auf 830 000 000 Lollar gegen 938 000 000 Doll, im Jahr zuvor, während der Wert der Einfuhr aus Nordamerika ich auf nur 700 000 000 Doll, gegen 1 207 000 000 Lollar im Vorjahr, der aus Südamerika auf 289 000 000 Doll. (i. V. 485 000 000 Doll.) und der aus Asien auf 705 000 000 Doll. (i. D. 910 000 000 Doll.) beläuft. Die Zahlen für Juni, chen letzten Monat des Rechnungsjahres, ergeben Jogar ein noch günstigeres Bild für den Handel mit Europa, da in diesem Monat die Einfuhr von dort einen Wert von 76 000 000 Doll, hatte gegen 55 000 000 Doll, im Juni 1921.

Auch auf der Ausfuhrseite steht, ver» glichen mit den übrigen Weltteilen, Europa günstig Da; denn'hrend die Ausfuhr dorthin dem Vorjahr gegenüber einen Rückgang um nur 39 -Prozent agfwies, ging die nach dem übrigen Nordamerika um 46 Proz., die nach Südamerika gar um 63 Proz., die nach Ozeanien um 51 Proz., und die nach Afrika um 63 Proz. zurück; nur die Ausfuhr nach Asien verringerte sich noch weniger nls die nach Europa, nämlich nur um 24 Proz. -Bei einem Vergleich der einzelnen Monatszahlen ergibt sich daß im Juni dieses Jahres gegenüber dem des Vorjahres die Ausfuhr nach Europa eine stärkere Zunahme erfahren hat als die nach jedem anderen Weltteil, nämlich von 178 000 000 auf 186^)00 000 Doll.,'hrend gleichzeitig der Export nach dem iibrigen Nordamerika erheblich zurückging, der nach Südamerika und der nach Ozeanien eine geringe Zunahme aufwies, endlich Hie Ausfuhr nadji Asien sich im Juni der beiden Bahre auf etwa der gleichen Höhe bewegte.

Von den wichtigsten europäischen Ländern! weisen drei eine Zunahme ihrer Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten auf: Deutschland, Stadien und Belgien. Die Einfuhr der Vereinigten Staaten aus Deutschland während des letzten Rech- nungsjahres belief sich ihrem Werte nach auf 96 000 000 Doll, gegen 91 000 000 Doll, im Jähr zuvor,' gleichzeitig stieg der Wert der Einfuhr aus Italien von 59 000 000 auf 61 000 000 Doll, und der aus Belgien von 42 465 000 auf 42 793 000 Dollar. Alle übrigen europäischen Länder, so wett sie in den bis jetzt bekanntgemachten Berichten des Handelsdepartements aufgeführt sind, wei­sen einen Rückgang ihres Exportes nach den Vereinigten Staaten auf; er betrug für Großbritannien sogar 58 000 000 Doll, (von 328 000 000 auf 270 000 000 Doll.), während für die meisten übrigen europäischen Länder der Rück­gang nur unerheblich ist. Sehr stark ist, hauptsäch­lich infolge des Preissturzes für Zucker der Wert­rückgang der Einfuhr aus Cuba und beträchtlich auch der aus Canada. Hingegen gehört Japan zu den wenigen Ländern, deren Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten sehr stark zugenommen hat; sie ist von 253 000 000 Doll, im Rechnungsjahr 1920/21 auf 308 000 000 Doll, im letzten Jahre gestiegen; auch ist Japan das einzige Land, wohin die Ausfuhr der Vereinigten Staaten eine wesentliche Wertsteigerung erfahren hat.

Die Zunahme der amerikanischen Einfuhr aus Deutschland erstreckt sich hauptsächlich aus Kohlen­teerprodukte, Baumwollspitzen und dekoriertes Porzellan. Die Einfuhr aus Italien steigerte sich vor allem in Artikeln wie Früchte und Nüsse, Käse und Olivenöl. Der Rückgang der Ein­fuhr aus Großbritannien erstreckt sich vornehm­lich auf Wolle, Iuteerzeugnisse und Diamanten.

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Die Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.

4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Aber Grete dachte anders darin. Aus dieser kaufmännischen Welt wehte ihm das war ihm schon bei seinen Freunden, die Kaufleute geworden waren, aufgefallen eine merkwürdig kühle Lust entgegen. Ihre Weltanschauung befremdete ihn, den Idealisten und Kunsthungrigen. Was denen wichttg war, war ihm so nebensächlich, und was ihnen unwert erschien, bedeutete ihm Lebensinhalt. Nur sein Freund Stolzenberg trieb die Musik aus Passion, aber schließlich gehörte sie auch zu seinem Metier . . .

Rechtsanwalt! Es war nicht leicht für jemand, der sich gegen alles Reale und Kaufmännische bisher gesträubt hatte, dem alles stemd und pein­lich war. was mit Geldangelegenheiten zusammen­hing, mit Geldverdienen, mit dem unmittelbaren Einheimsen eines Gewinnes. . . Aber Grete. . .

Unt> der Rüdesheimer Bewerber, der schon so siegreich umherstolzierte, begünstigt von einer ganzen Familie, und Grete konnte auch nicht ewig ihrem Vater Sand in die Augen streuen...

Mit einem Seufzer tat er die Geige in den Kasten zurück, dann machte er sich fertig zu seinem Rendezvous.

Die Schildkrötensuppe war köstlich und die Dlätterteigpastete, deren Rezept Frau von Her- tocgf) niemals preisgab, übertraf alle Erwartun­gen. Das Geheimnis ihrer Güte bestand nämlich einfach darin, daß der Lümmel mit dem Span­korb des Morgens aus den Markthallen ein Paar Hundert Seemuscheln holen ging, die man

Gießener Anzeiger (General

Aus Stabt und Land.

Gießen, 30. September 1922.

Ein interessantes höchstrichterliches Urteil.

Der Versuch der Steuerhinterziehung ist selbst dann strafbar, wenn jemand in der Ab­sicht der Hinterziehung eine bewußt unrich­tige Steuererklärung abgibt, obwohl er gar nicht steuerpflichtig ist. Dieses Urteil des Bayerischen Obersten Landesge­richts teilt jetzt der Reichsminister der Finanzen seinem Bereich mit. In einer Steuer­erklärung für das Reichsnotopfer war eine Forderung von 5000 Mark verschwiegen wor­den. Das Landgericht nahm die Absicht der Steuerhinterziehung an. Es war nur ein Ver­mögen von 2300 Mark angegeben worden. Der Steuerpflichtige glaubte aber, daß nur 5000 Mark steuerfrei wären, während 25 000 Mark steuerfrei gewesen wären. Das Berufungs­gericht erklärt, es stehe nichts im Wege, den Grundsatz der Strafbarkeit des Versuchs mit untauglichen Mitteln wie am untauglichen Ob­jekt auf die versuchte Steuerhinterziehung an­zuwenden. Der verbrecherische Vorsatz reiche zur Bestrafung hin.

*

** Der Valuta starke Auslän­der auf der Reichsbahn. Eine beson­ders bequeme Fahrt auf der Reichsbahn suchen sich neuerdings Reisende her höheren Wagenklassen, besonders aus dem valutastar­ken Ausland, dadurch zu sichern, daß sie be­haupten, krank zu sein, mehrere Fahrkarten lö­sen und die entsprechende Zahl von Plätzen für sich in Anspruch nehmen. Auch bei Platz­mangel verlangen sie, daß die bezahlten Plätze frei bleiben. Der Tarif gibt dazu aber kein Recht. Der Reichsverkehrsminister hat des­halb angeordnet, daß mit allen Mitteln da­gegen eingeschritten wird. Es können mir ganze Abteile belegt werden, nicht aber mehrere Plätze durch eine Person. Für Kranke sind be­sondere Beförderungsarten vorgesehen.

** Zwetschen ausgekernt zu dör­ren ist noch wenig bekannt und doch spart man dadurch an Heizmaterial, weil die Zwet- schen, mit der runden Seite auf das Draht­geflecht der Dörrhorden gelegt, eine größere Verdunstungsfläche haben als beim Dörren der geschlossenen Früchte. Bei Anwendung von zu großer Hitze würde natürlich der Saft anfangen zu brodeln und auslaufen, aber stellt man die Gasflammen klein genug wie es ja überhaupt Vorschrift beim Dörren auf GaS ist, so entsteht gedörrtes Obst, das im Ge­schmack mehr den frisch geschmorten Zwet- schen ähnelt als käuflichen oder im Backofen gedörrten Backpflaumen. Mm GaS zu sparen, dörrt man nur einige Stunden auf dem Gas, stellt dann die Horden kreuzweise übereinan­dergestellt beiseite, um sie nach einigen Stun­den oder am nächsten Tag weiter zu dörren.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 29. Sept. Die Stadtverord- neten-Dersammlung hat in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, die Iagdpachtpreise der Geldentwertung entsprechend zu er­höhen, wozu die neue Reichs-Pachtschuhordnung die Möglichkeit bietet. Der neue Preis soll das Zehnfache des seitherigen Satzes aus­machen. Die Erhöhung gilt mit rückwirkender Kraft für 1922; am 1. Februar 1923 tritt Neu­verpachtung der Jagden ein.

Starkenburg und Rheinheffen.

* Darmstadt, 29. Sept. Die Redak­tion derDarmstädter Zeitung" ist in das Gebäude des Ministeriums des Innern verlegt worden. Die Räume befinden sich im Erdgeschoß des linken Seitenflügels.

Kirche ixnb Schule.

Tagegelder und Reisekosten der Kirchen­vorstandspersonen und Kirchenrechner. Das Ministerium des Innern hat folgende

Bestimmungen erlassen:

Einen Anspruch auf Tagegelder und Rrise- kosten haben Kirchenvorstandsmitglieder bei

dann der Fischpastete beifügte. Die Fasane war Trinas Spezialität, und der General erhob sich, um ein Glas Burgunder auf das Wohl Trinas zu leeren, die mit den Schüsseln den Tisch um­kreiste. Darüber war Trina so gerührt, daß sie in Tränen ausbrach und sich erst beruhigte, als der Kaffee auf dem Tisch stand. Man hatte das Lieburtstagskind, die liebenswürdige Haus­herrin und den guten Rheinwein hochleben lassen.

Der General, er begann schon stark zu werden, in seinem Frack mit dem strahlenden Iohanniter- orden, den er Liane zu Ehren angelegt, sah auf seinem, angestammten Platze obenan, daneben Frau von Herwegh, seine Freundin, die ewig Junge; strahlend, in ihrem schwarzen Spihen- kleid, das den weihen Hals und den Ansatz der blendenden Büste freilieh. Die ftischen Orchi­deen an der Brust waren ein Geschenk ihres an­deren Nachbars. Doktor Rickert war immer ga­lant. Er teilte seine Aufmerksamkeiten zwischen ihr und der blassen Liane, die in ihrem weihen, die .schlanken Glieder lose umraffenden Crepe- de-Cyine-Gewand und dem von einem matt­blauen Band umwundenen rotblonden Kopf einer antiken griechischen Hetäre glich, die von dem Podest eines Museums gestiegen war.

Tante Betty hatte über ihrem taubengrauen Kleid,das norddeutsche Offiziersdamenkleid", das alte köstliche Mechelner Fichu drapiert, das sie in ihrem Testament Liane versprochen hatte. Nehmen Sie nur mein Fichu in acht," ermahnte Liane sie jedesmal.

Fräulein Schmidt in einem schmelzbestickten nagelneuen grünen Taftkleid,von der Mnver- zagt die Rechnung hab' ich noch nicht auf­gemacht", sah zwischen ihrem Liebling Ernst und ihrem Schmerzenstnid, dem Summet. Sie hatte einen unruhigen Platz, einer von beiden war immer unterwegs, um etwas herbeizuholem was.

-Anzeiger für Oberhessen)

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Dienstgeschäften außerhalb des Kirchspiels, Kirchen­rechner bei Dienstgeschäften, die aus)eryalb der Gemarkung ihres Wohnorts vorgenommen werden.

Das Tagegeld beträgt bei einer Dauer des Dienstgeschäfts (einschliehlich des Hin- und Rück­wegs) bis zu 3 Stunden 10 Mk., von mehr als 3 bis zu 8 Stunden 40 Mk., von metyr als 8 Stunden = 60 Mk.

Erfordert das Dienstgeschäft einen Zeitauf­wand von mehr als einem Tage, so werden im Falle auswärtiger Mebernachtung für jede llleber- nachtung 60 Ntk. vergütet.

Für die Vornahme verschiedenartiger Ge­schäfte an einem und demselben Tage kann nur einfaches Tagegeld gerechnet werden. Das Tage­geld ist auf die einzelnen Dienstgeschäste im Ver­hältnis des Zeitaufwandes zu verteilen, falls es zu Lasten verschiedener Kassen zu verrechnen ist. Als Reisekostenvergütung können für jeden angefangenen Kilometer der kürzesten Straßen- entfernung des Gefchäftsorts vom Wohnort 1 Mk. angefetji werden. Hierbei werden Hin- und Rück­weg je besonders gerechnet.

Soweit Gisenbähn- oder Dampfschiff- oder Postverbindungen vorhanden sind und deren Be­nützung dienstliche Gründe nicht entgegenste'hen, fällt die obige Reisevergütung weg, und es wer­den dafür die wirklich aufgewendeten Auslagen für die Eisenbahn-, Dampfschiff- oder Postfahrt erseht. Bei Gisenbahnsahrten soll die 3. Wagen- klasse benutzt werden. Die Benutzung einer 'höheren Wagenklasse ist im Tagegelbverzeichnis zu be­gründen.

In einzelnen und außergewöhnlichen Fällen kann das Kreisamt auf Antrag des Kirchenvor- standes Tagegelder, MebernachtungSgebühr und Reisekostenvergütung nach höheren Sätzen ge­nehmigen.

Das Ministerium setzt voraus, daß Reisen möglichst vermieden und auf solche Geschäfte be­schränkt werden, die sich durch schriftlichen Ver­kehr nicht erledigen lassen.

Schöffengericht.

Gießen, 26. September.

Ein Schütze des hiesigen Regiments entfernte sich im August l. Is. von der Truppe in der Ab­sicht, nicht mehr zu ihr zurückzukehren. Nach einigen Tagen tourbe es ihm jedoch klar, daß er mit seinen Militärileidem nicht weit kommen würde, weshalb er sich freiwlllig bei dem Regi­ment stellte. Wegen Fahnenflucht und 11 n- terschlagung einer Reihe von militärischen Dienst gegenständen erhielt er eine Gesamtgefäng­nisstrafe von 3 Monaten 2 Wochen.

Wegen Beleidigung eines Landwirts von Oppenrod wurde ein anderer Ganitoirt von da zu drei Geldstrafen von zusammen 250 Mark verurteilt. Seine Tochter erhielt wegen Beleidigung desselben Landwirtes eine Geldstrafe von 5 0 Mark, während letzterer auf ihre Wider­klage hin wegen Beleidigung die gleiche Strafe zu zahlen hat.

Ein Hüttenarbeiter von Wißmar hat ohne jede Veranlassung einem Marrne von Allendorf a. d. Lda. in der Nähe von Mainzlar auf offener Straße mit der Faust zwei heftige Schläge in das Gesicht verseht. Heute bedauert er fein Ver­halten, zahlt eine Buße von 50 Mark zugunsten der Ortsarmen von Allendorf und übernimmt sämtliche Kosten.

Erne Frau von hier ist der wörtllchen und tätlichen Beleidigung der Ehefrau eines Schaff­ners angeklagt. Auch diese Sache wurde dahin verglichen, daß die Angeklagte ihre Tat bedauert und die Kosten des Verfahrens zahlt.

Wegen Mißhandlung einer Witwe von hier wurde ein Kaufmann zu einer Geldst rafe von 200 Mark und zur Zahlung einer Buße von 190 Mark verurteilt. Erregt über eine beleidigende Aeußerung der Witwe gegenüber seiner Ehefrau hatte er der ersteren eine so heftige Ohrfeige verseht, daß sie ohn­mächtig zu Boden fiel, aus Mund und Nase blutete und von Sanitätern in ihre Wohnung verbracht werden mußte, wo sie noch bis gegen Abend bewußtlos lag. Später verlor sie infolge der Mißhandlung noch einen Zahn.

Ein Metallarbeiter von Heuchelheim wurde wegen Beleidigung eines dortigen Lager­arbeiters und dessen Ehefrau zu einer G e l d- strafe von 100 Mark verurteilt.

Schlichtungsausschutz der Provinz Oberheffen.

Verhandlung vom 2 8. September.

Der Arbeitgeberverband für Han­del und Gewerbe und die Vereinigten Fuhrwerksbesitzer in Gießen sollen vom

Trina vergessen hatte, an solchen Tagen war Trina immer sehr aufgeregt

Ihr Geburtstagsgeschenk, ein Zigarrenetui vom ,Melh am Kurhaus", ging von Hand zu Hand und wurde gebührend bewundert Nur Liane fand das silberne Krönchen zu groß. Aber Liane hatte ja Immer etwas an den Geschenken anderer auszusehen. Der schöne Lutz goß den Wein ein und sorgte für die Zigaretten.

Die Hängelampe unter dem Stecknadelschirm strahlte über eine vergnügte Tafelrunde, ein Slimwengewirr erfüllte das warme Zimmer, daß man glauben konnte, es fände eine Versteigerung hier flatt. Draußen quoll der Rheinnebel, ein trüber Novembertag ging feinem Ende entgegen. Drinnen war es warm und blühten Maiglöckchen in großen Iardinieren zwischen Torten und Weintraubenpyramlden, und Trina trug von Zeit zu Zeit eine frische Ladung Kuchen hinein.

Man war beim Kaffee und den Kartenkunst­stücken, einer Spezialität Doktor Rickerts. Das Streichholzrätsel, das er schon zum drittenmal der staunenden Tafelrunde aufgab, hatte noch keine Lösung gefunden. Frau von Herwegh war eben dabei; umstanden von ihren drei Söhnen, schob sie die Hölzchen eifrig hin und her.

Du mußt das erste gleich nach rechts legen, Mama," sagte Lutz, der den Rauch seiner Zigarette über ihren Kopf wegblies.Du machst es immer falsch," und er griff ihr über die Schulter.Gott, ich bin doch schon vor dir auf der Welt gewesen," sagte sie ärgerlich, und warf alles wieder durch­einander. Der Lümmel, derdie Kniffe" natür­lich längst heraus hatte, kniff das linke Auge zu: Nur Mut, Mama." In solchen Taschenkunst- flücfen war er stärker wie in lateinischen Auf­sätzen.

Sogar die erhabene Liane war aufqeflanben, um der unerklärlichen Lösung beizuwohnen. Der General ver^uchch es wtter. dem Beistand Iwtt

Samstag, 30. September 1922

1. Oktober 1922 an folgende Transport­arbeiterwochenlohne zahlen: den Kraft­fahrern 3400 Mk. (statt bisher, seit dem 15. 9. 22 2270 Mk.), den Fuhrleuten Über 21 Jahre 3300 Mark (2190 Mk.), den Lagerarbeitern über 23 I. 3200 Mk. (2140 Mk.) und den Arbeiterinnen über 23 I. 2500 Mk. (1420) Mk.).

Dem Deutschen Holzarbeiterver- banb und dem Arbeitgeberverband für Lahngau und Ober Hessen schlug der Schlichtungsausschuh für die Zett vom 16. bis 30. 9. 22 eine Erhöhung der Löhne der Säge- Werksarbeiter um 15 v. H. vor. Der Holz­arbeiterverband hatte in der Spitze 25 Mk. Stundenlohnzulage gefordert, der Arbeitgeberver­band aber eine Lohnerhöhung für die zweite Hälfte des September abgelehnt. Nach dem heuti­gen Schiedsspruch kommt der Maschinenarbeiter über 25 Jahre in Ortsklasse 3 auf 53,08 Mk. Stundenlohn. Der Schlichtungsausschuh gab den Streitteilen auf, über die Lohnregelung ab 1. 10. 1922 alsbald miteinander zu verhandeln.

Für die Arbeiter der W. Gailschen Ton­werke in Giehen und der Tonwerke Abendstern bei Heuchelheim und Htitten- be r g bei Leihgestern forderte der Fabrikarbeiter- Derbanb für die Zeit vom 17. bis 30. 9. 22 eine Erhöhung der Stundenlöhne um 20 Mk. in der Spitze. Die Arbeitgeber wollten die Löhne aber für die zweite Hälfte des September nicht er­höhen. Der Schllchtungsausschuh bewilligte eine Erhöhung des Stundenlohnes der Detriebsarbeiter über 21 Jahre von bisher 57,90 Mk. auf 60,50 Mark und der übrigen Löhne im gleichen Ver­hältnis vom 25. 9. 22 an und gab auch hier den Streitteilen alsbaldige Verhandlung über die Lohnregelung ab 1. 10. 22 auf.

In diesen drei Gesamtstreitigkeiten erhielten die Streitteile eine Woche Frist zur Erklärung über Annahme oder Ablehnung des Schieds­spruches.

Ohne öffentliche Verhandlung durch Verein­barung erledigten die Streitteile die Lohnstreit- fache des Fabrikarbeiterverbandes mtt der Z a h n- fabrifGermania" in Bad-Nauheim und die des Zentralverbandes der Bäcker mit den (Bäderinnungen Gießen und Bad- Nauheim.

Der Arbeiterrat der Buderusschen Eisenwerke in Hirzenhain erhob nach dem Detriebsrätegesetz Einspruch gegen die frist­lose Entlassung eines Formers aus Anlaß einer Streitigkeit zwischen Arbeitern im Betrieb, be­antragte aber, das Schlichtungsverfahren zunächst auszusehen, denn er wolle erst eine gerichtliche Entscheidung über die Berechtigung der frist­losen Entlassung herbeiführen. Der Schlichtungs- ausschuh entsprach dem Aussehungsantrag gemäß der Vorschrift des § 86 Abs. 2 des Betriebs­rätegesetzes.

Mus dem Aurlsverikündigungsblalt.

** Das AmtSverkündigungS« blatt Nr. 102 vom 29. September enthält: Die Hufschmiede. Gebühren der Schorn­steinfeger. Tagegelder und Reisekosten der Kirchenvorstandspersonen und Kirchenrechner Jahresberichte der Gelverbeaufstchtsbeam- tcn. Aenderung und Erweiterung des An­schlußgleises der Firma Dänninger. Herbst- Versammlung des Vereins beeidigter Fleisch­beschauer deS Kreises Gießen. ErwerbS- lvsenfürsorge. Dienstnachrichten. Gefun­den, verloren.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 1. Oktober: Tann­häuser. Montag, 2.: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag, 3.: Figaros Hochzeit. Mittwoch, 4.: Der fliegende Holländer. Donnerstag, 5.: Die Jüdin. Freitag, 6.: Die Braut des Lucullus. Samstag, 7.: Einmaliges Gastspiel der Prima­ballerina Illeana Leonidoff-Massera von der Mailänder Scala mit ihrem Ensemble. Somttag, 8.: Die Meistersinger von Nürnberg. Montag, 9.: Rigoletto. Dienstag, 10.: Die Braut des Lucullus Mittwoch, 11.: Doris Godunow. Schau­spielhaus. Sonntag, 1. Oktober: Die Weber. Montag, 2.: Der Richter von Zalamea. Dienstag, 3.: Gespenster. Mittwoch, 4.: Iphigenie auf Tauris (Schauspiel). Dormerstag, 5.: Die Weber. Frei­tag, 6.: Emilia Galotti. Samstag, 7.: Demetrius Hierauf: Wallensteins Lager. Sonntag, 8 , nachm. 31/2 Uhr: Alt-Heidelberg. Abends V/2 Ubr: De­metrius. Hierauf: Wallensteins Lager. Montag, 9.: Ein Sommernachtstraum. Dienstag, 10.: Di« Weber. Mittwoch, 11.: Emilia Galotti.

Gattin, die ihm, durch die Lorgnette zuschauend, Ratschläge gab, die aber auch nichts nützten.

Doktor Rickert war der Löwe des Tages, alles hatte sich um ihn geschart. Er sah lächelnd den anderen zu, wie sie sich mit heißen Köpfen be­mühten, etwas herauszubringen, was doch so einfach war . . . wenn man es kannte. Plötzlich meinte Fräulein Schmidt, Ernst könnte doch mal was spielen.

Ernst erhob sich berettwllligst, er hatte den ganzen Tag noch nicht viel gesagt, auf seinem verträumten Gesicht lag ein stilles Lächeln. Aber er ging nicht ans Klavier, sondern schlug an fein Glas . . .Meine Damen und Herren."

Die anderen horchten auf.Gr will eine Red« halten! Still doch

Ich will heute nicht vor mir, fonbern von der sprechen, der ich mein Leben verdanke." Frau von Herwegh blickte vor sich hin, sie war bewegt. Dieser Sohn, der ihr noch nie einen Kummer ge­macht hatte, der ihr die Hände unter die Füße breitete und an dessen Persönlichkeit man eigent­lich immer zuletzt dachte, weil er zu den Bescheide­nen gehörte, dankte ihr heute. Für alles, was sie ihm gewesen unb noch sein würde. Er sprach von ihr, der er seine glücklichen, sorglosen Kinder­tage verdankte, von seinem Vater-, der das Geben so ernst genommen hatte, ein treuer, gewissen­hafter Soldat, ein Preuße, pflichttreu bis zum letzten Atemzug. Die Generalin zog das Spitzen­tuch, Fräulein Schmidt blickte gerührt zu Ernst hin. Gr gllch ihrem ftühverstorbenen Verlobten, er verkörperte ihr Iugendideal und rief alle Ge­fühle in ihr wieder wach, die sie als junges Mäd­chen durchlebt, und jetzt, da er, straff aufgerichtet und mit leuchtenden Augen, aus seinem 11x1 innen Herzen Worte sprach, die seinen verehrten Eltern galten, dachte sie, das ist noch einer aus meiner Zeit. Die Neuen reden nur von sich.

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